Tag-Archiv | Vicky von England

Queen Victoria

Foto: Wikimedia/Commons Queen Victoria

Wir gedenken heute des Todestages von Alexandrina Victoria von Kent, bekannt als Queen Victoria. Sie wurde am 24.5.1819 im Kensington Palast geboren.

Foto: Wikimedia/Commons Edward Duke of Kent

Foto: Wikimedia/Commons Marie Louise Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld

Ihr Vater war Prince Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn. Ihre Mutter Marie Louise Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld.

Ihre Jugend verlief turbulent. Man griff von allen Seiten nach dem Thron. Ihr Vater verstarb früh und hinterließ große Schulden. Victoire konnte sich das Leben in England nur leisten, da ihr ihr Bruder Leopold I von Belgien finanziell immer wieder half. Er war auch der einzige zu dem Alexandrina, genannt „Drina“ Vertrauen hatte. 

Ihre Mutter begann eine Affäre mit dem Whig John Conroy und schottete ihre Tochter komplett von der Außenwelt ab. Drina musste in ihrem Bett schlafen, durfte keine gleichaltrigen Personen sehen und durfte nur unter strenger Aufsicht nach draußen. Zusehends hasste Drina ihre Mutter und Conroy, der ihr versuchte ein Blatt unterzuschieben, der ihm nach der Thronübernahme eine Arbeitsstelle als Sekretär zusicherte. Drina weigerte sich dieses zu unterzeichnen und versuchte sich aus der Enge zu befreien.

Ihre Gouvernante Baronin Lehzen half ihr dabei. Ab dem 17. Lebensjahr bestand Drina auf ihr eigenes Bett, was zu Ohnmachtsanfällen und Heulkrämpfen ihrer Mutter führte. Doch die junge Frau ließ sich nicht beirren und ging ihren Weg. Allein. 

Am 20.6.1837 um 6.00 Uhr morgens erfuhr Alexandrina, dass sie nun die Thronerbin sein würde. Am 28.6.1837 wurde die 18jährige wurde zur Königin gekrönt.

Sie legte den ungeliebten Namen Alexandrina „Drina“ ab und nannte sich nur noch Victoria. Niemand durfte sie mehr Drina nennen. Sie sprach jahrelang mit ihrer Mutter kaum noch ein Wort. Conroy fand unter Queen Victoria keine Arbeitsstelle.

Ihr erster Premierminister Lord Melbourne (nach ihm ist die australische Stadt Melbourne benannt) wurde ihr väterlicher Freund und enger Vertrauter, so dass ihr zu dem 58jährigen Witwer eine Liebelei nachgesagt wurde. Lord Melbourne beriet sie in modischen Angelegenheiten genauso wie in politischen Fragen.

Foto: Albert Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, Bild: F.X. Winterhalter 1842

Am 10.10.1839 kamen Prinz Albert von Sachsen Coburg und Gotha und sein Bruder Prinz Ernst zu Besuch nach London. Victoria verliebte sich augenblicklich in Albert und schwärmte bei Lord Melbourne ausführlich „er ist schön“. Lord Melbourne betrachtete dies mit großem Zutun, da er Albert als ihren Ehemann auserkoren hatte. Am 15.10.1839 bat Victoria Albert um seine Hand.

Am 10.2.1840 heiratete Queen Victoria Prinz Albert in der Chapel Royal des St. James Palace. Queen Victoria betrat als erste Braut in einem weißen Brautkleid die Kapelle. Sie setzte damit einen Trend, der bis heute (!) anhält. Bis dahin waren Brautkleider schwarz, rot, bunt oder goldfarben.

Das Paar bekam 9 Kinder in 17 Ehejahren. Erst als sie Mutter wurde, versöhnte sie sich mit ihrer eigenen, die ihr danach eine wichtige Beraterin wurde.

Albert wurde im ersten Ehejahr politisch von Victoria abgeschottet. Er langweilte sich fast zu Tode. Mit der englischen Gesellschaft konnte er nichts anfangen, da diese an seine Intelligenz nicht heranreichte und er aber wiederum mit dem Reiten und Jagdsport nicht so vertraut war. Lord Melbourne beobachtete dies mit großer Skepsis.

Sein ganzer Zorn richtete sich gegen Baronin Lehzen, die seit der Kindheit an der Seite von Victoria stand. Sie schottete die Queen komplett ab. „Der feuerspeiende Drache“, wie sie Albert nannte, hatte dafür gesorgt, dass er nur zu „gewissen Stunden“ an die Seite seiner Frau durfte.

Am 30.8.1841 nahm Lord Melbourne Abschied von der Politik und riet Victoria ihren Ehemann als persönlichen Berater einzustellen, da er merkte, dass sich der Prinz massivst langweilte. Der hochintelligente Prinz war zum „Königsgemahl“ degradiert und vegetierte geistig neben Victoria dahin. Victoria war unglaublich traurig über den Abgang ihres besten Freundes, nahm aber den sehr persönlichen Rat an.

Am 21.11.1840 wurde Kronprinzessin Victoria geboren. In den ersten 6 Ehejahren, sollten insgesamt 5 Kinder geboren werden. Während Victoria jede Schwangerschaft als Qual, Zeitvergeudung und Zumutung ansah, war Albert ein liebevoller Vater. Victoria selbst konnte mit den froschartigen Wesen nichts anfangen.

ich Bereits am 9.11.1841 erlaubte Victoria Albert den Zugriff zu allen Dokumenten und wurde somit ihr wichtigster politischer Berater.

Nun geschah die unangenehme Lehzen-Affäre, an der Victoria lange zu knabbern hatte:

Als das Paar nach einer Auslandsreise zurückkam, fanden sie die kleine Kronprinzessin Vicky abgemagert und schwer krank im Bett vor. Lehzen weigerte sich den Arzt zu holen. Als sich Victoria an ihre Seite stellte, verließ Albert wortlos das Zimmer. Er schrieb einen Brief und warnte sie vor den Folgen (sollte das Kind sterben, bist du Schuld). Victoria rief einen Arzt, der das kleine Mädchen in letzter Minute retten konnte. Lehzen wurde nun der Dienst quittiert.

Am 24.11.1848 starb Lord Melbourne in seinem Landsitz Brocket Hall. Victoria trauerte sehr um ihren Freund, dem sie nach wie vor Briefe schrieb, ihn um Rat fragte und ihn – oftmals unangekündigt – besuchte.

Im März 1861 starb Victorias Mutter, weshalb Victoria in tiefe Trauer verfiel. Die gesamte Arbeit blieb an Albert hängen.

Den größten Verlust in ihrem Leben, von dem sie sich nie wieder erholte, erlitt sie am 14.12.1861.

Prince Albert machte sich etwas kränklich auf den Weg zu seinem Sohn Albert nach Cambridge, um diesen von seinem allzu lockeren Studentenleben zur Räson zu bringen. Erbarmungslos schlug das Schicksal zu. Albert kam schwer krank zurück, sollte sich nicht mehr erholen. Er starb mit 42 Jahren am 14.12.1861 im Buckingham Palace. Victoria schrie sich die Seele aus dem Leib.

Sie verfiel nach dem Tod ihres Vertrauten, Geliebten und Ehemannes in Schockstarre und sollte sich im Grunde davon nie wieder erholen. Sie trug ab diesem Zeitpunkt bis zu ihrem Tod – 40 Jahre später – nur noch tief schwarze Witwenkleidung.

Sie betrieb einen regelrechten Totenkult: das Zimmer von Prince Albert durfte nicht mehr verändert werden, jeden Abend wurde auf den Nachttisch warmes Wasser gestellt, sein Sitzplatz am Tisch wurde eingedeckt, seine Kleidung wurde für den nächsten Tag hergerichtet, die Schuhe geputzt usw. Und das täglich bis zu ihrem eigenen Tod.

Queen Victoria machte ihren Sohn Prince Albert für den Tod des Vaters verantwortlich. Zeit ihres Lebens sollte sich das Verhältnis nie wieder bessern; sie verspottete und demütigte ihn und seine Familie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Man kann sogar sagen, dass hier Hass im Spiel war. Sie konnte ihn nicht mehr ertragen.

Sie verließ den Buckingham Palace für immer und zog sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Queen Victoria wohnte abwechselnd im Osborne House oder in Balmoral.

Einzig der langjährige Diener ihres Mannes John Brown war derjenige der ihre Düsternis aufhellen konnte. Er galt als typischer Schotte, war ungehobelt, ungepflegt und sprach Queen Victoria als Einziger mit „Woman“ an, was grob übersetzt die derbe Ausdrucksweise für „Frau“ ist. (Auch wenn Woman im englischen Frau bedeutet, hat es im englischen Königshaus nochmals eine andere Bedeutung; hier ist es eine derbe Ausdrucksweise.)

Er wurde ihr persönlicher Freund und ständiger Begleiter und durfte unangemeldet in ihre Privatgemächer. John holte Victoria aus ihrer starren Lethargie. Man konnte sagen: mit John hatte Victoria wieder Freude am Leben

Er wurde von der Familie äußerst kritisch betrachtet und man versuchte ihn permanent zu boykottieren und ihn hinauszubefördern. Dabei ging es der Familie ums übliche. John hätte es nur aufs Geld, auf die Juwelen und die Antiquitäten abgesehen. Doch der ungehobelte Bursche war einfach nur glücklich, dass „Woman“ wieder am Leben teilnahm.

1872 konnte er ein auf Queen Victoria verübtes Attentat verhindern, was die Queen nur noch mehr zum Anlass nahm an ihm festzuhalten.

Ab 1872 nahm sie wieder mehr am öffentlichen Leben teil und wurde vom Volk „als Landesmutter“ angesehen. Sie regierte das Land wieder, was wohlwollend aufgenommen wurde.

John war es auch, der ihr den Tod der Tochter Alice, am Todestag von Albert, am 14.12.1878 beibrachte. Victoria brach zusammen, John fing sie aber auf.

Als John selbst am 29.3.1883 starb, verdüsterte sich ihre Welt wieder.

Während Victorias Regierungszeit von 63 Jahren, hatte sie 10 Premierminister. Sie feierte ihr 50. und 60jähriges Thronjubiläum jeweils mit riesigen Festen.

Kaiserin Elisabeth besuchte Queen Victoria 2x. Einmal völlig unangemeldet und einmal angemeldet. Beide Frauen waren sich zutiefst unsympathisch. Kaiserin Elisabeth befand Queen Victoria als hässlich, fett und klein. Queen Victoria befand Kaiserin Elisabeth als oberflächlich und nicht sehr intelligent.

Foto: Scott Michaels via findagrave.com Sarkophag Queen Victoria neben Prince Albert, Mausoleum Frogmore im Park von Windsor Castle

Am 30.7.1900 starb ihr Lieblingssohn „Affi“ Prinz Alfred mit 56 Jahren an Kehlkopfkrebs. Wieder verdüsterte sich ihre Welt in Trauer und Tränen. Sie selbst war schwer krank geworden.

Victoria selbst wurde immer mehr von Rheumaschüben geplagt, sie konnte seit Jahren den Rollstuhl nicht mehr verlassen. Als man ihr dann noch mitteilte, dass ihre Tochter Vicky schwer krank sei, verdüsterte sich ihre Welt nochmals.

Nach dem Tod von Affi ging es immer mehr bergab. Sie aß kaum noch, konnte nicht schlafen und war rastlos.

Queen Victoria starb am 22.1.1901 um 18.30 Uhr 82jährig im Beisein der verbliebenen Kinder und Enkelkinder. Sie ruht neben ihrem Albert im Mausoleum Frogmore im Park von Windsor Castle.

~ Marie ~


Info am Rande:

Queen Elizabeth II übertraf die 63jährige 7monatige und 2 Tage anhaltende Regentschaft von Queen Victoria am 9.9.2015.

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Victoria Zoubkoff
Was mir das Leben gab – und nahm
Mit einem Nachwort von Horst-Jürgen Winkel (in jeder Buchhandlung erhältlich) 

Hans-Joachim Netzer
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (nur noch antiquarisch erhältlich)