Tag-Archiv | Sophie d’Alençon

Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern

Foto: rct.uk, Königin Marie von Neapel-Sizilien

Wir gedenken heute des Todestages von Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern, bekannt als Marie Sophie Königin von Neapel-Sizilien. Sie wurde am 4.10.1841 im Schloss Possenhofen geboren.

Foto: Wikimedia/Commons Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern. Ihre Mutter Ludovika Prinzessin von Bayern.

Marie wuchs, wie alle Kinder des Paares frei und liebevoll in Schloss Possenhofen und im Palais Max in München auf. Sie war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth und Schwägerin von Kaiser Franz Joseph.

Obwohl ihr Vater nicht oft zugegen war, war Ludovika eine liebevolle Mutter, die sich um die immer größer werdende Kinderschar kümmerte. Sie engagierte Hauslehrer, ließ die Kinder auch in Sport unterrichten, so dass diese Schwimmen, Bergwandern und die Buben Jagen lernten. Selbstverständlich gehörte der Reitunterricht dazu. Gerade Sisi perfektionierte diesen Sport in der Zirkusarena im Palais Max bis zum Umfallen.

Herzogin Ludovika kannte allerdings keine Gnade, wenn es um die Wahl ihrer Schwiegersöhne ging. Von Ehrgeiz zerfressen ihre Töchter so hoch wie möglich zu verheiraten, war ihr jedes Mittel Recht. Ob diese dabei glücklich wurden, spielte dabei keine Rolle. Erst im Nachhinein jammerte sie in ihren Briefen wie viel Unglück sowohl Sisi, Marie, Sophie und Mathilde mit ihren Ehen erfuhren. Dabei wurde sie jedes Mal zuvor gewarnt.

Auch bei der Wahl auf den neapolitanischen Kronprinzen Francesco (Franz) schlug der bayrische Gesandte Freiherr von Verger Alarm. Er warnte das Herzogspaar ausdrücklich vor dem völlig ungebildeten 16jährigen, der auch noch körperliche Mängel vorzuweisen hatte. Nicht nur, dass das Reich Neapel auf dünnen Beinen stand (die Aufständischen wurden immer mehr im Land), so könne der schwache Jüngling auf lange Zeit gesehen weder regieren, noch das Reich erhalten. Er sei weder geistig, noch körperlich in der Lage dazu. Marie musste ob dieser Worte Angst und Bang werden. Doch ihre Eltern kannten kein Erbarmen.

Nach einem Kaiser, sollte ein König Einzug ins Herzogshaus halten. Max und Ludovika schlugen als erste Begegnung wieder Ischl vor. Doch die Schwiegereltern erschienen ohne ihren Sohn. Diese hatten in weiser Voraussicht den Jüngling nicht mitgenommen. Marie weinte sich in den Schlaf. Elisabeth merkte, dass etwas nicht stimmte, doch es half nichts. Ihr Vater verkündete am 2.9.1857 die Verlobung. Als Marie dann noch ein Bild ihres Verlobten geschenkt bekam, ahnte sie nicht, dass dieses geschönt war.

Zwischenzeitig fand noch am 24.8.1858 die Hochzeit zwischen Néné (Helene in Bayern) und Maximilian von Thurn und Taxis auf Possenhofen statt. Das Paar war sich in Liebe zugeneigt und wurde – als einziges der Mädchen – sehr glücklich. Marie weinte bei der Hochzeit beinahe ununterbrochen.

Foto: Wikimedia/Commons, König Franz II von Neapel-Sizilien

Am 8.1.1859 fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München die Trauung per procurationem (in Abwesenheit des Bräutigams) statt. Die 17jährige Marie trug ein wunderschönes weißes Spitzenkleid, auf der Brust ein Medaillon ihres Bräutigams. Als Stellvertreter führte sie ihr Cousin Luitpold Prinz von Bayern vor den Altar. Schenkt man Beobachtern Glauben, war sie eine sehr unglückliche Braut, die mit Ungewissen in ihre Zukunft ging und ihren Bräutigam noch immer nicht persönlich kannte.

Am 13.1.1859 war es so weit. Sie reiste mit ihrer Familie nach Bari, Italien, um Franz endlich persönlich gegenüber zu stehen. Es muss für die wunderschöne, gertenschlanke, Elisabeth unglaublich ähnlich sehende Marie ein unfassbarer Schock gewesen sein, als sie den Kronprinzen zu Gesicht bekam.

Er war nicht nur um einen Kopf kleiner als sie (gut, dass war Kaiser Franz Joseph gegenüber von Kaiserin Elisabeth auch), aber er war auch noch unsagbar hässlich. Mit stoischer Miene ehelichte sie am 3.2.1859 in Bari den Kronprinzen noch einmal.

In der Hochzeitsnacht dann die große Überraschung. Die Ehe konnte nicht vollzogen werden. Franz litt an einer Vorhautverengung. Ganze 10 Jahre ließ er sich nicht operieren und die Ehe blieb nicht vollzogen.

Marie litt unter schrecklicher Einsamkeit und trauerte ihrer Kindheit hinterher. Wie in dieser Zeit üblich, durfte auch sie von ihrem alten Leben nichts mitnehmen, so dass ihr alle Personen fremd waren und auch die Kleider nicht die ihren waren. So kam sie auf die Idee den Bruder von Franz Ludwig Graf von Trani mit ihrer Schwester Mathilde „Spatz“ zu verheiraten. Der Verkupplungsversuch gelang und schon bald wurde Hochzeit gefeiert, so dass Spatz wieder bei ihr war und sie gemeinsam leben konnten.

Kurz nach der Trauung starb ihr Schwiegervater König Ferdinand II am 22.5.1859, weshalb ihre Schwiegermutter Königin Maria Theresia, eine geborene von Habsburg „pro forma“ die Regierungsgeschäfte übernahm. Dies deshalb, da Franz geistig nicht fähig war zu regieren. Marie wurde „pro forma“ Königin.

Die Aufständischen Giuseppe Garibaldi und Francesco Crispi planten einen Putschversuch um die Bourbonen zu entthronen. Die Armee und eine Horde Freiwilliger halfen ihnen bei ihrem Plan und stürmten den Palast.

Marie wandte sich hilfesuchend an ihren Schwager Kaiser Franz Joseph und ihre Schwester Kaiserin Elisabeth. Doch Österreich unterlag dem Sardinischen Krieg, Hilfe war daher ausgeschlossen.

General Felix von Schumacher, Marie und Franz fanden Zuflucht auf der Festung Gaeta, die allerdings kurz darauf ebenso beschossen wurde. Ihr schwachsinniger Mann wollte sich ergeben. Doch er hatte nicht mit dem Kampfgeist seiner schönen Frau gerechnet. Die 19jährige Marie versorgte die Verwundeten, verteilte die Vorräte und schoss sogar selbst mit einem Gewehr auf die Aufständischen. Tag und Nacht verteidigte sie die Festung vor den Rebellen.

Doch der Kampf war zwecklos. Am 13.2.1861 musste König Francesco die Kapitulation unterzeichnen. Dem königlichen Paar wurde ein feierlicher Abgang beschert. Die Aufständischen hatten den allergrößten Respekt vor Königin Marie, die so viel Kampfgeist bewiesen hatte. Auf einem französischen Schiff fuhr die Familie Richtung Rom, wo sie zunächst im Vatikan ihr Exil fanden.

Danach blühte Marie erst so richtig auf. Kein Skandal war ihr zu klein. Am 24.11.1862 bekam sie ein uneheliches Kind. Laut Marie Gräfin von Larisch Zwillinge. Der Vater soll ein gewisser Armand Graf de Lavayss gewesen sein; der in der päpstlichen Armee gearbeitet haben soll. Doch Larisch Biografin Brigitte Sokop konnte dies widerlegen. Es gab weder im Vatikan einen Lavayss, noch gab jemals dieses Adelsgeschlecht. Historiker Dr. Graf fand heraus, dass die Mädchen die angeblich auf die Namen Marie Luise und Luise Marie im Dominikanerinnenorden St. Ursula in Augsburg getauft worden waren, kein Eintrag finden ließ. Der Name des Pfarrers der die Taufe vollzogen haben soll, war derselbe Name, der Marie von Wallersee getauft hat, bekannt als verheiratete Marie von Larisch, welche später von Kaiserin Elisabeth durch die Kronprinz Rudolf Affäre Zeit ihres Lebens geschnitten wurde.

Dennoch wird heute noch dieser Name als Vater des Kindes von vielen Biografen übernommen.

Sokop fand heraus, dass das Mädchen vom Gesandten Salvador Bermudez de Castro oder aber von Ludwig von Trani abstammen könnte. Ludwig von Trani war niemand geringer als der Ehemann ihrer Schwester Mathilde. Was aus dem Kind wurde, ist bis heute ungeklärt.

Aus Dankbarkeit für die monatelange Versorgung schenkte Marie dem Orden ihr italienisches Brautkleid, ihren Spitzenschleier und eine wertvolle Alabaster Petrusstatue. Weiters übergab sie jedem Kind der dazugehörigen Volksschule eine Silbermedaille mit der Aufschrift „Zur Erinnerung an den hohen Besuch Marie Königin von Neapel“. Immerhin gehörten 500 Kinder zur Schule.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth zu Pferd

Danach zog sie sich nach München ins Schloss Biederstein zurück, um sich auf die Annullierung ihrer Ehe vorzubereiten. Doch die Familie Wittelsbach zeigte sich entsetzt und redete vehement auf Marie ein und so kehrte sie zu Franz nach Rom zurück, der sie mit offenen Armen empfing. Das Paar sprach sich aus und rückte nun näher zusammen. Ab sofort sollte so etwas wie ein Eheleben stattfinden.

1869 ließ sich ihr Mann endlich operieren, so dass nach 10jähriger Ehe diese nun vollzogen werden konnte. Das gemeinsame Kind Maria Christina Pia kam am 7.12.1869 zur Welt, starb allerdings bereits am 28.3.1870. Danach war Marie eine Zeitlang nicht mehr zu bändigen.

Sie ging oft und gerne mit ihrer Schwester Mathilde auf Europa-Reise. Dabei begegnete sie allzu häufig ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth.

Als diese ihre Reitleidenschaft für England und Irland entdeckte, lernte Marie auch Bay Middleton kennen. Was nun folgte war eine Beispiellosigkeit an Neid, Eifersucht und Intrigen.

Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf hoch zu Pferd Ölbild Tadeuz Ajdukiewicz

Marie von Festetitcs, Hofdame und Vertraute gab diese Intrige und neidvollen Tage seitens Marie in ihrem Tagebuch wieder. Von Anfang an war Marie außer Rand und Band, als sie den rothaarigen, kleinen Reitlehrer von Elisabeth sah. Obwohl Franz sie zu dieser Reise begleitete und das Paar mittlerweile sich versöhnt hatte und auch in Liebe zugetan war, missachtete sie Franz und herrschte ihn in einer Tour an. Sie brüskierte ihn vor allen Leuten, machte ihn zum Hanswurst und flirtete vor allen mit Bay herum, der sie links liegen ließ.

Als Kronprinz Rudolf anreiste, von seiner Mutter eingeladen und stolz darauf, bei der Reitleidenschaft und -tagen dabei sein zu dürfen, ahnte er nicht, was auf ihn zukommen würde. Von Anbeginn an, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Marie okkupierte ihn beinahe und ließ ihn nicht aus. Sie führte ihn vor wie einen Dackel und Elisabeth konnte kaum an ihren eigenen Sohn heran.

Foto: Wikimedia/Commons Bay Middleton

Am Reittag selbst sprang Kronprinz Rudolf mit Bay herum, als sei er ein Diener und nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen und nicht der 1. Reiter und höchste Reitlehrer seiner Mutter. Doch Elisabeth merkte nichts, da sie Voranritt, dem Tode näher, als dem Leben, denn am Pferd war sie wie eine Wilde und alle rund um sie hatten um sie Todesangst.

Marie von Festetics sah den Kronprinz in einem Salon und nach einem längeren Gespräch, gestand ihr dieser, dass ihm seine Tante zur Seite genommen und ihn aufgeklärt habe, dass eine Mutter eine Affäre mit Bay hätte. Die Hofdame, die Marie sowieso nicht leiden konnte, da sie alle von oben herab behandelte, fiel beinahe in Ohnmacht. Sie versicherte mit allen Schwüren die ihr einfielen, dass ihre Herrschaft, auf infamste diffamiert worden sei. Noch am selben Abend klärte Marie von Festetics die Kaiserin auf.

Schon am nächsten Tag stellte Kaiserin Elisabeth ihre Schwester persönlich zur Rede. Zuerst stritt Marie alles ab. Diese war so beleidigt, dass Bay die Kaiserin trainierte, Marie aber weder trainieren, noch eines Blickes würdigte, dass sie diese Intrigen sponn. Der Neid und die Eifersucht floss Marie beinahe aus den Augen. Denn auch sonst ließ sie kein Fettnäpfchen aus. Sie rauchte öffentlich Zigarillos, ging nackt baden und brüskierte wo sie nur konnte.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Foto: Wikimedia/Commons Mathilde Gräfin von Trani

Um Rudolf zu zeigen, dass es Elisabeth ernst und sie vollkommen unschuldig war, brach sie mit ihrer Schwester Marie. Da Spatz Marie zu Hilfe eilte und sich auf die Seite von Marie stellte, brach Elisabeth auch mit ihr. Zeit ihres Lebens sprach Elisabeth kein Wort mehr mit Marie. Dies ging so weit, dass Marie nach dem gewaltsamen Tod von Kaiserin Elisabeth nicht zu den Begräbnisfeierlichkeiten eingeladen wurde.

Marie zog sich mit Franz nach Paris zurück, wo sie mit Sophie Herzogin von Alençon zusammen traf. Das Paar kaufte in Neuilly-sur-Seine eine Villa und wohnte von da an feudal. Immer mehr freundeten sie sich an, bis sie nicht mehr voneinander lassen konnten. Von nun an, sah man die beiden nur noch gemeinsam. Franz und Marie hatten endlich zueinander gefunden.

Im Gegensatz zu Marie, konnte Mathilde das Verhältnis zu Sisi wieder aufnehmen. Spatz und Elisabeth waren wieder Schwestern, Marie und Elisabeth blieben Todfeinde. Sophie unglücklich in ihrer Ehe mit Ferdinand Herzog d’Alençon und auch Mathilde ließ sich in Paris nieder, als ihr Mann Ludwig sich schließlich umbrachte. Die drei Schwestern sahen sich jeden Tag und verbrachten viel Zeit miteinander. Umso härter traf es Marie, als ihr Franz am 27.12.1894 starb. Sie sollte ihn als Witwe um 31 Jahre überleben. Von nun an zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Als Sophie 1897 beim Brand im Bazar de la Charité zu Tode kam, nahm es ihr beinahe den Atem. Mathilde und Marie verließen Paris für immer und zogen nach München zurück, wo sie auch die Strapazen des 1. Weltkrieges gemeinsam erlebten.

Königin Marie von Neapel-Sizilien starb 83jährig am 19.1.1925 in München. Sie ruht neben ihrem Mann und Tochter in Rom in der Kirche „Via Giulia“.

~ Marie ~

Info nebenbei:

Wer die Geschichte rund um Bay Middleton lesen möchte, kann dies gerne hier tun:

https://sternenkaiserin.com/2017/04/09/william-george-bay-middleton/

Wer die Geschichte von Sophie Herzogin d‘ Alençon lesen möchte (Achtung, die Geschichte ist nicht für Jedermann!) ist hier richtig:

https://sternenkaiserin.com/2020/05/04/der-grausame-tod-von-herzogin-sophie-charlotte/


Text: Marie
Blogbeiträge: Marie
Bildrechte: rct.uk, Wikimedia/Commons, jourfixe-muenchen-ev.com


Literarische Hinweise: 

Hermann von Witzleben 
Herzöge in Bayern (nur noch antiquarisch erhältlich 

Bernhard Graf 
Sisis Geschwister Bildband (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Alfons Maria Franz Clemens Maximilian Prinz von Bayern

Alfons von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute des Todestages von Alfons Maria Franz Clemens Maximilian Prinz von Bayern. Er wurde am 24.1.1862 in München geboren.

Adalbert von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Amalia Infantin del Pilar von Spanien, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Adalbert Prinz von Bayern. Seine Mutter Amalia Infantin del Pilar von Spanien.

Adalbert war ein Sohn von König Ludwig I. Somit war Alfons ein Enkel von König Ludwig I, ein Großneffe von Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie und Großcousin von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Er besuchte das Humanistische Gymnasium, danach studierte er an einer Universität.

1880 trat er der Bayrischen Armee bei und machte in verschiedenen Ämtern Karriere. 1901 wurde er zum Generalleutnant ernannt, danach allerdings von seinem Kommando enthoben.

 

Louise Victoire
Foto: Wikimedia/Commons

Alfons ging in die Geschichte rund um die Kaisertochter ein. Er hielt um die Hand von Erzherzogin Marie Valerie an.

Doch diese fand beim ersten Treffen den Großcousin ihrer Mutter so sterbenslangweilig, dass sie diese anbettelte Alfons nicht heiraten zu müssen. Natürlich ging ihr Wunsch in Erfüllung.

Sarkophag, Alfons von Bayern, Michaelskirche, München, Foto: Wikimedia/Commons

Am 15.4.1891 heiratete Alfons von Bayern Herzogin Louise Victoire d’Orleans.

Sie war die schöne Tochter von Herzogin Sophie und Herzog Ferdinand d’Orleans. Sophie war die Schwester von Kaiserin Elisabeth. Das Paar bekam 2 Kinder und wurde äußerst glücklich.

Prinz Alfons von Bayern starb kurz vor seinem 71. Geburtstag am 8.1.1933 in München. Er ruht in der Michaelskirche in München.

~ Marie ~

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie 
Bildrechte: Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Brigitte Hamann 
Elisabeth Kaiserin wider Willen 

Christian Sepp 
Sophie Charlotte Sisis leidenschaftliche Schwester 

Der grausame Tod von Herzogin Sophie d’Alençon

Foto: Wikimedia/Commons, Herzogin Sophie

Vorwort: 

Wo ihr Biograph aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale. Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod. So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet, die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden, hatte man in späterer Zeit damit begonnen, bei der Schwester das Charlotte anzuhängen. Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen. Ich bleibe daher bei ihrem Namen „Sophie“. 

Was Sie hier lesen werden, wird drastisch sein. Die Bilder die ich Ihnen zeige, sind einzigartig. Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Bitte gehen Sie mit der Geschichte mit Bedacht um. Um die Bilder zu schützen, musste ich ein extra großes Logo anbringen. Bitte haben Sie auch dafür Verständnis.

Ihre Biografie in kurzen Worten vorab:

Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Wir erinnern an Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern.

Sie wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) . Ihre Mutter war Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt. Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Viktor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein, was aber in der Literatur als unwahrscheinlich gilt.

König Ludwig II
Foto: Wikimedia/Commons

offizielles Verlobungsfoto
Foto: Joseph Albert via Wikimedia/Commons

Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof. Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

 

Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon
Foto: Wikimedia/Commons

Louise Victoire
Foto: Wikimedia/Commons

 

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt. Sophies Ja-Wort glich einem „Ja, von mir aus.“

Philippe Emanuel
Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit. Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

 

 

 

 

 

Richard von Krafft-Ebing
Foto: Wiimedia/Commons

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass sie sich scheiden lassen wollte. Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Privatsanatorium Maria Grün
Foto: Wikimedia/Commons

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen „sexueller Abartigkeit“ in die Nervenheilanstalt Maria Grün  in Graz einliefern ließ. Dort fiel sie dem weltberühmten und berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen. Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valerie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante. Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valerie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese nochmals öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder. Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu. Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“ Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern). Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte. Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen. Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden. Ihre Haare sollten verbrannt werden. Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden. Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.
Lesen Sie deshalb nur weiter, wenn Sie nicht schwanger sind und sehr gute Nerven haben. Vielen Dank! 

Theaterkulisse Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt. Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen. Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz. Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut. Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren. Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen. Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

 

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte. Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen. Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus. Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf. Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit der Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war. Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus:

zeitgenössische Darstellung des Feuers
Foto: Wikimedia/Commons

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte. Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter. Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie. Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich. Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: Meisterdrucke.at

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen. Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort. Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençon eingefunden. Beide lebten zu dieser Zeit in Paris. Ferdinand war gebrochen, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt. Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen. Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab. Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen. Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachten Sie, dass die Kapelle nicht öffentlich zugänglich sind. Mir wurde der Zugang gewährt und alles was jetzt gezeigt wird, ist exklusiv:

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Am nächsten Tag sind Helfer, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen. Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss. Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen. Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos. Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen. Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen? Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend. Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürfen Sie selbst wählen. Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hat, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen. Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können. Doch die Augenzeugin berichtet, dass Sophie die Menschenmasse Angst machte und sie zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen. Wieder eine andere Dame berichtete, dass Sophie gemeinsam mit Valerie Kinder in Sicherheit brachte. Madame d’Anlau habe in einem Feuerschein dann nochmals Sophie gesehen, als diese vom Feuer umringt war. Sie sei dabei so friedlich gewesen. Sie griff nach dem Feuer und habe irgendwas gemurmelt, was sich wie „la feu“ (Feuer) anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten. Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren. Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen. „Aufgefahren in den Himmel“

Gedenkschrift
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Gedenkschrift
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt. Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil. Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen. Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen. Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer. Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

(Ich möchte daran erinnern, dass diese Fotos exklusiv sind)

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu. Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren darstellen sollte. Nur der Schädel wurde gefunden. Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet. Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen. In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe. Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte. Vielleicht hört man sie deshalb weinen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten. Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

 

 

 

 

 

 

 

~ Marie ~

Herzogin Sophie
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch. Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Sterbebild Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: sternenkaiserin.com – Marie

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweis:

L’incendie du Bazar de la Charité
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)

Sisis Geschwister (Bildband)
Bernhard Graf

Sisi und ihre Geschwister
Erika Bestenreiter

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Martha Schad