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Happy birthday Marie

Sisi und Marie – wie alles begann…. 

Sehr oft werden wir gefragt, wie wir uns eigentlich gefunden haben. Nicht wir haben uns gefunden, sondern sie mich.

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Foto: sternenkaiserin.com – Ida

Es war an einem heißen Tag in Ischl, es war der 15. August, ich flanierte mit meinem lieben alten Kaiser Franz Josef über die Esplanade als man irgendwo in der Menge ein Kreischen hörte..

Wieder einer dieser hysterischen Fans, aber was hilft‘s?

Augen nicht zu – wegen der Fotos –  und durch.. und wenn möglich noch lächeln.

Das war das erste Mal, dass wir uns gesehen haben, oder zumindest Sie mich!

Ich muss zugeben, ich erinnere mich bei der Menschenmenge, die an so einem Tag um mich ist, nicht mehr wirklich daran.

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Foto: sternenkaiserin.com 

Es vergingen Wochen, wenn nicht Monate, bis ich plötzlich über mein privates FB Profil eine Nachricht bekam.

So genau weiß ich es nicht mehr, aber diese Nachricht war nur eine von vielen…

„Hallo wie geht es Dir? Du siehst toll aus.. wie bist du dazu gekommen..“ der übliche Smalltalk begann…

Ich muss zugeben, ich bin oft sehr nachlässig darin, solche Nachrichten zu beantworten, weil es einfach sehr zeitaufwendig ist und es mich manchmal nach 12 Stunden Dienst einfach nicht mehr interessiert…

Es blieb ein loser Kontakt und der nächste August rückte näher. Somit mehrten sich auch die Nachrichten wieder.

Sie wollte mitfahren mit dem Jubiläumszug. 2016… hundert Jahre nach dem Tod des Kaisers stand alles in dessen Zeichen.

Mein damaliger Hofstaat war auf eine beträchtliche Größe angewachsen und so staunten das Mariechen und auch die anderen Fahrgäste nicht schlecht, als fast 20 Personen in Hoftrauer aus dem Zug stiegen. Man muss dazu sagen, schwarz ist nicht gerade die Lieblingsfarbe unserer Marie. (wer lesen möchte, wie das Ganze aus der Sicht von Marie ablief, klickt auf den Link:)

3 Jahre Sternenkaiserin – Aus der Sicht von Marie

Aber eigentlich hieß sie damals ja noch Petra, zu dem Namen Marie kam sie erst viel später…

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Petra fuhr also mit, kam ehrfürchtig in Attnang am Bahnsteig zu mir, um mich zu begrüßen und sich erstmals persönlich vorzustellen.

Sie brachte mir Zeitungsartikel über mich mit, die sie gesammelt hatte.

Nun lernte unsere Marie nicht nur mich kennen, sondern auch noch ein paar andere Herrschaften, die ihr den Floh ins Ohr setzten, sie solle sich doch auch ein Kleid besorgen und Hofdame werden.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Genau das hatte zur Folge, dass sich ihre Nachrichten an mich wieder häuften..

„Wie komme ich zu einem Kleid? Was brauche ich darunter? Welche Schuhe.. und, und, und…“

Ein Meer aus Fragen prasselte in den folgenden Wochen auf mich ein, die ich versuchte, so höflich wie möglich und doch so knapp wie nötig zu beantworten.

Da ich weder ein Verein, noch eine sonstige Eventagentur für historische Veranstaltungen, sondern eine Privatperson bin, die sich ihre Freunde gern selbst sucht, wusste ich nicht so recht, wie ich das sagen sollte. Denn: „Meine Hofdamen suche ich mir selbst!“ kann man ja so nicht unbedingt mitteilen, wenn man nicht unfreundlich sein will.

Zu meiner Verteidigung muss ich dazu sagen, das fand alles in einem Zeitraum von September bis Dezember statt. In genau diesem Zeitraum war ich aber damit beschäftigt, Wintergarderobe für 4 Tage herzustellen, da ein damaliger Bekannter, eben diese 4 Tage als Kaisertage im Winter organisieren wollte…

Kaisertage im Winter (hier der Link dazu) 

So saß ich zwischen Fellresten und Samtfusseln und beantwortet Fragen wie: „…kann ich auch ein modernes Ballkleid tragen?“ oder „brauche ich Handschuhe?“

Nichts desto trotz trafen wir uns bei besagtem Ball wieder.

Ich stand im ungarischen Delegationskleid, welches ich eigens für diesen Anlass genäht hatte, nicht nur sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Nichts war an diesem Abend so, wie es sein sollte…

Wochenlange Arbeit endete in einem Desaster…

Meine Damen, darunter auch unsere Ida und die eigens aus der Schweiz angereiste Tammi standen mit versteinerter Miene hinter mir und lächelten aufgesetzt.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Es war also kein Wunder, dass selbst eine außenstehende wie Petra damals auf den ersten Blick bemerkte, dass irgendwas gehörig falsch lief…

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

In meinem Kopf klangen Néné‘s Worte aus dem ersten Teil: „man hat mich noch niemals so gedemütigt Mama..“ und Magda Schneiders Antwort: „du darfst dir nichts anmerken lassen, hörst du!?“ und wie Néné erging es mir damals gleich… „das kann ich nicht, Mama! Das kann ich nicht!“

Wie auch immer, ging auch dieser Abend zu Ende und am nächsten Morgen packten wir alle unsere Sachen um abzureisen!

Für mich stand damals fest, es reicht endgültig!

All die falschen Versprechungen, all die Lügen und Intrigen, es war einfach zu viel!

Am Heimweg versuchte Ida mich davon abzubringen alles hin zu schmeißen, aber ohne Erfolg.

Mein Entschluss stand fest! Kleider einmotten und Ende!

„Privat Nachricht von Petra“ erschien ein paar Tage später auf meinem Handy und anstatt genervt darauf zu reagieren, ließ ich es einfach über mich ergehen.

Sie schrieb… ich antworte…

Sie schrieb wieder… ich antwortete… sogar mehr als nur zwei Worte…

Sie schrieb weiter…  ich schrieb zurück…

Das ging ein paar Tage, bis ich soweit war, wieder einmal einem mehr oder weniger fremden Menschen meine Telefonnummer zu geben…

ICH rief sie an!

Ich erinnere mich noch, sie stand vor irgendeinem Restaurant… ich glaube es war ein Italiener.

Sie redete auf mich ein, immer wieder kamen Sätze wie „mach was anderes! Erfinde dich neu! Du darfst nicht aufhören! Du bist perfekt in dem was du tust, bla bla bla…“

Von meiner Seite des Hörers  kam hin und wieder im besten Fall ein Schluchzen…

Bis dann plötzlich eine bestimmte Frage kam, „hast Du eine Pressemappe?“

… Schweigen auf meiner Seite!

Eine Pressemappe? Was bitteschön ist eine Pressemappe???

Ich bin diplomierte Krankenschwester. Ich liebe es historische Kleider zu nähen… woher soll ich wissen, was eine Pressemappe ist???

Irgendwann kam ein leises „Halloooohoooo??? Du musst doch eine Pressemappe haben, wer macht deine Homepage???“

„Ähhh..“ das Schweigen ging weiter. Okay jetzt war auch Mariechen klar, dass ich von solchen Dingen keine Ahnung hatte.

Sie schien irgendwie in ihrem Element zu sein und fuhr fort. Und das bei Minusgraden neben ihrem halb erfrorenem Ehemann vor dem Restaurant: „du brauchst eine Homepage… du brauchst eine Pressemappe, du brauchst jemanden der Termine für dich plant…“ vermutlich ahnte sie, wenn sie jetzt nicht mit mir redet, melde ich mich bestimmt kein zweites Mal mehr.

„Ähhh…… aha… ich kann im Word einen Brief schreiben, das war´s dann aber auch schon…“ murmelte ich kleinlaut.

Und dann kam etwas, womit ich niemals und zum damaligen Zeitpunkt noch weniger gerechnet hätte:  „wenn Du willst, dann helfe ich Dir??“

Ich glaubte an gar nichts mehr, an keine Versprechen, an keine Petra und am allerwenigsten von Allem an mich, also sagte ich einfach nur „okay.. danke“

Zwischenzeitlich hatte ich hin und wieder das Gefühl, meine Seele dem Teufel aus Oberösterreich verschrieben zu haben, denn ab diesem Zeitpunkt änderte sich alles! 😉 

Sie krempelte meine FB Seite um, wir erfanden gemeinsam den Namen „Sternenkaiserin“, sie bastelte unseren Blog, aber als wenn das nicht schon genug wäre, dauerte es nicht lange bis sie mich wieder einmal anrief.

Und nur so nebenbei erwähnt, seit diesem „wenn Du willst helfe ich Dir“ sind noch nicht sehr viele Tage vergangen in den letzten 4 Jahren, an denen wir nicht mindestens 1 Stunde am Tag telefoniert haben.

Aber zurück zu dem Anruf! Sie sagte: „sitzt Du?“ eine seltsame Frage, wieso wollte sie das wissen?

Und dann rückte sie damit heraus! Sie hatte es tatsächlich geschafft, dass wir eine Einladung ins Technische Museum bekamen und ich IN DEN HOFSALONWAGEN DER KAISERIN durfte!!!

Lebe deinen Traum… Hofsalonwagen Technisches Museum Wien (hier klicken)

Wer mich kennt, weiß wie sehr ich alte Züge mag und sie legte mir den allerhöchsten Eisenbahnwagon quasi zu Füßen…

Seither weiß ich jedes Mal wenn sie sagt: „sitzt Du?“ kommt etwas Gigantisches…

Ein Termin jagte den anderen, die Pressemappe, die sie inzwischen natürlich auch gemacht hatte, füllte sich immer weiter! Inzwischen ist daraus fast ein Buch geworden. 😉

Ich war entweder unterwegs, arbeitete oder saß an der Nähmaschine!

Wir wuchsen immer mehr zusammen, lachten und weinten zusammen.

Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen, die Nervensäge für die ich sie am Anfang gehalten hatte, hat sich mit einer solchen Beharrlichkeit nicht nur in mein Leben, sondern auch in mein Herz geschlichen, dass sie inzwischen zu einem der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden ist.

In den 4 Jahren, die wir nun gemeinsam gehen sind wir nicht nur das beste Team, die treusten Partner, sondern auch die besten Freunde geworden!

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Liebe Marie – Liebe Petra,

es heißt, man soll seine Träume leben – ich lebe meine Träume durch Dich!

Ich danke dir für jeden einzelnen Tag, den du an meiner Seite bist.

Für jedes Wort, mit dem du mich verteidigst und nicht nur wie eine Bulldogge vor, neben und hinter mir stehst, sondern auch für deinen unermüdlichen Einsatz!

Du bist nicht nur zur Fotografin, sondern auch zur Historikerin geworden wegen mir.

Du hast mich ins Schloss Wallsee gebracht, mich zu Gräfin Alix nach Schloss Artstetten gefahren, bist mit mir im Schloss Greillenstein bei Prinzessin Elisabeth von Bayern gewesen und hast mit mir den Palast Hohenems der Familie Waldburg Zeil besucht.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du hast mit mir im Schloss Ruegers Geister gejagt, bist mit mir trotz Pferdehaarallergie mit Atemmaske in die Spanische Hofreitschule gegangen.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Warst mit mir im Palmenhaus in Schönbrunn, hast hinter mir über die Treppen bis aufs Dach der Gloriette geschnauft.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du hast mit mir Veilcheneis beim Demel genascht und dir mit mir das Museum von Onkel Taa angesehen.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du hast mich auf dem Festwagen von Trauttmansdorff fotografiert und mir zugesehen wie ich in Schloss Laudon auf einen Baum geklettert bin.

Du bist mit mir in 4 Tagen durch 5 Burgen des Waldviertels gehetzt und hast dabei einzigartige Bilder gemacht.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du bist mit mir aufs Dach der Franzensburg geklettert nur um dann festzustellen, dass die Kamera klemmt, aber beim zweiten Versuch hat dann auch das geklappt.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du hast mit mir im Wappensaal von Klagenfurt heimlich ein paar Tränchen vor Rührung vergossen, als ein Chor nur für mich gesungen hat.

Du zwingst mich jedes Mal mit dir ein Dessert zu teilen, weil du weißt wie sehr ich Süßes liebe, mir selbst aber keines bestellen würde.

Du spielst für mich jedes Jahr wieder Christkind, nicht nur in meinem geliebten Totzi, sondern auch in der Albertina, mit dem wohl schönsten Christbaum von ganz Österreich!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du hast sogar gelernt wie man meine Kleider notdürftig flickt, wenn mal eine Naht reißt, obwohl du nicht mal einen Knopf annähen konntest!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Du schnürst mich kaltlächelnd ins Korsett, obwohl du weißt, dass du mir anschließend Pralinen in den Mund schieben wirst!

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Foto: sternenkaiserin.com – MJ

Du bist mit mir vor Schloss Fuschl Boot gefahren und hast mir im Winterpalais von Prinz Eugen bei der Totalen Finsternis aus dem Tanz der Vampire „in den Hals gebissen“

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Foto: knallschwarz.at

Du tanzt im Garten von Schloss Ruegers mit meinem Strohhut zu spanischen Gesängen und hast keine Ahnung wie weh es tut, mit einem Korsett zu lachen!

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Foto: sternenkaiserin.com – MJ

Du steigst auf Bänke, sitzt auf dem Boden, hängst dich todesmutig aus Fenstern und dekorierst ganze Schlösser um, nur um das perfekte Bild zu machen!

Foto: sternenkaiserin.com – MJ

Du bist gleichzeitig Christoph Wagner Trenkwitz und Karl Hohenlohe, wenn ich die Prunktreppe der Oper empor schreite.

Du schickst meiner Oma Geburtstagskarten und lasst mir beim Demel eine Torte in Veilchenfaben machen.

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Foto: Prinz Barbara Fotografin mit Herz

Du erinnerst mich an Dinge, die ich überhaupt nicht vergessen sollte!

Du übst stundenlang mit mir Texte und lachst auch bei der 27. Klappe noch über meine Fehler!

Du bist…

… diese Liste könnte ich noch unendlich weiterführen!

All die lustigen und einzigartigen Erlebnisse, die ich durch Dich erleben durfte werden uns für den Rest unseres Lebens begleiten!

Ich freu mich schon, wenn es wieder heißt: „…sitzt Du?“

Denn: „wir träumen groß!“

Ich hab Dich lieb!!!

Zu Deinem Geburtstag  wünsche ich Dir aus ganzen Herzen Alles Liebe!

Deine Sisi

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Rechtliche Hinweise:
Textrecht: Sisi
Bildrechte:  Sternenkaiserin.com, Charlotte Schwarz

Die Unterwäsche einer Kaiserin

Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich Euch das jetzt ein wenig erklären.

Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“

Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen.

Das Wort Korsett wurde in Frankreich geboren. Aus dem lateinischen „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“  zu „le corpsette” verkleinert, um diesem Kleidungsstück einen eigenen Namen zu geben und daraus entstand schließlich „le corset“.

Oft werden auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust und Mieder genannt, der Unterschied besteht darin, dass Schnürleib bzw. Schnürbrust als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder jedoch als sichtbares Kleidungsstück außen getragen wurde. Wir kennen es heute vor allem in der Trachtenmode immer noch.

Auch wenn es in der Antike nicht üblich war, fand man Hinweise, dass an hohen Feiertagen korsettähnliche Kleidungsstücke getragen wurden.

Auf Knossos fand man eine Statuette der Schlangengöttin, das Besondere daran ist ihre dargestellte Kleidung. Sie zeigt eine stark geschnürte Taille durch eine Art Mieder,welches die nackten Brüste fest umschloss und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil, eine Ausnahme in dieser Zeit.

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Foto: muellerundsohn.com

Die Griechen und Römer verwendeten Bänder und Gürtel, um die Taille schmal und den Busen hoch zu halten.

Man unterschied zwischen:

1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden
2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden
3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden

Im Mittelalter trug man möglicherweise korsettartige Unterwäsche, die nur zur Haltungskorrektur, aber nicht zur Körperformung diente. Man verwendete Leibbinden um den Körper zu formen und den Busen zu heben. Die Kleider wurden mit aussenliegenden Schnürwerk zusätzlich in Form gebracht.


Im 15. Jahrhundert war das Schnürmieder noch relativ weich. Es bestand aus verzierten Baumwollstoffen oder aus Ziegenleder und wurde mit Bändern geschnürt. Es endete unter der Brust und reichte knapp bis zur Hüfte.

Ab 1500 n. Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um zusätzlichen Halt zu erreichen, in die vordere Mitte wurde das Blankscheit, ein oftmals kostbar verziertes Holzstück eingeführt.

Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps. 

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Foto wikimedia/commons

(Queen Eliszabeth I. *7. September 1533 in Greenwich; † 24. März 1603 in Richmond)

An kleinen angenähten Ösen konnte man die Strümpfe befestigen. Die vordere Mitte nannte man Schneppe, sie lief spitz zu. Manche Modelle drückten die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben.


Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, dass es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt ausgelegte Korsettmodelle mit eingearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese Metallkorsetts dienten aber eher medizinischen Zwecken. 

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Foto: muellerundsohn.com

Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.


Zu Beginn der Barock (ca. 1615 bis 1715) bekam der bis dahin flach geschnürte Busen wieder mehr Bedeutung, durch eingearbeitete Rundungen und teilweise sogar Polsterungen wurde er nun wieder bewusst betont.

Die Dekolletés wurden immer tiefer, so dass man gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig entblößte Brüste hatte. Eigens eingearbeitete „Steißrollen“ dienten dazu, die ausladenden, schweren Röcke zu stützen. Die Modelle dieser Zeit wurden bereits aus kostbareren Materialien hergestellt und mit Rohr oder Fischbein verstärkt.

Mitte des 17. Jahrhunderts trug man zb in Spanien das Korsett sichtbar als Oberteil des Kleides. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Ein solches Stück reichte von der Hüfte bis zur Achsel und glich eher einer Rüstung als heutiger Unterwäsche. 

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Foto: muellerundsohn.com

Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.


 Im Rokoko (ca. 1715 bis 1790) kam der Beruf des  Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider) auf, man entwickelte bessere Passformen durch die Verlängerung über die Hüfte und das Einsetzen von Laschen um den Körper gezielter zu formen. Zu dieser Zeit wurde die Schnürbrust wieder hauptsächlich als Untergewand getragen. 

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Foto: muellerundsohn.com

Mehrlagiges Leinen durch eng aneinander liegende Stäbe versteiften es fast vollständig, in der vorderen Mitte wurde nach wie vor ein Blankscheit eingesetzt. Die Oberbekleidung bestand aus Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze und wurde mit Goldstickerei verziert.

In England distanzierte man sich zum französischen Modestil und begann nur noch am Rücken und auch nicht mehr ganz so straff zu schnüren.


Während des Klassizismus (ca. 1789 – 1814) wurde, auch durch die franzözische Revolution das Korsett so gut wie abgeschafft und man trug lediglich einen Brustgurt. Ab 1810 bevorzugte man dehnbare Untermieder aus Baumwolltrikot. 

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Foto: muellerundsohn.com


Im Biedermaier wurde das Korsett schon bald zum gesellschaftlichen Ausdruck von Moral und Anstand und somit zum zwingenden Bestandteil jeglicher Damengardarobe.

Vom Hochadel bis zum Mittelstand schnürten sich die Damen auf bis zu 40 cm Taillenumfang. Das Korsett wurde als eigenständiges Wäschestück nur noch unter dem eigentlichen Kleid getragen, war aber dennoch aufwendig verstickt oder bestickt. Es reichte weiterhin über die Hüfte, die nun durch angepasste Zwickel noch stärker geformt werden konnte. Insgesamt bestand ein solches Korsett aus bis zu 13 Einzelteilen. Ab 1828 wurden die Schnürlöcher, die bisher mit Seidenfäden umnäht wurden durch Metallösen verstärkt.

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Foto: muellerundsohn.com

Man ersetzte das hölzerne Blankscheit durch ein zweigeteiltes mit Haken und Ösen versehenes Metallstück, wodurch das An- und Ausziehen wesentlich erleichtert wurde! 

Wurde ein Korsett bisher maßangefertigt, begann man nun, sie industriell herzustellen und sie zusätzlich durch Dampf in Form zu pressen. 


Gegen Ende des 19. Jhd. wurden Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen. Durch die industrielle Fertigung wurde das Korsett zur Massenware und somit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Eigene Webtechniken ermöglichten die Fertigung in einem Stück wodurch der Tragekomfort durch das Wegfallen störender Nähte erheblich stieg. 

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Foto: muellerundsohn.com

Das Aufkommen der Krinoline ließ das Formen der Hüfte unnötig werden und somit wurde auch das Korsett wieder kürzer! Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen und verstärkten somit den Eindruck der Wespentaille zusätzlich. 

Die Erfindung der Nähmaschine 1863, löste die Webtechnik ab und revolutionierte die Korsettfertigung, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Man achtete mehr auf Hygiene und begann das Korsett über einem weiterem Wäschestück zu tragen 😉

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.


Zwischen 1870 und 1890 änderte das Korsett erneut die Form, die „Kürasstaille“ war höher gelegen und sehr lang gezogen. Es war vorne stark verlängert und schloss den Bauch rund ein, auch die Hüften wurden wieder mitgeformt, da die Kleider nun enger wurden.

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Foto: muellerundsohn.com

Die Brust wurde bewusst angehoben um die Taille optisch weiter zu verlängern, dadurch benötigte man ein eigens entwickeltes Löffelblankscheit aus Metall um ausreichend Stützung zu erhalten. Die ideale Taille lag zu dieser Zeit zwischen 43 und 53 cm! 


In der Zeit des Belle Epoche bekam das Korsett eine gerade Form, die sogenannte  „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform. Diese wurde als S-Linie bekannt, da sie den Körper in eine S-förmige Haltung zwang. 

Der Oberkörper wurde dadurch nach vorne gedrückt und man so ins Hohlkreuz gezwungen wurde, was wiederum das Gesäß zusätzlich betonte! Am Korsett waren zu dieser Zeit direkt Strumpfhalter angebracht. 

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Foto: muellerundsohn.com

Spätestens mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war auch dieses Korsett endgültig Geschichte und machte so Platz für moderne Damenunterwäsche.


Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen, anatomischen Zeichnungen erahnen.

Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!

Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit durch die Bewegungseinschränkung des Brustkorbes bei der Ein- und Ausatmung. Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war.

Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.

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Foto: @vitorian´s secret


Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die
sich freiwillig diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen.

Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille mit 13 Zoll bzw 33 cm Umfang!

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 Ethel Granger (1905-1982) Foto: vogue-italia

Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!

Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.

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Cathie Jung In The Guinness Book Of Records – Foto: peoplestrive.com


Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.

Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“  wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.

Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.

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Foto: neheleniapatterns.com

Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.

Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!

Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.

Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.

Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.


Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline, auch Reifrock genannt.

Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline.

Ca 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.

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Foto: neheleniapatterns.com

Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.

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Foto: wikimedia/commons

Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren. Heute verwendet man großteils leichte Kunststoffstäbe um die schweren Stahlbänder zu ersetzen. Denn ihr könnt mir glauben, 60 m Stahlbänder sind auch nicht leicht zu tragen.  

Zu Beginn waren Krinolinen gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.

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Foto: neheleniapatterns.com


Nun muss man nur noch wissen in welcher Reihenfolge „Frau“ sich anzieht, bzw anziehen lässt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach jemals wieder an die Schuhe zu kommen.

Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ein kleines Video habe ich natürlich auch für euch:

Video: sternenkaiserin.com – marie

Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden?  Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde und wie lange man es trägt.

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Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.

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Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.

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„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität, wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.

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Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied 😉

Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden 😉

Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch 😉

*Sisi*


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