Tag-Archiv | Max von Hohenberg

Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken heute des Todestages von Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal, bekannt als Erzherzogin Marie Therese (auch Maria Theresia, oder Maria Theresa; aber am meisten genannt und bekannt als Marie Therese). Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal

Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen. Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

 

 

 

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden. Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten, bat sie sich umzuziehen, bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging. Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Wikipedia/Commons, Stammbaum: Marie

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand. Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

 

 

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

Foto: Schloss-Artstetten.at

Foto: albertmilde.com Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt. Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ. In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ. Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese. Elisabeth war die Schwester von der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen. Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt. Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge. Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen. Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt. Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt. Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam. Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett. Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war. Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr. Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug. Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen. Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.
Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben. Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt. Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

 

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet. Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt. Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

 

 

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern. Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn sein Vater Karl Ludwig und trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete. Schwer krank und geschwächt kam ihr Mann nach Hause zurück. Sie pflegte ihren geliebten Mann im Palais aufopferungsvoll, doch er konnte nicht mehr gerettet werden. Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich. Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie von Chotek

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt. Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden. Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Marie Therese. Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe. Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte. Also war Marie Therese auf sich allein gestellt. Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen. Irgendwann ging ihm die Bettelei derartig auf die Nerven, dass er unter fast brutalen Bedingungen nachgab. Der Rest ist Geschichte. Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine beinahe lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante. Erzherzogin Marie Therese setzte sich gegen die Anweisung hinweg und nahm an der Hochzeit teil. Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!
Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 
Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 
Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 
Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 
Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 
Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig
Dein
dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 
9.Juli 1900 (1)

 

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden. Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden. Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart. Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln. Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt und Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war. Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys. Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder. Seine Ehe mit Maria Josepha von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren. Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama. Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde. Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte. Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug. Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein. Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm. Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte. Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte. Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte. Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

 

Foto: Wikimedia/Commons Dr. Viktor Eisenmenger

Foto: ÖNB Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm. Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte. Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können. Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet. In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde. So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten. Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand. Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören. Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt. Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam. Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen. Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur. Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar. Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung. Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet. Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

Foto: Wikimedia/Commons Berta Czuber

Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf. Sein Status im Habsburg Haus war: er war anwesend. Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun. Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde. So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885). Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte: „Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2) Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen. Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging. Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen. Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Foto: Wikimedia/Commons Maria de la Mercedes

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde. Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut. Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser galt“. Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er. Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

Foto: Wikimedia/Commons Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten. Danach ging es auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben. Doch der Tenor blieb aus. Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht. Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden. Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er. Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen. Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt. Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren. Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama. Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten. Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen. Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe. Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig. Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Foto: Wikimedia/Commons Albrecht von Württemberg

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie. Margarete Sophie

Foto: Wikimedia/Commons Margarete Sophie

(*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss. Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt. Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang. Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden. 7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb. Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren. Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata und Siegfried in Bayern in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph. Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth. Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen. Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten. Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte öffentlich oder in die Kajüte aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war. Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück. Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt. Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war. Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog. Sie nahm die Geschichte mit ins Grab. Sie starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Liechtenstein bei ihrer Schwester.

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte. Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof. Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst. Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich. Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand. Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende. Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Foto: SHB Kaiser Franz Joseph 

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan. Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten. Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte. Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle. Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch. Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über. Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchieende Maria Annunziata.

Foto: collections.nlm.nih.gov Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze. Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten). Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit. Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht. Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Antonia von Portugal

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen – noch so grausam und schwer. Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein. Sie begleitete ihn auf seinen letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann. Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahm. Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Nichte.

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen. Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen. In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen. Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war. Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge. Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz. Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz. Dort erfuhr sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren. Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten. Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies. Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück. Einzig Marie Therese durfte bleiben. Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben. Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita. Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten. Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen. Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein. Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren, Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz, Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971), Robert, Felix (*31.5.1916, †6.9.2011), Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007), Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010), Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989), in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht. Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg. Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob es schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug. Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese im Alter

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen. Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging. Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern. Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien. Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf. Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen. Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück. Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar. Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig erhalten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus. Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf. Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden. Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden. 1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie Wandnische, Marie Therese, Kapuzinergruft

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz. Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr. Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig. Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert. Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

 

~Marie~

 

Foto: Wikimedia/Commons Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

 

 


Fußnoten: 

(*) In jedem historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Marie
Stammbaum: Marie
Fotorechte: sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

Maximilian Karl Franz Michael Hubert Anton Ignatius Joseph Maria Herzog von Hohenberg

Maximilian von Hohenberg, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Wir gedenken heute des Todestages von Maximilian Karl Franz Michael Hubert Anton Ignatius Joseph Maria Herzog von Hohenberg, bekannt als Max Hohenberg. Er wurde am 29.9.1902 auf Schloss Belvedere geboren.

Franz Ferdinand, Foto: HGM Wien

Sophie von Hohenberg, Foto: Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten

Sein Vater war Erzherzog Franz Ferdinand. Seine Mutter Sophie Herzogin von Hohenberg.

Franz Ferdinand war der Sohn von Erzherzog Karl Ludwig, einem Bruder von Kaiser Franz Joseph.

Max war somit der Großneffe von Kaiser Franz Joseph und der bereits verstorbenen Kaiserin Elisabeth.

Max ist das einzige Kind (!) das jemals auf Schloss Belvedere geboren wurde. Er wuchs mit seinen Geschwistern sehr liebevoll und behütet auf.

Als Max 12 Jahre alt war, verlor er seine Eltern beim Attentat von Sarajevo.

Nach dem Tod der Eltern wurden die Kinder ein einziges Mal Kaiser Franz Joseph vorgestellt. Von ihrem Vormund Onkel Jaroslav Thun wurden sie in die Tschechoslowakei auf Schloss Konopischt gebracht. Das Schloss war im Besitz ihres Vaters.

Nach dem Ersten Weltkrieg verloren sie den Besitz und kamen nach Österreich zurück. Max und sein Bruder Ernst besuchten das Schottengymnasium.

Max studierte Rechtswissenschaft und promovierte 1926 in Graz. Er verwaltete den Familienbesitz und hielt engen Kontakt zu Otto von Habsburg.

Bona und Max bei der Hochzeit, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Am 16.11.1926 ehelichte er Gräfin Elisabeth Bona von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee. Das Paar bekam 6 Kinder.

Max und Ernst lehnten sich gegen den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich auf und wurden 1938 ins KZ Dachau gebracht.

Leopold Figl (der 1. Bundeskanzler der Republik Österreich) erzählte später, dass die Brüder mit heiterer Gelassenheit die Latrinen putzten und die Folterungen überstanden. Zudem galten beide als freundschaftlich und umgänglich zu den Mitgefangenen.

Elisabeth Bona konnte schließlich bei Hermann Göring persönlich ihren Mann aus dem KZ holen. Nach 264 Wochen konnte Max das KZ verlassen und wurde in Schloss Artstetten unter Arrest gestellt. Gleichzeitig wurde der Besitz enteignet.

Nach der Befreiung wurde Max von Hohenberg zum Bürgermeister von Artstetten gewählt, gleichzeitig nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf.

Otto bevollmächtigte Max die Familie Habsburg bei der Bundesrepublik zu vertreten, um die Vermögensverhandlungen zu führen. Diese scheiterten jedoch 1958 vor dem Verfassungsgerichtshof. Max legte danach sein Mandat nieder.

Sarkophag Maximilian von Hohenberg, Gruft Schloss Arstetten, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Max von Hohenberg starb 59jährig an den Spätfolgen der Folterungen vom KZ Dachau am 8.1.1962 in Wien. Er ruht in der Gruft von Schloss Artstetten.

~ Marie ~

Infos am Rande:

Wer sich näher mit der Geschichte befassen möchte, sei auf meinen großen Beitrag verwiesen:

https://sternenkaiserin.com/2017/06/28/erzherzog-franz-ferdinand-von-oesterreich-este-und-herzogin-sophie-von-hohenberg/

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie 
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, Franz Ferdinand Museum Schloss Artstetten, HGM Wien
Ich bedanke mich 💜lich für die Fotoerlaubnis und Mithilfe bei Schloss Artstetten.


Literarische Hinweise: 

Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber

 

 

 

 

 

 

Schloss Artstetten – oder der Besuch der Tante…

[bezahlte Partnerschaft]

Im Zuge des Projekts Denkmäler Leben führte uns unsere Reise in eines der vielleicht schönsten Schlösser an der Donau. Schloss Artstetten ist ein Schloss in der Marktgemeinde Artstetten-Pöbring im Bezirk Melk in Niederösterreich und befindet sich immer noch im Besitz der Familie Hohenberg. Der Name Hohenberg ist vermutlich den meisten von Euch ein Begriff, da er untrennbar mit der österreichischen Geschichte verbunden ist, mehr dazu aber später.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Schloss Artstetten war eines der ersten Schlösser, die ich gemeinsam mit Mariechen und unserer damaligen Fotografin besucht hatte, somit war dieser Besuch im Juni bereits das zweite Mal dass wir zu Gast bei der reizenden Gräfin Alix waren.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Heute noch erinnern wir uns mit Freude an ihre Worte, als wir uns zum ersten Mal begegneten:

 „Es ist, als wenn die Tante zu Besuch wäre…“

Ein Kompliment, das schöner nicht hätte sein können.

Etwas ganz Besonderes war mit Sicherheit die Bitte der Gräfin, die Gruft zu besuchen, da Franz Ferdinand die Tante so sehr gemocht hatte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Name Artstetten erstmals urkundlich erwähnt. Aus der mittelalterlichen Feste wurde im Laufe der Jahrhunderte ein Schloss, das unzählige verschiedene Besitzer hatte, bis es 1823 Kaiser Franz I. erwarb und es dadurch zu Habsburger Besitz wurde.

Kaiser Franz I. wurde auch „Der Blumenkaiser“ genannt. Schloss Artstetten war nur eines unter vielen in der Region, die er besaß. Im Umkreis von zwanzig Kilometern gehörten ihm vierzehn weitere Schlösser wie z.B. Persenbeug, Leiben, Pöggstall und Luberegg.

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Franz I. mit den Insignien des Kaisertums Österreich, (Friedrich Amerling 1832) Foto wikimedia/commons

Schloss Artstetten wurde ursprünglich als Witwensitz für die Kaiserin Karolina Augusta, die vierte Frau von Kaiser Franz I. und Halbschwester von Erzherzogin Sophie, der Schwiegermutter von Kaiserin Elisabeth, vorgesehen.

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Karoline Charlotte Auguste von Bayern, Foto: wikimedia/commons

Dreißig Jahre später ging das Schloss in den Besitz seines Sohnes, Erzherzog Franz Carl, dem Vater von Kaiser Franz Josef und Erzherzog Carl Ludwig über.

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Franz Karl von Österreich, Lithographie von Josef Kriehuber, 1850 Foto:wikimedia/commons

Erzherzog Carl Ludwig, Vater von Erzherzog Franz Ferdinand, erbte das Schloss im Jahr 1861. Er gestaltete das Haus innen wie außen großzügig um.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Er ließ u.a. jenes Badezimmer installieren, das heute im Museum zu sehen ist. Auch der Pool oberhalb des Schlosses wurde von Carl Ludwig errichtet.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

1889 übergab Erzherzog Carl Ludwig das Schloss Artstetten seinem ältesten Sohn, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der es nach seinen Vorstellungen weiter umbauen ließ.

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Franz Ferdinand als Kaiser von Österreich, Porträt von Wilhelm Vita (HGM) Foto:wikimedia/commons

Seit 1913 präsentiert sich Schloss Artstetten so wie wir es heute kennen:

als architektonisch reizvolle, von sieben charakteristischen Türmen flankierte Anlage.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erzherzog Franz Ferdinand ließ das Schloss weiter modernisieren. Es wurden nicht nur elektrische Leitungen und ein Lift eingebaut, sondern auch der „englische Landschaftsgarten“ wurde von ihm angelegt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Um Teile seiner umfangreichen Sammlungen auch in Artstetten unterbringen zu können, ließ er den so genannten  „Neubau“ errichten, in dem sich heute große Teile des Museums befinden.

Wer mehr über das tragische Schicksal von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner geliebten Sophie erfahren möchte, kann das hier:

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Die Schloss- und Pfarrkirche „St. Jakobus der Ältere“ an der Ostseite des Schlosses  ist durch eine Treppe mit dem tiefer liegenden Markt Artstetten-Pöbring verbunden. Die ehemals gotische Kirche wurde 1691–1698 zu einem barocken Saalbau erweitert und bis zum Schloss verlängert.

Erzherzog Franz Ferdinand gestaltete die Pfarrkirche im Stil des Historismus um.

Foto: sternenkaiserin.com – marie

Da seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, wegen ihrer aus der Sicht des Kaisers nicht standesgemäßen Herkunft nicht in der Kapuzinergruft bestattet werden durfte, errichtete er eine eigene Gruft unter der Schloss- und Pfarrkirche. Auch Franz Ferdinand verzichtete auf eine Beisetzung in Wien und wurde seinem Wunsch gemäß ebenfalls in der Gruft in Artstetten beigesetzt. Auf dem gemeinsamen Sockel sind die Worte „Verbunden durch das Band der Ehe, vereint durch das gleiche Geschick“ eingraviert und zeugen heute noch von der großen Liebe, die das Paar verband.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach dem Attentat vom 28. Juni 1914 erbte der älteste, damals erst zwölfjährige Sohn des Thronfolgers, Maximilian, Schloss Artstetten.

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Franz Ferdinand mit seiner Familie Foto: Hoffotograf 

Nach dem Anschluss von 1938 wurden Maximilian und sein Bruder Ernst (beide erklärte und bekannte Gegner des NS-Regimes) ins Konzentrationslager Dachau deportiert und Artstetten enteignet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges (1945) wählten die Bewohner Artstettens mit Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht Herzog Maximilian für zweimal fünf Jahre zum Bürgermeister des Ortes.

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Herzog Maximilian Foto: schloss-artstetten.at

Erst 1949 erfolgte die Rückgabe des Schlosses durch die Republik Österreich.

Nachdem Herzog Maximilian 1962 starb, wurde er in der Familiengruft beigesetzt, in der bereits sein Bruder Ernst seit 1954 ruhte.

1962 trat Herzog Franz, als ältester Sohn Herzog Maximilians, das Erbe Schloss Artstetten an.

Bereits 1977 nach dem frühen Tod von Herzog Franz überschrieb seine Frau, Herzogin Elisabeth von Hohenberg, Prinzessin von Luxemburg, ihrer ältesten Tochter, Anita Hohenberg, Schloss und Gut Artstetten.

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Anita Hohenberg Foto: schloss.artstetten.at

1980 kehrte Anita Hohenberg mit ihrer Familie nach Artstetten zurück und begann mit der Errichtung des Erzherzog Franz Ferdinand Museums, das 1982 eröffnet wurde.

Um das aus Schloss, Forst- und Landwirtschaft bestehende „Ensemble Artstetten“ als Ganzes zu erhalten wurde 2003 die Anita Hohenberg-Stiftung gegründet.

Als fünfte Generation nach Erzherzog Franz Ferdinand übernahm im Dezember 2015 ihre Tochter Alix de La Poëze d’Harambure-Fraye die Leitung des Familienunternehmens Schloss Artstetten. Das Schloss wird ganzjährig von der Familie bewohnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Bei unserem ersten Besuch damals trug ich ein hellblaues Kleid, das ebenso aus der Sissi Trilogie hätten stammen können.

Für den Besuch der wunderschönen Kirche wählten wir bereits beim ersten Besuch ein Tageskleid.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Als wir dieses Mal nach Artstetten zurück kehrten fiel unsere Wahl auf ein ganz besonderes Kleid. Wer kennt nicht die Szene, in der Romy Schneider in Bad Aussee Narzissen pflückt und ihrem Franzl dann in die Arme sinkt?

Ein Kleid mit weißer Lochstickerei und einem bestickten Gürtel, sommerlicher hätte es kaum sein können.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Das Wetter passte perfekt zum Kleid und so hatten wir an diesem Frühsommertag bereits mehr als 30 Grad.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wie schön beim ersten Besuch wurden wir auch dieses Mal überaus herzlich empfangen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nachdem wir mit dem ausgedehnten Garten und seiner einzigartigen Pfingstrosensammlung fertig waren, dachte ich schon beinahe ich wäre erlöst und dürfte aus dem „Geschirr“, wie die Kaiserin selbst ihre Kleider immer nannte.

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne mein Mariechen gemacht. Nachdem sie im Garten zuvor einen blühenden Jasminstrauch entdeckt hatte, schwante mir bereits schreckliches.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

So wunderte es mich dann auch nicht wirklich als sie mit Hundeblick fragte: „Sisiiiiiii…. Hast du den Jasmin gesehen? Du hast doch das schwarze Kleid auch mit???“

Natürlich wusste sie, dass ich dieses Kleid mit hatte. Natürlich wusste sie auch, dass ich ihr niemals einen Wunsch abschlagen würde.

Also ließ ich mich noch enger schnüren um mir dann das hochgeschlossene Trauerkleid anzuziehen und mit ihr gemeinsam die Familiengruft zu besuchen um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In einem solchen Kleid an einem so persönlichen Ort sein zu dürfen, ist für mich jedes Mal wieder sehr ergreifend.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich bedanke mich bei Gräfin Alix de La Poëze d’Harambure-Fraye für die Einladung und freue mich jetzt schon auf das Sommerfest in Schloss Artstetten, an dem ich nächstes Jahr ebenfalls teilnehmen darf. Ich hoffe natürlich ihr kommt uns zahlreich besuchen. 

Wer das Schloss samt Museum besuchen möchte, kann das von 1. April bis 1. November tun. 

Die genauen Öffnungszeiten findet ihr auf:

https://www.schloss-artstetten.at/besucher/oeffnungszeiten/

Einen kleinen Einblick in das Museum bekommt ihr hier:

Ihr solltet auf jeden Fall einen ganzen Tag einrechnen, um die Schönheiten von Schloss und Garten ausreichend genießen zu können.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Artstetten & Waldviertel Tourismus
Mit der bezahlten Kooperation mit Waldviertel Tourismus „Mit Unterstützung von Interreg V-A Österreich – Tschechische Republik | Kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, schloss-artstetten.at, hoffotograf, Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Schloss Artstetten

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Foto: sternenkaiserin.com – Marie, Relief Franz Ferdinand Museum – Schloss Artstetten „Franz Ferdinand und Sophie“

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an Sie richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – ein Teil von Sisis Hochzeitskleid – besichtigen. Unseren Beitrag finden Sie hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt. Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen. Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr. Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden. Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure Marie


Foto: zeno.org

Die Geschichte einer Tragödie, welche sich am 28.6.1914 abspielte. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen. Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Ich werde nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren. Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und seiner 2. Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

Stammbaum Erzherzog Karl Ludwig, dessen Frauen und Kinder, Fotos: Wikimedia/Commons 

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien Foto: Wikimedia/Commons

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde. In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franz (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862, Foto: habsburg.net

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde war er 38 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franzi (Ferdinand) war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand Karl 2,5 und die kleine Margarete Sophie knapp 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Marie Therese von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Marie Therese war knapp18 Jahre alt, als sie den knapp 40jährigen Witwer Karl Ludwig am 23.7.1873 in Schloss Heubach ehelichte. Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen. Die unglaublich interessante Biografie zu Marie Therese kann hier nachgelesen werden. 

Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Marie Therese wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte zwei weiteren Mädchen Maria Annunziata (*13.7.1876, †8.4.1961) und Elisabeth Amalie Eugenia (*7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder. Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte. Egal ob als Stiefmutter zu den Halbwaisen oder als Mutter zu ihren eigenen Töchtern. Sie war Mama aus vollem Herzen und Leidenschaft.

Maria Annunziata, Stiefschwester Foto: Wikimedia/Commons

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte. Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

 

 

 

 

 

Schloss Artstetten Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Franz und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf. Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) musste er und Otto über sich ergehen lassen. Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr. Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Badezimmer im Schloss Arstetten Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während sein Bruder Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind in vollen Zügen genoss. Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franzi, der einfach zu ernst für sein Alter war.

Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.) Foto: Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ. So wurde ein Schwimmteich – Swimmingpool – gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde vergrößert und angelegt und ein Badezimmer wurde eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit. Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

 

Gedenktafel, Enns Foto: denkmalprojekt.org

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde. Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte: „Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Kronprinz Rudolf als Jugendlicher Foto: oesta.gv.at

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden. Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte. Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Sisi intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz Ferdinand unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850, Foto: comune.modena.it

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

 

Das Goldene Vlies, Foto: habsburger.net

Seine Militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war. Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebraucht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war. Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880 Foto: Wikimedia/Commons

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt: „Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2) Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf. Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor. Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

SMS „Kaiserin Elisabeth“ Foto: Wikimedia/Commons

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung. Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan. In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen. Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs. Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit. Ein Teil ist im Schloss Arstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorischesmuseum in Wien.

MS Empress auf China Foto: Wikimedia/Commons

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank. Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte. 1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Sophie, Gräfin von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte. Er lernte Hofdame Sophie, Gräfin von Chotek kennen.

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien. Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief: „Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

 

 

Dr. Viktor Eisenmenger Foto: Wikimedia/Commons

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen. Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen. 1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Graf Leo von Wurmbrand, Foto: JosefNovak33

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte. Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem „Frauenzimmer“ „das Handwerk legen wollte“ (4). Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte. Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

 

 

Erzherzog Otto „der Schöne“ Foto: Antiquariat Futter

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen. Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag. Von Krankheit gezeichnet, wurde der Aufenthaltsort für Franz Ferdinand nach Ägypten bestimmt. Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen. Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut. Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt starb er schließlich am 19.5.1896 in Wien. Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man einen Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek.

Kronprinzessin Stephanie Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester Foto: Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen. Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung. Um diese zu erlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war. Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt. Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931). Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf. Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Graf Boguslaw von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren. Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896), ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

– Wolfgang Maria Karl Wilhelm Boguslaw Josef (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
– Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
– Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
– Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
– Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
– Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
– Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
– Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)

Erzherzogin Isabella Foto: Wikimedia/Commons

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt. Um die Kinder deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung. Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten. Sophie wurde an den Hof der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzogin Isabella glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen. Maria Christina war damals 16 Jahre alt. Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt. In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen. Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam. Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Erzherzogin Maria Christina Foto: Wikimedia/Common

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte. Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Erzherzogin Isabella mit Hofdame Sophie Gräfin Chotek, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger fürs Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden. Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei, eine verarmte Gräfin zu ehelichen. In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, Diener und jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Maria Theresa für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Godfried Marschall, Weihbischof Foto: Wikimedia/Commons

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut. Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt. Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph: „Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt. Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Prinzessin Ludovika von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie. Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen „in“ und „von“ wurde hier aufgearbeitet. Sisi wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre. Und das war die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen. Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln. Aber ich greife vor.

Hochzeitsfoto Sophie und Franz Ferdinand, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Hochzeit Sophie und Franz Ferdinand Foto: Wikimedia/Commons

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben. Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe. Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4 (!)  Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“. Maria Theresa, Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und seine Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Ring von Gräfin Sophie, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger begangen hat. Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob. Somit wurde aus Sophie, Gräfin von Chotek, Sophie Fürstin von Hohenberg.

Ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen. Josephine von Hohenzollern Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe danach war von Glück geprägt. Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

 

 

 

 

 

Stammbaum Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg, Fotos: Wikimedia/Commons

Schloss Konopischt Foto: viator.com.de

Schloss Belvedere Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein. Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen. Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

 

 

 

 

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah. Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein. Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt. Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte. Zumal er seine Sophie und seine Kinder als Thronerben und Kaiserin anerkannt hätte.

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren und Franz Ferdinand wusste, dass es Zeit war für ein mögliches Ableben an ihn und seine Lieben zu denken. Da er auch nach dem Tod von Sophie, die durch die morganatische Hochzeit nicht in der Kapuzinergruft beerdigt werden durfte, nicht getrennt sein wollte, begründete der die Familiengruft auf Schloss Artstetten. Sein totgeborener Sohn sollte der erste sein, der in der Gruft beerdigt werden sollte. Das seine Eltern nicht allzu lange danach folgen würde, konnte keiner ahnen.

Splitter der ersten Bombe die Fürstin Sophie traf. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf: „Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Mörder Gavrilo Princip Foto: Wikimedia/Commons

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen. Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen. Das aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

 

 

 

Mit so einer Waffe wurde Fürstin Sophie und Erzherzog Franz Ferdinand erschossen. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Zuerst traf er Fürstin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers. „Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7), soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

Original Wagen, Heeresgeschichtliche Museum Wien, Foto: Hemmings.com

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8) soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben. Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich. Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebten Kinder gerichtet gewesen. Auch deshalb ist es fraglich, weil Franz Ferdinand Sophie liebevoll „Soph“ nannte, was aus unzähligen Briefen hervorgeht. Aber eine schöne Anekdote ist es trotzdem und so erzähle ich sie gerne. 

Auch Erzherzog Franz Ferdinand stirbt noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war. Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden. Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Hinzugefügt werden muss, dass Erzherzog Franz Ferdinand einen Lebensfeind hatte. Alfred Fürst von Montenuovo (*16.9.1854, †6.9.1927) war der letzte Obersthofmeister von Kaiser Franz Joseph. Obwohl er selbst morgantisch zur Welt kam (seine Mutter war Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847)(ehem. Kaiserin von Frankreich/verehelicht mit Napoleon, dann mit Alfred Graf von Neipperg (*8.4.1775, †22.2.1829), welcher sein Vater war), hasste Franz Ferdinand bis aufs Blut. Und so machte er Sophie das Leben am Hof zur Hölle. Seine Rache sah er gekommen, als die beiden dem Mord zum Opfer fielen.  

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Die Ausschiffung der Särge in Triest am 2.7.1914. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Nahaufnahme der Ausschiffung der Särge in Triest, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Begräbnis mit dem Sarg des tot geborenen Sohnes zwischen den Eltern, 4.7.1914 Schloss Artstetten, Gruft. Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Alfred Fürst von Montenuovo, Foto: Wikimedia/Commons

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur 2 Stunden ließ er die Särge in der Kapelle der Wiener Hofburg aufbahren. Den Sarg von Sophie ließ er eine Stufe niedriger stellen, als den von Erzherzog Franz Ferdinand, um so den Rangunterschied zu demonstrieren. Auf dem Samtkissen vor Sophies Sarg, ließ er Symbolhaft für Hofdamen einen schwarzen Fächer und ein paar weiße Handschuhe auflegen. Weder ihre Rangabzeichen, noch ihre Orden ließ er davor ablegen. Vor Franz Ferdinand ließ er den Erzherzogshut, Generalshut, Säbel und alle Orden legen. 

Nach Einbruch der Dunkelheit erfolgte ohne militärisches Geleit und ohne Trauerparade der Wiener Städtischen Beerdigung die Überführung nach Schloss Artstetten. Die Wiener Bevölkerung nahm dennoch am Straßenrand still Anteil. 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt. Auch hier hat sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Artstetten zu begleiten. Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 50 Jahre, Fürstin Sophie von Hohenberg 46 Jahre alt.

~ Marie ~

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017; in der Mauermitte erinnert eine Inschrift an den totgeborenen Sohn 


Wer wissen will, wie es mit den Vollwaisen weiterging, liest hier weiter.

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch dreien Kindern Vater und Mutter.

Wunderschönes Gemälde der Kinder Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt und Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie. Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen. Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert. Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben. Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslang. Max ließ sich in Schloss Artstetten nieder, studierte Rechtswissenschaft und wurde Jurist. Ernst studierte Forstwirtschaft und ließ sich in der Steiermark, Radmer, nieder.

Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst: Wikimedia/Commons

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

– Erwein Maximilian Franz Peter Paul Hubertus Konrad Maria (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
– Franz von Assisi Friedrich Ernst Leopold Josef Maria (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
– Aloys Karl Josef Maria (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
– Sophie Amalia Theresia Quirinia Henriette Lucretia Magdalena Maria Ignatia (*4.6.1929 – lebend)

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Hochzeit Max und Elisabetha  Foto: Wikimedia/Commons

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

– Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
– Georg (*25.4.1929 – lebend)
– Albrecht Philipp Leopold Josef Andreas Hubertus Maria (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
– Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
– Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
– Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht. Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde. Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring. Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt. In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie Ernst und Marie Therese von Hohenberg

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

– Franz Ferdinand Maximilian Georg Ernst Maria Josef Zacharius Ignaz (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
– Ernst Georg Elemer Albert Josef Antonius Peregrius Rupertus Maria (*1.3.1944 – lebend)

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max. Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht. Er wurde erst 1943 entlassen. 5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen. Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. Ernst durch die Strapazen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

~ Marie ~

 

 

 


Mein Dank gilt:

Ich danke ausdrücklich dem Schloss Artstetten für die Fotoerlaubnis und für die Hilfe bei den Recherchen! 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie , Wikimedia Commons, zeno.org, Habsburg.net, commune.modena.it, JosefNovak33, Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017, Hemmings.com, Antiquariat Futter 
Textrechte: Marie, Anita von Hohenberg, Christiane Scholler
Stammbäume: Marie 


Literatur Hinweis:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber