Tag-Archiv | Marie

Wie wird man eine Kaiserin?

Immer wieder stellt man mir diese Frage, deswegen will ich sie Euch nun beantworten Muss man dazu einen Kaiser heiraten? Früher einmal ja, heute nein!

Viele von Euch mögen es für ein Märchen halten und weil alle Märchen immer mit „es war einmal…“ beginnen, fange ich ebenso an.

Es war einmal …

….ein Ball in Bad Ischl, zu dem Tanzpaare aus ganz Österreich anreisten.

Die „Ballmutter“ war eine liebe Freundin von mir und da sie meine Tanzleidenschaft kannte, war es nicht verwunderlich, dass sie mich überredete, die Eröffnung zu tanzen.

Welche Geschichte hätte besser zu Ischl gepasst als die von Kaiser Franz Josef und seiner Sisi?

Nach fast einem halben Jahr Kostüm- und Tanzproben war es so weit, die Fledermausquadrille erklang im Theaterhaus Bad Ischl, Tanzpaare tuschelten, verneigten sich, tanzten miteinander…

Le quadrille français, Pantalon, Été…

Und dann setzte die Musik aus, ein Scheinwerfer erhellte die Tanzfläche, der junge Kaiser betrat das Ischler Parkett, eine rote Rose in der Hand.

Angespanntes Schweigen gefolgt von einem leisen Raunen der Menge rund um mich.

Der Kaiser verneigte er sich vor mir….

Da man einem Kaiser keinen Korb gibt, wie schon Erzherzogin Sophie sagte, nahm ich die Rose an.

Die ersten Takte des Kaiserwalzers gehörten nur uns allein. Ein Gefühl, das ich nie wieder vergessen werde.

Aller Augen auf uns beide gerichtet, jeder Schritt, jede Bewegung war einstudiert und dennoch war meine größte Angst aufs Kleid zu treten oder gar hin zu fallen.

Eine Handbewegung und der Hofstaat setzte in den Walzerreigen ein, tosender Applaus erklang und wir verneigten uns vor dem Publikum 

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

Aus diesem einem Ball, dieser einen Märchennacht,  wurde ein jahrelanges Hobby, getrieben vom Anspruch immer steigender Perfektion.

Als „Tourismus Kaiserin“ von Bad Ischl wurde ich auch das Gesicht Kaiserin Elisabeths der Sisi Straße..

Es folgten unzählige Publikumsveranstaltungen, von der Dampflok bis zum Handkuss von Franz Klammer.

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

So unterschiedlich wie das Programm mussten in meinen Augen auch die Kleider sein!

Für mich war der Anspruch, die ehemals „schönste Frau der Monarchie“ darzustellen,  immer weit mehr als das vom Tourismus gezeichnete Bild vom „weißen Kleid und den Sternen in den Haaren“.


Wer kennt es nicht, das weltberühmte Gemälde von F.X.Winterhalter:

Die Kaiserin im Sternenkleid und den Diamantsternen im kunstvoll geflochtenen Haar? Mehr über dieses sagenumwobene Kleid findet ihr hier:

Das Sternenkleid – Kleid aller Kleider

Aber wer weiß schon, dass dieses Kleid eigentlich nur ein Ballkleid war, das Elisabeth zur Hochzeit ihres Bruders trug?

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Es ist doch kurzsichtig zu denken, eine Kaiserin ginge 365 Tage im Jahr in einem solchen Aufzug durchs Leben!


Eine Dame zu der Zeit wechselte bis zu 5 mal am Tag die Garderobe!

Es gab Morgenkleider, Tageskleider, Dinnerkleider, Reitkleider, eigene Trauerkleider und selbstverständlich auch Ballkleider, Galakleider, Krönungskleider und das in unzähligen unterschiedlichen Modeepochen!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabeth durchlebte eine Zeit der modischen Veränderungen und galt als Trendsetterin! Am Höhepunkt ihrer Schönheit stand die Krinoline, während hingegen am Ende ihres Lebens keinerlei Reifröcke mehr getragen wurden!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Ich begann mich mit der Mode der damaligen Zeit intensiv zu beschäftigen und die jeweils zum Anlass passenden Kleider zu schneidern.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Ihr könnt mir glauben, es war nicht immer einfach die Vorstellung eines Kleides in die Tat umzusetzen. Da ich keine gelernte Kostümschneiderin bin, brachte mich meine Fantasie immer wieder an die Grenzen des Machbaren.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie es jetzt nach fast 8 Jahren bei mir zu Hause aussieht.

Zwei Räume randvoll mit Kleidern, Hüten, Schirmen, Handschuhen etc.

Kleider für alle Jahreszeiten, Pelzmäntel, Muffs, Strohhüte, Schnürschuhe und unzählige Accessoires stapeln sich in Kisten und Kartons!

Von der Zither bis zum Tintenfass, dem Rosenkranz und Taschentüchern mit Monogramm, es wird immer mehr…

Geschirr, Waschschüsseln, Silberbesteck, alles was in einem Haushalt des 19. Jahrhunderts Verwendung fand, stapelt sich inzwischen bei mir.

Manches vom Flohmarkt, manches edle Geschenk von Freunden und Familie, auch einige Geschenke von treuen Fans sind dabei und werden immer wieder zum „Beiwerk“ auf Maries Fotos.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Zu Beginn war ich zugegebener Maßen mehr „touristisch“ als „historisch“, ich wusste es aber auch nicht anders… mit jedem Kleid, mit jedem Schloss lerne ich immer noch dazu.

Bücher über Korsettentwicklung stehen neben Ratgeber für adelige Damen und dem großen Ellmayer in meinen Regalen.

Die Unterwäsche einer Kaiserin (hier mehr dazu)

„Eine Krinoline macht noch lange keine Kaiserin!“

Diese Zeit ist eine Lebenseinstellung!

Benimm und Etikette bestimmen jede Bewegung!

Was ein Fächer alles verspricht… (hier mehr dazu)

Inzwischen lege ich großen Wert auf korrekte Bekleidung und trage diese wenn möglich auch dementsprechend bis ins letzte Detail!


Der Fixpunkt in meinem „Elisabeth – Jahr“ wurde das Traubenfest in Meran. Mit den Gärten von Schloss Trauttmansdorff habe ich einen wundervollen Partner gefunden, um für ein paar Tage im Jahr die Kaiserin in Meran aufleben zu lassen. Dieser erste Besuch damals war der erste Anlass um ein bestimmtes Kleid zu nähen. Denn eines war klar, wenn ich auf diesem Balkon stehen würde, dann in genau diesem Kleid. 😉

Für mich ist es immer wieder etwas ganz Besonderes wenn ich meine  inzwischen liebgewonnenen Freunde in Südtirol besuchen darf!

Schloss Trauttmannsdorff – Die schwarze Frau von Meran (hier mehr dazu)

Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Zahlt diese Kleider jemand?

Nein!

Es ist nur ein Hobby!

Mein Hobby!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Wieso tue ich mir das an?

Nähe Tage- und Wochen- manchmal Monatelang an einem einzigen Kleid.

Lasse mich bis zu 15 Stunden ins Korsett schnüren.

Flechte stundenlang meine Haare.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Ganz einfach, weil ich es liebe und mit Marie einen Menschen gefunden habe, der mir all meine Träume ermöglicht!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Jemand, der diese Liebe mit mir teilt!

Weil es für mich immer wieder berührend ist, wie die Menschen reagieren, nicht nur kleine Mädchen, die plötzlich eine Prinzessin vor sich sehen, Erwachsene allen Alters, egal ob Mann oder Frau, kaum jemand, dem nicht plötzlich ein Lächeln im Gesicht erscheint, wenn er mich erblickt.

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

Als Marie vor 3 Jahren in mein Leben trat dachte ich mir nur:  wieder eine, die mir das Blaue vom Himmel verspricht, die neben mir glänzen will.

Aber auch wenn ich eigentlich bereits mit diesem so speziellen Hobby abgeschlossen hatte, war da doch etwas an ihr, etwas das mich ihr glauben lies.

Sie schleppte mich nach Wien und ich tat es nur, um sie nicht zu enttäuschen, nicht weil ich zu dem Zeitpunkt noch an mich glaubte… den Glauben hatte ich längst verloren, war verraten und verkauft…

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Aber Marie glaubte an mich! Vom ersten Tag an, an dem sie mich sah.

Ein Jahr voller Träume… (wenn ihr wissen wollt wie Mariechen mich zum ersten Mal sah, könnt ihr das hier erfahren)

Von all den unzähligen Menschen, die sich um mich scharrten, die durch mich zum Kaiser, zum Adjutant, zur Hofdame, zu was auch immer wurden, waren am Ende nur noch zwei über!

Marie und Ida!

Die treuesten Begleiterinnen der Kaiserin! Eine Freundschaft, die bis ans Lebensende gehalten hatte…

Und nach all den Enttäuschungen habe ich auch meine Marie gefunden, oder eigentlich sie mich!

…sie ist die Seele die mich verstand.

Ihre Perfektion trieb mich und treibt mich immer weiter, schönere Kleider, perfektere Haare… mit jedem Besuch, jedem Shooting werden wir besser.

Verstehen uns blind, agieren wie ein altes Ehepaar…


Neben all den historischen Kleidern gibt es aber auch noch eine zweite Kollektion.

Die Filmkleider!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Wer von uns kennt nicht die Filme mit Romy Schneider?

Sissi, die bayrische „Prinzessin“, die sich in den Kaiser verliebt und dann vom Wiener Hof mit der bösen Schwiegermutter flüchtet?

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Das gelbe Kleid aus Madeira, das weiße Kleid vom Schiff, oder Sissi´s Reitkleid aus Ungarn sind nur einige der Filmkleider die inzwischen in meiner Kleiderkammer hängen.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Egal in welchem Kleid, ob nun mit oder ohne Sternen – die ich ausschließlich nur zu diesem einem bestimmten Kleid trage – gibt es kaum jemanden, der nicht erkennt, wen er vor sich hat….


„Gibt es ein Tutorial zu deiner Frisur?“

Auch so eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme.

Nein gibt es nicht und wird es auch nie geben!

Ich habe fast 7 Jahre lang geflochten und probiert, bis ich den Dreh raus hatte. Denn ihr könnt Euch vorstellen, dass es  unmöglich ist, auf Reisen auf gut Glück zum örtlichen Frisör zu gehen, ihm eine Schachtel voll Haarnadeln hin zu halten und dann zu erwarten, dass er ohne zu üben mit Haaren die bis über den Hintern reichen, eine solche Frisur zaubert, die dann auch noch den ganzen Tag hält…

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Also blieb mir nichts anderes übrig als genau das selbst zu lernen und deswegen ist und bleibt das auch mein Geheimnis!

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Denn schon Ludwig von Bayern sagte: „ein ewiges Rätsel will ich bleiben“

Ich hoffe der Einblick in meine kaiserliche Welt hat Euch gefallen und ihr seid auch weiterhin dabei, wenn es heißt:

„Die Kleider sind gepackt….“

Interview auf der „the munich show“ in München/Video: sternenkaiserin.com – marie

Eure Sisi


Rechtliche Hinweise:
Text: Sisi
Fotorechte: sternenkaiserin.com
Videorechte: sternenkaiserin.com

Als das Christkind nach Totzenbach kam….

 

Alles begann irgendwann im September, als mein Mariechen sagte, wir brauchen ein neues Kleid.

Eines aus Samt, so ähnlich wie das Dunkelgrüne.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz, Schloss Ruegers

Natürlich war meine erste Frage „und wozu?“

Die Antwort war für eine „neugierige Nase“, wie sie mich immer nennt, sehr unbefriedigend!

„Das sag ich Dir nicht, das ist eine Überraschung!“

Also gut, wir hatten in den letzten Monaten so viel zusammen erlebt, das ich inzwischen wusste, wenn Marie sagt, du willst dafür ein neues Kleid, dass sie recht hatte.

Es begann die Suche nach dem geeigneten Stoff, ich bestellte einige Muster und die Zeit lief dahin.

Wir fuhren nach Meran, hatten das Meet & Greet im Kaiserhof, und noch immer hatte ich nichts Passendes gefunden.

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Foto:sternenkaiserin.com – Marie, Schloss Trauttmansdorff

Bei jedem Telefonat versuchte ich ihr das Geheimnis zu entlocken, stellte ihr Fallen, aber die Erzherzogin blieb hart!

Keinen Ton gab sie von sich!

Endlich nach langem Warten und einem Missgeschick bei der Zustellung, kam 2 Wochen vor dem Termin der langersehnte Stoff an.

Nun war es umgekehrt, jedes Mal wenn wir miteinander redeten kam die Frage:  „Ist das Kleid schon fertig?“

Nein, natürlich war es das nicht. Das Grundgerüst war bald schon entworfen, ich schnitt die Teile zu und begann den Rock zu nähen.

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

12 m schwerer dunkelvioletter Samt.

Wer von Euch schon jemals Samt zerschnitten hat, der weiß, das es eine völlige Sauerei ist und man die Samtflusen einfach überall hat.

So wurde mein Nähzimmer mit einer Samtschicht überzogen und ich hatte immer noch keine genaue Vorstellung wie das Oberteil am Ende aussehen sollte.

Es gab die lose Vorgabe vom grünen Kleid. Derselbe Ausschnitt und lange Ärmel.

Soweit so gut, inzwischen war klar, dass unsere Maria Jose ebenfalls an diesem Tag dabei sein würde, aber auch sie erklärte mir glaubhaft, sie habe keine Ahnung was uns erwartet.

Für diesen Zeitpunkt waren  3 Tage in Wien geplant.

Am ersten Tag wollten wir das Palmenhaus besuchen, in dem man extra zu Ehren des Besuches der Kaiserin, die Weihnachtssterne früher als geplant aufgestellt hatte.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie, Palmenhaus Schönbrunn

Am zweiten Tag waren wir zu Gast im Majestic Imperator und fuhren nach Schloss Hof.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie, Schloss Hof

Am dritten Tag dann sollte die versprochene Überraschung stattfinden.

Zwischenzeitlich hatte ich ein kleines Detail aus Mariechen heraus gekitzelt. Sie gab zu, dass ich mich bei einem „syrischen Männerfrisör“ anziehen sollte.

Ja sicher… ein syrischer Männerfrisör!!! Dass das ein blöder Scherz sein musste, stand für mich sofort fest. Zumindest dachte ich das!

Zu dem Zeitpunkt gab ich es auf, sie zu nerven und konzentrierte mich nur noch auf das Kleid.

Bei der Suche nach meinem diesjährigen Adventkranz erinnerte ich mich daran, das ich irgendwo noch ein violettes Seidenband haben musste, also ging ich auf die Suche.

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

Das Bild des Kleides entstand vor meinem geistigen Auge und nahm schon bald darauf reale Formen an.

Nun war es umgekehrt, Mariechen nervte und wollte unbedingt ein Bild vom Kleid sehen.

Auf meine Antwort „sag mir wozu, dann bekommst du eines“, bekam ich nur ihr viel gebrauchtes „pfff“ zu hören.

Wir befanden uns in einer Patt Situation. Sie schwieg und ich ebenso.

Wer uns kennt, weiß wie schwer uns beiden das fällt.

Zwischenzeitlich begann ich Herzerlrüschen aus dem lila Seidenband zu nähen, eigentlich eine Methode um Dirndl zu schmücken, aber genau perfekt um das Kleid zu zieren.

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

Die fertigen Rüschen waren am Kleid, aber etwas fehlte! Perlen und Schleifen. Natürlich mussten auch noch Spitzen auf das Kleid.

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Foto: sternenkaiserin.com – Sisi

Die Tage und Nächte liefen dahin und das Kleid war immer noch nicht fertig, dazu kam das ein weiteres Kleid gebraucht wurde, denn das für den Zug geplante Kleid passte nicht.

Somit hatte ich noch eine knappe Woche um das Samtkleid fertig zu bekommen und ein Tournürenkleid wintertauglich zu gestalten.

Dass ich in dieser Woche einen dezenten Schlafmangel hatte, muss ich nicht extra erwähnen. Erschwerend kam dazu, dass der Wetterbericht ankündigte, eine Kaltfront würde auf uns zukommen. Und schon waren wir beim nächsten Problem, ein zusätzliches Cape musste her, denn man kann nicht stundenlang einen Weihnachtsmarkt bei etlichen Minusgraden ohne etwas Warmes darüber besuchen.

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie, Majestic Imperator

Rief ich mein Mariechen an, hieß es immer nur „ich muss nur noch das und das und das erledigen, ich habe keine Zeit…“

Umgekehrt rief sie wieder mich an, redete ich nur noch mit Kopfhörern mit ihr, um die Hände weiter frei zu haben und nähen zu können.

Ein Tipp von mir, man sollte die Kabel der Kopfhörer beim Zuschneiden unbedingt unter dem t Shirt tragen….  Denn Schere und Kabel verträgt sich nicht. 😉

Am letzten Tag war alles soweit fertig, oder zumindest Fast.

Die Fransen beim Cape fehlten noch und ein paar Knöpfe wollten noch angenäht werden, ach ja, und dann musste der ganze Kram noch ins Auto. All das bedeutete etwas früher aufstehen.

Tagwache war also um 4.00 morgens um alles noch fertig zu bekommen.

Nun aber wieder zurück zur Geschichte:

Die ersten beiden Tage verliefen nach Plan. Ich war, nun da alle Kleider fertig waren und passten völlig entspannt und je ruhiger ich wurde, umso nervöser war mein Mariechen.

Am Vorabend der Überraschung war sie das reinste Nervenbündel.

Immer noch redete sie vom „syrischen Männerfrisör“

Ich schmunzelte nur, denn das konnte nur – wie die Wiener so schön sagen – ein Schmäh sein.

Endlich war es soweit.

Wir frühstückten gemeinsam, wobei mir nun auch langsam etwas mulmig zu Mute wurde, als das Mariechen im dunkelblauen Kostüm mit Hochsteckfrisur erschein. Was hatte sie nur vor?

Marie Jose beteuerte immer noch, nichts zu wissen.

Wir packten das Auto und dann fuhren wir los.

Wir verließen die Stadt und fuhren auf die Autobahn, irgendwann hielt sie auf einem Rastplatz unter dem Vorwand „für kleine Mariechens zu müssen“  und nahm mir einfach mein Handy ab, damit ich nicht googeln könnte, wo wir waren. Als ob ich dazu fähig wäre…

Ich und Orientierungssinn, sie hätte mir eine Landkarte auf die Beine legen können, ich hätte trotzdem keine Ahnung gehabt wo wir uns befanden.

Die Fahrt ging weiter und irgendwann verließ sie die Autobahn und wir fuhren durch einen kleinen Ort.

Plötzlich blieb sie stehen und ihr könnt Euch mein Gesicht vorstellen als wir tatsächlich vor einem SYRISCHEN MÄNNERFRISÖR  mitten in der Pampa anhielten.

Ich wusste nicht mal in welchem Bundesland wir uns befanden und sie schleppte mich, breit grinsend,  zu einem SYRISCHEN MÄNNERFRISÖR!!!

Mir klappte sprichwörtlich der Mund auf, als ich feststellte, dass das kein schlechter Scherz war und ging etwas verstört in den Laden.

Ein netter Mann begrüßte uns  sofort ausgesprochen freundlich und ließ seine Kundschaft einfach warten, er bot uns Kaffee an und fragte ob wir irgendetwas brauchen würden.

Ich schüttelte nur noch grinsend den Kopf  und ließ mich dann von Maria Jose anziehen.

Es kam der Augenblick in dem sich der Vorhang öffnete und Marie das von ihr gewünschte Kleid zum ersten Mal sah.

Es gibt einen Satz den meine Oma früher oft gebrauchte und der auf Marie zu tausend Prozent zutrifft: „wenn sie einmal stirbt, muss man ihr Mundwerk noch extra erschlagen“, in diesem Augenblick hatte ich es auch so geschafft und das allein war den ganzen Aufwand bereits wert.

Sie stand nur da und war sprachlos. Tränen rannen über ihre Wangen und die sonst so taffe Marie war einfach paff.

Zu dem Zeitpunkt ahnte ich ja noch nicht, was mich noch erwarten würde.

Herr Mohammed, der Besitzer des Ladens war ebenso sprachlos, fragte dann aber sehr höflich, ob er mir näher treten dürfte.

Wir wechselten kurze fragende Blicke und nickten dann. Er begann meinen Haaren mit Haarspray und Kamm noch den letzten Schliff zu verpassen und perfektionierte am Ende sogar noch mein Makeup, während sein Kunde mit nassen Haaren da saß und wartete.

Nachdem wir uns einigermaßen gefangen hatten und uns beim  „syrischen Männerfrisör“ verabschiedet hatten, stopften mich die Beiden wieder ins Auto.

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Foto: sternenkaiserin.com – Maria Jóse

Aber es wäre nicht mein Mariechen, wenn sie nicht alles bis ins letzte Detail geplant hätte. Sie legte mir eine Augenbinde um und meinte nur:

„Bevor dir schlecht wird sag’s mir, dann bleib ich stehen“

Sehr nett! Ich saß also mit 12 m Samt und zahlreichen Unterröcken, blind in einem viel zu engen Auto und wir fuhren weiter.

Die ausgesprochen hilfreichen Landschaftsbeschreibungen unserer lieben spanischen Freundin taten ihr Übriges, dass mir langsam aber sicher speiübel wurde.

„Nur Pampa. Wiese und Wald, nicht einmal eine Kirche. Da gibt’s gar nichts“

Dann kam ein Aufschrei „ich hab mich verfahren, Moment, ich muss da fragen“

Marie trat auf die Bremse und sprang aus dem Auto während mir Maria Jose weiter erzählte was sie alles NICHT sah!

Meine Herzfrequenz nahm tachycarde Ausmaße an und ich begann Elisabeth zu singen vor lauter Nervosität.

Maria Jose redete von Bäumen und einem alten Mann der nur mit der Hand herum fuchtelte. Sie überzeugte mich davon, dass es hier mit Sicherheit keinen passenden Platz geben würde, um auch nur ein einziges Bild zu machen, geschweige denn ein Schloss oder dergleichen zu sehen wäre.

Endlich stieg Marie wieder ein und fuhr ein paar Meter weiter. Sie hielt wieder an und ich dachte mir, das kann ja was werden, wie klein kann ein Schloss bitte sein, das man es nicht schon von weiten sehen würde?

Sie stieg aus und öffnete dann meine Tür, zog mich aus dem Auto mit dem Kommentar: „Steig aus, aber fall nicht“

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Sehr witzig! Blind mit einem Krinolinenkleid! Ist ja überhaupt kein Problem, ist ja nicht so, dass es nicht schon so schwierig genug ist, sich aus einem Auto zu quälen, also wozu dann noch was sehen?

Dringende Warnung: Nachmachen nicht empfohlen!

Ich tapste unbeholfen im Blinden und spürte jeden kleinen Kiesel durch meine Sohlen, bis sie mich in die richtige Richtung drehte und mir die Augenbinde abnahm.

Als Erstes  sah einen Springbrunnen.

DEN SPRINGBRUNNEN – MEINEN SPRINGBRUNNEN

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Aber als wäre es nicht genug, dass sie mich in mein Märchenschloss brachte, waren da auch noch viele unserer Freunde.

Sie standen im Torbogen und waren mäuschenstill, sogar meine Einzige war da!

Meine kleine geliebte Marie Valerie war in Totzenbach!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Alle waren da, alle die mir etwas bedeuteten, nur einer fehlte.

Der kleine Rudi, dem der Kaiser nicht gestattet hatte zu kommen….

Was soll ich Euch sagen, mir laufen heute noch die Tränen herunter, wenn ich an diesen Tag denke.

Nach einer tränenreichen Begrüßung betraten wir das Schloss und die nächste Überraschung wartete bereits. Ein riesengroßer Christbaum stand in der Halle.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Auch zum Christbaum gab es eine Anekdote. Ein paar Tage zuvor hatten wir ein Bild vom Christbaum der Albertina gesehen und ich rief sofort mein Mariechen, mit den Worten „ich will da hin!“ an. Pflichtbeflissen wie sie ist, hat sie dort angerufen und mir beteuert, man bedaure es sehr, aber es wäre genau an diesem Wochenende unmöglich den Baum zu betrachten. Da ich meiner Marie ja grundsätzlich alles glaubte, war ich zwar enttäuscht, aber nahm es ebenso hin.

Im Nachhinein stellte sich natürlich heraus, dass Sie gar nie angerufen hatte. 😉

Mit Marie Valerie an der Hand betrat ich die Wohnräume, die man für uns bereitgestellt hatte. Im Salon warteten ein Adventkranz und Spielsachen auf uns. Mein Herzi sang mit mir gemeinsam Weihnachtslieder und wir spielten ein wenig.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Eine Spieluhr, ein Nussknacker und das beste von allem, ein Schaukelpferd! Alles war hergerichtet für ein Weihnachtsfest mit der Familie.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Wir zündeten Kerzen an und aßen Kekse. Ich konnte es immer noch nicht fassen.

Weihnachten in „Totzi“ – wie es für uns heißt.

Die genaue Beschreibung zu Schloß Totzenbach findet ihr hier.

Den Heiligen Abend hier zu verbringen, in dem Schloss, das mir bereits im August so viel bedeutet hat, war für mich etwas Einzigartiges! Es war wohl das schönste Weihnachtsfest, das ich jemals erlebt habe.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Irgendwann kam der Zeitpunkt,  an dem wir uns wieder verabschieden sollten und plötzlich waren alle verschwunden.

Unser lieber Schlossherr kam zu mir mit den Worten „Majestät, einen Raum gibt es noch, den ich Ihnen zeigen möchte“ Natürlich war es mir eine Ehre, ihm dorthin zu folgen.

Und dann war es da: das Christkind!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Im Festsaal waren eine feierlich gedeckte Tafel und ein weiterer kleiner Christbaum. Kerzen brannten am Tisch, Blumen, eine Torte und jede Menge Geschenke.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Die Spieluhr, die im Inneren des Christbaumständers montiert war, spielte eine leise Melodie und meine Einzige lief wieder auf mich zu.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Ich war so vollkommen überwältigt, dass ich nun diejenige war, die sprachlos war.

Die Kerzen am Christbaum wurden angezündet und die Wiener Sängerknaben sangen „Stille Nacht“

Es hätte feierlicher nicht sein können.

Mein Herzi führte mich zum Tisch, um mir die Torte zu zeigen.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Meine Geburtstagstorte, die der Demel extra aus Wien geschickt hatte.

Eine Schokoladentorte mit Veilchen in meinen Lieblingsfarben.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Ich kann Euch nicht sagen, wie oft in diesem Schloss schon der Heilige Abend gefeiert wurde, aber eines kann ich schon sagen, es gab bestimmt noch nicht viele Abende wie diesen.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Ein Fest erfüllt von Liebe und Freude, dass hätte schöner nicht sein können.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Marie hatte sich selbst übertroffen! Sie hatte mir das schönste Geschenk von allen gemacht und zwar vor fast genau einem Jahr, als sie mir ihre Freundschaft schenkte.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Ich bin dankbar eine Freundin und Begleiterin wie dich zu haben, denn es gibt niemanden, der treuer und loyaler hinter mir stehen könnte, als du es tust!

Ich glaube, ich kann auch für all die anderen sprechen, die an diesem Tag dabei waren, wenn ich sage, es war einfach nur himmlisch!

Du hast uns nicht irgendein Fest geschenkt, oder einen Ausflug in eines der unzähligen Schlösser, nein, du hast uns Weihnachten geschenkt.

Du hast mir das schönste Weihnachtsfest und den schönsten Geburtstag meines Lebens geschenkt. 

In diesem Jahr warst du das Christkind für uns Alle!

Danke!


 

Wie auch sonst üblich, hatte auch unser Christkind ein paar fleißige Helferlein, denen ich von ganzen Herzen danken und ihnen ein paar Preise verleihen möchte. 😉

  • Der Oscar für die beste schauspielerische Leistung geht an unsere Maria Jóse, die stets eigens aus der Schweiz kommt, wenn man sie braucht, um die Landschaft in den schönsten Farben zu beschreiben!  Sie hat über Wochen mehr als glaubhaft die Rolle der Unwissenden gespielt und sich so diese Auszeichnung mehr als verdient.

Wir kommen zu den nächsten Preisen: 

  • Der Oscar für die beste weibliche Nebenrolle geht an: Ursi! Die stets mit Rat und Tat zur Seite steht, Kekse organisiert und immer für alle ein offenes Ohr hat.
  • Der Preis der besten Regieassistenz geht an: Markus!  Der Mann, der stets im Hintergrund arbeitet und so die wirklich wichtigen Dinge erledigt – Tortentransporte, Postwege, etc!
  • Beste Kameraführung: Barbara – Der kein Weg zu weit ist um mich ins rechte Licht zu setzen!
  • Der diesjährige Preis für den besten Lektoren ergeht an: Peter. Danke für die prompte Bearbeitung sämtlicher Schriftstücke. 😉  

 

Ganz besonders möchte ich mich natürlich bei der Familie Berger bedanken, ohne deren Einverständnis und Mithilfe dieses Weihnachtsmärchen niemals hätte stattfinden können.

Ich wünsche Euch Allen ein Frohes Neues Jahr und das ihr Alle „Eure Marie“ finden mögt, mit der zusammen sich Eure Träume erfüllen.

Denn genau diese Zeilen aus Schikaneder dem Musical wurden für Marie und mich zu unserer Hymne:

Ich träum groß

So wie ich 

Nein ist keine Antwort für mich

Wir sind stark, wir sind frei
 
Nichts und niemand hält uns zurück
 
denn wir zwei träumen groß

 

 

Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Sisi

Textauszug: Schikaneder – das Musical – Ich träum groß

Musik und Liedtexte Stephen Schwartz ; Deutsche Fassung Michael Kunze

Bildrechte:  Prinz Barbara, sternenkaiserin.com
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

 

 

Hofdame Marie Gräfin von Festetics

 

Foto: Wikimedia/Commons

Sie war eine der intimsten und engsten Vertrauten von Kaiserin Elisabeth:
Hofdame Marie Gräfin von Festetics.

Antal Festetics Foto: APA/Andreas Friess/ORF

Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna wurde am 20.10.1839 in Tolna, Ungarn geboren. Ihre Eltern waren Sándor Vilibald Teodor Festetics, Graf von Tolna (*14.1.1805, †26.4.1877) und Maria Josefa Walburga Adelheid Baronin von Boxberg (*7.5.1810, †8.2.1892). Sie war das 8te Kind, von insgesamt 10 Kindern.

Das Adelsgeschlecht hatte eine lange Tradition und eine sehr große Geschichte. Leider starb der Zweig von Marie Festetics mit ihrer Nichte Elisabeth 1909 aus. Die Kleine wurde kein Jahr alt. Ein Großneffe von Marie ist der bekannte Wildbiologe und ORF Star Antal Festetics (*12.6.1937).

Maria (genannt Marie) ist die ersten Jahre in Tolna aufgewachsen. Die Familie lebte gerne nach ihrem „Titel“, allerdings hatte sie kaum Ahnung von Geldangelegenheiten, weshalb das Gut in Tolna aufgegeben werden musste. Sie zogen mit den Kindern nach Söjtör. Marie wuchs sehr liebevoll auf und hatte Zeit ihres Lebens ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern. Die Familie wurde von vielen Schicksalsschlägen getroffen. Als Mutter Josefa am 8.2.1892 starb, lebte von ihren 10 Kindern nur noch Marie Festetics, welche durch ihre Verpflichtung bei Hof weder heiraten, noch Kinder bekommen durfte.

Marie bekam Privatunterricht und wurde früh in ungarisch, deutsch, englisch und französisch unterrichtet. Weiters lernte sie Handarbeit, Klavier und Gesang. Sie war außerordentlich wissbegierig, las Zeitungen und Bücher, war an Geschichte interessiert, ging gerne ins Theater, Konzerte und in diverse Ausstellungen in Museen. 

Ferenc Deák, Lithographie Josef Kriehuber 1830, Foto: Wikimedia/Commons

Zu den engsten Freunden der Familie zählten Ferenc Deák (*17.10.1803, †28.1.1876) und später Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890), die sie beide sehr prägten. Sowohl Deák als auch Gyula Andrássy nahmen später eine große und wichtige Rolle im Kaiserhaus, sowie in Kaiserin Elisabeths Leben ein.

Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszua-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Andrássy hatte in Maries Leben einen großen Stellenwert. Er war es, der Marie Kaiserin Elisabeth als Hofdame vorschlug. Schon alleine deswegen, weil er eine Verbündete im Kaiserhaus haben wollte und er von der Loyalität Maries überzeugt war.

Marie übernahm die Stelle von Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*16.5.1836, †13.11.1901), welche am 15.5.1871 Wolfgang Kinsky von Wchnitz und Tettau (*19.7.1836, †14.12.1885) heiratete und somit aus dem Hofdienst ausschied. 

 

 

Erzherzogin Klothilde von Sachsen-Coburg, Foto: Wikimedia/Commons

Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Maria Dorothea Amalie von Österreich (*14.6.1867 Alcsút, †6.4.1934 Alscút) bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde. Amalie war die Tochter von Erzherzogin Marie Adelheid Amalie Clothilde von Sachsen-Coburg (*8.7.1849 Neuilly-sur-Seine, †3.6.1927 Alcsút). Marie wurde Angst und Bang, denn ihr gefiel das sehr ruhige Leben bei ihrer Herrin Erzherzogin Klothilde.

Graf Andrássy jedoch besuchte am 4.7.1871 Marie und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth nicht im Stich zu lassen. Am 21.8.1871 wurde Marie Festetics bei Kaiserin Elisabeth anstellig, bis sie ihren Dienst aufnahm, verging aber noch eine ganze Weile, da sich Kaiserin Elisabeth in Meran aufhielt.

 

 

Gräfin Marie Festetics Foto: Wikimedia/Commons

Am 21.12.1871 wurde sie also schließlich persönlich bei Kaiserin Elisabeth vorstellig. Sie notierte: Die Kaiserin stand in einem blauen Kleid in der Mitte des Zimmers, eine große Dogge neben ihr. Die Kaiserin lächelte, der Hund kam auf mich zu, beschnupperte mich und wedelte er mit dem Schweife. … Sie reichte mir freundlich die Hand und sagte: „Ihnen tut es leid um die Erzherzogin, nicht wahr? Ich weiß, Sie wollten nicht zu mir kommen. Das ist nicht besonders schmeichelhaft für mich, aber natürlich, weil ich höre, daß die Familie Sie sehr lieb gewonnen hat“. …… Danach kam sie auf Andrássy zu sprechen. „Andrássy sagte mir, daß Sie ehrlich und wahrhaft sind. Bitte verhalten Sie sich mir gegenüber auch so. Wenn Sie etwas sagen wollen, tun Sie das direkt. Wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich, niemals jemand anderen. Wenn über mich schlecht geredet wird, das ist eine Gewohnheit im Hause, dann glauben Sie es nicht. Freunden Sie sich vorerst mit niemanden an, Sie können Ida vollkommen vertrauen. Duzen Sie sie aber nicht. Sie ist keine Hofdame und ich will nicht, daß sie mit den Damen intim wird.

Marie Festetics und Ida Ferenczy Foto: Wikimedia/Commons

Vielleicht thun sie es nur aus Neugier, aber mit Ihnen ist es anders. Durch Andrássy kenn ich Ihren Charakter. Am 27. fahren wir ab, ich nehme Sie mit. Bis dahin können Sie bei Ihrer Erzherzogin bleiben.“ (1)

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Tagebuch, dass seit 2014 veröffentlicht ist. Marie Festetics war eine ausgezeichnete Beobachterin und durch ihr Tagebuch bekommt man einen sehr guten Einblick in das Kaiserhaus und in das Leben von Kaiserin Elisabeth. Aber nicht nur die Kaiserin, auch das gesamte Umfeld wird beschrieben. 

Schon bald war Marie von ihrer Majestät begeistert. Sie schrieb am 17.1.1872 in ihr Tagebuch: „Es war ein Hofball. Der Kaiser war auch dort. Er sieht mich recht freundlich an, grüßt mich so flüchtig, und nie habe ich noch ein freundliches Wort von ihm gehört. Sie war so schön, daß ich das Gefühl hatte, eine Fee stünde vor mir. Als ich wieder hinaus kam, fragten mich die Suiten, was die Kaiserin an hätte? Ich wußte es nicht, so sehr hat mich das, was über Ihr war, das Hoheitsvolle, Liebliche, Feenhafte, der Ausdruck der verkörperten Majestät, gefangen genommen.“ (2)

Einzig mit Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919) verstand sie sich überhaupt nicht. Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valerie. So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valerie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872: „Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)

Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen“.

Marie Festetics stellte sich als Glücksfall für Kaiserin Elisabeth heraus. Nicht nur, dass sie mit Marie nur ungarisch sprach, so hatte sie in ihr eine treue Freundin und Begleiterin gefunden. Egal wohin Kaiserin Elisabeth fuhr und wer sie umgab: Marie Festetics und Ida Ferenczy waren stets an ihrer Seite.

Die einzigen Bezugspersonen die Marie blieben waren Ida und Kaiserin Elisabeth. Erzherzogin Sophie hasste alles was mit Ungarn zu tun hatte. Sie schnitt Marie aufs Gröbste, auch deren Hofdamen und der gesamte Anhang wollten mit ihr nichts zu tun haben. Doch auch Kaiserin Elisabeth wachte über ihre beiden Lieblingsdamen. Sie verhinderte aus Eifersucht, dass Gräfin Marie Festetics heiraten konnte. 

Fürst Nikolai Dolgorukow, Foto: Wikimedia/Commons

Schon im Jahr 1871 – noch im Dienste bei Erzherzogin Klothilde – lernte sie 32jährig in Franzensbad den gutaussehenden Flügeladjutanten von Zar Alexander II kennen: Fürst Nikolai Dolgorucky (*1840, †1913). Er machte Gräfin Festetics auffallend den Hof, doch die beiden trennten sich ohne ein weiteres Wort.

Im Zuge der Weltausstellung in Wien und bereits im Dienst am Wiener Hofe, begegnete Marie dem hübschen Russen noch einmal. Sie notierte: „Er hatte die Keckheit, von Franzensbad zu sprechen: „Ah, Madame welch ein Glück, Sie wiederzusehen, noch einmal bei Nacht! Welche Gelegenheit! Ich habe bis jezt noch nicht Ihre Bekanntschaft gemacht. Aber nein! Ich kenne Sie von einer Kur vor einigen Jahren, ich kenne Sie zur Gänze! Ihre Seele, jeden Ausdruck Ihrer Augen, jede Linie Ihres Körpers, ich kenne Ihr Lächeln, den Ausdruck Ihres Mundes, endlich alles, alles von Ihnen! Nicht die geringste Ihrer Bewegungen ist mir entgangen. Sagen sie nicht, daß Sie nicht bemerkt haben. Aber ja! Ich weiß, daß Sie verärgert sind!“ So und noch unglaublicher ging es fort! Kein Wort hatte ich noch gesagt, alle Leute glaubten, wir seien alte Bekannte und wollten nicht heran.“ (3a)

Graf Alexander Carl Stürler, Foto: Wikimedia/Commons

Schließlich lernten sich die beiden bei den Festivitäten zu der Weltausstellung näher kennen und Maries Herz entflammte. Der gemeinsame Freund Alexander Carl Graf Stürler (*9.5.1825, †3.6.1901) erzählte Marie die Lebensgeschichte des armen Fürsten, welcher sich mit einem Oberst duellieren musste, daraufhin seinen Adelstitel verlor und in den Kaukasus geschickt wurde. Dort musste er bis zum Krieg ausharren, diente in jenem und bekam den Georgsorden für besondere Verdienste. Daraufhin wurde er von Zar Alexander II begnadigt, erhielt seinen Titel zurück und wurde sein Flügeladjutant. Weiters wusste Graf Stürler folgendes: „Denken sie gutes über diesen armen Jungen, Gräfin. Er denkt an sie seit Franzensbad und Sie haben ihn sehr berührt. Er liebt Sie seither. Ich werde ihm sagen, daß ich eine Thräne in Ihren Augen gesehen habe.“ Ja, ich hatte eine Thräne im Auge gehabt. (3b) 

Marie erzählte Kaiserin Elisabeth davon, die gar nicht begeistert war: „Sich mit ihm zu amüsieren, erlaube ich, aber nicht lieben, noch weniger ihn zu heiraten! Das dürfen Sie nicht! Es wäre auch nicht schicklich, mich wegen eines fremden Mannes zu verlaßen, ich erlaube es Ihnen ausdrücklich nicht!“ Wie sah sie mich an! „Sie sollten nicht einmal hinhören, wenn er anfängt über so etwas zu reden.“ (3c)

Nikolai wusste das Marie mit sich haderte. Marie notierte das gesagte Wort vom Fürst in ihr Tagebuch: „Für noch weniger würde man nach Sibiren kommen. Darf ich offen sprechen, Madame? Sie bewundern die Kaiserin sehr, ich verstehe, daß Sie bleiben wollen. Sie erscheint wie ein Engel, mit diesem Ausdruck, dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sie lieben Sie sehr, Madame, ich habe es deutlich gesehen. Für einen anderen wäre das ein Glück. so ein schönes Gefühl, das Sie vielleicht gar nicht zu würdigen weiß in dieser Größe, dieser völligen „Selbstverleugnung“. Mir wurde siedenheiß. Hat er recht? „Denken Sie darüber nach, Madame, denken Sie darüber nach, ich beschwöre Sie!“ 

Kurz vor einem Diner traf sie Kaiserin Elisabeth, die sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte. Dabei fiel nur ein einziger Satz, den Kaiserin Elisabeth ihr sagte: „Sie dürfen nicht!“ (3d)

Am 7.6.1873 versuchte es Nikolai noch einmal. Er wagte Gräfin Festetics seine Liebe zu gestehen und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth zu verlassen und mit ihm nach Russland zu gehen. Ihr werde an nichts fehlen, versprach er und er würde sie glücklich machen. Marie haderte schwer mit sich. Am 9.6.1873 reiste Zar Alexander II ab, mit samt Graf Stürler und Fürst Dolgorukow. Zum Entsetzen Maries sahen sich die beiden am Morgen noch einmal: „Sagen sie mir etwas Gutes, Madame! …. Daß Sie sich mir verschließen, bedeutet mir viel Schmerz!“ (3e) Nikolai verbeugte sich, gab Gräfin Festetics einen Handkuss und ließ diese verstört zurück. Sie haderte mich sich, wusste nicht so Recht, ob die Entscheidung rechtens war. Dennoch hatte sie sich für die Kaiserin entschieden. 

Paul Almássy, Foto: von-gans.net

Karoly Kerkápoly, Foto: Wikimedia/Commons

Da Marie eine Schönheit war, blieb Fürst Nikolai nicht der einzige glühende Verehrer. Unter ihnen war auch Graf „Mucky“ Mikos (näheres leider nicht bekannt) und der alternde Politiker Paul Almássy (*1818, †1883). Doch keiner unter ihnen wurde Marie Festetics noch einmal so gefährlich wie Nikolai; mit einer Ausnahme: Karoly Kerkápoly (*13.5.1824, †31.12.1891), Anwalt und Politiker

Bereits im Dezember 1873 lernte sie Karoly kennen. Durch Graf Andrássy lernte sie fast jeden Politiker in Ungarn kennen. Noch immer haderte sie wegen ihrem „schönen Russen“, wie sie ihn in ihrem Tagebuch nannte. 

Am 6.2.1874 notierte sie: „Stefanie Wickenburg erschien, als Brautwerber nochmals für Mucki Mikos, der von Mexiko zurück, behauptet, er kann mich nicht vergeßen! Wenn ich „Sie“ verlaßen könnte, hätte ich doch meinen interessanten Russen geheirathet! Konnte ich mich in den stillen Tagen, meinem Söjtör, zu diesem Opfer nicht entschließen, warum jezt? Wo „Sie“ mich braucht, kaum ein Tag vergeht, wo Sie es nicht sagt? Alles könnt ich aufgeben, nur „Sie“ nicht….“ (3f) 

Am 9.4.1874 gestand Karoly Kerkápoly ihr die Liebe: „Kerkapoly war da, das gibt mir zu denken, denn er sagte mir schlicht und einfach, daß er mich liebt. Ich erschrack darüber so sehr, daß er es merkte. Ich sah, es that ihm weh. Ich las einst ein Buch, da stand so etwas drin: Ein älterer Mann, der in späten Jahren den Traum der Jugend träumt. Wie leid thut er mir! Er sagte mir, als er mich das erste Mal in Szölöske bei Andrássy sah, wußte er, daß sein Schicksal vor ihm stünde. Er bat mich gar, nicht desperate zu sein! Mich begegnet zu haben sei Glück genug für ihn. Es bleibe, wie es ist, er lebe davon! Zu was das, frage ich das Schicksal?? (3g) 

Jahrelang sollte Karoly nicht aufgeben. Doch es endete genauso traurig, wie bei Nikolai, den Marie Zeit ihres Lebens nicht vergessen konnte. Marie blieb im Dienste der Kaiserin. Karoly wurde nach seiner Politikerkarriere ein sehr reicher Weinbauer, blieb aber unverheiratet und kinderlos. 

Immer wieder haderte Marie mit ihrem Schicksal. Sie liebte Kinder über alles, ihre Familie starb mehr und mehr aus. Niemand schien übrig zu bleiben, der den Namen weitergeben konnte. Sie war oft allein und blieb an ihren Gedanken hängen. Doch „wenn Ihr sonnenheller Blick auf mich fällt, kömmt mir vor, es wäre das Schwerste leicht zu tragen.“ (3h)

Marie zog sich, wenn sie nicht gerade gebraucht wurde, zurück und schrieb ihr Tagebuch. Marie Valerie war oft bang, dass dieses Tagebuch in falsche Hände geriet, denn egal über wen, Marie schrieb es auf. Insgesamt 10 Bücher und 2000 Seiten schrieb sie von 1871 – 1884. Danach geht das Tagebuch erst ab 1904 weiter. Ob die Bücher tatsächlich 1884 aufhörten oder absichtlich „vernichtet“ oder bis heute „versteckt“ wurden (werden), ist nicht überliefert. Leider fehlt daher auch die Beobachtung zu Kronprinz Rudolfs Tod. Erst 1906 schrieb Marie einen Eintrag in ihr Tagebuch: „Der Kronprinzen Wundergarten! Wie ein Bouquet auf blauer Fluth gewiegt liegt es in Sonnenlicht. Und Er? In des Lebens voller Blüthe von eigner Hand geknickt, schläft neben seiner gemordeten Mutter seinen ewigen Schlaf.“ (4)

Marie Festetics Foto: @Wikimedia/Commons

Marie Festetics war in ihrem Denken der Zeit weit voraus. Sie schrieb die Tagebücher, um der Nachwelt zu beweisen, wie wunderbar Kaiserin Elisabeth war, wissend, dass der tratschende Wiener Hof kein gutes Haar an ihr lassen würde. Doch bei all ihrer Loyalität und innigen Freundschaft, manchmal kann man auch leise Kritik lesen. Die Kaiserin sei oft schwermütig, in Gedanken versunken, ohne Aufgabe, ohne Lebensinhalt. Die eine Aufgabe, die sie hätte, die wolle sie nicht und was anderes findet sie nicht. Solche Passagen findet man des Öfteren. Marie war also sehr wohl bewusst, dass sich Kaiserin Elisabeth zu Tode langweilte und sich genau deswegen in ihre Wahnvorstellungen flüchtete. Alles was Elisabeth anpackte wurde mit großer Manie betrieben: Reiten, Wandern, Reisen oder die Kindeserziehung von Marie Valerie.

Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály Foto: @Wikimedia/Commons

Egal wohin Elisabeth fuhr, Marie fuhr mit. Meran, Gödöllö, Triest, Paris, Budapest, Sassetot, Irland, England, Korfu und Mittelasien. In den frühen 90er Jahren schaffte Marie die vielen Reisen und stundenlangen Fußmärsche der Kaiserin nicht mehr.

Marie und Ida verblieben deshalb ab 1894 im Innendienst, während Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864, †3.9.1940) mit Kaiserin Elisabeth auf Reisen ging. Zu diesem Zeitpunkt ließ Elisabeth niemand anderen mehr an sich ran, als Marie Valerie und Irma bzw. Marie. Zwischen 1894 und 1898 hatte Kaiserin Elisabeth nur noch 2 Hofdamen. Immer wenn Elisabeth vor Ort war, vertrat Marie Irma, bzw. übernahm deren Aufgaben.

Kaiserin Elisabeth im Milleniumskleid für die 1000 Jahr Feier in Ungarn 1896, Foto: Wikimedia/Commons

Marie vertrat Irma, während ihres Urlaubes und begleitete Kaiserin Elisabeth zu den Milleniumsfeierlichkeiten nach Ungarn, welche im Mai/Juni 1896 stattfanden. Dies war der letzte öffentliche Auftritt von Kaiserin Elisabeth.

Marie und Kaiserin Elisabeth sahen sich zum letzten Mal im Juli 1898 in Bad Ischl. Während sich Elisabeth mit Irma Richtung Bad Nauheim zur Kur und die Schweiz aufmachte, zog sich Marie nach Söjtör zurück. Sie kaufte nach und nach die Ländereien der Festetics zurück.

Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth empfangen den ungarischen Reichsrat 1896. Heliogravure nach Gemälde, mit Originalunterschrift des Künstlers Benczúr Gyula Foto: ÖNB Wien

Der Tod der Kaiserin traf sie sehr schwer. Marie Valerie nahm ihr im November 1898 das Versprechen ab, die Tagebücher testamentarisch zu hinterlassen. Erzherzogin Marie Valerie konnte Marie Festetics nie leiden. Sie machte sie für das oft falsche Handeln ihrer Mutter verantwortlich.

Als die Kaiserin gestorben war, mussten Ida und sie sofort ihre Wiener Wohnungen in der Hofburg räumen. Ihre jahrelangen Hetzer hatten endlich ihren Triumpf. Marie hatte vorgesorgt und sich in der Reisnerstrasse, im 3. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung gekauft. Ida zog in die Nachbarwohnung ein. 

Die Trauer war grenzenlos, doch Marie verfiel weder in Depressionen, noch in Schwermut. Um sich an die Zeiten mit Kaiserin Elisabeth zu erinnern, fuhr sie an jene Orte, an denen sie glücklich war. Sie besuchte auch Ida häufig in Budapest, diese hatte dort ein Kaiserin Elisabeth Museum eröffnet. 

Ab 1906 ist zu lesen, dass sie insgeheim Irma für den Tod Elisabeths verantwortlich machte.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde die bereits 79jährige Gräfin krank. Aber auch privat musste sie herbe Rückschläge einstecken. Sie selbst, die sich jahrelang für ihre Familie aufgeopfert hatte und mit ihrem Geld ihren alten Besitz zurückerlangte, wurde 1920 von ihrem Besitz enteignet. Dieses Land wurde unter den mittellosen Bauern aufgeteilt. Nur einen Bruchteil des gekauften Landes konnte sie ihrem Neffen Karl hinterlassen; als dieser starb und die Witwe das Land ebenfalls 1943 verlor, musste dies Marie zum Glück nicht mehr miterleben.

Marie Gräfin von Festetics starb am 16. April 1923 in Sjötör. Mit ihrem Tod starb ihr Zweig der Familie Festetics aus.

 

~ Marie ~

 


Mein Alter Ego „Marie Festetics“

 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Wer diesen Blog oder unserer Facebook-, sowie Instagram-Seite „Sternenkaiserin“ folgt, wird bemerkt haben, dass ich unter dem Namen „Marie“ schreibe. Wie es dazu kam, möchte ich hier kurz erzählen:

Mein Name ist Petra Schimbäck und ich bin die Pressevertreterin für Sabine Elisabeth Rossegger als „Sternenkaiserin.“

In dieser Funktion wollten wir ein historisches „Alter Ego“ für mich und in Marie Festetics habe ich mein Pendant gefunden.

Ihre Loyalität, ihre spitze Zunge, ihre Gabe punktgenau zu analysieren und gut zu beobachten, sind mir wie auf den eigenen Leib geschneidert. Marie hasste Tratsch und Verleumdungen, auch ich bin ein Mensch der Tratsch und Boshaftigkeit verabscheut. Zu dem war sie ungeduldig und auch das kann ich von mir nur allzu gut behaupten.

Da ich nicht als historische Person auftrete, sondern nur schriftlich als Marie in Erscheinung trete, ist auch dieser Bezug hergestellt. Ich schreibe selbst gerne und bin am Blog für alle historischen Geschichten verantwortlich.  Auf der Facebook- und Instagram-Seite schreibe ich als „Marie“ Gedichte oder Dialoge aus Alltagssituationen die sich so abgespielt haben könnten.

Auf unserer zweiten Facebook-, sowie Instagram-Seite „Sternenkaiserin – Mythos Kaiserin Elisabeth“ bzw. sternenkaiserin_mythoshabsburg, schreibe ich zu den wichtigsten Verwandten, Freunden und Wegbegleitern die Biografie. Die Recherchen dazu sind enorm und zeitaufwendig. Aber nur mit harter Arbeit, lässt sich so ein Projekt auf verwirklichen. Stolz darauf bin, dass sich mittlerweile namhafte Historiker zu meinen Biografien gemeldet und ein Lob hinterlassen haben. 

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist Diskretion. In diesem Sinne bin ich wohl Marie näher als jeder anderen Hofdame die Kaiserin Elisabeth Nahe standen. In der Jetztzeit ist das für mich natürlich „meine Sternenkaiserin“.

Als letzter kleiner Punkt ist mir mein eigener Name zur Hilfe gekommen. Mein zweiter Taufname lautet „Maria“. Da Marie Festetics, ebenfalls eine geborene Mária war, war es ein Leichtes für mich, mich auf sie einzulassen.

In diesem Sinne
Eure Petra ~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie, Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek, Wikimedia/Commons, APA/Andreas Friess/ORF, sternenkaiserin.com – Maria José, von-gans.net


Literatur Hinweise:

1 – S 46, 2 – S 49,  3 – S. 48, 3a – S. 159, 3b – S. 162, 3c – 161, 3d – S. 163, 3e – S. 166, 3f – S. 167/8, 3g – S. 168, 3h – S. 170, 4 – S 286

Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014