Tag-Archiv | Kaiserin Elisabeth

Charlotte Prinzessin von Belgien oder auch Erzherzogin Charlotte oder auch Kaiserin Carlota von Mexiko

Foto: sternenkaiserin.com – Marie (*) Erzherzogin Charlotte

Wir gedenken heute des Todestages von Marie Charlotte Amélie Augustine Victoire Clémentine Prinzessin von Belgien, Erzherzogin Charlotte von Österreich, später Kaiserin Carlota von Mexiko. Sie wurde am 7.6.1840 auf Schloss Laeken geboren.

Foto: Wikimedia/Commons König Leopold I von Belgien, Bild: F.X. Winterhalter

Foto: Wikimedia/Commons Prinzessin Louise von Orléans

Ihr Vater war König Leopold I von Belgien. Ihre Mutter Prinzessin Louise von Orléans.

Ihr Vater war vernarrt in die kleine Prinzessin. Auch deshalb, weil sie besonders schön war. Als Charlotte mit 10 Jahren ihre geliebte Mutter verlor, ließ ihr Vater sie beinahe nicht mehr aus den Augen.

Sie wuchs mit ihren Geschwistern sehr liebevoll und behütet auf. Ihre Cousine war Prinzessin Alexandrina, welche später als Queen Victoria in die Annalen einging. Aber auch Victorias Ehemann Albert war ein Cousin 1. Grades.

Leopold war nicht nur in der eigenen Familie sehr beliebt. So war er auch bei Alexandrina, ihr Lieblingsonkel.

Von ihren Geschwistern ist uns lediglich Leopold II bekannt, welcher als Teufel vom Kongo Angst und Schrecken verbreitete. Bei all der Fürsorglichkeit und Liebe im Elternhaus vermag man es sich nicht vorzustellen, warum aus ihm so ein Tyrann wurde.

Charlotte war 16 Jahre alt, als sie Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max, einen Bruder von Kaiser Franz Joseph kennenlernte und sich in ihn verliebte. Die Mär vom verliebten Max, der die schöne Charlotte fand, ist leider nicht der Wahrheit entsprechend. Max hatte hohe Schulden und das belgische Königshaus war schwer reich. Max verhandelte hart um Charlottes Mitgift.

Erzherzog Ferdinand Maximilian, Kaiser Maximilian I von Mexiko, Foto: Wikimedia/Commons

Am 27.7.1857 heiratete das Paar schließlich in Brüssel. Charlotte wurde somit die Schwägerin von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Das Paar zog nach Triest ins Schloss Miramare. Als Hochzeitsgeschenk machte ihn Kaiser Franz Joseph zum Generalgouverneur von Lombardo-Venetien.

Kaiserin Elisabeth sah sie als Konkurrentin, da Charlotte sehr schön und äußerst liebenswürdig war. Erzherzogin Sophie bevorzugte Charlotte bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Aufgrund von falschen Versprechungen und auf Drängen von Napoleon III und seiner Frau Eugénie nahm Max die mexikanische Krone an.

Am 10.4.1864 wurden Max und Charlotte zu Kaiser und Kaiserin von Mexiko. Gekrönt wurden die beiden im eigens dafür eingerichteten Krönungszimmer in Schloss Miramare in Triest.

Max wurde damit zum Kaiser Maximilian I von Mexiko. Charlotte zur Kaiserin Carlota von Mexiko.

Charlottes Lebenstraum ging damit in Erfüllung. Charlotte galt als sehr ehrgeizig und wollte denselben Status erreichen wie ihre schöne und berühmte Schwägerin Kaiserin Elisabeth. Alle Mittel waren ihr dazu Recht. Dass Elisabeth keine Kaiserin sein wollte, entging ihr dabei völlig.

Das Paar hatte keine Kinder. Um Thronfolger zu haben adoptierten sie 1865 Augustin de Itúrbide y Green und Salvador de Itúrbide y de Marzan.

Die Ehe der beiden wurde schnell zur Farce. Max ging permanent fremd und soll mit der Frau seines Gärtners ein uneheliches Kind gezeugt haben. Sein Kammerdiener Grill erzählte, dass Charlotte ihn so angewidert habe, dass er die Schlafzimmertüre zumauern ließ. Ab diesem Zeitpunkt galt die Ehe auch in der Öffentlichkeit als zerrüttet.

Charlotte selbst soll sich mit Alfred Baron van der Smissen getröstet haben. Max wusste von der Affäre und tolerierte sie.

1865 endete der Amerikanische Bürgerkrieg, was die Truppen veranlasste Mexiko zu verlassen.

Charlotte fuhr mit dem Schiff nach Europa um bei Kaiser Napoleon III und Papst Pius IX Hilfe zu erbitten. Vergeblich. Pius ließ sie mit den Worten „er werde um Max Seele beten“ abblitzen. Sie erlitt einen schweren Nervenzusammenbruch, da ihr niemand Gehör schenkte.

Laut Gerüchten zufolge soll Charlotte zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen sein. Am 21.1.1867 wurde ein unehelicher Sohn geboren, welcher später als General Maxime Weygand identifiziert und in Frankreich berühmt wurde. Er weigerte sich jedoch Zeit seines Lebens den Namen seiner Eltern preiszugeben, weshalb das Geheimnis mit ins Grab genommen wurde.

Foto: David Conway via findagrave.com, Grab Kaiserin Carlota von Mexiko

Von dem schweren Zusammenbruch erholte sie sich nicht mehr und ihr Bruder Leopold zwischenzeitig König von Belgien ließ sie für Unzurechnungsfähig erklären.

Sie lebte völlig abgeschottet eine Zeitlang auf Miramare und wurde dann ins Wasserschloss Bouchout in Belgien gebracht.

Bis zu ihrem Tod glaubte sie, dass sie noch Kaiserin von Mexiko war. Vom Tod ihres Mannes erfuhr sie ihr Leben lang nichts.

Kaiserin Carlota von Mexiko starb am 19.1.1927 87jährig auf Schloss Bouchout in Meise. Sie ruht in der Notre Dame Kirche in Laeken in Belgien.

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: David Conway via findagrave.com, (*) Mit herzlichen Dank für die Fotorechte an Schloss Artstetten, sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons 


Literarische Hinweise: 

Egon Conte Corti 
Maximilian und Charlotte von Mexiko Nach dem bisher unveröffentlichten Geheimarchive des Kaisers Maximilian und sonstigen unbekannten Quellen (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Brigitte Hamann 
Mit Kaiser Max in Mexiko Aus den Tagebüchern des Fürsten Carl Khevenhüller 1864 – 1867 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Brigitte Hamann 
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisches erhältlich) 

Maximilian Eugen Ludwig Friedrich Philipp Ignatius Joseph Maria Erzherzog von Österreich

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Maximilian Eugen

Wir gedenken heute des Todestages von Maximilian Eugen Ludwig Friedrich Philipp Ignatius Joseph Maria Erzherzog von Österreich. Er wurde am 13.4.1895 in Wien geboren.

Foto: ÖNB Erzherzog Otto

Foto: Wikimedia/Commons Maria Josepha Prinzessin von Sachsen

Sein Vater war Erzherzog Otto Franz. Seine Mutter Maria Josepha Prinzessin von Sachsen. Er war der 2te Sohn des Paares.

Erzherzog Otto war ein Sohn von Erzherzog Karl Ludwig. Er wiederum ein Bruder von Kaiser Franz Joseph. Otto war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

Maximilian Eugen war somit der Großneffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Gleichzeitig war er aber auch der Neffe von Erzherzog Franz Ferdinand und der Bruder vom letzten Kaiser von Österreich, Karl I.

Erzherzog Maximilian durfte das Schottengymnasium besuchen und studierte – sehr zum Missfallen von Kaiser Franz Joseph- danach Rechtswissenschaften. Habsburger hatten zu dieser Zeit keine weitere Ausbildung zu haben, als eine militärische. Sie lernten zwar noch einen Handwerksberuf „für den Fall der Fälle“, aber das galt eher dem Alibi.

Während der Kriegszeit diente er teilweise an der Front und stieg bis zum Major auf.

Foto: Wikimedia/Commons Franziska zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst

Am 29.11.1917 heiratete er in Schloss Laxenburg Franziska zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Sein Bruder Kaiser Karl hielt sich in der Kriegszeit hauptsächlich in Laxenburg auf, weshalb die Hochzeit dort stattfand. Das Paar bekam 2 Söhne.

Erzherzog Maximilian wollte sich dem Adelsaufhebungsgesetz von 1919 nicht unterwerfen und wurde – obwohl weiterhin österreichischer Staatsbürger – des Landes für immer verwiesen.

Er promovierte noch als Dr. jur und ließ sich als Rechtsanwalt in Bayern und der Schweiz nieder.

Während des 2. Weltkrieges flüchtete die Familie in die Schweiz und nannte sich vorsichtshalber „Grafen von Kyburg“.

Erzherzog Maximilian Eugen starb 56jährig am 19.1.1952 in Nizza. Er ruht in der St. Michael Kirche, Schloss Altshausen in Baden Württemberg.

~ Marie ~

 

 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise: 

Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich) 

 

Ludwig Viktor Joseph Anton Erzherzog von Österreich oder auch Luzi-Wuzi

Foto: Österreichische Nationalbibliothek, Erzherzog Ludwig Viktor „Luzi-Wuzi“

Foto: austria-forum.org, Erzherzog Franz Karl

Erzherzogin Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute des Todestages von Ludwig Viktor Joseph Anton Erzherzog von Österreich. Er wurde am 15.5.1842 in Wien geboren.

Sein Vater war Erzherzog Franz Karl. Seine Mutter Sophie Prinzessin von Bayern.

Nach dem das Paar zwei Jahre zuvor ihre geliebte Tochter Ännchen (*) verloren hatten, hofften sie, dass die erneute Schwangerschaft eine Tochter hervorbringen würde. Etwas Enttäuschung war der Mutter anzusehen, als sie den 4ten Buben entbunden hatte. Trotzdem wurde er schnell der Star in der Familie.

Sophie verhätschelte „Luzi-Wuzi“ oder „Luziwuzi“ (beide Schreibweisen sind korrekt) – wie er in der Familie und auch im Erwachsenenleben genannt wurde – bis auf äußerste, weshalb das Nesthäkchen von Franzi, Maxi und Karli misstrauisch und neidvoll beäugt wurde. Die drei Buben waren natürlich niemand geringere als der zukünftige Kaiser Franz Joseph (Franzi), Lieblingssohn Erzherzog Ferdinand Maximilian (Maxi) und Erzherzog Karl Ludwig (Karli).

Ludwig Viktor erhielt dieselbe schulische Ausbildung wie seine Brüder, allerdings war seine Mutter bei weitem nicht mehr so streng und mit Drill dahinter wie bei Franzi und Maxi, weshalb sich der Bub so manche Späße mit seinen Hauslehrern erlaubte. Schon Max hatte einige Freiheiten mehr, als der von Gott begnadete auserwählte Erstgeborene Franz, der zum Teil völlig isoliert aufwachsen musste.

Schon früh fiel bei Luzi-Wuzi jene Begabung auf, die später gefürchtet war. Er konnte sehr gut mit seiner spitzen Zunge zynische Bemerkungen fallen lassen. Als Bub diente dies noch der Belustigung der Hofdamen von Sophie, zumal der blondgelockte Ludwig Viktor ein sehr hübscher Knabe war. Später war er für seine spitze Zunge, pointierten Aussagen, tiefschwarzen Bemerkungen, gesponnenen Intrigen und hinterlistigen Geschichten über das Kaiserhaus gefürchtet.

Foto: Wikimedia/Commons, Luzi-Wuzi

Ebenfalls zeitig fiel seine Passion auf, sich in Frauenkleidern zu zeigen. Zuerst verkleidete er sich nur im Fasching oder wenn er jemanden nachäffen und diese Darstellung besonders treffend darstellen wollte. Franzi, Maxi und Karli kringelten sich oft vor Lachen, wenn Luzi-Wuzi mit verstellter Stimme, in Mädchenkleidung irgendeine Cousine nachäffte. Nicht umsonst nannte ihn Elisabeth später und heimlich in ihren Gedichten auch „Affe“.

Doch schon bald fiel dem Kaiserhaus seine Andersartigkeit auf.

Wie seine Brüder wurde auch er militärisch erzogen. Er brachte es bis zum General eines Infanterieregiments, schied aber nach dieser Ernennung aus selbigen wieder aus, da er mit dem Militär nichts anfangen konnte. Das Regiment erhielt trotzdem seinen Namen.

Foto: theatermuseum.at Claudia Couqui Fotograf Carl Mahlknecht

Luzi-Wuzi war beliebt bei seinen Tanten vor allem bei Tante Ludovika in Bayern und gern gesehener Gast bei den Kaffeekränzchen. Er vergaß nie einen Geburtstag, einen Namenstag, einen Hochzeitstag oder sonst einen Ehrentag der Damen oder der Herrschaft, schickte Blumen, Karten und Pralinen. Luzi-Wuzi wusste immer den neusten Tratsch aus dem Kaiserhaus, vor allem über seine Schwägerin Sisi, die ihn dafür regelrecht verachtete und hasste. Nicht einmal beschwerte sie sich bei ihrem Ehemann über ihren Schwager, dass er Missstimmung in die Familie brächte und er es sei, der die Familie entzweien würde. Doch Kaiser Franz Joseph hielt an seinem Bruder genauso fest, wie an Sisi oder an seiner Mutter.

Als es Zeit war zu heiraten, wollte man ihn mit Elisabeths Schwester Sophie in Bayern verehelichen, welche aber brüskiert ablehnte. Sein Bruder Max wünschte sich als Ehefrau Isabel Prinzessin von Brasilien. Dies hätte die Länder Mexiko und Brasilien (wieder) vereint. Doch Luzi-Wuzi lehnte eine Ehe kategorisch ab.

Foto: Wien Museum, Michael Frankenstein, um 1870, Ludwig-Viktor-Palais

Obwohl die sexuelle Orientierung von Ludwig Viktor ein offenes Geheimnis war und dies im 19. Jahrhundert mit Gefängnis bestraft wurde, akzeptierte die kaiserliche Familie im stillen Abkommen seine Homosexualität. Allerdings dürfte er nach heutigem Wissen trotzdem Bisexuell gewesen sein, denn er hatte ein jahrelanges Verhältnis mit der schönen Schauspielerin und Tänzerin Claudia Couqui, welche in seinem „Erzherzog Ludwig Viktor Palais“ Ein und Aus ging.

Das Palais wurde von 1863-1866 von Heinrich von Ferstel erbaut und war das erste Palais am Schwarzenbergplatz 1 (heute ist das TGI Fridays darin). Auf seine Initiative wurde von Heinrich von Ferstl das Palais Ferstl, das Palais Schwarzenberg (heute ein Casino) gebaut und das Schloss Klessheim in Salzburg umgebaut.

Da Kaiser Franz Joseph an niemanden Aufgaben abgab, hatte auch Ludwig Viktor nicht viel zu tun. Er hing im Prinzip den ganzen Tag herum, besuchte Kunstausstellungen und war der Bruder des Kaisers. Für einen jungen, überaus intelligenten Mann war dies zu wenig an Aufgaben.

Foto: readymap.at Kaiserbründl Bad

Zu einem Affront kam es, als es im Kaiserbründlbad zu einer Schlägerei kam. Dort irrte sich der Erzherzog bei einem jungen Mann ob seiner sexuellen Orientierung und bekam eine Ohrfeige. Da der Mann Ludwig Viktor erkannte, drohte er mit einem Skandal und einer öffentlichen Kundmachung. Um dieser zu entgehen, schickte Kaiser Franz Joseph Luzi-Wuzi nach Salzburg.

Eine Mär besagt, dass der Kaiser seinen Bruder auf ewig verbannt hätte. Dies widerlegt die zahlreiche Korrespondenz und die vielen Briefe der beiden Brüder. Kaiser Franz Joseph legte in vielen Dingen auch immer wieder Wert auf die Meinung von Ludwig Viktor, so dass dieser zwischen Wien und Salzburg pendelte. Die beiden Brüder verstanden sich ausgezeichnet. Von Verbannung oder gar Peinlichkeit ob der sexuellen Orientierung seitens Ludwig Viktors kann keine Rede sein. Kaiser Franz Joseph hat ihn zwar immer wieder zur Räson gebeten, aber das musste er bei verheirateten Paaren auch.

1866 baute er das Winterschloss „Kavaliershaus“ in Klessheim aus, so dass er auch im Winter in Salzburg bleiben konnte. Hier feierte Luzi-Wuzi ausschweifende Partys, die bald über Salzburg hinaus berüchtig waren. Die Offiziere hatten bald vom Militärcasino Verbot beim Erzherzog aufzutauchen, da es Gerüchte für „einseitige Ausschweifungen“ gab.

Foto: Österreich Werbung Weinhäupl, Schloss Klessheim

Die Salzburger selbst begannen ihren Erzherzog an zu lieben. Wo er auftauchte floss das Geld. Er half den Bürgern wo er konnte. Er baute Krankenhäuser, Schulen und Universitäten. Er setzte sich für die Armen ein und ließ Frauen- und Waisenhäuser bauen. Er war sich nicht zu Schade dafür den Kranken der Stadt einen Besuch abzustatten, ihnen die Hand zu schütteln und Geld für Medizin dazulassen. Es gab keinen Habsburger vor und nach ihm, der sich so für die Belange der Menschen einsetzte wie Luzi-Wuzi.

Als am 25.8. und 26.8.1877 Salzburg von einem der schlimmsten Hochwasserkatastrophen des Jahrhunderts betroffen war, half er nicht nur finanziell aus, sondern half den Menschen direkt vor Ort. Die Salzach trat über das Ufer am Elisabethkai, Rudolfskai und Franz-Josefskai, so dass die Altstadt völlig überschwemmt und abgeschnitten war. Erzherzog Ludwig Viktor kaufte Boote an, um die Menschen retten zu lassen, ließ frisches Wasser und Essen verteilen.

Obwohl Fürstin (Ele)Nora Fugger von Babenhausen in ihrer eigenen Biografie gar garstige Worte über Luzi-Wuzi findet, so war sie Zeit seines Lebens mit ihm in Kontakt. Sei es per Brief oder auf zahlreichen Festen. Auch bei seiner Nichte Gisela und ihrem Mann Leopold in München ging er des Öfteren Ein und Aus.

Doch je älter er wurde, desto mehr zog er sich nach Salzburg zurück. Um 1900 verlor einen seiner besten Freunde, weil er wieder einmal seine spitze Zunge nicht im Zaum halten konnte. Erzherzog Franz Ferdinand hatte schon zu viele Hürden und Bosheiten mitgemacht, so dass die eine Bosheit von Luzi-Wuzi gegen seine Frau Sophie zu viel war. Er konnte und wollte die Beleidigung nicht verzeihen.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José, Grab Erzherzog Ludwig Viktor, Friedhof Siezenheim

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José, Grab Erzherzog Ludwig Viktor, Friedhof Siezenheim

Sein 60. Geburtstag wurde am 15.5.1902 in Salzburg groß gefeiert. Alles war vor Ort was Rang und Titel hatte. Am 24.8.1902 eröffnete er die „Erzherzog-Ludwig-Viktor-Brücke“ über der Salzach und der „Alte Markt“ wurde in „Ludwig-Viktor-Platz“ umgetauft.

Danach zog er sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Keine wilden Partys mehr. Keine Reisen mehr nach Wien in sein schönes Palais, welches Kaiser Franz Joseph 1911 in ein Militärcasino umwidmen ließ. Immer häufiger zeigten sich geistige Verwirrung und beginnende „Demenz“. 1915 wurde er entmündigt und unter ein Kuratel gestellt. Er durfte Schloss Klessheim alleine nicht mehr verlassen.

Erzherzog Ludwig Viktor starb am 18.1.1919 76jährig in Schloss Klessheim. Er ruht am öffentlichen Friedhof in Siezenheim.

~ Marie ~

Info nebenbei:

Luzi-Wuzi starb als Letzter der kaiserlichen Brüder. Er ruht auf eigenem Wunsch in Siezenheim.

Luzi-Wuzis Biografin wurde der Zugang zu den Unterlagen von Karl (von) Habsburg leider verwehrt. Grund: sie hatte die Biografie von Kaiser Karl nicht in seinem Sinne geschrieben.

(*) Wer mehr über Erzherzog Ludwig Viktors frühverstorbene Schwester erfahren möchte, ist hier richtig:

https://sternenkaiserin.com/2017/02/05/erzherzogin-maria-anna-karolina-pia-von-oesterreich/

Maria José hat das Grab von Erzherzog Ludwig Viktor besucht. Wer sich das Video noch einmal ansehen möchte, ist hier richtig:

Video: Maria José


Rechtliche Hinweise
Text: Marie
Blogbeitrag: Marie
Video: Maria José
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José, Österreich Werbung Weinhäupl, readmap.at, Wien Museum Michael Frankenstein, Österreichische Nationalbibliothek, Wikimedia/Commons, austria-forum.org, theatermuseum.at (Carl Mahlknecht)


Literarische Hinweise: 

Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Katrin Unterreiner 
Luzi Wuzi Das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor

Karl Salvator Maria Joseph Johann Baptist Philipp Januaris Ludwig Erzherzog von Österreich, Prinz von Toskana

Foto: Erzherzog Karl Salvator

Wir gedenken heute des Todestages von Karl Salvator Maria Joseph Johann Baptist Philipp Januaris Ludwig Erzherzog von Österreich, Prinz von Toskana. Er wurde am 30.4.1839 in Florenz geboren.

Foto: Wikimedia/Commons, Großherzog Leopold II von Toskana

Foto: Wikimedia/Commons, Großherzogin Maria Antonia von Toskana

Sein Vater war Leopold II Erzherzog von Österreich, Großherzog der Toskana. Seine Mutter Maria Antonia Prinzessin von Neapel-Sizilien.

Sein Vater Leopold II war ein Enkel von Kaiser Leopold II, sowie ein Ur-Enkel von (Kaiserin) Maria Theresia. Sein Vater war der Großherzog Ferdinand III von Toskana, Erzherzog von Österreich. Außerdem war Leopold von Geburt an bis zur Geburt von Erzherzog Franz Joseph Karl der Dritte in der Thronfolge. Vor ihm waren nur Erzherzog Ferdinand und Erzherzog Franz Karl, die beide – vor allem aber Ferdinand – als geistesschwach galten. Beides waren Söhne von seines Onkel Franz, welcher Kaiser Franz II/I war. Als Erzherzogin Sophie allerdings den Stammhalter der Dynastie geboren hatte (Erzherzog Franz Joseph Karl), rutschte Leopold in der Rangordnung ab. Als die Erzherzöge Ferdinand Maximilian, Karl Ludwig und Ludwig Victor geboren wurden, wurde die Thronfolge für Leopold unerreichbar.

Karl Salvator war der zweite Sohn und das fünfte Kind von insgesamt 10 Kindern. Sein jüngster Bruder war Erzherzog Johann Salvator, auch bekannt als Johann Orth (Schloss Orth). Sein vorletzter Bruder Ludwig Salvator ging ebenfalls in die Geschichte ein. Er lebte auf Mallorca, scherte sich wenig um die Konventionen der Habsburger und machte sogar heimlich ein Bild von Kaiserin Elisabeth.

Schon früh zeigte Karl Salvator Interesse für das Militär und begann sich für technische Dinge an zu interessieren. Bereits mit 10 Jahren wurde er zum Rittmeister des Galizischen Ulanen Regiment „Kaiser Joseph II Nr. 6“. Schon 1857 wurde er zum Major befördert

1859 verließ die Familie Florenz, da der Sardinische Krieg ausbrach. Er meldete sich als Major in der Lombardei bei seinem Regiment und nahm am Krieg teil. Innerhalb kürzester Zeit wurde er Oberleutnant.

1860 verlor Österreich die Toskana für immer an Italien. „Die Schlacht um Solferino“ sollte in die Geschichte eingehen. Erzherzog Karl Salvator wurde trotz allem Oberstinhaber des „k.u.k. Galizischen Infanterie Regiments Philipp Herzog von Württemberg“ Nr 77. Dieses Regiment trug ab sofort seinen Namens. Karl Salvator nahm an weiteren Kriegen teil und musste 1886 seinen Dienst nehmen, da ihn ein rheumatisches Fußleiden an einer weiteren Karriere hinderte. Allerdings hatte er es bis zu diesem Zeitpunkt bereits bis zum Feldmarschallleutnant gebracht.

Aber auch der Ruhestand war für den Technikaffinen Erzherzog kein Problem. Schon lange entwickelte er gemeinsam mit seinem Freund und Hauptmann Georg Ritter von Dormus Schusswaffen. Dabei halfen ihm seine exzellenten Mathematikkenntnisse.

1888 wurde die Feuerwaffe M.93 kurz „Salvator/Dormus“ in die k.u.k. Kriegsführung aufgenommen und erst 1907 durch das erste Maschinengewehr ersetzt. Im 1. Weltkrieg wurde die M.93 allerdings noch bzw. wieder eingesetzt, da es zu wenig Maschinengewehre gab.

Foto: Wikimedia/Commons, Maria Immaculata Prinzessin von Neapel-Sizilien

Karl Salvator arbeitete gemeinsam mit Dormus auch an einer Repetierpistole, von der lediglich 50 Stück produziert wurden. 31 davon wurden für den Truppenversuche eingesetzt. Doch die Handhabung stellte sich am Truppenübungsplatz als äußerst kompliziert heraus. Als Karl Salvator dann auch noch erkrankte, gab Dormus den Versuch auf, die Waffe zu verbessern.

Erzherzog Karl Salvator hatte aber nicht nur das Militär und Waffen im Kopf. Auch die Architektur war ein großes Interessensgebiet von ihm. Die schönsten Gebäude skizzierte er auf Blatt Papier. Sein größtes Hobby war allerdings, wie bei allen männlichen Habsburgern, die Jagd. Er besaß zu dem die größte Waffensammlung.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie, Wandnische, Erzherzog Karl Salvator, Kapuzinergruft

Am 19.9.1861 heiratete er in Rom seine Cousine Maria Immaculata von Neapel-Sizilien. Das Paar war sich sehr wohlwollend zugetan. Am bekanntesten ihrer 10 Kinder ist wohl der zweite Sohn Erzherzog Franz Salvator. Er ehelichte am 31.7.1890 Erzherzogin Marie Valérie, wodurch Erzherzog Karl Salvator der Schwiegervater von Erzherzogin Marie Valérie wurde.

Erzherzog Karl Salvator starb 52jährig am 18.1.1892 an einer Influenza in Wien. Er ruht in einer Wandnische neben seiner Frau in der Kapuzinergruft.

~ Marie ~






Info nebenbei:

Wer sich die Geschichte zum Schloss Orth noch einmal anhören möchte, ist hier richtig:
Video: sternenkaiserin.com – Marie 

Wer meinen Beitrag zu Ludwig Salvator nachlesen möchte, ist hier richtig:

https://sternenkaiserin.com/2019/10/12/erzherzog-ludwig-salvator-mallorca-museumsbericht/


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie
Video: sternenkaiserin – Marie
Blogbeitrag: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise: 

Brigitte Hamann
Die Habsburger: Ein biografisches Lexikon (nur noch antiquarisch erhältlich)

Luitpold Emanuel Ludwig Maria Herzog in Bayern

Foto: Schloss Ringberg Tegernsee (Burg Ringberg nennt sich heute Schloss Ringberg)

Wir gedenken heute des Todestages von Luitpold Emanuel Ludwig Maria Herzog in Bayern. Er wurde am 30.6.1890 in München geboren.

Max Emmanuel und Amelie in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Max Emanuel „Mapperl“ Herzog in Bayern. Seine Mutter Amalie Prinzessin von Sachsen-Coburg-Gotha.

Max Emanuel „Mapperl“ war ein Bruder von Kaiserin Elisabeth. Er war somit ein Neffe von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Als Luitpold 3 Jahre alt war, starb sein Vater. Als er 4 Jahre alt war, starb seine Mutter.

Seine beiden Geschwister und er wurden damit zu Vollwaisen. Sie verblieben in der Obhut der Hofdame ihrer Mutter Gräfin Fugger. Ihre Großmutter mütterlicherseits Klementine von Coburg kam monatelang nach Schloss Biederstein, um Nahe bei ihren Enkelkindern zu sein. Mit zunehmenden Alter blieben jedoch die längeren Besuche aus. Als „Eltern“Ersatz waren Herzog Carl Theodor „Gackel“ und Herzogin Maria José eingesprungen, die die Buben nicht nur auf Biederstein besuchten, sondern sie auch nach Schloss Possenhofen mitnahmen.

Dort wuchsen sie zum Teil völlig unbeschwert auf und konnten mit den Kindern von Gackel und Maria José spielen. Sie lernten Reiten, Tennis, Segeln, Schwimmen, Jagen, Wandern usw. Die Kinder hatten so eine unbeschwerte und glückliche Kindheit. Wenn Tante Sisi zu Besuch kam, war die Rasselbande kaum zu bändigen.

Bereits als 7jähriger zeigte er eine außergewöhnliche Begabung für die Kunst. Dies hatte er anscheinend von seinem Vater geerbt. Beim Spielen mit seinem Cousin Franz Josef (Sohn von Carl Theodor und Maria José) imitierte er voller Inbrunst und zum Erstaunen aller phantasievoll die Oper Lohengrin von Wagner.

Völlig neu im Land Bayern war die Sportart Skifahren. Luitpold war einer der Ersten im Land, der diesen Sport bis zur Perfektion erlernte und bis ins hohe Alter ausübte.

1911 trat er als Leutnant in das königliche bayrische Erste Ulanenregiment Kaiser Wilhelm II ein. Als der 1. Weltkrieg ausbrach ging er mit diesem Regiment an die Front, erkrankte aber schwer an einer Lungenentzündung. In Folge dessen war sein Kriegseinsatz vorbei und er trat aus dem Militär aus.

Luitpold hatte auf Schloss Biederstein verschiedene Hauslehrer und hatte die übliche Ausbildung, so dass er später an der Universität Kunstgeschichte und Philosophie studieren konnte. Seinen Abschluss machte er 1922.

Foto: maxplanckfoundation.org/Schloss Ringberg

Das Ulanenregiment war am Ringberg untergebracht und Herzog Luitpold war begeistert vom Ausblick auf den Tegernsee. Wie besessen kaufte er Bauernhöfe und Gründe am Ringberg, um sich hier den Traum einer Burg zu verwirklichen. Sein ganzer Lebensinhalt strebte nach dem Bau dieser Burg. Diese Besessenheit kann mit König Ludwig II verglichen werden, auch wenn er diesen nicht nachahmte. Allerdings ging seine Liebe zur Burg so weit, dass er vergaß sich zu verlieben. So stand schon vor dem 1. Weltkrieg der Hauptbau, verheiratet war er allerdings noch nicht.

Während des 2. Weltkrieges ging er auf Reisen. Seine Burg blieb weitgehend verschont, so dass er nach dem Krieg am Weiterbau weiterarbeiten konnte. Die Einflüsse seiner Reisen sind am Ausbau deutlich zu sehen.

Nachdem Schloss Biederstein nicht zu halten und von den Brüdern verkauft worden war, wurde es abgerissen. Das gesamte Inventar wurde versteigert und damit in alle Herren Länder verteilt.

Herzog Luitpold in Bayern war der Erbe von Schloss Possenhofen. 1943/44 wurde er von den Nazis gezwungen dieses zu verkaufen, da diese ein Schulungszentrum daraus machten.

1945 übernahm der Bayrische Staat das desolate Schloss und brachte bis zum Dach Flüchtlinge unter und zerstörte damit den Rest. Was nicht schon geplündert war, wurde jetzt noch zerstört, geplündert, beschmiert und zerstückelt.

Luitpold in Bayern traf halb der Schlag als er das einst schöne und so stolze Possi der Familie sah und lehnte den Rückkauf vom Staat Bayern ab. Diese ließen es danach einige Jahre komplett verfallen. Heute befindet es sich in Privatbesitz. Im Schloss befinden sich Eigentumswohnungen.

Er zog sich auf seine mittlerweile fertig gestellte Burg Ringberg zurück. Er konnte sich nie zum Heiraten überwinden und blieb dadurch auch ohne Erben. Luitpold vermachte die Burg dem Max Planck-Institut, dass sich mit der Grundlagenforschung auseinandersetzt. Diese führt bis heute die Geschäfte der Burg, welche unter Denkmalschutz steht.

Luitpold Herzog in Bayern starb 83jährig am 16.1.1973 in Wildbad Kreuth. Er ruht in einer Urne in einer eigens gegründeten kleinen Gruft in der Burg Ringberg.

~ Marie ~


Text: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Schlossberg Ringberg, maxplanckfoundation.org


Literatur Hinweise: 

Hermann von Witzleben 
Herzöge in Bayern (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Alfons Maria Franz Clemens Maximilian Prinz von Bayern

Alfons von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute des Todestages von Alfons Maria Franz Clemens Maximilian Prinz von Bayern. Er wurde am 24.1.1862 in München geboren.

Adalbert von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Amalia Infantin del Pilar von Spanien, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Adalbert Prinz von Bayern. Seine Mutter Amalia Infantin del Pilar von Spanien.

Adalbert war ein Sohn von König Ludwig I. Somit war Alfons ein Enkel von König Ludwig I, ein Großneffe von Herzogin Ludovika und Erzherzogin Sophie und Großcousin von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Er besuchte das Humanistische Gymnasium, danach studierte er an einer Universität.

1880 trat er der Bayrischen Armee bei und machte in verschiedenen Ämtern Karriere. 1901 wurde er zum Generalleutnant ernannt, danach allerdings von seinem Kommando enthoben.

 

Louise Victoire
Foto: Wikimedia/Commons

Alfons ging in die Geschichte rund um die Kaisertochter ein. Er hielt um die Hand von Erzherzogin Marie Valerie an.

Doch diese fand beim ersten Treffen den Großcousin ihrer Mutter so sterbenslangweilig, dass sie diese anbettelte Alfons nicht heiraten zu müssen. Natürlich ging ihr Wunsch in Erfüllung.

Sarkophag, Alfons von Bayern, Michaelskirche, München, Foto: Wikimedia/Commons

Am 15.4.1891 heiratete Alfons von Bayern Herzogin Louise Victoire d’Orleans.

Sie war die schöne Tochter von Herzogin Sophie und Herzog Ferdinand d’Orleans. Sophie war die Schwester von Kaiserin Elisabeth. Das Paar bekam 2 Kinder und wurde äußerst glücklich.

Prinz Alfons von Bayern starb kurz vor seinem 71. Geburtstag am 8.1.1933 in München. Er ruht in der Michaelskirche in München.

~ Marie ~

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie 
Bildrechte: Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Brigitte Hamann 
Elisabeth Kaiserin wider Willen 

Christian Sepp 
Sophie Charlotte Sisis leidenschaftliche Schwester 

Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz

Joseph von Radetzky, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Wir gedenken heute des 163. Todestages von Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz. Er wurde am 2.11.1766 auf Schloss Trebnitz in Böhmen geboren.

Sein Vater war Peter Eusebius II. Graf Radetzky von Radetz. Seine Mutter Maria Venantia Freiherrin Bechyne von Lazan. 

Joseph verlor sehr früh seine Eltern, weshalb er zur Vollwaise wurde und in die Obhut seines Onkels kam. Dieser ließ ihn bei den Piaristen einschulen, später folgte das Theresianum in Wien. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften.

1784 trat er als Kadett in die k.u.k. Armee ein, wo er sehr schnell Karriere machte. Zahlreiche Schlachten folgten, viele davon siegreich. Er diente unter dem Stab von Fürst Schwarzenberg und organisierte das österreichische Heer vollkommen um.

Franziska Gräfin Strassoldo-Graffenberg, Foto: geni.com

Am 5.4.1798 ehelichte er Franziska Gräfin Strassoldo-Graffenberg und bekam mit ihr 5 Söhne und 3 Töchter. Nur ein Sohn und eine Tochter sollten den Vater überleben.

Zeit seines Lebens war Radetzky verschuldet, da seine Frau sehr verschwendungssüchtig war.

Am 17.12.1856 – 90jährig (!) – suchte er bei Kaiser Franz Joseph um seine Pensionierung an. Der Wortlaut lautete: „„Euer Majestaet, die Gesetze der Natur zwingen mich nach 72 Dienstjahren und 90 Lebensjahren Euer Majestaet um die Allergnaedigste Enthebung von meinem Dienstposten Allerunterthänigst zu bitten. Geruhen Euer Majestaet mir diese Enthebung mit jener Allerhöchsten Huld und Gnade zu gewähren, mit welcher Allerhöchst dieselben mich schon so vielfach überschütteten und gestatten mir Euer Majestaet bei diesem Anlaße Allerhöchst Der Huld und kaiserliches Wohlwollen […] Mein Greisen Alter hat zwar meine Thätigkeit gelähmt, aber bis zum letzten Athem zuge werde ich des Allmächtigen Segen für das erhabene Hauß und den herrlichen Thron Meines geliebten Monarchen erflehen, der ich in tiefster Demut ersterbe.“ (*)

Am 28.2.1857 genehmigte Kaiser Franz Joseph den Ruhestand. Radetzky diente unter 5 Kaiser und er- und überlebte 17 Feldzüge. Er brachte es bis zum Feldmarschall und gilt als der bedeutendste Heerführer des 19. Jahrhunderts.

Johann Strauß Vater komponierte 1848 ihm zu Ehren den berühmten Radetzkymarsch. Er ist heute noch das Highlight und gleichzeitig der Abschluss eines jeden Neujahrskonzerts.

Joseph Graf von Radetzky starb am 5.1.1858 92jährig an einer Lungenentzündung in Mailand. Er ruht am Heldenberg.

~ Marie ~

Info am Rande:

Nach der Überführung des Leichnams, wurde dieser im Arsenal aufgebahrt und unter Anführung des jungen Kaiser Franz Josephs im Wiener Stephandsdom eingesegnet.

Kaiser Franz Joseph wollte ihn in der Kapuzinergruft zu Grabe tragen. Doch Radetzky überließ dies seinem guten Freund Joseph Gottfried Pargfrieder, der ihm jahrzehntelang die Schulden tilgte und so verfügte dieser, dass er auf dem neu gegründeten Heldenberg beerdigt werden sollte. Joseph Graf von Radetzky ruht direkt unter dem Obelisken.

Otto Treßler spielte Radetzky im berühtem Sissi-Film. Erzherzogin Maria Josepha, Ehefrau von Erzherzog „Bolla“ war jahrelang mit Otto liiert und wollte sogar die Scheidung, als plötzlich alles anders kam und ihr Sohn Karl Thronfolger wurde.

Video: sternenkaiserin.com – Marie 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie 
Videorecht: Marie 
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, geni.com


Literatur Hinweise: 

(*) HGM, Wien/Graz 1960, S. 51 Handschriftlicher Brief 

Franz Herre
Radetzky. Eine Biografie (Nur noch antiquarisch erhältlich)

Johann Graf Mailath von Székhely

Johann Graf Mailath von Székhely, Foto: oocities.org

Wir gedenken heute des Todestages von Johann Graf Mailath von Székhely, bekannt als Geschichtsprofessor von Herzogin Elisabeth in Bayern. Er wurde am 3.10.1786 in Pest geboren. 

Johann war eines von 18 Kindern, welche sein Vater Janos mit 2 Ehefrauen zeugte. 

Schon schnell war klar, dass der kleine Johann eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen hatte. Er wurde deshalb am Erzbischöflichen Lyzeum von Erlau unterrichtet. Er studierte danach Philosophie und Jura an der Rechtsakademie in Raab. 

1808 übersiedelte er nach Wien und trat als Konzipist in die Hofkanzlei in Wien ein, wo er 1812 zum Sekretär wurde. 

In dieser Zeit lernte er Gräfin Anna Revay kennen und heiratete sie. 1811 wurde Tochter Henriette, 1815 Sohn Kálmán geboren. 

Ein schweres Augenleiden verhinderte eine große Beamtenlaufbahn. Graf Mailath versuchte sich als freier Schriftsteller, was aber misslang. 

Als Graf von Székhely war er zwar adelig, hatte aber bei 17 Geschwistern keine Güter mehr zu erwarten. Er verarmte daher fast, da ihm auch seine Arbeit als Schriftsteller nicht genügend einbrachte. 

Seine Gedichte, Sagen und Märchen waren nicht mit großem Erfolg gesegnet. Ab 1842 beschäftigte er sich mit Randthemen der Wissenschaft und der Kunst, was allerdings als Dilettantismus angesehen werden muss. Ab 1851 etablierte er sich allerdings als Autor und Vermittler historischer ungarischer Literatur, welche er übersetzte. 

Graf Mailath galt als überaus intelligent und dürfte ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben: er rezitierte Gedichte, die er nur ein einziges Mal gehört hatte verkehrt herum. Er begann demnach mit der letzten Zeile und endete mit der Ersten. Auch Würfelspiele, mit locker 200 Würfelfolgen, konnte er der Reihe nach aufsagen, ohne einen Fehler zu machen. 

Er galt als eloquenter Erzähler und war in der Gesellschaft gerne gesehen, obwohl er kein Geld vorweisen konnte. Graf Mailath verfolgte die „österreichische Gesamtstaatsidee“. Er hielt den Adel und die Kaiserzeit für veraltet. Er schrieb Artikel für die Zeitschrift „Iris“, in welcher auch (erstmals) Adalbert Stifter und Franz Grillparzer veröffentlichten. 

1848 übersiedelte er nach München, wo er auf eine bessere Verdienstmöglichkeit hoffte. Er wurde in die Gelehrtenkreise aufgenommen und war viel- und gerngesehener Gast. 

Sein ganzes Bestreben und sein ganzes Handeln wurde von der Liebe zur Tochter Henriette bestimmt. Sie formte er. Sie schrieb seine Schriften nieder und er widmete ihr jedes Werk. Henriette war von blinder Ergebenheit an ihren Vater gebunden. 

1853/54 wurde Professor Mailath an den herzöglichen Hof gerufen. Er sollte die Verlobte von Kaiser Franz Joseph, Herzogin Elisabeth in Bayern, in ungarischer und österreichischer Geschichte unterrichten. 

Dabei prägte Graf Mailath Sisi so sehr, dass sie später immer wieder ihren Professor aus der Verlobungszeit zitierte und die Gesellschaft mit Aussagen, dass der Adel veraltet sei in höchsten Schrecken versetzte. 

Nach der Anstellung am herzöglichen Hofe, verarmte Professor Mailath komplett. Fast 70jährig und mittlerweile fast erblindet, sah er keinen anderen Ausweg mehr. Seine Tochter, aus Liebe und Hingabe zum Vater, wollte nicht alleine zurückbleiben. 

Am 3.1.1855 fuhren die beiden von München an den Starnberger See, nicht unweit vom Schloss Possenhofen, füllten ihre dürftigen Kleider mit Steine, banden sich ein großes Tuch um die Hände und ertränkten sich gemeinsam – 69jährig und 44jährig – im See. 

~ Marie ~ 

Info nebenbei: 

Wer mehr über den Lieblingsprofessor aus Elisabeths Jugend erfahren möchte, liest, den großen Verlobungsbeitrag: 

https://sternenkaiserin.com/2017/08/18/verlobung-kaiser-franz-joseph-und-herzogin-elisabeth-in-bayern-teil-4/


Rechtliche Hinweise: 

Text: Marie 
Bildrechte: oocities.org


Literarische Hinweise: 

ungarische Webseite, übersetzt 
mittlerweile nicht mehr aktiv 

Beatrix Meyer 
Kaiserin Elisabeth und ihr Ungarn 

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen, Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute des Todestages von König Friedrich Wilhelm IV von Preußen. Er wurde am 15.10.1795 in Berlin geboren. 

Friedrich Wilhelm III, Foto: Wikimedia/Commons

Luise Herzogin zu Mecklenburg, Foto: Wikimedia/Commons

 

 

 

 

 

 

 

 

Sein Vater war Kronprinz Friedrich Wilhelm. Seine Mutter Luise Herzogin zu Mecklenburg. 

Sein Vater bestieg am 16.11.1797 als König Friedrich Wilhelm III von Preußen den Thron, weshalb der 2jährige Kronprinz wurde. 

Er wurde, wie üblich in diesen Kreisen, zu Hause unterrichtet, erlangte aber nicht für ein Studium an einer Universität das benötigte Wissen. Ab seinem 10. Lebensjahr wurde Friedrich militärisch erzogen. 

1810 begann der Kronprinz sich Schloss Charlottenhof bauen zu lassen, was er nach Fertigstellung (20 Jahre später) gerne für Abendgesellschaften nutzte. 

1815 ging er auf Rheinland-Reise und begann den Weiterbau des Kölner Doms, der seit 1560 eingestellt war. 

Ab 1819 musste Prinz Friedrich auf Brautschau gehen, weshalb ihn der bayrische Königshof, König Maximilian I., einlud. Dieser versprach ihm, im Falle einer Wahl, den Übertritt in den protestantischen Glauben. Erst durch diese schriftliche Zusicherung durfte Friedrich die Einladung ans bayrische Königshaus annehmen. 

Er verliebte sich in die schöne, sowie störrische Elisabeth Ludovika Prinzessin von Bayern, welche sich beharrlich weigerte, den Glauben der Preußen anzunehmen. 

Prinzessin Elisabeth von Bayern, Bild Joseph Stieler, Foto: Wikimedia/Commons

Prinzessin Elisabeth war eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika. Sie war somit eine Tante von Kaiser Franz Joseph und Patentante von Kaiserin Elisabeth. 

Ganze 4 Jahre kämpfte Friedrich um Elisabeth. Sie behielt ihren Glauben, verpflichtete sich aber zum protestantischen Unterricht. 

Am 16.11.1823 vermählten sich Prinz Friedrich und Prinzessin Elisabeth katholisch in der Kapelle der Münchner Residenz und am 29.11.1823 protestantisch in der Berliner Schlosskapelle. 

1828 erlitt Elisabeth eine so schwere Fehlgeburt, dass sie unfruchtbar wurde. Friedrich hielt an seiner Ehefrau fest und machte seinen jüngeren Bruder, Prinz Wilhelm, zum Thronerben. 

Die Ehe der beiden wird in der Literatur als unwahrscheinlich glücklich beschrieben. Die ruhige, besonnene Elisabeth, wirkte sich auf den hibbeligen Friedrich als „Anker“ aus. 

Sein Vater hielt ihn aus allen politischen Tagethemen heraus, weshalb er sich ins Privatleben zurückzog. Und so gingen Friedrich und Elisabeth auf ausgedehnte Italienreisen. 

Am 7.6.1840 bestieg Kronprinz Friedrich Wilhelm, als König Friedrich IV von Preußen, den Thron. Elisabeth wurde Königin. Große Feierlichkeiten folgten, die sich teilweise bis in den September hinzogen. Doch auch Schattenseiten begleiteten die Thronfolge. Es drohte Krieg mit Frankreich. 

1848 erlebte er die Revolution, die von Frankreich aus halb Europa erfasste, weshalb er Briefe an Victoria von Englang, Zar Nikolaus I und Metternich schrieb. Im März 1848 nahm er Otto von Bismarck als Berater auf. Am 3.4.1849 lehnte er die Krönung zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ ab. Dies hätte den Untergang des Habsburg-Reiches ausgelöst, was er kategorisch ablehnte. Danach folgten einige Kriege und politische Schachzüge, sowie Fehleinscheidungen. Außerdem überlebte er 2 Attentatsversuche. 

Ab Juli 1857 erfasste ihn ein persönliches Krankheitsdrama. Er erlitt mehrere Schlaganfälle, die sein Sprachzentrum lahmlegten. Schwergezeichnet von seiner Krankheit, unterschrieb er am 7.10.1858 die Regentschaftsurkunde für Prinz Wilhelm. 

Am 12.10.1858 verließ das Königspaar Deutschland und reiste nach Italien, wo sie noch 2x Papst Pius IX trafen. Danach begab sich das Paar zurück nach Potsdam, ins Schloss Sanssouci. 

Grabplatte, Inschrift, König Friedrich Wilhelm, Friedenskirche, Schloss Sans Soussouci, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Sarkophag, König Friedrich Wilhelm, Friedenskirche, Schloss Sanssouci, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Am 24.11.1859 erlitt er erneut einen schweren Schlaganfall, der ihn linksseitig lähmte. Fortan konnte er nur noch halb liegend und halb sitzend im Rollstuhl bewegt werden, eine Rückkehr

nach Berlin wurde unmöglich. 

Der König musste in Sanssouci bleiben. Am 4.1.1860 erlitt er den nächsten Schlaganfall, der ihn das Bewusstsein verlieren ließ. Man verständigte die Familie, welche alle nach Potsdam kamen, um Abschied zu nehmen. 

König Friedrich Wilhelm IV starb 66jährig am 2.1.1861 im Schloss Sanssouci. Er ruht, neben seiner Frau, in der Friedenskirche vom Schloss Sanssouci

~ Marie ~


Rechtliche Hinweise
Text: Marie 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, sternenkaiserin.com – Maria José 


Literarische Hinweise

Martha Schad
Bayerns Königinnen

Peter Krüger, Julius H. Schoeps 
Der verkannte Monarch.
Friedrich Wilhelm IV. in seiner Zeit (nur noch antiquarisch erhältlich)

 

Franz Josef Prinz zu Windisch-Graetz

Wir gedenken heute des Todestages von Franz Josef Marie Otto Antonius Ignatius Oktavius Prinz zu Windisch-Graetz. Er wurde am 22.3.1904 in Prag geboren. 

Franz Josef Prinz zu Windisch-Graetz, Foto: royaltyguide.nl

Erzherzogin Elisabeth Marie, Foto: Wikimedia/Commons

Otto Prinz zu Windisch-Graetz, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Otto Prinz zu Windisch-Graetz. Seine Mutter Erzherzogin Elisabeth Marie. Sie war die Tochter von Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie. 

Franz Josef war somit der Enkel vom bereits verstorbenen Kronprinz Rudolf und der erneut verehelichten Stephanie, nunmehr Gräfin Lónyay von Nagy-Lónyay. Er war aber auch der Ur-Enkel der bereits verstorbenen Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph. 

Erzherzogin Marie Valérie eilte an die Geburtsstätte zu Erzsi um ihr beizustehen. Ihr Gatte, Erzherzog Franz Salvator wurde von Kaiser Franz Joseph gebeten ihn als Taufpate zu vertreten. Bereits am 25.3.1904 fand die Taufe statt. Den Namen Franz Josef erbat sich sein Urgroßvater. 

Franzi wie er von seiner Mutter liebevoll genannt wurde, galt wie sein späterer Bruder Ernst, genannt Erni, als besonders schön. „Kinder aus des Olymp entsprungen“, nannte man sie. 

Franz Josef war ein sehr zartes Kind und von leidender Gesundheit. Er litt an Blutarmut und war anfällig für Azetonämie (Kinder erbrechen dabei bis zu 60x am Tag) und Lungentuberkulose, weshalb er oft auf Kur musste. Ihm wurde massenhaft Spinat hineingestopft, weil man glaubte, dass dieser übergesund sei. 

Die erste Schulzeit verbrachte er in der Elementarschule der Marine in Pola. Elisabeth wachte mit Argusaugen über die Lernerfolge, die ausgezeichnet waren. 

Als die Ehe der Eltern zum Scheitern verurteilt war, schenkte Ur-Großvater Kaiser Franz Joseph seiner Mutter das leerstehende Schloss Schönau, welches zuletzt Erzherzog Otto gehörte (Bruder von Erzherzog Franz Ferdinand). Elisabeth zog mit den Kindern von Italien nach Niederösterreich. 

In den 1. Weltkriegs-Wintermonaten 1915/16 wurden Franzi und Erni schwer Lungenkrank. Sie ließ den besten Kinderarzt nach Schönau kommen, der ihr zu einem Ortswechsel am Semmering riet. Der Semmering war damals groß in Mode und der Luftkurort. 

Mit stoischer Ruhe las sie den Kindern vor, ging in Eiseskälte mit ihnen spazieren, spielte mit ihnen, hielt sich an die Therapiepläne der Ärzte, ließ die Hauslehrer kommen und wagte sogar einen Versöhnungsversuch mit Otto. Und das alles, obwohl sie Kälte, Eis, Schnee, das Gebirge und mittlerweile auch Otto hasste. 

Als ihr Großvater im November 1916 starb, wagte sie es die Scheidung zu beantragen. Doch sie hatte mit dem Widerstand von Otto nicht gerechnet. Ein erbitterter Sorgerechtsstreit begann, der darin gipfelte, dass 1921 22 Gendarmen und ein Richter vor Schloss Schönau aufkreuzten um ihr die kreischenden, sich wehrenden Kinder zu entreißen. Bis 1924 sollten die 4 Kinder beim Vater leben. 1924 brachte er die Kinder zu Elisabeth zurück, willigte aber nicht in die Scheidung ein. Die vier Kinderseelen waren für ihr weiteres Leben gebrochen. 

Als Franzi 18 Jahre wurde, schrieb sie ihm einen rührseligen Brief, der allerdings auch Vorhaltungen enthielt. Er solle einen Beruf lernen und sich nicht auf Würde und Titel verlassen, weiters solle er an seiner Religion festhalten und jeden Tag mehrfach zum Kreuz beten. 

Franzi begann in Mödling Landwirtschaft zu studieren, da ihm als Erbe Schloss Schönau versprochen wurde. Doch je älter er wurde, desto mehr nabelte er sich von seiner Mutter ab und entwickelte sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Dies passte Erzsi so gar nicht. Immer öfter kam es zum Streit. 

Neben dem Studium, war das Jagen und die Zucht der Wolfshunde seiner Mutter sein größtes Hobby. Die Hunde vertrauten ihm blind. Als einer der Jäger einen ungehorsamen Hund mit der Kette schlug, schoss er ihm ins Bein. Der Hund rannte zurück zu Elisabeth und ließ sich von dieser bändigen und gesund pflegen. 

Doch das gute Verhältnis endete abrupt, als Elisabeth mit Leopold Petznek zusammenzog und aus reiner Bosheit Schloss Schönau verkaufen wollte. Sie hatte weder Geld- noch Versorgungssorgen. 

Doch die Kinder waren ihr entglitten, gingen ihre eigenen Wege und so wurde sie herrisch, despotisch, zynisch, aggressiv, launisch und unzufrieden. Als ein Streit eskalierte, zog Franzi mit 30 aus und schmieß das Studium. 

Er zog in eine kleine Garçonniere in ein Palais, das sein Vater vermietet hatte. Da er keinen Beruf erlernt hatte und auch sonst kein Ziel im Leben besaß, wollte er von seiner Mutter eine monatliche Apanage. Als sie diese nicht bezahlen wollte, ging er vor Gericht. Seine Mutter hetzte ihm Anwälte und Detektive auf den Leib, um zu beweisen, dass ihr sehr schöner, 1,90 m groß gewordener Sohn, ein Frauenheld und Lebemann geworden war. 

Erst der SPÖ Mann Julius Deutsch, mit denen Elisabeth zwischenzeitlich durch ihren Lebenspartner Leopold Petznek verkehrte, brachte sie zur Räson. Sie gab nach und willigte ein, ihrem Sohn eine monatliche Apanage von Schilling 400 zu bezahlen. 

Ghislaine D’Arschot-Schoenhoven, Foto: geni.com

Ohne Wissen seiner Mutter heiratete er am 3.1.1934 Ghislaine d’Arschot-Schoenhoven (†6.3.1997) in Brüssel.  Das Paar bekam 2 Kinder, die Ehe wurde sehr glücklich. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er Europa und ging nach Kenia, um als Großwildjäger Karriere zu machen. 

Als Elisabeth dies erfuhr lenkte sie ein. Sie schrieb ihrem Sohn und dieser kam zurück nach Wien, wo sie zwischenzeitlich mit Leopold wohnte. Mutter und Sohn versöhnten sich und so stellte er ihr Ghislaine und die erstgeborene Enkeltochter Stephanie vor. Von nun an schrieben sich die beiden wöchentlich Briefe. 

8 Monate im Jahr verbrachte Franzi weiterhin mit seiner Familie in Kenia, er besuchte seine Mutter allerdings mindestens einmal im Jahr. 

Franz Josef zu Windisch-Graetz starb 76jährig am 1.1.1981 in Nairobi. 

~ Marie ~

 

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie 
Bildrechte: geni.com, royaltyguide.nl, Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Kaiseradler und rote Nelke
Ghislaine Windisch-Graetz, nur noch antiquarisch erhältlich 

Friedrich Weissensteiner
Die rote Erzherzogin