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Marie Therese Erzherzogin von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese von Braganza, ca. 1889

Wir gedenken heute des Todestages von Maria Theresia Immakulata Ferdinanda Eulalia Leopoldina Adelheid Elisabeth Karoline Michaela Raphaela Gabriele Franziska von Assisi et de Paula de Gonzaga Agnes Sophia Bartolomea ab Angelis de Braganza Infantin von Portugal oder in portugiesisch Donna Maria Teresa da Imaculada Conçeiäo Fernanda Eulália Leopoldina Adelaide Isabel Carolina Micaela Rafaela Gabriela Francisca de Aissis e de Paula Gonzaga Inés Sofia Bartolomea dos Anjos de Bragança Infantin von Portugal, bekannt als Erzherzogin Marie Therese (auch Maria Theresia, oder Maria Theresa; aber am meisten genannt und bekannt als Marie Therese). Sie wurde am 24.8.1855 in Kleinheubach geboren.

Foto: Wikimedia/Commons König Michael von Portugal

Foto: Wikimedia/Commons Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

Ihr Vater war König Miquel I von Portugal (*26.12.1802, †14.11.1866). Ihre Mutter Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*3.4.1831, †16.12.1909).

Marie Therese wuchs bereits im Exil in Deutschland auf. Ihr Vater starb 1866, ohne je wieder an die Macht zu gelangen. Ihr Bruder Miquel (*19.9.1853, †11.10.1927) ehelichte die schöne Tochter von Helene „Néné“ von Thurn und Taxis, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth, Elisabeth (*28.5.1860), welche aber nach 4jähriger Ehe und nach der Geburt des 3ten Kindes 20jährig am 7.2.1881 verstarb.

 

 

 

Sie genoss eine höhere Mädchenausbildung im Sacré-Coeur in Paris, welche sie auch abgeschlossen hatte. Als 17jährige kam sie zur Familie zurück nach Deutschland.

Foto: geneall.net Elisabeth und Michael von Braganza

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzog Franz Karl

Erzherzog Karl Ludwig, bereits 2facher Witwer, fuhr höchstpersönlich nach Kleinheubach, um bei ihrer Mutter vorstellig zu werden. Diese ließ ihre Tochter in den Salon bitten, bat sie sich umzuziehen, bevor sie mit dem Bruder des österreichischen Kaisers in den Garten spazieren ging. Was bei diesem Spaziergang besprochen wurde, ist nicht überliefert, es ist nur bekannt, dass Erzherzog Karl Ludwig obgleich Feuer und Flamme ob der Schönen war und sie bat seine Frau zu werden. Marie Therese willigte ein.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Wikipedia/Commons, Stammbaum: Marie

Mit knapp 18 Jahren trat die Prinzessin am 23.7.1873 auf Schloss Heubach vor den Traualtar und gab dem knapp 40jährigen(*) Witwer Erzherzog Karl Ludwig ihre Hand. Dieser brachte 4 Halbwaisen mit in die Ehe: den 10jährigen Erzherzog Franz Ferdinand, den 8jährigen Erzherzog Otto (seinen Lieblingssohn), den 4jährigen Erzherzog Ferdinand Karl und die 3jährige Erzherzogin Margarete Sophie.

 

 

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

Foto: Schloss-Artstetten.at

Foto: albertmilde.com Villa Wartholz, 1877

14 Tage später fand auf Schloss Schönbrunn im Beisein von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph ein großer Empfang für das Brautpaar statt. Anwesend waren die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister der Kaiserin, der Flügeladjutant des Kaisers und die gesamte Familie, so dass – nun mehr Erzherzogin Marie Therese – standesgemäß in der Familie Willkommen geheißen wurde.

Wohnhaft wurde das Paar mit den Kindern im angekauften Palais Favoriten in Wien Wieden, welches er sich von Heinrich von Ferstel umbauen ließ. In den Sommermonaten zog man in die Villa Wartholz in Reichenau, welches sich Karl Ludwig ebenfalls vom selben Architekt bauen ließ. Später wohnte die Familie im Sommer auch gerne im Schloss Artstetten.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth von Schönfeld

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth Gräfin von Festetics von Tolna (*30.6.1832, †12.3.1904) verheiratete Gräfin von Schönfeld wurde durch Gräfin von Goeß die Obersthofmeisterin von Marie Therese. Elisabeth war die Schwester von der Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics, welche bei Kaiserin Elisabeth anstellig war.

Das Erzherzogspaar wurde von Kaiser Franz Joseph häufig ins Ausland entsandt, um an seiner Statt an allerhand Pflichten teilzunehmen. Marie Therese galt nicht nur als die Schönste der drei Frauen von Karl Ludwig, sondern auch als die Klügste, Gewinnbringendste und durch ihr liebreizendes Wesen, als äußerst freundlich und zuvorkommend. Wo sie hinkam, wurde sie von den Menschen wohlwollend angenommen und umringt. Karl Ludwig war oft sehr eifersüchtig und beobachtete seine Frau mit voller Skepsis, wusste er doch, dass er viel älter war als sie. Doch zu Eifersucht bestand keine Sorge. Marie Therese liebte ihren Mann aus vollem Herzen und nie hätte sie sich zu einer außerehelichen Affäre hinreißen lassen. Wie – aus sicheren Quellen und absolut nicht üblich zu dieser Zeit – auch Karl Ludwig nicht fremd ging und sich außerehelich vergnügte. Die beiden genügten und liebten sich gleicher Maßen.

Foto: Wikimedia/Commons Zar Alexander III mit seiner Familie

So reisten die beiden auch nach Moskau um an der Krönung von Zar Alexander III teilzunehmen.

Foto: ÖNB Kaiserin Elisabeth ca. 1866

Erzherzogin Marie Therese zog alle Blicke auf sich. Sie galt als byzantinische Prinzessin und war eine außerordentliche Schönheit und von hoher Gestalt. Man konnte sogar beinahe sagen, sie machte Kaiserin Elisabeth Konkurrenz, die sie allerdings nicht als solche ansah. Sie schätzte ihre Schwägerin sehr, hatte sie doch Ruhe vor den lästigen Staatspflichten und konnte ihren Reisen und Reittätigkeiten zu dieser Zeit nachgehen. Es wurde nicht nur ihre Toilette und ihre Kleider, sondern auch der prachtvolle Schmuck bewundert, was im Zarenreich wirklich etwas zu bedeuten hatte. Normalerweise war es genau umgekehrt. Erzherzog Karl Ludwig ließ sich vor der Fahrt nicht lumpen und kleidete seine Frau ordentlich ein.

Durch ihr charmantes Äußeres, ihr kluges Auftreten und ihre witzige Art lag ihr aber nicht nur Russland alsbald zur Füßen, sondern die gesamte adelige Welt. Kaiserin Elisabeth war sehr zufrieden mit dem was ihr zu Ohren kam. Auch Kaiser Franz Joseph schätzte seine schöne und kluge Schwägerin sehr, musste aber alsbald merken, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetze und für ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung setzte, wenn es darum ging, diese zu beschützen oder wenn ihr etwas am Herzen lag. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen, schätzte er sie Zeit seines Lebens. Dies ging so gar so weit, dass man die beiden später verkuppeln wollte. Doch dazu später mehr.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese

Als Mutter ging sie in ihrer Rolle ebenso auf, wie als Repräsentantin am Staatsbankett. Erzherzog Franz Ferdinand (*18.2.1863) war ein äußerst stilles und zurückgezogenes Kind, zu dem sehr eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder Otto (*21.4.1865), da dieser der Lieblingssohn seines Vaters war. Mit beinahe strengem Blick beobachtete er, wenn sich seine Stiefmutter Marie Therese mit seiner kleinen Schwester Margarete Sophie (*13.5.1870) beschäftigte, da er ganz besonders an ihr hing. Sie war sein ganzer Halt und seine große Liebe innerhalb seiner Geschwister. Zeit ihres Lebens waren die beiden sehr verbunden, es traf ihn deshalb besonders hart, als sie so jung sterben musste, aber dazu später mehr. Ferdinand Karl (*27.12.1868) fiel zwischen seinen Brüdern mehr oder weniger nicht auf. Er war der Dritte im Bunde und der jüngste Sohn.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata 2. Ehefrau und Karl Ludwig

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata

Mit Geduld und großer Hingabe sorgte die junge Frau, die kaum 8 Jahre älter war, als ihr ältester Stiefsohn Franzi (Ferdinand), dass die Kinder sie annahmen und liebten. Das sie alle 4 begraben sollte, war ein ungeheures Schicksal, dass sie kaum ertrug. Die Geschichten dazu erzähle ich im einzelnen. Nur ihre eigenen Kinder sollten sie überleben.
Schon kurze Zeit nach der Hochzeit nannten die Kinder sie „Mama“ und dies sollte bis zum Tode aller Kinder so bleiben. Die Liebe war so groß, dass sie keinen Unterschied zu ihren eigenen Kindern machte, die dem Paar Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Marie Therese geboren wurden.

Maria Annunziata kam am 13.7.1876 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax zur Welt. Sie wurde nach der zweiten Ehefrau und der Mutter der vier Halbwaisen benannt. Maria Annunziata von Neapel-Sizilien „Ciolla“ (*24.3.1843, †4.5.1871) starb an Lungentuberkulose und hatte diese sowohl Erzherzog Franz Ferdinand, als auch Erzherzog Ferdinand Karl vererbt. Vermutlich auch Margarete Sophie, doch genaueres ist hierzu nicht bekannt.

 

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie

Am 7.7.1878 kam ebenfalls in der Villa Wartholz Tochter Elisabeth Amalie Eugenia zur Welt. Elisabeth wurde von Kaiserin Elisabeth getauft, wurde allerdings von Erzherzogin Christine vertreten.

Foto: Wikimedia/Commons Margarete von Sachsen, Karl Ludwigs 1. Ehefrau, Namenspatronin von Tochter Margarete Sophie

Bevor ich zu den Kindern und dem Rest der Geschichte komme, möchte ich noch kurz die erste Ehefrau erwähnen, damit diese auch ihren Abschluss findet. Margarete von Sachsen (*25.5.1840, †15.9.1858), Cousine von Elisabeth, Franz Joseph und eben von Karl Ludwig wurde von Erzherzogin Sophie zur Ehefrau bestimmt. Sie starb nach kaum 2jähriger Ehe 18jährig an Typhus. Die Ehe blieb kinderlos. Tochter Margarete Sophie bekam den Namen der 1. Ehefrau.

 

 

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Marie Therese und Erzherzog Karl Ludwig

Als bei Erzherzog Franz Ferdinand die Lungentuberkulose ausbrach und er sich deshalb auf halber Weltreise befand, schrieb sie ihm unentwegt Briefe, um ihn aufzuheitern. Leider geschah hier ein großes Unglück. In Kairo besuchte ihn sein Vater Karl Ludwig und trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan. Der Jordan war aber schon zu dieser Zeit enorm verschmutzt, so dass sich Karl Ludwig schwer vergiftete. Schwer krank und geschwächt kam ihr Mann nach Hause zurück. Sie pflegte ihren geliebten Mann im Palais aufopferungsvoll, doch er konnte nicht mehr gerettet werden. Am 18.5.1896 starb Erzherzog Karl Ludwig. Er hinterließ ihr ein immenses Vermögen, allerdings verhielt sich der Wiener Hof absonderlich. Doch darauf möchte ich später in der Geschichte zurückkommen.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie von Chotek

Franzi, wie er Zeit seines Lebens von seiner Mama genannt wurde, hatte sich verliebt. Leider war diese Liebe verboten und so musste diese lange Zeit verheimlicht werden. Nur wenige Personen wussten Bescheid; u.a. waren eingeweiht Kaiserin Elisabeth, mit der sich Franz Ferdinand außerordentlich gut verstand, seine Schwester Margarete und natürlich Marie Therese. Die gesamte Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg kann hier nachgelesen werden.

Ab 1899 half sie ihrem Sohn bei ihrem Schwager Kaiser Franz Joseph zu intervenieren, dass dieser seine große Liebe Sophie von Chotek heiraten dürfe. Schon zuvor hatte sich Kaiserin Elisabeth dafür eingesetzt, doch diese starb bevor sie etwas erreichen konnte. Also war Marie Therese auf sich allein gestellt. Und obwohl Kaiser Franz Joseph von einer morganatischen (unstandesgemäß) Ehe nichts wissen wollte, gab sie sich nicht geschlagen. Irgendwann ging ihm die Bettelei derartig auf die Nerven, dass er unter fast brutalen Bedingungen nachgab. Der Rest ist Geschichte. Kaiser Franz Joseph verbot an der Hochzeit des Sohnes teilzunehmen und verhängte eine beinahe lächerliche Staatstrauer einer nebensächlichen Tante. Erzherzogin Marie Therese setzte sich gegen die Anweisung hinweg und nahm an der Hochzeit teil. Jetzt lernte Kaiser Franz Joseph den Sturkopf seiner Schwägerin kennen und noch viele solcher Einsätze sollten folgen.

8 Tage nach der Hochzeit schrieb Erzherzog Franz Ferdinand an seine Stiefmutter folgenden Brief:

Liebste Mama!
Endlich bißl in Ruhe gekommen nach Beantwortung zahlloser Telegramme – Briefe nach Einrichtung unserer Wohnung und Auspackung aller Sachen von Sophie ist es mir Erstes Dir einige Zeilen zu schreiben und Dir in meinem und Sophies Namen auch noch schriftlich von ganzem Herzen zu danken für all die unbeschreibliche Güte und Liebe die Du uns in Reichstadt bewiesen hast! 
Wir sind Dir bis an unser Lebens-Ende dankbar für Alles was Du für uns gethan hast für die zahllosen Beweise Deines goldenen mütterlichen Herzens. 
Ich fühle mich wie neugeboren. Sie schwärmt von Dir und redet nur Deiner Güte und Liebe. Ich habe vollkommen in meinem Inneren das Gefühl daß wir beide bis zu unserem LebensEnde unbeschreiblich glücklich sein werden. 
Gute liebe Mama, Du hast das Richtige getroffen, daß Du mir so geholfen hast! 
Der liebe Gott zu dem ich täglich 2mal in der Capelle mit Soph bete lohne Dir gute Mama Alles was Du für uns gethan. 
Ich umarme Dich und Die Schwestern küsse Dir die Hände und bin ewig
Dein
dankbarster Dich innigst liebender Sohn Franzi. 
9.Juli 1900 (1)

 

Foto: Wikimedia/Commons Franz Ferdinand und Sophie mit ihren Kindern Sophie, Max und Ernst

Marie Therese liebte nicht nur ihren Franzi und Soph, wie Sophie liebevoll genannt wurde, sondern auch ihre Enkelkinder, die eigentlich ihre Sitefenkelkinder waren, wenn wir es genau betrachten würden. Doch dieses Wort stand Marie Therese nie im Weg und deshalb sollte es auch hier nicht im Wege stehen.

Franz Ferdinand und Sophie wurden 3 wunderschöne Kinder geboren, die auf so tragische Weise zu Waisen wurden. Das Unglück von Sarajevo traf Marie Therese und die Kinder hart. Doch Zeit ihres Lebens hielt sie den Kontakt zu ihren Enkeln. Sophie (*24.7.1901, †27.10.1990) geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (*29.9.1902, †8.1.1962) geboren, 12 Jahre alt und Ernst (*27.5.1904, †5.3.1954) geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Josepha

Dem Zweiten dem sie bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe half, war Erzherzog Otto, als er an Syphilis erkrankte und von der Familie schon lange verstoßen war. Ottos „Bolla“ oder auch „der Schöne“ Lebensweg war dem eines Dandys. Er genoss Dirnen, Alkohol, Tänzerinnerinnen und hatte mehrere uneheliche Kinder. Seine Ehe mit Maria Josepha von Sachsen (*31.5.1867, †28.5.1944) war eine einzige Farce. Lediglich zwei Söhne wurden geboren. Erstgeborener Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) ging in die Weltgeschichte ein.

Bei der Geburt von Karl kam es beinahe zu einem Drama. Maria Josepha überlebte die Geburt beinahe nicht, so dass sogar ein Priester für die Sterbesakramente gerufen wurde. Otto vollkommen hilflos in dieser Situation verständigte seine Mutter und diese eilte zu der Sterbenden und half nicht nur ihrem Sohn mit dem Baby, sondern setzte sich an ihr Bett, betete mit ihr und spendete tröstende Worte. Tag und Nacht wachte sie bei ihrer Schwiegertochter, die sich so nach und nach von der Strapaz erholte. Trotzdem war dies für Otto kein Schuss vor den Bug. Kaum war Maria Josepha genesen, genoss er schon wieder seine außerehelichen Affären und ließ seine „Nonne“ wie er Maria Josepha nannte, mit dem Baby allein. Marie Therese hielt trotzdem all die Jahre zu ihm. Selbst als sich das Verhältnis zu Franzi zusehends verschlechterte, da plötzlich Otto ins Weltgeschehen des Thronerben blickte, als Franz Ferdinand erkrankte. Franz voller Eifersucht und Hass auf Otto, der ihm den Thron nicht gönnte und Otto voller Sorge und Angst, der den gar nicht wollte. Als sich dann noch Franzi in Sophie verliebte, war es ausgerechnet Otto, der sich gegen Franz wandte. Dies war das Ende der ansonsten guten Beziehung der Brüder. Auch wenn sich Marie Therese immer wieder einmischte und vermittelte, eine brüderliche Freundschaft konnte sie nicht mehr erwirken.

Ab 1900 war Ottos Syphilis offenkundig und sichtbar, weshalb man ihn zu Kuren ins Ausland schickte, doch die Lupusherde im Gesicht waren hier bereits so fortgeschritten und nicht mehr heilbar, dass er sich auf sein Schloss in Schönau an der Triesting zurückzog.

 

Foto: Wikimedia/Commons Dr. Viktor Eisenmenger

Foto: ÖNB Erzherzog Otto „Bolla“

Seine letzte Geliebte, Opernsängerin Luise Robinson (*8.1.1884, †1934) mit der er ebenfalls zwei uneheliche Kinder hatte und seine Mutter blieben bei ihm. Letztere pflegte ihn so aufopferungsvoll, dass sich Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) um die Erzherzogin schwere Sorgen machte. Zuerst fiel Otto die Nase ab, so dass er eine Nasenprothese brauchte, um besser atmen zu können. Als es im Schloss Schönau nicht mehr ging und die Fahrt für Marie Therese zu anstrengend wurde, wurde in Wien Währing eine Villa angemietet. In der Anton Frank-Gasse 20 wurde Otto heimlich untergebracht und so konnten die beiden Frauen dafür Sorgen, dass sie Tag und Nacht bei ihm sein konnten. Mit Otto ging es immer mehr bergab.

Als er kaum noch atmen konnte, musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Dabei wurde ihm eine Kanüle in den Hals geschoben. Das Sprechen fiel ihm unglaublich schwer, er konnte nur noch sitzen, weshalb er aus dem Bett gehoben und in einen Lehnstuhl gesetzt wurde. So musste er Tag und Nacht verharren. Sobald der Kopf nach vorne sackte, drohte der Patient zu ersticken, weshalb sich Marie Therese und Louise abwechselten und die Tage und Nächte bei Otto verblieben und ihm den Kopf immer wieder gerade rückten. Otto wurde gewaschen, gefüttert, gewickelt. Und das mit nicht einmal 40 Jahren. Seine Lupusherde waren nun überall am ganzen Körper ausgebrochen, der ganze Raum stank nach Wundbrand. Marie Therese war so erschöpft, dass sich Dr. Eisenmenger schwere Sorgen um sie machte und ein Verbot aussprach sich weiter um Otto zu kümmern. Doch davon wollte sie nichts hören. Sobald Otto drohte zu ersticken, wurde der Arzt gerufen und das Röhrchen wurde entfernt und ausgewechselt. Eines Tages war der Erstickungsanfall so heftig, dass Dr. Eisenmenger zu spät kam. Erzherzog Otto starb am 1.11.1906 im Beisein von Marie Therese – als einzige der Familie Habsburg. Er war gerade einmal 41 Jahre alt.

Auch ihrem dritten Sohn Erzherzog Ferdinand Karl (*27.12.1868, †10.3.1915) half sie seine große Liebe zur bürgerlichen Hofratstochter Berta Czuber (*5.12.1879, †5.7.1979) durchzusetzen. Doch hier versagten alle kläglich. Kaiser Franz Joseph blieb stur. Die Konsequenzen waren für niemanden absehbar. Ausgerechnet Erzherzog Franz Ferdinand widersetzte sich dieser Beziehung. Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Technikerball und schon bald entstand eine Liason, denn Berta war eine ausgesprochene Schönheit und unglaublich gebildet. Ihr Vater war Mathematikprofessor an der Technischen Universität.

Foto: Wikimedia/Commons Berta Czuber

Foto: Wikimedia/Commons Ferdinand Karl

Ferdinand Karl fiel weder als Thronfolger ins Gewicht, noch sonst irgendwie auf. Sein Status im Habsburg Haus war: er war anwesend. Ansonsten hatte er einen militärischen Rang, hatte einige Repräsentationsaufgaben und sonst nichts zu tun. Pläne zur Hochzeit gab es für den 32jährigen erst, als der Junggeselle partout alles ablehnte, was ihm vorgestellt wurde. So z.B. die spanische Infantin Maria de la Mercedes (*11.9.1880, †17.10.1904), Tochter von Königin Maria Cristina (*21.7.1858, †6.2.1929) und König Alphons XII (*28.11.1857, †25.11.1885). Maria Christina war immerhin eine Habsburgerin und saß alleine auf dem spanischen Thron, da ihr Mann schon lange an Tuberkulose verstorben war. Doch Ferdinand Karl weigerte sich hartnäckig.

Franz Ferdinand fürchtete schwere Imageschäden fürs Kaiserhaus und schrieb an seinen Onkel einen Brief, in dem er die Beziehung untersagen wollte: „Ich fürchte immer bei Ferdinand einen Coup de tête(**) und das wäre schrecklich, denn diese Czuber ist eine abgefeimte Canaille.“ (2) Gerade Franz Ferdinand solle es besser Wissen. Seine Sophie wurde am Hof geschnitten wo es ging. Doch er stellte sich quer, wollte nichts hören und nichts sehen. Hilfesuchend wand sich Ferdinand Karl an seine Mama.

Foto: Wikimedia/Commons Maria de la Mercedes

Immer lauter und bösartiger wurden die Stimmen gegen Berta, von der im Kaiserhaus über ein unstetes Leben berichtet wurde. Ferdinand Karl gab zu Recht nichts auf dieses gemeine Getratschte, kannte er den Wiener Hof nur zu gut. Es hatte seine Tante Sisi aus dem Hause getrieben, die Zeit ihres Lebens vor dem Adel floh, da sie als „Landadel“ und nicht „gut genug für den Kaiser galt“. Auch hier intervenierte wieder einmal Mama Marie Therese. Doch je älter ihr Schwager wurde, desto verknöcherter und sturer wurde er. Einzig zwischen Ferdinand Karl und Franzi konnte sie vermitteln und eine Versöhnung erreichen.

Foto: Wikimedia/Commons Berta und Ferdinand Burg

Aus Trotz und Kummer fuhr das schwerverliebte Paar in die Schweiz nach Chur, wo sie am 15.8.1909 heimlich heirateten. Danach ging es auf Reisen. Ferdinand Karls Tenor lautete: Wenn sein Onkel von der Ehe mit der gebildeten und hübschen Hofratstochter erfahren wird, wird er klein beigeben. Doch der Tenor blieb aus. Die Rechnung wurde ohne dem Onkel gemacht. Kaiser Franz Joseph war es gewohnt als erste Instanz zu gelten und nicht übergangen zu werden. Als er von der heimlichen Hochzeit zwei Jahre später erfuhr, tobte er. Den eigenmächtigen Schritt musste Ferdinand Karl teuer bezahlen. Er wurde aus der Familie ausgeschlossen. Rang und Titel musste er abgeben, das Goldene Vlies verlangte sein Onkel zurück, aus den Jahrbüchern wurde er getilgt. Lediglich eine jährliche Apanage stand ihm zu. Des Weiteren wurde Ferdinand Karl gebeten nie wieder nach Österreich zurückzukehren. Die einzige die wieder einmal zu ihrem Sohn und weiterhin Kontakt hielt war seine Mama. Das Paar Ferdinand und Berta Burg ließ sich in München und Meran nieder, wo sie die beiden immer wieder besuchte. Leider wurde Ferdinand Karl alsbaldig schwer krank. Die Lungenkrankheit seiner Mutter brach auch bei ihm aus.

Als sein Bruder und seine Schwägerin in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte sie beim Kaiser und dieser erlaubte für die Begräbnisfeierlichkeit eine Rückkehr des Verbannten. Ferdinand Karl war kaum noch wiederzuerkennen. Er zählte erst 46 Jahre, sah aber aus wie ein Greis. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, so dünn und ausgezehrt war er. Als es mit ihm zu Ende ging, rief Berta Marie Therese und diese eilte nach München und pflegte wieder einmal ihren Sohn bis zum Tode aufopferungsvoll und voller Liebe. Im Beisein seiner geliebten Berta und seiner Mutter starb er friedlich am 10.3.1915 46jährig. Marie Therese sorgte für die Überfahrt nach Obermais nach Meran, wo er in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Jahre später sollte Berta ihm folgen.

Foto: Wikimedia/Commons Albrecht von Württemberg

Und auch ihr viertes Stiefkind Margarete Sophie beerdigte sie. Margarete Sophie

Foto: Wikimedia/Commons Margarete Sophie

(*13.51870, †24.8.1902) wurde zuerst Äbtissin im Damenstift Prag, bevor sie sich zur Hochzeit mit Albrecht Herzog von Württemberg (*23.12.1865, †31.10.1939) entschloss. Doch noch vor der Verlobung wurde Margarete Sophie schwer krank. Leider ist nicht herauszufinden, an welcher Krankheit sie litt. Mama Marie Therese eilte auch an dieses Krankenbett und pflegte ihre Tochter bis sie wieder gesund war. Es dauerte monatelang. Am 24.1.1893 konnte im Beisein von Kaiser Franz Joseph in der Hofkapelle der Hofburg Wien die Hochzeit gefeiert werden. 7 Kinder wurde dem Paar geboren, bevor sie am 24.8.1902 in Gmunden 32jährig starb. Leider ist auch hier nicht überliefert an was Margarete starb. Franz Ferdinand war untröstlich seine geliebte Schwester zu verlieren.

Marie Therese hatte im Laufe der Zeit zwischen 1902 und 1914 alle ihre Stiefkinder begraben und trotzdem ihren Glauben nicht verloren. Nun blieben ihr nur noch ihre Enkelkinder und ihre beiden eigenen Töchter.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Annunziata und Siegfried in Bayern in Possenhofen

Maria Annunziata wurde eine äußerst enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph. Sie verlobte sich mit Siegfried in Bayern (*10.7.1876, †12.3.1956) einem Sohn von Max Emanuel „Mapperl“ in Bayern (*7.12.1849, †12.6.1893), einem Bruder von Kaiserin Elisabeth. Doch Siegfried zeigte auf der Verlobungsfahrt nach England ein absonderliches Verhalten, so dass Maria Annunziata noch während der Fahrt ihren Onkel bat die Verlobung wieder auflösen zu dürfen. Siegfried war 1899 vom Pferd gefallen und zeigte seit dem schwere Auffälligkeiten. Er schrie, zog sich in der Öffentlichkeit aus, pinkelte öffentlich oder in die Kajüte aufs Essen, onanierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in der Öffentlichkeit und bot generell einen traurigen Anblick, obwohl er ein sehr hübscher Mann war. Kaiser Franz Joseph gewährte die Bitte und so wurde diese gelöst und Maria Annunziata kam zurück. Sie verlobte sich nie mehr, obwohl sie als sehr große Schönheit galt. Sie wurde die Erste Dame am Wiener Hof, eine schwierige Aufgabe, die schon ihre Mutter übernommen hatte, als diese noch verheiratet war. Maria Annunziata war es auch, die Karl und Prinzessin Zita von Bourbon Parma (*9.5.1892, †14.3.1989) verkuppelte.

Foto: Wikimedia/Commons Elisabeth Amalie und Alois von und zu Liechtenstein

Maria Annunziata und Kaiser Franz Joseph standen sich so nahe, dass er sie sogar ins Vertrauen über die Mayerling Affäre zog. Sie nahm die Geschichte mit ins Grab. Sie starb am 7.4.1961 in Vaduz und ruht in Liechtenstein bei ihrer Schwester.

Elisabeth Amalie Eugenia ehelichte Alois von und zu Prinz Liechtenstein, dem sie in jede Garnison nachfolgte. Sie war eine Autonärrin und sammelte diese. Insgesamt 8 Kinder wurde dem Paar geboren.

Erzherzogin Marie Therese war von Anbeginn nach Kaiserin Elisabeth die Erste Dame am Wiener Hof. Als Kronprinz Rudolf, der seine Tante sehr verehrte und liebte, Kronprinzessin Stephanie ehelichte, wurde Marie Therese von dieser abgelöst. Als sich Rudolf umbrachte, fiel die Aufgabe wieder Marie Therese zu, denn eine Witwe konnte und durfte nicht Erste Dame des Landes sein.

Als ihr Mann Erzherzog Karl Ludwig starb benahm sich der Wiener Hof absonderlich. Zuerst umwarb man sie nach Rudolfs Tod als zukünftige Kaiserin und kroch ihr beinahe in den Allerwertesten, da nach Kaiser Franz Joseph Erzherzog Karl Ludwig als Thronfolger feststand. Als dieser 1896 starb war es mit den Plänen „Kaiserin Marie Therese“ vorbei und die Höflichkeit des Hofes hatte ein Ende. Die Aufgabe der Ersten Dame fiel nun Erzherzogin Maria Josepha zu. Sie war die Ehefrau von Erzherzog Otto „Bolla“ und Mutter von Karl, obwohl als Thronfolger Franz Ferdinand feststand.

Foto: SHB Kaiser Franz Joseph 

Nun kamen die Pläne der Heiratsvermittler auf dem Plan. Da sich Kaiser Franz Joseph und seine Schwägerin Marie Therese außerordentlich gut verstanden und sich beide sehr schätzten, wollte man, dass die beiden sich verheiraten. Dies hätte auch den Mittel zum Zweck gehabt, dass Franz Ferdinand „quasi“ der Sohn von Kaiser Franz Joseph werden konnte und als „Kronprinz“ anerkannt werden könnte. Doch Marie Therese lehnte diese Pläne ab.

Als 1906 Erzherzog Otto starb war auch die Zeit für Erzherzogin Maria Josepha als Erste Dame des Hauses vorbei und Tochter und Vertraute von Kaiser Franz Joseph Erzherzogin Maria Annunziata trat an diese Stelle. Diese verschaffte nicht nur wieder das hohe Ansehen für ihre Mutter zurück, sondern hielt auch wie üblich den ersten Teetisch. Jede Erste Dame des Hofes hatte nicht nur beim Hofball den Circle zu leiten, sondern auch den Ersten Teetisch über. Da Kaiserin Elisabeth diese Aufgabe zuwider war, überließ sie mit Freude diese Aufgabe Marie Therese, nach deren Tod übernahm dies natürlich zuerst Maria Josepha, danach bis zum Monarchieende Maria Annunziata.

Foto: collections.nlm.nih.gov Marie Therese als Schwester Michaela

Marie Therese war eine Befürworterin des Roten Kreuzes, welches sie tatkräftig mit Spenden und persönlichen Besuchen unterstütze. Ihre eigene Tochter Maria Annunziata arbeitete bei Erzherzogin Maria Josefa im Palais Augarten und widmete sich den Kranken und Verwundeten. Um nicht erkannt zu werden, haben viele Erzherzoginnen „bürgerliche Namen“ gewählt.

Marie Therese wählte den Namen „Schwester Michaela“ (dieser Name findet sich in ihrem Taufnamen weit hinten). Sie meldete sich im Vereins-Reservespital Nr. 2 in der Hegelgasse Wien 1. Sie arbeitete als Oberkrankenschwester und half bei Operationen mit. Sie ließ keinen Dienst aus, war stets freundlich und pflegte aufopferungsvoll und voller Hingabe und trug immer ihre Schwesterntracht. Aber nicht nur in Wien versah sie ihren Dienst, sie ging auch direkt an die Front.

Foto: Wikimedia/Commons Maria Antonia von Portugal

Vor allen die schwer gefürchteten Isonzofronten hatten es ihr angetan. Sie benutzte die Straßen, die unter schweren Beschüssen standen, sammelte Verwundete auf und verlor nie den Mut, waren die Verletzungen – vor allem Kopfverletzungen – noch so grausam und schwer. Zahlreiche Auszeichnungen bezeugen ihre Kriegseinsätze, doch auf diese legte sie keinen Wert.

Bevor Kaiser Franz Joseph entschlief war sie in Österreich zurück, um auch hier bei der Familie zu sein. Sie begleitete ihn auf seinen letzten Weg, der hier nachgelesen werden kann. Sie sah wie ihr Enkel Kaiser Karl und ihre Nichte Zita den Thron übernahm. Ihre Schwester Maria Antonia Infantin von Portugal (*28.11.1862, †14.5.1959) war immerhin die Mutter von Zita und somit war Marie Therese ihre Nichte.

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese

Als das Ende der Monarchie eingeläutet wurde, befand sich „Schwester Michaela“ an der Südfront um im Lazarett zu helfen. Sie hörte von Karls Debakel in Österreich und wollte nach Wien, um ihren Enkel zu helfen. In Deutschland kam sie nicht weiter, da man ihr vorwarf, den Bündnispartner Deutschland nicht wertzuschätzen. Erzherzogin Marie Therese musste Beweise antreten, dass sie in Deutschland geboren wurde und ihre Mutter eine Deutsche Adelige war. Unter diesen schwierigen Umständen gar nicht so einfach. Als sie Deutschland verlassen durfte, war ihr Enkel und Zita mit den Kindern bereits über alle Berge. Sie ging nach Wien zurück, wo sie in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung lebte. Ihr gesamtes Personal musste sie entlassen das Palais war im Begriff verkauft zu werden. Die einst so reiche Marie Therese besaß kaum noch etwas. Doch auch jetzt beklagte sie sich nicht.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiser Karl und Kaiserin Zita

Am 3.4.1919 verkündete die Republik Österreich das Adelsaufhebungsgesetz. Daraufhin verließen Erzherzogin Marie Therese und ihre Tochter Erzherzogin Maria Annunziata Österreich in Richtung Schweiz. Dort erfuhr sie, dass auch Karl und Zita in der Schweiz angekommen waren. Nun versuchte Kaiser Karl seine Restaurationsversuche, die allerdings allesamt scheiterten. Nun zog man sich aber den Unmut der Schweiz zu, die sich verraten fühlte und die gesamte Familie auswies. Maria Annunziata zog zu ihrer Schwester nach Liechtenstein, Maria Josepha, die Mutter von Karl ging nach Deutschland zurück. Einzig Marie Therese durfte bleiben. Sie behielt die Kinder von Zita bei sich, um ihnen ein sicheres Leben zu geben. Aus Madeira erhielt sie Post und erfuhr, dass das Paar in Funchal gelandet war.

Foto: Wikimedia/Commons Robert von Habsburg

Als Robert (*8.2.1915, †7.2.1996) an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankte, verständigte Marie Therese Zita. Diese durfte auf Bitten und Drängen bei den Behörden von Marie Therese für 14 Tage das Land Schweiz unter polizeilicher Bewachung wieder betreten. Als der Kranke noch nicht geheilt war, musste Zita ohne ihrem Kind das Land wieder verlassen. Diesmal fuhr Marie Therese mit, um Zita eine Stütze zu sein. Erst am 2.3.1922 konnte Robert mit Gräfin Kerssenbrook, die bei ihm geblieben war, nach Madeira nachkommen.

Doch auch auf Funchal ging alles schief, was nur schief gehen konnte und so musste sie auch ihren Enkel alsbaldig begraben.

Foto: Wikimedia/Commons alle Kinder von Karl und Zita

Während es in der Hauptstadt warm und sonnig war, wurden Zita, Karl und die Kinder, welche zu diesem Zeitpunkt bereits geboren waren, Otto von Habsburg (*20.11.1912, †4,7.2011), Österreichs letzter Kronprinz, Adelheid (*3.1.1914, †2.10.1971), Robert, Felix (*31.5.1916, †6.9.2011), Carl Ludwig (*10.3.1918, †11.12.2007), Rudolph (*5.9.1919, †15.5.2010), Charlotte (*1.3.1921, †23.7.1989), in einem zugigen Haus ohne Licht, Heizung und Wasser nur im Erdgeschoss auf dem „Monte“ untergebracht. Die eigene Bevölkerung mied im Winter diesen Berg. Die Dienerschaft, die das Kaiserpaar ebenfalls begleitet hatte, schlug die Hände über den Kopf zusammen, ob es schlechten Zustandes dieses Hauses. Ein Diener fasste sich ein Herz und warnte Marie Therese vor dem Haus, die jedoch bei Karl auf taube Ohren schlug. Da die Familie kein Geld mehr besaß und sich das Hotel nicht mehr leisten konnte, war man auf die Almosen und Hilfe des Volkes angewiesen. Das Haus wurde dem Paar zur Verfügung gestellt. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu.

Foto: Wikimedia/Commons Marie Therese im Alter

Kaiser Karl verkühlte sich und konnte sich in dem zugigen, von Schimmel belasteten Haus nicht erholen. Wieder war es Marie Therese die Tag und Nacht am Krankenlager des Kranken saß, der von Fieber geschüttelt wurde und dem es immer schlechter ging. Er bat seine mittlerweile wieder schwangere Frau Zita zu sich und bat sie bei König Alfonso XIII in Spanien um Hilfe anzusuchen. Außerdem musste sie ihm versprechen, alles mögliche zu versuchen, das Kaiserreich zurückzuerobern. Noch am selben Tag starb Kaiser Karl im Beisein seiner Großmutter 34jährig am 1.4.1922.

Nun machte sich Marie Therese also mit der hochschwangeren Zita auf den beschwerlichen Weg von Portugal nach Spanien. Königin Maria Cristina, eine Großcousine von Kaiser Franz Joseph und ihr Sohn König Alfonso XIII (*17.5.1886, †28.2.1941) nahmen sie im El Pardo Palast in Madrid bereitwillig auf. Hier brachte Zita ihr letztes Kind Elisabeth Charlotte (*31.5.1922, †6.1.1993) zur Welt.

Während die Familie in Spanien blieb, hieß es für Marie Therese Abschied zu nehmen. Sie wollte zu ihrer Tochter Maria Annunziata nach Österreich zurück, die zwischenzeitig wieder aus Liechtenstein zurück war.

Das genaue Datum des Übertritts ist nicht bekannt, allerdings half ihr Polizeipräsident Schober nach Wien zurück. Weder Marie Therese, noch ihre Tochter Maria Annunziata mussten auf ihren Titel „Erzherzogin“ verzichten. Sie stellten für die Republik Österreich keine Gefahr dar. Zur großen Überraschung konnte ihre Familie das Palais Erzherzog Carl Ludwig erhalten, weshalb Maria Annunziata und Marie Therese zurückkehren konnten. Sogar vom Personal kamen einige zurück und halfen der mittlerweile betagten Dame im Haushalt.

Foto: Wikimedia/Commons Carl Theodor und Maria José in Bayern

Durch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz gingen viele Ärzte im Palais Ein und Aus. Auch der „Adel“ von Wien kam ins Palais und Marie Therese stieg quasi wieder zur Ersten Dame der Gesellschaft auf. Ihre Sommermonate verbrachte sie mit ihrer Schwester Maria José Herzogin in Bayern (*19.3.1857, †11.3.1943) in Gastein, welche den Bruder von Kaiserin Elisabeth Karl Theodor „Gackel“ (*9.8.1839, †30.11.1909) geheiratet hatte.

1938 erlebte sie noch wie ihre beiden geliebten Enkel Max und Ernst von Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden. Die von Hohenbergs waren die Kinder von Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie. Während Max auf Intervention seiner Frau nach einem halben Jahr frei kam, musste Ernst 5 Jahre verschiedene Konzentrationslager erdulden. 1944 erlebte sie noch die Freilassung und konnte – Ernst einigermaßen gesund – wieder in die Arme schließen.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie Wandnische, Marie Therese, Kapuzinergruft

Vom Glanz und Gloria der Habsburg-Zeit, der Wiener Hofbälle, Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph, das tragische Ende ihres Neffen Rudolf, bis hin zum Fall der Monarchie, 4 Kinder und einen Enkel begrub sie, Entbehrungen und viel Leid ertrug Marie Therese mit Würde und Stolz, Haltung und viel Eleganz. Kein Klagen kam je über ihre Lippen. Sie war durch und durch eine Dame und durch und durch die gute Seele des Hauses Habsburg, das ihr viel zu verdanken hatte.

Erzherzogin Marie Therese erlebte das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr. Sie starb am 12.2.1944 88jährig im Beisein ihrer Töchter Erzherzogin Maria Annunziata, Prinzessin Elisabeth Amalie von und zu Liechtenstein, Max und Ernst Hohenberg in ihrem Palais Erzherzog Carl Ludwig. Der Nazi-Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien Baldur von Schirach hätte ihr beinahe das ordentliche Begräbnis in der Kapuzinergruft verweigert. Ihr Schwiegersohn Alois von und zu Liechtenstein erwirkte die Erlaubnis und so konnte sie mit allen Ehren einer Erzherzogin ihre letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft antreten. Sie ruht heute in einer Wandnische.

 

~Marie~

 

Foto: Wikimedia/Commons Unterschrift von Erzherzogin Marie Therese

 

 


Fußnoten: 

(*) In jedem historischen Buch ist zu lesen, dass Erzherzog Karl Ludwig, bei der Hochzeit 44 Jahre alt war. Dies stimmt ob seines Geburtsdatums nicht. Er stand ganz knapp vor seinem 40. Geburtstag. 

(**) Coup de tête – aus einer Laune heraus; eine Entscheidung betreffend


Rechtliche Hinweise:

Textrechte: Marie
Stammbaum: Marie
Fotorechte: sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, collections.nlm.nih.gov, planet-wissen.com, albertmilde.com, ÖNB, schloss-artstetten.at, geneall.net


Literatur Hinweise:

1 – S. 38
Norbert Nemec
Marie Therese von Braganza
Der gute Geist im Hause Habsburg
Editions Praesens, 1. Auflage, 2000 (nur antiquarisch erhältlich)

2 – S. 88
Diana Carmen Albu-Lisson
„….denn…[sie]…ist eine abgefeimte Canaille…“
Kral-Verlag, 2013, 1. Auflage

Sabine Fellner, Katrin Unterreiner 
Morphium, Cannabis und Cocain 
Amalthea Verlag, 2008, 1. Auflage (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Gabriele Praschl-Bichler 
Kinderjahre Kaiser Karls – Aus unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters
Amalthea Verlag, 2014, 1. Auflage 

Karl Thomas Robert Maria Franziskus Georg Bahnam (von) Habsburg-Lothringen

Karl (von) Habsburg, Foto: karlvonhabsburg.at

Wir feiern heute den Geburtstag von Karl Thomas Robert Maria Franziskus Georg Bahnam (von) Habsburg-Lothringen. Er wurde am 11.1.1961 in Starnberg geboren.

Hochzeitspaar: Erzherzog Otto von Habsburg und Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen, Foto: AP

Sein Vater war der letzte Kronprinz Österreichs, Otto von Habsburg-Lothringen. Seine Mutter war Regina von Sachsen-Meiningen.

Karl wuchs in Pöcking am Starnberger See auf. Er ging in Tutzing sowohl in die öffentliche Volksschule, als auch ins Gymnasium.

Ab 1982 studierte er Rechtswissenschaften in Salzburg und machte 1984 das erste Staatsexamen. Im selben Jahr ging er für ein Auslandssemester nach Michigan, USA.

Am 31.1.1993 ehelichte er in Mariazell Francesca Freiin Thyssen-Bornemisza de Kászon. Das Paar hat 3 Kinder. Erstgeborene Eleonore (*1994), danach kam Ferdinand Zvonimir (*1997) und zum Schluss Gloria (*1999).

Francesca Habsburg-Lothringen, Foto: Wikipedia.org

Seit 2003 lebte das Paar offiziell getrennt. Am 30.11.2020 wurde bekannt, dass das Paar seit einigen Jahren heimlich geschieden ist. Man munkelt, dass dies mit der Volljährigkeit von Gloria (2017) vonstatten ging. Karl (von) Habsburg ist seit Jahren mit der Portwein-Dynastie-Erbin Christian Reid aus Portugal liiert.

Seit 1994 ist er Mitglied des Internationalen Präsidiums der Paneuropa-Union und bekleidet seit 2015 die Funktion des Vizepräsidenten.

Von 1992 – 1994 leitete er als Fernsehmoderator die ORF Quizsendung „Who is who“.

1994 – 1995 bekam Karl die Vorzugsstimmen bei den Nationalratswahlen und wurde 1996 ins Europäische Parlament gewählt. Dem gehört er 3 Jahre lang an.

Die Karriere endete abrupt als der World Vision Spendenskandal Österreich erschütterte. Sein damaliger Paneuropa-Geschäftsführer Wolfgang Krones zweigte für den Wahlkampf eine Summe von (umgerechnet) € 46.500 ab.

Karl (von) Habsburg wurde vorgeworfen, sich zu wenig um die Machenschaften seines Geschäftsführers gekümmert zu haben.

1996 wurde er beim Schmuggeln eines Diadems erwischt. 1999 wurde er dafür zu einer Geldstrafe von (umgerechnet) € 13.081 verurteilt.

2003 nahm er sein Studium wieder auf und schloss dieses mit einem Master in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsrecht und Rechtswissenschaft in Wien ab.

2004 wurde Wolfgang Krones rechtskräftig verurteilt. Karl (von) Habsburg zahlte an die Nachfolger der World Vision einen Betrag von € 36.899 zurück.

Heute ist er Medienconsultant mit Projekten in Holland, Bulgarien und der Ukraine.

Kürzlich wurde er angezeigt, weil er auf seiner Homepage den Beinamen „von“ verwendet. Nach dem Adelsaufhebungsgesetz von 1919 ist dies verboten. Der österreichische Amtsschimmel ahndet dies aber mit einer lächerlichen Geldstrafe im Centbereich.

Karl (von) Habsburg ist das Oberhaupt der Familie Habsburg-Lothringen.

~ Marie ~

Info nebenbei:

Karl (von) Habsburg ist der Enkel von Kaiser Karl. Der Ur-Enkel von Erzherzog Otto und der Ur-Ur-Enkel von Erzherzog Karl-Ludwig.

Erzherzog Otto war der Vater vom letzten Kaiser (Karl) und Erzherzog Karl Ludwig war der Vater von Otto und Großvater von Karl.

Somit ist Karl (von) Habsburg der „Ur-Ur-Neffe“ von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Erzherzog Otto war der Neffe vom Kaiserpaar. Karl war somit der Großneffe von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie
Bildrechte: karlvonhabsburg.at, Wikipedia.org, AP


Literatur Hinweise: 

Text recherchiert von der Homepage von Karl (von) Habsburg 

 

Burg Heidenreichstein

[bezahlte Partnerschaft]
Was die Hofreitschule mit einer Wasserburg zu tun hat….

Nachdem wir den ganzen Vormittag auf der Burg Rappottenstein verbracht hatten und immer noch von den luftigen Arkaden schwärmten, führte uns unsere Reise im Rahmen des Projekts „Denkmäler leben“ durch das wunderschöne Waldviertel direkt zum nächsten Highlight der Region.

Die Burg Heidenreichstein ist eine Wasserburg, 17 km nordöstlich von Gmünd in Niederösterreich. Schon von außen erschien uns diese Burg völlig anders als jene zuvor und wir waren gespannt, was uns im Inneren erwarten würde.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Auf einer kleinen Anhöhe, mitten im Ort Heidenreichstein gelegen, wird die Burg von Wassergräben, Türmen und hohen, schroffen Mauern gegen Angreifer geschützt.

Über eine der zwei Zugbrücken betraten wir den Innenhof, wo wir bereits am Weg dorthin mit den Worten „die Sissi kommt“ begrüßt wurden.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Burg verfügt über runde Ecktürme mit spitzem, kegelförmigem Dach. Die ältesten Teile des Bergfrieds gehen auf das 12. Jahrhundert zurück und wurden 1190 von Burggraf Heidenreich von Gars errichtet. Der Wehrgang des größten Turmes wird vom vorragenden Dach geschützt, die Wirtschaftsgebäude wurden zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Der gotische Dachstuhl mit gehackten Balken wird von geschnitzten Holznägeln zusammengehalten und das Dach ist mit Schindeln gedeckt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nachdem wir uns im Burghof umgesehen hatten, betraten wir die Innenräume um einen ersten Eindruck zu bekommen. Sofort war klar: zu dieser einzigartigen, immer noch großteils originalen Einrichtung konnte nur ein historisch korrektes, schlichtes Tageskleid passen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Einrichtung der Burg stammt aus verschiedenen Zeitepochen, einige Tische und Truhen stammen noch aus der Gotik, auch alte Rüstungen und Waffen sind erhalten bis hin zu Porzellan und Möbeln des späten 19. Jahrhunderts.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ähnlich wie Burg Rappottenstein ist auch Burg Heidenreichstein eine Minnesängerburg. Wie die Babenberger förderte auch der Burggraf Heidenreich von Gars den Minnegesang.

Im 15. Jahrhundert wurde Heidenreichstein von Anhängern des Jan Hus und rebellischen Bauern während der Hussitenkriege belagert, konnte aber nicht eingenommen werden.

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Bildnis Jan Hus von Johann Agricola, 1562/ Foto: wikimedia/commons

Fast 300 Jahre lang war die Burg von 1679 bis 1942 im Besitz der ungarischen Adelsfamilie Pálffy.

Die Pálffy von Erdőd waren ein ungarisches Adelsgeschlecht. Sie zählten zum ungarischen Uradel, als Herkunftsorte gelten die Bibersburg in der heutigen Slowakei oder Várfalva in Siebenbürgen.

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Fürstliches Wappen der Pálffy – Foto: wikimedia/commons

Im Laufe der Jahrhunderte stellte die Familie Pálffy von Erdőd viele bekannte Offiziere und Beamte der Habsburgermonarchie. Die ungarische Baronie wurde ihnen 1581 verliehen, 1599 erhob man sie zu Reichsgrafen, 1634 dann zu ungarische Grafen mit dem Prädikat „von Erdőd“. Zu dem Namen „Erdőd“ gelangte man durch die Vermählung von Paul Pálffy mit Klara Bakocz von Erdőd.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nikolaus Graf Pálffy von Erdöd, (1. März 1657; † 20. Februar 1732 in Pressburg) war ab 1718 Generalfeldmarschall der Kaiserlichen Armee und ab 1714 Palatin von Ungarn. Graf Pálffy erzielte gemeinsam mit Prinz Eugen große Erfolge im Kampf gegen die Türken und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch das Goldene Vlies! Nikolaus IV. war Gründer der nikolaischen Linie.

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Palatin Nikolaus Pálffy von Erdöd (Lithographie von Josef Kriehuber, 1827) Foto: wikimedia/commons

Nikolaus Pálffy ab Erdöd, Sohn des Stephan Pálffy, war mit Elisabeth, geborener Freiin von Weichs vermählt. Dieser Ehe entsprossen vier Söhne:

Nikolaus, Christoph, Franz und Johannes

Ihr erster Ast erlangte 1807 den österreichischen Fürstenstand.

Der zweite Ast dieser Linie erbte 1851 den Besitz der erloschenen Grafen Daun.

Maria Theresia Daun (Tochter des berühmten Leopold Joseph Graf von Daun, Fürst von Teano) heiratete Leopold Pálffy von Erdöd.

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Leopold Joseph Graf von Daun Foto: wikimedia/commons

Mehr zur Familie Daun Kinsky könnt ihr hier erfahren: Zu Besuch bei Graf Daun Kinsky – Palais Kinsky

Durch die Namens- und Wappenvereinigung 1853 wurden sie zu Pálffy-Daun von Erdőd und erhielten 1876 die österreichische Genehmigung zur Fortführung des Titels Fürst von Teano.

Der dritte Ast der nikolaischen Linie der Pálffy von Erdőd blieb gräflich.

Die johannische Linie des Geschlechtes, die 1852 im Mannesstamm erlosch wurde begründet durch Johann Bernhard Stephan Graf Pálffy von Erdöd, (20. August 1664 in Rothenstein; † 24. März 1751 in Pressburg), der Bruder von Nikolaus IV. war ab 1709 kaiserlicher Feldmarschall und ab 1741 Palatin von Ungarn.

Johann Palffy war ebenfalls Träger des Goldenen Vlies und wurde von Kaiser Karl VI. zum Schutz dessen Tochter Maria Theresia empfohlen. (Insgesamt fünf Mitglieder der Familie wurden Träger dieses höchsten Ordens).

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Graf Johann Pálffy Foto: wikimedia/commons

Am 25.6.1741 erfolgte die Krönung Maria Theresias zur Königin von Ungarn. Johann Graf Pálffy, neugewählter Palatin legte im Dom zu Pressburg Maria Theresia zuerst die uralte Dalmatika, die seit der Zeit der Arpádenkönige bei den Krönungsfeierlichkeiten verwendet wurde um und setzte ihr anschließend die Krone des Hl. Stephan aufs Haupt.

Die Dankbarkeit und Zuneigung Maria Theresias zeigte sich in sehr persönlichen Geschenken wie ihrem persönlichen Reitpferd, einem Diamantring oder einem mit Diamanten besetzten goldenen Degen und einem sehr persönlichen Schreiben, dessen Inhalt und der Burgvogt frei zitierte:

„..Mein Vater Pálffy! Ich sende Euch dieses Pferd, welches nur allein von dem Eifrigsten Meiner Unterthanen bestiegen zu werden würdig ist. Empfanget zugleich diesen Degen, um Mich wider Meine Feinde zu beschützen, und nehmet diesen Ring als Kennzeichen Meiner gegen Euch tragenden Zuneigung an…“

Franz Joseph I. beschloss am 28. Februar 1863 Johann Palffy in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufzunehmen, zu deren Ehren und Andenken eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.&.k. Hofwaffenmuseums (Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde.

Ladislaus Fürst Pálffy ab Erdöd, geboren in Malacka am 30. November 1867, Kämmerer, Rittmeister, Inhaber vieler militärischer Orden, Herrschaftsbesitzer von Marchegg, starb am 19. Jänner 1947 in Wien im 80. Lebensjahr als letzter Fürst der Nikolaus Pálffy’schen Linie und wurde am 25. Jänner in Heidenreichstein beerdigt.

Da der letzte Pálffy-Fürst kinderlos war, vermachte er die Burg seinem guten Freund Rudolf van der Straten-Ponthoz.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Adelsfamilie „van der Straten-Ponthoz“ gehörte zum österreichischen und belgischen Adel. Sie galten als gefürstete Grafen. Während der Namensteil van der Straten ein niederdeutscher Herkunftsname ohne Adelsprädikat ist, steht Ponthoz wörtlich im Ungarischen für „zum Punkt“.

Graf van der Straten war nicht nur der Adjutant von Erzherzog Franz Ferdinand und anschließend auch von Kaiser Karl, sondern machte sich auch unter Pferdefreunden einen Namen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach Ende des 1. WK wurde er zum Leiter der Spanischen Hofreitschule, die er durch Gastspielreisen international so bekannt machte, dass 1925 ein Aufschrei um die Welt ging, als man deren Auflösung überlegte.

1938 kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht trat Graf van der Straten als Leiter der Spanischen Hofreitschule zurück. Er vermachte die Burg Heidenreichstein seiner zweitgeborenen Tochter Josephine, die mit Christian Graf Kinsky verheiratet ist.

Dadurch ist die Burg Heidenreichstein 1961 von den Grafen Van der Straten-Ponthoz im Erbweg auf die Grafen Kinsky übergegangen und heute teilweise öffentlich zugängig.

Wie bereits üblich bekamen wir eine Privatführung vom Burgvogt durch die Innenräume, die so anders als in Rappottenstein, aber nicht weniger beeindruckend waren.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In der Burg Heidenreichstein hat man beinahe das Gefühl, hie und da würden noch ein paar alte Ritter durch die Räume huschen, denn im Gegensatz zu anderen Burgen ist diese noch mehr oder weniger vollständig möbliert.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

So findet man hier nicht nur die älteste Tischplatte von Österreich, sondern auch einen Giebelschrank aus dem 14. Jahrhundert.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mein Mariechen und ich staunten nicht schlecht, als wir die innovativen Möbel sahen. Wer denkt, Klappstühle sind eine Erfindung aus Schweden, der irrt ;

Denn bereits im Mittelalter baute man Stühle zu Betstühlen um, machte aus einem Sessel eine Sitzgelegenheit für zwei bis drei Leute, oder fertigte Bänke, deren Rückenlehne die Richtung ändern konnte.

Ein paar dieser Tricks seht ihr in unserer ganz privaten Burgführung:

Führung durch die Burg Heidenreichstein – Video: sternenkaiserin.com – marie

Für alle Mittelalterfans ist die Burg Heidenreichstein sicherlich ein Geheimtipp, denn die Vielfalt der ausgestellten Stücke ist unvergleichlich.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir erfuhren nicht nur, warum man vorzog im Sitzen zu schlafen, sondern machten Bekanntschaft mit ehemaligen Burgherren und Helden längst vergangener Zeiten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Besonders beeindruckend fand ich das chinesische Damenschränkchen aus dem 16. Jahrhundert und die Sanduhr, die Viertelstunden messen konnte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Als mir dann aber auch noch klar wurde, in wessen Burg wir uns hier befanden schlug mein Reiterherz sofort höher. Ich entdeckte unter anderem einen Bericht über die Teilnahme von Graf van der Straten an einem Distanzritt von Wien nach Berlin. Da ich selbst einmal an einem Ritt von Gmunden nach Krumau (244km) beteiligt war, konnte ich mir ansatzweise vorstellen, welche Anstrengung eine solche noch viel längere Strecke bedeutet haben musste.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Neben einem wundervollen Gemälde von Rudolf van der Straten auf einem Lipizzaner Hengst, entdeckten wir auch noch ein Bild der Kaiserin hoch zu Ross.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Unsere Führung endete dort wo sie begonnen hatte, nämlich beim Stammbaum der Familie Kinsky.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Über die Zugbrücke verließen wir die Burg auf demselben Weg wie wir gekommen waren um uns auf den letzten Tag im Waldviertel vorzubereiten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Von April bis Oktober könnt ihr die Burg Heidenreichstein selbst besichtigen, die genauen Öffnungszeiten findet ihr hier: 

http://www.kinsky-heidenreichstein.at

Vielen Dank für die Einladung an
Burg Rappottenstein & Waldviertel Tourismus
Mit der bezahlten Kooperation mit Waldviertel Tourismus „Mit Unterstützung von Interreg V-A Österreich – Tschechische Republik | Kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

Sisi


 

Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, 

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Burg Heidenreichstein

 

 

 

Rosen und Ritterrüstungen – ein Tag im Gartenschloss Herberstein

Nach einer langen Winterpause war es endlich wieder soweit, als es hieß „die Schuhe sind geputzt und die Kleider gebügelt…“

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Der erste Ausflug in diesem Jahr führte uns in die wunderschöne Oststeiermark. Pünktlich zur Apfelblüte folgten wir der Einladung in das traumhafte Gartenschloss Herberstein.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Schloss Herberstein liegt in der Gemeinde Stubenberg, in der Nähe von Gleisdorf und ist von der steirischen Landeshauptstadt Graz ca. 45 Minuten entfernt. Es steht hoch oben auf einem Felsbrocken der nach Norden hin steil in die Feistritzklamm abfällt.

Der mittelalterliche Bau ist daher auch nicht aus der Ferne zu sehen und gleicht auf den ersten Blick eher einer Festung, als einem Schloss.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die ältesten Bauteile des Schlosses stammen vom Ende des 13. Jahrhunderts. Die nach Herwig von Krottendorf Herwigstein genannte kleine Burg, stand unter dem Lehen der Stubenberger.

Kern der heutigen Anlage ist der zweigeschossige Palas (Steinhaus) und der hoch aufragende Bergfried. Diese Bauteile stammen aus dem frühen 12. Jahrhundert und wurden 1290 von der Familie Herberstein erworben.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Um 1400 wurde die Burg durch eine mächtige Vorburg erweitert, die die schon früher errichtete, gotische Katharinenkapelle mit einschloss.

Die Vorburg wurde im 15. Jahrhundert mehrfach erweitert.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Burg in einen Wohnbau mit Renaissance-Elementen umgestaltet und ein weiteres Mal vergrößert, um den zahlreichen Nachkommen Platz zu bieten.

Der Rittersaal, dessen prunkvolle Stuckdecke vom italienischen Meister Alessandro Serenio entworfen wurde, diente früher wie heute als festlicher Raum für Empfänge, Feiern und Konzerte sowie als Ahnengalerie, ihr könnt ihn aber auch für private Feiern oder Hochzeiten mieten!

Am offenen Steinkamin zeigt die eingravierte Inschrift, dass es sich hier um ein Geschenk von Papst Paul V. an Alexander von Herberstein im Jahre 1615 handelt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Bis 1624 konnte der tiefe Burggraben überbaut und damit der heutige Rittersaaltrakt im Rohbau vollendet werden. Auch die Ecktürme des späteren Arkadenhofes stammen aus dieser Zeit.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Zwischen 1648 und 1667 erhielt Schloss Herberstein schließlich sein heutiges Aussehen durch Vereinheitlichung der Dachlandschaft und Vollendung des Rittersaaltraktes mit dem Glockenturm. Nach italienischem Vorbild entstand unter Anton Solar der Florentinerhof mit der Zisterne und dem prächtigen Hauptportal.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die 400-jährige Baugeschichte von Schloss Herberstein endet mit dem 1690 vollendeten Gärtnerhaus und dem 1663 erbauten Meierhof.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Im 17. und 18. Jahrhundert gehörte rund ein Fünftel der Steiermark zur Grundherrschaft der Grafen Herberstein, rund 1000 Bauernhöfe waren dem Schloss zinspflichtig.

Mehr als ein Dutzend Burgen und Schlösser von Istrien bis Böhmen, von Kärnten bis Schlesien machten die Herbersteins zu einer Macht in Europa. Es gab kaum einen Krieg gegen Venezianer, Türken, Preußen oder Franzosen an dem nicht wenigstens ein Herberstein als Hauptmann, Festungskommandant oder Generalfeldmarschall teilnahm.

Das Schloss ist auch heute noch im Besitz der Familie Herberstein und dient als Wohn- und Verwaltungssitz. Ein Teil der Anlage kann in Führungen besichtigt werden.

Wir folgten dem idyllischen Weg entlang der Feistritz bis sich das imposante Bauwerk vor uns erhob und wurden dort bereits am Schlosstor sehr freundlich empfangen. Nach dem man uns erst einmal eine eigene kleine Wohnung, die ansonsten für die Hochzeitsgäste reserviert ist, zur Verfügung stellte um uns ein wenig zu erfrischen, betraten wir den Schlosshof um anschließend im Prunksaal den Ahnen der Herbersteiner zu begegnen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wer waren sie nun, diese Herbersteiner?

Die erste urkundliche Erwähnung der Herbersteiner geht zurück auf den 6. Dezember 1290, als der Ritter Otto von Hartberg die Veste Herberstein erwarb und sich nach ihr benannte. Mit ihm beginnt die sichere Stammreihe der Familie.

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Familienwappen Herberstein – Foto wikimedia/commons

Die Herbersteiner begannen ihre jahrhundertelangen Dienste in den Ländern der Habsburger als Lehensträger landesfürstlicher Güter. Nahezu 400 männliche Träger des Namens sind bekannt.

Sie stellten fünf Landeshauptleute der Steiermark, Offiziere aller Grade bis zum Feldmarschall, Diplomaten, Beamte, Hofleute und einen Staatsminister sowie Geistliche und Bischöfe.

Unter den Vertretern der Familie finden sich auch Mathematiker sowie Professoren der Philosophie, der Grammatik und der Weltgeschichte.

1537 stiegen die Herbersteiner in den Reichsfreiherrenstand auf.

„Eh wieg’s, dann wag’s – so nachts wie tags“ lautet die Familiendevise der Herbersteins.

Dieser Satz ist in ein Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert graviert. Auch Johann Josef von Herberstein trug diese Worte in seinem Herzen. 1686 wurde dem Ritter, fernab von der wilden romantischen Landschaft um Herberstein das Kommando der gesamten Malteserflotte übertragen. Er blieb siegreich über die Geschwader der „Raubstatten“ Algier, Tunis und Tripolis.

1644 erhielten sie den erbländisch-österreichischen Grafentitel und 1710 erlangten sie den Reichsgrafenstand.

Gezielte Besitzerweiterungen und günstige Heiratsverbindungen ab dem 14. und 15. Jahrhundert trugen zur zunehmenden Festigung ihrer Position bei.

So gelangte unter anderem durch die Heirat des Reichsgrafen Leopold von Herberstein mit Eleonore von Eggenberg auch die bedeutendste Schlossanlage der Steiermark, das Grazer Schloss Eggenberg in den Besitz der Familie.

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Schloss Eggenberg/Graz Foto: wikimedia/commons

Die Eggenberger könnte man mit den Fuggern vergleichen. Die Mitglieder einer Grazer Patrizierfamilie wurden zu bedeutendsten und einflussreichsten Männer des heiligen Römischen Reiches und federführenden Diplomaten der Habsburger, die letztlich sogar in den Fürstenstand erhoben wurden.

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Kaiser Leopold I. (1672) Foto: wikimedia/commons

Johann Seyfried von Eggenberg war Gastgeber der kaiserlichen Braut Kaiser Leopolds I. vor deren Eheschließung im Jahre 1673. Vor dieser einzigen Hochzeit eines Kaisers, die in Graz stattfand, residierte die zukünftige Kaiserin Claudia Felicitas von Tirol in der neuen Familienresidenz der Eggenberg.

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Carlo Dolci – Erzherzogin Claudia Felizitas von Österreich-Tirol, Öl auf Leinwand, 1672, Kunsthistorisches MuseumWien

Nach dem Tod Johann Seyfrieds 1713 hatte seine Linie noch durch zwei Generationen männliche Nachkommen.

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Johann Seyfried, Fürst von Eggenberg (1644–1713) Foto wikimedia/commons

Im Jahr 1716 starb sein einziger Sohn Johann Anton II. von Eggenberg (1669–1716) im Alter von 47 Jahren.

Ein Jahr später starb auch dessen einziger Sohn Johann Christian II. von Eggenberg im Alter von 13 Jahren an einer Blinddarmentzündung. Mit seinem Tod im Jahr 1717 erlosch die männliche Linie der Eggenberger.

Eine der beiden Schwestern Johann Christians II., Maria Eleonore Reichsfürstin zu Eggenberg (1694–1774), in erster Ehe 1719 verheiratet mit Josef Patrik Graf Leslie (1694–1732), in zweiter Ehe 1733 mit Andreas Siegmund Graf von Welz und in dritter Ehe 1740 mit Johann Leopold Graf Herberstein (1712–1789), verstarb im Jahre 1774 kinderlos, daher wurde ihr dritter Ehemann ihr Universalerbe.

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Maria Eleonore Reichsfürstin zu Eggenberg (1694–1774) Foto: Universalmuseum Johanneum

Ihr gesamter Besitz mit dem Schloss Eggenberg, sowie dem Eggenberger Stadtpalais – dem heutigen Palais Herberstein, gelangte dadurch in den Besitz der Familie Herberstein, die beide Häuser bis 1939 besaß.

Wir begegneten den beiden letzten Eggenbergern auf unserer Privatführung durch die Herbersteiner Prunkräume, wie ihr auch in unserem Video sehen könnt.

https://youtu.be/8WEEgUk2I1A

 

Nachdem der Chef der steirischen Linie, Graf Johann Maximilian von Herberstein im Jahr 1935 nach einer kinderlosen Ehe in Wien verstarb und die Verlassenschaft erst 1937 verhandelt wurde, verwaltete dessen Bruder Graf Johann Herbert das Erbe und übernahm die Herrschaften Herberstein, Neuberg und Eggenberg und die dazugehörigen Ländereien.

Johann Herbert Graf von Herberstein war ein österreich-ungarischer Feldmarschallleutnant, Divisionsführer im Ersten Weltkrieg und Obersthofmeister des Erzherzogs Friedrich

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Feldmarschall-Leutnant Johann Herbert Graf von Herberstein, 1917 Foto wikimedia/commons

Johann Herbert wurde als zweites von vier Kindern des Grafen Johann Siegmund zu Herberstein (14. Juni 1831 – 31. März 1907), Freiherr zu Neuberg und Gutenhag, Oberst-Erblandkämmerer und Truchsess im Herzogtum Kärnten, erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrates und der Julie Gräfin Herberstein (1835–1898), geb. Festetits des Tolna geboren.

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Die Familie verbrachte die Sommer auf dem Familienstammsitz Schloß Herberstein in der Oststeiermark, die Winter zuerst im Haus der Festetics de Tolna in Wien-Leopoldstadt und ab 1868 in Graz. Die Kindheit verbrachte Johann Herbert und seinen drei Geschwistern hauptsächlich in Graz.

Nachdem sein älterer Bruder Johann Maximilian (1862–1935) als Chef des Hauses vorgesehen war, wurde Johann Herbert wie damals so oft üblich für die militärische Laufbahn vorgesehen. Ab 1868 besuchte er eine Volksschule in Graz, dann als Privatschüler das Gymnasium, wobei er das zweite Semester 1873 im Klagenfurter Gymnasium absolvierte, 1887 maturierte er schließlich in Graz

1881/82 besuchte er die k. k. Kavallerie-Kadettenanstalt zu Mährisch Weißkirchen, die er als Leutnant verließ. Bis zur Aufnahme in die Kriegsschule 1889 diente er beim Dragoner Regiment Windisch-Grätz Nr. 14.

1889 verließ er als Oberleutnant das Dragoner-Regiment Nr. 6 um in die Kriegsschule nach Wien zu wechseln, deren Besuch die Voraussetzung für die Aufnahme in den Generalstab war.

Ab 1891 stand er bei verschiedenen Garnisonen im aktiven Truppendienst. In den nächsten Jahren diente er im Stab der 9. Kavallerie-Truppendivision in Lemberg und beim Korpskommando III in Graz.

Am 29. November 1895 legte er sein Diplom ab und war von 1900 bis 1909 als k.u.k. Militärattaché in Paris tätig.

Während dieser Zeit wurde er Major im Generalstab. Nach seiner Rückkehr 1909 von einer Studienreise durch Algerien wurde Johann Herbert zum Oberst befördert und Schwadronenführer im Husarenregiment Nádasdy Nr. 9 in Sopron.

Am 20. Dezember 1912 wurde er zum Obersthofmeister des Erzherzog Friedrich bestellt und stand dessen Haushalt im Wiener Albrechtspalais, in dem die Albertina untergebracht ist vor.

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Erzherzog Friedrich (1916) Foto wikimedia/commons

Am 31. Mai 1914 wurde Graf Herberstein zum Generalmajor befördert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges folgte er Erzherzog Friedrich an die Front und fungierte als Adjutant im Hauptquartier des Armeeoberkommando und wurde zum Chef des Kriegshofquartiers in Chyrów ernannt.

Die ständigen Gefechte und die Kälte zwangen Graf Johann Herbert, der an Bronchitis litt, zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt in Meran.

Am 10. September 1915 erhielt er das Kommando über das neu aufgestellte Kavalleriekorps Herberstein. Schon Anfang November 1915 wurde Graf Johann Herbert aus dem Feld abberufen, um wieder dem Armeeoberkommandando zu dienen. Als Generaladjudant begleitete er Erzherzog Friedrich 1916 auf sämtlichen Inspektionsreisen an die italienischen Front.

Am 29. Mai 1917 wurde der Graf von Herberstein zum Feldmarschalleutnant ernannt. Johann Herberts Neffe, der 22-jährige Johann Albert, fiel am 11. August 1917 an der Piave-Front als Flugzeugführer.

Im August 1917 erhielt Graf von Herberstein wieder ein aktives Frontkommando und war an der rumänischen Front stationiert. Bereits im Dezember wurde Herberstein von der rumänischen Grenze abberufen, um bis zum Kriegsende im November 1918 wieder als Generaladjudant des Erzherzog Friedrichs zu fungieren. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde er verabschiedet und am 1. Januar 1919 offiziell pensioniert.

Mit der Verwaltung der landeseigenen Güter vollauf beschäftigt, erfolgte 1939, kurz vor Beginn des Krieges, der Verkauf des Schlosses Eggenberg an das Land Steiermark.

Johann Maximilian hatte seinen Neffen Johann Otto (1897–1938) adoptiert und als Haupterben der Herberstein-Eggenbergischen Güter eingesetzt. Nach Johann Ottos frühem Tod mit 41 Jahren erbte sein gleichnamiger ältester Sohn Johann Otto (1937–1994) als Einjähriger die Güter.

Auf Initiative dessen zweiter jungen Ehefrau Andrea, wurde Mitte der 1970er Jahre mit der Renovierung der Gebäude des Schlosses Herberstein begonnen.

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Andrea Herberstein, Foto: ORF.at

Die entscheidende Hilfe dazu war die im Schloss stattfindende Landesausstellung 1986 „Die Steiermark– Brücke und Bollwerk“. In Folge wurde auch der Tierpark zu einer touristischen Attraktion ausgebaut. Herbersteins jüngste Tochter Felicitas erbte laut einem Testament von 1988 alles, teilte aber ihr Vermögen gleichmäßig mit ihren beiden Geschwistern Catherine und Maximilian. Nachfolgend wurde die Herberstein OEG gegründet, deren Geschäftsführer Maximilian (geboren 1977) wurde.

Doch das Schloss, das heute noch in der 21. Generation von der Familie bewohnt wird und dessen Bewohner alle samt eines gemeinsam haben, nämlich den Vornamen Johann oder Johanna, besteht nicht nur aus Stein und Fels. Dieses Stück Steiermark steht für die Menschen, die diesen Ort geschaffen und geprägt haben.

Hier ist die Heimat des 1486 geborenen Siegmund Herberstein, den seinerzeit 69 diplomatische Missionen nach Osteuropa – unter anderem an den Hof Solimans des Prächtigen – führten.

Herberstein, das waren Ritter wie der Freiherr Georg von Herberstein, dessen prachtvoller Harnisch heute noch den Besuchern zum greifbaren Symbol von Macht und Größe wird.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Das wirklich wundervolle und ausgesprochen gepflegte Schloss Herberstein lädt zu einem Besuch in der schönen Oststeiermark ein und bietet nicht nur für Geschichtsfans einiges, sondern ist ein Ausflugsziel für die ganze Familie.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich kann gar nicht mehr zählen, in wie vielen schönen Schlössern, Palais und Burgen mich meine Reisen bisher geführt haben und doch gibt es immer wieder liebevolle Überraschungen die jedes davon einzigartig und unvergesslich machen.

Der Tag den wir im Gartenschloss Herberstein verbringen durften, war relativ kalt und ihr könnt Euch vorstellen, dass es hinter diesen dicken Steinmauern nicht sonderlich warm war.

Da ich eigentlich auf Sonnenschein und warmes Wetter gehofft hatte, wählte ich ein dazu passendes, eher dünnes Blümchenkleid.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir durften einen Rundgang durch das Schloss machen und man zeigte uns die wirklich liebevoll eingerichteten Räume der Ausstellung „Leben im 19. Jahrhundert“

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Vom Damensalon, in dem ich mich erst einmal wieder ordentlich frisieren musste, gingen wir weiter durch das Studierzimmer der Kinder.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Betraten das Kinderzimmer und eine der insgesamt 4 Schlossküchen, in der man nur darauf wartete, dass der Koch um die Ecke kommen würde um uns einen Kaiserschmarrn zu machen 😉

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich durfte Klavier im Musikzimmer der Familie spielen und im Salon Tee trinken, wo ich wie so oft, wieder einmal auf mein Mariechen warten musste.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Anschließend besichtigten wir noch die umfassende Porzellansammlung der Familie Herberstein samt festlich gedeckter Tafel.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Eines meiner persönlichen Highlights waren natürlich Sattelkammer und Wagenburg des Schlosses. Vom Kinderschlitten bis zu unterschiedlichsten Damensätteln war alles vorhanden, was mein Reiterherz zum Jubeln brachte. Übrigens die Kapelle des Schlosses ist dem Hl. Georg geweiht, der ja bekanntlicher Weise der Schutzpatron der Reiter ist.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nachdem wir die Rüstung von „Georg dem Breiten“ bestaunt hatten, führte unser Weg durch die Prunkräume des Schlosses. Eindrucksvolle Wandteppiche aus der schleßischen Linie der Herbersteiner schmückten dort neben Portraits der Familie die Wände.

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Wieder im großen Rittersaal angekommen war ich beinahe zur Eiskönigin erstarrt, aber unser charmanter Begleiter wusste auch hierbei sofortige Hilfe und so brannte nach wenigen Minuten ein wärmendes Feuer im offenen Kamin.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die lodernden Flammen von Herberstein werden diesen Ausflug für immer einzigartig machen, denn so etwas haben wir bisher noch in keinem anderen Schloss erlebt!

Ich kann Euch nur sagen, ich hätte nicht gedacht, wie warm ein so riesiger Saal in so kurzes Zeit durch ein brennendes Feuer werden kann.

Nachdem wir uns ordentlich gewärmt hatten, war inzwischen auch die Sonne komplett zum Vorschein gekommen und es hatte tatsächlich frühlingshafte Temperaturen.

Endlich konnten wir den berühmten Rosengarten besichtigen!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir gingen durch den ehemaligen Wehrgang hinauf zum Frühstücksgarten der Familie, den ihr nur benützen dürft, wenn ihr im Märchenschloss an der Feistritzklamm heiratet und genossen den eindrucksvollen Blick auf das Schloss.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erst hier kam die gesamte Größe des Bauwerks erst so richtig zur Geltung und ließ uns ein wenig verharren, gebannt durch den zauberhaften Anblick des Schlosses, umgeben von unberührter Natur. Wir waren uns sofort einig, der Kaiserin hätte es bestimmt gefallen!

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Vom Frühstücksgarten setzten wir unseren Weg fort, am ehemaligen Gärtnerhaus vorbei, bis zum Rosengarten, dessen Herzstück ein luftiger Pavillon ist, mit Blick auf die Kattas des Tiergartens. 58721776_2181756692134806_285448817891868672_n

Unweit von uns hüpften die Kängarus der Tierwelt Herberstein um die Wette, doch wie üblich scheiterte der weitere Weg durch den Tiergarten, an meinen schlecht trainierten Hofdamen und so kehrten wir über den Hauptweg am Gironcoli Museum zum Schloss zurück. 😉

Wieder im Schloss nutzen wir noch die wunderschönen Arkardengänge um ein wenig die Abendsonne zu genießen, bevor wir dem Gartenschloss „Lebe wohl“ sagten.

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Wir freuen uns jetzt schon darauf, wenn wir dieses schöne Schloss erneut besuchen dürfen uns bedanken uns herzlich für die freundliche Einladung!!

Sisi


 

Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, Universalmuseum Joanneum

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Gartenschloss Herberstein

Ahnengalerie von Maria Theresia zu Kaiser Franz Josef und Kaiser Karl I.

Die Stammlinie der Familie Habsburg wie wir sie heute kennen, geht noch auf Maria Theresia zurück. Sie war die Mutter aller Habsburger, die bis in die heutige Generation noch reicht.

Um euch einen genauen Überblick zu geben, mit welchem Sohn es anfing und wie verzweigt die Familie auch heute noch ist, habe ich mir die Mühe gemacht und habe alle Familienmitglieder eingefügt, die bis zu Kaiser Karl I und Kaiserin Zita geboren wurden.

Jedes Paar ist mit seinen Kindern vertreten. Natürlich sind bis heute Nachfahren geboren worden; aber 1918 war die Monarchie zu Ende und von daher, habe ich von Kaiser Karl I und Kaiserin Zita all ihre Nachkommen eingefügt (einfach als Gesamtbild), obwohl die letzten beiden Töchter nicht mehr in der Monarchie geboren wurden.

Ich habe mir erlaubt auch die Nachkommen von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Chotek hinzufügen; auch wenn sie nicht erbberechtigt waren, so sind die Nachkommen und Nachfahren von Maria Theresia.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem außergewöhnlichen Stammbaum.

~ Marie ~

Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie

 

 


Rechtliche Hinweise: 

Bildrechte: Wikimedia/Commons, Österreichische Nationalbibliothek, habsburger.net, Bildarchiv, rodovid.org, geneall.org
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics