Tag-Archiv | Kaiser Franz Josef I

Schloss Artstetten – oder der Besuch der Tante…

[bezahlte Partnerschaft]

Im Zuge des Projekts Denkmäler Leben führte uns unsere Reise in eines der vielleicht schönsten Schlösser an der Donau. Schloss Artstetten ist ein Schloss in der Marktgemeinde Artstetten-Pöbring im Bezirk Melk in Niederösterreich und befindet sich immer noch im Besitz der Familie Hohenberg. Der Name Hohenberg ist vermutlich den meisten von Euch ein Begriff, da er untrennbar mit der österreichischen Geschichte verbunden ist, mehr dazu aber später.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Schloss Artstetten war eines der ersten Schlösser, die ich gemeinsam mit Mariechen und unserer damaligen Fotografin besucht hatte, somit war dieser Besuch im Juni bereits das zweite Mal dass wir zu Gast bei der reizenden Gräfin Alix waren.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Heute noch erinnern wir uns mit Freude an ihre Worte, als wir uns zum ersten Mal begegneten:

 „Es ist, als wenn die Tante zu Besuch wäre…“

Ein Kompliment, das schöner nicht hätte sein können.

Etwas ganz Besonderes war mit Sicherheit die Bitte der Gräfin, die Gruft zu besuchen, da Franz Ferdinand die Tante so sehr gemocht hatte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Name Artstetten erstmals urkundlich erwähnt. Aus der mittelalterlichen Feste wurde im Laufe der Jahrhunderte ein Schloss, das unzählige verschiedene Besitzer hatte, bis es 1823 Kaiser Franz I. erwarb und es dadurch zu Habsburger Besitz wurde.

Kaiser Franz I. wurde auch „Der Blumenkaiser“ genannt. Schloss Artstetten war nur eines unter vielen in der Region, die er besaß. Im Umkreis von zwanzig Kilometern gehörten ihm vierzehn weitere Schlösser wie z.B. Persenbeug, Leiben, Pöggstall und Luberegg.

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Franz I. mit den Insignien des Kaisertums Österreich, (Friedrich Amerling 1832) Foto wikimedia/commons

Schloss Artstetten wurde ursprünglich als Witwensitz für die Kaiserin Karolina Augusta, die vierte Frau von Kaiser Franz I. und Halbschwester von Erzherzogin Sophie, der Schwiegermutter von Kaiserin Elisabeth, vorgesehen.

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Karoline Charlotte Auguste von Bayern, Foto: wikimedia/commons

Dreißig Jahre später ging das Schloss in den Besitz seines Sohnes, Erzherzog Franz Carl, dem Vater von Kaiser Franz Josef und Erzherzog Carl Ludwig über.

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Franz Karl von Österreich, Lithographie von Josef Kriehuber, 1850 Foto:wikimedia/commons

Erzherzog Carl Ludwig, Vater von Erzherzog Franz Ferdinand, erbte das Schloss im Jahr 1861. Er gestaltete das Haus innen wie außen großzügig um.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Er ließ u.a. jenes Badezimmer installieren, das heute im Museum zu sehen ist. Auch der Pool oberhalb des Schlosses wurde von Carl Ludwig errichtet.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

1889 übergab Erzherzog Carl Ludwig das Schloss Artstetten seinem ältesten Sohn, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der es nach seinen Vorstellungen weiter umbauen ließ.

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Franz Ferdinand als Kaiser von Österreich, Porträt von Wilhelm Vita (HGM) Foto:wikimedia/commons

Seit 1913 präsentiert sich Schloss Artstetten so wie wir es heute kennen:

als architektonisch reizvolle, von sieben charakteristischen Türmen flankierte Anlage.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erzherzog Franz Ferdinand ließ das Schloss weiter modernisieren. Es wurden nicht nur elektrische Leitungen und ein Lift eingebaut, sondern auch der „englische Landschaftsgarten“ wurde von ihm angelegt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Um Teile seiner umfangreichen Sammlungen auch in Artstetten unterbringen zu können, ließ er den so genannten  „Neubau“ errichten, in dem sich heute große Teile des Museums befinden.

Wer mehr über das tragische Schicksal von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner geliebten Sophie erfahren möchte, kann das hier:

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Die Schloss- und Pfarrkirche „St. Jakobus der Ältere“ an der Ostseite des Schlosses  ist durch eine Treppe mit dem tiefer liegenden Markt Artstetten-Pöbring verbunden. Die ehemals gotische Kirche wurde 1691–1698 zu einem barocken Saalbau erweitert und bis zum Schloss verlängert.

Erzherzog Franz Ferdinand gestaltete die Pfarrkirche im Stil des Historismus um.

Foto: sternenkaiserin.com – marie

Da seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, wegen ihrer aus der Sicht des Kaisers nicht standesgemäßen Herkunft nicht in der Kapuzinergruft bestattet werden durfte, errichtete er eine eigene Gruft unter der Schloss- und Pfarrkirche. Auch Franz Ferdinand verzichtete auf eine Beisetzung in Wien und wurde seinem Wunsch gemäß ebenfalls in der Gruft in Artstetten beigesetzt. Auf dem gemeinsamen Sockel sind die Worte „Verbunden durch das Band der Ehe, vereint durch das gleiche Geschick“ eingraviert und zeugen heute noch von der großen Liebe, die das Paar verband.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach dem Attentat vom 28. Juni 1914 erbte der älteste, damals erst zwölfjährige Sohn des Thronfolgers, Maximilian, Schloss Artstetten.

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Franz Ferdinand mit seiner Familie Foto: Hoffotograf 

Nach dem Anschluss von 1938 wurden Maximilian und sein Bruder Ernst (beide erklärte und bekannte Gegner des NS-Regimes) ins Konzentrationslager Dachau deportiert und Artstetten enteignet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges (1945) wählten die Bewohner Artstettens mit Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht Herzog Maximilian für zweimal fünf Jahre zum Bürgermeister des Ortes.

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Herzog Maximilian Foto: schloss-artstetten.at

Erst 1949 erfolgte die Rückgabe des Schlosses durch die Republik Österreich.

Nachdem Herzog Maximilian 1962 starb, wurde er in der Familiengruft beigesetzt, in der bereits sein Bruder Ernst seit 1954 ruhte.

1962 trat Herzog Franz, als ältester Sohn Herzog Maximilians, das Erbe Schloss Artstetten an.

Bereits 1977 nach dem frühen Tod von Herzog Franz überschrieb seine Frau, Herzogin Elisabeth von Hohenberg, Prinzessin von Luxemburg, ihrer ältesten Tochter, Anita Hohenberg, Schloss und Gut Artstetten.

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Anita Hohenberg Foto: schloss.artstetten.at

1980 kehrte Anita Hohenberg mit ihrer Familie nach Artstetten zurück und begann mit der Errichtung des Erzherzog Franz Ferdinand Museums, das 1982 eröffnet wurde.

Um das aus Schloss, Forst- und Landwirtschaft bestehende „Ensemble Artstetten“ als Ganzes zu erhalten wurde 2003 die Anita Hohenberg-Stiftung gegründet.

Als fünfte Generation nach Erzherzog Franz Ferdinand übernahm im Dezember 2015 ihre Tochter Alix de La Poëze d’Harambure-Fraye die Leitung des Familienunternehmens Schloss Artstetten. Das Schloss wird ganzjährig von der Familie bewohnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Bei unserem ersten Besuch damals trug ich ein hellblaues Kleid, das ebenso aus der Sissi Trilogie hätten stammen können.

Für den Besuch der wunderschönen Kirche wählten wir bereits beim ersten Besuch ein Tageskleid.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Als wir dieses Mal nach Artstetten zurück kehrten fiel unsere Wahl auf ein ganz besonderes Kleid. Wer kennt nicht die Szene, in der Romy Schneider in Bad Aussee Narzissen pflückt und ihrem Franzl dann in die Arme sinkt?

Ein Kleid mit weißer Lochstickerei und einem bestickten Gürtel, sommerlicher hätte es kaum sein können.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Das Wetter passte perfekt zum Kleid und so hatten wir an diesem Frühsommertag bereits mehr als 30 Grad.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wie schön beim ersten Besuch wurden wir auch dieses Mal überaus herzlich empfangen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nachdem wir mit dem ausgedehnten Garten und seiner einzigartigen Pfingstrosensammlung fertig waren, dachte ich schon beinahe ich wäre erlöst und dürfte aus dem „Geschirr“, wie die Kaiserin selbst ihre Kleider immer nannte.

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne mein Mariechen gemacht. Nachdem sie im Garten zuvor einen blühenden Jasminstrauch entdeckt hatte, schwante mir bereits schreckliches.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

So wunderte es mich dann auch nicht wirklich als sie mit Hundeblick fragte: „Sisiiiiiii…. Hast du den Jasmin gesehen? Du hast doch das schwarze Kleid auch mit???“

Natürlich wusste sie, dass ich dieses Kleid mit hatte. Natürlich wusste sie auch, dass ich ihr niemals einen Wunsch abschlagen würde.

Also ließ ich mich noch enger schnüren um mir dann das hochgeschlossene Trauerkleid anzuziehen und mit ihr gemeinsam die Familiengruft zu besuchen um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In einem solchen Kleid an einem so persönlichen Ort sein zu dürfen, ist für mich jedes Mal wieder sehr ergreifend.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich bedanke mich bei Gräfin Alix de La Poëze d’Harambure-Fraye für die Einladung und freue mich jetzt schon auf das Sommerfest in Schloss Artstetten, an dem ich nächstes Jahr ebenfalls teilnehmen darf. Ich hoffe natürlich ihr kommt uns zahlreich besuchen. 

Wer das Schloss samt Museum besuchen möchte, kann das von 1. April bis 1. November tun. 

Die genauen Öffnungszeiten findet ihr auf:

https://www.schloss-artstetten.at/besucher/oeffnungszeiten/

Einen kleinen Einblick in das Museum bekommt ihr hier:

Ihr solltet auf jeden Fall einen ganzen Tag einrechnen, um die Schönheiten von Schloss und Garten ausreichend genießen zu können.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Artstetten & Waldviertel Tourismus
Mit der bezahlten Kooperation mit Waldviertel Tourismus „Mit Unterstützung von Interreg V-A Österreich – Tschechische Republik | Kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, schloss-artstetten.at, hoffotograf, Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Schloss Artstetten

Hotel Adria – Meran

Kennt ihr das Hotel Adria?

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nein, es hat nichts mit dem Mittelmeer zu tun, wie man vielleicht auf Grund des Namens meinen könnte, sondern es liegt mitten im Villenviertel von Obermais in Meran.

Ihr wisst nicht wo Obermais ist? Gut ich gebe zu, vor ein paar Jahren wusste ich das auch noch nicht.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Als ich damals zum ersten Mal in Meran war, um am Traubenumzug teilzunehmen war ich einigermaßen überrascht, als man mir ausrichten ließ, Herr Florian, der Besitzer vom Hotel Adria, würde sich sehr freuen, wenn „die Kaiserin“ am Sonntag zum Frühstück kommen würde.

Foto: sternenkaiserin.com – marie

Natürlich konnte ich diese Einladung nicht ausschlagen und betrat Sonntag am Morgen das Foyer dieses ehrwürdigen, alten Hauses. Der Hausherr begrüßte mich charmant mit einem Handkuss und führte mich zum eigens für mich gedeckten Tisch.

Kaffee im Silberkännchen, kleiner Wiener Gugelhupf, Sacherwürfel und viele andere, eigens für dieses Frühstück kreierte Köstlichkeiten erwarteten mich.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Gäste des Hauses staunten nicht schlecht, als ich mitten im Speisesaal Platz nahm und natürlich wurde auch das eine oder andere Foto gemacht.

Video: sternenkaiserin.com – marie

Aber dieser „Sissi Brunch“ sollte nicht alles gewesen sein.  Nach kurzer Zeit trat der Herr Direktor wieder an unseren Tisch um die Ankunft der Musikkapelle Obermais zu melden, die eigens gekommen war, um mir ein Ständchen zu spielen.

Video: sternenkaiserin.com – marie

Nach und nach entpuppte sich unser lieber Herr Direktor als wahrer Sisi-Fan, so gibt es nicht nur eine eigene Vitrine über die Kaiserin im Haus, sondern sogar eine ganze Sissi Suite. Mehr dazu aber später.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erbaut wurde das Hotel Adria als Hotel Austria von einem Kellner aus Thüringen, der eine Tirolerin geheiratet hatte.

Ferdinand Langguth, so hieß der gute Mann, kam 1868 zum ersten Mal nach Meran um hier für 3 Jahre als Kellner zu arbeiten. Danach ging er nach Belgien, Frankreich und England. Erst 1884 sollte er wieder nach Meran zurückkehren und hier heiraten.

Zusammen mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter pachtete er einen Gasthof am Brenner und begann nach nur einem Jahr den Bau des Hotels in Obermais.

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Maria und Franz Ferdinand Langguth, die Erbauer des Hotel Austria, Foto: hotel-adria.com

1885 begann der Bau nach Plänen von Musch & Lun, die zu den führenden Hotelplanern ihrer Zeit zählten. Den Namen Hotel Austria bekam das Haus „Hotel und Pension Langguth“ erst im Laufe der Bauzeit.

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Zu Ostern 1886 wurde das Hotel  eröffnet und die Meraner Zeitung schrieb am 29. April:

„Das stattliche Gebäude, in gefälligem Renaissance-Style ausgebaut, enthält im Souterrain Kellerräume, Küche, Speise-, Wirthschaftsräume und die Wohnung für die Bediensteten, im Parterregeschoß einen eleganten Speisesaal, Buffet, Restauration, Lesezimmer und fünf Fremdenzimmer. Im ersten und zweiten Stock über zwanzig Fremdenzimmer, ein Badezimmer und mehrere Dienerzimmer. Gegen Süden sind in sämtlichen Etagen breite Balcons […] Die gesamte innere Ausstattung muß als eine sehr comfortable bezeichnet werden, welche allen Anforderungen an ein modernes Hotel in jeder Beziehung entspricht.“

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Obermais ist das Villenviertel von Meran, in dem auch Kaiserin Elisabeth zwischen 1870 und 1889 dreimal weilt. 1870/71 im Schloss Trauttmansdorff, 1871/72 im Schloss Rottenstein, 1889 erneut in Schloss Trauttmansdorff. Es folgen weitere Mitglieder des Hochadels und der kaiserlichen Familie, so kauft zB. Carl Ludwig um 1860 das Schloss Rottenstein und Carl Theodor, der Lieblingsbruder der Kaiserin, richtet im heutigen Hotel Bavaria seine Arztpraxis ein.

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Wandelhalle Meran mit der Büste von Carl Theodor, Foto: sternenkaiserin.com – marie

Zahlreiche Villen und Schlösser der im 19. Jh. noch eigenständigen Gemeinde gehen bis auf das späte Mittelalter zurück.

Ab 1881 führt eine eigene Eisenbahnlinie nach Meran und weitere Hotels werden in Bahnhofsnähe errichtet. Das Hotel Austria jedoch steht in der Topgegend von Meran und liegt damals inmitten von Weinbergen und Streuobstwiesen.

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Aufnahme ist von vor 1914, zur Zeit als das Hotel Adria noch 2 Stockwerke hatte. Foto: hotel-adria.com

In der Rolandin-Anlage, dem späteren Elisabeth-Garten, baute der Architekt Karl Möser 1870 eine offene Wandelhalle, in der nun regelmäßig das Kurorchester spielte.

Nicht nur der Adel wohnte in Meran und somit auch im Hotel Austria, sondern auch zahlreiche Künstler wußten das milde Meraner Klima zu schätzen und wurden zu gern gesehenen Gästen. Darunter fand man Namen wie Carl Spitzweg, Béla Bartók, Wassily Kandinsky, Stefan Zweig, Franz Kafka – die Reihe ließe sich lange fortsetzen.

Oskar von Redwitz war einer der Ersten, der Meran zu seinem dauerhaften Wohnsitz machte, weswegen ihm 1894 ein Denkmal im damaligen Elisabeth Park direkt vor dem Hotel Austria gewidmet wurde.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Das Austria lief so gut, dass bald ein prächtiges Palais hinzu kam. Die Villa Impériale, 30 Zimmer, die Fürsten von Thurn und Taxis mieteten sie gleich für eine ganze Saison. Man schrieb das Jahr 1900, der Tourismus florierte, es war Belle Époque.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Langguth´s Frau starb unerwartet mit 46 Jahren und hinterließ Witwer samt 6 Kinder. Ein paar Jahre später starb auch noch der älteste Sohn im Kindesalter. Mit Hilfe der Schwiegermutter erhöhte Langguth das Austria um eine weitere Etage auf die heutige Größe, er ließ Bäder und einen Aufzug einbauen und versah das gesamte Hotel mit Zentralheizung.

Foto: sternenkaiserin.com – marie

Kaum ist alles fertig brach der Erste Weltkrieg aus, der Erbauer erlitt einen Schlaganfall und starb nur einige Jahre später. Seine Kinder verkauften den Besitz am Brenner und auch die Villa Imperiale um das Austria zu retten. Es ging zu gleichen Teilen an Maria und Oscar, Langguths Kinder. Da Maria allerdings mit einem Deutschen verheiratet war, verlor sie auf Grund des Friedensvertrags von Versailles und den damit verbundenen Zwangsenteignungen deutscher Staatsbürger auf italienischem Boden ihre Hälfte des Hotels.

Ihr Bruder konnte kein Hotel führen das zur Hälfte dem Staat gehört und verkaufte nur wenig später an Rosa Lardschneider, eine Hotelierin aus Gröden. Sie benannte möglicherweise aus Marketing Gründen das Haus um in Hotel Adria und kaufte 1941 sogar die zweite Hälfte vom italienischen Staat zurück, um von nun an alleinige Besitzerin zu sein.

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Ein Prospekt aus der Zwischenkriegszeit, Foto: hotel-adria.com

Ab 1943 diente das Hotel Adria vermutlich als deutsches Lazarett, wobei man darüber keine eindeutigen Aufzeichnungen fand.

Rosa´s einziger Sohn Josef übernahm das Haus und modernisierte weiterhin, er hatte viele Pläne, wollte ein Hallenbad bauen. Allerdings fanden seine Pläne ein jähes Ende. Er starb im Sommer 1971 bei einem Autounfall am Weg nach Kärnten… dort wollte er ein Hallenbad besichtigen….

Seine Witwe führte das Hotel bis 1983 weiter und verkaufte es schließlich an die heutigen Eigentümer, die das Adria wieder zum alten Glanz erwecken.

Dieses Haus ist nicht nur Geschichte, darin wird Geschichte lebendig. Das Team rund um Herrn Florian ist Tag und Nacht bemüht, seinen Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Kein Winkel, der nicht liebevoll geschmückt, keine Ecke, die nicht dekoriert ist.

Im Lesezimmer bietet eine umfangreiche Büchersammlung genügend Möglichkeit einiges über Meran und die Umgebung zu erfahren.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

An der Bar umsorgt der gute alte Piero seine Gäste. Er ist nicht nur mein erklärter Liebling des Hauses, sondern wird stets von allen Gästen, nicht nur den weiblichen, umschwärmt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ob im Service oder in der Küche, es gibt keinen Wunsch, der unerfüllt bleibt!

Streifzug durch die Küche – Foto: sternenkaiserin.com – marie

Der kleine, familiäre Rahmen ist es, der dieses Haus zu etwas ganz Besonderem macht.

Zeitlose Eleganz trifft modernen Komfort, ein Satz, der hier zu tausend Prozent zutrifft!

Wenn man aufmerksam durch dieses Haus geht findet man nicht nur eine Dienstmann Kappe oder das gravierte Silber des ehemaligen Hotel Austria, man findet viel mehr als das. Man findet überall die Liebe zum Detail, die sich in jeder noch so winzigen Kleinigkeit widerspiegelt.

Aber genug geschwärmt, ich hab euch ja noch versprochen, die Sissi Suite vorzustellen;

Sissi Suite – Foto: sternenkaiserin.com – marie

In diesem besonders hübschen Zimmer, das über einen wunderschönen Balkon verfügt, findet ihr die Kaiserin nicht nur am Türschild.

Sissi Suite – Foto: sternenkaiserin.com – marie

Aber seht selbst:

Sissi Suite – Foto: sternenkaiserin.com – marie

Für mich ist es inzwischen einer der Höhepunkte des Jahres, wenn ich ins Adria „nach Hause“ komme.

Video: sternenkaiserin.com – marie

Meran mit seinen im Oktober meist schneebedeckten Bergspitzen und den riesengroßen Palmen ist zum Sehnsuchtsort geworden.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, wenn ich diesem wundervollen Haus wieder einen Besuch abstatten darf und dort die liebgewonnenen, bekannten Gesichter wiedersehe.

Denn nicht nur das Personal ist beständig, auch die Gäste kehren jedes Jahr aufs Neue wieder ein, wenn sich im Herbst das Meraner Laub zu färben beginnt.

Vom Hotel aus seid ihr in wenigen Gehminuten über die Sissi Promenade an der Wandelhalle in der übrigens der Gackel abgebildet ist, bis zur Kaiserin Elisabeth Statue.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wenn ihr dann am Abend zurückkommt steht euch noch der einzigartig ausgestattete Spa Bereich des Hotels zur Verfügung.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Alles in Allem ist das Adria der perfekte Ort um ein paar Tage auszuspannen und sich zu erholen.

Und wer ein so großes Glück hat wie ich, trifft vielleicht sogar einen Filmstar … Cornelia (Conny) Froboess, bekannt als Mariandl, logierte zufällig wegen Filmaufnahmen gleichzeitig im Hotel Adria und ließ sich gerne mit mir fotografieren. Bussi nochmals an dieser Stelle.

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Foto: IMDb.com

Ich bin davon überzeugt, dass Euch dieses zauberhafte Hotel genauso gut gefallen wird, wie mir und wünsche Euch einen schönen Aufenthalt im Hotel Adria!

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Foto: sternenkaiserin.com – marie


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Sternenkaiserin.com – marie, hotel-adria.com, IMDb.com

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Hotel Adria

Gräfin Hohenembs – Ein Pseudonym das Weltruhm erlangte….. – Palast Hohenems

Der Kaiser von Österreich-Ungarn trug unzählige Titel, einer davon war auch „Graf von Hohenembs“. Ein Titel, den auch Elisabeth des Öfteren nutzte, wenn sie unerkannt reisen wollte. Zur traurigen Berühmtheit gelangte er bei ihrer letzten Reise nach Genf…

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Das Attentat, Xylografie, 1898 (c) Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H, Foto: Sascha Rieger

Wie jedes Jahr verbrachten wir den Oktober in Meran, nur setzten wir dieses Mal unsere Reise direkt fort und fuhren weiter über Innsbruck nach Hohenems.

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Der Palast Hohenems war das Residenzschloss der Grafen von Hohenems und befindet sich bis heute in Privatbesitz der Familie Waldburg-Zeil.

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Wappen Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems Foto: wikimedia/commons

Nach einer etwas abenteuerlichen Fahrt kamen wir an diesem verregneten Dienstag Vormittag nach Hohenems, einer Stadt im Bezirk Dornbirn in Vorarlberg in deren Zentrum sich der imposante Palast erhebt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach kurzer Begrüßung betraten wir die Ausstellungsräume im ersten Stock. Auf Grund des doch recht kühlen Wetters entschlossen wir uns für ein Tageskleid mit Jäckchen, Schirm und Hut.

In der großen Halle erwartete uns dann ein vertrautes Gesicht. Seine Majestät, Kaiser Franz Josef. 😉

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Der Palast Hohenems geht auf eine Vorarlberger Adelsfamilie zurück.

Ihr Aufstieg beruhte einerseits auf militärischen Verdiensten die sich Merk Sittich I. von Ems (1466–1533) als Landsknechtsführer in Diensten Karls V. in Italien erworben hatte, andererseits auf der Verheiratung von Merks Sohn Wolf Dietrich (1507–1538) mit Chiara de Medici. Durch ihre direkte Verwandtschaft zu Giovanni Angelo Medici, der 1559 zum Papst gewählt und am 6. Jänner 1560 als Pius IV. gekrönt wurde, erhielt die Emser Verwandtschaft 1560 den Reichsgrafenstand durch Ferdinand I.

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Marx Sittich von Embs zu der Hohen Embs Ritter und Obrister Foto: wikimedia/commons

Auftraggeber des Renaissancepalastes war Kardinal Mark Sittich III. von Hohenems (1533–1595), Sohn von Wolf Dietrich und der Chiara de Medici.

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Kardinal Markus Sittikus (1578) Foto: wikimedia/commons

Mark Sittich hatte zunächst eine militärische Laufbahn in kaiserlichen Diensten begonnen, wurde dann aber von seinem Onkel Pius IV. zum Bischof von Cassano (27. April 1560) berufen. Er war Statthalter der Mark Ancona (2. Mai 1560) und päpstlicher Legat am Wiener Hof, am 26. Februar 1561 wurde er zum Kardinal der römischen Titelkirche Santi XII Apostoli und anschließend zum Bischof von Konstanz geweiht.

1562 erteilte er den Auftrag zum Bau des neuen Palastes Hohenems an den italienischen Architekten Martino Longhi (“il vecchio”), der von 1562 bis etwa 1567 den Rohbau fertigte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Im Norden und Süden befinden sich zweiachsige Eckrisalite unter Zeltdächern und die Mittelachse wird durch ein plastisch gegliedertes Rundbogenportal betont.

Damit ist der Palast von Hohenems der bedeutendste Renaissancebau Westösterreichs.

Durch das große Portal betraten wir den wunderschönen Innenhof, wo wir gleich darauf begrüßt wurden.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erweitert wurde der Palast Anfang des 17. Jahrhunderts (1603–1610) von einem Neffen Mark Sittichs, Graf Kaspar von Hohenems (1573–1640).

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Kaspar von Hohenems (Porträt von Lucas Kilian) Foto: wikimedia/commons

Nach dem Tod des letzten regierenden Reichsgrafen von Hohenems, Franz Wilhelm III., im Jahre 1759 erbte seine Tochter Maria Rebecca (1742–1806) den Besitz. Sie war verheiratet mit dem k.u.k. Feldmarschall Franz Xaver Graf Harrach-Rohrau-Kunewald (1732–1781). Deren einzige Tochter Maria Walburga Erbgräfin Harrach-Lustenau-Hohenems (1762–1828) heiratete 1779 Clemens Alois Reichserbtruchsess Graf Waldburg-Zeil-Trauchburg. Sie wurden 1806 regierende Grafen von Lustenau.

1813 erwarb Clemens Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems (1753–1817) die Besitzungen Lustenau und Hohenems von seiner Frau.

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Clemens Alois, Porträt um 1785 Foto: wikimedia/commons

Da seine eigenen vier Kinder verstorben waren, adoptierte er noch im selben Jahr seinen Neffen, Sohn des 1. regierenden Fürsten Waldburg-Zeil, den Reichserbtruchsessen Graf Maximilian Clemens Waldburg-Zeil-Hohenems (1799–1869), der nach seinem Tod zu seinem Universalerben bestimmt wurde.

1840 wurde der Palast zur Kaserne umfunktioniert und ab 1882 von Graf Clemens Waldburg-Zeil und seiner Familie renoviert und bewohnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Im Jahr 1912 heiratete sein zweiter Sohn Georg die Erzherzogin Elisabeth Franziska (1892–1930).

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Verlobungsfoto von Erzherzogin Elisabeth Franziska und Graf Georg von Waldburg-Zeil-Hohenems 1912 Foto: wikimedia/commons

Sie starb mit 38 Jahren an einer Lungenentzündung. Elisabeth, genannt Ella, war die erstgeborene Tochter von Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana und Erzherzogin Marie Valerie von Österreich und somit eine Enkelin von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth.

Elisabeth Franziska, Erzherzogin von Österreich-Toskana

Erzherzogin Elisabeth Franziska, 1914 Foto: wikimedia/commons

Aus dieser Ehe stammten vier Kinder:

Marie Valerie Waldburg-Zeil (1913–2011)

Klementine Waldburg-Zeil (1914–1941)

Elisabeth Waldburg-Zeil (1917–1979)

Franz Josef Waldburg-Zeil (* 1927)

Begraben wurde Ella am Friedhof in Maria Thann im Allgäu.


Am 29. Dezember 1931 heiratete ihr verwitweter Ehemann Georg ihre Schwester Gertrud. Sie wurde am 23. November 1900 in der Schlosskapelle von Wallsee unter Beisein von Kaiser Franz Josef auf den Namen Gertrude Maria Gisela Elisabeth Ignatia getauft. Taufpatin war Prinzessin Gisela von Bayern, die ältere Schwester ihrer Mutter.

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Ölgemälde von Erzherzogin Gertrud Foto: wikimedia/commons

Mit Gertrud hatte Georg zwei weitere Kinder:

Sophie (* 5. Dezember 1932), ∞ Wessel Freiherr von Loë (* 1928)

Joseph (* 12. April 1934), ∞ Maria Benedikta von Redwitz (* 12. April 1937)

Gertrud starb am 20. Dezember 1962 mit 62 Jahren im oberschwäbischen Ravensburg, sie hinterließ ein Archiv mit Dokumenten und Briefen der kaiserlichen Familie das von Historikern und Autoren wie etwa Egon Caesar Conte Corti oder Richard Sexau verwendet wurde. In diesem Archiv befand sich auch das Tagebuch von Erzherzogin Marie Valerie!


1954 übernahm der aus dieser ersten Ehe stammende älteste Sohn Franz Josef (* 1927; Urenkel von Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth) den Palast sowie das Schloss Glopper.

Beide Immobilien befinden sich bis heute in Besitz und wurden von Franz Josef Waldburg-Zeil und seiner kürzlich verstorbenen Frau Priscilla, geborene Gräfin Schönborn bewohnt. Sie öffneten den Palast für Konzerte, Empfänge und Opern.

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Priscilla und Franz-Josef Waldburg-Zeil. Foto: Neue.at

2016 übernahm Franz Clemens Graf von Waldburg – Zeil mit seiner Frau Stephanie, geborene Gräfin Blanckenstein mit deren 4 Töchtern den Palast.


Im Palast befinden sich ein Standesamt und Veranstaltungsräume.

Die Ausstellungsräume könnt ihr nach Voranmeldung besichtigen.

Besonders interessant fand ich das „Spielzimmer“, Kinderspielzeug aus verschiedenen Epochen, sowie verschiedene Kinderwägen sind dort ausgestellt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In mehreren Vitrinen sind auch persönliche Dinge der ehemaligen Gräfinnen zu bewundern, von Spitzen über Handschuhen bis hin zu mehreren Fächern, zeigt die Ausstellung in der auch seltene und kaum bekannte Fotografien aus dem Leben der kaiserlichen Familie ausgestellt sind, auch alltägliche Dinge des 19. Jahrhunderts, wie zb eine Nähmaschine.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Abschließend lade ich Euch jetzt noch ein, mit uns eine etwas andere Schlossführung zu machen und freue mich bereits wieder darauf, wenn es heisst….

„die Schuhe sind geputzt….“

Video: sternenkaiserin.com – marie

Eure Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, Neue.at

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Palast Hohenems

Burg Heidenreichstein

[bezahlte Partnerschaft]
Was die Hofreitschule mit einer Wasserburg zu tun hat….

Nachdem wir den ganzen Vormittag auf der Burg Rappottenstein verbracht hatten und immer noch von den luftigen Arkaden schwärmten, führte uns unsere Reise im Rahmen des Projekts „Denkmäler leben“ durch das wunderschöne Waldviertel direkt zum nächsten Highlight der Region.

Die Burg Heidenreichstein ist eine Wasserburg, 17 km nordöstlich von Gmünd in Niederösterreich. Schon von außen erschien uns diese Burg völlig anders als jene zuvor und wir waren gespannt, was uns im Inneren erwarten würde.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Auf einer kleinen Anhöhe, mitten im Ort Heidenreichstein gelegen, wird die Burg von Wassergräben, Türmen und hohen, schroffen Mauern gegen Angreifer geschützt.

Über eine der zwei Zugbrücken betraten wir den Innenhof, wo wir bereits am Weg dorthin mit den Worten „die Sissi kommt“ begrüßt wurden.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Burg verfügt über runde Ecktürme mit spitzem, kegelförmigem Dach. Die ältesten Teile des Bergfrieds gehen auf das 12. Jahrhundert zurück und wurden 1190 von Burggraf Heidenreich von Gars errichtet. Der Wehrgang des größten Turmes wird vom vorragenden Dach geschützt, die Wirtschaftsgebäude wurden zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Der gotische Dachstuhl mit gehackten Balken wird von geschnitzten Holznägeln zusammengehalten und das Dach ist mit Schindeln gedeckt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nachdem wir uns im Burghof umgesehen hatten, betraten wir die Innenräume um einen ersten Eindruck zu bekommen. Sofort war klar: zu dieser einzigartigen, immer noch großteils originalen Einrichtung konnte nur ein historisch korrektes, schlichtes Tageskleid passen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Einrichtung der Burg stammt aus verschiedenen Zeitepochen, einige Tische und Truhen stammen noch aus der Gotik, auch alte Rüstungen und Waffen sind erhalten bis hin zu Porzellan und Möbeln des späten 19. Jahrhunderts.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ähnlich wie Burg Rappottenstein ist auch Burg Heidenreichstein eine Minnesängerburg. Wie die Babenberger förderte auch der Burggraf Heidenreich von Gars den Minnegesang.

Im 15. Jahrhundert wurde Heidenreichstein von Anhängern des Jan Hus und rebellischen Bauern während der Hussitenkriege belagert, konnte aber nicht eingenommen werden.

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Bildnis Jan Hus von Johann Agricola, 1562/ Foto: wikimedia/commons

Fast 300 Jahre lang war die Burg von 1679 bis 1942 im Besitz der ungarischen Adelsfamilie Pálffy.

Die Pálffy von Erdőd waren ein ungarisches Adelsgeschlecht. Sie zählten zum ungarischen Uradel, als Herkunftsorte gelten die Bibersburg in der heutigen Slowakei oder Várfalva in Siebenbürgen.

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Fürstliches Wappen der Pálffy – Foto: wikimedia/commons

Im Laufe der Jahrhunderte stellte die Familie Pálffy von Erdőd viele bekannte Offiziere und Beamte der Habsburgermonarchie. Die ungarische Baronie wurde ihnen 1581 verliehen, 1599 erhob man sie zu Reichsgrafen, 1634 dann zu ungarische Grafen mit dem Prädikat „von Erdőd“. Zu dem Namen „Erdőd“ gelangte man durch die Vermählung von Paul Pálffy mit Klara Bakocz von Erdőd.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nikolaus Graf Pálffy von Erdöd, (1. März 1657; † 20. Februar 1732 in Pressburg) war ab 1718 Generalfeldmarschall der Kaiserlichen Armee und ab 1714 Palatin von Ungarn. Graf Pálffy erzielte gemeinsam mit Prinz Eugen große Erfolge im Kampf gegen die Türken und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch das Goldene Vlies! Nikolaus IV. war Gründer der nikolaischen Linie.

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Palatin Nikolaus Pálffy von Erdöd (Lithographie von Josef Kriehuber, 1827) Foto: wikimedia/commons

Nikolaus Pálffy ab Erdöd, Sohn des Stephan Pálffy, war mit Elisabeth, geborener Freiin von Weichs vermählt. Dieser Ehe entsprossen vier Söhne:

Nikolaus, Christoph, Franz und Johannes

Ihr erster Ast erlangte 1807 den österreichischen Fürstenstand.

Der zweite Ast dieser Linie erbte 1851 den Besitz der erloschenen Grafen Daun.

Maria Theresia Daun (Tochter des berühmten Leopold Joseph Graf von Daun, Fürst von Teano) heiratete Leopold Pálffy von Erdöd.

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Leopold Joseph Graf von Daun Foto: wikimedia/commons

Mehr zur Familie Daun Kinsky könnt ihr hier erfahren: Zu Besuch bei Graf Daun Kinsky – Palais Kinsky

Durch die Namens- und Wappenvereinigung 1853 wurden sie zu Pálffy-Daun von Erdőd und erhielten 1876 die österreichische Genehmigung zur Fortführung des Titels Fürst von Teano.

Der dritte Ast der nikolaischen Linie der Pálffy von Erdőd blieb gräflich.

Die johannische Linie des Geschlechtes, die 1852 im Mannesstamm erlosch wurde begründet durch Johann Bernhard Stephan Graf Pálffy von Erdöd, (20. August 1664 in Rothenstein; † 24. März 1751 in Pressburg), der Bruder von Nikolaus IV. war ab 1709 kaiserlicher Feldmarschall und ab 1741 Palatin von Ungarn.

Johann Palffy war ebenfalls Träger des Goldenen Vlies und wurde von Kaiser Karl VI. zum Schutz dessen Tochter Maria Theresia empfohlen. (Insgesamt fünf Mitglieder der Familie wurden Träger dieses höchsten Ordens).

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Graf Johann Pálffy Foto: wikimedia/commons

Am 25.6.1741 erfolgte die Krönung Maria Theresias zur Königin von Ungarn. Johann Graf Pálffy, neugewählter Palatin legte im Dom zu Pressburg Maria Theresia zuerst die uralte Dalmatika, die seit der Zeit der Arpádenkönige bei den Krönungsfeierlichkeiten verwendet wurde um und setzte ihr anschließend die Krone des Hl. Stephan aufs Haupt.

Die Dankbarkeit und Zuneigung Maria Theresias zeigte sich in sehr persönlichen Geschenken wie ihrem persönlichen Reitpferd, einem Diamantring oder einem mit Diamanten besetzten goldenen Degen und einem sehr persönlichen Schreiben, dessen Inhalt und der Burgvogt frei zitierte:

„..Mein Vater Pálffy! Ich sende Euch dieses Pferd, welches nur allein von dem Eifrigsten Meiner Unterthanen bestiegen zu werden würdig ist. Empfanget zugleich diesen Degen, um Mich wider Meine Feinde zu beschützen, und nehmet diesen Ring als Kennzeichen Meiner gegen Euch tragenden Zuneigung an…“

Franz Joseph I. beschloss am 28. Februar 1863 Johann Palffy in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufzunehmen, zu deren Ehren und Andenken eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.&.k. Hofwaffenmuseums (Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde.

Ladislaus Fürst Pálffy ab Erdöd, geboren in Malacka am 30. November 1867, Kämmerer, Rittmeister, Inhaber vieler militärischer Orden, Herrschaftsbesitzer von Marchegg, starb am 19. Jänner 1947 in Wien im 80. Lebensjahr als letzter Fürst der Nikolaus Pálffy’schen Linie und wurde am 25. Jänner in Heidenreichstein beerdigt.

Da der letzte Pálffy-Fürst kinderlos war, vermachte er die Burg seinem guten Freund Rudolf van der Straten-Ponthoz.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Adelsfamilie „van der Straten-Ponthoz“ gehörte zum österreichischen und belgischen Adel. Sie galten als gefürstete Grafen. Während der Namensteil van der Straten ein niederdeutscher Herkunftsname ohne Adelsprädikat ist, steht Ponthoz wörtlich im Ungarischen für „zum Punkt“.

Graf van der Straten war nicht nur der Adjutant von Erzherzog Franz Ferdinand und anschließend auch von Kaiser Karl, sondern machte sich auch unter Pferdefreunden einen Namen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach Ende des 1. WK wurde er zum Leiter der Spanischen Hofreitschule, die er durch Gastspielreisen international so bekannt machte, dass 1925 ein Aufschrei um die Welt ging, als man deren Auflösung überlegte.

1938 kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht trat Graf van der Straten als Leiter der Spanischen Hofreitschule zurück. Er vermachte die Burg Heidenreichstein seiner zweitgeborenen Tochter Josephine, die mit Christian Graf Kinsky verheiratet ist.

Dadurch ist die Burg Heidenreichstein 1961 von den Grafen Van der Straten-Ponthoz im Erbweg auf die Grafen Kinsky übergegangen und heute teilweise öffentlich zugängig.

Wie bereits üblich bekamen wir eine Privatführung vom Burgvogt durch die Innenräume, die so anders als in Rappottenstein, aber nicht weniger beeindruckend waren.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In der Burg Heidenreichstein hat man beinahe das Gefühl, hie und da würden noch ein paar alte Ritter durch die Räume huschen, denn im Gegensatz zu anderen Burgen ist diese noch mehr oder weniger vollständig möbliert.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

So findet man hier nicht nur die älteste Tischplatte von Österreich, sondern auch einen Giebelschrank aus dem 14. Jahrhundert.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mein Mariechen und ich staunten nicht schlecht, als wir die innovativen Möbel sahen. Wer denkt, Klappstühle sind eine Erfindung aus Schweden, der irrt ;

Denn bereits im Mittelalter baute man Stühle zu Betstühlen um, machte aus einem Sessel eine Sitzgelegenheit für zwei bis drei Leute, oder fertigte Bänke, deren Rückenlehne die Richtung ändern konnte.

Ein paar dieser Tricks seht ihr in unserer ganz privaten Burgführung:

Führung durch die Burg Heidenreichstein – Video: sternenkaiserin.com – marie

Für alle Mittelalterfans ist die Burg Heidenreichstein sicherlich ein Geheimtipp, denn die Vielfalt der ausgestellten Stücke ist unvergleichlich.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir erfuhren nicht nur, warum man vorzog im Sitzen zu schlafen, sondern machten Bekanntschaft mit ehemaligen Burgherren und Helden längst vergangener Zeiten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Besonders beeindruckend fand ich das chinesische Damenschränkchen aus dem 16. Jahrhundert und die Sanduhr, die Viertelstunden messen konnte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Als mir dann aber auch noch klar wurde, in wessen Burg wir uns hier befanden schlug mein Reiterherz sofort höher. Ich entdeckte unter anderem einen Bericht über die Teilnahme von Graf van der Straten an einem Distanzritt von Wien nach Berlin. Da ich selbst einmal an einem Ritt von Gmunden nach Krumau (244km) beteiligt war, konnte ich mir ansatzweise vorstellen, welche Anstrengung eine solche noch viel längere Strecke bedeutet haben musste.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Neben einem wundervollen Gemälde von Rudolf van der Straten auf einem Lipizzaner Hengst, entdeckten wir auch noch ein Bild der Kaiserin hoch zu Ross.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Unsere Führung endete dort wo sie begonnen hatte, nämlich beim Stammbaum der Familie Kinsky.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Über die Zugbrücke verließen wir die Burg auf demselben Weg wie wir gekommen waren um uns auf den letzten Tag im Waldviertel vorzubereiten.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Von April bis Oktober könnt ihr die Burg Heidenreichstein selbst besichtigen, die genauen Öffnungszeiten findet ihr hier: 

http://www.kinsky-heidenreichstein.at

Vielen Dank für die Einladung an
Burg Rappottenstein & Waldviertel Tourismus
Mit der bezahlten Kooperation mit Waldviertel Tourismus „Mit Unterstützung von Interreg V-A Österreich – Tschechische Republik | Kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

Sisi


 

Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, 

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Burg Heidenreichstein

 

 

 

Die süßeste Versuchung seit es Kaffeehäuser gibt – k.u.k. Hofzuckerbäcker Demel

Bereits zum zweiten Mal erhielten wir eine Einladung in Wien´s schönste Zuckerbäckerei, der k&k Hoflieferant Demel verwöhnte uns mit Wiener Apfelstrudel und wie könnte es anders sein, dem von der Kaiserin so geliebten Veilcheneis.

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Foto: Demel

Nachdem mein Mariechen mir mitteilte, dass wir erneut die Ehre hätten beim Demel zu gastieren, überlegte ich natürlich sofort welches Kleid denn nun passen könnte?

Bei unserem ersten Besuch trug ich ein violettes Tageskleid, passend zu Sisi´s geliebten kandierten Veilchen, also wollte ich nicht noch einmal in der selben Farbe erscheinen. Ein Filmkleid? Nein, das würde nicht zu einer der traditionsreichsten Konditoreien Wien´s passen.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Also musste ein neues Kleid her! Eines, das farblich und auch historisch zur Geschichte des Hauses passte.

 

Gegründet wurde der Demel bereits im Jahre 1786 und noch heute präsentieren sich die Demel-Salons im wunderschönen Rokoko–Stil der Architekten Portois & Fix, einer der vornehmsten und solidesten Einrichtungsfirmen der Monarchie.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Der aus Württemberg stammende Zuckerbäcker Ludwig Dehne eröffnet am Michaelerplatz, gegenüber dem Bühneneingang des alten K.u.K. Hofburgtheaters seine erste Konditorei.

Einige Jahre später wird der Betrieb bereits zum offiziellen Hoflieferanten und betreut als Monopol das Hofburgtheater.

1799 stirbt Ludwig an Tuberkulose und seine Witwe führt mit ihrem späteren 2. Ehemann Gottlieb Wohlfahrt den Betrieb weiter, nach dessen Tod übernimmt August Dehne, Sohn aus erster Ehe gemeinsam mit der Mutter die Zuckerbäckerei und verkauft sie 1857 an seinen ersten Lehrling, Christoph Demel, da sein eigener Sohn lieber Jurist statt Zuckerbäcker wurde.

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August Dehne (Illustrirtes Wiener Extrablatt, 1875 Foto: wikimedia/commons

10 Jahre später übernehmen seine Söhne Joseph und Karl die nun gleichnamige Zuckerbäckerei: Ch. Demel’s Soehne.

1887 dann die Übersiedlung ins Palais am Kohlmarkt, 1888 wird das alte Burgtheater am Michaelerplatz abgerissen und der gesamte Platz umgestaltet, daher siedeln die Gebrüder Demel vom Michaelerplatz in das Palais am Kohlmarkt. Die Architekten Portois & Fix werden mit der Gestaltung der Gewölbe beauftragt, welche die Räume im Stil des Rokoko und die Einrichtung im Stil des Regency gestalten.

Neben Kaiserin Elisabeth sind viele weitere bekannte Mitglieder der Wiener Gesellschaft wie Katharina Schratt und Pauline Metternich Stammgäste beim Demel.

Eine Besonderheit sind auch die Demelinnerinnen, die stets weibliche Bedienung wurde ursprünglich aus Klosterschulen rekrutiert und trug eine einheitliche lange, schwarze Tracht mit weißer Schürze.

Traditioneller Weise pflegten diese Damen auch eine eigene Sprache, das „Demel – Deutsch“ eine Art Höflichkeitsform in der dritten Person Mehrzahl ohne persönlicher Anrede. Geklungen hat das dann ungefähr so „Haben schon gewählt?“ oder „wünschen zu Speisen?“

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Nachdem Carl Demel stirbt (sein Bruder Josef starb noch früher), führt seine Witwe, Maria Demel, geb. Griensteidl, die Tochter des bekannten Cafetiers, die nächsten zwanzig Jahre den Demel.

Nach ihrem Tod übernimmt deren Sohn Karl Demel das Geschäft, das er bis zu seinem Tode 1917 offiziell führt.

Die eigentliche Hausfrau ist allerdings seine Schwägerin, Anna Demel, geb. Siding. Anna´s Schwester, Flora Siding, die beim Theater war, lebte ebenfalls zurückgezogen im Hause am Kohlmarkt. Ihre, aus einer unglücklichen Verbindung zu dem ungarischen Magnaten Nikolaus von Szemere entstammende Tochter Klara, wurde von Anna Demel adoptiert und war mehr oder weniger die letzte Frau, die ihr Leben ganz in den Dienst des Demel stellte.

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Anna Demel Foto: geni.com

Wie bereits üblich wurden wir sofort freudig begrüßt und zu unserem Platz geführt.

Ein Tisch am Fenster, mit Blick auf den Kohlmarkt, dessen Name jeder Sissi Fan natürlich kennt, denn wer erinnert sich nicht an die Szene, in der Romy ihrem Kaiser freudestrahlend erzählt, wie ihr die Wiener Bevölkerung am Kohlmarkt beinahe vor Begeisterung das Kleid zerrissen hat?

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Ein Zustand, den ich nur zu gut nachvollziehen kann. 😉

Meine ganz persönliche Demelinnerin brachte wie stets ein Kännchen warmer Milch und dazu dieses Mal ein Wiener Frühstück.

Ein Kaisersemmerl und Ei im Glas, kennt ihr das? Weiches Ei in einem kleinen Schüsserl ohne Schale serviert?

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Nach ein paar, zumindest damals verbotenen Blicken in die Tageszeitung folgte ich einer weiteren Tradition. Ich durfte die Tortenkünstler in der Backstube besuchen und man bot mir die feinsten Köstlichkeiten zum Probieren an.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Nun könnt ihr Euch ja vorstellen, dass es mir unmöglich war all diese Herrlichkeiten zu versuchen und so beschränkte ich mich, wie üblich, auf meine Lieblingsnascherei, die ich auch stets auf all unseren Reisen mitführe, die kandierten Veilchen.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Zuckerbäcker aus der ganzen Welt bemühen sich um eine Ausbildungsstelle in diesem altehrwürdigen Haus und so staunte ich nicht schlecht, als mir ein Mädchen aus Boston/Amerika eine Kostprobe reichte.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Nun ist der Demel nicht nur für „meine“ Veilchen bekannt, sondern bietet natürlich eine Vielfalt von Köstlichkeiten, die das Herz jeder Naschkatze höher schlagen lassen.

Spezialität des Hauses ist jedoch die Anna Demel Torte, benannt nach der Grand Dame des Hauses.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Als die Österreichisch – Ungarische Monarchie unterging, schien im Demel die Zeit still zustehen. Anna Demel wachte streng darüber, dass der alten Ordnung Genüge getan wurde.

Im Demel blieb ein Graf auch in der Republik noch ein Graf, man hielt seinem aristokratischen, verarmten Vorkriegspublikum die Treue.

Trotz Verbot und Strafe ließ Anna Demel weder auf dem Portal noch auf den Konfektschachteln das Emblem K. u. K. Hofzuckerbäcker entfernen.

Anna Demel ist auch heute noch, lange nach ihrem Tod im Jahre 1956, als Pionierin bekannt, die als erste Frau den Titel „Kommerzialrat“ erhielt (1952) und der im Demel mit der berühmten Anna Torte – einer Verführung aus feinsten Nougat, auch heute noch Tribut gezollt wird.

Nach Anna’s Tod übernimmt ihre Adoptivtochter Klara Demel die Geschicke der Hofzuckerbäckerei.

Nach dem Tode seiner Gemahlin Klara 1965 führt ihr Mann Baron Federico v. Berzeviczy-Pallavicini den Demel weiter. Der hochbegabte Künstler Federico v. Berzeviczy-Pallavicini begründet die bis heute bestehende maßgebende Stellung des Demel. Während seiner Zeit bei Demel begründete er die Tradition, aus Schaustücken des Zucker- und Schokoladenhandwerks extravagante, neobarocke Inszenierungen zu gestalten.

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Federico Berzeviczy-Pallavicini Foto: Demel

Er prägt mit seinen faszinierenden Auslagen und kunstvoll gestalteten, verspielten Designs das Erscheinungsbild des Demel.

Zahlreiche dieser Motive sowie viele weitere wunderschöne Jahrhundertwende- und Wiener Werkstättenmotive, finden sich bis heute zum Teil unverändert auf den einzigartigen Bonbonschachteln und Verpackungspapieren wieder.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Nachdem Federico v. Berzeviczy-Pallavicini das Familienunternehmen 1972 verkaufte, um sich in Italien und New York künstlerisch zu betätigen, begann für den Demel eine unruhige Zeit, als er kurzer Hand vom österreichischen Enfant Terrible Udo Proksch,- damals unter dem Synonym Serge Kirchhofer, Besitzer von 17 Telefonnummern, 38 Mänteln im Military-Look und zahlreichen Geburtsdaten,- übernommen wurde.

Proksch gründet daraufhin den, im zweiten Stock residierenden „Club 45“ in dem sich sämtliche Politiker, Künstler und Medienrepräsentanten trafen die damals Rang und Namen hatten.

20 Jahre später wechselt der Demel wieder den Besitzer, nachdem Proksch aufgrund der Versenkung des Schiffes ‚Lucona‘ verhaftet wird.

Ende 2002 wird der Demel Teil des international-tätigen Österreichischen Cateringunternehmen DO & CO, das stets darauf achtet den Betrieb traditionsgerecht weiterzuführen und die wertvolle Marke Demel zu bewahren.

Nach dem Ausflug in die Backstube kehrte ich unter den neugierigen und staunenden Blicken der internationalen Gäste zu meinem Platz zurück und ließ mir die Köstlichkeit, der auch die Kaiserin persönlich verfallen war servieren, das Veilchensorbet.

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Falls ihr jemals im Frühling (dies Köstlichkeit ist nur im Frühjahr erhältlich) in Wien seid, müsst ihr es unbedingt versuchen, es gibt nichts Vergleichbares.

Eine weitere Köstlichkeit, die auch von Elisabeth sehr geschätzt wurde, ist natürlich der handgezogene Apfelstrudel, sehr zum Leid meines Mariechens natürlich standesgemäß mit Rosinen! Daneben gibt es nicht nur Demeltorte, Dobostorte, Fächertorte, russische Punschtorte, Esterházy-Torte und weitere Konditorei-Spezialitäten sondern auch die Demel Sachertorte, die zum Unterschied zur „Original Sacher Torte“ keine zusätzliche Marmeladeschicht in der Mitte hat. Erfunden hat sie Franz Sacher, vollendet zur heutigen Form hat sie allerdings sein Sohn Eduard Sacher, während seiner Ausbildung beim Demel.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit heißt die Demelsche Torte heute „Demel´s Sachertorte“, die andere „Original Sacher Torte“

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Foto sternenkaiserin.com – marie

Wie immer war es ein ausgesprochen süßer, wenn auch kalorienreicher Besuch in unserem Lieblings Kaffeehaus.

Ich bedanke mich für die Einladung und vielen Köstlichkeiten und freue mich auf das nächste Mal.

Sisi


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, Demel, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Text: Sisi

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Eine Tragödie, die traurigen Weltruhm erlangte – Mayerling

Mayerling, wer kennt sie nicht die Geschichte über den Tod des Kronprinzen und seiner angebliche Geliebten?

Mehrfach wurden die letzten Tage des österreichischen Kronprinzen verfilmt. 1969 drehte man eine Version mit Omar Sharif als Rudolf und Catherine Deneuve als Mary in den Hauptrollen. Als Kaiserin Elisabeth besetzte man die weltberühmte Ava Gardner.

Mayerling

 Foto: @ORF/Kirch Media

Rudolf Prack schlüpfte zuvor, bereits 1956 in diese tragische Rolle.

An seiner Seite spielten Christiane Hörbiger-Wessely und Lil Dagover, die bereits zum 2. Mal die Rolle der österreichischen Kaiserin übernahm. 1931 spielte sie in „Elisabeth von Österreich“ die Titelrolle.

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Im Bild: Lil Dagover, Rudolf Prack und Christiane Hörbiger. Foto: @orf.at

Max von Thun spielte 2006 in der 2 teiligen Neuverfilmung neben Klaus Maria Brandauer, der dieses Mal den Kaiser verkörperte.

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Sandra Ceccarelli, Max von Thun, Daniela Golpashin, Klaus Maria Brandauer, Francesca von Habsburg, Lothar Michael Proksch, Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, Kronprinz Rudolf Foto: @orf.at

Unzählige Bücher sind zu diesem Thema der österreichischen Geschichte verfasst worden. Von der Kriminalgeschichte bis hin zu Verschwörungstheorien, immer wieder dient die Tragödie von Mayerling als Thema für Neuerscheinungen.

Ebenfalls 2006 feierte das Musical „Rudolf“ Weltpremiere in Budapest.


 

Irgendwann stand fest, dass auch wir dem Jagdschloss einen Besuch abstatten würden. Ähnlich wie die Kaiserin bei ihrem ersten Besuch anlässlich des ersten Todestages, reisten auch wir dieses Mal mit einer ganzen Gruppe an diesen verwunschenen Ort.

Die Geschichte dieses sehr besonderen Tages möchte ich Euch heute erzählen. Dabei werde ich immer wieder historische Daten in meine Gedanken einflechten und bitte Euch, dies nicht als geschichtliche Dokumentation zu sehen, sondern einfach als das was es ist.

Meine Gedanken und Erinnerungen an Rudolf.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Schon während ich früh morgens meine Haare zu flechten begann, ließen mich die Gedanken an Elisabeth und ihr „Bubi“ nicht mehr los.

101 Salutschüsse erklangen als man die Geburt des Thronfolgers feierte.

Der Kaiserin selbst teilte nach langer, schwerer Geburt mit den erlösenden Worten „A Bua, es is a Bua“ eine Hofdame mit, dass endlich nach den beiden Töchtern der langersehnte Thronfolger geboren wurde.

Was musste es wohl für sie bedeutet haben, endlich die Verpflichtungen gegenüber ihrem Mann und ihrem Volk, wie es die Erzherzogin bezeichnete, erfüllt zu haben?

Was in ihr vorging, als sie völlig erschöpft endlich den Buben sah, ist wohl nur für wenige nachzuvollziehen.

War es Erleichterung, Freude über den langersehnten Sohn oder Trauer darüber, ein weiteres Kind an die Schwiegermutter zu verlieren?

Es liegt mir fern das Verhältnis der Beiden zu beurteilen, oder gar eine historische Aufarbeitung über das Drama von Mayerling zu schreiben.

Ich möchte nochmals betonen, es sind lediglich die Gedanken, die ich mir an diesem Tag zu diesem Thema machte.

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Foto: Wikimedia/Commons,  Mit nur 2 Jahren trug Rudolf zum ersten Mal die Uniform

 

Mit 101 Salutschüssen hat sein Leben begonnen, mit nur einem Pistolenschuss sollte es auf tragische Weise enden.

Heutzutage kennt man Stillpsychosen und Wochenbettdepressionen, aber zur damaligen Zeit?

Wie kann eine kaum 20 jährige Mutter eine wirkliche Bindung zu ihrem Kind aufbauen, wenn man es ihr weg nimmt?

Wenn kurz zuvor ihre erste Tochter gestorben ist?

All das sind Fragen, die ich mir oft schon gestellt habe, manches Mal ist es aber auch einfacher, etwas aus der Ferne zu lieben.

Wenn man Briefe der Kaiserin an ihren Sohn liest, kann man durchaus meinen, sie liebte ihren Sohn.

Mir ist klar, dass viele hier anderer Ansicht sind, aber für mich steht  fest, dass sie ihn geliebt hat. Auf ihre eigene Weise.

Es ist oftmalig belegt, wie sehr der Kronprinz seine Mutter vergötterte, aber auch darauf will ich nicht wirklich eingehen.

Ich flocht Zopf und Zopf und begann meine Haare aufzustecken, während ich die Szene aus dem Musical vor Augen hatte. Der erwachsene Kronprinz betritt das Zimmer der Kaiserin, bittet sie um Hilfe und beginnt dann das Lied „wenn ich dein Spiegel wär….“

(Elisabeth das Musical – Wenn ich dein Spiegel wär, Michael Kunze & Silvester Levay)

Wie ähnlich waren sich die beiden wirklich? War ihr bewusst, wie sehr er gelitten hatte? Oder waren ihre Fluchten zum Teil auch nur die einzige Möglichkeit – die sie sah – um die „Erziehung“ ihres Sohnes nicht mit ansehen zu müssen?

In einigen erhaltenen Briefen nennt sie ihn „mein liebes Bubi“ selbst die Erzherzogin beschreibt den liebevollen Umgang und den guten Einfluss, den die Kaiserin auf die Kinder hatte.

So schreibt z.B. „das interessante Blatt“ 1889 nach dem Tod des Kronprinzen einen Satz des kleinen Rudi – wie die Wiener ihren Kronprinzen liebevoll nannten – der mich immer wieder berührt:

„der Kaiser nennt mich Rudi, die Mutter ruft mich Bubi und die anderen sagen kaiserliche Hoheit“   (1)

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Rudolf mit 5 Jahren Foto: Wikimedia/Commons

Maria Jose kam und begann mein Korsett zu schnüren, während meine Gedanken immer weiter kreisten.

Befreite die Geburt des Thronfolgers Elisabeth von ihren ehelichen Pflichten und ermöglichte ihr nun ihre so langersehnte Freiheit?

Dennoch meinte sie später einmal, wenn Rudolf wieder kommen würde, so würde sie sich ihn als Tochter und nicht als Kronprinzen wünschen. (2)

Hatte sie ihn wirklich im Stich gelassen, oder waren es einfach die Umstände, die es nicht erlaubten, den kleinen Prinzen mit derselben Liebe zu überschütten, wie seine jüngere Schwester?

Manches Mal ist es leichter aufzugeben, als zu kämpfen wenn der Gegner übermächtig ist.

Es ist leicht aus heutiger Sicht darüber zu urteilen, ob Elisabeth eine gute Mutter war oder nicht, aber wer fragt sich, wie es ihr dabei gegangen ist?

Franz Josef war als nicht gerade sehr zärtlicher Liebhaber bekannt, wie also hatte eine völlig überforderte und verängstigende 16-jährige all dies empfunden?

Woher stammte ihre lebenslange Abneigung gegen körperliche Nähe?

Vielleicht spielte ja all das auch eine Rolle bei dem Verhältnis zu Rudolf und Gisela?
Während ich vorm Spiegel stand und zusah wie Maria Jose mich Schicht für Schicht anzog, Haken um Haken meines Trauerkleides schloss, kamen mir immer mehr Details in den Sinn, die ich irgendwann und irgendwo einmal gelesen hatte.


 

Wir fuhren über die Landstraße Richtung Heiligenkreuz, ähnlich wie das Kaiserpaar es genau ein Jahr nach dem Unglück tat und ich erinnerte mich an Marie Valeries Worte, die in ihrem Tagebuch diesen Tag ausführlich beschrieb.

Man nahm an einer Messe, in dem inzwischen umgebauten Jagdschloss teil und besichtigte anschließend dann das Kloster, das der Kaiser gestiftet hatte. (3)

Mit welchen Gefühl muss sie in der Kirche gesessen und auf den Altar, an dessen Stelle zuvor das Bett gestanden hatte in dem man den Toten gefunden hatte, geblickt haben?

Unfähig zu weinen und leichenblass soll sie gewesen sein, die Kaiserin.

Geistig ihr „Bubi“ vor Augen und hadernd mit der eigenen Schuld.

Es war ein eisiger Tag, die Sonne schien und das Schloss in dem Rudolf hoffentlich auch schöne Stunden erlebt hatte, lag immer noch im leichten Nebel. Mitten im Wiener Wald, umgeben vom schönsten Jagdgebiet.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Die Mauern, die einst das Schloss umgaben, schützen nun das Kloster der Karmelitinnen vor der Außenwelt. Friedlich und still sieht es aus, das kleine Schlössl, in das der Prinz seine Gäste zur Jagd lud.

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Foto: Wikimedia/Commons

1886 erwarb Rudolf einige Gebäude in Mayerling und tauschte diese dann mit den Patern von Heiligenkreuz gegen die Gebäude neben der Laurentiuskirche mit dazu gehörigen zwei Häusern. (4)

1887 wurden größere bauliche Veränderungen durchgeführt und das Anwesen zum eigentlichen Jagdschloss mit nun 2 Trakten umgebaut. Der obere Teil bestand aus dem ehemaligen Gasthaus Eipeldauer, das zu Wohnräumen des Kronprinzenpaares umgebaut wurde.

Es gab einen ebenerdigen Dienertrakt und einen eigens nach der kleinen Erzherzogin benannten „Elisabeth Trakt“

 

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skizze Foto: @mayerling.de   1. Gasthaus Gratzer 
2. Villa (sogenanntes Coburg Schlössel) 
3. Pferdestall (von Rudolf erbaut) 
4. Mayerlinghof 
5. Garten (im französischen Stil) mit Teepavillion und Kegelbahn  
6. Jagdschloss 
7. Osttor (Haupteingang zum Schloss) 
8. Dienertrakt 
9. Nordtor 
10. Elisabethentrakt 
11. Laurenzi-Kirche 
12. Südtor (hier wurde Mary hineingeschmuggelt) 
bzw. S Sterbezimmer 
L Loscheks Zimmer 
E Entré-Zimmer 
von hier aus wurde die Tür aufgebrochen

Der Schlosshof bestand aus einem französischen Garten mit Springbrunnen. (5)

Unterhalb des Schlosses befand sich ein zweiter Garten mit einer überdachten Kegelbahn, die auch als Schießstand diente.

Wohnungen für die Hofdame der Prinzessin, die Jäger sowie für die Familie des Prinzen von Coburg befanden sich ebenso im Jagdschloss, wie Gästezimmer und ein Stall für die Pferde. (6))

Am 19. November 1887 wurde das Schloss eingeweiht, als Gäste waren das Kaiserpaar, das Ehepaar Coburg und einige Jagdfreunde von Rudolf geladen.

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Erzherzogin Elisabeth Marie. Foto: Wikimedia/Commons

In den beiden Jahren bis zu seinem Tod fanden hier nur 10 Jagden statt, Kronprinzessin Stefanie war lediglich 2 mal zu Besuch im Wiener Wald und die kleine Erszi einmal, allerdings ohne ihre Eltern!

 

Graf Hoyos war öfters zu Gast beim Kronprinzen, ebenso wie sein Schwager, Prinz Phillip von Coburg, der bei fast allen Jagden anwesend war.

Heute kommen ebenfalls wieder Gäste nach Mayerling, um das Jagdschloss zu besuchen. Gäste, die das Museum besichtigen und vielleicht das ein oder andere Gebet in der Kirche für den Kronprinzen sprechen wollen.

Statt dem Schlosstor empfängt heute ein modernes Besucherzentrum seine Gäste, um denselben das eine oder andere Souvenir zu bieten.

 

Mir selbst war dieses Eingangsgebäude zu modern, es passte nicht in „mein Bild“ von Mayerling.

Der leicht ansteigende Weg vom Besucherzentrum zur Kirche war in ein seltsames Schweigen gehüllt, unterbrochen nur durch das eine oder andere Schluchzen einer meiner Begleitungen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Ich muss gestehen, auch wenn ich schon an vielen Orten war, dieser hier hatte eine ganz besondere Aura wenn man es so nennen möchte.

In keinem anderen der Schlösser war für mich der Tod so greifbar wie hier.

Eine eigenartige Stille umfing dieses Gebäude, auch wenn hin und wieder Stimmen von Besuchern erklangen, so wirkten sie doch irgendwie fern und unwirklich.

Eskortiert von Husaren, die die Türen öffneten betraten wir die Kirche.

Man hatte im Mittelgang zwei Stühle bereitgestellt, auf die wir zuschritten.

Nur das Rascheln meiner Schleppe am Steinboden war zu hören, fast ein wenig gespenstisch wirkte die Szene.

Völlig in schwarz gehüllt, wie sollte es auch anders sein, gingen wir an den Bankreihen vorbei, die sich nach und nach mit unserem Gefolge füllten.

Es wäre mir unpassend erschienen, etwas anderes hier zu tragen als Trauer!

Somit war nicht nur ich, sondern an diesem Tag mein „gesamter Hofstaat“ in tiefer Trauer, um dem österreichischen Kronprinzen die letzte Ehre zu erweisen.

Der Begriff der „Hoftrauer“ ist was die Kleidung betrifft exakt festgelegt. Dazu zählt das Tragen von schwarzen Kleidern, schwarzen Schleiern und schwarzen Schmuck.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Schwestern erschienen, geschützt durch ihre Gitterwand, um den Gottesdienst beizuwohnen und die Glocken begannen zu läuten.

Der Kronprinz, der von klein auf an Jagden teilnahm und dadurch wohl eine der selten Möglichkeiten fand, Zugang und vielleicht auch ein wenig Zuneigung vom Vater zu bekommen, pflegte die Jagd als eines seiner liebsten Vergnügen.

Kaiser Franz Joseph I und Kronprinz Rudolf

Foto: @austriaforum.at

Je besser die Erfolge des kleinen Rudi wurden, umso mehr Lob erntete er dafür vom übermenschlich verehrten Vater!

 

Bereits mit 8 Jahren erlegte er seinen ersten Hirsch und nahm an der Seite des Kaisers an unzähligen Jagden teil.

Bald schon folgten Hochgebirgsjagden im Salzkammergut und der Hochsteiermark.

Sein Jagdprogramm wurde immer dichter, je mehr Einladungen des Hochadels folgten. So verbrachte er laut seinem Tagebuch von 365 Tagen im Jahr 1885 200 Tage im Revier!!!  (8)

Gegen Ende seines Lebens nahm allerdings diese Jagdleidenschaft zunehmend ab. Eine der letzten Jagden an denen er teilnahm, war an der Seite des Kaisers in Mürzsteg!

Österreichisches Staatsarchiv

Rudolf in Jagdkleidung. Foto: @österr. Staatsarchiv

Am 23. Jänner ging Rudolf das letzte Mal auf die Pirsch.


 

Am Samstag dem 26. Jänner teilte Rudolf seinem Leibjäger Püchel mit, dass er am kommenden Dienstag nach Mayerling fahren wolle, um auf Hochwildjagd zu gehen.

Am Sonntagabend fand anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. in der deutschen Botschaft ein großer Empfang statt, bei dem Kaiser Franz Josef, das Kronprinzenpaar und sämtliche Diplomaten erschienen.

Dieser Empfang sollte der letzte öffentliche Auftritt des Kronprinzen werden. (9)

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Stephanie und Rudolf bei ihrer Verlobung. Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Tag arbeitete der Kronprinz wie gewohnt und teilte nach einer Besprechung mit Oberstleutnant Albert Mayer seinem Leibjäger Püchel mit, dass er seine Pläne geändert und nun heute schon hinaus fahren wolle. (10)

Die genauen Umstände, wie Mary Vetsera an diesem Tag in die Hofburg kam und von dort aus mit Hilfe des Kutschers Bratfisch zu dem vereinbarten Treffpunkt gelangte, um in Rudolfs Kutsche Richtung Mayerling zu fahren, möchte ich nicht näher erläutern.

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Marie Alexandrine Freiin von Vetsera. Foto: Wikimedia/Commons

Den am nächsten Morgen eintreffenden Jagdgästen erzählte Rudolf jedoch von Schwierigkeiten bei der Anreise, dass sein Wagen hängen geblieben sei und er sich beim Anschieben scheinbar erkältet habe, wodurch er an der Jagd nicht teilnehmen würde.

Von der Anwesenheit der Baroness ahnten die hohen Gäste wohl zu diesem Zeitpunkt nichts. (11)


 

Über den Tathergang dieser Nacht, die wohl für immer die österreichische Geschichte veränderte, werde ich mich auch nicht weiter äußern, da es zu diesem Thema mehr als genug Lektüre gibt.

Was genau an diesem Morgen des 30. Jänner 1889 geschah bleibt Spekulation, aufkommende Gerüchte, die sich bis heute halten wurden nicht weiter dementiert und trugen zusätzlich zum Mythos Mayerling bei.

Die beiden einzigen Zeugen Loschek und Graf Hoyos widersprachen sich mehrfach in ihren Aussagen.

Während Prinz Coburg zur Bewachung im Schloss zurück blieb, eilte Graf Hoyos nach Wien, um die Todesnachricht zu überbringen.

 

Dabei wurde den Eltern zuerst die Version einer Vergiftung des Kronprinzen durch Mary Vetsera berichtet.

Erst am nächsten Morgen konnte, der nach Mayerling gerufene Dr. Widerhofer die tatsächliche Todesursache dem Kaiser am Nachmittag selbst mitteilen. (12)

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Foto: @41-42 stammtischlaa

 

Während bereits erste Zeitungen durch Sonderausgaben über den Tod des Kronprinzen durch Schlaganfall, einen Jagdunfall bzw. einem Herzanfall berichteten, machte sich eine Hofkommission auf den Weg nach Mayerling. (13)

 

In einen kupfernen Sarg gelegt, wurden die sterblichen Überreste des Kronprinzen mit der Bahn zurück nach Wien gebracht.

Die weibliche Leiche wurde erst am nächsten Tag untersucht.

 

Der Sonderzug des Kronprinzen kam am Südbahnhof an und wurde von dort in die Hofburg gebracht, wo Rudolf gegen 2 Uhr morgens in seinem Schlafzimmer aufgebahrt wurde.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Am Abend des 31. Jänner läuteten die Glocken der Laurentiuskirche, in der Abt Grünbeck eine Trauermesse für den verstorbenen Kronprinzen in Mayerling zelebrierte (14)

Die Anwesenheit der 17 jährigen Mary Vetsera wurde der Öffentlichkeit verschwiegen und man setzte sie still und leise im Beisein von Graf Stockau und Alexander Baltazzi am Ortsfriedhof von Heiligenkreuz bei. (15)

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Grab Mary Vetsera, Friedhof Heiligenkreuz Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Messe nahm ihren Lauf und in meinen Gedanken lief dieser Tag weiter. Mit welchen Worten teilte der Graf der Kaiserin den Tod Rudolfs mit, die wiederum zum Kaiser ging, um ihm vom Tod des einzigen Sohnes zu berichten.

Wie nun die Kaiserin diese Tage verbrachte, nachdem man ihr den Tod ihres zweiten Kindes mitteilte beschreibt Marie Valerie in ihrem Tagebuch.

Was sie jedoch empfand, bleibt nur zu erahnen. Gibt es für eine Mutter etwas Schlimmeres als ihr Kind zu Grabe zu tragen?
Im Fall von Elisabeth war es nun das zweite Mal, dass sie in dieser Situation war.

Ob es nun die Tränenausbrüche der Schwestern, oder die stoische Ruhe des gebrochenen Vater war, gelitten haben sie wohl alle. Jeder für sich. Jeder auf seine eigene ihm mögliche Art.

Selbst Stefanie ergoss sich für kurze Zeit in Entschuldigungen und Tränen, wirkte aber kurze Zeit darauf zum Entsetzen der restlichen Familie kalt und distanziert. (16)

Genau ein Jahr nach dem Selbstmord des einzigen Sohnes kniete die Kaiserin an der Stelle, an der nun auch ich mich zum Gebet niederließ.

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Altar Mayerling, Foto: @christine kubec

Während der teilweise lateinischen Messe machten wir uns wohl alle unsere eigenen Gedanken zu diesen schicksalhaften 30 Jänner.

Was treibt einen Menschen dazu, sein eigenes Leben zu beenden?

Wie aussichtslos muss einem die Lage erscheinen in der man sich befindet, um diesen letzten Schritt zu tun?

Ist Selbstmord überhaupt jemals rational erklärbar?

Selbst die hinterlassenen Abschiedbriefe geben keinen wirklichen Anhaltspunkt über das Warum.

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Foto: @planet-vienna.com – Abschiedsbrief an Stephanie

Rudolf wurde zuerst in seinen Gemächern, streng nach Protokoll und später auch in der Hofburgkapelle aufgebahrt, um dem Volk für 2 Tage die Gelegenheit zu geben, sich zu verabschieden. 

Während in Wien nun die kaiserliche Familie den aufgebahrten Kronprinzen ein letztes Mal besuchte, beschreibt Marie Valerie wieder ein für mich berührendes Detail.

Gisela beugte sich über Rudolf, um ihn auf die Lippen zu küssen. Ein Zeichen der tiefen Liebe der beiden Geschwister. (17)

Gisela war es auch, die ihren Vater am 5. Februar zur Trauerfeier in der Kapuzinerkirche und anschließenden Beisetzung in der Kapuzinergruft begleitete, während die Kaiserin, sowie auch die Kronprinzessin, unfähig an diesem teilzunehmen, mit Erzherzogin Marie Valerie in der Josefikapelle  blieb um zu beten. (23)

Begräbnis von Kronprinz Rudolph

Begräbnis von Kronprinz Rudolph
Vor der Kapuzinergruft.
05.02.1889 Foto: @bildarchiv.austria.at

Kann man es ihr verdenken? Der Gedanke hinter dem Sarg des eigenen Sohnes herzugehen, ist vermutlich für jede Mutter unvorstellbar.

Aus Respekt zu den Toten verstummten die Kanonen an diesem Tag, die vor beinahe 30 Jahren die Geburt des Kronprinzen verkündeten, statt dessen läuteten die Glocken des Landes, in dem man tagelange Messen abhielt, um für die Seele des Kronprinzen zu beten.

In der Zeitung „das interessante Blatt“ wurde die Bestattung sehr eindrucksvoll beschrieben.

Auch das von Otto bekannte „Anklopfritual“ an der Kapuzinergruft ist zu Zeiten Rudolf nicht dokumentiert.

Nach Auskunft der Kapuziner Gruft hatte es auch bei Franz Josef nicht stattgefunden. 

Das ganze Land trauerte um den geliebten Kronprinzen der für Liberalität und Fortschritt stand. „Kaiser Rudolf wird der Zeit entgegen gehen“ lautet eine Textzeile aus dem Musical Elisabeth und damit ist vielleicht alles gesagt. (19)


 

Der Pater, vor dem wir immer noch knieten, rief Heilige und Seelige an, um für die Vergebung der Sünden zu bitten.

Fast als wäre man bei einer Totenmesse eines Angehörigen fühlte es sich an, die gedrückte Stimmung breitete sich immer weiter aus und am Ende war ich ehrlich gesagt froh, diesen Ort bald verlassen zu können.

 

Bereits wenige Tage nach dem Unglück stand der Beschluss des Kaisers fest, aus dem Jagdschloss einen Ort zu machen, an dem Tag und Nacht für die Seele des Prinzen gebetet würde.

Er gab den Auftrag zur Errichtung des Klosters.

Die Wahl der Ordensgemeinschaft fiel auf die unbeschuhten Kameliterinnen. Franz Josef selbst legte im Stiftungsbrief des Klosters fest, dass die Schwestern täglich für das Seelenheil des Kronprinzen zu beten haben.  (20)

In den ersten Seiten der Klosterchronik steht geschrieben, die Schwestern wollen Jesus Christus anbeten und ehren, um dadurch die Beleidigungen Gottes gut zu machen und diese zu sühnen, welche hier geschehen sind. (21)

Der Gottesdienst näherte sich seinem Ende und die Schwestern, die hinter der vergitterten Wand ihren Platz eingenommen hatten, verließen die Kirche wieder.

Kleider raschelten, Säbel klirrten und wir erhoben uns immer noch schweigend, um ebenfalls diesen denkwürdigen Ort zu verlassen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Franz Josef selbst verließ Mayerling nach seinem ersten Besuch im Kloster am 2. November 1889 mit den Worten „Ich kann Ihnen nicht genug empfehlen, für meinen armen Rudolf zu beten“ (22)

Kaiser Franz Josef war insgesamt 8 Mal in Mayerling zu Besuch bei den Ordensschwestern, vier Mal war Kaiserin Elisabeth an seiner Seite.

Nach der Ermordung der Kaiserin, kam Franz Josef nie wieder in das Jagdschloss im Wiener Wald.

 

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Jagdschloss Mayerling – heute Kloster der Kamelitinnen. Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Ein Jagdschloss wird zum Kloster.

Da die Zellen der Kamelitinnen ganz schlicht und einfach ausgestattet sind, wurden sämtliche Parkettböden, Kamine und Holzlamperien herausgerissen.

Unverändert bis heute blieb das Treppenhaus mit der Eichenholzstiege.

Der sogenannte „Elisabeth Trakt“ sollte zum Quartier für die kaiserliche Familie bei möglichen Besuchen dienen, daher wurde das bereits schadhafte Dach erneuert und die Zimmer mit dem nötigsten eingerichtet.

Im ehemaligen Dienertrakt entstanden die Klosterküche und das Refektorium.

Der Garten wurde vergrößert und mit einer hohen Mauer umgeben.

Der Teepavillion des Prinzen blieb unverändert erhalten und ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Das Schlafzimmer wird zur Kirche!

Das Sterbezimmer und die angrenzenden Räume wurde abgerissen und auf einem Grundriss von 7.3 x 14m eine neugotische Kirche erbaut.

Der Hochaltar wurde auf Wunsch des Kaisers direkt an der Unglücksstelle errichtet.


 

Schweigend verließen wir diesen Ort, der eine oder andere mit Tränen in den Augen, um unseren Tag fortzusetzen. Einen Tag, der alles verändert hatte, der Türen schloss und Neue öffnen sollte.

Nur eines wird bleiben, die Erinnerung an Rudolf…..

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Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (vollständiger Vorname Rudolf Franz Karl Joseph; * 21. August 1858 auf Neues Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war staatsrechtlich Kronprinz des kaiserlichen Österreich (Cisleithanien) und des königlichen Ungarn. Wie alle habsburgischen Prinzen trug er, den Hausgesetzen des Hauses Habsburg-Lothringen entsprechend, den Titel Erzherzog, im Ungarischen: főherceg, und war mit Kaiserliche und Königliche Hoheit anzusprechen. Bild: @planet-vienna.com

 


 

Ich bedanke mich beim Stift Heiligen Kreuz und dem Karmel Mayerling für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme der Bilder.

Mein Dank gilt auch meinen Damen, die mich an diesem Tag begleitet haben, ganz besonders unserer Maria José, die die Aufgaben einer Zofe an diesen Tagen übernommen hat.

Mein Dank geht ebenfalls an das Team der Kapuziner Gruft, das mich mit wertvollen Informationen unterstützte!

~Sisi~

 


 

Textrecht: Sisi

Bildrechte:

ORF/Kirch Media, ORF.at, austriaforum.at, österr. Staatsarchiv, 41-42 stammtischlaa, planet-vienna.com, sternenkaiserin.com – Sisi, Christine Kubec, Mayerling.de

Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

Literaturhinweise:

Nummer / Seite:

4 – S48, 5 – S59, 6 – S60, 7- S61, 8 – S62, 9 – S63, 10 – S64, 11 – S65, 12 – S70, 14 – S71. 15 – S72, 20 – S81, 21 – S82, 22 – S83, 23 – S93

Diplomarbeit von Peter Rückl 2002

„Mayerling im Verlauf seiner Geschichte“

(von der Laurentius-Kapelle zum Karmel St Josef)

Eingereicht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Theologie der fachtheologischen Studienrichtung

Betreuer: Univ. Prof DDr Floridus Röhrig CanReg

 

1, 13, Das interessante Blatt, separat – Ausgabe, 2. Februar 1889 – ÖNB 

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth, Marie Valerie von Österreich, Herausgegeben von Martha und Horst Schad, Piper Verlag gmbH München Zürich, 6. Auflage – Juli 2011 

2 – S 168, 

17 – S169, 

23 – S174

Textauszug Elisabeth das Musical – Die Schatten werden länger, Silvester Levay & Michael Kunze: 19

Kaiser Franz Joseph I. – Die Kindheit bis zum Thron (Teil 1)

Bevor wir uns – wie in den vorangegangenen Beiträgen – Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph ansehen, beginnen wir mit der Kindheit von Kaiser Franz Joseph I.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Erzherzog Franz Joseph Karl wurde unter höllischen Schmerzen, die 2 Tage und Nächte andauern sollten, als erstes Kind einer überglücklichen Erzherzogin Sophie und dem Erzherzog Franz Karl am 18.8.1830 in Schloss Schönbrunn geboren. Seine Mutter war bereits unter Druck geraten, da sie mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Das Kaiserreich stand nach 6 Jahren Ehe zwischen Sophie und Franz Karl immer noch ohne Thronfolger da.

Unsere Beiträge von Erherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl können hier nachgelesen werden.

 

Stammbaum Kaiser Franz Joseph, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 

Baronin Luise Sturmfeder, Aja von Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Pia. Bei Erzherzog Ludwig Viktor half sie nur noch „miterziehen“ Foto: Wikimedia/Commons

Schon während der Schwangerschaft wurde als Aja (Vorsteherin der Kindskammer) Baronin Louise Sturmfeder (*3.10.1789, † 10.9.1866) bestellt. Sie wohnte auch der schweren Geburt von Franz Joseph bei. Baronin Louise, die von den Kindern nur „Aja“ genannt wurde, wurde sehr geliebt und verehrt.

Louise war eine erzkatholische, stark nach Prinzipien vorgehende Frau, die den kleinen Erzherzog stark prägen sollte. Sophie stillte Franzi, wie er genannt wurde, zunächst selbst. Das war in hochherrschaftlichen Häusern eher ungewöhnlich und nicht die Regel. Auch jeder noch so kleine Fortschritt wurde in Bayern Königin Karoline, der Mutter von Sophie berichtet. Allerdings achtete Sophie stets auf den richtigen Umgangston bei der Aja. Louise nannte Franz Joseph öfters „Mein Prinz“ was der überaus strengen Mutter nicht passte. Man solle ihn „Erzherzog“ nennen. Von Anfang an wurde der Weg vorgegeben: Nach Ferdinands Tod sollte Franz Joseph Kaiser werden.

Die Erziehung war sehr streng. Franz Joseph hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher geführt und vorgeführt. Kontakt zu anderen Kindern war ihm verboten. Dazu schreibt Baronin Sturmfeder: „Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(1)

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831, Foto: Wikimedia/Commons 

Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen. Er wurde deshalb intern „Gottheiterl“ genannt, was leider auch später Franz Joseph noch große Probleme bereiten würde. Aber dazu in einem der nächsten Berichte.

Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist. Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte. Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum. Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Sisi, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.

Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass Aja oft Angst und Bang wurde. Dazu notiert sie in ihr Tagebuch: „Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (2)

1832 kam Ferdinand Maximilian auf die Welt und Aja hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise war Franzi. Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug. Franz Joseph wurde teilweise dressiert. Max hatte große Freiheiten sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen. Der Zwist den die beiden Brüder auch in späteren Jahren auszutragen hatten, wurde sicherlich im Kindesalter forciert. Während Max seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte früh ein.

Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notiert: „Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (3)

Franz Joseph als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I Foto: Schloss Schönbrunn

1833 kam der 3te Sohn Karl Ludwig zur Welt, der auch von Louise übernommen wurde. Karl Ludwigs Erziehung war noch lockerer als die von Max, was dazu führte, dass Ludwig kein guter Schüler wurde. Max und Ludwig werden zu einem späteren Zeitpunkt beschrieben werden. 1835 kam die einzige Schwester von Franz Joseph auf die Welt. Unser Beitrag zu Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia finden Sie hier. 1840 wurde ein weiterer Bruder geboren, allerdings als Totgeburt. 1842 kam der letzte Bruder zur Welt. Der etwas absonderliche Ludwig Viktor. Auch er wird zu einem späteren Zeitpunkt seinen Beitrag bekommen. Franzi war zu dem Zeitpunkt mittlerweile 12 Jahre alt. Aber zurück zum kleinen Franz Joseph.

Da Franzi sehr isoliert wurde, schaute er oft den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu. Im Alter von (angeblich) knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen. Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben. 1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, Miniaturwiedergabe der Burgwache und eine Waffe.

Im Alter von 4 Jahren musste oder durfte Franz Joseph am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen Kaiser und Kaiserin (Großeltern) sitzen. Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen dürfe und zu sprechen habe.

Kaiser Franz II./I., 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein Foto: Heeresgeschichtliche Museum Wien

Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835). Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle. Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.

1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hat tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz hinterlassen. Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).

Bombelles und Coronini lagen ab dem Zeitpunkt oft im Streit miteinander. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (er zeichnete überaus gut), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik. Genau sah das so aus:

Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg, Lithographie von Josef Kriehuber 1853, Foto: Wikimedia/Commons 

Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.

Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).

Heinrich Franz Graf von Bombelles, Lithographie von Josef Kriehuber 1851, Foto: Wikimedia/Commons 

In Politik wurde Franzi von Metternich persönlich gelehrt. Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.
Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer gerieten oftmals in Streit. Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note, jedes Vergehen der Kinder (auch Max und Ludwig nahmen an diesem Unterricht teil).

Der Tag von Franz Joseph fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends. Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt. Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit. Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen- um 19.00 Uhr – statt.

Erzherzog Franz Joseph, 1838 Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt. Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen. Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen zu zeigen fiel ihm schwer.

Sein Lieblingsfach war die Militärische Ausbildung wo er Manöver üben lernte. Als Franz Joseph 13 Jahre alt wurde, wurde er zum Obersten des Dragonerregiments Nr. 3 ernannt. Er notierte in sein Tagebuch: „Es freute mich besonders, daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier-Uniform immer besonders gefallen hatte.“ (4)

Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute. Er notierte 1843 in sein Tagebuch: „Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (5)

Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie, Foto: Schloss Schönbrunn

Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung. Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, † 30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.

Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.

Auf einen der wenigen Freunde die Erzherzog Franz Joseph besaß, muss man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückkommen, aber der Name Eduard Graf Taaffe sollte hier nicht ungenannt bleiben.

Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie. Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk. Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky. Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.

Als er 1848 von dieser letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt. Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem. Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand. Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil. Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie sind nach Innsbruck geflohen. Im April kam sie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte, da sie dort Ostereier verstecken ließ. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch. Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten. Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg in Pest ermordet. Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn. Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt. Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet. Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: billerantik

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben. Obwohl in der Rangfolge eigentlich sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg seinem Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch: „Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons

 

 

 

 

 

 

 

Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt. Franz Joseph I. sollte der Erste und Einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. Sein gesamter Titel lautete:
Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (7)

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 2. Teil unserer Serie über

Kaiser Franz Joseph I.

Gemälde nach Eduard Klieber, 1851 Foto: Dorotheum  Wien

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie, Ingrid Haslinger, Michaela und Karl Vocelka
Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien
Stammbaum: Marie 


Literarische Hinweise:

1 – S. 64, 2 – S. 63, 3 – S. 65,
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

4 – S. 37, 5 – S. 39, 6 – Seite 69/70, 7 – S. 75
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage