Tag-Archiv | Helene in Bayern

Albert Maria Joseph Maximilian Fürst von Thurn und Taxis

Foto: Wikimedia/Commons Albert von Thurn und Taxis

Wir gedenken heute des Todestages von Albert Maria Joseph Maximilian von Thurn und Taxis. Er wurde am 8.5.1867 in Regensburg geboren.

Foto: Wikimedia/CommonsHelene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern

Sein Vater war Erbprinz Maximilian Thurn und Taxis. Seine Mutter Helene „Néné“ Herzogin in Bayern. Sie war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth.

Er war somit der Neffe von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Sein Vater starb kurz nach seiner Geburt (28.6.1867) an einer Lungenlähmung.

Mit 22 Jahren starb sein älterer Bruder Maximilian und somit wurde Albert mit 18 Jahren Fürst.

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Margarete Klementine

Am 15.7.1890 heiratete er Margarethe Klementine Erzherzogin von Österreich. Sie kam aus der ungarischen Linie der Habsburger. Ihr Großvater war Erzherzog Josef, Palatin von Ungarn (sein Beitrag ist hier). Sie bekamen 8 Kinder (7 Söhne, 1 Tochter).

Er engagierte sich rund um Regensburg. Er förderte die Kunst und Kultur, war Bauherr und Wohltäter. 1919 gründete er die Notstandsküche, um der notleidenden Bevölkerung nach dem 1. WK Essen zu spenden. 1923 wurde eine permanente Wohltätigkeit daraus, die bis heute anhält.

Im 2. Weltkrieg war er gegen die Nazis, widersetzte sich aber nicht. Sein Sohn Karl August wurde 1944 von der Gestapo verhaftet. 1945 wurde er befreit.

Unter großem Interesse der Bevölkerung feierten Albert und Margarethe am 15.7.1950 Diamantene Hochzeit.

Fürst Albert von Thurn und Taxis starb am 22.1.1952 84jährig auf Schloss Emmeram in Regensburg. Er ruht in der Familiengruft (nicht öffentlich zugänglich).

~ Marie ~


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie
Bildrechte: Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Martha Schad, Martin Dallmeier
Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis, 300 Jahre Geschichte in Bildern

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen. Das – gerade der Verlobungsakt – in den Sissi Filmen so gut wie gar nichts mit der Realität zu tun hatte, möchten wir heute hier erzählen.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern. Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene, genannt Néné, Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890). Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers (dazu mehr in Teil 5). 

Helene Herzogin in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Somit suchte sie in ihren eigenen Reihen und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war. Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete. Sisi hatte sich unstandesgemäß in Graf Richard Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte. Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Sisis Umfeld entfernt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später. Sisi war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)

Elisabeth, 15jährig Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie. Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte. Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig die Wunden heilen könne. Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus. Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Sisi ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Elisabeth Ludovika, Königin von Preußen, Firmpatin Elisabeths Foto: Wikimedia/Comm

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Bad Ischl. Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester. Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“ Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie). Sie folgte am 13.8. nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Viktor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

 

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an. Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen. Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen. Das Unglück nahm seinen Lauf.

 

Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum Foto: Wikimedia/Commons

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten. Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht. Sophie schreibt ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen: „Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in Sisi.

Souvenir des Verlobungspaares Foto(montage): W. Hain (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Sisi verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: „In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Elisabeth als Verlobte, Foto: Wikimedia/Commons

Sisi ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch: „Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern. Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Elisabeth als Verlobte, Foto: Wikimedia/Commons

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah. Sisi trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi. Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern. Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu: „Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Sisi bat, wussten alle im Raum Bescheid. Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Sisi nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde. Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser „sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz: „Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Prinzessin Elisabeth verlobt hatte. Der kleine Ort, war außer Rand und Band.

Siriuskogel, Foto: Wikimedia/Commons

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E. Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren. Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Sisi war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schreibt sie: „Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notiert: „Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes Foto: Peter Füssl

Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes Foto: Peter Füssl

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ. Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten. Sisi war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Karl Ludwig Graf von Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte. So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar. Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen. So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

 

Kaiservilla Foto: sternenkaiserin.com

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen. Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn. Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

 

 

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sisi wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet. Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben. Sisi verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete. Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch: „Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Sisi auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt: „Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Das junge Paar, Foto: fuenfseenland.de

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen. Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen. Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Sisi litt ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Sisi herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus. Sisi musste stundenlang Modell stehen, was ihr langweilig und sie deshalb unruhig wurde. Der teure Schmuck der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.

Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte mehr als einen Tag.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen, die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer. 60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert. Foto: dorotheum.com

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph Foto: Wikimedia/Commons

Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel, Foto: Wikimedia/Commons

Sisis Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen. Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877) : „Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13) Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Sisis Schmuck und Aussehen. Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte ganz Wien. Die Geschichte zur Hochzeit, kann hier nachgelesen werden. 

 

~ Marie ~

 


Textrechte: Marie Festetics, Brigitte Hamann, Ingrid Haslinger 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise: 

1 – S 30, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 


 

 

 

 

 

Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern

ludovika

Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren. Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Sissi versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Lisl von Possenhofen“ entscheidet.

In vielerlei Hinsicht haben die Filme sogar Recht. Ludovika war eine liebende Mutter, allerdings auch hier gibt es zur Darstellung von Magda Schneider relativ wenig Bezug zur realen Person Ludovika Wilhelmine, die aber in die Geschichte nur als Herzogin Ludovika eingehen sollte.

Ihr Vater König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Max(imilian) I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825) ehelichte am 30.9.1785 Prinzessin Auguste Wilhelmine (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

 

Stammbaum von König Maximilian I und Prinzessin Auguste Wilhelmine, Fotos: Wikimedia/Commons

 

König Max Joseph I, Foto: Wikimedia/Commons

Max war bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte. Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der Tochter. Karoline war anfangs nicht sehr begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – zu. Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Max einging. Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren. Die Ehe galt als ausgesprochen glücklich und liebenswert. 

Ludovikas Halbgeschwister wurden zum Teil sehr berühmte Menschen; u.a. wurde der Erstgeborene (üchHalb)Bruder Ludwig I. von Bayern, König von Bayern, der mit der unleidlichen Affäre mit Lola Montez in die Annalen der Geschichtsber einging. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Stammbaum von Herzogin Ludovika, Fotos: @Wikimedia/Commons

Königin Karoline Foto: Wikimedia/Commons

Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Foto: Wikimedia/Commons 

Ludovika wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Auch hier werden die Geschwister Berühmtheiten; allerdings ist Sophie Friederike sicherlich die Berühmteste. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph. Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt. Die beiden Brüder überleben das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn stirbt gleich bei der Geburt, Maximilian stirbt mit 3 Jahren.

 

 

Schloss Nymphenburg in München, Foto: samot/shutterstock.com

Ludovika wuchs in Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg. Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt: „Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt: Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“ Foto: Wikimedia/Commons

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter. Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte. Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief. Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Sie wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte. Aber ich greife vor.

König Michael I. von Portugal „Dom Miguel“, Foto: geneall.net

Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Dom Miguel (*26.10.1802, †14.11.1866), der aber von ihren Eltern abgelehnt wurde. Den Schmerz über dieses Verbot, vergaß sie nie.

St. Quirinus, Tegernsee Foto: Christian Sepp

Ludovika wurde gegen ihren Willen mit dem sehr lebhaften Herzog Max in Bayern verlobt. Angeblich war er Prinzessin Maximiliane Josepha versprochen, als diese aber starb, rückte Ludovika nach. Ob dies der Wahrheit entspricht, ist sehr schwer zu glauben. Viel glaubwürdiger ist die Tatsache, dass „eine“ Königstochter geheiratet werden sollte, welche war dabei wohl eher nebensächlich. Wie auch immer. Auf alle Fälle gab es kein Wehklagen und kein Zetern: am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Max entstammte aus der Linie „in“ Bayern (Beitrag kann hier nachgelesen werden), weshalb Ludovika zur Herzogin „in“ Bayern degradiert wurde. Dieser Titel war ihr Zeit ihres Lebens verhasst. 

Herzog Max in Bayern, vom Volk „Zithermaxl“ genannt. Foto: @Wikimedia/Comons

Der unglückliche Spruch, den Ludovika am Tag ihrer Hochzeit ausgestoßen haben soll: „Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“, der auf Wikipedia zu lesen ist, ist wohl der reinen Erfindung der gekränkten und verstoßenen Gräfin Marie Larisch zu verdanken; die hat sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hat. Das sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, dürfte Gräfin Larisch billigend in Kauf genommen haben. Ich greife aber wieder einmal viel zu weit vor. 

Tatsache war allerdings, dass Ludovika todunglücklich war. Sie fand ihren Mann nicht einmal sympathisch. Für Max wiederum war Ludovika hausbacken und langweilig. Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

 

 

Stammbaum Herzog Max und Herzogin Ludovika, Fotos: Wikimedia/Commons

Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar. Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie in Bayern (*24.12.1865, †26.5.1912), schreibt dazu in ihrer Hofchronik 1888: „Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (2)

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München. 1834 kaufte Herzog Max schließlich das Sommerschloss Possenhofen, von allen nur liebevoll Possi genannt und gab damit den Kindern und Ludovika ein zu Hause, das diese sehr liebten.

Schloss Possenhofen, heute, Eigentumswohnungen, Betreten verboten, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten.

Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839, Foto: Wikimedia/Commons

Wichtigste Stütze als Freund und Erzieher der Kinder ist ihr dabei Baron Carl von Wulffen, den sie später zu ihrem Obersthofmeister macht.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein. Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

Herzog Max-Palais, München Foto: Wikimedia/Commons

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher. Sie sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was auch nicht dem strengen Hofzeremionell entgegenkam, da man dort französisch sprach. Und so lernten die Kinder bayrischen Dialekt.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen. Auch zu ihren zahlreichen Enkelkinder hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis. Marie von Redwitz schreibt folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernt: „Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (3)

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Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie Charlotte ihre Korrespondenz erledigen. 

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit der Lebensweise ihrer Kindern „etwas“ überfordert.

Als Sophie Charlotte im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin. Es war nicht Ludovikas Aufgabe zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie zu vermitteln. Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (4)

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Herzogin Sophie Charlotte Foto: Wikimedia/Commons

Als – um auf Sophie Charlotte (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen. Erzherzog Ludwig Viktor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie Charlotte lehnte entrüstet ab.

Erzherzog Ludwig Viktor Foto: Wikimedia/Commons

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie: …“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (5)

Sophie Charlottes Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig II von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein. Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt. Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Extrem schwer verkraftete sie den Tod der geliebten Schwiegertochter Sophie von Sachsen (*15.3.1845), welche kurz nach der großen Verlobungsfeier von Ludwig und Sophie Charlotte kaum 22jährig am 9.3.1867 verstarb. Der Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Gackel – Carl Theodor – mit voller Wucht. Noch dazu, weil die kleine Amalie, gerade einmal im 2ten Lebensjahr war. Den Bericht über Sophie von Sachsen könnt ihr hier nachlesen. 

Herzog Carl Theodor mit Maria José, Foto: @Wikimedia/Commons

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut. Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in 2ter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Herzogin Marie Sophie Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Mathilde Foto: Wikimedia/Commons

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie unglücklich. Um kurz einen Einblick zu gewähren:
Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein kleinwüchsiger König auf sie wartete, das Unglück nahm seinen Lauf. Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist. Und Mathilde wurde mit einem schweren Alkoholiker verheiratet, der sich schließlich 50jährig in Paris das Leben nahm. 

Wie man sieht, besaß Ludovika in der Wahl der Ehemänner kein gutes Händchen. Sie war sehr ehrgeizig auf Titel und Krone und so war ihr der Titel Königin von Neapel (Marie) wichtiger, als das Glück der Tochter. Immerhin hätte schon Sophie Charlotte Königin von Bayern werden sollen. 

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Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890 Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Ludovika in Mitten ihrer Lieben (v.l.n.r.) Sophie Charlotte, Mathilde (stehend), Carl Theodor und Max Emanuel Foto: Wikimedia/Commons

Eine weitere Liebe von Ludovika waren ihre Hunde. Sie liebte Spitze über alles, vor allem weiße. Und die durften im Haus alles, sogar bei Tisch sitzen, was bei so manchem Gast großen Ekel erregte, denn die Flöhe der Hunde sprangen auf den Tellern herum, die zwar sofort ausgetauscht, dennoch die Hunde nicht vom Tisch entfernt wurden.

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen. Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Frau sehr. 

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen.

Sophie von Sachsen Foto: Wikipedia/Commons

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war. Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam.

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (6)

Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie Charlotte ist die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Viktor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schreibt: „Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (7) 

Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern starb am 26.1.1892 im Herzog Max-Palais. Sie wurde in der Familiengruft im Kloster Tegernsee bestattet.

 

~ Marie ~

 


Danksagung:
Ich möchte dem Historiker Christian Sepp danken, der mir mit Rat und Tat und vielen Hinweisen durchgeholfen hat. Seine Biografie über Herzogin Ludovika wird im Frühjahr 2018 im August Dreesbach Verlag erscheinen. 


Rechtliche Hinweise:
Stammbaum: Marie 
Textrechte: Marie, Brigitte Hamann, Christian Sepp, Marie von Redwitz 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, geneall.net, samot/shutterstock.com, Christian Sepp, sternenkaiserin.com – Marie


Literaturhinweis:

Christian Sepp

Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 2014, 1. Auflage

1 – S 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S 21, 3 – S 13/14, 7 – S 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921 (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Kulturpolitik, München 1924

4 – S 133, 5 – S 416, 6 – S 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe