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Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern

Foto: rct.uk, Königin Marie von Neapel-Sizilien

Wir gedenken heute des Todestages von Marie Sophie Amalie Herzogin in Bayern, bekannt als Marie Sophie Königin von Neapel-Sizilien. Sie wurde am 4.10.1841 im Schloss Possenhofen geboren.

Foto: Wikimedia/Commons Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern. Ihre Mutter Ludovika Prinzessin von Bayern.

Marie wuchs, wie alle Kinder des Paares frei und liebevoll in Schloss Possenhofen und im Palais Max in München auf. Sie war eine Schwester von Kaiserin Elisabeth und Schwägerin von Kaiser Franz Joseph.

Obwohl ihr Vater nicht oft zugegen war, war Ludovika eine liebevolle Mutter, die sich um die immer größer werdende Kinderschar kümmerte. Sie engagierte Hauslehrer, ließ die Kinder auch in Sport unterrichten, so dass diese Schwimmen, Bergwandern und die Buben Jagen lernten. Selbstverständlich gehörte der Reitunterricht dazu. Gerade Sisi perfektionierte diesen Sport in der Zirkusarena im Palais Max bis zum Umfallen.

Herzogin Ludovika kannte allerdings keine Gnade, wenn es um die Wahl ihrer Schwiegersöhne ging. Von Ehrgeiz zerfressen ihre Töchter so hoch wie möglich zu verheiraten, war ihr jedes Mittel Recht. Ob diese dabei glücklich wurden, spielte dabei keine Rolle. Erst im Nachhinein jammerte sie in ihren Briefen wie viel Unglück sowohl Sisi, Marie, Sophie und Mathilde mit ihren Ehen erfuhren. Dabei wurde sie jedes Mal zuvor gewarnt.

Auch bei der Wahl auf den neapolitanischen Kronprinzen Francesco (Franz) schlug der bayrische Gesandte Freiherr von Verger Alarm. Er warnte das Herzogspaar ausdrücklich vor dem völlig ungebildeten 16jährigen, der auch noch körperliche Mängel vorzuweisen hatte. Nicht nur, dass das Reich Neapel auf dünnen Beinen stand (die Aufständischen wurden immer mehr im Land), so könne der schwache Jüngling auf lange Zeit gesehen weder regieren, noch das Reich erhalten. Er sei weder geistig, noch körperlich in der Lage dazu. Marie musste ob dieser Worte Angst und Bang werden. Doch ihre Eltern kannten kein Erbarmen.

Nach einem Kaiser, sollte ein König Einzug ins Herzogshaus halten. Max und Ludovika schlugen als erste Begegnung wieder Ischl vor. Doch die Schwiegereltern erschienen ohne ihren Sohn. Diese hatten in weiser Voraussicht den Jüngling nicht mitgenommen. Marie weinte sich in den Schlaf. Elisabeth merkte, dass etwas nicht stimmte, doch es half nichts. Ihr Vater verkündete am 2.9.1857 die Verlobung. Als Marie dann noch ein Bild ihres Verlobten geschenkt bekam, ahnte sie nicht, dass dieses geschönt war.

Zwischenzeitig fand noch am 24.8.1858 die Hochzeit zwischen Néné (Helene in Bayern) und Maximilian von Thurn und Taxis auf Possenhofen statt. Das Paar war sich in Liebe zugeneigt und wurde – als einziges der Mädchen – sehr glücklich. Marie weinte bei der Hochzeit beinahe ununterbrochen.

Foto: Wikimedia/Commons, König Franz II von Neapel-Sizilien

Am 8.1.1859 fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München die Trauung per procurationem (in Abwesenheit des Bräutigams) statt. Die 17jährige Marie trug ein wunderschönes weißes Spitzenkleid, auf der Brust ein Medaillon ihres Bräutigams. Als Stellvertreter führte sie ihr Cousin Luitpold Prinz von Bayern vor den Altar. Schenkt man Beobachtern Glauben, war sie eine sehr unglückliche Braut, die mit Ungewissen in ihre Zukunft ging und ihren Bräutigam noch immer nicht persönlich kannte.

Am 13.1.1859 war es so weit. Sie reiste mit ihrer Familie nach Bari, Italien, um Franz endlich persönlich gegenüber zu stehen. Es muss für die wunderschöne, gertenschlanke, Elisabeth unglaublich ähnlich sehende Marie ein unfassbarer Schock gewesen sein, als sie den Kronprinzen zu Gesicht bekam.

Er war nicht nur um einen Kopf kleiner als sie (gut, dass war Kaiser Franz Joseph gegenüber von Kaiserin Elisabeth auch), aber er war auch noch unsagbar hässlich. Mit stoischer Miene ehelichte sie am 3.2.1859 in Bari den Kronprinzen noch einmal.

In der Hochzeitsnacht dann die große Überraschung. Die Ehe konnte nicht vollzogen werden. Franz litt an einer Vorhautverengung. Ganze 10 Jahre ließ er sich nicht operieren und die Ehe blieb nicht vollzogen.

Marie litt unter schrecklicher Einsamkeit und trauerte ihrer Kindheit hinterher. Wie in dieser Zeit üblich, durfte auch sie von ihrem alten Leben nichts mitnehmen, so dass ihr alle Personen fremd waren und auch die Kleider nicht die ihren waren. So kam sie auf die Idee den Bruder von Franz Ludwig Graf von Trani mit ihrer Schwester Mathilde „Spatz“ zu verheiraten. Der Verkupplungsversuch gelang und schon bald wurde Hochzeit gefeiert, so dass Spatz wieder bei ihr war und sie gemeinsam leben konnten.

Kurz nach der Trauung starb ihr Schwiegervater König Ferdinand II am 22.5.1859, weshalb ihre Schwiegermutter Königin Maria Theresia, eine geborene von Habsburg „pro forma“ die Regierungsgeschäfte übernahm. Dies deshalb, da Franz geistig nicht fähig war zu regieren. Marie wurde „pro forma“ Königin.

Die Aufständischen Giuseppe Garibaldi und Francesco Crispi planten einen Putschversuch um die Bourbonen zu entthronen. Die Armee und eine Horde Freiwilliger halfen ihnen bei ihrem Plan und stürmten den Palast.

Marie wandte sich hilfesuchend an ihren Schwager Kaiser Franz Joseph und ihre Schwester Kaiserin Elisabeth. Doch Österreich unterlag dem Sardinischen Krieg, Hilfe war daher ausgeschlossen.

General Felix von Schumacher, Marie und Franz fanden Zuflucht auf der Festung Gaeta, die allerdings kurz darauf ebenso beschossen wurde. Ihr schwachsinniger Mann wollte sich ergeben. Doch er hatte nicht mit dem Kampfgeist seiner schönen Frau gerechnet. Die 19jährige Marie versorgte die Verwundeten, verteilte die Vorräte und schoss sogar selbst mit einem Gewehr auf die Aufständischen. Tag und Nacht verteidigte sie die Festung vor den Rebellen.

Doch der Kampf war zwecklos. Am 13.2.1861 musste König Francesco die Kapitulation unterzeichnen. Dem königlichen Paar wurde ein feierlicher Abgang beschert. Die Aufständischen hatten den allergrößten Respekt vor Königin Marie, die so viel Kampfgeist bewiesen hatte. Auf einem französischen Schiff fuhr die Familie Richtung Rom, wo sie zunächst im Vatikan ihr Exil fanden.

Danach blühte Marie erst so richtig auf. Kein Skandal war ihr zu klein. Am 24.11.1862 bekam sie ein uneheliches Kind. Laut Marie Gräfin von Larisch Zwillinge. Der Vater soll ein gewisser Armand Graf de Lavayss gewesen sein; der in der päpstlichen Armee gearbeitet haben soll. Doch Larisch Biografin Brigitte Sokop konnte dies widerlegen. Es gab weder im Vatikan einen Lavayss, noch gab jemals dieses Adelsgeschlecht. Historiker Dr. Graf fand heraus, dass die Mädchen die angeblich auf die Namen Marie Luise und Luise Marie im Dominikanerinnenorden St. Ursula in Augsburg getauft worden waren, kein Eintrag finden ließ. Der Name des Pfarrers der die Taufe vollzogen haben soll, war derselbe Name, der Marie von Wallersee getauft hat, bekannt als verheiratete Marie von Larisch, welche später von Kaiserin Elisabeth durch die Kronprinz Rudolf Affäre Zeit ihres Lebens geschnitten wurde.

Dennoch wird heute noch dieser Name als Vater des Kindes von vielen Biografen übernommen.

Sokop fand heraus, dass das Mädchen vom Gesandten Salvador Bermudez de Castro oder aber von Ludwig von Trani abstammen könnte. Ludwig von Trani war niemand geringer als der Ehemann ihrer Schwester Mathilde. Was aus dem Kind wurde, ist bis heute ungeklärt.

Aus Dankbarkeit für die monatelange Versorgung schenkte Marie dem Orden ihr italienisches Brautkleid, ihren Spitzenschleier und eine wertvolle Alabaster Petrusstatue. Weiters übergab sie jedem Kind der dazugehörigen Volksschule eine Silbermedaille mit der Aufschrift „Zur Erinnerung an den hohen Besuch Marie Königin von Neapel“. Immerhin gehörten 500 Kinder zur Schule.

Foto: Wikimedia/Commons Kaiserin Elisabeth zu Pferd

Danach zog sie sich nach München ins Schloss Biederstein zurück, um sich auf die Annullierung ihrer Ehe vorzubereiten. Doch die Familie Wittelsbach zeigte sich entsetzt und redete vehement auf Marie ein und so kehrte sie zu Franz nach Rom zurück, der sie mit offenen Armen empfing. Das Paar sprach sich aus und rückte nun näher zusammen. Ab sofort sollte so etwas wie ein Eheleben stattfinden.

1869 ließ sich ihr Mann endlich operieren, so dass nach 10jähriger Ehe diese nun vollzogen werden konnte. Das gemeinsame Kind Maria Christina Pia kam am 7.12.1869 zur Welt, starb allerdings bereits am 28.3.1870. Danach war Marie eine Zeitlang nicht mehr zu bändigen.

Sie ging oft und gerne mit ihrer Schwester Mathilde auf Europa-Reise. Dabei begegnete sie allzu häufig ihrer Schwester Kaiserin Elisabeth.

Als diese ihre Reitleidenschaft für England und Irland entdeckte, lernte Marie auch Bay Middleton kennen. Was nun folgte war eine Beispiellosigkeit an Neid, Eifersucht und Intrigen.

Foto: Wikimedia/Commons Kronprinz Rudolf hoch zu Pferd Ölbild Tadeuz Ajdukiewicz

Marie von Festetitcs, Hofdame und Vertraute gab diese Intrige und neidvollen Tage seitens Marie in ihrem Tagebuch wieder. Von Anfang an war Marie außer Rand und Band, als sie den rothaarigen, kleinen Reitlehrer von Elisabeth sah. Obwohl Franz sie zu dieser Reise begleitete und das Paar mittlerweile sich versöhnt hatte und auch in Liebe zugetan war, missachtete sie Franz und herrschte ihn in einer Tour an. Sie brüskierte ihn vor allen Leuten, machte ihn zum Hanswurst und flirtete vor allen mit Bay herum, der sie links liegen ließ.

Als Kronprinz Rudolf anreiste, von seiner Mutter eingeladen und stolz darauf, bei der Reitleidenschaft und -tagen dabei sein zu dürfen, ahnte er nicht, was auf ihn zukommen würde. Von Anbeginn an, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Marie okkupierte ihn beinahe und ließ ihn nicht aus. Sie führte ihn vor wie einen Dackel und Elisabeth konnte kaum an ihren eigenen Sohn heran.

Foto: Wikimedia/Commons Bay Middleton

Am Reittag selbst sprang Kronprinz Rudolf mit Bay herum, als sei er ein Diener und nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen und nicht der 1. Reiter und höchste Reitlehrer seiner Mutter. Doch Elisabeth merkte nichts, da sie Voranritt, dem Tode näher, als dem Leben, denn am Pferd war sie wie eine Wilde und alle rund um sie hatten um sie Todesangst.

Marie von Festetics sah den Kronprinz in einem Salon und nach einem längeren Gespräch, gestand ihr dieser, dass ihm seine Tante zur Seite genommen und ihn aufgeklärt habe, dass eine Mutter eine Affäre mit Bay hätte. Die Hofdame, die Marie sowieso nicht leiden konnte, da sie alle von oben herab behandelte, fiel beinahe in Ohnmacht. Sie versicherte mit allen Schwüren die ihr einfielen, dass ihre Herrschaft, auf infamste diffamiert worden sei. Noch am selben Abend klärte Marie von Festetics die Kaiserin auf.

Schon am nächsten Tag stellte Kaiserin Elisabeth ihre Schwester persönlich zur Rede. Zuerst stritt Marie alles ab. Diese war so beleidigt, dass Bay die Kaiserin trainierte, Marie aber weder trainieren, noch eines Blickes würdigte, dass sie diese Intrigen sponn. Der Neid und die Eifersucht floss Marie beinahe aus den Augen. Denn auch sonst ließ sie kein Fettnäpfchen aus. Sie rauchte öffentlich Zigarillos, ging nackt baden und brüskierte wo sie nur konnte.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Foto: Wikimedia/Commons Mathilde Gräfin von Trani

Um Rudolf zu zeigen, dass es Elisabeth ernst und sie vollkommen unschuldig war, brach sie mit ihrer Schwester Marie. Da Spatz Marie zu Hilfe eilte und sich auf die Seite von Marie stellte, brach Elisabeth auch mit ihr. Zeit ihres Lebens sprach Elisabeth kein Wort mehr mit Marie. Dies ging so weit, dass Marie nach dem gewaltsamen Tod von Kaiserin Elisabeth nicht zu den Begräbnisfeierlichkeiten eingeladen wurde.

Marie zog sich mit Franz nach Paris zurück, wo sie mit Sophie Herzogin von Alençon zusammen traf. Das Paar kaufte in Neuilly-sur-Seine eine Villa und wohnte von da an feudal. Immer mehr freundeten sie sich an, bis sie nicht mehr voneinander lassen konnten. Von nun an, sah man die beiden nur noch gemeinsam. Franz und Marie hatten endlich zueinander gefunden.

Im Gegensatz zu Marie, konnte Mathilde das Verhältnis zu Sisi wieder aufnehmen. Spatz und Elisabeth waren wieder Schwestern, Marie und Elisabeth blieben Todfeinde. Sophie unglücklich in ihrer Ehe mit Ferdinand Herzog d’Alençon und auch Mathilde ließ sich in Paris nieder, als ihr Mann Ludwig sich schließlich umbrachte. Die drei Schwestern sahen sich jeden Tag und verbrachten viel Zeit miteinander. Umso härter traf es Marie, als ihr Franz am 27.12.1894 starb. Sie sollte ihn als Witwe um 31 Jahre überleben. Von nun an zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Als Sophie 1897 beim Brand im Bazar de la Charité zu Tode kam, nahm es ihr beinahe den Atem. Mathilde und Marie verließen Paris für immer und zogen nach München zurück, wo sie auch die Strapazen des 1. Weltkrieges gemeinsam erlebten.

Königin Marie von Neapel-Sizilien starb 83jährig am 19.1.1925 in München. Sie ruht neben ihrem Mann und Tochter in Rom in der Kirche „Via Giulia“.

~ Marie ~

Info nebenbei:

Wer die Geschichte rund um Bay Middleton lesen möchte, kann dies gerne hier tun:

https://sternenkaiserin.com/2017/04/09/william-george-bay-middleton/

Wer die Geschichte von Sophie Herzogin d‘ Alençon lesen möchte (Achtung, die Geschichte ist nicht für Jedermann!) ist hier richtig:

https://sternenkaiserin.com/2020/05/04/der-grausame-tod-von-herzogin-sophie-charlotte/


Text: Marie
Blogbeiträge: Marie
Bildrechte: rct.uk, Wikimedia/Commons, jourfixe-muenchen-ev.com


Literarische Hinweise: 

Hermann von Witzleben 
Herzöge in Bayern (nur noch antiquarisch erhältlich 

Bernhard Graf 
Sisis Geschwister Bildband (nur noch antiquarisch erhältlich)