Tag-Archiv | – Erzherzog Franz Karl

Schloss Artstetten – oder der Besuch der Tante…

[bezahlte Partnerschaft]

Im Zuge des Projekts Denkmäler Leben führte uns unsere Reise in eines der vielleicht schönsten Schlösser an der Donau. Schloss Artstetten ist ein Schloss in der Marktgemeinde Artstetten-Pöbring im Bezirk Melk in Niederösterreich und befindet sich immer noch im Besitz der Familie Hohenberg. Der Name Hohenberg ist vermutlich den meisten von Euch ein Begriff, da er untrennbar mit der österreichischen Geschichte verbunden ist, mehr dazu aber später.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Schloss Artstetten war eines der ersten Schlösser, die ich gemeinsam mit Mariechen und unserer damaligen Fotografin besucht hatte, somit war dieser Besuch im Juni bereits das zweite Mal dass wir zu Gast bei der reizenden Gräfin Alix waren.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Heute noch erinnern wir uns mit Freude an ihre Worte, als wir uns zum ersten Mal begegneten:

 „Es ist, als wenn die Tante zu Besuch wäre…“

Ein Kompliment, das schöner nicht hätte sein können.

Etwas ganz Besonderes war mit Sicherheit die Bitte der Gräfin, die Gruft zu besuchen, da Franz Ferdinand die Tante so sehr gemocht hatte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Name Artstetten erstmals urkundlich erwähnt. Aus der mittelalterlichen Feste wurde im Laufe der Jahrhunderte ein Schloss, das unzählige verschiedene Besitzer hatte, bis es 1823 Kaiser Franz I. erwarb und es dadurch zu Habsburger Besitz wurde.

Kaiser Franz I. wurde auch „Der Blumenkaiser“ genannt. Schloss Artstetten war nur eines unter vielen in der Region, die er besaß. Im Umkreis von zwanzig Kilometern gehörten ihm vierzehn weitere Schlösser wie z.B. Persenbeug, Leiben, Pöggstall und Luberegg.

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Franz I. mit den Insignien des Kaisertums Österreich, (Friedrich Amerling 1832) Foto wikimedia/commons

Schloss Artstetten wurde ursprünglich als Witwensitz für die Kaiserin Karolina Augusta, die vierte Frau von Kaiser Franz I. und Halbschwester von Erzherzogin Sophie, der Schwiegermutter von Kaiserin Elisabeth, vorgesehen.

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Karoline Charlotte Auguste von Bayern, Foto: wikimedia/commons

Dreißig Jahre später ging das Schloss in den Besitz seines Sohnes, Erzherzog Franz Carl, dem Vater von Kaiser Franz Josef und Erzherzog Carl Ludwig über.

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Franz Karl von Österreich, Lithographie von Josef Kriehuber, 1850 Foto:wikimedia/commons

Erzherzog Carl Ludwig, Vater von Erzherzog Franz Ferdinand, erbte das Schloss im Jahr 1861. Er gestaltete das Haus innen wie außen großzügig um.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Er ließ u.a. jenes Badezimmer installieren, das heute im Museum zu sehen ist. Auch der Pool oberhalb des Schlosses wurde von Carl Ludwig errichtet.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

1889 übergab Erzherzog Carl Ludwig das Schloss Artstetten seinem ältesten Sohn, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der es nach seinen Vorstellungen weiter umbauen ließ.

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Franz Ferdinand als Kaiser von Österreich, Porträt von Wilhelm Vita (HGM) Foto:wikimedia/commons

Seit 1913 präsentiert sich Schloss Artstetten so wie wir es heute kennen:

als architektonisch reizvolle, von sieben charakteristischen Türmen flankierte Anlage.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Erzherzog Franz Ferdinand ließ das Schloss weiter modernisieren. Es wurden nicht nur elektrische Leitungen und ein Lift eingebaut, sondern auch der „englische Landschaftsgarten“ wurde von ihm angelegt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Um Teile seiner umfangreichen Sammlungen auch in Artstetten unterbringen zu können, ließ er den so genannten  „Neubau“ errichten, in dem sich heute große Teile des Museums befinden.

Wer mehr über das tragische Schicksal von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner geliebten Sophie erfahren möchte, kann das hier:

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Die Schloss- und Pfarrkirche „St. Jakobus der Ältere“ an der Ostseite des Schlosses  ist durch eine Treppe mit dem tiefer liegenden Markt Artstetten-Pöbring verbunden. Die ehemals gotische Kirche wurde 1691–1698 zu einem barocken Saalbau erweitert und bis zum Schloss verlängert.

Erzherzog Franz Ferdinand gestaltete die Pfarrkirche im Stil des Historismus um.

Foto: sternenkaiserin.com – marie

Da seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, wegen ihrer aus der Sicht des Kaisers nicht standesgemäßen Herkunft nicht in der Kapuzinergruft bestattet werden durfte, errichtete er eine eigene Gruft unter der Schloss- und Pfarrkirche. Auch Franz Ferdinand verzichtete auf eine Beisetzung in Wien und wurde seinem Wunsch gemäß ebenfalls in der Gruft in Artstetten beigesetzt. Auf dem gemeinsamen Sockel sind die Worte „Verbunden durch das Band der Ehe, vereint durch das gleiche Geschick“ eingraviert und zeugen heute noch von der großen Liebe, die das Paar verband.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nach dem Attentat vom 28. Juni 1914 erbte der älteste, damals erst zwölfjährige Sohn des Thronfolgers, Maximilian, Schloss Artstetten.

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Franz Ferdinand mit seiner Familie Foto: Hoffotograf 

Nach dem Anschluss von 1938 wurden Maximilian und sein Bruder Ernst (beide erklärte und bekannte Gegner des NS-Regimes) ins Konzentrationslager Dachau deportiert und Artstetten enteignet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges (1945) wählten die Bewohner Artstettens mit Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht Herzog Maximilian für zweimal fünf Jahre zum Bürgermeister des Ortes.

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Herzog Maximilian Foto: schloss-artstetten.at

Erst 1949 erfolgte die Rückgabe des Schlosses durch die Republik Österreich.

Nachdem Herzog Maximilian 1962 starb, wurde er in der Familiengruft beigesetzt, in der bereits sein Bruder Ernst seit 1954 ruhte.

1962 trat Herzog Franz, als ältester Sohn Herzog Maximilians, das Erbe Schloss Artstetten an.

Bereits 1977 nach dem frühen Tod von Herzog Franz überschrieb seine Frau, Herzogin Elisabeth von Hohenberg, Prinzessin von Luxemburg, ihrer ältesten Tochter, Anita Hohenberg, Schloss und Gut Artstetten.

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Anita Hohenberg Foto: schloss.artstetten.at

1980 kehrte Anita Hohenberg mit ihrer Familie nach Artstetten zurück und begann mit der Errichtung des Erzherzog Franz Ferdinand Museums, das 1982 eröffnet wurde.

Um das aus Schloss, Forst- und Landwirtschaft bestehende „Ensemble Artstetten“ als Ganzes zu erhalten wurde 2003 die Anita Hohenberg-Stiftung gegründet.

Als fünfte Generation nach Erzherzog Franz Ferdinand übernahm im Dezember 2015 ihre Tochter Alix de La Poëze d’Harambure-Fraye die Leitung des Familienunternehmens Schloss Artstetten. Das Schloss wird ganzjährig von der Familie bewohnt.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Bei unserem ersten Besuch damals trug ich ein hellblaues Kleid, das ebenso aus der Sissi Trilogie hätten stammen können.

Für den Besuch der wunderschönen Kirche wählten wir bereits beim ersten Besuch ein Tageskleid.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Als wir dieses Mal nach Artstetten zurück kehrten fiel unsere Wahl auf ein ganz besonderes Kleid. Wer kennt nicht die Szene, in der Romy Schneider in Bad Aussee Narzissen pflückt und ihrem Franzl dann in die Arme sinkt?

Ein Kleid mit weißer Lochstickerei und einem bestickten Gürtel, sommerlicher hätte es kaum sein können.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Das Wetter passte perfekt zum Kleid und so hatten wir an diesem Frühsommertag bereits mehr als 30 Grad.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wie schön beim ersten Besuch wurden wir auch dieses Mal überaus herzlich empfangen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Nachdem wir mit dem ausgedehnten Garten und seiner einzigartigen Pfingstrosensammlung fertig waren, dachte ich schon beinahe ich wäre erlöst und dürfte aus dem „Geschirr“, wie die Kaiserin selbst ihre Kleider immer nannte.

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne mein Mariechen gemacht. Nachdem sie im Garten zuvor einen blühenden Jasminstrauch entdeckt hatte, schwante mir bereits schreckliches.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

So wunderte es mich dann auch nicht wirklich als sie mit Hundeblick fragte: „Sisiiiiiii…. Hast du den Jasmin gesehen? Du hast doch das schwarze Kleid auch mit???“

Natürlich wusste sie, dass ich dieses Kleid mit hatte. Natürlich wusste sie auch, dass ich ihr niemals einen Wunsch abschlagen würde.

Also ließ ich mich noch enger schnüren um mir dann das hochgeschlossene Trauerkleid anzuziehen und mit ihr gemeinsam die Familiengruft zu besuchen um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In einem solchen Kleid an einem so persönlichen Ort sein zu dürfen, ist für mich jedes Mal wieder sehr ergreifend.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Ich bedanke mich bei Gräfin Alix de La Poëze d’Harambure-Fraye für die Einladung und freue mich jetzt schon auf das Sommerfest in Schloss Artstetten, an dem ich nächstes Jahr ebenfalls teilnehmen darf. Ich hoffe natürlich ihr kommt uns zahlreich besuchen. 

Wer das Schloss samt Museum besuchen möchte, kann das von 1. April bis 1. November tun. 

Die genauen Öffnungszeiten findet ihr auf:

https://www.schloss-artstetten.at/besucher/oeffnungszeiten/

Einen kleinen Einblick in das Museum bekommt ihr hier:

Ihr solltet auf jeden Fall einen ganzen Tag einrechnen, um die Schönheiten von Schloss und Garten ausreichend genießen zu können.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Artstetten & Waldviertel Tourismus
Mit der bezahlten Kooperation mit Waldviertel Tourismus „Mit Unterstützung von Interreg V-A Österreich – Tschechische Republik | Kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

Sisi


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, schloss-artstetten.at, hoffotograf, Charlotte Schwarz|Fotogräfin

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Schloss Artstetten

Zwischen Auerhahn und Dampflok…

Es war ein sonniger, strahlend blauer Herbsttag als wir uns in Reichenau, einem ehemaligen k&k Kurort trafen. Die Berge schienen zum Greifen nah und das Laub begann sich bereits leicht zu färben.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Vor uns erstrahlte die Rudolfsvilla im goldenen Licht der Herbstsonne und ließ den längst vergangenen Glanz des Anwesens erahnen. Durch ein großes, reichlich verziertes, schmiedeeisenes Tor betraten wir den Park der einst hochherrschaftlichen Villa.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Rudolfsvilla steht in der Thalhofstraße in der Marktgemeinde Reichenau mit Blick auf das wunderschöne Raxgebirge im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Als am 5. Mai 1842 der erste Abschnitt der Südbahn von Wien bis Gloggnitz eröffnet wurde, avancierte das Semmeringgebiet zur bevorzugten Sommerfrische der Wiener Gesellschaft.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Als Unterkunftsmöglichkeit für das allerhöchste Paar wurde 1856/1857 eine schlossartige Villa an der Stelle vom ehemaligen „Haus an der Waag“ nach den Plänen des Architekten der Ringstraße, Anton Hefft errichtet.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Der Kaiser nutzte das Gebiet rund um die Rax zur Jagd, während Kaiserin Elisabeth ausgedehnte Ausritte und Wanderungen unternahm, Gesellschaften gab oder die Kinder besuchte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wie auch andernorts üblich, folgte der Adel und die feine Gesellschaft der kaiserlichen Familie und erbaute rund um den Semmering viele herrschaftlichen Villen, die teilweise heute noch erhalten sind.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Den Hobbies der Kaiserin entsprechend, wählte ich ein Reitkleid für diesen Besuch. Da sie sogar ihren langjährigen Freund Graf Andrassy hier empfangen hatte, konnte ich nicht anders, als das Kleid aus der Szene der Sissi Trilogie anzuziehen, in dem Romy mit dem Graf durch die ungarische Puszta ritt, fehlte nur noch das Pferd.

Video: sternenkaiserin.com – marie

Die im romantischen Historismus mit Elementen der Tudor-Gotik erbaute Villa steht oberhalb der Schwarza in einer gestalteten Parkanlage des Vorgängerbaues. Die Villa verfügt über 2 Stockwerke, die Fassade besticht durch schmale, polygonale Pfeiler und einem Fries aus Terrakotta. Talseitig zeigt sich ein Giebelrisalit mit einem Gitterbalkon, zur Straße wartet ein kleiner Ehrenhof mit einem Gitterzaun und Pfeilern auf seine Besucher.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

In mitten des Ehrenhofes steht ein Marmorwandbrunnen mit Maskarons und Muschelschalen, ursprünglich stand dieser als Einzelbrunnen beim alten Burgtheater und wurde später hier her gebracht. In der Mitte des Brunnens befindet sich nun eine Büste von Kaiser Franz Josephs auf einem Pyramidenpfeiler. Die Büste stand ehemals vor der Schule des Ortes und wurde erst um 1970 hier aufgebaut.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Elisabeth´s Aufenthalte in Reichenau sind dokumentiert durch Aufzeichnungen im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und in den lokalen Pfarrgedenkbüchern.

Am 23.Juli 1859 begleitete sie ihre Kinder zum ersten Mal in die Reichenauer Sommerfrische und kam später zu tage- oder wochenweisen Séjours alleine, in Begleitung des Kaisers, der Kinder oder auch ihrer Schwester Nene wieder.

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Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zu Pferde von rechts; links in einem vierspannigen Pomirwagen Kronprinz Rudolf und Herzogin Gisela; im Hintergrund das Tal von Reichenau mit dem Schneeberg / Foto: europeana.eu

Des Öfteren tauchte die Kaiserin mitten in der Nacht auf, um vom strengen Wiener Hof zu fliehen und reiste bereits am nächsten Morgen wieder ab.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

1862 blieb sie – unterbrochen von einer kurzen Kur – mehrere Monate und verbrachte die Tage wie auch in den Folgejahren mit Empfängen, Ausfahrten, Promenaden, Ausritten und am liebsten mit Forellenfischen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

1865 feierte sie gemeinsam mit ihrer Familie den eigenen Geburtstag mit einer Vokalmesse zu ihren Ehren in der St.Barbarakirche am 23. Dezember.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Neben Kaiserin Elisabeth waren noch viele andere Mitglieder der kaiserlichen Familie in Reichenau zu Gast.

Kaiser Franz-Josef I nutzte das Anwesen vor allem für seine Jagdaufenthalte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Kronprinz Rudolf verbrachte die ersten sechs Jahre als Kind jeden Sommer in der Reichenauer Sommerfrische, wodurch das zuvor als „Kaiservilla“ bekannte Haus zur „Rudolfsvilla“ wurde.

Erzherzogin Gisela begleitete den um zwei Jahre jüngeren Rudolf in die Reichenauer Villa.

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 Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisela von Österreich in Reichenau an der Rax vor dem „Jagdhaus“ das er zum Geburtstag erhalten hatte und die im Park der Rudolfsvilla aufgestellt wurde. Fotografie von Ludwig Angerer / Foto: Bundesmobilienverwaltung

Erzherzog Karl-Ludwig, der jüngere Bruder von Kaiser Franz Josef mietete nach dem Auszug des Kaiserpaares die Rudolfsvilla drei Sommer lang für seine eigene große Familie.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Thronfolger Franz Ferdinand, Sohn von Erzherzog Karl Ludwig und späterer Thronfolger verbrachte dadurch ebenfalls mehrere unbeschwerte Sommer mit seiner Familie im Sisi-Schloss Rudolfsvilla.

Nachdem wir herzlich in der Rudolsvilla empfangen wurden, besichtigten wir die inzwischen leider leeren Räume, die jedoch gerade zu entzückenden Ferienwohnungen umgebaut werden.

(Wer mehr dazu wissen möchte: http://sisi-schloss.at/ )

Heute ist die Rudolfsvilla nach ihrem vielleicht berühmtesten Gast zu „Sisi Schloss -Rudolfsvilla“ umbenannt worden

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Der Luster im Treppenhaus stammt möglicherweise noch aus adeligen Besitz. Die jetzigen Besitzer sind damit beschäftigt in liebevoller Kleinarbeit, dem einstigen kaiserlichen „Wochenendhaus“ wieder neues Leben einzuhauchen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Bilder und Gemälde im und am Haus zeigen eindrucksvoll dessen Geschichte und so kann man bereits im Vorbeifahren erkennen, wer einst hier wohnte.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Über einen kleinen Steig erreichten wir den großzügigen Landschaftsgarten, der das Haus umgibt und in dem man noch heute die Schienen der ehemaligen Privatbahn des Kronprinzen erkennen kann.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Die Sonne versank hinter den Berggipfeln und langsam wurde es auch für uns Zeit, diesem märchenhaften Fleckchen österreichischer Geschichte Lebe wohl zu sagen.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Wir bedanken uns für die Einladung und den herrlichen Nachmittag in Reichenau und freuen uns schon darauf, bald wieder auf „Sommerfrische“ zu fahren.

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Foto: sternenkaiserin.com – marie

Sisi 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Sternenkaiserin,com – marie, wikimedia/commons, Bundesmobilienverwaltung

Videos: sternenkaiserin.com – marie

Textrechte: Sisi, Sisi Schloss – Rudolfsvilla

Schloss Wallsee – oder zu Besuch bei Marie Valerie …

Wie jedes Jahr im August begann meine Reise mit dem Kaiserzug von Attnang Puchheim nach Bad Ischl, doch anstatt wie sonst die restliche Zeit in Ischl zu bleiben, verließen wir die Kaiserstadt noch am selben Abend, um eine Kaiserwoche der ganz besonderen Art zu begehen.

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Kaiserzug Bad Ischl – Foto: Rudi Gigler

Eine Woche die von meiner Marie als Überraschung geplant war und mit Hilfe unserer spanischen Maria José zum unvergesslichen Erlebnis werden sollte!

Am 16. August starteten wir nach einem gemütlichen Frühstück nach Wallsee, eine kleine Gemeinde im Bezirk Amstetten in Niederösterreich.

Schloss Wallsee, ein ehemaliger Herrschaftssitz der immer noch im Privatbesitz der Familie Habsburg–Lothringen ist, erwartete uns.

Die Burg Wallsee wurde an einem Ort erbaut, der schon zur Römerzeit besiedelt wurde. Erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1071  als „Sunilburg“.

1247 starb das Geschlecht der Sunilburger aus und es folgten die Herrn von Sleunz als Burgherren.

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Burg Wallsee Foto: schloss-wallsee.at

Danach kamen die Herren von Zacking, die ihren Sitz in 3 km entfernten Sommerau hatten.

Konrad von Sommerau hatte als Burghautptmann von Enns bedeutenden Einfluss auf die Kämpfe zwischen König Rudolf von Habsburg und König Ottokar von Böhmen.

Nach dem missglückten Aufstand gegen Albrecht I. allerdings verlor Konrad von Sommerau seine Bedeutung und verschwand.

Mit Rudolf von Habsburg kamen die Herren von Waldsee nach Österreich.

Heinrich der Erste von Waldsee wurde Burghauptmann von Enns und mit Sommerau und Sindelburg belehnt.

Der Bau des heutigen Grundrisses der Burg geht auf die Zeit von 1368 unter Heinrich VI von Wallsee zurück.

Über die Jahrhunderte hinweg waren zahlreiche Burgherren für das Schicksal von Wallsee verantwortlich.

Um- und Ausbauten erfolgten, so wurde z.B. ein Treppenhaus im Innenhof errichtet, dass den direkten Zugang zur Kapelle veränderte.

Nach zahlreichen Erbstreitigkeiten und Verkäufen erwarb es schließlich Herzog Ernst von Sachsen- Coburg und Gotha Wallsee, dass wegen der ständigen Wechsel kaum bewohnt und dementsprechend baufällig war, von Graf Leopold Daun (Sohn des Erbauers des Palais Daun-Kinsky in Wien).

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Leopold Joseph Graf von Daun Bild: Wikimedia/Commons

Nach dessen Tod kam das Schloss wieder über mehrere Besitzer an Alfred, Herzog von Sachsen–Coburg und Gotha.

Dieser wiederum verkaufte das Schloss am 11.6.1895 an Erzherzog Franz Salvator und Erzherzogin Marie Valerie, den Ur-Großeltern der jetzigen Schlossbesitzerin.

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Marie Valerie mit ihrem Mann Franz Salvator; Bild: Wikimedia/Commons

Das gesamte oberste Geschoß war zu dem Zeitpunkt unbewohnbar, im Westteil des Schlosses waren alle Decken und Gewölbe in derart schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu retten waren und daher erneuert werden mussten.

Ebenso mussten alle Fenster, Fußböden, Türen und die Holzstiege repariert werden, so auch das Dach. Der gesamte heutige Verputz wurde damals aufgebracht.

2 Jahre lang wurde das Schloss renoviert, bevor Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzog Franz Salvator 1897 einzog.

 

 

 

 


 

Als Kaiserin Elisabeth das erste Mal zu Gast war, beschreibt dies Hofdame Irma wie folgt: 

„Am 28. September (1897) verließen wir Meran und waren am nächsten Morgen in Wallsee, im neuen Heim der Erzherzogin Valérie. Die erzherzogliche Familie war erst vor kurzem hierher übersiedelt und es ist daher natürlich, dass die Kaiserin das herrliche Schloß und dessen Einrichtung mit größtem Interesse und auf das eingehendste besichtigte.
Wallsee übertraf alle unsere Erwartungen. Unser kurzer Aufenthalt war ein würdiger Abschluß dieser mit mancherlei angenehmen Erinnerungen verknüpften Reise, für deren prächtigen Erfolg am besten die freudige Überraschung sprach, die Seine Majestät bekundete, als er im Ofener Bahnhofe meine teure Kaiserin von mir übernahm.

(„Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth“ Seite 166, Ausgabe 2005)

Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Salvator-Habsburg-Lothringen und wird auch von ihr ständig bewohnt. Zur Zeit von Ing. Andreas & Margaretha Habsburg Lothringen (Ur-Enkelin von Marie Valerie und Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Elisabeth) und deren 3 Kindern.

Das Schloss ist öffentlich nicht zugänglich! Lediglich für Hochzeiten (Standesamt und kleine gothische Kapelle) wird ein kleiner Teilbereich des Schlosses geöffnet. 


 

Den Besuch in Wallsee hatte meine Marie bis ins letzte Detail geplant, die Kleiderauswahl, der Hut – ein Originalstück aus der Zeit des Umbaues, ja sogar der Schirm – alles war vorgeplant.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Abgestimmt auf das Jahr 1897 in dem die Kaisertochter nach Wallsee zog.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Als wir auf das schwere schmiedeeiserne Tor zuschritten, an dem weithin sichtbar die Wappen von Marie Valerie und Franz Salvator erkennbar sind, öffnete es sich uns wie von selbst.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Am Eingang wurden wir von Margaretha Habsburg-Lothringen der Ur-Ur-Enkelin von Marie Valerie und ihrem jüngsten Sohn Alexander begrüßt.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Wir spazierten durch den Garten die lange Auffahrt zum Schlosstor entlang, an deren rechten Seite noch die steinerne Reithalle erhalten ist.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

 

Durch das große Haupttor das Burgturms, auf dessen großen Mosaik die Brüder Eberhard und Heinrich von Wallsee dargestellt sind, die von König Rudolf mit der Burg Wallsee belehnt werden, gelangten wir in den großen Innenhof des Schlosses.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Durch ein weiteres Tor gelangten wir in einen zweiten, kleineren Innenhof in dem sich heute noch die privaten Wohnräume der Familie befinden.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

In einer Ecke dieses Innenhofes steht ein alter Brunnen, der an die Zeit erinnert, als noch mit Holzleitungen das Wasser ins Schloss transportiert wurde.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Gegenüber dem Tor liegt der heutige Eingang zur Kapelle und Standesamt.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Die gotische Kapelle kann heute für Hochzeiten im Schloss gemietet werden und steht ansonsten nur der Familie zur Verfügung.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Am Fußende der Treppen, die zu den ehemaligen Wohnräumen der Familie führten, findet sich das Standesamt wieder.

Im gesamten Gebäude ist die kaiserliche Familie allgegenwärtig, so steht zb am Tisch des Standesbeamten eine Statue der Kaiserin Elisabeth.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

 

Eine Vitrine mit Andenken an die Kaiserin erinnert an deren Besuche bei ihrer „Einzigen“.

Der Treppenaufgang ist geschmückt mit Stichen die Natur und Jagdszenen zeigen. Am oberen Treppenende erinnert ein überlebensgroßes Gemälde an Erzherzog Franz Salvator.


 

Erzherzogin Marie Valerie, die unter großem Jubel der Bevölkerung am 4. September 1897 festlichen Einzug in das Schloss hielt war für ihre Güte und Mildtätigkeit bekannt und unter der Bevölkerung sehr geschätzt.

Diese Tugend trug ihr auch den Beinamen „der gute Engel von Wallsee“ ein.

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Erzherzogin Marie Valerie von Österreich; Bild: Wikimedia/Commons

Nach dem Tod ihrer Mutter versuchte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Gisela den trauernden Kaiser zu trösten der gern in Wallsee zu Gast war, um dort mit seinen Enkelkinder Zeit zu verbringen, die er wohl für die eigenen Kinder nicht hatte.

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Unterm Weihnachtsbaum in Wallsee, Zeitungsillustration, 1916 Foto: Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Am 10 September 1918 verstarb Erzherzog Franz Karl, der älteste Sohn von Marie Valerie in Schloss Wallsee an der Spanischen Grippe.

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Franz Karl (links) mit Eltern und Geschwistern (um 1905) Foto: @Wikimedia/Commons

1924 wurde bei Marie Valerie Lymphdrüsenkrebs festgestellt.

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Franz Salvator und Marie Valerie Foto: @wikimedia.commons

Am 6. September 1924 starb „Sisis Einzige“ im Kreise ihrer Familie in Wallsee und wurde am örtlichen Friedhof von Sindelburg-Wallsee beigesetzt. Natürlich besuchten wir auf der Heimfahrt den Friedhof, um eine Kerze für Marie Valerie anzuzünden.

 

 

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Mehr über den Friedhof und wer noch aller hier liegt, seht ihr in diesem kleinen Video meines Mariechen. 

Video: sternenkaiserin.com -Marie 

Sohn Theodor Salvator übernahm nach dem Tod seiner Eltern Schloss Wallsee.


Unsere Maria José und mein Mariechen haben einige Videos für euch gedreht, die ich hier anschließen möchte: 

Videos: sternenkaiserin.com – Marie 

Es war ein besonderer Tag, der uns allen wohl ewig in Erinnerung bleiben wird, der kaiserlichen Familie ein weiteres Mal auf solche besondere Weise Nahe zu kommen, hat uns Vier besonders viel bedeutet.

Unser Dank gilt der Familie Margaretha und Andreas Habsburg-Lothringen, die uns durch ihre Einladung ins Schloss Wallsee einen weiteren Traum erfüllten.

Es war uns wirklich eine ganz besondere Ehre, dieses sehr private Schloss besuchen zu dürfen!

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Mein persönlicher Dank gilt wie so oft meiner Marie, ohne die alle meine Träume wohl nur eben solche geblieben wären. Die durch ihre Professionalität und Ausdauer Dinge erreicht, von denen alle anderen sprichwörtlich nur Träumen können!

Ein dickes Bussi an den „Freak in der Runde“ wie sie sich selbst nennt – Maria José, der kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch und keine Reise zu beschwerlich ist, nur um mir zu helfen, meine Kleider zu schnüren, meine Haare zu richten oder auch nur meinen Schirm zu halten!

Und zu guter Letzt mein aufrichtiger Dank an unsere Barbara, die kurzerhand ihren Urlaub umgeplant hat, nur um uns begleiten.

Ohne Dich hätten wir die Tour absagen müssen. DANKE!!!

Was wäre das schönste Kleid, ohne den passenden Ort, ohne dem perfekten Bild?

Ohne mein Team gäbe es keine Sternenkaiserin und dafür kann ich Euch gar nicht genug danken! Ihr seid einfach Spitze!!!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

 

*Sisi*


Anschließen möchte ich noch jenes Video von Mariechen, die ein ganz seltsames Denkmal von Kaiser Franz Joseph in Wallsee entdeckt hat – mit der falschen Jahreszahl ;-). 

Video: sternenkaiserin.com – Marie 

 


Textrechte: Sisi, Irma Sztaray
Bildrechte: Prinz Barbara, Rudi Gigler, Wikimedia/Commons, Habsburger.net, Schloss-Wallsee.at
Videos: sternenkaiserin.com – Marie


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaiser Franz Joseph I. – Die Kindheit bis zum Thron (Teil 1)

Bevor wir uns – wie in den vorangegangenen Beiträgen – Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph ansehen, beginnen wir mit der Kindheit von Kaiser Franz Joseph I.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Erzherzog Franz Joseph Karl wurde unter höllischen Schmerzen, die 2 Tage und Nächte andauern sollten, als erstes Kind einer überglücklichen Erzherzogin Sophie und dem Erzherzog Franz Karl am 18.8.1830 in Schloss Schönbrunn geboren. Seine Mutter war bereits unter Druck geraten, da sie mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Das Kaiserreich stand nach 6 Jahren Ehe zwischen Sophie und Franz Karl immer noch ohne Thronfolger da.

Unsere Beiträge von Erherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl können hier nachgelesen werden.

 

Stammbaum Kaiser Franz Joseph, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 

Baronin Luise Sturmfeder, Aja von Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Pia. Bei Erzherzog Ludwig Viktor half sie nur noch „miterziehen“ Foto: Wikimedia/Commons

Schon während der Schwangerschaft wurde als Aja (Vorsteherin der Kindskammer) Baronin Louise Sturmfeder (*3.10.1789, † 10.9.1866) bestellt. Sie wohnte auch der schweren Geburt von Franz Joseph bei. Baronin Louise, die von den Kindern nur „Aja“ genannt wurde, wurde sehr geliebt und verehrt.

Louise war eine erzkatholische, stark nach Prinzipien vorgehende Frau, die den kleinen Erzherzog stark prägen sollte. Sophie stillte Franzi, wie er genannt wurde, zunächst selbst. Das war in hochherrschaftlichen Häusern eher ungewöhnlich und nicht die Regel. Auch jeder noch so kleine Fortschritt wurde in Bayern Königin Karoline, der Mutter von Sophie berichtet. Allerdings achtete Sophie stets auf den richtigen Umgangston bei der Aja. Louise nannte Franz Joseph öfters „Mein Prinz“ was der überaus strengen Mutter nicht passte. Man solle ihn „Erzherzog“ nennen. Von Anfang an wurde der Weg vorgegeben: Nach Ferdinands Tod sollte Franz Joseph Kaiser werden.

Die Erziehung war sehr streng. Franz Joseph hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher geführt und vorgeführt. Kontakt zu anderen Kindern war ihm verboten. Dazu schreibt Baronin Sturmfeder: „Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(1)

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831, Foto: Wikimedia/Commons 

Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen. Er wurde deshalb intern „Gottheiterl“ genannt, was leider auch später Franz Joseph noch große Probleme bereiten würde. Aber dazu in einem der nächsten Berichte.

Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist. Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte. Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum. Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Sisi, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.

Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass Aja oft Angst und Bang wurde. Dazu notiert sie in ihr Tagebuch: „Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (2)

1832 kam Ferdinand Maximilian auf die Welt und Aja hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise war Franzi. Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug. Franz Joseph wurde teilweise dressiert. Max hatte große Freiheiten sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen. Der Zwist den die beiden Brüder auch in späteren Jahren auszutragen hatten, wurde sicherlich im Kindesalter forciert. Während Max seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte früh ein.

Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notiert: „Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (3)

Franz Joseph als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I Foto: Schloss Schönbrunn

1833 kam der 3te Sohn Karl Ludwig zur Welt, der auch von Louise übernommen wurde. Karl Ludwigs Erziehung war noch lockerer als die von Max, was dazu führte, dass Ludwig kein guter Schüler wurde. Max und Ludwig werden zu einem späteren Zeitpunkt beschrieben werden. 1835 kam die einzige Schwester von Franz Joseph auf die Welt. Unser Beitrag zu Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia finden Sie hier. 1840 wurde ein weiterer Bruder geboren, allerdings als Totgeburt. 1842 kam der letzte Bruder zur Welt. Der etwas absonderliche Ludwig Viktor. Auch er wird zu einem späteren Zeitpunkt seinen Beitrag bekommen. Franzi war zu dem Zeitpunkt mittlerweile 12 Jahre alt. Aber zurück zum kleinen Franz Joseph.

Da Franzi sehr isoliert wurde, schaute er oft den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu. Im Alter von (angeblich) knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen. Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben. 1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, Miniaturwiedergabe der Burgwache und eine Waffe.

Im Alter von 4 Jahren musste oder durfte Franz Joseph am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen Kaiser und Kaiserin (Großeltern) sitzen. Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen dürfe und zu sprechen habe.

Kaiser Franz II./I., 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein Foto: Heeresgeschichtliche Museum Wien

Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835). Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle. Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.

1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hat tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz hinterlassen. Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).

Bombelles und Coronini lagen ab dem Zeitpunkt oft im Streit miteinander. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (er zeichnete überaus gut), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik. Genau sah das so aus:

Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg, Lithographie von Josef Kriehuber 1853, Foto: Wikimedia/Commons 

Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.

Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).

Heinrich Franz Graf von Bombelles, Lithographie von Josef Kriehuber 1851, Foto: Wikimedia/Commons 

In Politik wurde Franzi von Metternich persönlich gelehrt. Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.
Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer gerieten oftmals in Streit. Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note, jedes Vergehen der Kinder (auch Max und Ludwig nahmen an diesem Unterricht teil).

Der Tag von Franz Joseph fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends. Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt. Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit. Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen- um 19.00 Uhr – statt.

Erzherzog Franz Joseph, 1838 Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt. Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen. Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen zu zeigen fiel ihm schwer.

Sein Lieblingsfach war die Militärische Ausbildung wo er Manöver üben lernte. Als Franz Joseph 13 Jahre alt wurde, wurde er zum Obersten des Dragonerregiments Nr. 3 ernannt. Er notierte in sein Tagebuch: „Es freute mich besonders, daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier-Uniform immer besonders gefallen hatte.“ (4)

Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute. Er notierte 1843 in sein Tagebuch: „Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (5)

Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie, Foto: Schloss Schönbrunn

Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung. Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, † 30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.

Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.

Auf einen der wenigen Freunde die Erzherzog Franz Joseph besaß, muss man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückkommen, aber der Name Eduard Graf Taaffe sollte hier nicht ungenannt bleiben.

Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie. Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk. Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky. Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.

Als er 1848 von dieser letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt. Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem. Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand. Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil. Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie sind nach Innsbruck geflohen. Im April kam sie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte, da sie dort Ostereier verstecken ließ. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch. Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten. Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg in Pest ermordet. Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn. Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt. Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet. Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: billerantik

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben. Obwohl in der Rangfolge eigentlich sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg seinem Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch: „Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons

 

 

 

 

 

 

 

Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt. Franz Joseph I. sollte der Erste und Einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. Sein gesamter Titel lautete:
Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (7)

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 2. Teil unserer Serie über

Kaiser Franz Joseph I.

Gemälde nach Eduard Klieber, 1851 Foto: Dorotheum  Wien

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie, Ingrid Haslinger, Michaela und Karl Vocelka
Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien
Stammbaum: Marie 


Literarische Hinweise:

1 – S. 64, 2 – S. 63, 3 – S. 65,
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

4 – S. 37, 5 – S. 39, 6 – Seite 69/70, 7 – S. 75
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage


 

Erzherzogin Sophie

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus

Erzherzogin Sophie, Foto:  Wikimedia/Commons

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“
Wer hört sie nicht? Dieses „Singsang“  in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter dargestellt hat und man sie als Sissi – Fan so richtig schön hassen konnte. Wirklich viel wusste man von Erzherzogin Sophie nicht zum Zeitpunkt der Filme, aber mittlerweile gibt es 2 Biografien, die so ein ganz anderes Bild der Kaiserin Mutter zeigen; aber leider ist das Bild der bösen Schwiegermutter auf ewig geprägt.

Hier erfolgt ein Versuch, das etwas andere Bild der Erzherzogin Sophie zu zeigen, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz Maximilian Joseph I. oder König Max, hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Königin Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Stammbaum von Vater Max mit seiner 1. Ehefrau Auguste Wilhelmine, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 

Am 9.3.1797 ehelichte der König Prinzessin Friedericke Karoline Wilhelmine von Baden.

Prinzessin Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, † 13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt. Ihre Schwester Ludovika kam 1808 zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth. Unser Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Stammbaum Erzherzogin Sophie Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum – sternenkaiserin.com – Marie 

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Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Bild nach Joseph Karl Stieler, 1812, Foto: Wikimedia/Commons 

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf. Ihre Eltern haben sich beide – zumindest es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder gekümmert. Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren. Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm. Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen. Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Eltern:

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Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“, 1814 nach Joseph Karl Stieler, Foto: Wikimedia/Commons

An ihre Mutter, die mit ihrem Mann König Max, zum Wiener Kongress 1814/15 in Wien weilte schrieb die 9jährige Sophie:
„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Erzherzogin Sophie, nach einer Lithographie von Josef Kriehuber 1836, Foto: erzherzoginsophie.at

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt. Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte. Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen. Unser Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier nachgelesen werden.

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Erzherzog Franz Karl, Lithographie, 1850 Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer. Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  Wobei auch hier die Mythen um sich ranken. Die einen Biografen schreiben, er sei geistig minderbemittelt gewesen, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach. Fakt ist, Ferdinand hatte schwere epileptische Anfälle, in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Am 4. November 1824 wurde die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche abgehalten und Sophie nahm einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern. Sie schrieb lange, auch 3 Jahre später, immer noch tränenreiche Briefe an ihre Mutter, wie sehr ihr die Heimat fehlen würde.

Wenn man dazu die Szenen mit Vilma Degischer und Karlheinz Böhm vergleicht, wo Vilma Degischer als Erzherzogin Sophie ihrem Sohn Kaiser Franz Joseph das Tagebuch von Kaiserin Elisabeth vorlegt, wo diese über Heimatweh klagte, vermag man sich das kaum vorstellen, dass Erzherzogin Sophie kein Verständnis für diese überaus schwierige Situation gehabt haben mochte. In den Biografien lassen sich hier nur ein paar Kapitel finden, wo Sophie mit Sisi nicht zufrieden war, aber Erzherzogin Sophie hasste Sisi nicht so sehr, wie allgemein die Auffassung war. Aber dazu kommen wir später.

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Kaiser Franz II/I 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Auch die echte Erzherzogin Sophie litt unter der Trennung und konnte den Schmerz kaum verarbeiten. Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. „…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama „…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Sophie erlitt insgesamt 11 Fehlgeburten. Die erste Zeit machte sie sich noch keine allzu große Sorgen, doch auch nach 6 Jahren Ehe wollte sich kein Thronfolger einstellen und sowohl Sophie, als auch Kaiser Franz II./I. wurden nervös. Sie wurde auf verschiedene Kuren geschickt, u.a. ins gerade entdeckte Bad Ischl zu den Solebädern. So kurte Sophie in Bad Ischl und 1830 stellte sich endlich der ersehnte Erfolg ein.

Am 18.8.1830 kam jedenfalls der ersehnte Sohn und Thronerbe Erzherzog Franz Joseph Karl, nach einem 2 Tage und Nächte dauernden Geburtsmarathon zur Welt. Sophie war trotz schwerster Strapazen im 7ten Himmel. Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

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Stammbaum mit den überlebenden Kindern von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Fotos: Wikimedia/Commons 

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Gustav, Prinz von Wasa, Lithographie von Josef Kriehuber ca. 1830, Foto: Wikimedia/Commons

Zeit seines Lebens, wurde gemunkelt und getuschelt, dass nicht die Kuren in Bad Ischl für den Erfolg der Kindsgeburt zuständig waren, sondern Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, † 4.8.1877). Dieser lebte im Exil in Wien und ging bei Hofe ein und aus. Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt. Nicht nur Erzherzog Franz Joseph, auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein. Bestätigt werden konnte das Gerücht nie. Sophie war eine sehr strenggläubige Frau und in ihren Tagebuchaufzeichnungen lassen sich keine Hinweise zu einem Betrug finden. Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Napoleon Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt, Radierung, Bild: Habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Bei Erzherzog Ferdinand Maximilian wurde aber auch Napoelon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, † 22.7.1832) als Vater gehandelt. Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr Ein und Aus. Um diese Freundschaft näher zu beleuchten, werden wir in weiterer Zukunft einen eigenen Beitrag zu Herzog von Reichstadt veröffentlichen.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Kaiser von Mexiko werden wollte, selbst wieder angeheizt. Auch dieses Gerücht bestätigte sich nie.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie war eine sehr liebende Mutter, etwas übervorsichtig und leicht hysterisch. So durfte der kleine Erzherzog einmal sein Zimmer im gesamten Winter bis fast Ende März nicht verlassen, weil er sich mit einer Verkühlung anstecken hätte können. Heute würde man zu einer solchen Mutter „Helikopter-Mutter“ sagen. Aber den Ausdruck gab es damals noch lange nicht und man hätte sich sowieso nicht getraut, am Wiener Hofe so etwas auszusprechen.

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Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1837, Lithographie Josef Kriehuber Foto: Wikimedia/Commons

Herbe Verluste erfuhr Sophie als ihr inniger Vertrauter Herzog von Reichstadt, Napoleon Franz Bonaparte, mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn an Tuberkulose starb. Sophie trauerte lange um ihren Freund. Als 1840 ihr kleines Mädchen, Erzherzogin Maria Anna starb (unser Beitrag zu Maria Anna Carolina Pia) war Sophie untröstlich. Auch musste sie 1840 eine Totgeburt (Sohn) hinnehmen, ihr Körper war zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt. Die vielen Fehlgeburten und Verluste nagten an Sophie und ihre Krankheiten kurierte sie nicht mehr so richtig aus. Auch nach der Geburt von Erzherzog Ludwig Viktor (1842) erlitt Sophie noch Fehlgeburten, die ihr immer mehr zu schaffen machten.

 

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Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836, Bild: Donaumonarchie.com

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie an Franzi. Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen. Sophie wurde in späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte. Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich. Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zum Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig Wahre ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein. Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene Vereine und Institutionen Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt: „Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“ Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht. Sie lehnte jede Reform ab. Allerdings geriet ihre Welt ein paar Mal ins Wanken, vor allem, als ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb. Ihr größtes Problem wurde es, Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen. Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren die Kinder. Vor allem Franz Joseph, da er als Thronfolger galt. Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Die erste Zeit lobte Sophie die Regentschaft ihres Schwiegervaters. Erst Jahre später ärgerte sie sich sehr, dass Kaiser Franz II/I so langsam und stagnativ seine Herrschaft betrieben hatte. An Änderungen war sie selbst aber nicht interessiert. Auch Franz Joseph sollte keine Reformen zulassen und steckte genauso in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

 

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Erzherzogin Sophie, 1866 Foto: Wikimedia/Commons

Sophie legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf: 7.00 Uhr – 7.30 Uhr Aufstehen, Messe, danach Frühstück mit den Kindern. Nachdem sie die Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.). Bei Franz Joseph und Max wohnte sie beim Unterricht bei. Mittagessen um 16.00 Uhr (was sehr spät war). Hier empfing sie Gäste. Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt „Thee“stunde ab. Sophie schätzte auch „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten. In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken. Bis ins hohe Alter stickte sie Messgewänder.

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Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, 1847, Leopold Kupelwieser, Bild: Habsburger.net, Schloss Schönbrunn

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für Politik interessierte. So war sie diejenige, die sehr viele Zeitungen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.) abonniert hatte, die sie überall mithin nahm, um sie am Tag verteilt zu lesen. Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet. Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, ihr das sehr Übel genommen werden würde.  Als aber 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance. Ferdinand, gesundheitlich schwer angeschlagen, musste abdanken. An seiner Stelle wäre Sophies Ehemann, Erzherzog Franz Karl an den Thron gekommen. Doch Sophie dirigierte ihren einfältigen Mann in die andere Richtung. Als der schließlich zustimmte, wurde am 2. Dezember 1848 ihr 18jähriger Sohn Franz Joseph Karl zum Kaiser. Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi, sollte einzigartig in der Geschichte sein. Sophie bestimmte den Namen Kaiser Franz Joseph I. Dass dieser Kaiser 68 Jahre regieren würde, konnte damals noch keiner ahnen. Und das es ausgerechnet der nicht allzu sehr beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, der mit seinen Kindern die Monarchie retten würde, auch nicht. Aber ich greife viel zu weit vor.

Sophie war auch vor ihrer Mutterschaft eine ausgezeichnete Reiterin, die an Treibjagden teilnahm. Oft und gerne begleitete sie ihren Mann zum Jagen. Allerdings hasste sie es, dass die Tiere getötet wurden und atmete immer auf, wenn Franz Karl nicht traf oder sich kein Wild finden ließ. Das änderte sich aber schlagartig, als sie anfing schwanger zu werden und die Kinder wieder verlor. In späteren Jahren verfiel sie auch den Geisterséancen, die zu dieser Zeit sehr häufiger Zeitvertreib war. Franz Joseph nahm bei einigen Séancen teil, nahm es aber nicht ernst. Dass es gerade ihr Enkel, Kronprinz Rudolf, sein würde, der einem der größten Scharlatane dieser Zeit sein Handwerk legen würde, hätte sich Sophie, die an diesen ganzen Humbug tatsächlich glaubte, niemals gedacht. Aber auch das ist Thema eines anderen Beitrages.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Wiener Hof sie „Der einzige Mann bei Hofe“ nannte. In wie weit Sophie in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Als der Kaiser 23 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten. Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Sie fackelte nicht lange herum und sah sich in ihrer eigenen Familie um und wurde schnell fündig. Die Auserwählte war Herzogin Helene in Bayern“, Tochter von Herzogin Ludovika in Bayern und Herzog Max in Bayern“ Das es „ausgerechnet“ Elisabeth war, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt. Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete Sisi.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie fügte sich und nahm Sisi unter ihre Fittiche. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir der Beziehung Elisabeth und Sophie einen eigenen Beitrag widmen werden.

Auch bei Erzherzog Ferdinand Maximilian, Sophies erklärter Lieblingssohn und Erzherzog Karl Ludwig ging sie auf Brautschau. Erzherzog Karl Ludwig musste insgesamt sogar 3x heiraten, weil 2 seiner Frauen verstarben, dies arbeiten wir jedoch gesondert beim Beitrag zu Karl Ludwig auf. Erzherzog Ludwig Viktor sollte nie verheiratet werden, warum und weshalb, wird auch in seinem Beitrag näher erörtert werden.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Sohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen, um Kaiser von Mexiko zu werden. Sophie und Sisi waren entsetzt und versuchten den ehrgeizigen Bruder/Schwager aufzuhalten. Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig. Sie wollte Kaiserin werden und stand damit in direkter Linie zur Rivalität zu Elisabeth. Das einst sehr gute Verhältnis zu Max änderte sich schlagartig mit der Hochzeit mit Charlotte. Sisi hasste fortan die belgische Prinzessin, die zu dem auch als Schönheit bekannt war. Aber auch Max war sehr ehrgeizig. Zwischen Max und Franz bestand immer eine gewisse Rivalität und er konnte es nicht ertragen, dass Franz Joseph den höheren Status hatte, er wollte ebenso Kaiser eines Landes sein. Auch zu Max, wird es noch einen eigenen Beitrag geben.

Als Sophie 1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen. Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Bad Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

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Erzherzogin Sophie, 1872, von Vinzenz Katzler, Foto: Wikimedia/Commons

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester: „Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (5)

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie betrauerte. Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte. Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Sophie notierte in ihr Tagebuch: „Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (6)

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter seinen süßen Brief: „Meine liebe, liebe Großmama! Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast. Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (7) (Marie Anmerkung – Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien. Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. Leider sind sich hier die Biografen nicht einig. Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.  Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesichte bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“. Das vermag ich persönlich kaum zu Glauben. Wie auch immer; beide Varianten waren für die gramgebeugte Mutter wohl zuviel.

Sarkophag, Kapuzinergruft Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Tafel zum Sarkophag, Kapuzinergruft Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Nach diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nicht mehr. Sie zog sich komplett zurück, ging noch mehr zur Messe und nahm auch die Eskapaden ihrer Schwiegertochter Sisi nicht mehr ernst. Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert.

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. Am 28. Mai 1872 starb sie in der Wiener Hofburg. Sie wurde in der Kapuzinergruft beerdigt. ∏

~ Marie ~

 

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Peter Geymayer, Forum.Alexanderpalace.org, Wikimedia/Commons
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at
Stammbaum: Marie 
Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger, Anna Ehrlich und Christa Bauer, Michaela und Karl Vocelka


Literaturhinweise:

Zitate: 1 – S. 23, 2 – S 25, 3 – S 35, 4 – 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

Zitate 5 – S 176, 6 – S 273, 7 – S 274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof, Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 


 

Erzherzog Franz Karl

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Erzherzog Franz Karl; Lithographie 1850 Josef Kriehuber Foto: Wikimedia/Commons

„Na Bravo“. (Vilma Degischer/Erzherzogin Sophie)
„Jetzt hast das aber Du gsagt.“ (Erich Nikowitz/Erzherzog Franz Karl)
Das wohl beliebteste Filmzitat der Sissi-Filme.

Wer kennt ihn nicht? Erich Nikowitz als Erzherzog Franz Karl in den Sissi Filmen mit Romy Schneider. Mittlerweile haben wir ja auch schon kurz Magda Schneider und Gustav Knuth in den Rollen der Filme verglichen, jetzt kommt der Vater, Erzherzog Franz Karl, zu Wort.

Niemand von den Filmfiguren ist so derartig unwahr dargestellt worden, wie Erzherzog Franz Karl. Erich Nikowitz hat diesen schrulligen alten Herren, der schlecht hört um seiner herrschsüchtigen Ehefrau zu entkommen, so liebenswert dargestellt, dass man leicht peinlich berührt ist, wenn man merkt, dass Erzherzog Franz Karl einen relativ bedeutungslosen Eindruck hinterlassen hat.

 

 

Stammbaum von Erzherzog Franz Karl, Fotos: Wikimedia/Commons

 

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Erzherzog Franz Karl in jungen Jahren, 1836, Lithographie Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Franz Karl wurde am 7.11.1802 als 3ter Sohn von Kaiser Franz Joseph Karl und Prinzessin Maria Theresia Karolina Guiseppina von Neapel und beider Sizilien geboren.

Leider schlug in dieser Linie, die Habsburgerische Heiratspolitik brutal zu. Der Erstgeborene Sohn Ferdinand I. Karl Leopold Joseph Franz Marcellin war geistig äußerst schwach und ging in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ ein. Einige seiner Schwestern überlebten das Kindheitsalter nicht. Auch der 4te Sohn starb mit 4 Jahren.

Leider ist über Franz Karl aus seiner Kindheit nichts bekannt, aber da Franz Karl geistesschwach war, konnte er der normalerweise sehr strengen Erziehung der Habsburger nicht so folgen, wie man es sich wohl gewünscht hätte. Ferdinand war dazu noch schwer epileptisch und von geistig noch schwächerem Verstand.

Franz Karl liebte die Natur und ging gern auf die Jagd. Aber vor allem das Theater hatte es ihm angetan. Als er heiratsfähig wurde, wurde Herzogin Sophie Friedericke von Bayern auserkoren, in die er sich angeblich augenblicklich verliebte.

Sophie war ein hübsches junges Mädchen und ihre Familie sehr bedeutend. In ihren Briefen und Tagebuchaufzeichnungen finden sich immer positive Worte zu ihrem Mann und auch wenn sie von den geistigen Schwächen ihres Mannes wusste, stimmte sie der Hochzeit zu.

Am 4. November 1827 fand die Hochzeit mit der schönen bayrischen Prinzessin statt und Franz Karl war in Hochstimmung.

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Stammbaum von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Fotos: Wikimedia/Commons

 

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Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit ihren Kindern: Erzherzog Franz Josef, Erzherzog Ferdinand Max, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1836 Foto: donaumonarchie.com

In weiterer Folge wurde Franz Karl Vater von 4 Kindern, die überlebt haben. Seine Frau Erzherzogin Sophie erlitt aber leider sehr viele Fehlgeburten, welches unter ihrem eigenen Beitrag erörtert wurde.

Franz Karl selbst blieb als Vater wenig bis gar nicht vorhanden. Er hatte keinerlei Interesse an seinen Kindern und die Kinder nicht an ihm. Wenn er auftauchte, dann war es Respekt, dass die Kinder ihrem Vater entgegenbrachten, aber eine innige Verbundenheit oder tiefe Liebe konnte nie aufgebaut werden.

Er wurde von den vielen Beobachtern, Wegbegleitern oder engen Vertrauten des Hofes nicht unbedingt positiv angesehen.

Lulu Gräfin Thürheim schrieb über ihn: „Es sei schwer zu erraten, womit eigentlich Franz Karl die Anhänglichkeit seiner Frau verdient hätte.“ (1)

Zar Nikolaus I. ging noch härter mit dem Erzherzog ins Gericht, nach dem er ihn 1835 traf: „Dieser junge Mann erweckt den Eindruck, als sei er in seiner Entwicklung stehen geblieben. Dürfte ich ihn als Achtzehnjährigen betrachten, dann hegte ich große Hoffnungen für seine Zukunft, aber es ist zum Verzweifeln, daß er die Dreißig schon passiert hat.“ (2)

11 Jahre später fällt Graf Coronini ein ähnliches Urteil: „Ein en pauvre sire, und miserablen Wichten bei all seier passiven Herzensgüte, wird Gift sein für diese Kinder.“ (3)

Erzherzog Franz Karl liebte den Müßiggang und das Theater. Zweiteres so sehr, dass er schon am Nachmittag Vorstellungen besuchte bzw. sich sogar Vorstellungen mehrmals ansah. Er unterstützte die schönen Künste auch finanziell. Auch lange Spaziergänge im Prater waren seine Tagesbeschäftigung. Oftmals fuhr er allein nach Ischl um zu Jagen und zu Kuren.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl Foto: Wikimedia/Commons

Zeit seines Lebens verehrte er seine Frau zutiefst und war ihr in Liebe verbunden. Am Hof allerdings wurde oft getrascht und bösartige Kommentare zum „rauhen“ Ton von Sophie abgegeben. So nach dem Motto: Früher herrschte sein Vater Kaiser Franz ihn an und jetzt seine Frau.

Als Kaiser Ferdinand I. wegen seiner epileptischen Anfälle und immer schwächer werdenden Gesundheit am 2. Dez. 1848 abdankte (er starb allerdings 82jährig in Prag am 29.7.1875), war es Erzherzogin Sophie die ihren Mann Erzherzog Franz Karl bat, die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Da Franz Karl nie wirklich politisches Interesse zeigte, aber etwas bessere geistige Fähigkeiten, wie Ferdinand I. besaß, aber dennoch nicht genug, war dieser Schachzug von Erzherzogin Sophie ihr größter politischer Triumpf. Zwar wurde sie selbst nicht Kaiserin, aber zumindest ihr gemeinsamer Sohn Franzi, besser bekannt als Kaiser Franz Joseph.

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Erzherzog Franz Karl im Alter, kolorierter Holzstich, Foto: AntiquariatPflugmacher

 

 

 

Das weitere Leben von Erzherzog Franz Karl verlief genauso wie vorher. Ruhig und ohne politischen Eindruck hinterlassen zu haben.

Erzherzog Franz Karl starb 6 Jahre nach seiner Sophie am 8.3.1878. Er ruht neben ihr in der Kapuzinergruft. 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

~ Marie ~

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Stammbaum: Marie 
Bildrechte: donaumonarchie, Heeresgeschichtliche Mueum Wien, habsburg.net, Antiquariat Pflugmacher
Textrechte: Marie, Ingrid Haslinger


Literaturhinweis:
Zitate 1 S – 33, 2-3 – S 34
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Muter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe


 

Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia von Österreich

 

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Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1837, Lithographie Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons 

Kaum jemand weiß, dass Kaiser Franz Joseph eine kleine Schwester hatte. Um sie nicht ganz der Vergessenheit Preis zu geben, erzählen wir hier ihre Geschichte. 

Maria Anna Karolina Pia, von allen nur liebevoll „Ännchen“ genannt, wurde am 27.10.1835 in Wien geboren.

Wäre die kleine Erzherzogin Maria Anna, in Geschichtsbüchern auch Maria Anna Pia oder Anna Pia oder Anna genannt, am Leben geblieben, wäre sie die um 2 Jahre ältere Schwägerin von Kaiserin Elisabeth geworden.

Erzherzogin Sophie (den Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden)hatte schon viele Fehlgeburten zu erleiden und hoffte diesmal ganz besonders auf einen kleinen Engel. Der Wunsch ging in Erfüllung.

Das Kind war äußerst liebreizend und wurde von jedem sofort in die Arme genommen. Entgegen der guten Sitten damals und wie schon bei Franz Joseph, Ferdinand Max und Karl Ludwig, stillte Sophie auch das Mädchen selbst. 

Ännchen entwickelte sich prächtig. Sie hatte einen ausgesprochenen Lebenswillen und war ein sehr hübsches und quirliges Mädchen. Sophie und alle ihr nahestehenden Personen liebten Ännchen aus vollem Herzen, auch die drei großen Brüder, Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Max und Erzherzog Karl Ludwig waren von ihrer kleinen Schwester begeistert. 

 

Stammbaum von Maria Anna „Ännchen“ Karoline Pia, Fotos. Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 

Sophie reiste mit der 2jährigen Maria Anna nach Bayern und schrieb glückselig in ihr Tagebuch: „Ännchen hat sehr viel succès hier – man treibt es rasend mit ihr…“ (1)

Königin Karoline, Sophies Mutter Foto: Wikimedia/Commons

Sophie war glücklich über ihre sehr hübsche Tochter und schrieb an ihre Mutter in Tegernsee: „…dass ich Ihnen Anna jetzt nicht zeigen kann – sie ist liebenswürdiger, viel hübscher als in Tegernsee und so dick, dass Franzi unlängst vor Coudenhove sagte – was mich ganz glücklich machte – sie hätt‘ Auswüchse an der Brust und alle Frauen hätten es so….“  (2) (MF Anmerkung – mit Franzi ist hier Erzherzog Franz Joseph gemeint, dem späteren Kaiser, der zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre alt war).

Maria Anna war ein aufgewecktes, fröhliches Kind, das keinerlei Scheu vor fremden Personen hatte.

Doch leider erkrankte Ännchen bald darauf schwer. Sie bekam Krämpfe und Fieber und die Hofärzte waren sich weder einig, noch intelligent genug die Gefahr zu erkennen. Auch hier trat wieder die Habsburgerische Heiratspolitik zu Tage. Epilepsie war eine gängige Erkrankung im Kaiserhaus. Doch die Krämpfe und Fieberanfälle wurden auf das „Zahnen“ zurückgeführt. Wie sehr sich sowohl Sophie, als auch die Ärzte täuschen würden…

Ännchen erholte sich von diesen Krämpfen und entwickelte sich weiter. Bis zu ihrem 4ten Lebensjahr gibt es keine weiteren veröffentlichten Aufzeichnungen.

Im Winter 1838/40 erkrankte Anna nochmals schwer. Die Ärzte waren sich so derartig uneinig über die Behandlung, dass man Anna die wunderschöne Haarpracht abrasierte und ihr Blutegeln anlegten. Das Kind quälte sich mit hohem Fieber und Krämpfen. Eine kleine Besserung war Ende Jänner zu sehen, da Anna aufstehen durfte und sogar ihrer geliebten Mutter zum Geburtstag gratulieren konnte.

Dr. Johann Malfatti, Foto: Wikimedia/Commons

Doch der Rückfall war verherrend. Vor allem der unfähige Hofarzt Dr. Johann Malfatti (*12.6.1775, †12.9.1859) erkannte weder die Krankheit, noch die Gefahr und behandelte die schweren Fieberschübe mit den üblichen Hausmitteln. Dr. Malfatti stritt sich sogar mit den anderen Ärzten, die alle leider weder Ahnung, noch ihren Stolz hinunterschlucken konnten, um einen Homöopathen hinzuzuziehen.

Maria Anna Karolina Pia von Österreich am Totenbett, Lithografie Josef Kriehuber, Foto: Albertina.at

Sophie wachte Tag und Nacht an dem Bett ihrer kleinen, immer schwächer werdenden Tochter und weinte bittere Tränen, als Ännchen am 5.2.1840 unter furchtbaren Krämpfen den Kampf gegen den Tod verlor.

Sophie war untröstlich. Die vielen Fehlgeburten hatten ihr viele Kräfte geraubt, ihre Gesundheit war angegriffen und der Tod der Tochter sollte sie für immer verändern.

Erzherzogin Sophie übergab den Leichnam der kleinen Anna den Kapuzinern, ließ ihn aber – wie für Habsburg üblich – nicht zerstückeln. Nur der Kopf wurde geöffnet und angeblich wurde Wasser darin gefunden. Was auch immer das bedeuten sollte.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia von Österreich wurde in der Kapuzinergruft, Ferdinandsgruft Grab Nr. 11 begraben. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Maria Anna, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil begraben. Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Sophie entdecken. Sie war die Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden.

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Wikimedia/Commons, sternenkaiserin.com – Maria José, Albertina.at
Stammbaum: Marie 

Textrechte: Marie, Ingrid Haslinger


Literaturhinweis:

Zitate 1-2 – S. 71
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe