Tag-Archiv | Erster Weltkrieg

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an Sie richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – ein Teil von Sisis Hochzeitskleid – besichtigen. Unseren Beitrag finden Sie hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt. Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen. Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr. Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden. Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure Marie

 


Foto: zeno.org

Die Geschichte einer Tragödie, welche sich am 28.6.1914 abspielte. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen. Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Wir werden nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.  Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren. Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und seiner 2. Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

 

Stammbaum Erzherzog Karl Ludwig, dessen Frauen und Kinder, Fotos: Wikimedia/Commons 

Maria Annunziata Isabella Filomena Sabasia von Neapel-Sizilien Foto: Wikimedia/Commons

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde. In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franz (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862, Foto: habsburg.net

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde, war er 39 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franz war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand 3 und die kleine Margarethe erst 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Maria Theresa von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Maria war erst 17 Jahre alt, als sie mit dem 39jährigen Witwer Karl Ludwig verheiratet wurde. Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen.

Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Maria wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte 2 weiteren Mädchen (Maria Annunziata *13.7.1876, †8.4.1961 und Elisabeth Amalie Eugenia *7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder. Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte.

EH Maria Annunziata, Stiefschwester Foto: Wikimedia/Commons

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte. Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

Schloss Artstetten Foto: Privat

Franz und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf. Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) musste er und Otto über sich ergehen lassen. Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr. Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Badezimmer im Schloss Arstetten Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während sein Bruder Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind in vollen Zügen genoss. Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franz(i), der einfach zu ernst für sein Alter war.

Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.) Foto: Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ. So wurde ein Schwimmteich – Swimmingpool – gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde vergrößert und angelegt und ein Badezimmer wurde eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit. Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

Gedenktafel, Enns Foto: denkmalprojekt.org

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde. Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte: „Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Kronprinz Rudolf als Jugendlicher Foto: oesta.gv.at

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden. Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte. Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Sisi intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz Ferdinand unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850, Foto: comune.modena.it

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

Das Goldene Vlies, Foto: habsburger.net

Seine Militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war. Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebraucht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

 

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war. Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880 Foto: Wikimedia/Commons

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt: „Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2) Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf. Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor. Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

SMS „Kaiserin Elisabeth“ Foto: Wikimedia/Commons

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung. Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan. In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen. Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs. Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit. Ein Teil ist im Schloss Arstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorischesmuseum in Wien.

MS Empress auf China Foto: Wikimedia/Commons

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank. Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte. 1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Sophie, Gräfin von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte. Er lernte Hofdame Sophie, Gräfin von Chotek kennen.

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien. Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief: „Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

Dr. Viktor Eisenmenger Foto: Wikimedia/Commons

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen. Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen. 1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Graf Leo von Wurmbrand, Foto: JosefNovak33

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte. Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem „Frauenzimmer“ „das Handwerk legen wollte“ (4). Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte. Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

Erzherzog Otto „der Schöne“ Foto: Antiquariat Futter

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen. Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag. Von Krankheit gezeichnet, wurde der Aufenthaltsort für Franz Ferdinand nach Ägypten bestimmt. Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen. Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut. Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt starb er schließlich am 19.5.1896 in Wien. Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man einen Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek

Kronprinzessin Stephanie Foto: Wikimedia/Commons

EH Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester Foto: Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen. Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung. Um diese zu erlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war. Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt. Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931). Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf. Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Graf Boguslaw von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren. Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896), ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

– Wolfgang Maria Karl Wilhelm Boguslaw Josef (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
– Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
– Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
– Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
– Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
– Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
– Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
– Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)

Erzherzogin Isabella Foto: Wikimedia/Commons

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt. Um die Kinder deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung. Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten. Sophie wurde an den Hof der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzogin Isabella glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen. Maria Christina war damals 16 Jahre alt. Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt. In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen. Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam. Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Erzherzogin Maria Christina Foto: Wikimedia/Common

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte. Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Erzherzogin Isabella mit Hofdame Sophie Gräfin Chotek, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger fürs Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden. Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei, eine verarmte Gräfin zu ehelichen. In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, Diener und jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Maria Theresa für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Godfried Marschall, Weihbischof Foto: Wikimedia/Commons

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut. Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt. Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph: „Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt. Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Prinzessin Ludovika von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie. Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen „in“ und „von“ wurde hier aufgearbeitet. Sisi wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre. Und das war die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen. Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln. Aber ich greife vor.

Hochzeitsfoto Sophie und Franz Ferdinand, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Hochzeit Sophie und Franz Ferdinand Foto: Wikimedia/Commons

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben. Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe. Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4 (!)  Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“. Maria Theresa, Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und seine Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Ring von Gräfin Sophie, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger begangen hat. Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob. Somit wurde aus Sophie, Gräfin von Chotek, Sophie Fürstin von Hohenberg.

Ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen. Josephine von Hohenzollern Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe danach war von Glück geprägt. Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

 

Stammbaum Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg, Fotos: Wikimedia/Commons

 

Schloss Konopischt Foto: viator.com.de

Schloss Belvedere Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein. Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen. Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

Erzherzog Franz Ferdinand, Fürstin Sophie von Hohenberg, Tochter Sophie, Ernst (sitzend) und Max Foto ca. 1908 Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah. Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein. Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt. Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte. Zumal er seine Sophie und seine Kinder als Thronerben und Kaiserin anerkannt hätte.

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren und Franz Ferdinand wusste, dass es Zeit war für ein mögliches Ableben an ihn und seine Lieben zu denken. Da er auch nach dem Tod von Sophie, die durch die morganatische Hochzeit nicht in der Kapuzinergruft beerdigt werden durfte, nicht getrennt sein wollte, begründete der die Familiengruft auf Schloss Artstetten. Sein totgeborener Sohn sollte der erste sein, der in der Gruft beerdigt werden sollte. Das seine Eltern nicht allzu lange danach folgen würde, konnte keiner ahnen.

Splitter der ersten Bombe die Fürstin Sophie traf. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf: „Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Mörder Gavrilo Princip Foto: Wikimedia/Commons

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen. Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen. Das aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

Mit so einer Waffe wurde Fürstin Sophie und Erzherzog Franz Ferdinand erschossen. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Zuerst traf er Fürstin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers. „Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7), soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

Original Wagen, Heeresgeschichtliche Museum Wien, Foto: Hemmings.com

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8) soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben. Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich. Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebten Kinder gerichtet gewesen. Auch Erzherzog Franz Ferdinand stirbt noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war. Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden. Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Hinzugefügt werden muss, dass Erzherzog Franz Ferdinand einen Lebensfeind hatte. Alfred Fürst von Montenuovo (*16.9.1854, †6.9.1927) war der letzte Obersthofmeister von Kaiser Franz Joseph. Obwohl er selbst morgantisch zur Welt kam (seine Mutter war Erzherzogin Marie Louise (*12.12.1791, †17.12.1847)(ehem. Kaiserin von Frankreich/verehelicht mit Napoleon, dann mit Alfred Graf von Neipperg (*8.4.1775, †22.2.1829), welcher sein Vater war), hasste Franz Ferdinand bis aufs Blut. Und so machte er Sophie das Leben am Hof zur Hölle. Seine Rache sah er gekommen, als die beiden dem Mord zum Opfer fielen.  

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Die Ausschiffung der Särge in Triest am 2.7.1914. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie t

Nahaufnahme der Ausschiffung der Särge in Triest, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

 

Begräbnis mit dem Sarg des tot geborenen Sohnes zwischen den Eltern, 4.7.1914 Schloss Artstetten, Gruft. Franz Ferdinand Museum, Foto: sternenkaiserin.com – Marie t

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alfred Fürst von Montenuovo, Foto: Wikimedia/Commons

Nur 2 Stunden ließ er die Särge in der Kapelle der Wiener Hofburg aufbahren. Den Sarg von Sophie ließ er eine Stufe niedriger stellen, als den von Erzherzog Franz Ferdinand, um so den Rangunterschied zu demonstrieren. Auf dem Samtkissen vor Sophies Sarg, ließ er Symbolhaft für Hofdamen einen schwarzen Fächer und ein paar weiße Handschuhe auflegen. Weder ihre Rangabzeichen, noch ihre Orden ließ er davor ablegen. Vor Franz Ferdinand ließ er den Erzherzogshut, Generalshut, Säbel und alle Orden legen. 

Nach Einbruch der Dunkelheit erfolgte ohne militärisches Geleit und ohne Trauerparade der Wiener Städtischen Beerdigung die Überführung nach Schloss Artstetten. Die Wiener Bevölkerung nahm dennoch am Straßenrand still Anteil. 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt. Auch hier hat sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Arstetten zu begleiten. Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 51 Jahre, Fürstin Sophie von Hohenberg 46 Jahre alt.

~ Marie ~

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017; in der Mauermitte erinnert eine Inschrift an den totgeborenen Sohn 

 


Wer wissen will, wie es mit den Vollwaisen weiterging, liest hier weiter.

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch dreien Kindern Vater und Mutter.

Wunderschönes Gemälde der Kinder Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt und Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie. Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen. Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert. Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben. Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslang. Max ließ sich in Schloss Artstetten nieder, studierte Rechtswissenschaft und wurde Jurist. Ernst studierte Forstwirtschaft und ließ sich in der Steiermark, Radmer, nieder.

Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst: Wikimedia/Commons

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

– Erwein Maximilian Franz Peter Paul Hubertus Konrad Maria (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
– Franz von Assisi Friedrich Ernst Leopold Josef Maria (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
– Aloys Karl Josef Maria (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
– Sophie Amalia Theresia Quirinia Henriette Lucretia Magdalena Maria Ignatia (*4.6.1929 – lebend)

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Hochzeit Max und Elisabetha  Foto: Wikimedia/Commons

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

– Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
– Georg (*25.4.1929 – lebend)
– Albrecht Philipp Leopold Josef Andreas Hubertus Maria (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
– Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
– Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
– Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht. Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde. Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring. Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt. In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

 

Ernst und Marie Therese von Hohenberg Foto: Wikimedia/Commons

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

– Franz Ferdinand Maximilian Georg Ernst Maria Josef Zacharius Ignaz (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
– Ernst Georg Elemer Albert Josef Antonius Peregrius Rupertus Maria (*1.3.1944 – lebend)

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max. Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht. Er wurde erst 1943 entlassen. 5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen. Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. Ernst durch die Strapazen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

 

~ Marie ~

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie , Wikimedia Commons, zeno.org, Habsburg.net, commune.modena.it, JosefNovak33, Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017, Hemmings.com, Antiquariat Futter 
Textrechte: Marie, Anita von Hohenberg, Christiane Scholler
Stammbäume: Marie 


Literatur Hinweis:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber


 

Kaiser Franz Joseph I. – Die Kindheit bis zum Thron (Teil 1)

Bevor wir uns – wie in den vorangegangenen Beiträgen – Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph ansehen, beginnen wir mit der Kindheit von Kaiser Franz Joseph I.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Erzherzog Franz Joseph Karl wurde unter höllischen Schmerzen, die 2 Tage und Nächte andauern sollten, als erstes Kind einer überglücklichen Erzherzogin Sophie und dem Erzherzog Franz Karl am 18.8.1830 in Schloss Schönbrunn geboren. Seine Mutter war bereits unter Druck geraten, da sie mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Das Kaiserreich stand nach 6 Jahren Ehe zwischen Sophie und Franz Karl immer noch ohne Thronfolger da.

Unsere Beiträge von Erherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl können hier nachgelesen werden.

 

Stammbaum Kaiser Franz Joseph, Fotos: Wikimedia/Commons, Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie 

Baronin Luise Sturmfeder, Aja von Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Pia. Bei Erzherzog Ludwig Viktor half sie nur noch „miterziehen“ Foto: Wikimedia/Commons

Schon während der Schwangerschaft wurde als Aja (Vorsteherin der Kindskammer) Baronin Louise Sturmfeder (*3.10.1789, † 10.9.1866) bestellt. Sie wohnte auch der schweren Geburt von Franz Joseph bei. Baronin Louise, die von den Kindern nur „Aja“ genannt wurde, wurde sehr geliebt und verehrt.

Louise war eine erzkatholische, stark nach Prinzipien vorgehende Frau, die den kleinen Erzherzog stark prägen sollte. Sophie stillte Franzi, wie er genannt wurde, zunächst selbst. Das war in hochherrschaftlichen Häusern eher ungewöhnlich und nicht die Regel. Auch jeder noch so kleine Fortschritt wurde in Bayern Königin Karoline, der Mutter von Sophie berichtet. Allerdings achtete Sophie stets auf den richtigen Umgangston bei der Aja. Louise nannte Franz Joseph öfters „Mein Prinz“ was der überaus strengen Mutter nicht passte. Man solle ihn „Erzherzog“ nennen. Von Anfang an wurde der Weg vorgegeben: Nach Ferdinands Tod sollte Franz Joseph Kaiser werden.

Die Erziehung war sehr streng. Franz Joseph hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher geführt und vorgeführt. Kontakt zu anderen Kindern war ihm verboten. Dazu schreibt Baronin Sturmfeder: „Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(1)

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831, Foto: Wikimedia/Commons 

Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen. Er wurde deshalb intern „Gottheiterl“ genannt, was leider auch später Franz Joseph noch große Probleme bereiten würde. Aber dazu in einem der nächsten Berichte.

Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist. Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte. Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum. Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Sisi, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.

Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass Aja oft Angst und Bang wurde. Dazu notiert sie in ihr Tagebuch: „Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (2)

1832 kam Ferdinand Maximilian auf die Welt und Aja hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise war Franzi. Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug. Franz Joseph wurde teilweise dressiert. Max hatte große Freiheiten sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen. Der Zwist den die beiden Brüder auch in späteren Jahren auszutragen hatten, wurde sicherlich im Kindesalter forciert. Während Max seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte früh ein.

Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notiert: „Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (3)

Franz Joseph als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I Foto: Schloss Schönbrunn

1833 kam der 3te Sohn Karl Ludwig zur Welt, der auch von Louise übernommen wurde. Karl Ludwigs Erziehung war noch lockerer als die von Max, was dazu führte, dass Ludwig kein guter Schüler wurde. Max und Ludwig werden zu einem späteren Zeitpunkt beschrieben werden. 1835 kam die einzige Schwester von Franz Joseph auf die Welt. Unser Beitrag zu Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia finden Sie hier. 1840 wurde ein weiterer Bruder geboren, allerdings als Totgeburt. 1842 kam der letzte Bruder zur Welt. Der etwas absonderliche Ludwig Viktor. Auch er wird zu einem späteren Zeitpunkt seinen Beitrag bekommen. Franzi war zu dem Zeitpunkt mittlerweile 12 Jahre alt. Aber zurück zum kleinen Franz Joseph.

Da Franzi sehr isoliert wurde, schaute er oft den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu. Im Alter von (angeblich) knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen. Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben. 1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, Miniaturwiedergabe der Burgwache und eine Waffe.

Im Alter von 4 Jahren musste oder durfte Franz Joseph am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen Kaiser und Kaiserin (Großeltern) sitzen. Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen dürfe und zu sprechen habe.

Kaiser Franz II./I., 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Foto: habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein Foto: Heeresgeschichtliche Museum Wien

Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835). Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle. Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.

1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hat tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz hinterlassen. Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).

Bombelles und Coronini lagen ab dem Zeitpunkt oft im Streit miteinander. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (er zeichnete überaus gut), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik. Genau sah das so aus:

Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg, Lithographie von Josef Kriehuber 1853, Foto: Wikimedia/Commons 

Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.

Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).

Heinrich Franz Graf von Bombelles, Lithographie von Josef Kriehuber 1851, Foto: Wikimedia/Commons 

In Politik wurde Franzi von Metternich persönlich gelehrt. Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.
Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer gerieten oftmals in Streit. Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note, jedes Vergehen der Kinder (auch Max und Ludwig nahmen an diesem Unterricht teil).

Der Tag von Franz Joseph fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends. Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt. Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit. Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen- um 19.00 Uhr – statt.

Erzherzog Franz Joseph, 1838 Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt. Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen. Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen zu zeigen fiel ihm schwer.

Sein Lieblingsfach war die Militärische Ausbildung wo er Manöver üben lernte. Als Franz Joseph 13 Jahre alt wurde, wurde er zum Obersten des Dragonerregiments Nr. 3 ernannt. Er notierte in sein Tagebuch: „Es freute mich besonders, daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier-Uniform immer besonders gefallen hatte.“ (4)

Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute. Er notierte 1843 in sein Tagebuch: „Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (5)

Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie, Foto: Schloss Schönbrunn

Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung. Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, † 30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.

Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.

Auf einen der wenigen Freunde die Erzherzog Franz Joseph besaß, muss man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückkommen, aber der Name Eduard Graf Taaffe sollte hier nicht ungenannt bleiben.

Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie. Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk. Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky. Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.

Als er 1848 von dieser letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt. Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem. Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand. Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil. Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie sind nach Innsbruck geflohen. Im April kam sie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte, da sie dort Ostereier verstecken ließ. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch. Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten. Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg in Pest ermordet. Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn. Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt. Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet. Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: billerantik

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben. Obwohl in der Rangfolge eigentlich sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg seinem Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch: „Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6)

Foto: Wikimedia/Commons

 

 

 

 

 

 

 

Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt. Franz Joseph I. sollte der Erste und Einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. Sein gesamter Titel lautete:
Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (7)

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 2. Teil unserer Serie über

Kaiser Franz Joseph I.

Gemälde nach Eduard Klieber, 1851 Foto: Dorotheum  Wien

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie, Ingrid Haslinger, Michaela und Karl Vocelka
Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien
Stammbaum: Marie 


Literarische Hinweise:

1 – S. 64, 2 – S. 63, 3 – S. 65,
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

4 – S. 37, 5 – S. 39, 6 – Seite 69/70, 7 – S. 75
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage