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Korsett, Krinoline und Tornüre – Ein Leben für die Schönheit

In diesem Betrag möchte ich Euch die verschiedenen Modestile im Leben von Kaiserin Elisabeth etwas näher bringen.

Wir beginnen mit der Kindheit der  Kaiserin, die  bestimmt war durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .


1837 – 1850 Die Kindheit einer Kaiserin, oder die Mode der Mode der Schwiegermutter 😉

Was trug also eine kleine Prinzessin im Alter von 3 Jahren?

Im Grunde genommen waren die Mädchen wie auch in den folgenden Zeiten kleine Ebenbilder ihrer Mütter, mit einem Unterschied.

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Charlotte von Belgien im Alter von 3 Jahren – Foto Wikimedia/Commons

Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.

Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 30er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.

Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.

Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.

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Foto: Wikimedia/Commons

Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so  im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.

Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.

Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.

Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man  dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.

Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.

Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.

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Foto: Wikimedia/Commons

Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet.  Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.


Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.

Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.

Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.

Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.

Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.

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Foto: Wikimedia/Commons


1850 – 1860 – das Jahrzehnt in dem aus einer kleinen bayrischen Prinzessin eine österreichische Kaiserin wurde.

Die Kleider der Damen wurden aufwendiger und prächtiger als je zuvor, die Krinoline – vom franz „Crin“ (Rosshaar) abgeleitet – trat ihren Siegeszug an und sollte für 2 Jahrzehnte das Leben der Damen zur Qual machen.

Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.

Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831 bis 1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Ist auch heute noch so, findet ihr nicht?

Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.

Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.


Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.

Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt.  Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.

Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.

Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.

Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.

Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form  nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.

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Foto: Wikimedia/Commons


Wir befinden uns in den Jahren 1860 – 1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth

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Foto: Wikimedia/Commons

Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.

Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.

Eugenie von Frankreich

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Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth von Österreich und

Charles Frederick Worth

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Foto: Wikimedia/Commons

Die edlen Materialien,die Worth verwendete – Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. – machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen. Kein andere verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren.

Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!

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Ungarisches Krönungskleid Foto: Sascha Rieger

Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, ich sage nur Sternenkleid 😉 (der Beitrag zum Kleid kann hier nachgelesen werden)

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Foto: Wikimedia/Commons

Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.

Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.

1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.

Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.

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Foto: Wikimedia/Commons

Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.

Dass es selbstverständlich war ein Korsett zu tragen muss ich vermutlich nicht erwähnen? 😉


Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.

 Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.

Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.

Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.

Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.

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Foto: Wikimedia/Commons


Was trug man zwischen 1870 und 1880

Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der Ersten Turnüre.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Zweite Turnüre kam erst im 1880er Jahrzehnt auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Turnüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Das eng  geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté. 😉

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Foto: Wikimedia/Commons

Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.

Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.

Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.

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Foto: Wikimedia/Commons

 Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.

Tagsüber  im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.

Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).


Das modische Vorbild der Herren lag in England.

Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren,  der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.

Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.

Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.

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Foto: Wikimedia/Commons


1880 – 1890

Die zweite Tournüre

Eine große Gesäßauflage, die Tournure (frz.), wurde fixer  Teil der Damenunterbekleidung

Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht.  In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.

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Foto: Wikimedia/Commons

Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Kann ich nur bestätigen 😉 längeres sitzen wird zur Qual!

Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.  In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.

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Foto: Wikimedia/Commons

Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.

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Foto: Wikimedia/Commons

Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.


Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.

Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.

Wir kennen es heute noch beim Frack ;).Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.

Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.

Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.

Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.


Wir sind am Ende des Lebens unserer Kaiserin angelangt und befinden uns nun modisch in den 1890er.

Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.

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Foto: Wikimedia/Commons

Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.

In den 1890er Jahren formte man  mittels  Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte  sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.

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Foto: Wikimedia/Commons

Immer stärker werdende Versuche von  Ärzten, Künstlern oder  Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterden. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin.

Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und  später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend.  Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.

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Foto: Wikimedia/Commons

Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.

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Foto: Wikimedia/Commons

Zu Beginn dieses Jahrzehnts  lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ  eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.

Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.

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Foto: Wikimedia/Commons

Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.

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Foto: Wikimedia/Commons


Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer

Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.

Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.

Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.

Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.

Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.

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Foto: Wikimedia/Commons


 

Ich hoffe mein kleiner Ausflug in die Mode vergangener Zeiten hat Euch ein wenig gefallen und ihr wisst nun, was man wann, wie und wo trug? 😉

*Sisi*


Rechtliche Hinweise:
Textrecht: Sisi
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Sascha Rieger


 

Eine Tragödie, die traurigen Weltruhm erlangte – Mayerling

Mayerling, wer kennt sie nicht die Geschichte über den Tod des Kronprinzen und seiner angebliche Geliebten?

Mehrfach wurden die letzten Tage des österreichischen Kronprinzen verfilmt. 1969 drehte man eine Version mit Omar Sharif als Rudolf und Catherine Deneuve als Mary in den Hauptrollen. Als Kaiserin Elisabeth besetzte man die weltberühmte Ava Gardner.

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 Foto: @ORF/Kirch Media

Rudolf Prack schlüpfte zuvor, bereits 1956 in diese tragische Rolle.

An seiner Seite spielten Christiane Hörbiger-Wessely und Lil Dagover, die bereits zum 2. Mal die Rolle der österreichischen Kaiserin übernahm. 1931 spielte sie in „Elisabeth von Österreich“ die Titelrolle.

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Im Bild: Lil Dagover, Rudolf Prack und Christiane Hörbiger. Foto: @orf.at

Max von Thun spielte 2006 in der 2 teiligen Neuverfilmung neben Klaus Maria Brandauer, der dieses Mal den Kaiser verkörperte.

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Sandra Ceccarelli, Max von Thun, Daniela Golpashin, Klaus Maria Brandauer, Francesca von Habsburg, Lothar Michael Proksch, Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, Kronprinz Rudolf Foto: @orf.at

Unzählige Bücher sind zu diesem Thema der österreichischen Geschichte verfasst worden. Von der Kriminalgeschichte bis hin zu Verschwörungstheorien, immer wieder dient die Tragödie von Mayerling als Thema für Neuerscheinungen.

Ebenfalls 2006 feierte das Musical „Rudolf“ Weltpremiere in Budapest.


 

Irgendwann stand fest, dass auch wir dem Jagdschloss einen Besuch abstatten würden. Ähnlich wie die Kaiserin bei ihrem ersten Besuch anlässlich des ersten Todestages, reisten auch wir dieses Mal mit einer ganzen Gruppe an diesen verwunschenen Ort.

Die Geschichte dieses sehr besonderen Tages möchte ich Euch heute erzählen. Dabei werde ich immer wieder historische Daten in meine Gedanken einflechten und bitte Euch, dies nicht als geschichtliche Dokumentation zu sehen, sondern einfach als das was es ist.

Meine Gedanken und Erinnerungen an Rudolf.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Schon während ich früh morgens meine Haare zu flechten begann, ließen mich die Gedanken an Elisabeth und ihr „Bubi“ nicht mehr los.

101 Salutschüsse erklangen als man die Geburt des Thronfolgers feierte.

Der Kaiserin selbst teilte nach langer, schwerer Geburt mit den erlösenden Worten „A Bua, es is a Bua“ eine Hofdame mit, dass endlich nach den beiden Töchtern der langersehnte Thronfolger geboren wurde.

Was musste es wohl für sie bedeutet haben, endlich die Verpflichtungen gegenüber ihrem Mann und ihrem Volk, wie es die Erzherzogin bezeichnete, erfüllt zu haben?

Was in ihr vorging, als sie völlig erschöpft endlich den Buben sah, ist wohl nur für wenige nachzuvollziehen.

War es Erleichterung, Freude über den langersehnten Sohn oder Trauer darüber, ein weiteres Kind an die Schwiegermutter zu verlieren?

Es liegt mir fern das Verhältnis der Beiden zu beurteilen, oder gar eine historische Aufarbeitung über das Drama von Mayerling zu schreiben.

Ich möchte nochmals betonen, es sind lediglich die Gedanken, die ich mir an diesem Tag zu diesem Thema machte.

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Foto: Wikimedia/Commons,  Mit nur 2 Jahren trug Rudolf zum ersten Mal die Uniform

 

Mit 101 Salutschüssen hat sein Leben begonnen, mit nur einem Pistolenschuss sollte es auf tragische Weise enden.

Heutzutage kennt man Stillpsychosen und Wochenbettdepressionen, aber zur damaligen Zeit?

Wie kann eine kaum 20 jährige Mutter eine wirkliche Bindung zu ihrem Kind aufbauen, wenn man es ihr weg nimmt?

Wenn kurz zuvor ihre erste Tochter gestorben ist?

All das sind Fragen, die ich mir oft schon gestellt habe, manches Mal ist es aber auch einfacher, etwas aus der Ferne zu lieben.

Wenn man Briefe der Kaiserin an ihren Sohn liest, kann man durchaus meinen, sie liebte ihren Sohn.

Mir ist klar, dass viele hier anderer Ansicht sind, aber für mich steht  fest, dass sie ihn geliebt hat. Auf ihre eigene Weise.

Es ist oftmalig belegt, wie sehr der Kronprinz seine Mutter vergötterte, aber auch darauf will ich nicht wirklich eingehen.

Ich flocht Zopf und Zopf und begann meine Haare aufzustecken, während ich die Szene aus dem Musical vor Augen hatte. Der erwachsene Kronprinz betritt das Zimmer der Kaiserin, bittet sie um Hilfe und beginnt dann das Lied „wenn ich dein Spiegel wär….“

(Elisabeth das Musical – Wenn ich dein Spiegel wär, Michael Kunze & Silvester Levay)

Wie ähnlich waren sich die beiden wirklich? War ihr bewusst, wie sehr er gelitten hatte? Oder waren ihre Fluchten zum Teil auch nur die einzige Möglichkeit – die sie sah – um die „Erziehung“ ihres Sohnes nicht mit ansehen zu müssen?

In einigen erhaltenen Briefen nennt sie ihn „mein liebes Bubi“ selbst die Erzherzogin beschreibt den liebevollen Umgang und den guten Einfluss, den die Kaiserin auf die Kinder hatte.

So schreibt z.B. „das interessante Blatt“ 1889 nach dem Tod des Kronprinzen einen Satz des kleinen Rudi – wie die Wiener ihren Kronprinzen liebevoll nannten – der mich immer wieder berührt:

„der Kaiser nennt mich Rudi, die Mutter ruft mich Bubi und die anderen sagen kaiserliche Hoheit“   (1)

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Rudolf mit 5 Jahren Foto: Wikimedia/Commons

Maria Jose kam und begann mein Korsett zu schnüren, während meine Gedanken immer weiter kreisten.

Befreite die Geburt des Thronfolgers Elisabeth von ihren ehelichen Pflichten und ermöglichte ihr nun ihre so langersehnte Freiheit?

Dennoch meinte sie später einmal, wenn Rudolf wieder kommen würde, so würde sie sich ihn als Tochter und nicht als Kronprinzen wünschen. (2)

Hatte sie ihn wirklich im Stich gelassen, oder waren es einfach die Umstände, die es nicht erlaubten, den kleinen Prinzen mit derselben Liebe zu überschütten, wie seine jüngere Schwester?

Manches Mal ist es leichter aufzugeben, als zu kämpfen wenn der Gegner übermächtig ist.

Es ist leicht aus heutiger Sicht darüber zu urteilen, ob Elisabeth eine gute Mutter war oder nicht, aber wer fragt sich, wie es ihr dabei gegangen ist?

Franz Josef war als nicht gerade sehr zärtlicher Liebhaber bekannt, wie also hatte eine völlig überforderte und verängstigende 16-jährige all dies empfunden?

Woher stammte ihre lebenslange Abneigung gegen körperliche Nähe?

Vielleicht spielte ja all das auch eine Rolle bei dem Verhältnis zu Rudolf und Gisela?
Während ich vorm Spiegel stand und zusah wie Maria Jose mich Schicht für Schicht anzog, Haken um Haken meines Trauerkleides schloss, kamen mir immer mehr Details in den Sinn, die ich irgendwann und irgendwo einmal gelesen hatte.


 

Wir fuhren über die Landstraße Richtung Heiligenkreuz, ähnlich wie das Kaiserpaar es genau ein Jahr nach dem Unglück tat und ich erinnerte mich an Marie Valeries Worte, die in ihrem Tagebuch diesen Tag ausführlich beschrieb.

Man nahm an einer Messe, in dem inzwischen umgebauten Jagdschloss teil und besichtigte anschließend dann das Kloster, das der Kaiser gestiftet hatte. (3)

Mit welchen Gefühl muss sie in der Kirche gesessen und auf den Altar, an dessen Stelle zuvor das Bett gestanden hatte in dem man den Toten gefunden hatte, geblickt haben?

Unfähig zu weinen und leichenblass soll sie gewesen sein, die Kaiserin.

Geistig ihr „Bubi“ vor Augen und hadernd mit der eigenen Schuld.

Es war ein eisiger Tag, die Sonne schien und das Schloss in dem Rudolf hoffentlich auch schöne Stunden erlebt hatte, lag immer noch im leichten Nebel. Mitten im Wiener Wald, umgeben vom schönsten Jagdgebiet.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Die Mauern, die einst das Schloss umgaben, schützen nun das Kloster der Karmelitinnen vor der Außenwelt. Friedlich und still sieht es aus, das kleine Schlössl, in das der Prinz seine Gäste zur Jagd lud.

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Foto: Wikimedia/Commons

1886 erwarb Rudolf einige Gebäude in Mayerling und tauschte diese dann mit den Patern von Heiligenkreuz gegen die Gebäude neben der Laurentiuskirche mit dazu gehörigen zwei Häusern. (4)

1887 wurden größere bauliche Veränderungen durchgeführt und das Anwesen zum eigentlichen Jagdschloss mit nun 2 Trakten umgebaut. Der obere Teil bestand aus dem ehemaligen Gasthaus Eipeldauer, das zu Wohnräumen des Kronprinzenpaares umgebaut wurde.

Es gab einen ebenerdigen Dienertrakt und einen eigens nach der kleinen Erzherzogin benannten „Elisabeth Trakt“

 

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skizze Foto: @mayerling.de   1. Gasthaus Gratzer 
2. Villa (sogenanntes Coburg Schlössel) 
3. Pferdestall (von Rudolf erbaut) 
4. Mayerlinghof 
5. Garten (im französischen Stil) mit Teepavillion und Kegelbahn  
6. Jagdschloss 
7. Osttor (Haupteingang zum Schloss) 
8. Dienertrakt 
9. Nordtor 
10. Elisabethentrakt 
11. Laurenzi-Kirche 
12. Südtor (hier wurde Mary hineingeschmuggelt) 
bzw. S Sterbezimmer 
L Loscheks Zimmer 
E Entré-Zimmer 
von hier aus wurde die Tür aufgebrochen

Der Schlosshof bestand aus einem französischen Garten mit Springbrunnen. (5)

Unterhalb des Schlosses befand sich ein zweiter Garten mit einer überdachten Kegelbahn, die auch als Schießstand diente.

Wohnungen für die Hofdame der Prinzessin, die Jäger sowie für die Familie des Prinzen von Coburg befanden sich ebenso im Jagdschloss, wie Gästezimmer und ein Stall für die Pferde. (6))

Am 19. November 1887 wurde das Schloss eingeweiht, als Gäste waren das Kaiserpaar, das Ehepaar Coburg und einige Jagdfreunde von Rudolf geladen.

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Erzherzogin Elisabeth Marie. Foto: Wikimedia/Commons

In den beiden Jahren bis zu seinem Tod fanden hier nur 10 Jagden statt, Kronprinzessin Stefanie war lediglich 2 mal zu Besuch im Wiener Wald und die kleine Erszi einmal, allerdings ohne ihre Eltern!

 

Graf Hoyos war öfters zu Gast beim Kronprinzen, ebenso wie sein Schwager, Prinz Phillip von Coburg, der bei fast allen Jagden anwesend war.

Heute kommen ebenfalls wieder Gäste nach Mayerling, um das Jagdschloss zu besuchen. Gäste, die das Museum besichtigen und vielleicht das ein oder andere Gebet in der Kirche für den Kronprinzen sprechen wollen.

Statt dem Schlosstor empfängt heute ein modernes Besucherzentrum seine Gäste, um denselben das eine oder andere Souvenir zu bieten.

 

Mir selbst war dieses Eingangsgebäude zu modern, es passte nicht in „mein Bild“ von Mayerling.

Der leicht ansteigende Weg vom Besucherzentrum zur Kirche war in ein seltsames Schweigen gehüllt, unterbrochen nur durch das eine oder andere Schluchzen einer meiner Begleitungen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Ich muss gestehen, auch wenn ich schon an vielen Orten war, dieser hier hatte eine ganz besondere Aura wenn man es so nennen möchte.

In keinem anderen der Schlösser war für mich der Tod so greifbar wie hier.

Eine eigenartige Stille umfing dieses Gebäude, auch wenn hin und wieder Stimmen von Besuchern erklangen, so wirkten sie doch irgendwie fern und unwirklich.

Eskortiert von Husaren, die die Türen öffneten betraten wir die Kirche.

Man hatte im Mittelgang zwei Stühle bereitgestellt, auf die wir zuschritten.

Nur das Rascheln meiner Schleppe am Steinboden war zu hören, fast ein wenig gespenstisch wirkte die Szene.

Völlig in schwarz gehüllt, wie sollte es auch anders sein, gingen wir an den Bankreihen vorbei, die sich nach und nach mit unserem Gefolge füllten.

Es wäre mir unpassend erschienen, etwas anderes hier zu tragen als Trauer!

Somit war nicht nur ich, sondern an diesem Tag mein „gesamter Hofstaat“ in tiefer Trauer, um dem österreichischen Kronprinzen die letzte Ehre zu erweisen.

Der Begriff der „Hoftrauer“ ist was die Kleidung betrifft exakt festgelegt. Dazu zählt das Tragen von schwarzen Kleidern, schwarzen Schleiern und schwarzen Schmuck.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Schwestern erschienen, geschützt durch ihre Gitterwand, um den Gottesdienst beizuwohnen und die Glocken begannen zu läuten.

Der Kronprinz, der von klein auf an Jagden teilnahm und dadurch wohl eine der selten Möglichkeiten fand, Zugang und vielleicht auch ein wenig Zuneigung vom Vater zu bekommen, pflegte die Jagd als eines seiner liebsten Vergnügen.

Kaiser Franz Joseph I und Kronprinz Rudolf

Foto: @austriaforum.at

Je besser die Erfolge des kleinen Rudi wurden, umso mehr Lob erntete er dafür vom übermenschlich verehrten Vater!

 

Bereits mit 8 Jahren erlegte er seinen ersten Hirsch und nahm an der Seite des Kaisers an unzähligen Jagden teil.

Bald schon folgten Hochgebirgsjagden im Salzkammergut und der Hochsteiermark.

Sein Jagdprogramm wurde immer dichter, je mehr Einladungen des Hochadels folgten. So verbrachte er laut seinem Tagebuch von 365 Tagen im Jahr 1885 200 Tage im Revier!!!  (8)

Gegen Ende seines Lebens nahm allerdings diese Jagdleidenschaft zunehmend ab. Eine der letzten Jagden an denen er teilnahm, war an der Seite des Kaisers in Mürzsteg!

Österreichisches Staatsarchiv

Rudolf in Jagdkleidung. Foto: @österr. Staatsarchiv

Am 23. Jänner ging Rudolf das letzte Mal auf die Pirsch.


 

Am Samstag dem 26. Jänner teilte Rudolf seinem Leibjäger Püchel mit, dass er am kommenden Dienstag nach Mayerling fahren wolle, um auf Hochwildjagd zu gehen.

Am Sonntagabend fand anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. in der deutschen Botschaft ein großer Empfang statt, bei dem Kaiser Franz Josef, das Kronprinzenpaar und sämtliche Diplomaten erschienen.

Dieser Empfang sollte der letzte öffentliche Auftritt des Kronprinzen werden. (9)

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Stephanie und Rudolf bei ihrer Verlobung. Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Tag arbeitete der Kronprinz wie gewohnt und teilte nach einer Besprechung mit Oberstleutnant Albert Mayer seinem Leibjäger Püchel mit, dass er seine Pläne geändert und nun heute schon hinaus fahren wolle. (10)

Die genauen Umstände, wie Mary Vetsera an diesem Tag in die Hofburg kam und von dort aus mit Hilfe des Kutschers Bratfisch zu dem vereinbarten Treffpunkt gelangte, um in Rudolfs Kutsche Richtung Mayerling zu fahren, möchte ich nicht näher erläutern.

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Marie Alexandrine Freiin von Vetsera. Foto: Wikimedia/Commons

Den am nächsten Morgen eintreffenden Jagdgästen erzählte Rudolf jedoch von Schwierigkeiten bei der Anreise, dass sein Wagen hängen geblieben sei und er sich beim Anschieben scheinbar erkältet habe, wodurch er an der Jagd nicht teilnehmen würde.

Von der Anwesenheit der Baroness ahnten die hohen Gäste wohl zu diesem Zeitpunkt nichts. (11)


 

Über den Tathergang dieser Nacht, die wohl für immer die österreichische Geschichte veränderte, werde ich mich auch nicht weiter äußern, da es zu diesem Thema mehr als genug Lektüre gibt.

Was genau an diesem Morgen des 30. Jänner 1889 geschah bleibt Spekulation, aufkommende Gerüchte, die sich bis heute halten wurden nicht weiter dementiert und trugen zusätzlich zum Mythos Mayerling bei.

Die beiden einzigen Zeugen Loschek und Graf Hoyos widersprachen sich mehrfach in ihren Aussagen.

Während Prinz Coburg zur Bewachung im Schloss zurück blieb, eilte Graf Hoyos nach Wien, um die Todesnachricht zu überbringen.

 

Dabei wurde den Eltern zuerst die Version einer Vergiftung des Kronprinzen durch Mary Vetsera berichtet.

Erst am nächsten Morgen konnte, der nach Mayerling gerufene Dr. Widerhofer die tatsächliche Todesursache dem Kaiser am Nachmittag selbst mitteilen. (12)

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Foto: @41-42 stammtischlaa

 

Während bereits erste Zeitungen durch Sonderausgaben über den Tod des Kronprinzen durch Schlaganfall, einen Jagdunfall bzw. einem Herzanfall berichteten, machte sich eine Hofkommission auf den Weg nach Mayerling. (13)

 

In einen kupfernen Sarg gelegt, wurden die sterblichen Überreste des Kronprinzen mit der Bahn zurück nach Wien gebracht.

Die weibliche Leiche wurde erst am nächsten Tag untersucht.

 

Der Sonderzug des Kronprinzen kam am Südbahnhof an und wurde von dort in die Hofburg gebracht, wo Rudolf gegen 2 Uhr morgens in seinem Schlafzimmer aufgebahrt wurde.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Am Abend des 31. Jänner läuteten die Glocken der Laurentiuskirche, in der Abt Grünbeck eine Trauermesse für den verstorbenen Kronprinzen in Mayerling zelebrierte (14)

Die Anwesenheit der 17 jährigen Mary Vetsera wurde der Öffentlichkeit verschwiegen und man setzte sie still und leise im Beisein von Graf Stockau und Alexander Baltazzi am Ortsfriedhof von Heiligenkreuz bei. (15)

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Grab Mary Vetsera, Friedhof Heiligenkreuz Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Messe nahm ihren Lauf und in meinen Gedanken lief dieser Tag weiter. Mit welchen Worten teilte der Graf der Kaiserin den Tod Rudolfs mit, die wiederum zum Kaiser ging, um ihm vom Tod des einzigen Sohnes zu berichten.

Wie nun die Kaiserin diese Tage verbrachte, nachdem man ihr den Tod ihres zweiten Kindes mitteilte beschreibt Marie Valerie in ihrem Tagebuch.

Was sie jedoch empfand, bleibt nur zu erahnen. Gibt es für eine Mutter etwas Schlimmeres als ihr Kind zu Grabe zu tragen?
Im Fall von Elisabeth war es nun das zweite Mal, dass sie in dieser Situation war.

Ob es nun die Tränenausbrüche der Schwestern, oder die stoische Ruhe des gebrochenen Vater war, gelitten haben sie wohl alle. Jeder für sich. Jeder auf seine eigene ihm mögliche Art.

Selbst Stefanie ergoss sich für kurze Zeit in Entschuldigungen und Tränen, wirkte aber kurze Zeit darauf zum Entsetzen der restlichen Familie kalt und distanziert. (16)

Genau ein Jahr nach dem Selbstmord des einzigen Sohnes kniete die Kaiserin an der Stelle, an der nun auch ich mich zum Gebet niederließ.

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Altar Mayerling, Foto: @christine kubec

Während der teilweise lateinischen Messe machten wir uns wohl alle unsere eigenen Gedanken zu diesen schicksalhaften 30 Jänner.

Was treibt einen Menschen dazu, sein eigenes Leben zu beenden?

Wie aussichtslos muss einem die Lage erscheinen in der man sich befindet, um diesen letzten Schritt zu tun?

Ist Selbstmord überhaupt jemals rational erklärbar?

Selbst die hinterlassenen Abschiedbriefe geben keinen wirklichen Anhaltspunkt über das Warum.

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Foto: @planet-vienna.com – Abschiedsbrief an Stephanie

Rudolf wurde zuerst in seinen Gemächern, streng nach Protokoll und später auch in der Hofburgkapelle aufgebahrt, um dem Volk für 2 Tage die Gelegenheit zu geben, sich zu verabschieden. 

Während in Wien nun die kaiserliche Familie den aufgebahrten Kronprinzen ein letztes Mal besuchte, beschreibt Marie Valerie wieder ein für mich berührendes Detail.

Gisela beugte sich über Rudolf, um ihn auf die Lippen zu küssen. Ein Zeichen der tiefen Liebe der beiden Geschwister. (17)

Gisela war es auch, die ihren Vater am 5. Februar zur Trauerfeier in der Kapuzinerkirche und anschließenden Beisetzung in der Kapuzinergruft begleitete, während die Kaiserin, sowie auch die Kronprinzessin, unfähig an diesem teilzunehmen, mit Erzherzogin Marie Valerie in der Josefikapelle  blieb um zu beten. (23)

Begräbnis von Kronprinz Rudolph

Begräbnis von Kronprinz Rudolph
Vor der Kapuzinergruft.
05.02.1889 Foto: @bildarchiv.austria.at

Kann man es ihr verdenken? Der Gedanke hinter dem Sarg des eigenen Sohnes herzugehen, ist vermutlich für jede Mutter unvorstellbar.

Aus Respekt zu den Toten verstummten die Kanonen an diesem Tag, die vor beinahe 30 Jahren die Geburt des Kronprinzen verkündeten, statt dessen läuteten die Glocken des Landes, in dem man tagelange Messen abhielt, um für die Seele des Kronprinzen zu beten.

In der Zeitung „das interessante Blatt“ wurde die Bestattung sehr eindrucksvoll beschrieben.

Auch das von Otto bekannte „Anklopfritual“ an der Kapuzinergruft ist zu Zeiten Rudolf nicht dokumentiert.

Nach Auskunft der Kapuziner Gruft hatte es auch bei Franz Josef nicht stattgefunden. 

Das ganze Land trauerte um den geliebten Kronprinzen der für Liberalität und Fortschritt stand. „Kaiser Rudolf wird der Zeit entgegen gehen“ lautet eine Textzeile aus dem Musical Elisabeth und damit ist vielleicht alles gesagt. (19)


 

Der Pater, vor dem wir immer noch knieten, rief Heilige und Seelige an, um für die Vergebung der Sünden zu bitten.

Fast als wäre man bei einer Totenmesse eines Angehörigen fühlte es sich an, die gedrückte Stimmung breitete sich immer weiter aus und am Ende war ich ehrlich gesagt froh, diesen Ort bald verlassen zu können.

 

Bereits wenige Tage nach dem Unglück stand der Beschluss des Kaisers fest, aus dem Jagdschloss einen Ort zu machen, an dem Tag und Nacht für die Seele des Prinzen gebetet würde.

Er gab den Auftrag zur Errichtung des Klosters.

Die Wahl der Ordensgemeinschaft fiel auf die unbeschuhten Kameliterinnen. Franz Josef selbst legte im Stiftungsbrief des Klosters fest, dass die Schwestern täglich für das Seelenheil des Kronprinzen zu beten haben.  (20)

In den ersten Seiten der Klosterchronik steht geschrieben, die Schwestern wollen Jesus Christus anbeten und ehren, um dadurch die Beleidigungen Gottes gut zu machen und diese zu sühnen, welche hier geschehen sind. (21)

Der Gottesdienst näherte sich seinem Ende und die Schwestern, die hinter der vergitterten Wand ihren Platz eingenommen hatten, verließen die Kirche wieder.

Kleider raschelten, Säbel klirrten und wir erhoben uns immer noch schweigend, um ebenfalls diesen denkwürdigen Ort zu verlassen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Franz Josef selbst verließ Mayerling nach seinem ersten Besuch im Kloster am 2. November 1889 mit den Worten „Ich kann Ihnen nicht genug empfehlen, für meinen armen Rudolf zu beten“ (22)

Kaiser Franz Josef war insgesamt 8 Mal in Mayerling zu Besuch bei den Ordensschwestern, vier Mal war Kaiserin Elisabeth an seiner Seite.

Nach der Ermordung der Kaiserin, kam Franz Josef nie wieder in das Jagdschloss im Wiener Wald.

 

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Jagdschloss Mayerling – heute Kloster der Kamelitinnen. Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Ein Jagdschloss wird zum Kloster.

Da die Zellen der Kamelitinnen ganz schlicht und einfach ausgestattet sind, wurden sämtliche Parkettböden, Kamine und Holzlamperien herausgerissen.

Unverändert bis heute blieb das Treppenhaus mit der Eichenholzstiege.

Der sogenannte „Elisabeth Trakt“ sollte zum Quartier für die kaiserliche Familie bei möglichen Besuchen dienen, daher wurde das bereits schadhafte Dach erneuert und die Zimmer mit dem nötigsten eingerichtet.

Im ehemaligen Dienertrakt entstanden die Klosterküche und das Refektorium.

Der Garten wurde vergrößert und mit einer hohen Mauer umgeben.

Der Teepavillion des Prinzen blieb unverändert erhalten und ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Das Schlafzimmer wird zur Kirche!

Das Sterbezimmer und die angrenzenden Räume wurde abgerissen und auf einem Grundriss von 7.3 x 14m eine neugotische Kirche erbaut.

Der Hochaltar wurde auf Wunsch des Kaisers direkt an der Unglücksstelle errichtet.


 

Schweigend verließen wir diesen Ort, der eine oder andere mit Tränen in den Augen, um unseren Tag fortzusetzen. Einen Tag, der alles verändert hatte, der Türen schloss und Neue öffnen sollte.

Nur eines wird bleiben, die Erinnerung an Rudolf…..

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Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (vollständiger Vorname Rudolf Franz Karl Joseph; * 21. August 1858 auf Neues Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war staatsrechtlich Kronprinz des kaiserlichen Österreich (Cisleithanien) und des königlichen Ungarn. Wie alle habsburgischen Prinzen trug er, den Hausgesetzen des Hauses Habsburg-Lothringen entsprechend, den Titel Erzherzog, im Ungarischen: főherceg, und war mit Kaiserliche und Königliche Hoheit anzusprechen. Bild: @planet-vienna.com

 


 

Ich bedanke mich beim Stift Heiligen Kreuz und dem Karmel Mayerling für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme der Bilder.

Mein Dank gilt auch meinen Damen, die mich an diesem Tag begleitet haben, ganz besonders unserer Maria José, die die Aufgaben einer Zofe an diesen Tagen übernommen hat.

Außerdem möchte ich mich auch bei meinem treuen Husar Alois bedanken, der mir stets mit Rat und Tat in militärischen Dingen zur Seite steht!

Mein Dank geht ebenfalls an das Team der Kapuziner Gruft, das mich mit wertvollen Informationen unterstützte!

~Sisi~

 


 

Textrecht: Sisi

Bildrechte:

ORF/Kirch Media, ORF.at, austriaforum.at, österr. Staatsarchiv, 41-42 stammtischlaa, planet-vienna.com, sternenkaiserin.com – Sisi, Christine Kubec, Mayerling.de

Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

Literaturhinweise:

Nummer / Seite:

4 – S48, 5 – S59, 6 – S60, 7- S61, 8 – S62, 9 – S63, 10 – S64, 11 – S65, 12 – S70, 14 – S71. 15 – S72, 20 – S81, 21 – S82, 22 – S83, 23 – S93

Diplomarbeit von Peter Rückl 2002

„Mayerling im Verlauf seiner Geschichte“

(von der Laurentius-Kapelle zum Karmel St Josef)

Eingereicht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Theologie der fachtheologischen Studienrichtung

Betreuer: Univ. Prof DDr Floridus Röhrig CanReg

 

1, 13, Das interessante Blatt, separat – Ausgabe, 2. Februar 1889 – ÖNB 

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth, Marie Valerie von Österreich, Herausgegeben von Martha und Horst Schad, Piper Verlag gmbH München Zürich, 6. Auflage – Juli 2011 

2 – S 168, 

17 – S169, 

23 – S174

Textauszug Elisabeth das Musical – Die Schatten werden länger, Silvester Levay & Michael Kunze: 19

Wie eine echte Prinzessin Elisabeth von Bayern ins Waldviertel kam… – Schloss Greillenstein

Am 3. Tag unserer „Sisi Woche“ machten wir uns nach einem gemütlichen Frühstück auf den Weg ins nächste Schloss.

Schloss Greillenstein, wie schon in Wallsee sollte es auch dieses Mal ein „Verwandtschaftsbesuch“ werden.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Wie wir alle wissen, heiratete Herzogin Elisabeth in Bayern am 24. April 1854 Kaiser Franz Joseph, um damit zur legendären Kaiserin Elisabeth von Österreich zu werden.

Fast 130 Jahre später kam wieder eine bayrische Prinzessin nach Österreich.

Prinzessin Elisabeth von Bayern stammt aus der Linie von Erzherzogin Marie Valerie ab. Deren Sohn Theodor Salvator Habsburg-Lothringen, ehelichte Maria von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. Aus dieser Verbindung entstammte die Mutter von Elisabeth, Therese von Österreich, welche Rasso Maximilian Rupprecht Prinz von Bayern ehelichte. Aus dieser Ehe entstammt nun unsere Elisabeth Maria Prinzessin von Bayern, geboren am 22. Jänner 1959. 

1986 fand somit die Ururenkelin von Kaiserin Elisabeth, im niederösterreichischen Waldviertel ihre große Liebe: Andreas Graf von Kuefstein.

Dieser Verbindung entsprangen fünf Kinder: Marie-Isabell, Marie-Carolin, Marie-Eleonor, Marie-Amelie und Karl.

Es war ein herrlicher Augusttag und die Sonne strahlte vom Himmel, um uns das Schloss, dessen imposanter Turm weithin sichtbar ist, von seiner schönsten Seite zu präsentieren.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Als wir das Schloss betraten, wurden wir erst vom jüngsten Spross der Familie, dann von Gräfin Kuefstein selbst freundlich begrüßt.

Die Gräfin führte uns in die ursprünglichen Räume der Familie, die heute als Museum dienen und wir staunten nicht schlecht, wie wunderschön erhalten die Einrichtung noch ist.

Stühle, Sofas, ein Schreibtisch, sogar ein Tisch zum Schachspielen warteten nur darauf, wieder zum Leben erweckt zu werden.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Das passende Kleid für diesen Besuch zu finden war gar nicht so einfach und kosteten meinem Mariechen und mir einige Diskussionen. Zu bunt, zu blass, zu pompös, zu schlicht. Letztendlich fiel unsere Wahl auf eine Sommertournüre, dessen Schleifchen im selben Rosaton wie das Sofa der Gräfin gehalten waren.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Es dauerte nicht lange und wir wurden von zwei weiteren Familienmitgliedern aufs herzlichste begrüßt: Andreas Graf Kuefstein und der Hund der Familie Kiko kamen in den Damensalon um ihre Aufwartung zu machen. Kiko wurde kurzerhand adoptiert und diente uns mit Vergnügen als Fotomodel. Es war ihm sichtlich unangenehm, sich zu mir zu legen und sich kraulen zu lassen. 😉

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


Wie bereits üblich, möchte ich Euch auch hier ein wenig die Geschichte des Schlosses vorstellen:

Im 12. Jahrhundert wurde erstmals die Veste Greillenstein, im Besitze der Grellen, urkundlich erwähnt. Über diese mittelalterliche Burganlage ist aber so gut wie nichts bekannt.
1534 kaufte Hans Lorenz von Kuefstein die Festung.

Sein Sohn Hans-Georg III. Freiherr von Kuefstein ließ die alte Burg schleifen und von 1570 bis 1590 das Schloss errichten. Dieser Renaissancebau ist in seinen Ausmaßen bis heute unverändert geblieben.
Hoch aufragende Rauchfänge schmücken den zweistöckigen Hof, dessen Nordostfassade von dreistöckigen Arkaden aufgelöst wird.
Dem Schloss wurden um 1720 prächtige Balustraden aus Sandstein zugefügt.

Wer waren nun die Kuefsteiner?

Kuefstein, Kuefsteiner, Kuofstein oder auch Kuffstain ist ein österreichisches Adelsgeschlecht, das dem Hochadel angehört. Die Familie stammte vermutlich aus Tirol (Kufstein), 1180 wird dort ein Sigihart de Kuofstein genannt.

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Wappen der Grafen von Kuefstein 1654 Foto: Wikimedia/Commons

Um 1300 erscheinen die Kuffstainer in Niederösterreich und nach 1400 in Wien.  1602 stiegen sie in den Freiherren-, 1634/48 beziehungsweise 1654 in den Reichsgrafenstand auf.

Zu den bedeutendsten Mitgliedern der Familie gehörte Johann Ludwig von Kuefstein (1582–1656), auch Hans Ludwig genannt. Er war Gesandter Kaiser Ferdinands II in Konstantinopel, er erreichte einen 30 Jahre dauernden Waffenstillstand bei Sultan Murad IV. Aus Dank wurde er Vicedom (vergleichbar dem heutigen Landeshauptmann) für Oberösterreich und 1624 erblicher Oberst-Erbland-Silberkämmerer; er wirkte auch als Dichter und Romanübersetzer..

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Johann Ludwig von Kuefstein (1587–1656) Foto: Wikimedia/Commons

Greillenstein wurde als Verwaltungssitz für drei große Grundherrschaften (Feinfeld Schauenstein und Greillenstein) im Waldviertel und als Repräsentations- und Sommersitz für die Familie gebaut.

Dies war notwendig, weil die Kuefsteins damals protestantisch waren und Hans Georg III als Vicedom von Niederösterreich einen Ort brauchte, von wo aus er seine Amtsgeschäfte führen konnte.

Trotz der protestantischen Gesinnung der Familie Kuefstein blieben sie dem Kaiser stets ergeben, aber es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Stift Altenburg

 

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Im Dreißigjährigen Krieg blieb Greillenstein von Verwüstungen verschont, doch musste Hans Jacob Freiherr von Kuefstein 1620 das Schloss verlassen, als es vom Führer der Katholischen Liga, Kurfürst Maximilian von Bayern, besetzt wurde. Greillenstein war kurzzeitig katholisches Hauptquartier. Hier trafen sich Kurfürst Maximilian, Graf Tilly und Feldmarschall Graf Bucquoy vor der Schlacht am Weißen Berg, um hier mehrere Tage eine Taktik für den bevorstehenden Krieg auszuarbeiten.

Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges kamen kleine Truppenverbände der Schweden hier vorbei und besetzten das Schloss kampflos, ohne allerdings Schaden anzurichten. 1623 konvertierte Hans Jacob von Kuefstein zum katholischen Glauben und konnte damit die Herrschaft für seine Familie retten.

1634 wurde der Herrschaft von Kaiser Ferdinand II. die hohe Gerichtsbarkeit verliehen. Aus dieser Zeit stammt das auch heute noch vorhandene Landgericht mit einer beachtlichen Sammlung mittelalterlicher Gerichtsakten.

Während des Fünften Koalitionskrieges wurden 1809 über 1000 französische Soldaten und 1400 Pferde einquartiert. Als diese abgezogen waren, war die Einrichtung so devastiert und die finanzielle Basis der Herrschaft so zerrüttet, dass Johann Ferdinand III. Graf Kuefstein Greillenstein dem Kaiser zum Kauf anbot, was dieser aber ablehnte. Bis 1815 konnten die Schulden abgebaut und die Schäden behoben werden. Nach der Auflösung der Grundherrschaft verlor das Schloss 1848 seine Aufgabe als Amtsgebäude. Im 19. Jahrhundert hielten sich Künstler wie Franz Grillparzer, dessen Cousine mit dem dortigen Verwalter verheiratet war, und der hier zu seinem Stück „Die Ahnfrau“ inspiriert wurde, sowie Anton Romako, der von Gräfin Maria Magda von Kuefstein entdeckt und gefördert wurde, in Greillenstein auf.

Sowohl den Ersten Weltkrieg als auch die russische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss schadlos. Nach 1945 ließ ein gebildeter russischer Offizier das Schloss bewachen, sodass es zu keinen Plünderungen kam. 1945 nach Kriegsende übersiedelte Graf Johann Ferdinand V von Kuefstein mit seiner Familie nach Greillenstein. Bis 1960 wohnte die Familie im Schloss. Sein Sohn Graf Karl II von Kuefstein übersiedelte zu der Zeit mit seiner Familie ins Nebengebäude des Schlosses.

Das Gebäude ist seit 1534 im Privatbesitz der Familie Kuefstein und ist seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt, sondern dient als Museum. Es ist damit eines der ersten Schlösser, die als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

  • 1967 wurde auf Schloss Greillenstein das Museum für Rechtsgeschichte gegründet, das 1988 ins Schloss Pöggstall übersiedelt ist. Bestandteil dieses Museums war das auch heute noch hier befindliche ehemalige Landgericht, das über eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Gerichtsakten verfügt und in welchem sich die einzige in Österreich noch erhaltene Gerichtsschranke befindet
  • Schloss Greillenstein verfügt über eine beachtliche Sammlung von Gartenzwergen sowie über einen Drachen aus Sandstein, die um 1700 entstanden sind.
  • Dauerausstellungen
  • Die diplomatischen Beziehungen zwischen Habsburger Kaisern und dem osmanischen Reich
    Grillparzers Besuche auf Schloss Greillenstein

Das Schloss Greillenstein ist eine vierflügelige Anlage um einen quadratischen Innenhof, in dem sich mehrere Barockvasen befinden, die von Johann Bernhard Fischer von Erlach entworfen wurden. Die Inneneinrichtung ist zum überwiegenden Teil noch im Originalzustand erhalten und wurde teilweise ergänzt.

Das Gebäude besitzt zwei Hauptgeschoße. Im Süden befindet sich ein großer Torturm. Über den Schlossgraben führt eine Brücke mit barocken Steinfiguren. Vor dem Schloss liegt ein englischer Landschaftsgarten, der im 17. und 18. Jahrhundert angelegt wurde

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Zwischen 1700 und 1720 wurde das Schloss mit einem 47 Hektar großen Tierpark, einer barocken Wasserspielanlage mit einer wasserspeienden Drachenskulptur und 24 Zwergenfiguren,  sowie einer neuen Zufahrt ausgestattet.

Hans Leopold Graf Kuefstein ließ 1720 auch das Schloss vorsichtig barockisieren. Damals erhielt es seinen heutigen Haupteingang im Mittelturm der Südseite. Um 1770 erfolgte eine teilweise Erneuerung der Innenausstattung.

Die Einrichtung der Großen Bibliothek aus dem 17. Jahrhundert ist teilweise erhalten, wobei sich die Kassettendecke heute im Schloss Laxenburg befindet, während die Einrichtung der Kleinen Bibliothek aus dem 16. Jahrhundert vollständig erhalten ist.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Auf Wunsch der Gräfin wechselte ich für den Besuch der Bibliothek das Kleid und ging nun in einem Tageskleid um 1860 zur Studierstunde der Modezeitschriften der damaligen Zeit, die die Gräfin selbst für mich heraus suchte.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

Im Schloss befinden sich ferner Kamine und Türen aus dem 16. Jahrhundert, Öfen aus dem Rokoko, Gemälde vom 17. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert und weitere wertvolle Exponate.

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wurde das Gebäude weitgehend renoviert.

Heute dient das Schloss Greillenstein als Museum und freut sich auf Euren Besuch.

Unter http://www.greillenstein.at/ könnt Ihr Euch über aktuelle Veranstaltungen und Ausstellungen informieren.

Ich möchte mich besonders bei der Familie Graf und Gräfin Kuefstein für die Gastfreundschaft bedanken und diesen einzigartigen Einblick in die Vergangenheit.

Wie so oft auch hier noch einmal mein Dank an mein Mariechen, die unermüdlich daran arbeitet unsere Träume wahr werden zu lassen.

Auch an Barbara Prinz und ihren Herbert ein großes Danke, die uns in dieser Woche begleitet haben.

Natürlich möchte ich euch vor Abschluss des Berichts Mariechens Videos vorstellen: 

Videos: sternenkaiserin.com – Marie 

 

 

*Sisi*


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Sisi, Schloss Greilleinstein
Bildrechte:  Prinz Barbara, Wikimedia/Commons
Videorechte: sternenkaiserin.com – Marie 


 

Was ein Fächer alles verspricht…

Das ein Fächer weit mehr kann als einer Dame an schwülen Sommertagen etwas Kühlung zu verschaffen, werde ich Euch hiermit versuchen näher zu bringen.

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Foto: @feitzi

Denn die sagenumwobene Fächersprache ist wohl die zauberhafteste Möglichkeit zu flirten. Mit ihr kann jedes Gefühl verstärkt ausgedrückt oder auch nur angedeutet werden.

Ein Fächer gehörte, sowie Hut und Schirm, zur Grundausstattung jeder anständigen Dame des 19. Jahrhunderts.

In Paris und London gab es eigene Fächerakademien, um den jungen Damen diese besondere Art der Konversation zu lernen.

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Fächermuseum London, Foto: @sternenkaiserin.com

Der Sinn dieser so einzigartigen Sprache war, wie könnte es anders sein, die Liebe!

Es war eine unauffällige, aber auch elegante Art, dem Herren der Wahl, Dinge mitzuteilen die nicht für fremde Ohren gedacht waren.


 

Ein paar dieser „eindeutigen“ Gesten werde ich Euch nun vorstellen und wer weiß, vielleicht könnt ihr ja die eine oder andere am nächsten Ball anwenden.

Vorausgesetzt natürlich, der Herr versteht diese Zeichen!

Hält man den Fächer mit der linken Hand vor das Gesicht bedeutet das: Ich sehne mich nach Gesellschaft

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Hält man ihn mit der rechten Hand vors Gesicht bedeutet es: Folgen Sie mir!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Zieht man ihn leicht über die Stirn: Wir werden beobachtet!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Streicht man sich mit dem Fächer über die Wange: Ich liebe Sie!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Den geschlossenen Fächer durch die Hand ziehen: Ich hasse Sie!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Streift man damit leicht über die Augen: Es tut mir Leid! Verzeihen Sie mir!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Tippt man mit dem geschlossenen Ende an die Lippen: Küssen Sie mich!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Der Fantasie waren scheinbar keine Grenzen gesetzt, so gab es angeblich noch einige weitere Zeichen. 

  • Mit der rechten Hand flattern lassen: Ich liebe einen anderen!
  • Langsam fächeln: Ich bin verheiratet.
  • Schnell fächeln: Ich bin verlobt.
  • Zeigt man den Fächer geschlossen: Lieben Sie mich?
  • Tippt man mit den Fingern an eine bestimmte Anzahl der Stäbchen so ist das eine Zeitangabe für die Verabredung.

 

Man kann sich vorstellen, dass sich aus dieser Art der Konversation oftmals auch interessante Missverständnisse ergaben, dennoch war es eine gängige Methode, geheime Liebschaften zu koordinieren.

Wobei meine Vermutung eher in die Richtung geht, dass man sich ganz eigene, geheime Zeichen vereinbarte, denn welchen Sinn hätte eine Geheimsprache, wenn alle anderen Gäste bei Tisch oder auf einem Ball diese nonverbale Konversation ebenso deuten konnten?

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Der Fächer diente mit Sicherheit als eine Art Spielzeug, ein Hilfsmittel der Koketterie, denn welcher Gentleman würde sich nicht bücken, um der Dame den „zufällig“ fallen gelassen Fächer wieder aufzuheben, um so einen Blick in die Augen der Angebeteten zu erhaschen oder gar ihre Hand für einen Moment zu berühren?

Mit Sicherheit aber war der Fächer ein beliebtes Mittel, ungeliebten Blicken zu entgehen!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

So trug etwa Kaiserin Elisabeth in späteren Jahren stets Schirm und Fächer bei sich, um den immer mehr werdenden Paparazzis zu entkommen oder sich vor den, wie sie es nannte „Gaffern“ zu schützen.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

 

Sieht man sich ein wenig die Geschichte des Fächers an, so findet man bereits Wandmalereien der alten Ägypter, an denen sie sich von Sklaven kühlende Luft zu wedeln ließen.

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Bild aus „die Kunst Ägyptens/Walter Wolf“ -Aufn. EME 150

Die ersten Handfächer findet man in Europa auf Gemälden des 16. Jahrhunderts.

Der Fächer galt als Statussymbol der Damenwelt. Daher wurden sie aufwendig bemalt und die Stäbe kunstvoll geschnitzt oder sogar vergoldet.

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

In vielen Museen kann man heute noch diese Kunstwerke bewundern und die vielen Arten bestaunen. In London gibt es das weltweit einzige Fächermuseum, dass sich ausschließlich diesem Kleinod der Weiblichkeit widmet. 

https://www.thefanmuseum.org.uk/

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

Fächer wurden aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt. Die Stäben waren aus Holz, Elfenbein, Schildpatt oder Horn. Das sogenannte „Blatt“ war mitunter aus Schwanenhaut, oder Pergament, später auch aus bemalter Seide oder Spitze.

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

Die Feinheit eines solchen Fächers war Zeichen der Weiblichkeit, ein Sinnbild für Eleganz und Grazie.

Das der Fächer allerdings nicht nur der holden Weiblichkeit zuzuordenen war, zeigt der „eiserne Fächer“ der Samurai, der als versteckte Waffe diente. James Bond lässt grüßen 😉

Heute hat der Fächer in Europa weitgehend seine Bedeutung verloren, und wird hauptsächlich nur noch aus Asien für Dekorationszwecke oder für Kostüme verschiedenster Art importiert. Eine europäische Ausnahme stellt Spanien dar, wo man sie heute noch als Souvenir bzw für die Flamencotänzer herstellt.

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Flamencotänzerin; Foto: @Christian Henking

In Asien allerdings gehören Fächer nach wie vor zum alltäglichen Erscheinungsbild und werden dort von beiden Geschlechtern verwendet. 

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Fächermacher mit Beistellmöbeln und Truhen, Korean Folk Village, Suwon @Foto:Roman & Daniela Jost

Zum Schluss möchte ich Euch noch einen kleinen Tipp mitgeben: Für alle die im Sommer in überhitzen Theaterräumen sitzen, oder am Heimweg in Bus und Straßenbahn schwitzen, ein Fächer findet in jeder Handtasche Platz, und ihr werdet wirklich überrascht sein wie angenehm es ist einen solchen zu verwenden.

*Sisi*

 


Rechtliche Hinweise:
Textrecht: Sisi, Fächermuseum London
Bildrechte: Charlotte Schwarz; Feitzi; sternenkaiserin.com; Prinz Barbara; Roman & Daniela Jost; Christian Henking, Walter Wolf
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

William George „Bay“ Middleton

Cpt. William George „Bay“ Middleton Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute einem der besten Freunde von Kaiserin Elisabeth.

Cpt. William George „Bay“ Middleton wurde am 16.4.1846 in Glasgow geboren. Seine Eltern waren George Middleton und Mary Margaret Middleton. Über seine Kindheit und generell sein Leben ist wenig bekannt. Er war ein ausgezeichneter Cricket Spieler und Jockey. Seine Reitkünste waren über die Lande hinaus hoch beachtet. Er gewann viele Rennen und widmete fast sein ganzes Leben ausschließlich den Pferden.

Earl of Spencer, Foto: Wikimedia/Commons

Am 2.8.1874 reiste Kaiserin Elisabeth das erste Mal nach England, wo sie John Poyntz 5. Earl of Spencer (*27.10.1835, †13.8.1910) kennenlernte. Dort traf sie mit Bay zusammen, nahm aber keine weitere Notiz von ihm.

Ihr Charme und generell ihre Begleitung waren heiß begehrt. Am meisten von Hector (*21.9.1851, †2.1.1916) und Alexander Baltazzi (*16.5.1850,  †24.11.1914), welche die Brüder von Helene Baltazzi, besser bekannt als Helene Vetsera (Mutter von Mary Vetsera) waren.

 

 

Alexander Baltazzi, Foto: Wikimedia/Commons

Hector Baltazzi, Foto: Wikimedia/Common

Königin Marie von Neapel, Foto: Wikimedia/Commons

Hector und Alexander waren ständige Begleiter von Marie von Neapel, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth, welche im Exil lebte und sich ihre Langeweile mit dem Reiten vertrieb. Die beiden Brüder beteten die junge schöne Königin an und wohin sie auch ging, die Baltazzi Brüder folgten ihr. Marie, Gräfin von Festetics, eine Hofdame von Kaiserin Elisabeth betrachtete dies mit großer Besorgnis. Sie notierte in ihr Tagebuch: „Man muß sehr achtgeben… Die Brüder gehen im Sport auf, reiten famos, drängen sich überall hin, sind gefährlich, weil sie ganz englisch sind, und wegen der Pferde!“ (1) Als Hector und Alexander begannen mit Kaiserin Elisabeth zu reiten, war Königin Marie von Neapel schnell vergessen. 

Diese wiederum betete Bay Middleton an und bat ihn mehrmals ihr Reitbegleiter zu werden. Bay lehnte jedes Mal ab. Er hatte keine Lust, eine arrogante, gelangweilte Frau der Hocharistokratie, die zu dem als lausige Reiterin galt, zu begleiten. Marie gab jedoch nicht auf. Sie wollte unbedingt mit Bay reiten. 

Im März 1876 hatte sich Kaiserin Elisabeth bei ihrem Gemahl Kaiser Franz Joseph erneut durchgesetzt. Sie reiste zum Reiten nach England. Bay wurde dazu bestimmt, ihr Pilot zu sein. Bay weigerte sich beharrlich und zeigte keinerlei Interesse eine hohe Dame zu geleiten. Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm. Einmal eine Person die nicht kuschte, nur weil sie als Kaiserin vor ihm stand.

Karikatur Bay Middleton, 1883, veröff. Vanity Fair 30.6.1883 „Men of the Day“, Zeichner: Théobald Chartran, Foto: Wikimedia/Commons 

Bay war ein kleiner stämmiger, rothaariger, etwas spröde wirkender Mann, der sehr rauhe Manieren hatte und lieber unter seines Gleichen blieb. Er war um 9 Jahre jünger als Kaiserin Elisabeth und dazu noch schwerhörig.

Bay Middleton – das Pferd von dem Bay Middleton wahrscheinlich seinen Spitznamen bekam Foto: Wikimedia/Commons

Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, ist nicht mehr zu eruieren. Entweder durch seine rötlich-braunen Haare, die wie eine „Bay“ (Bucht) „schimmerten“, oder weil ein Pferd, welches „Bay Middleton“ hieß, beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging. Auf alle Fälle nannte ihn jeder in seiner Umgebung „Bay“.

Doch es half kein Zetern und kein Weigern: Bay wurde zum Begleiter von Kaiserin Elisabeth bestimmt. Als sie sich trafen, zeigte sie keinerlei Interesse an dem kleinen Mann und verzog keine Miene. Seine vorgefertigte Meinung über die Kaiserin, ließ ihn allerdings seine ausgezeichneten Marineren nicht vergessen. Im schönsten Reitdress begegnete er Sisi, wenn auch reserviert und zugeknöpft.

Das Eis war gebrochen, als Kaiserin Elisabeth ihre Künste zeigte. Sie trieb ihr Pferd zu Höchstleistungen an und ritt den äußerst anspruchsvollen Parcours von hinten. Das völlig erschöpfte und müde Pferd musste im gestrecktem Galopp über eine Hecke, was in einer Katastrophe endete. Die Kaiserin stürzte, blieb aber unverletzt. Das Pferd überlebte diese Strapaze leider nicht. Es musste noch an Ort und Stelle erschossen werden. Bay Middleton war zutiefst beeindruckt und konnte ab sofort den Blick nicht mehr von der jungmädchenhaft wirkenden Kaiserin abwenden. Ab sofort waren die beiden unzertrennlich. Sehr zum Missfallen ihrer Schwester Marie, die von schwerer Eifersucht geplagt wurde.   

Von Bay ließ sich Kaiserin Elisabeth herumkommandieren. Er half ihr aufs Pferd oder zog sie aus dem Sumpf oder Graben, wenn sie gestürzt war. Er trieb sie zu Höchstleistungen an, keiner der ihr sagte „sie solle aufhören“ oder es „übertreiben“. Elisabeth liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an. Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nie dagewesenes.

Kaiser Franz Joseph in Wien bangte täglich mehr um seine schöne Frau. Die Berichte die ihm zu Ohren kamen, machten ihm viele Sorgen. Elisabeth jedoch beschwichtigte ihn in zahlreichen Briefen, dass alles nicht so schlimm sei und sie überglücklich wäre Bay an ihrer Seite zu Wissen.

Kronprinz Rudolf hoch zu Ross, Ölbild Tadeuz Ajdukiewicz, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth vertraute ihm blind. Bay kaufte ihre Pferde, kümmerte sich um diese und ließ sie zureiten. Bay wurde zu Weihnachten nach Ungarn auf Schloss Gödöllö eingeladen. Ein Umstand, der schwere Probleme mit sich bringen sollte. Die ungarischen Magnaten waren beleidigt, weil ihnen ein schottischer „Barbar“, wie sie ihn nannten, vor die Nase gesetzt wurde und Kaiser Franz Joseph war wieder einmal schwer überfordert. Kronprinz Rudolf war noch weniger angetan, als die ungarischen Freunde. Zwischen Bay und ihm entstand der direkte Kampf um die Gunst der Verehrten. 

Privat weiß man von Bay relativ wenig. Er war mit Charlotte Baird seit 1875 verlobt und verschob solange die Hochzeit, bis sich Charlotte nicht mehr hinhalten ließ. Es wurde zwischen 1874 bis 1882 immer wieder kolportiert, dass Bay und Elisabeth eine Affäre hatten. 

Diese Affärengerüchte nahmen ihren Anfang bei der mehr als nur eifersüchtigen Königin Marie von Neapel. Als Kaiserin Elisabeth 1879 aus politischen Gründen nach Irland reisen musste, anstatt nach England, nahm sie kurzerhand ihren Sohn Rudolf mit. Ein schwerer Fehler wie sich später herausstellen sollte. 

Schloss Summerhill, Irland Foto: Wikimedia/Commons

Zu dieser Zeit war sie Gast von Herzog von Malborough und wohnte im Schloss Summerhill, welches feudal umgebaut werden musste. So bestand Sisi auf eine Hauskapelle, einen eigenen Bahnsteig und einen Telegraphenapparat, um schneller mit ihren Lieben kommunizieren zu können. Weiters wurden neue Möbel angeschafft, ein Turnsaal eingerichtet und ein eigener Eingang gebaut. Die Kosten für diese Umbauten, gingen zu Lasten von Kaiser Franz Joseph, der mit jeder Rechnung – die schlussendlich einige Millionen ausmachte – aufstöhnte. 

Kaiserin Elisabeth hoch zu Pferd Foto: Wikimedia/Commons 

Doch Sisi war in ihrem Element. Neben den Pferden, den teuren Reitkostümen aus Rehleder und der gesamten Ausstattung, gab Elisabeth für ihr „Hobby“ ein immenses Geld aus. Selbst die Grundgrenzen der Bauern waren ihr egal und sie ritt in einem Höllentempo über die Felder und zerstörte dabei die mühsam angebauten Getreidesorten der Bauern. Obwohl Bay sie warnte, ritt er hinter oder neben ihr her. Auch diese Kosten musste von Kaiser Franz Joseph in Wien ersetzt werden. 

Dies alles war dem Kaiser ein Dorn im Auge. Er hätte lieber früher als später der Reiterei einen Riegel vorgeschoben. Noch dazu waren ihm die verliebten Augen von Bay Middleton auf seiner schönen Frau nicht verborgen geblieben. Doch Elisabeth nahm das alles nicht wahr. Sie hatte nur Augen für ihren Sport, ihre Pferde und ihren Spaß. 

Marie, die auch jedes Mal nach Sisis Abreise in England blieb, versuchte weiterhin ihr Glück Bay zu einem Reitabenteuer zu überreden. Doch dies blieb ohne Erfolg. Bay blieb stur und abweisend. Dies brachte Marie so zur Räson, dass sie dem anwesenden Kronprinz Rudolf zu berichten wusste, dass seine angebetete Mutter eine Affäre mit ihrem Reitlehrer hatte. Rudolf, von Eifersucht rasend, hinterfragte diesen Tratsch nicht, sondern nahm ihn als gegeben, so dass es an einem gemeinsamen Abend zu einem Affront kam. 

Kaiserin Elisabeth verließ darauf hin wortlos das Zimmer und sah für den Rest der Zeit weder ihren Sohn, noch ihre Schwester an. Mit Marie wechselte sie Zeit ihres Lebens kein Wort mehr. Das früher so gute Verhältnis zerbrach durch dieses von Marie in die Welt gesetzte Gerücht. 

Mit Kronprinz Rudolf sprach Elisabeth erst wieder, als die beiden wieder zu Hause waren. Ihre Reise und ihr Abenteuer konnte Elisabeth nicht genug genießen, so dass sie frühzeitig Irland verließ. Bay war wie vor den Kopf gestossen. 

Combermere Abbey, Foto: Wikimedia/Commons

In Wien beklagte sich Elisabeth bei ihrem Mann und konnte eine neue Reise, diesmal nach Combermere Abbey, welches ebenso nach ihren Wünschen umgebaut werden musste, durchsetzen. Diesmal bekam Kaiserin Elisabeth sogar eine eigene Treppe in die Küche, damit sie spät nachts ihre Mahlzeit einnehmen konnte. Wieder musste die sündhaft teuren Umbauarbeiten Kaiser Franz Joseph bezahlen. Im Februar 1882 war es soweit. Kaiserin Elisabeth brach mit ihrem Gefolge auf. 

Doch auch diese Reise stand unter keinem guten Stern. Captain Bay Middleton sprang mit den Pferden nicht besonders freundlich um, schlug diese mehr über die Hindernisse, als sie von selbst springen zu lassen und stürzte so schwer, dass er für einige Zeit sogar bewusstlos war. Das Pferd erlitt bei dem Sturz einen Genickbruch. Er wollte Kaiserin Elisabeth anspornen, noch mehr aus sich herauszuholen, denn die gemeinsame Zeit würde bald vorbei sein. 

Charlotte ließ sich nicht mehr hinhalten und die Hochzeit wurde festgesetzt. Kaiserin Elisabeth verließ drauf hin frühzeitig im Februar 1882 Irland und kam nie wieder zurück. All ihre Pferde wurden verkauft, das Gestüt aufgelassen. Und weil Kaiserin Elisabeth unerbittlich in ihrem Tun war, sah sie Bay nie wieder und nahm auch nie wieder Kontakt mit ihm auf. Auch in Wien ließ sie all ihre Pferde verkaufen; mit einem Mal war ihre Reitfreude dahin. Sie setzte sich nie wieder auf ein Pferd, stattdessen fing sie stundenlange Spaziergänge an, die ihre Hofdamen an den Rand der Erschöpfung bringen sollten. 

Am 25.10.1882 heiratete schließlich Bay Charlotte Baird. 1886 kam die gemeinsame Tochter Violet Georgina Middleton zur Welt. Bay war aber auch weiterhin sehr umtriebig und blieb dem Reitsport treu.

Clementine Hozier verh. Churchill Foto: Wikimedia/Commons

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er der Vater von Clementine Hozier (geb. 1.4.1885) war, welche in weiterer Folge Winston Churchill heiratete.

Clementine war die „eheliche“ Tochter von Lady Henrietta Blanche Ogilvy, welche mit Col. Henry Hozier verheiratet war. Dieser war aber zeugungsunfähig. Lady Henrietta war für ihre außerehelichen Abenteuer bekannt. Für die Elternschaft wurde auch Algernon Bertram verantwortlich gemacht, der wiederum der Ehemann der Schwester von Lady Henrietta war. In den Biografien von Clementine geht man aber von Bay Middleton aus.

 

 

 

Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB), Foto: myheritage.co.uk

Grabstelle von Bay Middleton in Haselbech, Northamptonshire (GB) Foto: myheritage.co.uk

Bay starb wie er lebte. Schnell und am Pferd.

Er stürzte am 9.4.1892 – kurz vor seinem 46. Geburtstag – am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. Seine Tochter Violet war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt.

An der Unglücksstelle ist bis heute ein Denkmal zu sehen.

Bay wurde im kompletten Reitkostüm in Haselbech, Northamptonshire begraben.

 

 

~ Marie ~

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
Bildrechte: Wikimedia/Commons, myhertiage.co.uk, 
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweis:

1. S. 120/1
Sigrid Maria Grössing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer
Ueberreuter Verlag, 1998, 1. Ausgabe – nur noch antiquarisch erhältlich

Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992