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Ahnengalerie von Maria Theresia zu Kaiser Franz Josef und Kaiser Karl I.

Die Stammlinie der Familie Habsburg wie wir sie heute kennen, geht noch auf Maria Theresia zurück. Sie war die Mutter aller Habsburger, die bis in die heutige Generation noch reicht.

Um euch einen genauen Überblick zu geben, mit welchem Sohn es anfing und wie verzweigt die Familie auch heute noch ist, habe ich mir die Mühe gemacht und habe alle Familienmitglieder eingefügt, die bis zu Kaiser Karl I und Kaiserin Zita geboren wurden.

Jedes Paar ist mit seinen Kindern vertreten. Natürlich sind bis heute Nachfahren geboren worden; aber 1918 war die Monarchie zu Ende und von daher, habe ich von Kaiser Karl I und Kaiserin Zita all ihre Nachkommen eingefügt (einfach als Gesamtbild), obwohl die letzten beiden Töchter nicht mehr in der Monarchie geboren wurden.

Ich habe mir erlaubt auch die Nachkommen von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Chotek hinzufügen; auch wenn sie nicht erbberechtigt waren, so sind die Nachkommen und Nachfahren von Maria Theresia.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem außergewöhnlichen Stammbaum.

~ Marie ~

Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie

 

 


Rechtliche Hinweise: 

Bildrechte: Wikimedia/Commons, Österreichische Nationalbibliothek, habsburger.net, Bildarchiv, rodovid.org, geneall.org
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics 

 

Eine Tragödie, die traurigen Weltruhm erlangte.

Mayerling, wer kennt sie nicht die Geschichte über den Tod des Kronprinzen und seiner angebliche Geliebten?

Mehrfach wurden die letzten Tage des österreichischen Kronprinzen verfilmt. 1969 drehte man eine Version mit Omar Sharif als Rudolf und Catherine Deneuve als Mary in den Hauptrollen. Als Kaiserin Elisabeth besetzte man die weltberühmte Ava Gardner.

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 Foto: @ORF/Kirch Media

Rudolf Prack schlüpfte zuvor, bereits 1956 in diese tragische Rolle.

An seiner Seite spielten Christiane Hörbiger-Wessely und Lil Dagover, die bereits zum 2. Mal die Rolle der österreichischen Kaiserin übernahm. 1931 spielte sie in „Elisabeth von Österreich“ die Titelrolle.

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Im Bild: Lil Dagover, Rudolf Prack und Christiane Hörbiger. Foto: @orf.at

Max von Thun spielte 2006 in der 2 teiligen Neuverfilmung neben Klaus Maria Brandauer, der dieses Mal den Kaiser verkörperte.

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Sandra Ceccarelli, Max von Thun, Daniela Golpashin, Klaus Maria Brandauer, Francesca von Habsburg, Lothar Michael Proksch, Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, Kronprinz Rudolf Foto: @orf.at

Unzählige Bücher sind zu diesem Thema der österreichischen Geschichte verfasst worden. Von der Kriminalgeschichte bis hin zu Verschwörungstheorien, immer wieder dient die Tragödie von Mayerling als Thema für Neuerscheinungen.

Ebenfalls 2006 feierte das Musical „Rudolf“ Weltpremiere in Budapest.


 

Irgendwann stand fest, dass auch wir dem Jagdschloss einen Besuch abstatten würden. Ähnlich wie die Kaiserin bei ihrem ersten Besuch anlässlich des ersten Todestages, reisten auch wir dieses Mal mit einer ganzen Gruppe an diesen verwunschenen Ort.

Die Geschichte dieses sehr besonderen Tages möchte ich Euch heute erzählen. Dabei werde ich immer wieder historische Daten in meine Gedanken einflechten und bitte Euch, dies nicht als geschichtliche Dokumentation zu sehen, sondern einfach als das was es ist.

Meine Gedanken und Erinnerungen an Rudolf.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Schon während ich früh morgens meine Haare zu flechten begann, ließen mich die Gedanken an Elisabeth und ihr „Bubi“ nicht mehr los.

101 Salutschüsse erklangen als man die Geburt des Thronfolgers feierte.

Der Kaiserin selbst teilte nach langer, schwerer Geburt mit den erlösenden Worten „A Bua, es is a Bua“ eine Hofdame mit, dass endlich nach den beiden Töchtern der langersehnte Thronfolger geboren wurde.

Was musste es wohl für sie bedeutet haben, endlich die Verpflichtungen gegenüber ihrem Mann und ihrem Volk, wie es die Erzherzogin bezeichnete, erfüllt zu haben?

Was in ihr vorging, als sie völlig erschöpft endlich den Buben sah, ist wohl nur für wenige nachzuvollziehen.

War es Erleichterung, Freude über den langersehnten Sohn oder Trauer darüber, ein weiteres Kind an die Schwiegermutter zu verlieren?

Es liegt mir fern das Verhältnis der Beiden zu beurteilen, oder gar eine historische Aufarbeitung über das Drama von Mayerling zu schreiben.

Ich möchte nochmals betonen, es sind lediglich die Gedanken, die ich mir an diesem Tag zu diesem Thema machte.

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Foto: Wikimedia/Commons,  Mit nur 2 Jahren trug Rudolf zum ersten Mal die Uniform

 

Mit 101 Salutschüssen hat sein Leben begonnen, mit nur einem Pistolenschuss sollte es auf tragische Weise enden.

Heutzutage kennt man Stillpsychosen und Wochenbettdepressionen, aber zur damaligen Zeit?

Wie kann eine kaum 20 jährige Mutter eine wirkliche Bindung zu ihrem Kind aufbauen, wenn man es ihr weg nimmt?

Wenn kurz zuvor ihre erste Tochter gestorben ist?

All das sind Fragen, die ich mir oft schon gestellt habe, manches Mal ist es aber auch einfacher, etwas aus der Ferne zu lieben.

Wenn man Briefe der Kaiserin an ihren Sohn liest, kann man durchaus meinen, sie liebte ihren Sohn.

Mir ist klar, dass viele hier anderer Ansicht sind, aber für mich steht  fest, dass sie ihn geliebt hat. Auf ihre eigene Weise.

Es ist oftmalig belegt, wie sehr der Kronprinz seine Mutter vergötterte, aber auch darauf will ich nicht wirklich eingehen.

Ich flocht Zopf und Zopf und begann meine Haare aufzustecken, während ich die Szene aus dem Musical vor Augen hatte. Der erwachsene Kronprinz betritt das Zimmer der Kaiserin, bittet sie um Hilfe und beginnt dann das Lied „wenn ich dein Spiegel wär….“

(Elisabeth das Musical – Wenn ich dein Spiegel wär, Michael Kunze & Silvester Levay)

Wie ähnlich waren sich die beiden wirklich? War ihr bewusst, wie sehr er gelitten hatte? Oder waren ihre Fluchten zum Teil auch nur die einzige Möglichkeit – die sie sah – um die „Erziehung“ ihres Sohnes nicht mit ansehen zu müssen?

In einigen erhaltenen Briefen nennt sie ihn „mein liebes Bubi“ selbst die Erzherzogin beschreibt den liebevollen Umgang und den guten Einfluss, den die Kaiserin auf die Kinder hatte.

So schreibt z.B. „das interessante Blatt“ 1889 nach dem Tod des Kronprinzen einen Satz des kleinen Rudi – wie die Wiener ihren Kronprinzen liebevoll nannten – der mich immer wieder berührt:

„der Kaiser nennt mich Rudi, die Mutter ruft mich Bubi und die anderen sagen kaiserliche Hoheit“   (1)

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Rudolf mit 5 Jahren Foto: Wikimedia/Commons

Maria Jose kam und begann mein Korsett zu schnüren, während meine Gedanken immer weiter kreisten.

Befreite die Geburt des Thronfolgers Elisabeth von ihren ehelichen Pflichten und ermöglichte ihr nun ihre so langersehnte Freiheit?

Dennoch meinte sie später einmal, wenn Rudolf wieder kommen würde, so würde sie sich ihn als Tochter und nicht als Kronprinzen wünschen. (2)

Hatte sie ihn wirklich im Stich gelassen, oder waren es einfach die Umstände, die es nicht erlaubten, den kleinen Prinzen mit derselben Liebe zu überschütten, wie seine jüngere Schwester?

Manches Mal ist es leichter aufzugeben, als zu kämpfen wenn der Gegner übermächtig ist.

Es ist leicht aus heutiger Sicht darüber zu urteilen, ob Elisabeth eine gute Mutter war oder nicht, aber wer fragt sich, wie es ihr dabei gegangen ist?

Franz Josef war als nicht gerade sehr zärtlicher Liebhaber bekannt, wie also hatte eine völlig überforderte und verängstigende 16-jährige all dies empfunden?

Woher stammte ihre lebenslange Abneigung gegen körperliche Nähe?

Vielleicht spielte ja all das auch eine Rolle bei dem Verhältnis zu Rudolf und Gisela?
Während ich vorm Spiegel stand und zusah wie Maria Jose mich Schicht für Schicht anzog, Haken um Haken meines Trauerkleides schloss, kamen mir immer mehr Details in den Sinn, die ich irgendwann und irgendwo einmal gelesen hatte.


 

Wir fuhren über die Landstraße Richtung Heiligenkreuz, ähnlich wie das Kaiserpaar es genau ein Jahr nach dem Unglück tat und ich erinnerte mich an Marie Valeries Worte, die in ihrem Tagebuch diesen Tag ausführlich beschrieb.

Man nahm an einer Messe, in dem inzwischen umgebauten Jagdschloss teil und besichtigte anschließend dann das Kloster, das der Kaiser gestiftet hatte. (3)

Mit welchen Gefühl muss sie in der Kirche gesessen und auf den Altar, an dessen Stelle zuvor das Bett gestanden hatte in dem man den Toten gefunden hatte, geblickt haben?

Unfähig zu weinen und leichenblass soll sie gewesen sein, die Kaiserin.

Geistig ihr „Bubi“ vor Augen und hadernd mit der eigenen Schuld.

Es war ein eisiger Tag, die Sonne schien und das Schloss in dem Rudolf hoffentlich auch schöne Stunden erlebt hatte, lag immer noch im leichten Nebel. Mitten im Wiener Wald, umgeben vom schönsten Jagdgebiet.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Die Mauern, die einst das Schloss umgaben, schützen nun das Kloster der Karmelitinnen vor der Außenwelt. Friedlich und still sieht es aus, das kleine Schlössl, in das der Prinz seine Gäste zur Jagd lud.

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Foto: Wikimedia/Commons

1886 erwarb Rudolf einige Gebäude in Mayerling und tauschte diese dann mit den Patern von Heiligenkreuz gegen die Gebäude neben der Laurentiuskirche mit dazu gehörigen zwei Häusern. (4)

1887 wurden größere bauliche Veränderungen durchgeführt und das Anwesen zum eigentlichen Jagdschloss mit nun 2 Trakten umgebaut. Der obere Teil bestand aus dem ehemaligen Gasthaus Eipeldauer, das zu Wohnräumen des Kronprinzenpaares umgebaut wurde.

Es gab einen ebenerdigen Dienertrakt und einen eigens nach der kleinen Erzherzogin benannten „Elisabeth Trakt“

 

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skizze Foto: @mayerling.de   1. Gasthaus Gratzer 
2. Villa (sogenanntes Coburg Schlössel) 
3. Pferdestall (von Rudolf erbaut) 
4. Mayerlinghof 
5. Garten (im französischen Stil) mit Teepavillion und Kegelbahn  
6. Jagdschloss 
7. Osttor (Haupteingang zum Schloss) 
8. Dienertrakt 
9. Nordtor 
10. Elisabethentrakt 
11. Laurenzi-Kirche 
12. Südtor (hier wurde Mary hineingeschmuggelt) 
bzw. S Sterbezimmer 
L Loscheks Zimmer 
E Entré-Zimmer 
von hier aus wurde die Tür aufgebrochen

Der Schlosshof bestand aus einem französischen Garten mit Springbrunnen. (5)

Unterhalb des Schlosses befand sich ein zweiter Garten mit einer überdachten Kegelbahn, die auch als Schießstand diente.

Wohnungen für die Hofdame der Prinzessin, die Jäger sowie für die Familie des Prinzen von Coburg befanden sich ebenso im Jagdschloss, wie Gästezimmer und ein Stall für die Pferde. (6))

Am 19. November 1887 wurde das Schloss eingeweiht, als Gäste waren das Kaiserpaar, das Ehepaar Coburg und einige Jagdfreunde von Rudolf geladen.

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Erzherzogin Elisabeth Marie. Foto: Wikimedia/Commons

In den beiden Jahren bis zu seinem Tod fanden hier nur 10 Jagden statt, Kronprinzessin Stefanie war lediglich 2 mal zu Besuch im Wiener Wald und die kleine Erszi einmal, allerdings ohne ihre Eltern!

 

Graf Hoyos war öfters zu Gast beim Kronprinzen, ebenso wie sein Schwager, Prinz Phillip von Coburg, der bei fast allen Jagden anwesend war.

Heute kommen ebenfalls wieder Gäste nach Mayerling, um das Jagdschloss zu besuchen. Gäste, die das Museum besichtigen und vielleicht das ein oder andere Gebet in der Kirche für den Kronprinzen sprechen wollen.

Statt dem Schlosstor empfängt heute ein modernes Besucherzentrum seine Gäste, um denselben das eine oder andere Souvenir zu bieten.

 

Mir selbst war dieses Eingangsgebäude zu modern, es passte nicht in „mein Bild“ von Mayerling.

Der leicht ansteigende Weg vom Besucherzentrum zur Kirche war in ein seltsames Schweigen gehüllt, unterbrochen nur durch das eine oder andere Schluchzen einer meiner Begleitungen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Ich muss gestehen, auch wenn ich schon an vielen Orten war, dieser hier hatte eine ganz besondere Aura wenn man es so nennen möchte.

In keinem anderen der Schlösser war für mich der Tod so greifbar wie hier.

Eine eigenartige Stille umfing dieses Gebäude, auch wenn hin und wieder Stimmen von Besuchern erklangen, so wirkten sie doch irgendwie fern und unwirklich.

Eskortiert von Husaren, die die Türen öffneten betraten wir die Kirche.

Man hatte im Mittelgang zwei Stühle bereitgestellt, auf die wir zuschritten.

Nur das Rascheln meiner Schleppe am Steinboden war zu hören, fast ein wenig gespenstisch wirkte die Szene.

Völlig in schwarz gehüllt, wie sollte es auch anders sein, gingen wir an den Bankreihen vorbei, die sich nach und nach mit unserem Gefolge füllten.

Es wäre mir unpassend erschienen, etwas anderes hier zu tragen als Trauer!

Somit war nicht nur ich, sondern an diesem Tag mein „gesamter Hofstaat“ in tiefer Trauer, um dem österreichischen Kronprinzen die letzte Ehre zu erweisen.

Der Begriff der „Hoftrauer“ ist was die Kleidung betrifft exakt festgelegt. Dazu zählt das Tragen von schwarzen Kleidern, schwarzen Schleiern und schwarzen Schmuck.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Schwestern erschienen, geschützt durch ihre Gitterwand, um den Gottesdienst beizuwohnen und die Glocken begannen zu läuten.

Der Kronprinz, der von klein auf an Jagden teilnahm und dadurch wohl eine der selten Möglichkeiten fand, Zugang und vielleicht auch ein wenig Zuneigung vom Vater zu bekommen, pflegte die Jagd als eines seiner liebsten Vergnügen.

Kaiser Franz Joseph I und Kronprinz Rudolf

Foto: @austriaforum.at

Je besser die Erfolge des kleinen Rudi wurden, umso mehr Lob erntete er dafür vom übermenschlich verehrten Vater!

 

Bereits mit 8 Jahren erlegte er seinen ersten Hirsch und nahm an der Seite des Kaisers an unzähligen Jagden teil.

Bald schon folgten Hochgebirgsjagden im Salzkammergut und der Hochsteiermark.

Sein Jagdprogramm wurde immer dichter, je mehr Einladungen des Hochadels folgten. So verbrachte er laut seinem Tagebuch von 365 Tagen im Jahr 1885 200 Tage im Revier!!!  (8)

Gegen Ende seines Lebens nahm allerdings diese Jagdleidenschaft zunehmend ab. Eine der letzten Jagden an denen er teilnahm, war an der Seite des Kaisers in Mürzsteg!

Österreichisches Staatsarchiv

Rudolf in Jagdkleidung. Foto: @österr. Staatsarchiv

Am 23. Jänner ging Rudolf das letzte Mal auf die Pirsch.


 

Am Samstag dem 26. Jänner teilte Rudolf seinem Leibjäger Püchel mit, dass er am kommenden Dienstag nach Mayerling fahren wolle, um auf Hochwildjagd zu gehen.

Am Sonntagabend fand anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. in der deutschen Botschaft ein großer Empfang statt, bei dem Kaiser Franz Josef, das Kronprinzenpaar und sämtliche Diplomaten erschienen.

Dieser Empfang sollte der letzte öffentliche Auftritt des Kronprinzen werden. (9)

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Stephanie und Rudolf bei ihrer Verlobung. Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Tag arbeitete der Kronprinz wie gewohnt und teilte nach einer Besprechung mit Oberstleutnant Albert Mayer seinem Leibjäger Püchel mit, dass er seine Pläne geändert und nun heute schon hinaus fahren wolle. (10)

Die genauen Umstände, wie Mary Vetsera an diesem Tag in die Hofburg kam und von dort aus mit Hilfe des Kutschers Bratfisch zu dem vereinbarten Treffpunkt gelangte, um in Rudolfs Kutsche Richtung Mayerling zu fahren, möchte ich nicht näher erläutern.

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Marie Alexandrine Freiin von Vetsera. Foto: Wikimedia/Commons

Den am nächsten Morgen eintreffenden Jagdgästen erzählte Rudolf jedoch von Schwierigkeiten bei der Anreise, dass sein Wagen hängen geblieben sei und er sich beim Anschieben scheinbar erkältet habe, wodurch er an der Jagd nicht teilnehmen würde.

Von der Anwesenheit der Baroness ahnten die hohen Gäste wohl zu diesem Zeitpunkt nichts. (11)


 

Über den Tathergang dieser Nacht, die wohl für immer die österreichische Geschichte veränderte, werde ich mich auch nicht weiter äußern, da es zu diesem Thema mehr als genug Lektüre gibt.

Was genau an diesem Morgen des 30. Jänner 1889 geschah bleibt Spekulation, aufkommende Gerüchte, die sich bis heute halten wurden nicht weiter dementiert und trugen zusätzlich zum Mythos Mayerling bei.

Die beiden einzigen Zeugen Loschek und Graf Hoyos widersprachen sich mehrfach in ihren Aussagen.

Während Prinz Coburg zur Bewachung im Schloss zurück blieb, eilte Graf Hoyos nach Wien, um die Todesnachricht zu überbringen.

 

Dabei wurde den Eltern zuerst die Version einer Vergiftung des Kronprinzen durch Mary Vetsera berichtet.

Erst am nächsten Morgen konnte, der nach Mayerling gerufene Dr. Widerhofer die tatsächliche Todesursache dem Kaiser am Nachmittag selbst mitteilen. (12)

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Foto: @41-42 stammtischlaa

 

Während bereits erste Zeitungen durch Sonderausgaben über den Tod des Kronprinzen durch Schlaganfall, einen Jagdunfall bzw. einem Herzanfall berichteten, machte sich eine Hofkommission auf den Weg nach Mayerling. (13)

 

In einen kupfernen Sarg gelegt, wurden die sterblichen Überreste des Kronprinzen mit der Bahn zurück nach Wien gebracht.

Die weibliche Leiche wurde erst am nächsten Tag untersucht.

 

Der Sonderzug des Kronprinzen kam am Südbahnhof an und wurde von dort in die Hofburg gebracht, wo Rudolf gegen 2 Uhr morgens in seinem Schlafzimmer aufgebahrt wurde.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Am Abend des 31. Jänner läuteten die Glocken der Laurentiuskirche, in der Abt Grünbeck eine Trauermesse für den verstorbenen Kronprinzen in Mayerling zelebrierte (14)

Die Anwesenheit der 17 jährigen Mary Vetsera wurde der Öffentlichkeit verschwiegen und man setzte sie still und leise im Beisein von Graf Stockau und Alexander Baltazzi am Ortsfriedhof von Heiligenkreuz bei. (15)

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Grab Mary Vetsera, Friedhof Heiligenkreuz Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Messe nahm ihren Lauf und in meinen Gedanken lief dieser Tag weiter. Mit welchen Worten teilte der Graf der Kaiserin den Tod Rudolfs mit, die wiederum zum Kaiser ging, um ihm vom Tod des einzigen Sohnes zu berichten.

Wie nun die Kaiserin diese Tage verbrachte, nachdem man ihr den Tod ihres zweiten Kindes mitteilte beschreibt Marie Valerie in ihrem Tagebuch.

Was sie jedoch empfand, bleibt nur zu erahnen. Gibt es für eine Mutter etwas Schlimmeres als ihr Kind zu Grabe zu tragen?
Im Fall von Elisabeth war es nun das zweite Mal, dass sie in dieser Situation war.

Ob es nun die Tränenausbrüche der Schwestern, oder die stoische Ruhe des gebrochenen Vater war, gelitten haben sie wohl alle. Jeder für sich. Jeder auf seine eigene ihm mögliche Art.

Selbst Stefanie ergoss sich für kurze Zeit in Entschuldigungen und Tränen, wirkte aber kurze Zeit darauf zum Entsetzen der restlichen Familie kalt und distanziert. (16)

Genau ein Jahr nach dem Selbstmord des einzigen Sohnes kniete die Kaiserin an der Stelle, an der nun auch ich mich zum Gebet niederließ.

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Altar Mayerling, Foto: @christine kubec

Während der teilweise lateinischen Messe machten wir uns wohl alle unsere eigenen Gedanken zu diesen schicksalhaften 30 Jänner.

Was treibt einen Menschen dazu, sein eigenes Leben zu beenden?

Wie aussichtslos muss einem die Lage erscheinen in der man sich befindet, um diesen letzten Schritt zu tun?

Ist Selbstmord überhaupt jemals rational erklärbar?

Selbst die hinterlassenen Abschiedbriefe geben keinen wirklichen Anhaltspunkt über das Warum.

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Foto: @planet-vienna.com – Abschiedsbrief an Stephanie

Rudolf wurde zuerst in seinen Gemächern, streng nach Protokoll und später auch in der Hofburgkapelle aufgebahrt, um dem Volk für 2 Tage die Gelegenheit zu geben, sich zu verabschieden. 

Während in Wien nun die kaiserliche Familie den aufgebahrten Kronprinzen ein letztes Mal besuchte, beschreibt Marie Valerie wieder ein für mich berührendes Detail.

Gisela beugte sich über Rudolf, um ihn auf die Lippen zu küssen. Ein Zeichen der tiefen Liebe der beiden Geschwister. (17)

Gisela war es auch, die ihren Vater am 5. Februar zur Trauerfeier in der Kapuzinerkirche und anschließenden Beisetzung in der Kapuzinergruft begleitete, während die Kaiserin, sowie auch die Kronprinzessin, unfähig an diesem teilzunehmen, mit Erzherzogin Marie Valerie in der Josefikapelle  blieb um zu beten. (23)

Begräbnis von Kronprinz Rudolph

Begräbnis von Kronprinz Rudolph
Vor der Kapuzinergruft.
05.02.1889 Foto: @bildarchiv.austria.at

Kann man es ihr verdenken? Der Gedanke hinter dem Sarg des eigenen Sohnes herzugehen, ist vermutlich für jede Mutter unvorstellbar.

Aus Respekt zu den Toten verstummten die Kanonen an diesem Tag, die vor beinahe 30 Jahren die Geburt des Kronprinzen verkündeten, statt dessen läuteten die Glocken des Landes, in dem man tagelange Messen abhielt, um für die Seele des Kronprinzen zu beten.

In der Zeitung „das interessante Blatt“ wurde die Bestattung sehr eindrucksvoll beschrieben.

Auch das von Otto bekannte „Anklopfritual“ an der Kapuzinergruft ist zu Zeiten Rudolf nicht dokumentiert.

Nach Auskunft der Kapuziner Gruft hatte es auch bei Franz Josef nicht stattgefunden. 

Das ganze Land trauerte um den geliebten Kronprinzen der für Liberalität und Fortschritt stand. „Kaiser Rudolf wird der Zeit entgegen gehen“ lautet eine Textzeile aus dem Musical Elisabeth und damit ist vielleicht alles gesagt. (19)


 

Der Pater, vor dem wir immer noch knieten, rief Heilige und Seelige an, um für die Vergebung der Sünden zu bitten.

Fast als wäre man bei einer Totenmesse eines Angehörigen fühlte es sich an, die gedrückte Stimmung breitete sich immer weiter aus und am Ende war ich ehrlich gesagt froh, diesen Ort bald verlassen zu können.

 

Bereits wenige Tage nach dem Unglück stand der Beschluss des Kaisers fest, aus dem Jagdschloss einen Ort zu machen, an dem Tag und Nacht für die Seele des Prinzen gebetet würde.

Er gab den Auftrag zur Errichtung des Klosters.

Die Wahl der Ordensgemeinschaft fiel auf die unbeschuhten Kameliterinnen. Franz Josef selbst legte im Stiftungsbrief des Klosters fest, dass die Schwestern täglich für das Seelenheil des Kronprinzen zu beten haben.  (20)

In den ersten Seiten der Klosterchronik steht geschrieben, die Schwestern wollen Jesus Christus anbeten und ehren, um dadurch die Beleidigungen Gottes gut zu machen und diese zu sühnen, welche hier geschehen sind. (21)

Der Gottesdienst näherte sich seinem Ende und die Schwestern, die hinter der vergitterten Wand ihren Platz eingenommen hatten, verließen die Kirche wieder.

Kleider raschelten, Säbel klirrten und wir erhoben uns immer noch schweigend, um ebenfalls diesen denkwürdigen Ort zu verlassen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Franz Josef selbst verließ Mayerling nach seinem ersten Besuch im Kloster am 2. November 1889 mit den Worten „Ich kann Ihnen nicht genug empfehlen, für meinen armen Rudolf zu beten“ (22)

Kaiser Franz Josef war insgesamt 8 Mal in Mayerling zu Besuch bei den Ordensschwestern, vier Mal war Kaiserin Elisabeth an seiner Seite.

Nach der Ermordung der Kaiserin, kam Franz Josef nie wieder in das Jagdschloss im Wiener Wald.

 

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Jagdschloss Mayerling – heute Kloster der Kamelitinnen. Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Ein Jagdschloss wird zum Kloster.

Da die Zellen der Kamelitinnen ganz schlicht und einfach ausgestattet sind, wurden sämtliche Parkettböden, Kamine und Holzlamperien herausgerissen.

Unverändert bis heute blieb das Treppenhaus mit der Eichenholzstiege.

Der sogenannte „Elisabeth Trakt“ sollte zum Quartier für die kaiserliche Familie bei möglichen Besuchen dienen, daher wurde das bereits schadhafte Dach erneuert und die Zimmer mit dem nötigsten eingerichtet.

Im ehemaligen Dienertrakt entstanden die Klosterküche und das Refektorium.

Der Garten wurde vergrößert und mit einer hohen Mauer umgeben.

Der Teepavillion des Prinzen blieb unverändert erhalten und ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Das Schlafzimmer wird zur Kirche!

Das Sterbezimmer und die angrenzenden Räume wurde abgerissen und auf einem Grundriss von 7.3 x 14m eine neugotische Kirche erbaut.

Der Hochaltar wurde auf Wunsch des Kaisers direkt an der Unglücksstelle errichtet.


 

Schweigend verließen wir diesen Ort, der eine oder andere mit Tränen in den Augen, um unseren Tag fortzusetzen. Einen Tag, der alles verändert hatte, der Türen schloss und Neue öffnen sollte.

Nur eines wird bleiben, die Erinnerung an Rudolf…..

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Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (vollständiger Vorname Rudolf Franz Karl Joseph; * 21. August 1858 auf Neues Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war staatsrechtlich Kronprinz des kaiserlichen Österreich (Cisleithanien) und des königlichen Ungarn. Wie alle habsburgischen Prinzen trug er, den Hausgesetzen des Hauses Habsburg-Lothringen entsprechend, den Titel Erzherzog, im Ungarischen: főherceg, und war mit Kaiserliche und Königliche Hoheit anzusprechen. Bild: @planet-vienna.com

 


 

Ich bedanke mich beim Stift Heiligen Kreuz und dem Karmel Mayerling für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme der Bilder.

Mein Dank gilt auch meinen Damen, die mich an diesem Tag begleitet haben, ganz besonders unserer Maria José, die die Aufgaben einer Zofe an diesen Tagen übernommen hat.

Außerdem möchte ich mich auch bei meinem treuen Husar Alois bedanken, der mir stets mit Rat und Tat in militärischen Dingen zur Seite steht!

Mein Dank geht ebenfalls an das Team der Kapuziner Gruft, das mich mit wertvollen Informationen unterstützte!

~Sisi~

 


 

Textrecht: Sisi

Bildrechte:

ORF/Kirch Media, ORF.at, austriaforum.at, österr. Staatsarchiv, 41-42 stammtischlaa, planet-vienna.com, sternenkaiserin.com – Sisi, Christine Kubec, Mayerling.de

Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

Literaturhinweise:

Nummer / Seite:

4 – S48, 5 – S59, 6 – S60, 7- S61, 8 – S62, 9 – S63, 10 – S64, 11 – S65, 12 – S70, 14 – S71. 15 – S72, 20 – S81, 21 – S82, 22 – S83, 23 – S93

Diplomarbeit von Peter Rückl 2002

„Mayerling im Verlauf seiner Geschichte“

(von der Laurentius-Kapelle zum Karmel St Josef)

Eingereicht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Theologie der fachtheologischen Studienrichtung

Betreuer: Univ. Prof DDr Floridus Röhrig CanReg

 

1, 13, Das interessante Blatt, separat – Ausgabe, 2. Februar 1889 – ÖNB 

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth, Marie Valerie von Österreich, Herausgegeben von Martha und Horst Schad, Piper Verlag gmbH München Zürich, 6. Auflage – Juli 2011 

2 – S 168, 

17 – S169, 

23 – S174

Textauszug Elisabeth das Musical – Die Schatten werden länger, Silvester Levay & Michael Kunze: 19

Auf den tragischen Spuren Kaiserin Elisabeths in Genf

 

Foto: @stadtmuseum.at (Bad Ischl)

Wir gedenken heute dem Todestag von Kaiserin Elisabeth, welche am 10.9.1898 vom Anarchisten Luigi Lucheni ermordet wurde

Die wunderschöne Stadt Genf in der Schweiz ist immer einen Besuch wert, vor allem, wenn man Fan von Kaiserin Elisabeth ist. 

Da ich mit der Bahn anreiste, war mein erster Besuch der Genfer Hauptbahnhof. Rechts vom Bahnhof befindet sich die röm.-kath. Hauptkirche Genfs: Notre Dame de l`Immaculée Conception (Unsere Liebe Frau von der Unbefleckten Empfängnis).

Abgesehen von der Schönheit der Kirche selbst, führt mich ein ganz gewisses Fenster zu ihr. Es befindet sich beim seitlichen Eingang rechts. Das schöne Kirchenfenster wurde zum Andenken an den 100. Todestages von Kaiserin Elisabeth gestaltet.

Der obere Teil zeigt das „Wunder der Rosen der Heiligen Elisabeth“, welche die Gesichtszüge der Kaiserin trägt.  Der untere Teil zeigt ein Grab mit Rosen bedeckt und einen traurig aussehenden und nachdenkenden Engel der nebendran sitzt. Die Inschrift neben den beiden Kronen von Österreich und Ungarn lautet: „In frommer Erinnerung an Ihre Majestät Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, verstorben am 10. September 1898. Errichtet von der S. Elisabeth Gesellschaft am 10 September 1998.“

Foto: sternenkaiserin.com

 

Foto: sternenkaiserin.com

Foto: sternenkaiserin.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedenktafel Attentatsstelle Foto: sternenkaiserin.com

 

Blick von der Gedenktafel Richtung Hotel Beau Rivage Foto: sternenkaiserin.com

Nach Verlassen der Kirche, laufe ich die Rue du Mont-Blanc entlang bis zum Genfersee, auch Lac Leman genannt. Aber anstatt über die Pont du Mont-Blanc Brücke zu laufen, bog ich links ab, und ging auf der Geneve-Mont-Blanc (Lac) Promenade entlang. Etwa 100 Meter danach markiert eine kleine Bronzetafel am Geländer des Seeufers die genaue Stelle an dem das Attentat stattgefunden hat. 

Blick von der Gedenktafel zum Schiff Geneve Foto: sternenkaiserin.com

Auf Französisch kann man lesen: „Hier wurde am 10 September 1898 Ihre Majestät Elisabeth, Kaiserin von Österreich, ermordet.“
Es regt mich bis heute zum Nachdenken an, wie wenig Zeit Lucheni brauchte, um sie zu attackieren. Lucheni hielt einen spitzen Gegenstand in der Hand, der sich später als angespitzte Feile herausstellen sollte. Er trat an Kaiserin Elisabeth heran und stach zu. Dass er genau das Herz traf, konnte damals noch keiner ahnen. 

Ich bin zu tiefst bewegt, wie stark Kaiserin Elisabeth sein musste, dass sie nach dem Stich aufstehen und zum Schiff gehen konnte. Ihre Hofdame Irma Sztáray war entsetzt und half Kaiserin Elisabeth auf. 

 

Wasserfontaine Foto: sternenkaiserin.com

Ich bewege mich mittlerweile in die Gegenrichtung auf dem Quai du Mont Blanc, um zum Hotel Beau Rivage zu gelangen.
Bis zu meinem Ziel wäre es eigentlich ein schöner kurzer Spaziergang. Man geht die Seeufer Promenade entlang, mit direkter Aussicht auf den berühmten Jet D`Eau (Wasserfontaine). 

Brunswick Denkmal Foto: sternenkaiserin.com

Die erste Straße nach links heißt Rue des Alpes. In diese flüchtete Lucheni nach dem Attentat, wo er aber festgenommen wurde. Danach, und immer noch links, befindet sich das Graf von Brunswick-Denkmal und direkt nebenan, ist das Hotel Beau Rivage.

 

 

 

 

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Ich gehe aber noch nicht in das Hotel, sondern suche zuerst das moderne Sisi Denkmal. Es stammt von Architekt Philip Jackson, welcher dieses zum 100. Todestag von Kaiserin Elisabeth gestaltet hat. Die Statue ist aus schwarzem Metall und steht auf weißen Marmorstufen und zeigt die Kaiserin extrem schlank, (übertrieben schlank, wenn ich das sagen darf) stehend und mit einem Fächer vor ihrem Gesicht. Es ist natürlich Geschmacksache, aber für mich persönlich, ist es nicht gerade die schönste Statue die ich von ihr gesehen habe, und ich habe schon viele besichtigt. Das Gesicht ist zwar sehr schön und die Hände sind zart und elegant, aber insgesamt, ist diese Statue nicht mein Liebling. Auf den Marmor Stufen kann man in goldenen Buchstaben lesen: „In Erinnerung an Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, 1898 10 September 1998.“

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Das Gesicht der Kaiserin ist in Richtung Hotel Beau Rivage gerichtet. Sie sieht exakt zu ihrer ehemaligen Suite, welche jetzt mit einer eigenen Privatterrasse ausgestattet ist, die es damals natürlich noch nicht gab. Der Gedanke, dass ich gleich dort darin sein werde, macht mich nervös. Ich habe fast schon Angstschweiß auf meinem Körper, eine Unruhe befällt mich. Ich muss los…

 

 

 

 

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Das Nobelhotel Beau Rivage wurde 1865 gegründet und ist das älteste Hotel in Genf, das sich in privater Hand befindet. Es hat 73 Zimmern und 18 Suiten, darunter das Zimmer 119/120. Diese Suite war Sisis Zimmer, in der sie wohnte und starb. Das Haus ist wunderschön und edel gestaltet und es ist für mich atemberaubend, in dem Hotel zu stehen, in dem „meine“ Kaiserin Elisabeth ihr Leben aushauchte. Ein kleiner Brunnen in der Mitte der Lobby rundet das Entree perfekt ab. Er war zu Elisabeths Zeiten nicht hier, sondern wurde zur Feier des 125. Geburtstages des Hotels errichtet. Links ist die Rezeption, rechts die Bar und mittlerweile gibt es ein Restaurant. Als ich nach oben schaue, sehe ich drei Etagen, von denen jeweils die Türen zu den Zimmern führen. Der letzte Stock ist mit einer wunderschönen Dachluke versehen. Ich werde von einer Mitarbeiterin des Hotels empfangen.

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Meine Begleitung führt mich die elegante Treppe hinauf bis zum ersten Stock wo die Sisi Suite ist. Auf der Balustrade kann man die Lobby und den Brunnen von oben erblicken. Links von der Sisi Suite steht eine Vitrine mit persönlichen Erinnerungsstücken von Kaiserin Elisabeth. Es gibt ein Besteck, eine mit einem „E“ markierte Serviette, einen ihrer Diamant Sterne, ein paar Fotos, eine weiße Souvenir-Figur, ein paar weiße Lederhandschuhe, welche ebenso mit den gekrönten „E“ versehen sind, zu sehen. Weiters befindet sich ein Damenhut in der Vitrine, der den damaligen Stil der Hüte zeigen soll, aber nicht Kaiserin Elisabeth gehörte. 

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Aber am meisten ziehen mich die Gegenstände rund um ihren Tod in den Bann: Trockene Blumen (ein Geschenk von Irma Gräfin Sztáray an Frau Mayer, die damals die Hotelbesitzerin und beim Tod anwesend war), ein Spitzenhäubchen das Sisi in ihren Haare getragen hat, als sie attackiert wurde und ein blutbeflecktes Stück Stoff, von ihrer Unterwäsche. Nach so viel Zeit sieht man die Blutflecken kaum noch, doch sie sind stumme Zeitzeugen dieser Tragödie.

 

 

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Blumengesteck, Spitzenhäubchen, Blutfleck Foto: sternenkaiserin.com

Blutflecken von Kaiserin Elisabeth Foto: sternenkaiserin.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nach dem ich das alles fotografiert habe und fast über jedes Objekt viele Fragen stellte, sind wir bereit in die Suite einzutreten. Wie könnte ich jemals beschreiben, was ich fühlte, als ich das Zimmer betrat, an dem Kaiserin Elisabeth ihren letzten Atemzug tat. Es gibt keine Worte, die dieses Gefühl beschreiben könnten. Wenn man die Türe öffnet, kommt man in einen kleinen Flur der sich rechts zu einem Wohnzimmer öffnet, geradeaus zu dem Schlafzimmer und links zu einem kleinen Gäste WC, welches zu Sisis Zeiten nicht da war. 

 

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Das Wohnzimmer ist in rot- und cremefarbig dekoriert und erinnert an die Schlösser Schönbrunn oder Schloss Gödöllö. Über dem wunderschönen Marmorkamin hängt ein sehr großer Wandspiegel der als einziges originales Stück erhalten ist. Er hing schon hier bei ihrem ersten Besuch im Hotel Beau Rivage. Man kann erahnen, wie Sisi sich – kurz bevor sie aus dem Zimmer trat – im Spiegel ansah. Der letzte Blick. Ein stummer Zeitzeuge jener Zeit. Ihrer Zeit. Vis á vis hängt ein Gemälde ihres berühmtesten Bildes: Das Bild mit dem Sternenkleid. Das Zimmer ist mit Blumen dekoriert, welche extra für meinen Besuch besorgt wurden – ich fühle mich geehrt! Vielen Dank. 

 

 

 

 

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Das Schlafzimmer ist ein traumhafter Raum, welcher ebenfalls in rot und champagner dekoriert ist. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine schöne Aussicht auf den See und den Jet D`Eau. Links, führen drei Holzstufen zu dem privaten Balkon des Zimmers mit schönen und bequemen Sesseln um die Aussicht geniessen zu können. Zu Sisis Zeiten war allerdings weder die Terrasse, noch das Restaurant das sich direkt darunter befindet, hier.  Vis á vis von der Terrasse und neben dem riesigen Bett, befindet sich das Badezimmer, welches im Jahr 1898 auch nicht an dieser Stelle war. Haman Dusche, Jacuzzi, ein Fernseher der hinter dem Spiegel „versteckt“ ist, Schönheits- und Pflegeprodukte von Clarins usw. Dem luxuriösen Badezimmer fehlt es an nichts.

Meine Begleiterin erklärt mir, dass während der Sisi Aufenthalte, ihr Bett in der gleichen Position war wie heute. Allerdings stand es dort, wo heute der Jacuzzi steht, da das Badezimmer noch nicht existierte. Ich frage mich, wie wäre es eigentlich eine Nacht hier in diesem Zimmer zu verbringen. Könnte ich überhaupt schlafen? Könntet ihr?

Herr Mayer und Frau M., Beau Rivage Foto: sternenkaiserin.com

Meine Begleiterin findet meine Ängste lustig und erklärt mir, dass es nie Gespenster im Hotel gab und gibt. Sie beteuert, dass ich einen guten Schlaf finden würde. Sie versteht nicht, dass dieses Zimmer für mich eine ganz andere Bedeutung hat, als für „normale“ Gäste des Hauses.

Zu meiner großen Überraschung darf ich den Besitzer des Hotels, Herrn Mayer, persönlich kennenlernen. Mir wurde gesagt, er sei ein sehr freundlicher Mann, der fast alle Details über das Geschehen weiß. Das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen, da seine Familie das Hotel gegründet hat und seine Großmutter Kaiserin Elisabeth in ihren letzten Minuten still zur Seite stand. 

Obwohl meine Begleitung versuchte mich zu beruhigen, war ich sehr nervös. Dass so ein wichtiger und sehr beschäftigter Mann sich die Zeit nimmt, um meine Fragen zu beantworten, war eine große Ehre. Unser Team hatte mich für diesen Termin angemeldet und das Hotel wusste, dass ich kommen werde. Trotzdem wusste niemand davon, dass Herr Meyer sich ebenso zu mir gesellen würde. 

Ich treffe ihn an der Bar, wo er seine Mitarbeiterin und mich begrüßte. Er bot mir etwas zu trinken an und meine Nervosität ist wie weggeblasen. Herr Mayer ist einer der nettesten und sympathischsten Gentleman, die ich je das Vergnügen hatte kennenlernen zu dürfen. Zu hören, was an diesem 10.9.1898 geschah, ist aus seinem Munde so, als würde ich es miterleben. Er erklärt mir ganz genau wie das Zimmer damals ausgesehen hat, wie alles geschah und wie seine Großmutter, seiner Mutter immer sagte: „Die Kaiserin ist in meinen Armen gestorben.“

Nach allen meinen tausend Fragen, gehen wir alle zusammen wieder in die Suite, um noch ein paar Fotos zu machen. Ich verabschiede mich von meiner Begleiterin und Herrn Direktor Mayer und verlasse glückselig das Hotel. Im Herzen voller (Mit)Gefühl für Sisi.

Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um mich ganz herzlich bei Herrn Mayer und Frau M. und allen Mitarbeitern des Hotels Beau Rivage für die Freundlichkeit zu bedanken, die mir an diesem Tag zu Teil wurde. Ich fühlte mich wie eine „very Important Person“.

Ich gehe nun den gleichen Weg, den Kaiserin Elisabeth vom Hotel bis zur Anlegestelle des Schiffs „Geneve“ und komme (wie bereits davor am Morgen) an der Attentatsstelle vorbei. Nach der Promenade Geneve-Mont-Blanc (Lac), laufe ich über die Brücke die die Stadt verbindet bis zur der bekannten Blumen Uhr, weil es hier ganz in der Nähe, noch einen Schatz zu entdecken gibt.

Foto: sternenkaiserin.com

Das Dampschiff „Geneve“, das Schiff, in das Sisi direkt nach dem Angriff eingestiegen ist und auf dem sie kurz danach kollabierte, ist hier fix verankert.

Plakat, Schiff Geneve Foto: sternenkaiserin.com

Heutzutage dient das Schiff als Touristenrestaurant und man kann dieses auch für Feiern aller Art buchen. Ein kleines Plakat informiert die Fußgänger über die Geschichte des Schiffes und seine Verbindung zu Kaiserin Elisabeth. 

 

 

 

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       Ich betrete das Schiff an derselben Stelle, wie Kaiserin Elisabeth Jahrzehnte vor mir. Ich fühle mich wie Hofdame Irma. Direkt nach dem Einstieg, ist das Deck wo Sisi das Bewusstsein verlor. Wenn man in das Innere Deck geht, sieht man rechts einen Gang der einen in eine offene Zone bringt, wo sich links die schöne Holzstiege befindet, die ins obere Deck führt. Rechts kommt man in den vorderen Teil des Schiffes. Dort befinden sich vier Räume die damals die privaten Kabinen von Elisabeth und Irma waren. Heute sind es schnoddrige Lagerräume.

Foto: sternenkaiserin.com

Foto: sternenkaiserin.com

Die zweite Kabine links war die Kabine die für Sisi reserviert war. Als sie zusammengebrochen ist, wurde sie in ihre Kabine gebracht.

Hier drinnen sprach sie die letzten Worte ihres Lebens:

„Was ist denn jetzt mit mir geschehen?“

Elisabeth fiel in eine tiefe Ohnmacht, von der sie nie wieder erwachen sollte. Als der Kapitän erfuhr, wen er verletzt an Bord hatte, drehte er um und fuhr zurück an den Anlegeplatz. Man brachte die verletzte und ohnmächtige Kaiserin Elisabeth auf einer provisorisch schnell zusammengezimmerten Bahre zurück in ihre Hotelsuite, wo sie für immer einschlief.

Saint Pierre KathedraleFoto: sternenkaisern.com

Foto: sternenkaiserin.com

Ich verlasse nun das Schiff „Geneve“ und gehe bis zur Saint Pierre Kathedrale, die sich hier ganz in der Nähe befindet. Direkt vor seiner Fassade kann man die Ruinen des ehemaligen Gefängnisses sehen, wo Lucheni für seine grauenhafte Tat bezahlt hat. Erst bei seinen Verhören wurde klar, dass er Kaiserin Elisabeth gar nicht töten wollte. Er hatte es eigentlich auf den Herzog von Orleans abgesehen. 

Foto: sternenkaiserin.com

 

Foto: sternenkaiserin.com

Am 19.10.1910 fand man seine Leiche, welche unter merkwürdigen Umstände in seiner Zelle aufgefunden wurde. Offizielle Todesursache: Selbstmord
Es sind nur ganz wenig Steinreste von seiner Zelle zu sehen und auf einer Tafel, wie das Gefängnis früher aussah. Es mutet eigenartig an, an jener Stelle zu stehen, an der ihr Mörder noch 12 weitere Jahre leben durfte.

Nun heißt es für mich Abschied zu nehmen.
Es war ein Tag voller Emotionen an dem ich ganz viel gelernt habe. Den letzten Spuren von Kaiserin Elisabeth zu folgen, ist etwas ganz Besonderes und wird in mir noch sehr lange nachklingen.

Ich hoffe, dieser kleine Bericht über meinen Besuch in Genf hat euch gefallen. Ich bedanke mich herzlichst bei meinem Team, das mir alle Foto- und Videogenehmigungen besorgt hat: speziell für das Hotel Beau Rivage und für den Dampfer Geneve. Vielen Dank noch einmal allen Mitarbeitern beider Besichtigungsorte, die mir dabei geholfen haben, alle Fragen zu beantworten. Es war mir eine große Ehre.

 

– Maria José –


Kaiserin Elisabeths letzter Weg
die historische Spurensuche

Foto: @staerkel.at

Nach dem wir jetzt Maria Josés eindrucksvollen Ausführungen gefolgt sind, leihen wir den Zeitzeugen jener Zeit die Stimme und geben ihnen die Möglichkeit uns ihre Sicht der Dinge zu erzählen:

Auch kann ich mir vorstellen, daß der gefangene Vogel in höherem Maße die Wonnen seiner Befreiung fühlt, wenn er aus der offen vergessenen Tür des Käfigs entwischen kann, als wenn man ihm nach Vorbereitungen und

Zeremonien gnädigst die Tür öffnet. Die Kaiserin wußte Nauheim hinter sich und mit dem beglückenden Gefühle der Befreiung und wie von einer unwiderstehlichen Anziehungskraft ergriffen, eile sie nach der Schweiz.“ (1)

Graf Albert von Berzeviczy, Foto: @locseitemeto.eoldal.hu

Kaiserin Elisabeth reist mit ihrer Hofdame Irma Gräfin von Sztáray und Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864 – †3.9.1940) in die Schweiz und hält sich ab 30.8.1898 in ihrer geliebten Berglandschaft auf. Sie besuchen Caux, weil Elisabeth diesen Ort besonders mag. Ausflüge nach Bex-les-Bains, Rochers de Naye, Evian, Genf und Pregny wurden alle 2 Tage eingeplant.

Nach dem gemeinsamen Abendessen, gingen Elisabeth und Irma in Caux spazieren, um die nächsten Tage zu besprechen. Vor allem Genf erwies sich für Graf Albert von Berzeviczy (*7.6.1853, †22.3.1936) zu einem Problem. Irma erwähnte diese Besorgnis bei Kaiserin Elisabeth, welche nach dem „Warum“ fragte: „Weil es in Genf viel Gesindel gäbe und er deshalb lieber sähe, wenn Eure Majestät wo immer hin gingen, nur nicht nach Genf.“ „Sagen Sie Berzeviczy, seine Besorgnisse seien einfach lächerlich. Was könnte mir Genf schaden?“ (2)

Am 7.9.1898 blieb Kaiserin Elisabeth im Hotel des Salines in Caux, das sie „Haarwaschtag“ hatte. Auf dem Balkon des Hotels hin- und herschreitend versuchte Irma noch einmal bei Elisabeth die Warnung von Graf Berzeviczy aufzunehmen; diesmal mit etwas mehr Vehemenz und dem Vorschlag doch einen Herren aus dem Gefolge

Chateau Pregny Foto: @lmathieu.wordpress.com

mitzunehmen. Kaiserin Elisabeth antwortete: „Ich sehe schon, daß der stets besorgte Berzeviczy für mein Leben fürchtet, aber was könnte mir denn in Genf zustoßen? Nun gut, ich weiß, daß Berzeviczy auch eine gewisse Verantwortung trägt, sagen Sie ihm also, daß ich ihm zuliebe, aber auch nur ihm zuliebe, Sekretär Kromar mit mir nehme, obschon ich nicht weiß, was er mir nützen könnte, wenn er, während ich spazieren gehe, im Hotel ruht.“ (3)

 

Sie schreibt in ihrem Buch: „Den Schatten, den Berzeviczys Besorgnisse mir in die Seele flößten, verscheuchte die Kaiserin und ich ging sorglos an ihrer Seite dahin, während sie raschen Schrittes ihrem Schicksale entgegeneilte.“ (4)

Baronin Julie Rothschild, Foto: @family.rothschildarchive.org

Am 9.9.1898 kam Elisabeth Punkt 12.00 Uhr in Genf an. Sie begrüßte ihren Sekretär Kromar, der ihr eine Depesche von Erzherzogin Marie Valerie übergab, welche Elisabeth bereits sehnsüchtigst erwartete. Danach fuhr man zu Baronin Caroline Julie von Rothschild (*2.9.1830, †18.11.1907, genannt Julie), welche sie auf ihrem Chateau Pregny erwartete. Den Tag verbrachte Kaiserin Elisabeth überaus glücklich. Es wurde ein kleines Dejeuners eingenommen, die Villa besichtigt und angeregte Gespräche wurden geführt.

Eduard Karl Habsburg-Lothringen
Foto: @Clemens Fabry, Die Presse

Hier findet sich eine kleine Anekdote wieder, die Eduard von Habsburg (*12.1.1967) erzählt. Eduard stammt aus der Linie von Erzherzogin Gisela und Prinz Leopold von Bayern. Er ist somit der Ur-Ur-Ur-Enkel von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph: „Baronin Rotschild hatte ein tolles Essen für sie gezaubert. Es gab Champagner und Eis und Sisi war richtig entspannt und gelöst. Und dann hat die Baronin gesagt, „wir haben einen Fotografen im Haus“. Und Sisi hat ungefähr 30 Sekunden überlegt und dann hat sie gesagt: „Nein, ich mache es nicht. Sie hat dann später der Gräfin Sztáray auf dem Boot gesagt: „Wenn man sein ganzes Leben an einem Prinzip festhält und wenns auch nur der Eitelkeit dient, dann muss man das durchziehen; aber eigentlich schade.
Gegen 5.00 Uhr verabschiedeten sich Elisabeth und Irma und fuhren ins Beau Rivage zurück.

Hotel Beau Rivage Foto: @sternenkaiserin.com

Elisabeth checkte zwar unter dem Namen „Gräfin Hohenembs“ ein, allerdings erkannte sie der Hoteldirektor. Nach einer Stunde Ruhezeit, machten sich lediglich die beiden Damen auf, um die Stadt zu erkunden. „Ich verstehe Sie wirklich nicht, Irma, warum Sie diese Stadt nicht mögen; sie ist ja so schön, wie kann sie Ihnen also unsympathisch sein? Ich liebe Genf sehr.“ (5)

Es wurde ein kleines Tischchen für Marie Valerie eingekauft, welches ihr zu Weihnachten geschenkt werden sollte.

Erst gegen 22.00 Uhr kamen die beiden Damen ins Hotel zurück, weil sie sich nach dem Einkauf in Genf verliefen. 

Irma schlief schlecht in jener Nacht, stand aber zeitig auf, da es ihr „Beichttag“ war und sie lief deshalb zur Kirche. Um Schlag 9.00 Uhr war sie bei Kaiserin Elisabeth zurück; diese wurde soeben frisiert. Elisabeth sah blendend aus, dennoch erzählte sie von einer schlaflosen Nacht: „Müde bin ich nicht, doch habe ich kaum geschlafen. Eine Weile hörte ich den italienischen Sängern zu, später störte mich der Leuchtturm mit seinen beständig wechselnden Farben und ich konnte mich nicht entschließen, aufzustehen und die Fenster zu schließen. Es mochte gegen 2 Uhr gewesen sein, als ich einschlief, da aber, was mir noch niemals geschah, schrak ich entsetzt auf, weil der hochstehende Mond mit seinem grellen Scheine in mein Gesicht leuchtete, während mein Bett und das ganze Zimmer in meiner mystischen Beleuchtung schwamm. Weiter vermochte ich auch nicht mehr einzuschlafen.“ (6)

Das letzte Foto. Kaiserin Elisabeth (l) mit Irma Gräfin von Sztáray, Foto: @Wikimedia/Commons

Das Zimmer war mit weißen Astern geschmückt, die Sisi zwar gefielen, sie aber an alles Vergängliche erinnerten. Irma verließ das Toilettenzimmer, um noch einige Einkäufe zu erledigen bzw. die Einkäufe vorm Vortag abzuschließen und die Lieferadresse zu hinterlassen. Kurz vor 11.00 Uhr kam sie zurück und erledigte mit Kaiserin Elisabeth noch einen kurzen Weg. Knapp vor dem Hotel lauerte ein Fotograf, der unwissentlich das letzte Foto von Kaiserin Elisabeth machen sollte. Es ging in die Weltgeschichte ein.

Danach wollte sich Kaiserin Elisabeth noch einmal umziehen. Um 1.30 Uhr war das Paar bereits spät dran, Irma wurde nervös. Sie versuchte Elisabeth dazu zu überreden, den Lakaien vorauszuschicken, damit der Kapitän nicht ohne sie abfuhr. In völliger Ruhe trank Sisi (das letzte) Glas Milch (ihres Lebens). Um 1.35 Uhr verließen Irma und Elisabeth das Hotel Beau Rivage.

Dass der Mann in schwarz gekleidet die Lakaien dabei beobachtet, wie diese viel Gepäck auf das Schiff bringen. Lucheni steht an der Straßenecke und lässt weder das Hotel, noch das Schiff aus seinem Blick. Er weiß, sie wird kommen…. 

Der letzte Weg, die letzten Schritte, der letzte Blick, das letzte Wort….

Attentat auf Kaiserin Elisabeth, Zeichnung, Unbekannt Foto: @Wikimedia/Commons

 

Attentatsstelle mit Blick auf das Schiff Geneve Foto: sternenkaiserin.com

„Majestät, das Schiffsignal“, sagte ich und zählte unwillkürlich die auf das Läuten folgenden dumpfen Schläge…ein…zwei…
In diesem Momente erblickte ich in ziemlicher Entfernung einen Menschen, der, wie von jemanden gejagt, hinter einem Baume am Wegrande hervorspringt und zum nächststehenden anderen läuft, von da zu einem eisernen Geländer am See hinübersetzt, sodann abermals zu einem Baume und so, kreuz und quer über das Trottoir huschend, sich uns naht. „Daß der uns auch noch aufhalten muß!“ denke ich unwillkürlich, ihm mit den Blicken folgend, als er aufs neue das Geländer erreicht, und von da wegspringend, schräge auf uns losstürmt.
Unwillkürlich tat ich einen Schritt vorwärts, wodurch ich die Kaiserin vor ihm deckte, allein der Mann stellt sich nun wie einer, der arg strauchelt, dringt vor und fährt im selben Augenblicke mit der Faust gegen die Kaiserin.
Als ob der Blitz sie getroffen hätte, sank die Kaiserin lautlos zurück und ich, meiner Sinne nicht mächtig, beugte mich mit einem einzigen verzweiflungsvollen Aufschrei über sie hin. –
Vater im Himmel! Wenn ich dereinst vor Dir stehe, um Dir Rechenschaft zu geben von meiner Seele, dann wirst Du eingedenk sein dieses entsetzlichen Augenblickes. –
Alle Qualen des Todes durchzuckten mich und statt meiner gelähmten Lippen schrie meine niedergeschmetterte Seele zum Erlöser um Barmherzigkeit.
Und dann war mir, als tue sich vor mir der Himmel auf.
Die Kaiserin schlug die Augen auf und sah um sich. Ihre Blicke verrieten, daß sie bei vollem Bewußtsein war, dann erhob sie sich, von mir gestützt, langsam vom Boden.“
…..
Mit erstickter Stimme, da die Freude den Schrecken überwand, fragte ich sie: „Was fühlen Majestät? Ist Ihnen nichts geschehen?
„Nein“, antwortete sie lächelnd, „es ist mir nichts geschehen“. (7)

In der Zwischenzeit waren einige Leute an die hohe Dame herangetreten, die ihr alle helfen wollten. Sie dankte jedem Umstehenden in allen Sprachen, – deutsch, englisch, französisch. Ein Kutscher putzte ihr verstaubtes Kleid ab. Der Portier vom Beau Rivage eilte zur Stelle, der von seiner Türe aus den Angriff gesehen hatte und bat Kaiserin Elisabeth eindringlichst zum Hotel zurückzukehren.
„Warum?“, fragte die Kaiserin, währen sie ihr Haar in Ordnung zu bringen versuchte, „es ist ja nichts geschehen, eilen wir lieber aufs Schiffs.“ (8)

Verhaftung von Luigi Lucheni Foto: @Wikimedia/Commons

Kaiserin Elisabeth fragte nach, was der Mensch von ihr wolle, zuerst dachte Irma, sie meinte den Kutscher, doch Elisabeth berichtigte sie und fragte nach dem Manne, der ihr so nahe gekommen war. „Vielleicht wollte er mir die Uhr wegnehmen.“ (9), war ihre einhellige Meinung dazu. Kaiserin Elisabeth schritt weiter, als der Portier wieder heraneilte und ihr mitteilte, dass man den Missetäter ergriffen habe. Sie fragte, ob er schon etwas gesagt habe. Irma sah dabei aber, dass sich Elisabeths Gesichtszüge verändert hatten. Sie war blass und verzog schmerzverzehrt das Gesicht. „Ich glaube, die Brust schmerzt mich ein wenig.“ (10)

Auf der Schiffsbrücke ging Elisabeth noch leichten Schrittes vor Irma, als es sie schwindelte: „Jetzt Ihren Arm“ stammelte sie mit erstickender Stimme. Ich umfing sie, konnte sie aber nicht halten und, ihren Kopf an meine Brust pressend, sank ich ins Knie. – „Einen Arzt! Einen Arzt! Wasser!“ schrie ich dem zu Hilfe eilenden Lakai entgegen. Die Kaiserin lag totenbleich mit geschlossenen Augen in meinen Armen. (11)

Gräfin Irma Sztáray Foto: @Wikimedia/Commons

Der Lakai und einige Gäste des Schiffes brachten Wasser, man bespritzte ihr damit das Gesicht. Kaiserin Elisabeth öffnete die Augen. Irma erkannte, dass der Tod nicht mehr weit war und veranlasste, dass sie mit der Hilfe von ihr und zwei herumstehender Herren in die Kabine unter dem Verdeck gebracht wurde.

Irma schrie wieder nach einem Arzt und plötzlich wurde sie zur Seite geschoben. Ein Herr, der die Hilfe seiner Gattin anbot, welche sich auf Krankenpflege verstand (Ehepaar Dardelle), wurde an Kaiserin Elisabeth herangelassen. Diese rieb sie zunächst mit Eau de Cologne ein. Auch eine Klosterschwester eilte herbei. Irma schnürte derweil das Mieder auf. Kaiserin Elisabeth erhob sich zaghaft, damit Irma das Mieder unter ihr hervorziehen konnte. Das Schiff hatte mittlerweile abgelegt. Niemand im Raum nahm das richtig wahr. Irma nahm ein Stück Zucker, tunkte es in Äther und gab dies Elisabeth, die versuchte ein paar Mal davon abzubeißen. Die Wiederbelebungsversuche glückten, da der kühle Fahrtwind in die Kabine hereinwehte.

Dent du Midi, Bild in Öl, Edwin Deakin, Foto: x43:service

Elisabeth setzte sich auf und hauchte ein leises Merci, gegen die fremde Dame, die über ihr gebeugt stand. Die Herrschaften die alle rund um Kaiserin Elisabeth standen, zogen sich zurück, als sie merkten, dass diese von selbst sitzen konnte. Doch Irma sah es im Blick von Kaiserin Elisabeth. Ihr Blick war vom Tod umwoben, es gab kein Zurück mehr. Einzig Madame Dardelle, die Klosterfrau, der Lakai und Irma blieben bei Kaiserin Elisabeth. „Ihre Blicke suchten den Himmel, dann blieben sie an dem Dent du Midi haften und, von da langsam herabgleitend, ruhten sie auf mir, um sich für ewig meiner Seele einzuprägen. „Was ist denn jetzt mit mir geschehen?“ Das waren ihre letzten Worte, dann sank sie bewußtlos zurück.“ (12)

Irma schnitt ihre Halskette mit der Medaille der Marienkongregation ab und betete zur Heiligen Jungfrau um Aufnahme der Seele von Kaiserin Elisabeth in den Himmel. Sie wusste, dass der Tod nicht mehr aufzuhalten war. Sie fing zum Handeln an. Sie schob das Hemd von ihr auf die Seite, sah die Wunde, an der ein Tropfen gestocktes Blut hing und wusste, dass ihre Majestät ermordet worden war.

Abtransport Kaiserin Elisabeth vom Schiff Geneve, Zeichnung, Unbekannt Foto: @Wikimedia/Commons

Irma ließ nach dem Kapitän schicken, der sogleich in die Kabine kam. Sie klärte ihn auf, wer da vor ihm lag und bat darum, das Schiff sofort zu wenden. Sie schrieb zwei Depeschen an Sekretär Kromar und Graf Berzeviczy, welche sie Herrn Dardelle übergab, der versprach diese sofort aufzugeben, sobald sie wieder in Genf seien.

Irma breitete Kaiserin Elisabeths schwarzen Mantel über sie, als diese auf eine improvisierte Trage gehoben und von 6 Männern getragen wurde. Als die Männer in Bewegung waren, warf Elisabeth unruhig ihren Kopf zur Seite. Ansonsten war die Agonie ruhig, ohne Kampf, ohne Schmerz. Irma ging neben ihrem Kopf, ein anderer Herr auf der anderen Seite, der ihren weißen Schirm, den sie bei sich hatte, als sie aus dem Hotel gingen, über sie spannte, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen.

Gräfin Sztáray blickte wehmütig zum Hotel. Vor einer Stunde hatten sie es gut gelaunt und voller Tatendrang verlassen. Wie konnte dies nur passieren?

In ihrer Suite angekommen, war Dr. Etiénne Golay sofort zur Stelle, danach noch Frau Fanny Mayer Hoteldirektorin vom Hotel Beau Rivage und eine im Hotel wohnende englische Pflegerin. Irma zeigte Dr. Golay die Wunde, doch durch die Öffnung des Mieders hatte sich die Wunde von der ursprünglichen Stelle verschoben. „Es ist keine Hoffnung“, sprach der Arzt nach einer Weile. (13)

Irma bat im ruhigen Ton, doch noch Belebungsversuche zu machen, es war allerdings zweckslos. Kaiserin Elisabeth atmete zwar noch, aber dieses wurde schwächer und schwächer. Um 2.40 Uhr (also 14.40 Uhr) sprach Dr. Golay die Worte aus. „Die schönste, edelste Seele, die am schwersten geprüfte von allen, hatte die Erde verlassen und ihr Entschwinden bezeichnet man mit dem einzigen kurzen Worte: tot! – (14)

Irma war fassungslos, betete, man möge sie auch holen, fasste dann aber den Entschluss, dass sie sich versündigen würde. Sie dachte an Kaiser Franz Joseph und wusste, dass sie diese schwere Last übernehmen musste, um ihm vom Tod Elisabeths zu erzählen. 

Generaladjutant Graf Eduard von Paar, Zeichnung Oskar Brüch, Foto: @Wikimedia/Commons

Gräfin Sztáray schrieb eine Depesche an Eduard Graf von Paar (*5.12.1837, †1.2.1919): „Ihre Majestät die Kaiserin wurde schwer verwundet, bitte dies Seiner Majestät dem Kaiser schonungsvoll zu melden.“ (15)

Als die treue Hofdame Irma ins Zimmer zurückkam, schnitt man Kaiserin Elisabeth gerade im linken Arm in die Schlagader. Als kein Tropfen Blut aus dem toten Körper wich, zogen sich die Ärzte zurück.

Irma beschreibt die tote Elisabeth wie folgt: „Kein Nerv zuckt mehr in ihr! Nur ein Blick unter halbgeöffneten Lidern, himmelwärts gerichtet und gebrochen, und ein sanftes Lächeln des Mundes erinnern noch an das Leben. Damit hatte sie die selig entschwindende Seele geleitet, damit von ihr Abschied genommen für immer.“ (16)

Gräfin Sztáray drückte Kaiserin Elisabeth die Augen zu und schlang ihre Finger um einen Rosenkranz, faltete Hände zum Gebet und legte sie ihr auf die Brust.

Während dieser Geschehnisse, nutzt Kaiser Franz Joseph seine freie Zeit und schreibt Elisabeth einen Brief. Er sollte nie mehr bei ihr ankommen. Conte Corti war es, der ihn in seinem Buch erwähnt: „Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung“ schreibt er seiner fernen Gemahlin, „die Deinen Brief durchweht, und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung samt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa „Hermes“ gefühlt hast, hat mich gerührt. Dann erzählt er, dass er am Tage zuvor in der Villa war, viel an Elisabeth gedacht habe und das Wild begutachtet habe. Weiter geht’s mit „heute bleibe ich hier und um halb neun reise ich von Staatsbahnhof ab. Isten veled szeretett angyalom (Gott befohlen, geliebter Engel.) Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kleiner.“ (17)

Eugen Ketterl, Leibkammerdiener Seiner Majestät Foto: @Wikimedia/Commons

Zu Hilfe hatte Irma eine Wärterin, die das Totengemach herrichtete; es wurden Kreuze und Kerzen aufgestellt. Die weißen Herbstastern, die Kaiserin Elisabeth am Vormittag noch „sie stehen für die Vergänglichkeit“ nannte, wurden ins Zimmer gebracht und um das Bett aufgestellt.

Nach dieser Aufgabe, setzte sich Irma ruhig hin und setzte die nächste Depesche an Graf Paar auf: „Ihre Majestät die Kaiserin ist entschlummert.“ (18)

Um 17.25 Uhr kam das Telegramm bei Generaladjutant Graf Paar in Schloss Schönbrunn an. Er hatte nun die unendlich schwierige Aufgabe seiner Majestät vom Tod der Kaiserin zu unterrichten. Durch die ihm geschuldete Contenance, seine strenge Erziehung und auch seinem Amt würdig, bleib Kaiser Franz Joseph ruhig bei der Nachricht. Sein treuer Diener Eugen Ketterl schreibt: „Als der Kaiser die Todesnachricht erhielt, sagte er in meiner Gegenwart zum Grafen Paar: „Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (19)

Erzherzogin Marie Valérie, Foto: @kulturpool.at

Um 18.30 Uhr traf die Nachricht bei Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924) in Schloss Wallsee ein. Maria überbrachte ihr die Kunde vom Tod ihrer Majestät. Valérie notiert in ihr Tagebuch: „Ich weiß nicht, ob weitere Fragen dazwischen oder gleich das Wort „tot“? über die Lippen brachte, ob sie mir gleich dort noch am Gang oder schon im Zimmer sagte: „Ermordet von einem italienischem Anarchisten – im Hotel in Genf verschieden“. Ich weiss es nicht. Noch zittert mir die Hand, wenn ich zurückdenke an diese Stunde… (20)

Erzherzogin Gisela und Prinz Leopold, Foto: @Wikimedia/Commons

Prinz Leopold von Bayern (*9.2.1846, †28.9.1930), Ehegemahl von Erzherzogin Gisela, schreibt in seinen Lebenserinnerungen: „Ich fuhr die Nacht durch zu meiner Gattin nach München, und die darauffolgende mit ihr nach Wien. Das war nun ein trauriges Wiedersehen mit dem lieben Kaiser: erschütternd war alles, was man von der Tragödie erfuhr. Dazu kam das gerade so Sinnlose der Ermordung dieser edlen Frau, die sich prinzipiell von jeder politischen Tätigkeit fern gehalten hatte. (21)

Danach brach Irma zusammen. Erschöpft, müde, von Trauer gebrochen, kniete sie vor dem Bett und weinte hemmungslos. Die Polizei kam alsbald ins Hotel und vernahm Gräfin Irma Sztáray, die auch diese Pflicht mit stoischer Ruhe über sich brachte. Ihr wurde der Eidschwur abgenommen, danach musste sie den gesamten Namen & alle Titel und sämtliche Geschehnisse der letzten Stunden von Kaiserin Elisabeth in die Feder diktieren. Die Stunden waren qualvoll, weil sie an die schlimmsten Stunden ihres Lebens zurückdenken musste. Graf Berzeviczy ließ sie ans Telefon rufen und Irma erinnerte sich qualvoll an die ständigen Ermahnungen nicht nach Genf zu fahren. Als hätte er es gewusst.

Immer mehr Leute strömten zur toten Kaiserin: eine Kommission, die den Leichnam obduzieren wollte, eine Kommission um die Leichenschau abzunehmen, Bischof von Fribourg und Gefolge kamen herein, um ihre Arbeit aufzunehmen. Erst am Abend war Irma mit Kaiserin Elisabeth allein gelassen worden. Um 20.00 Uhr kam Graf von Berzeviczy ins Hotel, welcher in Territet geweilt hatte und der Gesandte aus Bern, Graf Kuefstein. Um 22.00 Uhr wurde der Sarg gebracht, in welchen sie gebettet wurde. Irma legte ihr die Medaille der Mutter Gottes, die sie ihr am Schiff auf die Brust gelegt hatte, in die Hände. Bis um Mitternacht wachten alle 3 Personen vor dem Sarg. Erst danach verließ Irma die tote Kaiserin, um in ihrem Zimmer Ruhe zu finden.

Am 11.9.1898 wurde gegen 14.00 Uhr die partielle Obduktion durchgeführt, da die Anweisung dazu aus Wien erst gegen Mittag eintraf. Die Obduktion ergab, dass Lucheni mit ungeheurer Kraft zugestochen hat. Die zugespitzte 11 cm lange Feile hat die 4 Rippe durchstoßen, die Knochen zersplittert, sowie das Herz und die Lunge durchbohrt. Die linke Herzkammer war mehr oder weniger durchschnitten worden, vor allem durch das Herausziehen des spitzen Gegenstandes, wurde das Herz schwerst verletzt. Nur das Mieder hat den sofortigen Tod aufgehalten. 

Irma notiert: „Ich mußte bei diesem traurigen Akte zugegen sein. Man schnitt den Brustkorb auf, um die Richtung der Wunde festzustellen: Die vierte Rippe war durchbrochen, Lunge und Herz durchbohrt.“
Und ich sah es in der Hand des Arztes, dieses Herz voll Liebe und voll Qual, durch das der Dolch gegangen war, durch und durch, wie wir das Herz der Mater dolorosa im Bilde sehen.
Und das mußte ich überleben!
„Ich möchte dieser Welt entschwinden wie der Vogel, der auffliegt und im Äther verschwindet, oder wie der aufsteigende Rauch, der hier vor unseren Augen blaut und im nächsten Augenblicke nicht mehr ist.“
Diese Worte hatte sie eins zu mir gesagt und sie kamen mir jetzt ins Gedächtnis. (21a)

Totenwache im Hotel Beau Rivage, Zeichnung Foto: @Wikimedia/Commons

Mit „einst“ meinte Irma wohl einen Tag zuvor – denn diese Worte sprach Kaiserin Elisabeth exakt am 9.9.1898 im Beisein von Baronin Julie Rothschild. Vorahnung? Dunkle Gedanken, einer gequälten Seele? Seit Jahren gierte Kaiserin Elisabeth nach dem Tod. Hat sie ihn gespürt? Ahnte sie, dass ihr Ende nah war? Wir wissen es nicht. Wir wissen ja auch nicht, wie es uns einmal ergehen mag, wenn wir es erspüren sollten, dass es zu Ende geht.

Gräfin Sztáray blieb bis die Einbalsamierung beendet war. Danach legte sie ihr das „schöne Kleid“ an, welches sie auch am Tage zuvor getragen hatte. Das zerschnittene Oberteil, wurde durch eine schwarze Seidenbluse ersetzt. Mit Hilfe von Dr. Golay legte Irma den Leichnam in den Sarg, in dem sie für immer Ruhen sollte.

Die Hände wurden wieder gefaltet, der Rosenkranz, ein kleines Kruzifix aus Perlmutt und das Medaillon wurden ihr wieder um ihre Finger drapiert bzw. in die Hand gelegt. Ein kleiner Strauß aus weißen Orchideenblüten wurden auf die Einstichwunde gelegt. Das Haar – zu einer Krone frisiert – verblieb wo es war. Die Frisur, welche Kaiserin Elisabeth am Vortag um 9.00 Uhr angelegt bekam, wurde nicht mehr verändert. Wie ein Engel, mit weißer Alabasterhaut, soll sie da gelegen haben. Nun hieß es für immer Abschied zu nehmen. Der Sarg wurde verschlossen. Hofdame Irma Gräfin von Sztáray hatte ihre Arbeit beendet.

 

Gräfin Marie Festetics, Foto: @Wikimedia/Commons

Stumm ging sie dem Sarg nach, der Ohnmacht nahe, der sie sich nicht hingeben durfte. Schwere Tage kamen auf sie zu. Das Trauergefolge, trat mit dem Trauerzug am 11.9. seinen Weg nach Genf an. Anwesend war Gräfin Marie Festetics (*20.10.1839, †16.4.1923), Obersthofmeisterin Gräfin Maria Theresia von Harrach, Obersthofmeister Graf Franz von Bellegarde (*18.6.1833, †1.1.1912), der von Kaiser Franz Joseph folgendes ausrichten ließ: „Übergeben Sie meinen Gruß der Gräfin Sztáray; sagen Sie ihr, sie habe sich in ihrer furchtbaren Lage voll Würde benommen.“ (22) Am 14.9. verließ der Zug Genf. 

 

Der Sarg der Kaiserin Elisabeth von Österreich wird aus dem Hotel „Beau Rivage“ getragen. Genf. Photographie. 1898, Foto: @Austria-Forum.org

Der Trauerzug kam am 15.9.1898 in Wien an. Schon auf dem Weg von der Schweiz nach Österreich, wurden am Weg viele Trauerbekundungen getätigt. Das Volk hatte sich fast an jedem Bahnhof versammelt, um mit gesenkten  Häuptern ihre Kaiserin zu verabschieden. Valérie beschreibt die Szene so: „Am Abend verliessen wir gegen 10 Uhr Schönbrunn…. In den Radetzkyzimmern warteten wir in verzehrender Erwartung bis der Zeremonienmeister gegen 11 Uhr des Nahes des Zuges verkündetet. Dann gingen wir hinunter, um am Fuss der Säulenstiege zu warten. Ich musste mich an Gisela halten, und fast zum ersten Male brach ich in lautes Schluchzen aus. Und nun kamen Wagen um Wagen, die gewesenen Hofdamen, welche an den Bahnhof entgegengefahren waren, die von Genf kommenden… Schluchzend lag ich in Irma Sztárays Armen, die sie zuletzt umfangen! Franz sah, wie Papa ihr entgegenging und ihre Hand küsste. Papa ging in aufrechter Haltung dem Sarg nach in die Burgkapelle. Wir folgten. Dort konnte man doch endlich auf die Knie sinken…. Gebete, kurze Einsegnung. Dann erhob sich Papa, kniete nieder am Kopfende des geschlossenen Sarges und küsste ihn. Wir folgten. O Mutter, wüsstest Du es in diesem Augenblick, dass Dein Kind dich liebt mit einer Liebe, wie ich sie wohl früher nie gefühlt. Um Mitternacht waren wir wieder in Schönbrunn.“  (23)

Irma selbst erlebt das alles durch einen Schleier. Ein Schwindel überkam die Hofdame, als Kaiser Franz Joseph zu ihr trat und die Hand küsste. Er bat sie am 17.9.1898 zu einer Privataudienz.

Zeitungsausschnitte die über das Attentat berichten Foto: @Bücher Ernst

Am 16.9.1898 veröffentlichte Kaiser Franz Joseph sein „An meine Völker“, welche von allen Zeitungen gedruckt wurde: „An meine Völker! Die schwerste, grausamste Prüfung hat Mich und Mein Haus heimgesucht. Meine Frau, die Zierde meines Thrones, die treue Gefährtin, die Mir in den schwersten Stunden Meines Lebens Trost und Stütze war – an der ich mich verloren habe, als Ich auszusprechen vermag, ist nicht mehr. Ein entsetzliches Verhängnis hat sie Mir und Meinen Völkern entrissen. Ein entsetzliches Verhängnis hat sie Mir und Meinen Völkern entrissen. Eine Mörderhand, das Werkzeug des wahnsinnigen Fanatismus, der die Vernichtung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung sich zum Ziel setzt, hat sich gegen die edelste der Frauen erhoben und in blindem, ziellosen Haß das Herz getroffen, das keinen Haß gekannt hat und nur für das Gute geschlagen hat.“ (24)

Aufbahrung in der Burgkapelle Foto: @delcampe.net

Am 16.9.1898 wurde um 8.00 Uhr morgens der Sarg in der Burgkapelle öffentlich aufgebahrt; allerdings entsprechend ihrem Wunsch: der Sarg wurde nicht mehr geöffnet. Eigentlich wollte Elisabeth auf Korfu beerdigt werden, die Stelle, die sie ausgesucht hatte, war in der Nähe vom Heine Denkmal und mit Blick aufs Meer. Der letzte Wunsch wurde ihr von der starren Monarchie nicht gewährt. Während ihrer Aufbahrung kam es zu einenm Fauxpas: man schrieb auf den Sarg nur „Kaiserin von Österreich“ und nicht auch „Königin von Ungarn“.  Diesen Titel trug sie mit mehr Würde und Eleganz, als ihren Kaiserin-Titel. Auch Böhmen mischte sich in den Streit ein. Als „ungekrönte“ Königin von Böhmen, sollte auch dieser Titel auf dem Sarg verewigt sein. Maßlos sinnbefreite Streitigkeiten über eine Frau, die sowieso niemals Kaiserin oder Königin werden wollte.

Hofdame Irma übergab Erzherzogin Marie Valerie das Oberteil des Kleides. Die Einstichstelle ist darauf zu sehen. Am selben Abend erreichen Bruder Carl Theodor und Gemahlin Maria José, Elisabeth Gabriele und Marie Gabrielle (Töchter) Wien. Carl Theodor ist schwer gezeichnet, Marie Valerie hatte ihn noch nie so tief ergriffen gesehen. Gerade in ihm, erkennt sie ihre Mutter.

Am 17.9. fand in der Burgkapelle eine Messe statt. Marie Valerie schreibt: „Es zog mich mit Macht zu ihr…ich wünschte, sie möge nun gefunden haben, was sie so bitter bezweifelte – die liebende Barmherzigkeit Gottes -. Dann ging ich zu Maria Festetics und fühlte mich wieder erkalten unter dem Schwall ihres wortreichen Schmerzes.“ (25)

Irma Gräfin Sztáray knickst vor Kaiser Franz Joseph I. und reicht ihm dabei beide Hände. Laut Bildunterschrift erzählt sie in einer Audienz dem Kaiser über die letzten Momente der Kaiserin Elisabeth. Hochdruck nach Zeichnung (Phantasie).
Das Interessante Blatt, 22.09.1898, S.1 Foto: @Bildarchivaustria.at

Danach fand die Privataudienz zwischen Kaiser Franz Joseph und Gräfin Irma Sztáray statt. Die Begegnung war sehr tränenreich. Er überreichte ihr nicht nur den Elisabeth-Orden, sondern er hatte auch ein langes Gespräch mit ihr. Sie musste ihm detailgetreu den gesamten Ablauf erzählen, währenddessen ihm dicke Tränen über das Gesicht liefen. Sie überbrachte ihm ein paar Blüten jener Orchideen, die Kaiserin Elisabeth am Herzen trug. Niemand war Zeuge bei dem Gespräch. Irma und Franz Joseph waren allein. Er fragte sie, ob sie ihr etwas von ihren Haaren abgeschnitten hätte. Irma verneinte, denn sie meinte, dass Kaiserin Elisabeth immer besonders viel Wert auf ihre Haare gelegt habe. Der Kaiser gab ihr Recht und lobte die Hofdame für ihr Tun. Am Ende dieser Audienz küsste er ihr noch einmal die Hand, eine Geste die die Gräfin nie wieder vergessen sollte. Die Güte des alternden Mannes überstieg ihre Contenance bei weitem.

Begräbnis Kapuzinergruft Foto: @Habsburg.net

Um 16.00 Uhr fand dann das tatsächliche Begräbnis, statt welches vom Hofstaat und Militär geprägt wurde. Vom Burgplatz führte der Leichenzug zur Kapuzinergruft, wo sie ihre Ruhestätte finden sollte. 

Dreimal pocht der Obersthofmeister an die Tür. Pater Guardian steht hinter der Tür und fragt „Wer ist da?“ „Kaiserin und Königin Elisabeth begehrt Einlaß“, so die Antwort vom Obersthofmeister. Schluchzend stehen der Kaiser und die Kinder vor dem Sarg. Valerie, die eine Mutter verloren die ihr Kind mehr geliebt hat, als je eine Mutter auf Erden, sieht auf einmal jenen Platz in der Gruft, den Elisabeth ihr im Leben beschrieben, das bißchen Licht und Grün, das aus dem schmalen Fenster hereinblickt. Sie hört die Vögel draußen zwitschern, alles, alles genauso, wie die Mutter es damals geschildert. „Möge sie nun endlich die heißersehnte Ruhe finden!“ 
Schluchenzd auch stehen am Sarge der Kaiserin die treuesten Freundinnen ihres Lebens. Ida Ferenczy, die Elisabeth ob ihres frischen, heiteren, geraden und offenen Wesens, ihres gesunden Menschenverstandes, ihres Taktes und ihrer vornehme Denkungsweise bei aller Einfachheit des Herzens so geliebt. Sie hat alles nach den letzten Wünschen der Kaiserin erfüllt. Auch den letzten Brief des Kronprinzen an Elisabeth vernichtet. … Tränenüberströmt steht Marie Festetics neben ihr. „Viel werden wir noch zusammen trauern, Ida, uns gehörte das Beste. Lange, lange haben wir ihre Seele, ihr Herz genossen.“ (26)

Kaiser Franz Joseph am Sarg seiner geliebten „Engels-Sisi“ in der Kapuzinergruft, Öldruck Foto: Habsburg.net

Marie Valerie hält in ihrem Tagebuch fest: „Papa war schon vom Morgen an in der Burg, hatte sichs nicht erspart, die fremden Herrschaften zu empfangen. Mit Kaiser Wilhelm kam er zu den Kapuzinern. Uns blieb, geschützt durch die dichten Schleier, der grösste Teil banaler Kondolenz erspart. Genug waren es jener, die von Herzen mitweinten. Manni – Onkel Louis (Anmerkung meinerseits: Herzog Ludwig in Bayern, zu dem der Kontakt nach dem Tod von Kronprinz Rudolf komplett abgebrochen war)! „Ich kann doch dem armen Teufel nicht verbieten zu kommen“, hatte Papa gesagt, und hat es den armen Onkel gerührt. Tief erweckte es auch in mir Erinnerungen alter Zeiten, als er zu mir kam mit der Bitte „Lass mich nur bei stehen, nur das bleiben neben Dir“. Papa mit Leopold und Franz, Georg und den beiden Brüdern Mamas geleiten den Sarg hinab. 
(Dann war auch das vorbei und wir kehrten nach Schönbrunn zurück, zu einem traurigen Diner, welchem auch dir König von Sachsen beiwohnte.)“ (26a)

Am 18.9.1898 hätte Marie Valerie fast einen folgenschweren Fehler begangen, den sie Zeit ihres Lebens bereut hätte: Sie notiert dazu in ihr Tagebuch: „Schmerzliches Wiedersehen mit Tante Spatz (Anmerkung meinerseits: Königin Mathilde, Schwester von Elisabeth) die am Sonntag ungekannt gekommen war, um an Mamas Sarg zu beten. Papa suchte sie im Hotel auf, nachmittags kam sie nach Schönbrunn. Ich erfuhr, allein mit ihr, zu meinem Schaudern, dass sie Pater Guardian dazu bewogen hatte, ihr den Sarg zu öffnen, durch das innerhalb des Sarges angerachte Fenster, hat sie Mama gesehen, erkannt, obgleich schon ziemlich entstellt.“ (27)  Valerie war so entsetzt, dass sie dasselbe tun wollte, damit ihre Mutter die letzte Person sei, die „sie“ sehen konnte bzw. Valerie die Letzte auf Erden sei, die ihre Mutter je zu Gesicht bekommen hatte. Doch Pater Abel konnte sie glücklicherweise von diesem Vorhaben abhalten. Dankbar nahm Valerie dies als einen Fingerzeig Gottes und konnte damit in Ruhe leben. 

Prinz Leopold von Bayern schreibt weiter: „Mitte Oktober lud mich der Kaiser ein, mit ihm nach Gödöllö zu fahren. Der Trauerempfang der Bevölkerung daselbst ist mir unvergeßlich. Das Kaiser- oder, besser gesagt, das Königspaar war ja im ganzen Lande verehrt, und die Kaiserin, die so viele Jahre lang besonders gerne in Gödöllö geweilt hatte, geradezu vergöttert. die Fülle der Regierungsgeschäfte, die unermüdliche Arbeit, die frische Luft und die viele Bewegung auf der Jagd brachten auch diesmal den allerhöchsten Herrn über das Gröbste hinaus.“ (28)

Eugen Ketterl (*1859, †1928), der Leibkammerdiener von Kaiser Franz Joseph, notiert, dass seine Majestät nie wieder über Kaiserin Elisabeth sprach: „Manche wollen diese Merkwürdigkeit damit erklären, daß Franz Joseph an Unabänderlichem nicht einmal in der Erinnerung rütteln wollte; andere meinten wieder, Egoismus und Gefühlskälte seien daran schuld gewesen. Ich meine aber, daß der Kaiser sich seines Gefühls schämte und fürchtete, es könnte als Schwäche gedeutet werden. Es geschah gar oft, daß ich den Monarchen dabei überraschte, wie mit unsagbar traurigem Blick zur Kaiserin hinaufsah, die ihn in bestrickender Anmut aus ihrem Bild, das auf einer Staffelei hinter seinem Schreibtisch stand, zu grüßen schien…“  (29)

Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame von Herzogin Amalie in Bayern, Tochter von Herzog Carl Theodor, schreibt in ihr Tagebuch: „Die Kaiserin war sechzig Jahre alt und nicht die Natur, um glücklich zu altern. Hätte sie sich einen schmerzlosen Tod und danach eine Glorifikation ohne Gegenrede gewünscht, hätte sie enden müssen, wie sie es getan. Dr. Christomanos, einer ihrer griechischen Lehrer schrieb, daß sie einmal gesagt habe: „Ob und wann ich sterbe, ist Nebensache. Es gibt im Leben jedes Menschen einen Augenblick, in dem er innerlich starbt, es braucht gerade nicht die Zeit des wirkliches Todes zu sein.“ Dann: „Wenn der Wunsch zum Leben aufgehört hat, befindet man sich eigentlich schon außerhalb des Lebens.“ … So ist diese merkwürdige und in vielem rätselhafte Frau auf außerordentliche Weise aus dem Leben gegangen. Für die Allgemeinheit war sie zu wenig banal, und schüchtern von Natur, entzog sie sich der Schaustellung ihrer Person. Sie füllte den Platz einer Landesmutter gewiß nicht voll aus und hatte nicht die Gabe, vielleicht auch nicht das Verständnis, das Volk zufriedenzustellen. Sooft ist übel vermerkt worden, sie halte den unvermeidlichen Fächer vor das Gesicht, um ihr Altern nicht erkennen zu lassen. Das Angestarrtwerden war ihr gewiß lästig, aber der erste und tiefere Grund lag in der Empfindlichkeit der Augen gegen Licht und Blendung, unter der fast alle Glieder der herzoglichen Familie leiden.“ (30)

Henri Philippe Marie de Bourbon-Orléans, Foto: @Wikimedia/Commons

Luigi Lucheni gab an, dass er eigentlich Henri Philippe Marie d’Orleans (*16.10.1867, †9.8.1901) ermorden wollte. Er wurde am 10.11.1898 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er war ein äußerst aggressiver Gefangener, der mehrmals versuchte den Gefängnisdirektor oder die Wärter anzugreifen. Seine „Lebenserinnerungen“ die er notierte, wurden ihm entrissen. Am 19.10.1910 wurde er unter mysteriösen Umständen tot in seiner Zelle gefunden. Die offizielle Todesursache lautet „Selbstmord“, allerdings soll „nachgeholfen“ worden sein.

Gemälde nach Leopold Horovitz, posthum am 31.12.1898 an Kaiser Franz Joseph überreicht. Foto: @Wikimedia/Commons

Am 31.12.1898 bekam Kaiser Franz Joseph vom ungarischen Maler Leopold Horovitz (*2.2.1838, †16.11.1917) ein Bild überreicht. Valérei notiert: „das Papa das beste findet. „Es hat nie ein gutes Bild von Mama gegeben.“ „Kein naturwahres Porträt“. So ist es mit allem, was über Mama gesagt und geschrieben wird.“ (31) 

Kaiserin Elisabeth jedoch, war zu Lebzeiten so wenig in Österreich präsent, dass die Trauer der Bevölkerung nur kurz andauerte und einige Tage nach dem Begräbnis schon wieder das „Tageswerk“ verrichtet wurde. Die Meldungen in den Zeitungen verebneten. Die ersten Biografien fanden den Weg an die Oberfläche (Gräfin Larisch, Conte Corti etc.), Denkmäler wurden errichtet usw.

Dazu notiert Marie von Redwitz: „Bald nach ihrem Tode erhob sich wie auf Wettbewerb in jeder Stadt, wo sie einmal länger geweilt, ein künstlerisch mehr oder minder wertloses Standbild von ihr. Gewiß hätt sie sich das verbeten, denn die sie ehren wollten, hatten nichts mit ihr gemeinsam.“ (32)

 

Grabstelle von Erzherzogin Agnes (*/†26.6.1911), Bad Ischl Foto: @Hans-Christian Seidel

Am 26.6.1911 bekam Erzherzogin Marie Valérie in Bad Ischl ihr letztes und gleichzeitig das 10te Kind: Agnes – Die kleine Erzherzogin überlebte nur 8 Stunden. Als Agnes starb sagte Valérie: „Wie tröstlich annehmen zu dürfen, daß dies kleine Enkelkind sie vielleicht endlich hineingeleitet hat in den Himmel.“  (33)

Ein sehr tröstliches Abschiedswort.

 

 

 

 

 


Kaiserin Elisabeth heute

Filmprogramm Sissi Film, 1955 Foto: @Wikimedia/Commons

Es sollte bis ins Jahr 1955 dauern, bis Kaiserin Elisabeth wiedergeboren wurde. Zwei Weltkriege und viel Leid waren vergangen, bis am 21.12.1955 der Film Sissi in die Kinos kam. Romy Schneider und Karlheinz Böhm – sie ebneten Sisi den Weg zurück ins Leben.

Papieruntersetzer im Café Hofburg, Foto: sternenkaiserin.com

Souvenirs, vor allem das berühmte „Winterhalter Bild mit dem Sternenkleid“ wurden und werden in die ganze Welt verkauft; nichts was es nicht gäbe: Tassen, Vasen, Teller, Büsten, Briefmarken, Fingerhut, Hefte, Blöcke, Radiergummi, Taschen, Tischdecken, Pralinen und Mehlspeisen die ihren Namen tragen und sogar „Glasuntersetzer“…

1982 erschien Brigitte Hamanns Biografie über Kaiserin Elisabeth, danach wurden und werden unzählige Bücher geschrieben, im Jahr 1984 fanden die Gedichte von „Titania“ ihre Erstveröffentlichung (ebenfalls Brigitte Hamann).

 

Kapuzinergruft Kronprinz Rudolf, Kaiser Franz Joseph (erhöht), Kaiserin Elisabeth (v.l.n.r.) Foto: @sternenkaiserin.com

In die Kapuzinergruft pilgern jährlich Millionen Besucher und legen rote und weiße Rosen auf den Sarkophag von Kaiserin Elisabeth, Kronprinz Rudolf und Kaiser Franz Joseph.

Foto: @Amazon.de

Wien und Österreich hat seine Kultur. Schloss Schönbrunn wird im Sommer gestürmt. Am 3.9.1992 wurde Kaiserin Elisabeth in Form eines Musicals geboren. Den Beitrag zum Musical können Sie hier nachlesen. 

Am 24.4.2004 wurde zum 150. Hochzeitstag das Sisi Museum eröffnet. Der Hype ist ungebrochen, mittlerweile ziehen viele Kaiserappartements nach, die jemals Sisi und/oder Franz Joseph zu Besuch hatten…

 

 

Der Mythos lebt.
Kaiserin Elisabeth lebt.

 

~ Marie ~

 

Bevor wir nun diesen Beitrag wirklich abschließen, möchten wir euch exklusiv die Tagebuchaufzeichnungen von Hoteldirektorin Fanny Mayer zeigen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Maria José, die vor Ort war und bei Herrn Direktor Mayer, der uns hiermit erlaubt hat, die Tagebuchaufzeichnungen seiner Großmutter zu veröffentlichen. 

Exklusivrecht, Erlaubnis Herr Mayer, Beau Rivage Hotel Foto: sternenkaiserin.com

Exklusivrecht, Erlaubnis Herr Mayer, Beau Rivage Hotel Foto: sternenkaiserin.com

Exklusivrecht, Erlaubnis Herr Mayer, Beau Rivage Hotel Foto: sternenkaiserin.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise – Auf den Spuren Kaiserin Elisabeths in Genf 
Text: Maria José
Bildrechte: Maria José – Mit ausdrücklicher Genehmigung der Hoteldirektion Beau Rivage
Videorechte: Maria José – Mit ausdrücklicher Genehmigung der Hoteldirektion Beau Rivage 


Rechtliche Hinweise – Historischer Weg – Kaiserin Elisabeth
Text: Marie Festetics, Irma Gräfin Sztáray, Leopold von Bayern, Michaela und Karl Vocelka, Marie Valérie von Österreich, Martha Schad, Marie von Redwitz, Eugen Ketterl

Bildrechte: sternenkaiserin.com, Wikimedia/Commons, Hans Christian Seidel, Habsburg.net, Bildarchivaustria.at, delcampe.net, Bücher Ernst, Austria-Forum.org, Charlotte Schwarz, kulturpool.at, x43:service, Clemens Fabry/Die Presse, Family.rothschildarchive.org, lmathieu.wordpress.com, locseitemeto.eoldal.hu, staerkel.at, Habsburg.net


Literarischer Hinweis:

1 – S 203, 2 – S 206, 3 – S 209, 4 – S 210, 5 – S 219, 6 – S222/3 , 7 – S 227 – 229, 8 – S 230, 9 – S 230, 10, 11 – S 231, 12 – S 234, 13, 14 – S 237, 15 – S 239, 16, 18 – S 240, 21 – S 246, 21a – S 250,
Irma Gräfin Sztáray
Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Amalthea Verlag, 2004

17 – S 455, 26 – S 463
E.C. Conte Corti
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unpolitischen (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Heyne Verlag 2. Auflage/15. Auflage 1996

19 – S 40, 29 – S 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

20 – S 309, 23 – S 312, 25 – S 312, 26a – S 312/3 27 – S 313, 31 – S 319
Marie Valérie von Österreich
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth

24 – S 310
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn

20 – S 164, 28 – S 164
Leopold Prinz von Bayern
Aus den Lebenserinnerungen (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Verlag Friedrich Pustet, 1983

30 – S 257, 31 – S 258
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921 (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Verlag Kulturpolitik München 1924

33 – S 112
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter, Bildband (Nur noch antiquarisch erhältlich)
LangenMüller Verlag, 1998, 3. Auflage

 

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen. Das – gerade der Verlobungsakt – in den Sissi Filmen so gut wie gar nichts mit der Realität zu tun hatte, möchten wir heute hier erzählen.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern. Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene, genannt Néné, Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890). Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers (dazu mehr in Teil 5). 

Helene Herzogin in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Somit suchte sie in ihren eigenen Reihen und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war. Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete. Sisi hatte sich unstandesgemäß in Graf Richard Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte. Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Sisis Umfeld entfernt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später. Sisi war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)

Elisabeth, 15jährig Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie. Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte. Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig die Wunden heilen könne. Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus. Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Sisi ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Elisabeth Ludovika, Königin von Preußen, Firmpatin Elisabeths Foto: Wikimedia/Comm

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Bad Ischl. Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester. Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“ Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie). Sie folgte am 13.8. nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Viktor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

 

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an. Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen. Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen. Das Unglück nahm seinen Lauf.

 

Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum Foto: Wikimedia/Commons

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten. Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht. Sophie schreibt ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen: „Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in Sisi.

Souvenir des Verlobungspaares Foto(montage): W. Hain (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Sisi verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: „In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Elisabeth als Verlobte, Foto: Wikimedia/Commons

Sisi ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch: „Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern. Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Elisabeth als Verlobte, Foto: Wikimedia/Commons

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah. Sisi trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi. Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern. Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu: „Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Sisi bat, wussten alle im Raum Bescheid. Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Sisi nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde. Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser „sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz: „Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Prinzessin Elisabeth verlobt hatte. Der kleine Ort, war außer Rand und Band.

Siriuskogel, Foto: Wikimedia/Commons

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E. Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren. Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Sisi war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schreibt sie: „Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notiert: „Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes Foto: Peter Füssl

Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes Foto: Peter Füssl

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ. Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten. Sisi war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Karl Ludwig Graf von Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte. So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar. Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen. So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

 

Kaiservilla Foto: sternenkaiserin.com

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen. Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn. Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

 

 

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sisi wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet. Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben. Sisi verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete. Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch: „Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Sisi auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt: „Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Das junge Paar, Foto: fuenfseenland.de

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen. Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen. Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Sisi litt ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Sisi herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus. Sisi musste stundenlang Modell stehen, was ihr langweilig und sie deshalb unruhig wurde. Der teure Schmuck der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.

Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte mehr als einen Tag.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen, die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer. 60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert. Foto: dorotheum.com

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph Foto: Wikimedia/Commons

Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel, Foto: Wikimedia/Commons

Sisis Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen. Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877) : „Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13) Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Sisis Schmuck und Aussehen. Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte ganz Wien. Die Geschichte zur Hochzeit, kann hier nachgelesen werden. 

 

~ Marie ~

 


Textrechte: Marie Festetics, Brigitte Hamann, Ingrid Haslinger 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise: 

1 – S 30, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 


 

 

 

 

 

Sisis Hochzeitskleid – Der Vespermantel – Capa pluvial Traje nupcial de Sissi

Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach, Foto: myheimat.de

Bis heute ist nicht wirklich bekannt, wie das gesamte Brautkleid von Kaiserin Elisabeth aussah. Meinen Beitrag zur Hochzeit findet ihr hier.

Laut Prager Tagblatt vom 27.4.1879 trug Kaiserin Elisabeth das Kleid noch einmal zu ihrem 25. Hochzeitstag. Für diese Festlichkeit, wurde ihr Hochzeitskleid, das bis dato in Possenhofen aufbewahrt wurde, nach Prag gebracht und dort nach den Wünschen der Kaiserin umgeändert.

Die erste Aufzeichnung als Inventarium in der Basilika Maria Taferl ist von 1890. Demnach wurde das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth gestiftet.

Das Kleid selbst wurde zerlegt und der Silberfaden herausgetrennt. 1895 wurde der daraus entstehende Vespermantel der Öffentlichkeit präsentiert.

Heute befindet sich der Mantel noch immer in der Schatzkammer von Maria Taferl, allerdings kann er nur zeitweilig besichtigt werden.

Mir wurde die Ehre zu Teil und ich freue mich euch exklusiv mein Video und Fotos vom Vespermantel in Maria Taferl zu zeigen.

Ich bedanke mich nochmals ganz herzlich bei der Silberkammer von Maria Taferl.

 

A dìa de hoy no se sabe a ciencia cierta como fue realmente el traje de novia de la emperatriz Isabel. El texto sobre la boda se encuentra en este link.

Segun el el diario Prager Tagblatt en su ediciòn del 24.04.1879, la emperatriz llevò el mismo vestido para la celebraciòn de sus bodas de plata. Para esta ocasiòn se llevò el vestido nupcial a Praga (hasta ese momento se habia guardado en Possenhoffen) y allì fue modificado siguiendo los deseos de la emperatriz.

El vestido aparece como donaciòn por primera vez en el inventario de la basilica Maria Taferl en 1890. Fue desmontado y con sus hilos de plata se confeccionò una capa pluvial que fue presentada en 1895.

Hoy en dìa esta capa se encuentra aùn en la sala del tesoro de la basilica de Maria Taferl, aunque muy rara vez puede ser visitada.

Yo tuve el gran honor de poder verlo y me alegra muchisimo poder presentaros en exclusiva los videos y fotos que hice.

Desde aqui, de nuevo mi mas sincero agradecimiento a la sala del tesoro de Maria Taferl.

Otras piezas del vestido nupcial fueron enviadas a la iglesia de San Matias en Budapest, donde se usaron los hilos de oro para confeccionar una casulla que fue usada en 1867 para la coronaciòn de Francisco Josè e Isabel como reyes de Hungria y que se encuentra expuesta en este iglesia desde entonces.

 

 

 

 

 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Weitere Teile wurden in die Matthiaskirche nach Budapest gebracht, wo der Goldfaden für ein Messgewand verwendet wurde. Dieser Mantel wurde bereits 1867 zur Krönung von König Franz Joseph und Königin Elisabeth getragen.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

 

~ Marie ~

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
Bildrechte: myheimat.de, sternenkaiserin.com
Videorechte: sternenkaiserin.com


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hochzeit Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 3)

Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853, Foto: Wikimedia/Commons

Wir feiern heute den Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, die mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Bad Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde. Mein Beitrag zur Verlobung kann hier nachgelesen werden. 

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt. Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, welche ebenfalls im Beitrag zur Verlobung nachgelesen werden können. Es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehepakt.

Direkt nach der Verlobung erhielt Sisi Heiratsgut im Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Weitere 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) wurde für die Absicherung für die Witwe vereinbart, vorausgesetzt Franz Joseph würde sterben. Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart. Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,34 Mil.) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein. Wie gut sie haushaltete, werden wir ein andermal aufarbeiten. Aber so viel sei erwähnt: Kaiserin Elisabeth richtete sich in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war. Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet. Sisi war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung weder komplett, noch für ein Kaiserhaus edel genug.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt. Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“. Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden (€ 9.380). Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits mit eingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf 60.000 Gulden (€ 804.000) geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Dabei besaß Sisi 4 Ballkleider, 17 Putzkleider, 14 Seidenkleider und 19 Sommerkleider. Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich: Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden (€ 4.020), Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil. Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich (€ 321,60) zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet. Mein Beitrag zum Unterschied „in“ und „von“ Bayern, gibt euch Aufschluss.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den 24.4.1854 angesetzt. Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn. Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth. Wien wurde herausgeputzt.

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns’re holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström‘ auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn

Text: Johann Gabriel Seidl

Am 20.4.1854 bestieg Sisi mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen. Sisi verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Max II und der gesamten Verwandtschaft. Sisi war in Tränen aufgelöst.

Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854,  Foto: Wikimedia/Commons

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz. Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr aufgeregt entgegen. Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten. Schwiegermutter in spe, Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein, als sie davon erfuhr. Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen die Etikette. Auch das Busserl, dass er vor Freude auf die Wange seiner Braut Elisabeth drückte, hätte nicht stattfinden dürfen. Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Bussln“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte seine zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm. Ein Theaterstück „Die Rosen der Elisabeth“ wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt. Die junge Braut war zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft, stand aber alle Huldigungen durch.

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich. Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Ankunft in Nussdorf, Foto: minichen.ungarnportal.org

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab. Die ganze Zeit musste Sisi am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken. Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen Sisi zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Sisi wieder ein Busserl auf die Wangen. Die Menschenschar raste vor Begeisterung.  Nie zuvor und nie wieder danach, wurde eine Braut so derartig huldvoll begrüßt und empfangen.

Und obwohl Sisi sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

„Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a) Diesen Satz soll Sisi gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat. Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird; was sie aber dachte, als sie all den Prunk und Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte, dazu die vielen Menschen die ihr alle die Hand küssen bzw. sie bestaunen wollten, ist leider nicht überliefert. „…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“ – diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk. Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde. Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert: „In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“ Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, kurz Gräfin Esterházy, Lithographie Josef Kriehuber, 1833, Foto: Wikimedia/Commons

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde, Foto: Wikimedia/Commons

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben. Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, † 17.6.1869) zur Seite gestellt. Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Sisi hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt. Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen. Sie behandelte Sisi wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte. Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, † 27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth. Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Prinzessin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt. Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Sisi bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde. Sisi trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Sisi war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein. Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Elisabethbrücke über den damals noch nicht regulierten Wien Fluss. Diese verband Wien „Innere Stadt“ und „Wieden“; Foto ca. 1895 Foto: Nationalbibliothek 

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke (wurde 1898 nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth demoliert) zur Karlskirche. Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft. Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen. Sisi schreibt in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym, Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los. Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt. Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.

 

 

 

Schleppe vom Brautkleid, als einziges komplett erhalten, Wagenburg Schloss Schönbrunn Foto: KHM Wien

Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme, Ausstellung Sisi-Schloss Aichach 2014 Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme, Ausstellung Sisi-Schloss Aichach 2014 Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Bis heute weiß niemand genau, wie das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth aussah. Bei der Hochzeit selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Aber wenn man sich diese Aufzeichnungen ansieht, kann man sich das genaue Ausmaß ungefähr vorstellen: Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert. Auf ihrem Haupte glänzte das nämliche Diadem, welches ihre durchlauchtigste Schwiegermutter, die Erzherzogin Sophie, an ihrem Vermählungstage getragen hatte. Über die Schultern der kaiserlichen Braut wallte ein Spitzenschleier herab und die Brust schmückte ein frischer Rosenstrauß. (2)

 

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher Foto: Wikimedia/Commons

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten. Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann. Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen. Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Sisi vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten. Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getrasche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen. Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als sie zwei ihr bekannte Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so entsetzt, dass sie Sisi streng aufforderte, nur nach Zeremoniell zu handeln. Sisi durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal. Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen Sisi sich für die Hochzeitsnacht herzurichten. Sophie schrieb: „Sie versteckte ihr hübsches, von einer Fülle schönem Haar umflossenes Gesicht in ihrem Kopfpolster, wie ein verschreckter Vogel der sich in seinem Nest versteckt.“ (3) Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von Franz(i) erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste verneinen. Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt. Sisi schämte sich zu Tode. Auch am 2ten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden. Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof. Erst am 3ten Tag konnte die Ehe vollzogen werden. Kaiser Franz Joseph fand sich zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch Sisi zu kommen. Dort berichtete er von dem Vollzug. Sisi aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später.

Elisabeth erzählt folgendes später Marie Festetics: „Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Schloss Laxenburg, Franzenburg Foto: Schloss Laxenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg abgehalten. Doch die verbringt Elisabeth zum größten Teil allein. Franz Joseph musste jeden Morgen zurück,, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Sisi litt unter großem Heimweh. Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und relativ unkonventionell erzogen. Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine anziehen, ausreiten oder gar Spazierengehen. Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen. Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf diese Aufgabe nicht vorbereitet wurde. Bereits im Juni musste Elisabeth bei Reisen nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.

 

 

25. Jahre später
25.4.1879

Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879. Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben. Sie war mittlerweile 41 Jahre alt und schön wie eh und je. Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen. Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin. Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren. Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Mit wem der Kaiser verkehrte und welchen Tratsch es darüber gab, habe ich im Teil 5 erzählt. Mein Beitrag kann hier nachgelesen werden.  Im Hintergrund liefen die Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch.

zeugt von ihrem Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei’n

lässt nichts gutes erahnen. (5)

Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto: Wikimedia/Commons

Selbstportrait Hans Canon Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild. Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885). Sein Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind. Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf und Marie Valerie, sowie Gisela kniend vor ihrem Mann Leopold zu sehen. Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

 

Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach, Foto: myheimat.de

Vespermantel, Maria Taferl, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin war es in Possenhofen aufbewahrt worden. Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde. Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Das Kleid wurde im Zuge einer Ausstellung im Sisi-Schloss Aichach gezeigt. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet. Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde ein Vespermantel gemacht. Mein Beitrag zum Vespermantel kann hier nachgelesen werden. 

Festplatz vor dem Äußeren Burgtor, Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart gestaltete das Fest.

Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879 Foto: Schloss Schönbrunn, habsburg.net

300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen. Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth bestaunen konnte. Und die Wiener taten dies mit Freuden.

Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht. Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24. April 1856 eine Kirche in Auftrag gegeben. Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Unseren Beitrag zum Libényi-Attentat findet ihr hier.

Votivkirche ca. 1900, Foto: bildarchivaustria.at

 

Votivkirche, Innen, Foto: Wikimedia/Commons

Dies alles half aber nichts mehr. Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück. Es sollte niemals eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben. Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen. Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.

 

 

~ Marie ~

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Werner Schima, Presse, Michael Kunze
Bildrechte: Günther Grünstendel Musik für die Synagoge Universitätsbibliothek Augsburg, habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, sternenkaiserin.com, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise:

1 – S 39
Presse Geschichte – Heft
Franz Joseph I Kaiser von Österreich

2 – S 53
Michael Budde
Sisis Hochzeit

1a – S. 35, 3 – S 76, 4 – S 78
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage 1992

5 – S 63
Werner Schima
Sisi – Die ganze Wahrheit


 

Herzogin Sophie in Bayern

Sophie Maria, Herzogin in Bayern, Unbekannt Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute einer der liebsten Schwägerinnen von Kaiserin Elisabeth. Prinzessin Sophie von Sachsen, die durch ihre Hochzeit mit ihrem Cousin 1. und 3. Grades, Herzog Carl Theodor in Bayern, zur Herzogin in Bayern wurde. Carl Theodor war der Bruder von Kaiserin Elisabeth.

Sophie Maria Friederike Auguste Leopoldine Alexandrine Ernestine Albertine Elisabeth Prinzessin von Sachsen wurde am 15.3.1845 in Dresden geboren. Ihr Vater war König Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus von Sachsen, genannt König Johann I. von Sachsen (geb. 12.12.1801, † 29.10.1873), ihre Mutter war Amalie Auguste Prinzessin von Bayern (geb. 13.11.1801, † 8.11.1877), die wiederum eine Schwester von Herzogin Ludovika war. Sie war das jüngste Kind von insgesamt 9 Kindern.

Nach dem Drama seines Bruders Ludwig (er heiratete unstandesgemäß), stieg Carl Theodor als Familienoberhaupt auf. Die Hochzeit fand am 11. Februar 1865 in Dresden statt – an diesem Abend hatte das Sternenkleid von Kaiserin Elisabeth seinen berühmten Auftritt (unser Beitrag zum Sternenkleid).
Sophie von Sachsen war in der Familie äußerst beliebt. Sophie war eine sehr lebensfrohe Person, die gern musizierte und dem halbverlassenen Schloss Possi wieder Leben einhauchte.

Für solche Ehen war es sehr ungewöhnlich, aber Carl Theodor und Sophie liebten sich sehr. Am 24.12.1865 krönte die Geburt der Tochter Amalie Maria Herzogin in Bayern († 26. Mai 1912) ihre Liebe. Doch die Geburt der Tochter war so schwer, dass sich Sophie nicht richtig um ihre kleine Tochter kümmern konnte. Sie kränkelte permanent, erholte sich nicht mehr richtig.

Am 22.2.1867 wurde die kleine Schwester von Kaiserin Elisabeth, Sophie Charlotte, 20 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt war Sophie noch mit König Ludwig II. verlobt. Dieser wiederum wollte seiner Verlobten ein richtiges Fest ausrichten und ließ einen Hofball veranstalten.

Sophie nahm bei den Veranstaltungen teil und holte sich am Familiendinner eine Erkältung, welche sich rasend schnell zu einer Kehlkopfentzündung ausbreitete. Zum Entsetzen der gesamten Familie starb Sophie am 9. März 1867, kurz vor ihrem 22. Geburtstag. Sophie wurde in Tegernsee begraben.

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
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Literatur Hinweis:

Christian Sepp
Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester