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Eine Tragödie, die traurigen Weltruhm erlangte.

Mayerling, wer kennt sie nicht die Geschichte über den Tod des Kronprinzen und seiner angebliche Geliebten?

Mehrfach wurden die letzten Tage des österreichischen Kronprinzen verfilmt. 1969 drehte man eine Version mit Omar Sharif als Rudolf und Catherine Deneuve als Mary in den Hauptrollen. Als Kaiserin Elisabeth besetzte man die weltberühmte Ava Gardner.

Mayerling

 Foto: @ORF/Kirch Media

Rudolf Prack schlüpfte zuvor, bereits 1956 in diese tragische Rolle.

An seiner Seite spielten Christiane Hörbiger-Wessely und Lil Dagover, die bereits zum 2. Mal die Rolle der österreichischen Kaiserin übernahm. 1931 spielte sie in „Elisabeth von Österreich“ die Titelrolle.

Kronprinz Rudolfs letzte Liebe

Im Bild: Lil Dagover, Rudolf Prack und Christiane Hörbiger. Foto: @orf.at

Max von Thun spielte 2006 in der 2 teiligen Neuverfilmung neben Klaus Maria Brandauer, der dieses Mal den Kaiser verkörperte.

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Sandra Ceccarelli, Max von Thun, Daniela Golpashin, Klaus Maria Brandauer, Francesca von Habsburg, Lothar Michael Proksch, Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, Kronprinz Rudolf Foto: @orf.at

Unzählige Bücher sind zu diesem Thema der österreichischen Geschichte verfasst worden. Von der Kriminalgeschichte bis hin zu Verschwörungstheorien, immer wieder dient die Tragödie von Mayerling als Thema für Neuerscheinungen.

Ebenfalls 2006 feierte das Musical „Rudolf“ Weltpremiere in Budapest.


 

Irgendwann stand fest, dass auch wir dem Jagdschloss einen Besuch abstatten würden. Ähnlich wie die Kaiserin bei ihrem ersten Besuch anlässlich des ersten Todestages, reisten auch wir dieses Mal mit einer ganzen Gruppe an diesen verwunschenen Ort.

Die Geschichte dieses sehr besonderen Tages möchte ich Euch heute erzählen. Dabei werde ich immer wieder historische Daten in meine Gedanken einflechten und bitte Euch, dies nicht als geschichtliche Dokumentation zu sehen, sondern einfach als das was es ist.

Meine Gedanken und Erinnerungen an Rudolf.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Schon während ich früh morgens meine Haare zu flechten begann, ließen mich die Gedanken an Elisabeth und ihr „Bubi“ nicht mehr los.

101 Salutschüsse erklangen als man die Geburt des Thronfolgers feierte.

Der Kaiserin selbst teilte nach langer, schwerer Geburt mit den erlösenden Worten „A Bua, es is a Bua“ eine Hofdame mit, dass endlich nach den beiden Töchtern der langersehnte Thronfolger geboren wurde.

Was musste es wohl für sie bedeutet haben, endlich die Verpflichtungen gegenüber ihrem Mann und ihrem Volk, wie es die Erzherzogin bezeichnete, erfüllt zu haben?

Was in ihr vorging, als sie völlig erschöpft endlich den Buben sah, ist wohl nur für wenige nachzuvollziehen.

War es Erleichterung, Freude über den langersehnten Sohn oder Trauer darüber, ein weiteres Kind an die Schwiegermutter zu verlieren?

Es liegt mir fern das Verhältnis der Beiden zu beurteilen, oder gar eine historische Aufarbeitung über das Drama von Mayerling zu schreiben.

Ich möchte nochmals betonen, es sind lediglich die Gedanken, die ich mir an diesem Tag zu diesem Thema machte.

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Foto: Wikimedia/Commons,  Mit nur 2 Jahren trug Rudolf zum ersten Mal die Uniform

 

Mit 101 Salutschüssen hat sein Leben begonnen, mit nur einem Pistolenschuss sollte es auf tragische Weise enden.

Heutzutage kennt man Stillpsychosen und Wochenbettdepressionen, aber zur damaligen Zeit?

Wie kann eine kaum 20 jährige Mutter eine wirkliche Bindung zu ihrem Kind aufbauen, wenn man es ihr weg nimmt?

Wenn kurz zuvor ihre erste Tochter gestorben ist?

All das sind Fragen, die ich mir oft schon gestellt habe, manches Mal ist es aber auch einfacher, etwas aus der Ferne zu lieben.

Wenn man Briefe der Kaiserin an ihren Sohn liest, kann man durchaus meinen, sie liebte ihren Sohn.

Mir ist klar, dass viele hier anderer Ansicht sind, aber für mich steht  fest, dass sie ihn geliebt hat. Auf ihre eigene Weise.

Es ist oftmalig belegt, wie sehr der Kronprinz seine Mutter vergötterte, aber auch darauf will ich nicht wirklich eingehen.

Ich flocht Zopf und Zopf und begann meine Haare aufzustecken, während ich die Szene aus dem Musical vor Augen hatte. Der erwachsene Kronprinz betritt das Zimmer der Kaiserin, bittet sie um Hilfe und beginnt dann das Lied „wenn ich dein Spiegel wär….“

(Elisabeth das Musical – Wenn ich dein Spiegel wär, Michael Kunze & Silvester Levay)

Wie ähnlich waren sich die beiden wirklich? War ihr bewusst, wie sehr er gelitten hatte? Oder waren ihre Fluchten zum Teil auch nur die einzige Möglichkeit – die sie sah – um die „Erziehung“ ihres Sohnes nicht mit ansehen zu müssen?

In einigen erhaltenen Briefen nennt sie ihn „mein liebes Bubi“ selbst die Erzherzogin beschreibt den liebevollen Umgang und den guten Einfluss, den die Kaiserin auf die Kinder hatte.

So schreibt z.B. „das interessante Blatt“ 1889 nach dem Tod des Kronprinzen einen Satz des kleinen Rudi – wie die Wiener ihren Kronprinzen liebevoll nannten – der mich immer wieder berührt:

„der Kaiser nennt mich Rudi, die Mutter ruft mich Bubi und die anderen sagen kaiserliche Hoheit“   (1)

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Rudolf mit 5 Jahren Foto: Wikimedia/Commons

Maria Jose kam und begann mein Korsett zu schnüren, während meine Gedanken immer weiter kreisten.

Befreite die Geburt des Thronfolgers Elisabeth von ihren ehelichen Pflichten und ermöglichte ihr nun ihre so langersehnte Freiheit?

Dennoch meinte sie später einmal, wenn Rudolf wieder kommen würde, so würde sie sich ihn als Tochter und nicht als Kronprinzen wünschen. (2)

Hatte sie ihn wirklich im Stich gelassen, oder waren es einfach die Umstände, die es nicht erlaubten, den kleinen Prinzen mit derselben Liebe zu überschütten, wie seine jüngere Schwester?

Manches Mal ist es leichter aufzugeben, als zu kämpfen wenn der Gegner übermächtig ist.

Es ist leicht aus heutiger Sicht darüber zu urteilen, ob Elisabeth eine gute Mutter war oder nicht, aber wer fragt sich, wie es ihr dabei gegangen ist?

Franz Josef war als nicht gerade sehr zärtlicher Liebhaber bekannt, wie also hatte eine völlig überforderte und verängstigende 16-jährige all dies empfunden?

Woher stammte ihre lebenslange Abneigung gegen körperliche Nähe?

Vielleicht spielte ja all das auch eine Rolle bei dem Verhältnis zu Rudolf und Gisela?
Während ich vorm Spiegel stand und zusah wie Maria Jose mich Schicht für Schicht anzog, Haken um Haken meines Trauerkleides schloss, kamen mir immer mehr Details in den Sinn, die ich irgendwann und irgendwo einmal gelesen hatte.


 

Wir fuhren über die Landstraße Richtung Heiligenkreuz, ähnlich wie das Kaiserpaar es genau ein Jahr nach dem Unglück tat und ich erinnerte mich an Marie Valeries Worte, die in ihrem Tagebuch diesen Tag ausführlich beschrieb.

Man nahm an einer Messe, in dem inzwischen umgebauten Jagdschloss teil und besichtigte anschließend dann das Kloster, das der Kaiser gestiftet hatte. (3)

Mit welchen Gefühl muss sie in der Kirche gesessen und auf den Altar, an dessen Stelle zuvor das Bett gestanden hatte in dem man den Toten gefunden hatte, geblickt haben?

Unfähig zu weinen und leichenblass soll sie gewesen sein, die Kaiserin.

Geistig ihr „Bubi“ vor Augen und hadernd mit der eigenen Schuld.

Es war ein eisiger Tag, die Sonne schien und das Schloss in dem Rudolf hoffentlich auch schöne Stunden erlebt hatte, lag immer noch im leichten Nebel. Mitten im Wiener Wald, umgeben vom schönsten Jagdgebiet.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Die Mauern, die einst das Schloss umgaben, schützen nun das Kloster der Karmelitinnen vor der Außenwelt. Friedlich und still sieht es aus, das kleine Schlössl, in das der Prinz seine Gäste zur Jagd lud.

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Foto: Wikimedia/Commons

1886 erwarb Rudolf einige Gebäude in Mayerling und tauschte diese dann mit den Patern von Heiligenkreuz gegen die Gebäude neben der Laurentiuskirche mit dazu gehörigen zwei Häusern. (4)

1887 wurden größere bauliche Veränderungen durchgeführt und das Anwesen zum eigentlichen Jagdschloss mit nun 2 Trakten umgebaut. Der obere Teil bestand aus dem ehemaligen Gasthaus Eipeldauer, das zu Wohnräumen des Kronprinzenpaares umgebaut wurde.

Es gab einen ebenerdigen Dienertrakt und einen eigens nach der kleinen Erzherzogin benannten „Elisabeth Trakt“

 

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skizze Foto: @mayerling.de   1. Gasthaus Gratzer 
2. Villa (sogenanntes Coburg Schlössel) 
3. Pferdestall (von Rudolf erbaut) 
4. Mayerlinghof 
5. Garten (im französischen Stil) mit Teepavillion und Kegelbahn  
6. Jagdschloss 
7. Osttor (Haupteingang zum Schloss) 
8. Dienertrakt 
9. Nordtor 
10. Elisabethentrakt 
11. Laurenzi-Kirche 
12. Südtor (hier wurde Mary hineingeschmuggelt) 
bzw. S Sterbezimmer 
L Loscheks Zimmer 
E Entré-Zimmer 
von hier aus wurde die Tür aufgebrochen

Der Schlosshof bestand aus einem französischen Garten mit Springbrunnen. (5)

Unterhalb des Schlosses befand sich ein zweiter Garten mit einer überdachten Kegelbahn, die auch als Schießstand diente.

Wohnungen für die Hofdame der Prinzessin, die Jäger sowie für die Familie des Prinzen von Coburg befanden sich ebenso im Jagdschloss, wie Gästezimmer und ein Stall für die Pferde. (6))

Am 19. November 1887 wurde das Schloss eingeweiht, als Gäste waren das Kaiserpaar, das Ehepaar Coburg und einige Jagdfreunde von Rudolf geladen.

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Erzherzogin Elisabeth Marie. Foto: Wikimedia/Commons

In den beiden Jahren bis zu seinem Tod fanden hier nur 10 Jagden statt, Kronprinzessin Stefanie war lediglich 2 mal zu Besuch im Wiener Wald und die kleine Erszi einmal, allerdings ohne ihre Eltern!

 

Graf Hoyos war öfters zu Gast beim Kronprinzen, ebenso wie sein Schwager, Prinz Phillip von Coburg, der bei fast allen Jagden anwesend war.

Heute kommen ebenfalls wieder Gäste nach Mayerling, um das Jagdschloss zu besuchen. Gäste, die das Museum besichtigen und vielleicht das ein oder andere Gebet in der Kirche für den Kronprinzen sprechen wollen.

Statt dem Schlosstor empfängt heute ein modernes Besucherzentrum seine Gäste, um denselben das eine oder andere Souvenir zu bieten.

 

Mir selbst war dieses Eingangsgebäude zu modern, es passte nicht in „mein Bild“ von Mayerling.

Der leicht ansteigende Weg vom Besucherzentrum zur Kirche war in ein seltsames Schweigen gehüllt, unterbrochen nur durch das eine oder andere Schluchzen einer meiner Begleitungen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Ich muss gestehen, auch wenn ich schon an vielen Orten war, dieser hier hatte eine ganz besondere Aura wenn man es so nennen möchte.

In keinem anderen der Schlösser war für mich der Tod so greifbar wie hier.

Eine eigenartige Stille umfing dieses Gebäude, auch wenn hin und wieder Stimmen von Besuchern erklangen, so wirkten sie doch irgendwie fern und unwirklich.

Eskortiert von Husaren, die die Türen öffneten betraten wir die Kirche.

Man hatte im Mittelgang zwei Stühle bereitgestellt, auf die wir zuschritten.

Nur das Rascheln meiner Schleppe am Steinboden war zu hören, fast ein wenig gespenstisch wirkte die Szene.

Völlig in schwarz gehüllt, wie sollte es auch anders sein, gingen wir an den Bankreihen vorbei, die sich nach und nach mit unserem Gefolge füllten.

Es wäre mir unpassend erschienen, etwas anderes hier zu tragen als Trauer!

Somit war nicht nur ich, sondern an diesem Tag mein „gesamter Hofstaat“ in tiefer Trauer, um dem österreichischen Kronprinzen die letzte Ehre zu erweisen.

Der Begriff der „Hoftrauer“ ist was die Kleidung betrifft exakt festgelegt. Dazu zählt das Tragen von schwarzen Kleidern, schwarzen Schleiern und schwarzen Schmuck.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Schwestern erschienen, geschützt durch ihre Gitterwand, um den Gottesdienst beizuwohnen und die Glocken begannen zu läuten.

Der Kronprinz, der von klein auf an Jagden teilnahm und dadurch wohl eine der selten Möglichkeiten fand, Zugang und vielleicht auch ein wenig Zuneigung vom Vater zu bekommen, pflegte die Jagd als eines seiner liebsten Vergnügen.

Kaiser Franz Joseph I und Kronprinz Rudolf

Foto: @austriaforum.at

Je besser die Erfolge des kleinen Rudi wurden, umso mehr Lob erntete er dafür vom übermenschlich verehrten Vater!

 

Bereits mit 8 Jahren erlegte er seinen ersten Hirsch und nahm an der Seite des Kaisers an unzähligen Jagden teil.

Bald schon folgten Hochgebirgsjagden im Salzkammergut und der Hochsteiermark.

Sein Jagdprogramm wurde immer dichter, je mehr Einladungen des Hochadels folgten. So verbrachte er laut seinem Tagebuch von 365 Tagen im Jahr 1885 200 Tage im Revier!!!  (8)

Gegen Ende seines Lebens nahm allerdings diese Jagdleidenschaft zunehmend ab. Eine der letzten Jagden an denen er teilnahm, war an der Seite des Kaisers in Mürzsteg!

Österreichisches Staatsarchiv

Rudolf in Jagdkleidung. Foto: @österr. Staatsarchiv

Am 23. Jänner ging Rudolf das letzte Mal auf die Pirsch.


 

Am Samstag dem 26. Jänner teilte Rudolf seinem Leibjäger Püchel mit, dass er am kommenden Dienstag nach Mayerling fahren wolle, um auf Hochwildjagd zu gehen.

Am Sonntagabend fand anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. in der deutschen Botschaft ein großer Empfang statt, bei dem Kaiser Franz Josef, das Kronprinzenpaar und sämtliche Diplomaten erschienen.

Dieser Empfang sollte der letzte öffentliche Auftritt des Kronprinzen werden. (9)

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Stephanie und Rudolf bei ihrer Verlobung. Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Tag arbeitete der Kronprinz wie gewohnt und teilte nach einer Besprechung mit Oberstleutnant Albert Mayer seinem Leibjäger Püchel mit, dass er seine Pläne geändert und nun heute schon hinaus fahren wolle. (10)

Die genauen Umstände, wie Mary Vetsera an diesem Tag in die Hofburg kam und von dort aus mit Hilfe des Kutschers Bratfisch zu dem vereinbarten Treffpunkt gelangte, um in Rudolfs Kutsche Richtung Mayerling zu fahren, möchte ich nicht näher erläutern.

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Marie Alexandrine Freiin von Vetsera. Foto: Wikimedia/Commons

Den am nächsten Morgen eintreffenden Jagdgästen erzählte Rudolf jedoch von Schwierigkeiten bei der Anreise, dass sein Wagen hängen geblieben sei und er sich beim Anschieben scheinbar erkältet habe, wodurch er an der Jagd nicht teilnehmen würde.

Von der Anwesenheit der Baroness ahnten die hohen Gäste wohl zu diesem Zeitpunkt nichts. (11)


 

Über den Tathergang dieser Nacht, die wohl für immer die österreichische Geschichte veränderte, werde ich mich auch nicht weiter äußern, da es zu diesem Thema mehr als genug Lektüre gibt.

Was genau an diesem Morgen des 30. Jänner 1889 geschah bleibt Spekulation, aufkommende Gerüchte, die sich bis heute halten wurden nicht weiter dementiert und trugen zusätzlich zum Mythos Mayerling bei.

Die beiden einzigen Zeugen Loschek und Graf Hoyos widersprachen sich mehrfach in ihren Aussagen.

Während Prinz Coburg zur Bewachung im Schloss zurück blieb, eilte Graf Hoyos nach Wien, um die Todesnachricht zu überbringen.

 

Dabei wurde den Eltern zuerst die Version einer Vergiftung des Kronprinzen durch Mary Vetsera berichtet.

Erst am nächsten Morgen konnte, der nach Mayerling gerufene Dr. Widerhofer die tatsächliche Todesursache dem Kaiser am Nachmittag selbst mitteilen. (12)

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Foto: @41-42 stammtischlaa

 

Während bereits erste Zeitungen durch Sonderausgaben über den Tod des Kronprinzen durch Schlaganfall, einen Jagdunfall bzw. einem Herzanfall berichteten, machte sich eine Hofkommission auf den Weg nach Mayerling. (13)

 

In einen kupfernen Sarg gelegt, wurden die sterblichen Überreste des Kronprinzen mit der Bahn zurück nach Wien gebracht.

Die weibliche Leiche wurde erst am nächsten Tag untersucht.

 

Der Sonderzug des Kronprinzen kam am Südbahnhof an und wurde von dort in die Hofburg gebracht, wo Rudolf gegen 2 Uhr morgens in seinem Schlafzimmer aufgebahrt wurde.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Am Abend des 31. Jänner läuteten die Glocken der Laurentiuskirche, in der Abt Grünbeck eine Trauermesse für den verstorbenen Kronprinzen in Mayerling zelebrierte (14)

Die Anwesenheit der 17 jährigen Mary Vetsera wurde der Öffentlichkeit verschwiegen und man setzte sie still und leise im Beisein von Graf Stockau und Alexander Baltazzi am Ortsfriedhof von Heiligenkreuz bei. (15)

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Grab Mary Vetsera, Friedhof Heiligenkreuz Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Messe nahm ihren Lauf und in meinen Gedanken lief dieser Tag weiter. Mit welchen Worten teilte der Graf der Kaiserin den Tod Rudolfs mit, die wiederum zum Kaiser ging, um ihm vom Tod des einzigen Sohnes zu berichten.

Wie nun die Kaiserin diese Tage verbrachte, nachdem man ihr den Tod ihres zweiten Kindes mitteilte beschreibt Marie Valerie in ihrem Tagebuch.

Was sie jedoch empfand, bleibt nur zu erahnen. Gibt es für eine Mutter etwas Schlimmeres als ihr Kind zu Grabe zu tragen?
Im Fall von Elisabeth war es nun das zweite Mal, dass sie in dieser Situation war.

Ob es nun die Tränenausbrüche der Schwestern, oder die stoische Ruhe des gebrochenen Vater war, gelitten haben sie wohl alle. Jeder für sich. Jeder auf seine eigene ihm mögliche Art.

Selbst Stefanie ergoss sich für kurze Zeit in Entschuldigungen und Tränen, wirkte aber kurze Zeit darauf zum Entsetzen der restlichen Familie kalt und distanziert. (16)

Genau ein Jahr nach dem Selbstmord des einzigen Sohnes kniete die Kaiserin an der Stelle, an der nun auch ich mich zum Gebet niederließ.

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Altar Mayerling, Foto: @christine kubec

Während der teilweise lateinischen Messe machten wir uns wohl alle unsere eigenen Gedanken zu diesen schicksalhaften 30 Jänner.

Was treibt einen Menschen dazu, sein eigenes Leben zu beenden?

Wie aussichtslos muss einem die Lage erscheinen in der man sich befindet, um diesen letzten Schritt zu tun?

Ist Selbstmord überhaupt jemals rational erklärbar?

Selbst die hinterlassenen Abschiedbriefe geben keinen wirklichen Anhaltspunkt über das Warum.

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Foto: @planet-vienna.com – Abschiedsbrief an Stephanie

Rudolf wurde zuerst in seinen Gemächern, streng nach Protokoll und später auch in der Hofburgkapelle aufgebahrt, um dem Volk für 2 Tage die Gelegenheit zu geben, sich zu verabschieden. 

Während in Wien nun die kaiserliche Familie den aufgebahrten Kronprinzen ein letztes Mal besuchte, beschreibt Marie Valerie wieder ein für mich berührendes Detail.

Gisela beugte sich über Rudolf, um ihn auf die Lippen zu küssen. Ein Zeichen der tiefen Liebe der beiden Geschwister. (17)

Gisela war es auch, die ihren Vater am 5. Februar zur Trauerfeier in der Kapuzinerkirche und anschließenden Beisetzung in der Kapuzinergruft begleitete, während die Kaiserin, sowie auch die Kronprinzessin, unfähig an diesem teilzunehmen, mit Erzherzogin Marie Valerie in der Josefikapelle  blieb um zu beten. (23)

Begräbnis von Kronprinz Rudolph

Begräbnis von Kronprinz Rudolph
Vor der Kapuzinergruft.
05.02.1889 Foto: @bildarchiv.austria.at

Kann man es ihr verdenken? Der Gedanke hinter dem Sarg des eigenen Sohnes herzugehen, ist vermutlich für jede Mutter unvorstellbar.

Aus Respekt zu den Toten verstummten die Kanonen an diesem Tag, die vor beinahe 30 Jahren die Geburt des Kronprinzen verkündeten, statt dessen läuteten die Glocken des Landes, in dem man tagelange Messen abhielt, um für die Seele des Kronprinzen zu beten.

In der Zeitung „das interessante Blatt“ wurde die Bestattung sehr eindrucksvoll beschrieben.

Auch das von Otto bekannte „Anklopfritual“ an der Kapuzinergruft ist zu Zeiten Rudolf nicht dokumentiert.

Nach Auskunft der Kapuziner Gruft hatte es auch bei Franz Josef nicht stattgefunden. 

Das ganze Land trauerte um den geliebten Kronprinzen der für Liberalität und Fortschritt stand. „Kaiser Rudolf wird der Zeit entgegen gehen“ lautet eine Textzeile aus dem Musical Elisabeth und damit ist vielleicht alles gesagt. (19)


 

Der Pater, vor dem wir immer noch knieten, rief Heilige und Seelige an, um für die Vergebung der Sünden zu bitten.

Fast als wäre man bei einer Totenmesse eines Angehörigen fühlte es sich an, die gedrückte Stimmung breitete sich immer weiter aus und am Ende war ich ehrlich gesagt froh, diesen Ort bald verlassen zu können.

 

Bereits wenige Tage nach dem Unglück stand der Beschluss des Kaisers fest, aus dem Jagdschloss einen Ort zu machen, an dem Tag und Nacht für die Seele des Prinzen gebetet würde.

Er gab den Auftrag zur Errichtung des Klosters.

Die Wahl der Ordensgemeinschaft fiel auf die unbeschuhten Kameliterinnen. Franz Josef selbst legte im Stiftungsbrief des Klosters fest, dass die Schwestern täglich für das Seelenheil des Kronprinzen zu beten haben.  (20)

In den ersten Seiten der Klosterchronik steht geschrieben, die Schwestern wollen Jesus Christus anbeten und ehren, um dadurch die Beleidigungen Gottes gut zu machen und diese zu sühnen, welche hier geschehen sind. (21)

Der Gottesdienst näherte sich seinem Ende und die Schwestern, die hinter der vergitterten Wand ihren Platz eingenommen hatten, verließen die Kirche wieder.

Kleider raschelten, Säbel klirrten und wir erhoben uns immer noch schweigend, um ebenfalls diesen denkwürdigen Ort zu verlassen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Franz Josef selbst verließ Mayerling nach seinem ersten Besuch im Kloster am 2. November 1889 mit den Worten „Ich kann Ihnen nicht genug empfehlen, für meinen armen Rudolf zu beten“ (22)

Kaiser Franz Josef war insgesamt 8 Mal in Mayerling zu Besuch bei den Ordensschwestern, vier Mal war Kaiserin Elisabeth an seiner Seite.

Nach der Ermordung der Kaiserin, kam Franz Josef nie wieder in das Jagdschloss im Wiener Wald.

 

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Jagdschloss Mayerling – heute Kloster der Kamelitinnen. Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Ein Jagdschloss wird zum Kloster.

Da die Zellen der Kamelitinnen ganz schlicht und einfach ausgestattet sind, wurden sämtliche Parkettböden, Kamine und Holzlamperien herausgerissen.

Unverändert bis heute blieb das Treppenhaus mit der Eichenholzstiege.

Der sogenannte „Elisabeth Trakt“ sollte zum Quartier für die kaiserliche Familie bei möglichen Besuchen dienen, daher wurde das bereits schadhafte Dach erneuert und die Zimmer mit dem nötigsten eingerichtet.

Im ehemaligen Dienertrakt entstanden die Klosterküche und das Refektorium.

Der Garten wurde vergrößert und mit einer hohen Mauer umgeben.

Der Teepavillion des Prinzen blieb unverändert erhalten und ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Das Schlafzimmer wird zur Kirche!

Das Sterbezimmer und die angrenzenden Räume wurde abgerissen und auf einem Grundriss von 7.3 x 14m eine neugotische Kirche erbaut.

Der Hochaltar wurde auf Wunsch des Kaisers direkt an der Unglücksstelle errichtet.


 

Schweigend verließen wir diesen Ort, der eine oder andere mit Tränen in den Augen, um unseren Tag fortzusetzen. Einen Tag, der alles verändert hatte, der Türen schloss und Neue öffnen sollte.

Nur eines wird bleiben, die Erinnerung an Rudolf…..

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Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (vollständiger Vorname Rudolf Franz Karl Joseph; * 21. August 1858 auf Neues Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war staatsrechtlich Kronprinz des kaiserlichen Österreich (Cisleithanien) und des königlichen Ungarn. Wie alle habsburgischen Prinzen trug er, den Hausgesetzen des Hauses Habsburg-Lothringen entsprechend, den Titel Erzherzog, im Ungarischen: főherceg, und war mit Kaiserliche und Königliche Hoheit anzusprechen. Bild: @planet-vienna.com

 


 

Ich bedanke mich beim Stift Heiligen Kreuz und dem Karmel Mayerling für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme der Bilder.

Mein Dank gilt auch meinen Damen, die mich an diesem Tag begleitet haben, ganz besonders unserer Maria José, die die Aufgaben einer Zofe an diesen Tagen übernommen hat.

Außerdem möchte ich mich auch bei meinem treuen Husar Alois bedanken, der mir stets mit Rat und Tat in militärischen Dingen zur Seite steht!

Mein Dank geht ebenfalls an das Team der Kapuziner Gruft, das mich mit wertvollen Informationen unterstützte!

~Sisi~

 


 

Textrecht: Sisi

Bildrechte:

ORF/Kirch Media, ORF.at, austriaforum.at, österr. Staatsarchiv, 41-42 stammtischlaa, planet-vienna.com, sternenkaiserin.com – Sisi, Christine Kubec, Mayerling.de

Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

Literaturhinweise:

Nummer / Seite:

4 – S48, 5 – S59, 6 – S60, 7- S61, 8 – S62, 9 – S63, 10 – S64, 11 – S65, 12 – S70, 14 – S71. 15 – S72, 20 – S81, 21 – S82, 22 – S83, 23 – S93

Diplomarbeit von Peter Rückl 2002

„Mayerling im Verlauf seiner Geschichte“

(von der Laurentius-Kapelle zum Karmel St Josef)

Eingereicht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Theologie der fachtheologischen Studienrichtung

Betreuer: Univ. Prof DDr Floridus Röhrig CanReg

 

1, 13, Das interessante Blatt, separat – Ausgabe, 2. Februar 1889 – ÖNB 

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth, Marie Valerie von Österreich, Herausgegeben von Martha und Horst Schad, Piper Verlag gmbH München Zürich, 6. Auflage – Juli 2011 

2 – S 168, 

17 – S169, 

23 – S174

Textauszug Elisabeth das Musical – Die Schatten werden länger, Silvester Levay & Michael Kunze: 19

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an Sie richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – ein Teil von Sisis Hochzeitskleid – besichtigen. Unseren Beitrag finden Sie hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt. Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen. Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr. Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden. Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure Marie

 


Foto: @zeno.org

Wir gedenken heute der Tragödie vom 28.6.1914. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen. Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Wir werden nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.  Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren. Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und seiner 2. Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

 

Stammbaum Erzherzog Karl Ludwig, dessen Frauen und Kinder, Fotos: @Wikimedia/Commons 

Maria Annunziata Isabella Filomena Sabasia von Neapel-Sizilien Foto: @Wikimedia/Commons

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde. In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franz (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862, Foto: @habsburg.net

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde, war er 39 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franz war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand 3 und die kleine Margarethe erst 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Maria Theresa von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Maria war erst 17 Jahre alt, als sie mit dem 39jährigen Witwer Karl Ludwig verheiratet wurde. Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen.

Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie, Foto: @Wikimedia/Commons

Maria wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte 2 weiteren Mädchen (Maria Annunziata *13.7.1876, †8.4.1961 und Elisabeth Amalie Eugenia *7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder. Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte.

EH Maria Annunziata, Stiefschwester Foto: @Wikimedia/Commons

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte. Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

Schloss Artstetten Foto: @Privat

Franz und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf. Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) musste er und Otto über sich ergehen lassen. Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr. Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Badezimmer im Schloss Arstetten Foto: @Privat

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während sein Bruder Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind in vollen Zügen genoss. Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franz(i), der einfach zu ernst für sein Alter war.

Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.) Foto: @Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ. So wurde ein Schwimmteich – Swimmingpool – gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde vergrößert und angelegt und ein Badezimmer wurde eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit. Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

Gedenktafel, Enns Foto: @denkmalprojekt.org

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde. Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte: „Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Kronprinz Rudolf als Jugendlicher Foto: @oesta.gv.at

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden. Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte. Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Sisi intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz Ferdinand unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850, Foto: @comune.modena.it

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

Das Goldene Vlies, Foto: @habsburger.net

Seine Militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war. Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebraucht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

 

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war. Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880 Foto: @Wikimedia/Commons

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt: „Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2) Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf. Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor. Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

SMS „Kaiserin Elisabeth“ Foto: @Wikimedia/Commons

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung. Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan. In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen. Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs. Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit. Ein Teil ist im Schloss Arstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorischesmuseum in Wien.

MS Empress auf China Foto: @Wikimedia/Commons

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank. Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte. 1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Sophie, Gräfin von Chotek Foto: @Wikimedia/Commons

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte. Er lernte Hofdame Sophie, Gräfin von Chotek kennen.

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien. Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief: „Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

Dr. Viktor Eisenmenger Foto: @Wikimedia/Commons

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen. Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen. 1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Graf Leo von Wurmbrand, Foto: @JosefNovak33

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte. Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem „Frauenzimmer“ „das Handwerk legen wollte“ (4). Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte. Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

Erzherzog Otto „der Schöne“ Foto: @Antiquariat Futter

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen. Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag. Von Krankheit gezeichnet, wurde der Aufenthaltsort für Franz Ferdinand nach Ägypten bestimmt. Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen. Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut. Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt starb er schließlich am 19.5.1896 in Wien. Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man einen Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek

Kronprinzessin Stephanie Foto: @Wikimedia/Commons

EH Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester Foto: @Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen. Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung. Um diese zu erlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war. Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt. Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931). Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf. Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Graf Boguslaw von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren. Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896), ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

– Wolfgang Maria Karl Wilhelm Boguslaw Josef (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
– Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
– Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
– Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
– Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
– Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
– Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
– Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)

Erzherzogin Isabella Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt. Um die Kinder deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung. Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten. Sophie wurde an den Hof der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: @Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzogin Isabella glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen. Maria Christina war damals 16 Jahre alt. Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt. In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen. Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam. Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Erzherzogin Maria Christina Foto: @Wikimedia/Common

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte. Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Erzherzogin Isabella mit Hofdame Sophie Gräfin Chotek, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum Foto: @Privat

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger fürs Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden. Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei, eine verarmte Gräfin zu ehelichen. In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, Diener und jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Maria Theresa für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Godfried Marschall, Weihbischof Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut. Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt. Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph: „Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt. Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Prinzessin Ludovika von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie. Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen „in“ und „von“ wurde hier aufgearbeitet. Sisi wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre. Und das war die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen. Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln. Aber ich greife vor.

Hochzeitsfoto Sophie und Franz Ferdinand, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Hochzeit Sophie und Franz Ferdinand Foto: @Wikimedia/Commons

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben. Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe. Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4 (!)  Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“. Maria Theresa, Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und seine Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Ring von Gräfin Sophie, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger begangen hat. Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob. Somit wurde aus Sophie, Gräfin von Chotek, Sophie Fürstin von Hohenberg.

Ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen. Josephine von Hohenzollern Foto: @Wikimedia/Commons

Die Ehe danach war von Glück geprägt. Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

 

Stammbaum Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

Schloss Konopischt Foto: viator.com.de

Schloss Belvedere Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein. Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen. Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

Erzherzog Franz Ferdinand, Fürstin Sophie von Hohenberg, Tochter Sophie, Ernst (sitzend) und Max Foto ca. 1908 @Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah. Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein. Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt. Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte. Zumal er seine Sophie und seine Kinder als Thronerben und Kaiserin anerkannt hätte.

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren und Franz Ferdinand wusste, dass es Zeit war für ein mögliches Ableben an ihn und seine Lieben zu denken. Da er auch nach dem Tod von Sophie, die durch die morganatische Hochzeit nicht in der Kapuzinergruft beerdigt werden durfte, nicht getrennt sein wollte, begründete der die Familiengruft auf Schloss Artstetten. Sein totgeborener Sohn sollte der erste sein, der in der Gruft beerdigt werden sollte. Das seine Eltern nicht allzu lange danach folgen würde, konnte keiner ahnen.

Splitter der ersten Bombe die Fürstin Sophie traf. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf: „Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Mörder Gavrilo Princip Foto: @Wikimedia/Commons

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen. Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen. Das aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

Mit so einer Waffe wurde Fürstin Sophie und Erzherzog Franz Ferdinand erschossen. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Zuerst traf er Fürstin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers. „Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7), soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

Original Wagen, Heeresgeschichtliche Museum Wien, Foto: @Hemmings.com

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8) soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben. Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich. Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebten Kinder gerichtet gewesen. Auch Erzherzog Franz Ferdinand stirbt noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war. Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden. Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Die Ausschiffung der Särge in Triest am 2.7.1914. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Nahaufnahme der Ausschiffung der Särge in Triest, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

 

Begräbnis mit dem Sarg des tot geborenen Sohnes zwischen den Eltern, 4.7.1914 Schloss Artstetten, Gruft. Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

 

 

 

 

 

 

 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt. Auch hier hat sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Arstetten zu begleiten. Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 51 Jahre, Fürstin Sophie von Hohenberg 46 Jahre alt.

 

~ Marie ~

 

 


Wer wissen will, wie es mit den Vollwaisen weiterging, liest hier weiter.

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch dreien Kindern Vater und Mutter.

Wunderschönes Gemälde der Kinder Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt und Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie. Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen. Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert. Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben. Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslang. Max ließ sich in Schloss Artstetten nieder, studierte Rechtswissenschaft und wurde Jurist. Ernst studierte Forstwirtschaft und ließ sich in der Steiermark, Radmer, nieder.

Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst: @Wikimedia/Commons

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

– Erwein Maximilian Franz Peter Paul Hubertus Konrad Maria (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
– Franz von Assisi Friedrich Ernst Leopold Josef Maria (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
– Aloys Karl Josef Maria (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
– Sophie Amalia Theresia Quirinia Henriette Lucretia Magdalena Maria Ignatia (*4.6.1929 – lebend)

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Hochzeit Max und Elisabetha  Foto: @Wikimedia/Commons

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

– Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
– Georg (*25.4.1929 – lebend)
– Albrecht Philipp Leopold Josef Andreas Hubertus Maria (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
– Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
– Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
– Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht. Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde. Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring. Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt. In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

 

Ernst und Marie Therese von Hohenberg Foto: @Wikimedia/Commons

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

– Franz Ferdinand Maximilian Georg Ernst Maria Josef Zacharius Ignaz (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
– Ernst Georg Elemer Albert Josef Antonius Peregrius Rupertus Maria (*1.3.1944 – lebend)

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max. Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht. Er wurde erst 1943 entlassen. 5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen. Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. Ernst durch die Strapazen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

 

~ Marie ~

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: @Privat, @Wikimedia Commons, @zeno.org, @Habsburg.net, @commune.modena.it, @JosefNovak33, @Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017, @Hemmings.com, @Antiquariat Futter 
Textrechte: Marie Festetics, Anita von Hohenberg, Christiane Scholler
Stammbäume: Marie Festetics


Literatur Hinweis:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber


 

Erzherzogin Sophie

Copyright Archiv, frei lt. Hrn Georg Markus

Erzherzogin Sophie, Foto:  Wikimedia/Commons

„Und eine Kaiserin gehört zum Kaiser.“
Wer hört sie nicht? Dieses „Singsang“  in der Stimme von Vilma Degischer, die in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider die böse intrigante Schwiegermutter dargestellt hat und man sie als Sissi – Fan so richtig schön hassen konnte. Wirklich viel wusste man von Erzherzogin Sophie nicht zum Zeitpunkt der Filme, aber mittlerweile gibt es 2 Biografien, die so ein ganz anderes Bild der Kaiserin Mutter zeigen; aber leider ist das Bild der bösen Schwiegermutter auf ewig geprägt.

Hier erfolgt ein Versuch, das etwas andere Bild der Erzherzogin Sophie zu zeigen, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, kurz Maximilian Joseph I. oder König Max, hatte bereits 5 Kinder aus erster Ehe, aber Königin Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt starb am 30.3.1796.

Stammbaum von Vater Max mit seiner 1. Ehefrau Auguste Wilhelmine, Fotos: @Wikimedia/Commons

Am 9.3.1797 ehelichte der König Prinzessin Friedericke Karoline Wilhelmine von Baden.

Prinzessin Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine von Bayern kam mit ihrer Zwillingsschwester Maria Anna Leopoldine Elisabeth von Bayern (spätere Königin Maria Anna von Sachsen, † 13.9.1877) am 27.1.1805 in München zur Welt. Ihre Schwester Ludovika kam 1808 zur Welt und wurde in späterer Folge die Mutter von Kaiserin Elisabeth. Unser Beitrag zu Ludovika kann hier nachgelesen werden.

Stammbaum Erzherzogin Sophie Fotos: @Wikimedia/Commons

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Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Bild nach Joseph Karl Stieler, 1812, Foto: @Wikimedia/Commons 

Sophie und ihre Geschwister wuchsen sehr liebevoll auf. Ihre Eltern haben sich beide – zumindest es deren Zeit zuließ – außerordentlich liebevoll um die Kinder gekümmert. Bereits mit 5 Jahren konnte Sophie lesen und schreiben und schrieb ihrem Vater und ihrer Mutter heiße Liebesbriefe, wenn diese abwesend waren. Sophie wurde in der Familie Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer genannt. (1)

Ab ihrem 4. Lebensjahr bekam Sophie Unterricht in Französisch, Physik, Geschichte, Lesen/Schreiben usw.; auch Theater- und Ballettabende standen auf dem Programm. Sophie war Zeit ihres Lebens eine glühende Verehrerin von den schönen Künsten. Sie ging ausgesprochen gerne ins Theater und in die Oper.

Sophie und Maria Anna waren die erklärten Lieblingskinder ihres Vaters, Sophie verehrte Zeit ihres Lebens ihre Mutter, was zahlreiche Briefe belegen. Als ihre Mutter am 13.11.1841 starb, fing Sophie an, ihre Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben.

Schon zu Kinderzeiten schrieb sie glühende Briefe an ihre Eltern:

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Elisabeth und Amalie mit der kleinen Maximiliane „Nini“, 1814 nach Joseph Karl Stieler, Foto: @Wikimedia/Commons

An ihre Mutter, die mit ihrem Mann König Max, zum Wiener Kongress 1814/15 in Wien weilte schrieb die 9jährige Sophie:
„Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (2)

Schon zu Kinderzeiten musste Sophie einen herben Verlust verarbeiten. Das Nesthäckchen, Maximiliane Josepha Karoline von Bayern, welche am 21.7.1810 geboren wurde und der erklärte Liebling von Mutter und Kindern war, starb am 4.2.1821 11jährig an Typhus. Zeit ihres Lebens gedachte Sophie ihrer geliebten „Nini“, wie sie genannt wurde, zum Todestag.

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Erzherzogin Sophie, nach einer Lithographie von Josef Kriehuber 1836, Bild @erzherzoginsophie.at

Als Sophie 19 Jahre alt war, wurde sie mit Erzherzog Franz Karl vom Österreichischen Kaiserhaus verlobt. Franz Karl soll angeblich gleich Feuer und Flamme gewesen sein, als er seine zukünftige Braut erblickte. Bei Sophie war es eher Fügung in ein Schicksal. Ihr zukünftiger Ehegemahl war leider geistig schwach und auch sonst nicht wirklich fähig, eine große Karriere einzuschlagen. Unser Beitrag zu Erzherzog Franz Karl kann hier nachgelesen werden.

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Erzherzog Franz Karl, Lithographie, 1850 Josef Kriehuber, Foto: @Wikimedia/Commons

Sein Bruder Ferdinand, der in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ einging, traf es noch schlimmer. Seine geistigen Eigenschaften waren noch weniger vorhanden als bei Franz Karl.  Wobei auch hier die Mythen um sich ranken. Die einen Biografen schreiben, er sei geistig minderbemittelt gewesen, die anderen, er hatte überaus geistige Fähigkeiten, da er 5 Sprachen sprach. Fakt ist, Ferdinand hatte schwere epileptische Anfälle, in späteren Jahren schrieb Sophie sehr spöttische Briefe über sein Aussehen und sein Verhalten.

Am 4. November 1824 wurde die Hochzeit in Wien in der Augustinerkirche abgehalten und Sophie nahm einen sehr tränenreichen Abschied von München, ihrer Mutter und ihren verbliebenen Geschwistern. Sie schrieb lange, auch 3 Jahre später, immer noch tränenreiche Briefe an ihre Mutter, wie sehr ihr die Heimat fehlen würde.

Wenn man dazu die Szenen mit Vilma Degischer und Karlheinz Böhm vergleicht, wo Vilma Degischer als Erzherzogin Sophie ihrem Sohn Kaiser Franz Joseph das Tagebuch von Kaiserin Elisabeth vorlegt, wo diese über Heimatweh klagte, vermag man sich das kaum vorstellen, dass Erzherzogin Sophie kein Verständnis für diese überaus schwierige Situation gehabt haben mochte. In den Biografien lassen sich hier nur ein paar Kapitel finden, wo Sophie mit Sisi nicht zufrieden war, aber Erzherzogin Sophie hasste Sisi nicht so sehr, wie allgemein die Auffassung war. Aber dazu kommen wir später.

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Kaiser Franz II./I., 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Bild: @habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Auch die echte Erzherzogin Sophie litt unter der Trennung und konnte den Schmerz kaum verarbeiten. Ein glühender Sophie Verehrer wurde ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. „…der Kaiser überhäuft mich mit seiner Güte und es scheint, als wolle er mir den zärtlichen, den besten Vater ersetzen, den ich verloren habe.“ (Brief an Großmama) (3)

Auch über ihre Ehe und ihre Schwangerschaftsfortschritte schrieb sie viele Briefe, vor allem an ihre Mutter Königin Karoline und Großmama „…man kann nicht liebenswürdiger sein als mein Gemahl – und er liebt mich so zärtlich – ….“ (4)

Sophie erlitt insgesamt 11 Fehlgeburten. Die erste Zeit machte sie sich noch keine allzu große Sorgen, doch auch nach 6 Jahren Ehe wollte sich kein Thronfolger einstellen und sowohl Sophie, als auch Kaiser Franz II./I. wurden nervös. Sie wurde auf verschiedene Kuren geschickt, u.a. ins gerade entdeckte Bad Ischl zu den Solebädern. So kurte Sophie in Bad Ischl und 1830 stellte sich endlich der ersehnte Erfolg ein.

Am 18.8.1830 kam jedenfalls der ersehnte Sohn und Thronerbe Erzherzog Franz Joseph Karl, nach einem 2 Tage und Nächte dauernden Geburtsmarathon zur Welt. Sophie war trotz schwerster Strapazen im 7ten Himmel. Der Thronfolger wurde mit 101 Kanonenschüssen begrüßt.

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Stammbaum mit den überlebenden Kindern von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Fotos: @Wikimedia/Commons 

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Gustav, Prinz von Wasa, Lithographie von Josef Kriehuber ca. 1830, Foto: @Wikimedia/Commons

Zeit seines Lebens, wurde gemunkelt und getuschelt, dass nicht die Kuren in Bad Ischl für den Erfolg der Kindsgeburt zuständig waren, sondern Gustav von Holstein-Gottorp, Prinz von Schweden, ab 1829 Prinz von Wasa (*9. Nov. 1799, † 4.8.1877). Dieser lebte im Exil in Wien und ging bei Hofe ein und aus. Sophie und Prinz Wasa wurde eine heftige, leidenschaftliche Affäre nachgesagt. Nicht nur Erzherzog Franz Joseph, auch Erzherzog Ferdinand Maximilian sollen angeblich die Kinder dieser Affäre sein. Bestätigt werden konnte das Gerücht nie. Sophie war eine sehr strenggläubige Frau und in ihren Tagebuchaufzeichnungen lassen sich keine Hinweise zu einem Betrug finden. Trotzdem wurden beide Söhne „Wasa-Buben“ genannt.

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Napoleon Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt, Radierung, Bild: @Habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Bei Erzherzog Ferdinand Maximilian wurde aber auch Napoelon Franz Bonaparte, besser bekannt als Herzog von Reichstadt (*20.3.1811, † 22.7.1832) als Vater gehandelt. Herzog von Reichstadt war ein inniger Vertrauter von Sophie und ging Privat bei ihr Ein und Aus. Um diese Freundschaft näher zu beleuchten, werden wir in weiterer Zukunft einen eigenen Beitrag zu Herzog von Reichstadt veröffentlichen.

Das Gerücht, dass er der Vater sei, wurde sogar von Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Kaiser von Mexiko werden wollte, selbst wieder angeheizt. Auch dieses Gerücht bestätigte sich nie.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831, Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie war eine sehr liebende Mutter, etwas übervorsichtig und leicht hysterisch. So durfte der kleine Erzherzog einmal sein Zimmer im gesamten Winter bis fast Ende März nicht verlassen, weil er sich mit einer Verkühlung anstecken hätte können. Heute würde man zu einer solchen Mutter „Helikopter-Mutter“ sagen. Aber den Ausdruck gab es damals noch lange nicht und man hätte sich sowieso nicht getraut, am Wiener Hofe so etwas auszusprechen.

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Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1837, Lithographie Josef Kriehuber Foto: @Wikimedia/Commons

Herbe Verluste erfuhr Sophie als ihr inniger Vertrauter Herzog von Reichstadt, Napoleon Franz Bonaparte, mit 21 Jahren am 22.7.1832 in Schloss Schönbrunn an Tuberkulose starb. Sophie trauerte lange um ihren Freund. Als 1840 ihr kleines Mädchen, Erzherzogin Maria Anna starb (unser Beitrag zu Maria Anna Carolina Pia) war Sophie untröstlich. Auch musste sie 1840 eine Totgeburt (Sohn) hinnehmen, ihr Körper war zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt. Die vielen Fehlgeburten und Verluste nagten an Sophie und ihre Krankheiten kurierte sie nicht mehr so richtig aus. Auch nach der Geburt von Erzherzog Ludwig Viktor (1842) erlitt Sophie noch Fehlgeburten, die ihr immer mehr zu schaffen machten.

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Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzogin Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna, ca. 1836, Bild: @Donaumonarchie.com

Sie liebte alle ihre Kinder, aber bei keinem verschwendete sie so viel Energie und Aufmerksamkeit wie an Franzi. Franzi wurde teilweise sogar abgesondert, durfte mit den Kindern der am Hof lebenden Familien nicht spielen und wurde immer als „etwas Höheres“ gesehen. Sophie wurde in späteren Jahren immer vorgeworfen, dass genau das der Grund sei, warum Kaiser Franz Joseph mit anderen Menschen nur schwer oder gar nicht umgehen konnte. Zeit seines Lebens tat er sich mit Small Talk schwer und hatte kaum, bis gar kein Feingefühl für andere Menschen. Er galt als gefühlsarm und oberflächlich. Franzi war ein einsames Kind und Kaiser Franz Joseph sollte es bis zum Tod bleiben.

Sophie glaubte an die Monarchie und war immer davon überzeugt, dass die Monarchie die einzig Wahre ist. Der Monarch hatte die Macht und das Volk hatte dankbar zu sein. Auch wenn sie Zeit ihres Lebens Schirmherrin für verschiedene Vereine und Institutionen Geld aus ihrem Privatvermögen spendete, stand sie auf dem Standpunkt: „Das Volk habe dem Kaiser zu dienen.“ Dass aber das Volk nach einer Änderung dürstete und die Knechtschaft unter den Habsburgern satt hatte, sah sie nicht. Sie lehnte jede Reform ab. Allerdings geriet ihre Welt ein paar Mal ins Wanken, vor allem, als ihr Schwiegervater Kaiser Franz II./I. am 2.3.1835 starb. Ihr größtes Problem wurde es, Kaiser Ferdinand I. anzuerkennen. Ihr einziger Triumpf am Wiener Hofe, waren die Kinder. Vor allem Franz Joseph, da er als Thronfolger galt. Schon Kaiser Franz II./I. nahm keine Reformen an, Ferdinand I. war dazu noch weniger in der Lage. Die erste Zeit lobte Sophie die Regentschaft ihres Schwiegervaters. Erst Jahre später ärgerte sie sich sehr, dass Kaiser Franz II./I. so langsam und stagnativ seine Herrschaft betrieben hatte. An Änderungen war sie selbst aber nicht interessiert. Auch Franz Joseph sollte keine Reformen zulassen und steckte genauso in den alten starren Gepflogenheiten seines Großvaters fest.

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Erzherzogin Sophie, 1866 Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf: 7.00 Uhr – 7.30 Uhr Aufstehen, Messe, danach Frühstück mit den Kindern. Nachdem sie die Post erledigt hatte, wurde mit den Kleinen gespielt (Schnick Schnack Schnuck, Schwarzer Peter usw.). Bei Franz Joseph und Max wohnte sie beim Unterricht bei. Mittagessen um 16.00 Uhr (was sehr spät war). Hier empfing sie Gäste. Abends empfing sie in ihrem Salon weitere Gäste und hielt „Thee“stunde ab. Sophie schätzte auch „Diners“, fuhr gerne nach Laxenburg, ging gern im Schlosspark von Schloss Schönbrunn spazieren, liebte die Menagerien und den botanischen Garten. In späteren Jahren ging sie mehrmals am Tag in die Messe. Weiters liebte sie es zu sticken. Bis ins hohe Alter stickte sie Messgewänder.

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Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“, 1847, Leopold Kupelwieser, Bild: @Habsburger.net, Schloss Schönbrunn

Sie war auch die Einzige am Wiener Hof, die sich für Politik interessierte. So war sie diejenige, die sehr viele Zeitungen (u.a. Neue Freie Presse, Wiener Zeitung etc.) abonniert hatte, die sie überall mithin nahm, um sie am Tag verteilt zu lesen. Während der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. war sie zum Nichtstun verpflichtet. Sie wusste, wenn sie sich einmischen würde, ihr das sehr Übel genommen werden würde.  Als aber 1848 die Revolution ausbrach, sah sie ihre Chance. Ferdinand, gesundheitlich schwer angeschlagen, musste abdanken. An seiner Stelle wäre Sophies Ehemann, Erzherzog Franz Karl an den Thron gekommen. Doch Sophie dirigierte ihren einfältigen Mann in die andere Richtung. Als der schließlich zustimmte, wurde am 2. Dezember 1848 ihr 18jähriger Sohn Franz Joseph Karl zum Kaiser. Auch der Name von Kaiser Franz Joseph wurde von Sophie bestimmt. Ihr Franzi, sollte einzigartig in der Geschichte sein. Sophie bestimmte den Namen Kaiser Franz Joseph I. Dass dieser Kaiser 68 Jahre regieren würde, konnte damals noch keiner ahnen. Und das es ausgerechnet der nicht allzu sehr beachtete Erzherzog Karl Ludwig sein würde, der mit seinen Kindern die Monarchie retten würde, auch nicht. Aber ich greife viel zu weit vor.

Sophie war auch vor ihrer Mutterschaft eine ausgezeichnete Reiterin, die an Treibjagden teilnahm. Oft und gerne begleitete sie ihren Mann zum Jagen. Allerdings hasste sie es, dass die Tiere getötet wurden und atmete immer auf, wenn Franz Karl nicht traf oder sich kein Wild finden ließ. Das änderte sich aber schlagartig, als sie anfing schwanger zu werden und die Kinder wieder verlor. In späteren Jahren verfiel sie auch den Geisterséancen, die zu dieser Zeit sehr häufiger Zeitvertreib war. Franz Joseph nahm bei einigen Séancen teil, nahm es aber nicht ernst. Dass es gerade ihr Enkel, Kronprinz Rudolf, sein würde, der einem der größten Scharlatane dieser Zeit sein Handwerk legen würde, hätte sich Sophie, die an diesen ganzen Humbug tatsächlich glaubte, niemals gedacht. Aber auch das ist Thema eines anderen Beitrages.

Als Kaiserin Mutter war Sophie eine noch resolutere Erscheinung, als sie ohnehin schon war. Sie erlaubte sich sogar die wichtigsten Gespräche mit Ministern zu unterbrechen, wenn sie meinte, ihren Franz sprechen zu müssen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Wiener Hof sie „Der einzige Mann bei Hofe“ nannte. In wie weit Sophie in die Politik von Franz Joseph eingriff ist nicht bekannt; allerdings kann man einen gewissen Einfluss nicht verbergen, denn die Ansichten, die gerade der junge Kaiser vertrat, waren gleichgestellt mit der seiner Mutter.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Als der Kaiser 23 Jahre alt wurde, wurde es Zeit für ihn zu heiraten. Auch hier zeigte sich Sophie als die Strippenzieherin. Sie fackelte nicht lange herum und sah sich in ihrer eigenen Familie um und wurde schnell fündig. Die Auserwählte war Herzogin Helene in Bayern“, Tochter von Herzogin Ludovika in Bayern und Herzog Max in Bayern“ Das es „ausgerechnet“ Elisabeth war, in die sich Franz Joseph verliebte, war von Sophie weder vorhergesehen, noch gewollt. Doch für dieses eine Mal – eines der wenigen Augenblicke im Leben von Franz Joseph – setzte er sich gegen die strenge Mutter durch. Er heiratete Sisi.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie fügte sich und nahm Sisi unter ihre Fittiche. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir der Beziehung Elisabeth und Sophie einen eigenen Beitrag widmen werden.

Auch bei Erzherzog Ferdinand Maximilian, Sophies erklärter Lieblingssohn und Erzherzog Karl Ludwig ging sie auf Brautschau. Erzherzog Karl Ludwig musste insgesamt sogar 3x heiraten, weil 2 seiner Frauen verstarben, dies arbeiten wir jedoch gesondert beim Beitrag zu Karl Ludwig auf. Erzherzog Ludwig Viktor sollte nie verheiratet werden, warum und weshalb, wird auch in seinem Beitrag näher erörtert werden.

Sophies größter Verlust war, als sich ihr Sohn Ferdinand Maximilian, genannt Max, 1864 entschloss nach Mexiko zu gehen, um Kaiser von Mexiko zu werden. Sophie und Sisi waren entsetzt und versuchten den ehrgeizigen Bruder/Schwager aufzuhalten. Doch dessen Frau Charlotte war enorm ehrgeizig. Sie wollte Kaiserin werden und stand damit in direkter Linie zur Rivalität zu Elisabeth. Das einst sehr gute Verhältnis zu Max änderte sich schlagartig mit der Hochzeit mit Charlotte. Sisi hasste fortan die belgische Prinzessin, die zu dem auch als Schönheit bekannt war. Aber auch Max war sehr ehrgeizig. Zwischen Max und Franz bestand immer eine gewisse Rivalität und er konnte es nicht ertragen, dass Franz Joseph den höheren Status hatte, er wollte ebenso Kaiser eines Landes sein. Auch zu Max, wird es noch einen eigenen Beitrag geben.

Als Sophie 1867 vom Tod des Sohnes in Mexiko erfuhr, brach sie zusammen. Ihr Schmerz war grenzenlos. Sie zog sich nach Bad Ischl zurück, allerdings fand sie keine Ruhe.

Hofdame Fürstenberg schrieb an ihre Schwester: „Meine arme Erzherzogin ist recht gealtert, das Wort cassée (gebrochen) ist das richtige. Es ist ein stiller Schmerz, voll Ergebung, ohne Bitterkeit und dabei das Bestreben, keinem Menschen damit zur Last zu fallen. Fremde sind ihr peinlich, sie meidet sie und ging Sonntag um 7 Uhr in die Messe, zur Betrübnis der Ischler, die gerne gesehen und sich erzählt hätten, welches Gesicht sie macht. Das hübsche kleine Gartl, in das ihr niemand sehen kann, ist jetzt die wahre Wohltat für sie.“ (5)

Der Schmerz war so enorm, dass sich Sophie für lange Zeit nach Possenhofen zurückzog, wo gerade Helene Thurn und Taxis (Nénè) den Tod ihres Mannes Maximilian Anton und Carl Theodor den Tod seiner Frau Sophie betrauerte. Dort empfing sie Admiral Wilhelm Tegetthoff, der ihr die Jacke von Max brachte. Nach und nach trafen auch die letzten Briefe von Max ein, in denen er sich für die Liebe und Freundschaft bedankte.

Sophie notierte in ihr Tagebuch: „Aber die Erinnerung an die Martern, durch die er gehen musste, an seine Verlassenheit fern von uns geht mit mir durchs Leben und ist ein unbeschreiblicher Schmerz.“ (6)

Kronprinz Rudolf schrieb seiner Großmutter seinen süßen Brief: „Meine liebe, liebe Großmama! Mir ist um den Onkel Max sehr leid und ich bedaure Dich, liebe Großmama sehr, weil du wieder so viel Kummer und Schmerz hast. Ich will alles Mögliche tun, um Dir, liebe Großmama Freude zu bereiten.“ (7) (MF Anmerkung – Kronprinz Rudolf war zum Zeitpunkt des Todes von Onkel Max 9 Jahre alt).

3 Monate dauerte die Überstellung des Leichnams von Mexiko nach Wien. Der Leichnam war in einem exorbitanten Zustand. Leider sind sich hier die Biografen nicht einig. Ingrid Haslinger beschreibt in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs“ -, dass Sophie den Leichnam, aufgrund der monatelangen Odyssee der Überstellung, nicht mehr zu Gesicht bekam.  Anna Ehrlich und Christa Bauer schreiben in ihrem Buch „Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof“, dass Sophie den Leichnam ihres Sohnes zu Gesichte bekam und der „Leichnam in einem wohl erhaltenen Zustand sei“. Das vermag ich persönlich kaum zu Glauben. Wie auch immer; beide Varianten waren für die gramgebeugte Mutter wohl zuviel.

 

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Erzherzogin Sophie, 1872, von Vinzenz Katzler, Foto: @Wikimedia/Commons

Nach diesem schweren Schicksal erholte sich Sophie nicht mehr. Sie zog sich komplett zurück, ging noch mehr zur Messe und nahm auch die Eskapaden ihrer Schwiegertochter Sisi nicht mehr ernst. Eine Krankheit jagte die andere, keine wurde mehr richtig kuriert.

 

Nur 5 Jahre nach Max verließen Sophie die Kräfte. Am 28. Mai 1872 starb sie in der Wiener Hofburg. Sie wurde in der Kapuzinergruft beerdigt.

 

~ Marie ~

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: habsburg.net, erzherzoginsophie.at, donaumonarchie.at, Peter Geymayer, Forum.Alexanderpalace.org, Wikimedia/Commons
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger, Anna Ehrlich und Christa Bauer, Michaela und Karl Vocelka


Literaturhinweise:

Zitate: 1 – S. 23, 2 – S 25, 3 – S 35, 4 – 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

Zitate 5 – S 176, 6 – S 273, 7 – S 274
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie – Die starke Frau am Wiener Hof, Amalthea, 2016, 1. Ausgabe

Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich König von Ungarn 


 

Erzherzog Franz Karl

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Erzherzog Franz Karl; Lithographie 1850 Josef Kriehuber Fotos: @Wikimedia/Commons

„Na Bravo“. (Vilma Degischer/Erzherzogin Sophie)
„Jetzt hast das aber Du gsagt.“ (Erich Nikowitz/Erzherzog Franz Karl)
Das wohl beliebteste Filmzitat der Sissi-Filme.

Wer kennt ihn nicht? Erich Nikowitz als Erzherzog Franz Karl in den Sissi Filmen mit Romy Schneider. Mittlerweile haben wir ja auch schon kurz Magda Schneider und Gustav Knuth in den Rollen der Filme verglichen, jetzt kommt der Vater, Erzherzog Franz Karl, zu Wort.

Niemand von den Filmfiguren ist so derartig unwahr dargestellt worden, wie Erzherzog Franz Karl. Erich Nikowitz hat diesen schrulligen alten Herren, der schlecht hört um seiner herrschsüchtigen Ehefrau zu entkommen, so liebenswert dargestellt, dass man leicht peinlich berührt ist, wenn man merkt, dass Erzherzog Franz Karl einen relativ bedeutungslosen Eindruck hinterlassen hat.

 

 

Stammbaum von Erzherzog Franz Karl, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

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Erzherzog Franz Karl in jungen Jahren, 1836, Lithographie Josef Kriehuber, Fotos: @Wikimedia/Commons

Franz Karl wurde am 7.11.1802 als 3ter Sohn von Kaiser Franz Joseph Karl und Prinzessin Maria Theresia Karolina Guiseppina von Neapel und beider Sizilien geboren.

Leider schlug in dieser Linie, die Habsburgerische Heiratspolitik brutal zu. Der Erstgeborene Sohn Ferdinand I. Karl Leopold Joseph Franz Marcellin war geistig äußerst schwach und ging in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ ein. Einige seiner Schwestern überlebten das Kindheitsalter nicht. Auch der 4te Sohn starb mit 4 Jahren.

Leider ist über Franz Karl aus seiner Kindheit nichts bekannt, aber da Franz Karl geistesschwach war, konnte er der normalerweise sehr strengen Erziehung der Habsburger nicht so folgen, wie man es sich wohl gewünscht hätte. Ferdinand war dazu noch schwer epileptisch und von geistig noch schwächerem Verstand.

Franz Karl liebte die Natur und ging gern auf die Jagd. Aber vor allem das Theater hatte es ihm angetan. Als er heiratsfähig wurde, wurde Herzogin Sophie Friedericke von Bayern auserkoren, in die er sich angeblich augenblicklich verliebte.

Sophie war ein hübsches junges Mädchen und ihre Familie sehr bedeutend. In ihren Briefen und Tagebuchaufzeichnungen finden sich immer positive Worte zu ihrem Mann und auch wenn sie von den geistigen Schwächen ihres Mannes wusste, stimmte sie der Hochzeit zu.

Am 4. November 1827 fand die Hochzeit mit der schönen bayrischen Prinzessin statt und Franz Karl war in Hochstimmung.

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Stammbaum von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

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Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit ihren Kindern: Erzherzog Franz Josef, Erzherzog Ferdinand Max, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1836 Bild: @donaumonarchie.com

In weiterer Folge wurde Franz Karl Vater von 4 Kindern, die überlebt haben. Seine Frau Erzherzogin Sophie erlitt aber leider sehr viele Fehlgeburten, welches unter ihrem eigenen Beitrag erörtert wurde.

Franz Karl selbst blieb als Vater wenig bis gar nicht vorhanden. Er hatte keinerlei Interesse an seinen Kindern und die Kinder nicht an ihm. Wenn er auftauchte, dann war es Respekt, dass die Kinder ihrem Vater entgegenbrachten, aber eine innige Verbundenheit oder tiefe Liebe konnte nie aufgebaut werden.

Er wurde von den vielen Beobachtern, Wegbegleitern oder engen Vertrauten des Hofes nicht unbedingt positiv angesehen.

Lulu Gräfin Thürheim schrieb über ihn: „Es sei schwer zu erraten, womit eigentlich Franz Karl die Anhänglichkeit seiner Frau verdient hätte.“ (1)

Zar Nikolaus I. ging noch härter mit dem Erzherzog ins Gericht, nach dem er ihn 1835 traf: „Dieser junge Mann erweckt den Eindruck, als sei er in seiner Entwicklung stehen geblieben. Dürfte ich ihn als Achtzehnjährigen betrachten, dann hegte ich große Hoffnungen für seine Zukunft, aber es ist zum Verzweifeln, daß er die Dreißig schon passiert hat.“ (2)

11 Jahre später fällt Graf Coronini ein ähnliches Urteil: „Ein en pauvre sire, und miserablen Wichten bei all seier passiven Herzensgüte, wird Gift sein für diese Kinder.“ (3)

Erzherzog Franz Karl liebte den Müßiggang und das Theater. Zweiteres so sehr, dass er schon am Nachmittag Vorstellungen besuchte bzw. sich sogar Vorstellungen mehrmals ansah. Er unterstützte die schönen Künste auch finanziell. Auch lange Spaziergänge im Prater waren seine Tagesbeschäftigung. Oftmals fuhr er allein nach Ischl um zu Jagen und zu Kuren.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl Fotos: @Wikimedia/Commons

Zeit seines Lebens verehrte er seine Frau zutiefst und war ihr in Liebe verbunden. Am Hof allerdings wurde oft getrascht und bösartige Kommentare zum „rauhen“ Ton von Sophie abgegeben. So nach dem Motto: Früher herrschte sein Vater Kaiser Franz ihn an und jetzt seine Frau.

Als Kaiser Ferdinand I. wegen seiner epileptischen Anfälle und immer schwächer werdenden Gesundheit am 2. Dez. 1848 abdankte (er starb allerdings 82jährig in Prag am 29.7.1875), war es Erzherzogin Sophie die ihren Mann Erzherzog Franz Karl bat, die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Da Franz Karl nie wirklich politisches Interesse zeigte, aber etwas bessere geistige Fähigkeiten, wie Ferdinand I. besaß, aber dennoch nicht genug, war dieser Schachzug von Erzherzogin Sophie ihr größter politischer Triumpf. Zwar wurde sie selbst nicht Kaiserin, aber zumindest ihr gemeinsamer Sohn Franzi, besser bekannt als Kaiser Franz Joseph.

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Erzherzog Franz Karl im Alter, kolorierter Holzstich, Bild: @AntiquariatPflugmacher

 

 

Das weitere Leben von Erzherzog Franz Karl verlief genauso wie vorher. Ruhig und ohne politischen Eindruck hinterlassen zu haben. Er starb 6 Jahre nach Erzherzogin Sophie am 8. März 1878.

~ Marie ~

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Stammbaum: Marie Festetics
Bildrechte: donaumonarchie, Heeresgeschichtliche Mueum Wien, habsburg.net, Antiquariat Pflugmacher
Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger


Literaturhinweis:
Zitate 1 S – 33, 2-3 – S 34
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Muter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe


 

Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia von Österreich

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Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1837, Lithographie Josef Kriehuber

Kaum jemand weiß, dass Kaiser Franz Joseph eine kleine Schwester hatte. Um sie nicht ganz der Vergessenheit Preis zu geben, erzählen wir hier ihre Geschichte. 

Maria Anna Karolina Pia, von allen nur liebevoll „Ännchen“ genannt, wurde am 27.10.1835 in Wien geboren.

Wäre die kleine Erzherzogin Maria Anna, in Geschichtsbüchern auch Maria Anna Pia oder Anna Pia oder Anna genannt, am Leben geblieben, wäre sie die um 2 Jahre ältere Schwägerin von Kaiserin Elisabeth geworden.

Erzherzogin Sophie (den Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden)hatte schon viele Fehlgeburten zu erleiden und hoffte diesmal ganz besonders auf einen kleinen Engel. Der Wunsch ging in Erfüllung.

Das Kind war äußerst liebreizend und wurde von jedem sofort in die Arme genommen. Entgegen der guten Sitten damals und wie schon bei Franz Joseph, Ferdinand Max und Karl Ludwig, stillte Sophie auch das Mädchen selbst. 

 

Ännchen entwickelte sich prächtig. Sie hatte einen ausgesprochenen Lebenswillen und war ein sehr hübsches und quirliges Mädchen. Sophie und alle ihr nahestehenden Personen liebten Ännchen aus vollem Herzen, auch die drei großen Brüder, Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Max und Erzherzog Karl Ludwig waren von ihrer kleinen Schwester begeistert. 

Stammbaum von Maria Anna „Ännchen“ Karoline Pia, Foto: sternenkaiserin.com

Sophie reiste mit der 2jährigen Maria Anna nach Bayern und schrieb glückselig in ihr Tagebuch: „Ännchen hat sehr viel succès hier – man treibt es rasend mit ihr…“ (1)

Königin Karoline, Sophies Mutter Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie war glücklich über ihre sehr hübsche Tochter und schrieb an ihre Mutter in Tegernsee: „…dass ich Ihnen Anna jetzt nicht zeigen kann – sie ist liebenswürdiger, viel hübscher als in Tegernsee und so dick, dass Franzi unlängst vor Coudenhove sagte – was mich ganz glücklich machte – sie hätt‘ Auswüchse an der Brust und alle Frauen hätten es so….“  (2) (MF Anmerkung – mit Franzi ist hier Erzherzog Franz Joseph gemeint, dem späteren Kaiser, der zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre alt war).

Maria Anna war ein aufgewecktes, fröhliches Kind, das keinerlei Scheu vor fremden Personen hatte.

Doch leider erkrankte Ännchen bald darauf schwer. Sie bekam Krämpfe und Fieber und die Hofärzte waren sich weder einig, noch intelligent genug die Gefahr zu erkennen. Auch hier trat wieder die Habsburgerische Heiratspolitik zu Tage. Epilepsie war eine gängige Erkrankung im Kaiserhaus. Doch die Krämpfe und Fieberanfälle wurden auf das „Zahnen“ zurückgeführt. Wie sehr sich sowohl Sophie, als auch die Ärzte täuschen würden…

Ännchen erholte sich von diesen Krämpfen und entwickelte sich weiter. Bis zu ihrem 4ten Lebensjahr gibt es keine weiteren veröffentlichten Aufzeichnungen.

Im Winter 1838/40 erkrankte Anna nochmals schwer. Die Ärzte waren sich so derartig uneinig über die Behandlung, dass man Anna die wunderschöne Haarpracht abrasierte und ihr Blutegeln anlegten. Das Kind quälte sich mit hohem Fieber und Krämpfen. Eine kleine Besserung war Ende Jänner zu sehen, da Anna aufstehen durfte und sogar ihrer geliebten Mutter zum Geburtstag gratulieren konnte.

Dr. Johann Malfatti, Foto: @Wikimedia/Commons

Doch der Rückfall war verherrend. Vor allem der unfähige Hofarzt Dr. Johann Malfatti (*12.6.1775, †12.9.1859) erkannte weder die Krankheit, noch die Gefahr und behandelte die schweren Fieberschübe mit den üblichen Hausmitteln. Dr. Malfatti stritt sich sogar mit den anderen Ärzten, die alle leider weder Ahnung, noch ihren Stolz hinunterschlucken konnten, um einen Homöopathen hinzuzuziehen.

Sophie wachte Tag und Nacht an dem Bett ihrer kleinen, immer schwächer werdenden Tochter und weinte bittere Tränen, als Ännchen am 5.2.1840 unter furchtbaren Krämpfen den Kampf gegen den Tod verlor.

Sophie war untröstlich. Die vielen Fehlgeburten hatten ihr viele Kräfte geraubt, ihre Gesundheit war angegriffen und der Tod der Tochter sollte sie für immer verändern.

Sophie übergab den Leichnam der kleinen Anna den Kapuzinern, ließ ihn aber – wie für Habsburg üblich – nicht zerstückeln. Nur der Kopf wurde geöffnet und angeblich wurde Wasser darin gefunden. Was auch immer das bedeuten sollte.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia von Österreich wurde in der Kapuzinergruft, Ferdinandsgruft Grab Nr. 11 begraben. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von Maria Anna, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil begraben. Eine gemeinsame Grabplatte erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Sophie entdecken. Sie war die Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden.

 

~ Marie ~

 


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Stammbaum: Marie Festetics 

Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger


Literaturhinweis:

Zitate 1-2 – S. 71
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe