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Ahnengalerie von Maria Theresia zu Kaiser Franz Josef und Kaiser Karl I.

Die Stammlinie der Familie Habsburg wie wir sie heute kennen, geht noch auf Maria Theresia zurück. Sie war die Mutter aller Habsburger, die bis in die heutige Generation noch reicht.

Um euch einen genauen Überblick zu geben, mit welchem Sohn es anfing und wie verzweigt die Familie auch heute noch ist, habe ich mir die Mühe gemacht und habe alle Familienmitglieder eingefügt, die bis zu Kaiser Karl I und Kaiserin Zita geboren wurden.

Jedes Paar ist mit seinen Kindern vertreten. Natürlich sind bis heute Nachfahren geboren worden; aber 1918 war die Monarchie zu Ende und von daher, habe ich von Kaiser Karl I und Kaiserin Zita all ihre Nachkommen eingefügt (einfach als Gesamtbild), obwohl die letzten beiden Töchter nicht mehr in der Monarchie geboren wurden.

Ich habe mir erlaubt auch die Nachkommen von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Chotek hinzufügen; auch wenn sie nicht erbberechtigt waren, so sind die Nachkommen und Nachfahren von Maria Theresia.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem außergewöhnlichen Stammbaum.

~ Marie ~

Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie

 

 


Rechtliche Hinweise: 

Bildrechte: Wikimedia/Commons, Österreichische Nationalbibliothek, habsburger.net, Bildarchiv, rodovid.org, geneall.org
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics 

 

Kaiser Franz Joseph und die Frauen (Teil 5)

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: billerantik.at

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? In den Sissi-Filmen mit Romy Schneider ein herzensguter liebenswürdiger Mensch, der seine Frau verehrt und mit der Situation rund um Sissi und Erzherzogin Sophie überfordert ist. Sein Schauspiel hat zum Bild des realen Kaisers Franz Joseph viel beigetragen.

Leider ist auch hier vieles verklärt und die Sissi-Geschichte im Film ist so ganz anders, als die harte brutale Realität. Eine Realität, der ich hier auf die Sprünge helfen möchte. Ich zeige in meinem 5. Teil das Bild eines so ganz anderen Kaisers. Ein Kaiser, der ständig fremd ging und mehr oder weniger zahllose uneheliche Kinder gezeugt haben soll.

Zuerst aber noch ein kleines Vorwort von mir: Es gibt in der Literatur zahlreiche Gerüchte, die nicht belegt sind. Auch von Buchautoren. Ich habe mich für diesen Artikel in die gesamte Literatur – auch in die unbelegte – eingelesen. Es bleibt immer dem Leser selbst vorbehalten, was er glauben will oder mag. In diesem Sinne, beginnen wir nun von vorne:

Königin Elisabeth von Preußen, Foto: Wikimedia/Commons

Schon im zarten Alter von 14 Jahren verschaute sich Erzherzog Franz Joseph sehr unstandesgemäß in eine Hofdame seiner Tante Königin Elisabeth Ludovika, genannt „Elise“, von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873).

Bertha von Marwitz (*30.7.1817, †5.4.1879) hatte es dem jungen „Franzi“ angetan. Sophie schreibt besorgt in ihr Tagebuch: „Franzi ist in zarter Art und Weise mit Fräulein von Marwitz beschäftigt. Es ist das erste Mal, daß solch ein Gefühl in ihm erwacht. Ich kann den Eindruck nicht genügend beschreiben, den mir das gemacht hat. Dieser Bub, den ich noch für ein Kind hielt, geht plötzlich, ohne daß ich es merke, zu den Neigungen und den Gefühlen eines jungen Mannes über. Das ließ mich eine vage Unruhe wie eine peinliche Sensation empfinden und es scheint mir, als gehöre er mir nicht mehr so wie früher.“ (1)

Kaiser Franz Joseph war kein unbescholtenes Blatt mehr, als er seine Sisi das erste Mal näher betrachtete und sich entschied sie zu heiraten.

Rund um die Erzherzöge gab es „hygienische Damen“, welche extra ausgesucht wurden, um den jungen Männern die „Liebe zu lehren“. Graf Grünne übernahm die Auswahl für Franz Joseph, selbstverständlich nicht ohne Erzherzogin Sophie miteinzubeziehen. Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen. Bei Franz Joseph war es eine reife, üppige Dame aus Krems.

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen Foto: Wikimedia/Commons

Eine brisante Äffäre hatte Kaiser Franz Joseph wohl 1848 mit Elisabeth Gräfin von Ugarte (*14.5.1822, †26.8.1896) welche bereits verheiratet war. Franz Joseph zu dem Zeitpunkt 18 Jahre alt, verliebt sich während einem Faschingsball in jene Gräfin. Der Hof tuschelte enorm, als Franz Joseph ihr auf den folgenden Hofbällen sämtliche Tänze schenkte und sogar zweimal den Kotillon mit ihr tanzte. Sie berichtet einer Freundin: „…..da ich jedes Mal mit unserem deliziösen Kaiser tanze. Schon zweimal tanzten wir den Kotillon zusammen, was, wie Du Dir denken kannst, großes Aufsehen erregte und ma petite vanité doch etwas schmeichelte.  Ich bin, so wie alle, entzückt von unserem allerliebsten Monarchen, der alles, was man sich Gutes, Edles denken kann, in sich vereinigt.“ (2)

Hofdame Sophie Scharnhorst notierte: „Der Kaiser tanzte mit Ausnahme der Polka und Mazurka alles, engagierte seine Damen selbst mit der ihm angeborenen Courtoisie und machte jedesmal eine Glücklich. Zu diesen gehörte unsere kleine Ugarte, die er zur Kotillon-Tänzerin wählte. Sie strahlte vor Entzücken und ihr Gemahl war um sie beschäftigt wie die Henne mit den Kücheln.“ (3)

Als Franz Joseph besagte Gräfin auch noch „allein“ in die Hofburg einlud, war Erzherzogin Sophie einer Herzattacke nahe. Sie zitierte die junge, um 8 Jahre ältere Gräfin zu sich und legte ihr nahe Wien für immer zu verlassen. Gräfin Ugarte ist seitdem auch in der weiteren Literatur nirgends mehr zu finden.

In Olmütz, während der Revolution (1848), soll angeblich eine junge Dame der Grund gewesen sein, warum sich Franz Joseph immer gerne an diese Zeit im Exil zurückerinnerte. Näheres konnte ich auch mit besten Absichten nicht herausfinden.

Sophie hatte ab 1852 ernste Absichten ihren jungen Sohn, Kaiser von Österreich, standesgemäß und mit der besten Partie die sie finden konnte, zu verehelichen. Gefühle waren ihr dabei egal.

Prinzessin Anna von Preußen, Winterhalter 1858, Foto: Wikimedia/Commons

Sie ließ Kaiser Franz Joseph unter dem Aspekt „einer politischen Reise“ zu Tante Elise nach Berlin fahren. Wie bereits erwähnt, war Elisabeth eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika; somit die Tante von Kaiser Franz Joseph und der noch kleinen Sisi. Sie wurde mit Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen (*15.10.1795, †2.1.1861) verheiratet; die Ehe blieb kinderlos. Kaiser Franz Joseph verliebte sich dort in die Nichte von König Friedrich, Prinzessin Marie Anna Friedericke von Preußen (*17.5.1836, †12.6.1918), welche aber bereits mit Prinz Friedrich Wilhelm (*26.11.1820, †14.10.1884) verlobt war.

Prinz Wilhelm I, Foto: Wikimedia/Commons

So sehr sich Elise bemühte, den König und die preußische Regierung zu einem Bündnis mit Österreich durch Heirat, umzustimmen, sie scheiterte kläglich. Sophie schrieb ihrer Schwester einen herzzerreißenden Brief: „… ob es keine Hoffnung gibt, daß diese traurige Heirat, die man dieser reizenden Anna auferlegt und keinerlei Aussicht auf Glück für sie übrigläßt, vermeiden könnte. … das Glück, das sich wie ein flüchtiger Traum gezeigt hat und sein junges Herz – hélas – viel stärker und viel tiefer beeindruckt hat, als ich es zunächst glaubte….Du kennst ihn genug, daß man seinem Geschmack nicht so leicht entsprechen kann und ihm nicht die nächste beste genügt, daß er das Wesen lieben können muß, die seine Gefährtin werden soll …. Allen diesen Bedingungen scheint Eure liebe Kleine zu entsprechen….“ (3a) 

Es half alles nichts, Elise brachte die Hochzeitspläne im Haus nicht durch. Prinz Wilhelm, späterer Kaiser Wilhelm I (*22.3.1797, †9.3.1888) meinte zur Absage sogar: „Wir Preußen beglückwünschen uns, daß Österreich seine Unterwerfung in unserer Hauptstadt bezeugt hat, ohne daß wir nur einen Fußbreit politischen Boden preisgegebenen haben.“ (4)

Erzherzogin Elisabeth, Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog Karl Ferdinand, Foto: Wikimedia/Commons

Wirklich ernste Absichten hatte Kaiser Franz Joseph 1854 das erste Mal mit Erzherzogin Elisabeth Franziska Maria von Österreich-Este (*17.1.1831, †14.2.1903), der ungarischen Linie der Familie Habsburg. Doch Erzherzogin Sophie passte diese Verbindung überhaupt nicht, da sie mit den Ungarn nichts mehr zu tun haben wollte. Elisabeths (Halb) Bruder Erzherzog Stephan Franz Viktor von Österreich (*14.9.1817, †19.2.1867), Palatin von Ungarn, hatte sich während der 48er Revolution auf die Seite der Ungarn gestellt und wurde deshalb aus der Monarchie verbannt. Um Elisabeth und Franz Joseph nicht noch weiter auf dumme Gedanken zu bringen, verheiratete sie die junge Witwe kurzer Hand mit Erzherzog Karl Ferdinand von Österreich (*29.7.1818, †20.11.1874).

Was Sophie zu jener Zeit nicht ahnen konnte, aber mir im nachhinein ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert, ist die Tatsache, dass die Ehe mit Karl sehr glücklich wurde. Das Paar bekam 6 Kinder, u.a. jenen Erzherzog (Friedrich Maria) Albrecht (*4.6.1856, †30.12.1936), der später einmal Erzherzog Franz Ferdinand unverhofft zu seinem Glück verhelfen sollte. Erzherzog Albrecht heiratete Prinzessin Isabella Hedwig Franziska Natalia von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931) die jene Hofdame beschäftigte, die als Sophie Gräfin von Chotek oder später Fürstin Sophie von Hohenberg in die Weltgeschichte eingehen sollte. Die Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg können Sie hier nachlesen. Aber ich schweife ab…

Erzherzog Stephan, Foto: Wikimedia/Commons

Wilde Spekulationen gibt es bis heute auch rund um das Libényi-Attentat (mein Beitrag kann hier nachgelesen werden). Angeblich hat Kaiser Franz Joseph in seinen jungen Jahren die Nähe der „Tänzerin“ Margit Libényi gesucht, weshalb es überhaupt zum Attentat(sversuch) kam. Margit Libényi soll die Schwester von Janos Libényi gewesen sein. Jenen Schneidergesellen, der den Attentatsversuch unternommen hat. Also ein Racheakt.

Die abstruse Geschichte, möchte ich euch im gesamten wiedergeben: „Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuches ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardars-Einlage dar. Der Kaiser ließ Erkundigungen über das Mädchen einholen und erfuhr, daß es eine Nichte des Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hieß und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stammte. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben.

Zu jener Zeit hatte einer der Brüder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog (Ferdinand) Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, das Libretto zu einer Oper verfaßt, deren Aufführung der Kaiser aber zu verhindern wußte. Angeblich hätte nun Erzherzog Max Kontakt zu dieser Tänzerin aufgenommen, ihr eine glanzvolle Tanzrolle in der Oper zugesagt für den Fall, daß es ihr gelänge den Kaiser umzustimmen. Es kam dann tatsächlich zur Aufführung des Werkes, die Künstlerin erntete mit ihrer Darstellung großen Beifall und wurde am Tag nach der Premiere zum Mitglied des kaiserlichen Balletts ernannt. Sie nahm einen Künstlernamen an und tanzte fortan unter dem Pseudonym Mizzi Langer.

Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel Aufruhr unter der Bevölkerung verursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der „Entehrte“ den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen.

Der weitere Verlauf ist bekannt: …

Beim folgenden Polizei-Verhör soll Libényi den wahren Grund des Attentats zugegeben haben.

Der Kaiser trennte sich in der Folge von der Tänzerin, nachdem er sie und ihre Mutter großzügig abgefunden hatte. Er bestand sogar darauf, den Attentäter zu begnadigen, was die Mitglieder der Regierung mit der Drohung ihres sofortigen Rücktritts verhinderten. Libényi wurde am Morgen des 26. Februar 1853 bei der Spinnerin hinter dem Galgen in der Erde verscharrt. (5)

Foto: amazon.de

Leider nennt die Autorin Gabriele Praschl-Bichler keinerlei Quellen, so dass dieser Text wirklich nicht ernst genommen werden kann.

Gisi Gruber, eine Romanautorin aus den 50er Jahren hat sich dem Thema mit einem Liebesroman angenommen. Vermag man den obigen kitschigen Text zu lesen, möchte man nun wirklich nicht mehr wissen, was Gisi Gruber aus dieser erfundenen Geschichte gemacht hat. Wer es trotzdem wagen möchte: das Buch ist antiquarisch noch erhältlich. 

Ubald Tartaruga (Edmund Otto Ehrenfreund), Foto: wien.gv.at

1922 (also 69 (!) Jahre danach) kam erstmals die These der Liebschaft mit Margit Libényi bzw. Mizzi Langer durch den ungarischen Autor Gyula Kemény auf den Tisch. Auch Oberpolizeirat und Kriminalschriftsteller Ubald Tartaruga (mit bürgerlichem Namen Edmund Otto Ehrenfreund) (*12.2.1875, †21.11.1941), wollte an kein politisches Attentat glauben. Sämtliche namhafte Historiker sind sich jedoch einig, dass dies Hirngespinste waren, die sich ein paar Leute „ausgedacht“ haben; dennoch geistert der Name Mizzi Langer immer noch durch die Literatur.

Paul Freiherr Gautsch von Frankenthum, Foto: Wikimedia/Commons

Der erste uneheliche Sohn von Kaiser Franz Joseph soll Paul Gautsch Freiherr von Frankenthum (*26.2.1851, †20.4.1918) gewesen sein, welcher nach dem Jusstudium ins Unterrichtsministerium wechselte und 1879 Unterrichtsminister wurde. Diesen Posten behielt er ungewöhnlich lange, nämlich bis 1893. Zusätzlich wurde er von Kaiser Franz Joseph zum Direktor und Kurator der Theresianischen Akadamie ernannt. 1895 ernannte ihn der Kaiser zum Herrenhausmitglied. 1895 – 1897 wurde er nochmal Unterrichtsminister. 1899 – 1904 wurde er Präsident des Obersten Rechnungshofes. Gautsch galt als „besonderer“ Vertrauensmann für Kaiser Franz Joseph. (5a)

Wer die Mutter dieses Freiherren gewesen sein soll, das bleibt uns Autorin Gabriele Praschl-Bichler leider (wieder einmal) schuldig. 

Helene Baltazzi, verh. Vetsera, Foto: Wikimedia/Commons

Auch mit Helene Baltazzi, besser bekannt als Helene Vetsera (*1847, †1.2.1925) soll Franz Joseph ein Techtelmechtel gehabt haben. Dies behauptet zumindest Autorin Gabriele Praschl-Bichler. Der Kaiser war 20 Jahre alt und seit 2 Jahren Kaiser. Nach dem Ende des Techtelmechtels, soll Helene eine Abfertigung von 3 Millionen Kronen erhalten haben. (5b)

Sehr großzügig für einen so sparsamen Menschen wie Kaiser Franz Joseph es war. Noch dazu als junger Kaiser, wo er auf die Gunst seines Onkels Ferdinand (*19.4.1793) angewiesen war; denn auch wenn dieser kein Kaiser mehr war, das ganze Geld und das gesamte Vermögen verwaltete dieser bis zu seinem Tod. Erst dann beerbte ihn Kaiser Franz Joseph in allen Belangen. Und Ferdinand starb erst im Jahre (29.6.) 1875. Ob also Erzherzogin Sophie bereit gewesen ist, einer Gespielin von ihrem Sohn so viel Geld auszuzahlen, ist mehr als fraglich. Naja, bilden Sie sich bitte ihr eigenes Urteil.

Nichtsdestotrotz wäre es insofern makaber gewesen, weil Helene auch mit dem blutjungen Kronprinz Rudolf „verkehrte“. Dieser nahm sich später mit der Tochter von Helene, Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) das Leben. Die Stilblüte, dass Kronprinz Rudolf sich absichtlich mit Mary das Leben nahm, weil sie seine Tochter gewesen sein soll, nimmt hier wieder ganz neue Ausmaße an. Aber ganz ehrlich: Glauben Sie das wirklich? 

Nach den ganzen Affären und Liebschaften, war es nun also an der Zeit zu heiraten und Sophie suchte fieberhaft nach einer neuen und geeigneten Kanditatin, die sie in Dresden zu finden glaubte.

Prinzessin Sidonie von Sachsen, Foto: Wikimedia/Commons

Prinzessin Maria Sidonie Ludovica (*16.8.1834, †1.3.1862) war die Auserwählte. Sie hatte Pech mit ihren Verehrern, die beinahe alle aus falscher Zugehörigkeit der Religion oder politischen Machtspielen, abgelehnt wurden. Auch Kaiser Franz Joseph wollte Sidonie nicht zur Frau. Der banale Grund: sie gefiele ihm nicht. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr.  Sidonie starb 27jährig unverheiratet an Typhus.

Sophie sah sich schlussendlich in ihrer eigenen Verwandtschaft nach jungen heiratsfähigen Prinzessinnen um. Das Ergebnis ist bekannt. Die beiden großen Berichte können hier  (Verlobung) und hier (Hochzeit) nachgelesen werden.

Die Ehe zwischen den beiden nehme ich in meinem 6. Beitrag über Kaiser Franz Joseph unter die Lupe, weshalb wir dieses Kapitel nun überspringen.

Kaiserin Elisabeth, Foto: dorotheum.com

Was genau der Auslöser 1859 für die sehr überstürzte Abfahrt von Kaiserin Elisabeth nach Madeira war, ist bis heute ungeklärt. Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um diesen plötzlichen Aufbruch. Die einen Biografen schreiben, es sei eine Lungenkrankheit gewesen – was aber nicht erklären würde, warum Elisabeth auf der Überfahrt schon ziemlich munter wirkte -, die anderen behaupten, die Krankheit hätte etwas mit einer Geschlechtskrankheit zu tun gehabt, da Kaiser Franz Joseph weiterhin fremdging und keine Rücksicht auf seine zartbesaitete junge Frau nahm. Auch mit ihr selbst soll er nicht zimperlich umgesprungen sein.

Was auch immer der Grund war, ab diesem Zeitpunkt wurde Elisabeth „erwachsen“ und entzog sich ihrem Mann immer mehr, so dass immer neue „Bekanntschaften“ seinen Weg kreuzten.

1863 traf er zum ersten Mal, auf Theresia „Reserl“ Pointinger (*8.4.1846 – 1928).  Was folgte, war eine fast 10jährige Liaison, aus der angeblich 4 Kinder entstammen sollen.

Theresia Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

Kaiser Franz Joseph weilte in Mondsee mit seinem Freund Otto Fürst von Wrede (*8.1.1797, †10.10.1871), um zu jagen. Der elterliche Hof auf dem Theresia lebte, war seit langem schon ein beliebter Gutshof für adelige Gäste. So war es nicht verwunderlich, dass er 1863 am Grauwitzgut auf die damals noch 17jährige aufmerksam wurde. Das eng geschnürte Mieder, ließ im Dirndl mehr erahnen, als der 17jährigen wahrscheinlich Recht gewesen wäre. Er war zu diesem Zeitpunkt ein Mann von 30 Jahren. Doch erst im Juli 1869 kam es zur schicksalhaften Begegnung. Reserl hatte sich bereits als 17jährige unsterblich in den Kaiser verliebt und träumte nachts sehnsüchtig von ihm. Als er dann tatsächlich im Juli 1869 auf der einsamen Eisenauer-Alm (im Sommer arbeitete sie auf der elterlichen Alm als Sennerin) erschien, erkannte sie ihn zunächst nicht. Als sie sich von dem Schock erholte, bat sie ihn in die spärlich eingerichtete Hütte. Der Jägersmann, der tatsächlich Kaiser Franz Joseph war, setzte sich artig neben sie und legte seine Hand in ihre: „Wie in Trance legt Reserl ihre zierliche Hand in die Hand des Kaisers, und als sie kurz darauf die warmen Lippen Franz Josephs auf ihrer Haut und ihren geöffneten Lippen spürt, ist ihre Leidenschaft, die sie jahrelang nur für ihn zurückgehalten hat, voll entbrannt.“ (6)

Ein zärtlicher und gefühlsbetonter Liebhaber soll er gewesen sein, der Franzl. Meint zumindest Theresia Pointinger, bzw. ihr Biograph Hubert Pointinger; denn Aufzeichnungen von Theresia gibt es keine. Das ganze ist eine Nacherzählung, einer Nacherzählung, einer Nacherzählung. Anna Nahowski sah das ganz anders. Aber ich greife etwas vor.

4 Kinder sollen der Affäre entsprungen sein:

Anton Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

 

Franziska Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

Matthias Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

Wilhelmine Buchwald, Foto: Hubert Pointinger

Anton Pointinger geb. 6.4.1870
Franziska Pointinger, geb. 1871
Matthias Pointinger, geb. 5.12.1872
Wilhelmine Buchwald, geb. 28.5.1877 (sie wurde Theresia als „eheliches“ Kind mit Wilhelm Buchwald geboren. Wilhelmine soll aber als Kuckuckskind dem Ehemann untergeschoben worden sein. Der tatsächliche Vater soll Kaiser Franz Joseph gewesen sein).

 

 

Hubert Pointinger Foto: Hubert Pointinger

Hubert Pointinger (*25.4.1961), der Verfasser von „Die Salzprinzessin“ ist der Ur-Enkel von Matthias Pointinger, der als einziger dieser Kinder überhaupt eine Familie gründete. Georg Markus und Hugo Portisch, zwei anerkannte Schriftsteller und Historiker haben Hubert Pointinger vorgeschlagen, eine DNA Analyse machen zu lassen. Georg Hohenberg, der Urgroßneffe von Erzherzog Franz Ferdinand, aus der Linie von Maximilian Hohenberg – die Geschichte zu dieser außergewöhnlichen Familie kann hier nachgelesen werden, hat sich für diese zur Verfügung gestellt. Dr. Christa Nussbaumer, „Allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige der forensischen Molekularbiologie“ stellte fest, dass Georg Hohenberg und Hubert Pointinger nicht verwandt sind. Ob also die 3 anderen Kinder von Kaiser Franz Joseph sind, ist sehr fraglich. Was generell an dieser Geschichte wahr ist, ebenso. Herr Pointinger jedoch hält eisern an seiner Version fest und betitelt sich selbst als Ur-Ur-Enkel des Kaisers. (7)

Im Jahr 1878 – Kaiser Franz Joseph hatte schon längst die Beziehung zu Anna Nahowski (ab 1875) aufgenommen -, endet die (angebliche) Affäre endgültig.

Dass Kaiser Franz Joseph aber auch seinen jeweiligen Geliebten nicht treu war, beweist die nachfolgende Geschichte. Währenddessen sein (angebliches) Gspusi mit Reserl noch im vollem Gange war, hatte  er noch zwei weitere Liebschaften in Wien.

Katharina Abel, Foto: DasPhotoquarium/ebay

1870/1 soll es Katharina Abel gewesen sein, die dem Kaiser im Ballett ins Auge stach. Autorin Praschl-Bichler berichtet, Abel sei dem Kaiser noch vor der Hochzeit begegnet und habe ihm vom Liebeskummer mit Gräfin Ugarte geheilt. (8)

Dies kann ich einwandfrei widerlegen. Katharina Abel (*22.2.1856, †6.3.1904) wurde erst lange nach der Affäre mit Gräfin Ugarte geboren. Sie wurde ab 1868 am Kärntnertortheater engagiert und war ab 1871 Mitglied der Hofoper. Von 1880 – 1892 war sie unter Direktor Carl Teile eine der beliebtesten Tänzerinnen. Mit den „Gaben“ des Kaisers konnte sie sich angeblich ein Haus auf der Wieden leisten. Da es zu Katharina kaum Literatur gibt, allerdings so ziemlich alle Biografen ihren Namen zumindest erwähnen, könnte an dieser Affäre etwas dran gewesen sein. Wie lange sie dauerte konnte mir leider keine noch so genaue Recherche offerieren.

Ebenso im Jahr 1870 war es Rosa Moskowitz die Franz Josephs Herz erreichte. Sie war Weißnäherin in der Wiener Hofburg. 3 Jahre soll die Affäre gedauert haben, als sie sich „plötzlich“ ins Privatleben zurückzog.

Hier geht die Literatur auseinander: während Katrin Unterreiner schreibt, dass Rosa später Andreas Graf Zichy heiratete, schreibt Praschl-Bichler, dass Rosa eine uneheliche Tochter namens Bobarle Margarete Braun bekam. (14) Diese habe später einen Graf Andreas Zichy geehelicht. Nach erfolgter Trennung, zog sie nach Paris und erhielt bis zum Jahr 1918 eine Rente von der österreichischen Botschaft. Danach ehelichte sie einen Amerikaner namens Miles. Miles war US-Repräsentant der Internationalen Handelskammer in Basel. Nach dessen Tod heiratet sie einen Herrn Rogers. (9) Leider führen sowohl Gabriele Praschl-Bichler, als auch Katrin Unterreiner keine Literaturverzeichnisse. Auch in der weiterführenden Literatur zu Kaiser Franz Joseph wird außer der Name von einer Rosa Moskowitz nichts weiter erwähnt. Schade, eigentlich…

Anna Nahowski, Foto: Wikimedia/Commons

Viel detaillierter  und aufschlussreicher ist da die Beziehung zu Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931) die durch ein (mittlerweile veröffentlichtes) Tagebuch ihre Beziehung notiert hatte. Anna soll das einzige Kind, das jemals „öffentlich als geheime Tochter von Kaiser Franz Joseph anerkannt worden ist“, geboren haben: Helene Nahowksi, verheiratete Berg. Aber beginnen wir von vorne:

Es war der 8.5.1875, als um 6.00 Uhr morgens Anna, damals gerade einmal 15 Jahre alt und mit einem „Haderlump“ verheiratet, im Park vom Schloss Schönbrunn ein stattlicher „Offizier“ begegnete, der ihr auffallend auf die Oberweite starrte und sie musterte. Selbst beim Auseinandergehen, drehte sich der hübsche Offizier um: Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mann in mittleren Jahren – 45. Ihr Dienstmädchen Lini teilte Anna mit, dass es sich nicht um einen „Offizier“ per se, sondern um den Kaiser persönlich handelte. Sie errötete und da sie in ihrer Ehe unglücklich war, suchte sie ab sofort täglich beim frühen Spaziergang den Kaiser – und fand ihn auch.

Am 24.6.1875 notiert sie in ihr Tagebuch: „Ich saß auf einer Steinbank mit Lini im Wald, der Kaiser kam des Weges u. setzte sich auf die nächste Bank. Nach einigen Minuten stand Er auf u. kam auf mich zu. Mein Herz schlug hörbar. Er blieb vor mir stehen, salutierte u. sagte: „Sie gehen aber fleißig spazieren.“ Ich stand von der Bank auf während Röthe mein Gesicht überflog. Ja Majestät, es ist so schön, sagte ich in meiner Verwirrung. „Sie wohnen gewiß am Land, hier in der Nähe?“ frug Er weiter.
Nein, in Wien, sagte ich. „Was? so weit frug Er, da müssen Sie ja schrecklich früh aufstehen? Um 4 das bin ich schon gewöhnt, ich gehe immer sehr früh spazieren. Wo wohnen Sie? frage Er. Am Neubau, meine Antwort. Sie werden alle Tage hier sein? Ja täglich wenn es schön ist. Er nickte mit dem Kopf, salutierte u. ging. Nun hab ich seine blauen Augen genug gesehen u. sie gefallen mir! Wie dumm ich doch bin, sollte ich in Ihm verliebt sein, nein, es eben der Kaiser der mir gefällt. Es schmeichelt mir, daß ich Ihm gefalle.“ (10)

Am 26.6.1875 kam es zum ersten Kuss. Kitschiger hätte es nicht sein können: im Regen. Auch die darauffolgenden Tage kam Anna nach Schloss Schönbrunn um mit dem 45jährigen Kaiser „zu knutschen“. Wie ein Wahnsinniger soll er gewesen sein; oft durchnässt, da es schüttete, und immer allein. Die Begegnungen wurden immer intensiver, sogar das Kleid machte er ihr einmal auf, um sie „näher betrachten zu können“ und reagierte beleidigt, weil Anna nicht weitergehen wollte. Inmitten der Abgeschiedenheit des Tiroler Parks, ihr Dienstmädchen bewachte derweil die Wege. Anna quälten die Gewissensbisse, dennoch war sie verliebt. 3 Jahre dauerte es, bis es zum ersten Akt kam.

Es flossen die ersten Gelder, sie ordnet ihre Verhältnisse und im Jahre 1879 zieht sie in die Nähe von Schloss Schönbrunn, damit der Kaiser sie nun täglich besuchen konnte. Sie solle kein Mieder anhaben, wenn er komme und am besten „bereit im Bett liegen“, so die Aufforderung. Anna haderte im Tagebuch mit sich selbst, macht aber dann doch alles so, wie „Er“ es will. Sie lässt sich von ihrem ersten Ehemann scheiden und heiratet Franz Nahowski.

Alban und Helene Berg, Foto: absw.at

Anna bekommt 4 Kinder. Tochter Carola ist mit Sicherheit von ihrem ersten Ehemann. Jedoch die 3 anderen Kinder Anna, Helene und Franz Joseph sind von großem Interesse. Tochter Anna  dürfte tatsächlich eine „richtige“ Nahowski gewesen sein; allerdings waren auch hier Gerüchte im Umlauf. Anna selbst schreibt aber, dass „sie dasselbe Gesicht wie der Nahowski“ hat. (11f)

Beginnen wir bei Sohn Franz Joseph. Er kommt am 10.12.1889 zur Welt. Seit dem Tod von Kronprinz Rudolf (†30.1.1889) hat Kaiser Franz Joseph Anna nicht mehr besucht. Er hatte längst die Beziehung mit Katharina Schratt aufgenommen und diese gegen Anna eingetauscht.

Anna Nahowski (stehend) mit ihren „Kaiserkindern“: Helene (sitzend) und Franz Joseph (sitzend, dahinter), Foto: PressReader, Kurier

Auch wenn sich einige Biografen sicher sind, dass Franz Joseph – benannt nach seinem Vater (allerdings hieß auch Annas Ehemann Franz) (11) -, nicht von Kaiser Franz Joseph abstammen konnte, so dachte es dieser Zeit seines Lebens selbst. Franz Joseph war ein sehr begabter Maler, aber leider schon von jeher von labiler Gesundheit. Schon früh musste er immer wieder in psychiatrische Einrichtungen.
Zum 100. Geburtstag (18.8.1930) von Kaiser Franz Joseph schnitt er sich in der Kapuzinergruft mit einem Rasiermesser den kleinen Finger ab. Er deponierte diesen „als Sühne“ auf den Sarkophag des Kaisers.
Er kam mit der Diagnose Schizophrenie in die Irrenanstalt Steinhof, welche er für sehr lange Zeit nicht mehr verließ. Nach seiner Entlassung zog er sich in das steirische Landhaus von Helene Berg zurück, wo er schließlich 1942 in ihren Armen starb. Behalten wir Franz Joseph trotzdem noch im Gedächtnis. Ich komme noch einmal auf ihn zurück.

Helene Berg, Foto: mugi.hfmt-hamburg.de

Wenden wir uns also jetzt der „Tochter“ zu. Helene Berg wurde am 29.7.1885 in Wien geboren. 1906 lernte sie Alban Berg (*9.2.1885, †24.12.1935), einen berühmten Komponisten, kennen. Helene und Alban heirateten schließlich 1911. Sie galt als die Tochter von Kaiser Franz Joseph, obwohl sie offiziell als Tochter von Franz Nahowski geboren wurde. Anna hatte Zeit ihres Lebens niemals öffentlich über ihre Affäre gesprochen; auch das Tagebuch war fest verschlossen und wurde erst nach dem Tod von Helene (†30.8.1976) geöffnet. Und obwohl Anna keinen Ton über die Vaterschaft darin verlauten ließ, gilt Helene bis heute als die einzige wahre uneheliche und in der Gesellschaft anerkannte Tochter von Kaiser Franz Joseph. Sowohl Anna, als auch Helene und später Alban haben die Gerüchte niemals dementiert oder gar zerstreut.

Hans Lebert, Foto: Bildarchiv ÖNB

Über Tochter Anna (*20.1.1883, †?), konnte ich leider nichts weiter in Erfahrung bringen. Nur, dass sie einen Herrn Lebert geheiratet und einen Sohn namens Johann, genannt Hans geboren hatte. Hans Lebert (*9.1.1919, †20.3.1993), ein bekannter Schriftsteller, ist im Buch von Hugo Portisch und Georg Markus zu finden. Dort liest man von 2 Kindern von Kaiser Franz Joseph und Anna Nahowski. „Eine DNA-Analyse“ wie im Fall Pointinger war hier nicht nötig. Die Indizien und Beweise sprechen für sich.“ (11a) Eine Anna Lebert findet sich auch in der Biografie von Alban Berg wieder, welche an seinem Sterbetag bei ihm war. (11b)

Hans Lebert erzählt, dass der Neffe von Alban Berg, Erich Alban Berg ein Tonband besaß. Auf diesem ist vom 18.2.1973 die Stimme von Helene Berg zu hören. Sie erzählt: „Dem Franzl hat er eine Uhr geschickt, der Kaiser, da war in Email das Jugendbild vom Kaiser drauf, das lange, schmale Gesicht, wie es auch der Franzl g’habt hat…“ (11c)
Mit „Franzl“ ist hier Sohn Franz Joseph gemeint, also Helene’s Bruder. Also jener Bruder, der sich später den Finger abschnitt und ins Irrenhaus gebracht wurde. Sehr merkwürdig, finden Sie nicht?

Weiter heißt es: „Später, da waren wir schon erwachsen, sind wir die Maxingstraße hinaufgegangen nach Haus, die Mama in der Mitte, und da ist der Kaiser mit dem Tschako an uns vorbeigefahren – und den hat’s gerissen. Da ist er die ganze Zeit bis zur Gloriettegasse, wo er eingebogen ist, verkehrt gesessen und hat uns nachgeschaut.“ (11d)

Diese – von Helene Berg persönlich beschriebene Szene – findet sich auch in der Biografie von Anna Nahowski wieder: „Es war im Jahr 1902 und ich komme mit meinen Kindern Anna u. Helene v. der Stadt u. gehe die Maxingstr. hinauf nachhause. Ein wunderbarar Trapp den ich nur zu gut kannte, lies mich nach rückwärts schauen. Der Kaiser im offenen Wagen allein kam uns nach. Sah mich u. die Kinder freundlich an, u. setzte sich sofort in eine andere Stellung, um den Kopf nach rückwärts gedreht nach uns zu sehen bis Er in der Gloriettegasse einbog.“ (11e)

Ich möchte daran erinnern, dass das Tonband von Helene Berg mit ihrem Neffen Erich im Jahre 1973 aufgenommen wurde. Das Buch über die Affäre von Anna Nahowksi und Kaiser Franz Joseph wurde von Friedrich Saathen im Jahr 1986 veröffentlicht. Dieses beinhaltet – bis auf ein Vorwort – nur Originalzitate aus dem Tagebuch. Es ist hier also gut möglich, dass Helene, dieselbe Szene sehr lebendig vor Augen hatte, als sie über diese mit ihrem Neffen sprach. Immerhin war sie zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Jahre alt.

So romantisch wie die Geschichte zwischen der 15jährigen Anna und dem 45jährigen Kaiser Franz Joseph begann, so nüchtern und abrupt endete sie. Kaiserin Elisabeth wusste Zeit ihres Lebens nichts von Anna. Kaiser Franz Joseph achtete stets penibel darauf, wenn Kaiserin Elisabeth anwesend war, dass kein Treffen zwischen ihm und Anna stattfand. Wenn sie sich „zufällig“ im Park begegneten, wandte er stets gelangweilt den Blick ab.

Fridrich Freiherr von Mayr, Generaldirector der Ah. Privat und Familien Fonde bittet um einen gütigen Besuch in seinem Bureau/Hofburg Schweitzerhof/zu einer amtlichen Besprechung. (12) So lautete die nüchterne Visitenkarte die Anna von ihrem Dienstmädchen erhielt. Als Anna Freiherr von Mayr tags darauf aufsucht, wird ihr ein Schriftstück zum Unterzeichnen vorgelegt. Vorher darf sie noch jede x-beliebige Summe nennen, die sie möchte. Die Affäre wurde lapidar beendet. Anna Nahowski wählte klug: 200.000 fl  – damit hatte sie ausgesorgt. 

Das Schreiben, welches sie unterzeichnete lautete: Ich bestätige hiermit daß ich am heutigen Tag 200.000 fl als Geschenk von Seiner Majestät den Kaiser erhalten habe. Ferner schwöre ich, daß ich über die Begegnung mit Seiner Majestät jederzeit schweigen werde. Anna Nahowski Wien, 14.5.1889 (13)

14 Jahre einfach gestrichen aus Franz Josephs Leben. 

Dass zu diesem Zeitpunkt Katharina Schratt bereits in Kaiser Franz Josephs Leben getreten war, wusste Anna. Es kränkte sie sehr, zumal Kaiser Franz Joseph an den Fenstern von ihr vorbei musste, um zum Haus von Katharina zu kommen. Anna ist sogar mehr als wütend, als Katharina die Frechheit besitzt, bei den Nahowskis nachzufragen, ob sie das Haus verkaufen würden.

Bis zu seinem Lebensende hoffte Anna auf ein Zeichen oder eine Erklärung. Sie bekam sie nie. Anna kam weder über die Affäre, noch über seinen Tod hinweg. Zeit ihres Lebens liebte sie ihn bedingungslos, was ihre Ehe zur Hölle werden ließ. Franz Nahowski trank im Überfluss und misshandelte seine Frau schwer. Anna leidet und liebt trotzdem. Auch als „Er“ (sie schreibt immer „der Kaiser“ oder „Er“ in ihr Tagebuch) längst tot ist. Anna überlebte Kaiser Franz Joseph um 15 Jahre. Sie liegt am selben Friedhof wie Katharina Schratt. Eine Fügung des Schicksals, dass sogar im Tode ihre Erzfeindin in ihrer Nähe ist. 

Katharina Schratt, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) ist die letzte (zumindest von der die Nachwelt weiß) und die bekannteste Affäre von Kaiser Franz Joseph.

Bis heute halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass er diese sogar heimlich geheiratet habe. Im History Magazin vom Kurier kann man folgendes dazu lesen: „Viel Staub wirbelte die Frage auf, ob der Kaiser „die gnädige Frau“, wie sie genannt wurde, miteinander verheiratet waren, zumal das Erzbischöfliche Ordinariat im März 1938 das „Trauungsbuch für Gewissensehen“ (=Geheimehen) vernichtete. Weil die Kirche damals Indiskretionen durch die eben einmarschierenden Nazis befürchten musste, gibt es keinen schriftlichen Beweis für die vielfach vermutete Eheschließung. Sehr wohl aber Aussagen durchaus glaubwürdiger Zeugen, denen die Eintragung vor der Vernichtung des Buches zu Augen kam. Einer, der das bestätigte, war der bekannte Politologe Norbert Leser. Und für den profunden Habsburg-Kenner Adam Wandruszka gab es „aufgrund der Fakten keinen Zweifel, dass Franz Joseph und Katharina Schratt verheiratet waren“. (13a)

Jeder darf glauben und behaupten was er möchte. Ich werde das nicht weiter kommentieren.

Zar Alexander III, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schratt, wie sie im Wiener Volksmund genannt wurde, begegnete Kaiser Franz Joseph zum ersten Mal auf einem Ball. Als Burgschauspielerin und prominentestes Mitglied des Hofburgtheaters war sie zu allen großen Festen Wiens eingeladen. Der „Ball der Industriellen“ war 1885 also eine Art Pflichtveranstaltung für beide. Kaiserin Elisabeth sah Katharina Schratt bei einem Souper mit dem russischen Zaren Alexander III (*26.2.1845, †20.10.1894), da die anwesenden Künstler nach der Theatervorstellung zu diesem geladen wurden. Dabei fiel Kaiserin Elisabeth auf, dass Katharina Schratt ähnliche Interessen hatte, wie ihr Ehemann. Da sie annahm, dass ihr Ehemann einsam sei und auch um sich selbst zu befreien, förderte sie ab sofort die Beziehung mit dieser. Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt bereits 55 Jahre alt, die Schratt 32.

Kaiserin Elisabeth konnte sich jedoch in ihren Gedichten mit Spott und Hohn nicht zurückhalten. Sie nannte die Schratt „dicklich“ und spottete in ihren Versen über den verliebten Oberon (Gestalt aus dem Sommernachtstraum, Shakespeare).

Dein dicker Engel kommt ja schon
Im Sommer mit den Rosen. 

Fantasiegestalt „Oberon“ nach Shakespeare, Foto und Illustration: Melissa Findley

Gedulde Dich, mein Oberon! 
Und mach nicht solche Chosen! 

Sie bringt sich mit ihr Butterfaß, 
Und läßt sich Butter bereiten, 
Sie macht mit Cognac die Haare naß
Und lernt am End noch reiten. 

Sie schnürt den Bauch sich ins Korsett, 
Daß alle Fugen krachen. 
Hält sich gerade wie ein Brett
Und „äfft“ noch andre Sachen. 

Im Häuschen der Geranien, 
Wo alles so fein und glatt, 
Dünkt sie sich gleich Titanien, 
Die arme dicke Schratt. (13b)

Dieses Gedicht hat Gräfin Marie Larisch-Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940) überliefert und dürfte – laut Brigitte Hamann – echt sein. Kaiserin Elisabeth hat dieses Spottgedicht allerdings nicht in ihr Gedichtbuch aufgenommen. Ein anderes allerdings schon:

Was Ob’ron treibt, das kümmert nicht Titanien, 
Ihr Grundsatz ist: Einander nicht genieren. 
Frist einer Disteln gerne und Kastanien, 
Sie selber will sie ihm offrieren (13c)

Katharina Schratt stellte sich jedoch als Glücksfall für den Kaiser heraus. Bald schon wurden tägliche Spaziergänge vereinbart und sie folgte ihm auch nach Ischl und an den Wolfgangsee. In Ischl wurde eine Villa gekauft, die ca. einen 20minütigen Fußmarsch erforderte; aber beide nahmen diesen gerne in Kauf.

Der alternde Kaiser blühte auf. Er war – wahrscheinlich – das erste Mal in seinem Leben glücklich. Auch wenn die Schratt weitere Affären nebenbei unterhielt, so war sie ihm stets eine loyale Freundin. Kaiser Franz Joseph dürfte von den Affären geahnt haben, denn in den ca. 900 Briefen die erhalten sind, reagiert er manchmal ziemlich eifersüchtig.

Aus heutiger Sicht konnten der Schratt 3 Affären nachgewiesen werden:
Graf Johann (Hans) Wilczek (*7.12.1837, †27.1.1922)
König Ferdinand I von Bulgarien (*26.2.1861, †10.9.1948)
und ihr junger Schauspielkollege Viktor Kutschera (*2.5.1863, †20.1.1933)

Hans Graf Wilczek, Foto: Wikimedia/Commons

König Ferdinand I von Bulgarien, Foto: Wikimedia/Commons

Allerdings kühlte sich das Verhältnis nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth merklich ab und 1900/1 gab es gar keinen Kontakt, da sie mit dem Kaiser stritt. Doch ohne Katharina konnte Kaiser Franz Joseph auch nicht mehr und so fingen die beiden wieder an, sich unzählige Briefe zu schreiben bzw. stundenlang spazieren zu gehen.

„Unter all den Menschen, die sich nach den strengen höflichen Vorschriften bewegten und in vollendeten diplomatischen Formen irgendwelche schwer erkennbaren Ziele verfolgten, unter all den Menschen, vor denen man mehr oder minder auf der Hut sein mußte, auch wenn sie offizielle Berater waren, begegnete dem Kaiser ein Mensch, der so redete, wie ihm der Schnabel gewachsen war, der nichts von ihm wollte, dem gegenüber man sich selbst auch ungezwungen geben durfte, ohne etwas zu vergeben. Welche Labsal für den Vereinsamten! Und dieser Mensch hatte die wunderbare Gabe, fesselnd zu plaudern und den Kaiser mit vielem vertraut zu machen, das ihm auf seiner einsamen Höhe unbekannt geblieben war.“ (15)

Viktor Kutschera, Foto: Wikimedia/Commons

Bis heute ist ungeklärt, ob die beiden nun auch eine leidenschaftliche Beziehung gehabt haben, oder ob das Ganze rein platonisch war. Nun, ich persönlich denke, dass hier mehr im Spiel war. Denn wer diese Geschichte gelesen hat, wird merken, dass Franz Joseph ein sehr umtriebiger Mann gewesen ist. Und mit Verlaub: Auch mit 55 Jahren ist ein Mann noch kein altes Eisen.

Beweisen lässt es sich heute natürlich nicht mehr, jedoch gibt es zahlreiche Hinweise aus den Briefen. 

„Unendlich glücklich macht mich die Mittheilung, daß Eure Majestät von mir träumten – wie gerne möchte ich in Wirklichkeit während der Nacht am Bette Eurer Majestät sitzen. Gedankenküsse auf Hand und Mund.“ Kaiser Franz Joseph schreibt zurück: „…, daß Sie mir im Bette Audienz erteilen, wie Sie es mir halb und halb versprochen haben.“ (16)

Katrin Unterreiner schreibt: „Katharina Schratt wurde zwar nicht im Testament Franz Josephs bedacht. Kürzlich entdeckte Verfügungen des Kaisers, wonach Katharina Schratt 2,5 Millionen Kronen – umgerechnet ca. 11 Millionen Euro – zusätzlich zu ihrer kostbaren Schmucksammlung und einem Ringstraßenpalais erhielt, sprechen jedoch eine deutliche Sprache – und sind bei einer reinen Freundschaft kaum vorstellbar. (16a)

Auch ein „Beweis“ sind die Zeilen über die „stille Woche“, wie sie Kaiser Franz Joseph nennt. Die „stille Woche“ ist in diesem Fall die Menstruation die natürlich die junge Schratt noch hatte. Katharina lag in diesem Fall die ganze Woche in ihrem Bett. Schlecht dürfte es ihr dabei nicht gegangen sein, denn in einem Negligé empfing sie sehr wohl den Kaiser. Franz Joseph schreibt darüber, dass diese Stunden sehr gemütlich und vertraulich waren. 

Die Briefe von der Schratt sind nicht vollständig erhalten, jedoch die Briefe an die Schratt. Wer sich mit ihnen beschäftigt, wird bemerken, dass sie nach und nach offener werden. Schreibt Kaiser Franz Joseph zu Beginn noch „Meine gnädige Frau“, wird dies zu „Meine liebe gnädige Frau“ und dann zu „Meine liebe Freundin“. Er ist immer per Sie und unterschreibt immer mit „Ihr treu ergebener Franz Joseph“.

Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiserin Elisabeth gegenüber erwähnt Kaiser Franz Joseph die Schratt in fast jedem Brief. Sie wird „die gute Freundin“ genannt und in einem dieser bittet Kaiser Franz Joseph Sisi keinen Kurvorschlag an Katharina zu machen, da sie (Sisi) sowieso schon so mitgenommen aussehe und „die gute Freundin“ sich dazu verleiten ließe, trotzdem mitzumachen. An Katharina wendet er sich mit der Bitte, die Kaiserin nicht genau zu betrachten, da sie verherrend aussehe und er fordert sie auf, das Thema Gesundheit nicht anzuschneiden.

Aus diesen Zeilen entnimmt man, dass Franz Joseph von seiner „Engels-Sisi“ nicht los kam und Katharina dies auch unverblümt mitteilte. Die Schratt eiferte Kaiserin Elisabeth in allem nach: Figur, Frisur, Kleidung – sie konnte sie nicht einmal ansatzweise erreichen.

Wer sich eingehend mit den Briefen von Franz Joseph an Katharina Schratt beschäftigen möchte, kann dies im Buch von Brigitte Hamann machen. Ich picke mir einen heraus, den ich einfach entzückend finde, weil es im Prinzip um Nichtigkeiten geht, aber viel über den privaten Kaiser aussagt:

„Ischl, den 16. Juli 1891.
Heute, theuereste Freundin, wirklich nur ein paar Zeilen, um Ihnen für Ihren lieben, guten Brief vom 13. innigst zu danken, den ich Vorgestern hier erhielt und zu melden, daß ich, wenn Sie erlauben, Morgen um 9 Uhr Früh hoch, oder vielmehr niedrig zu Roß, denn es ist nur ein Ponny, vor der Felicitas, Einlaß bittend, erscheinen werde. Ich hoffe, daß die Stunde keine zu frühe ist, da ich denke, daß die lieben Jünglinge Ihnen leider nicht lange Zeit zum Ausschlafen lassen werden. Gestern Früh habe ich bereits den neuen Übergang über die Ischl von rückwärts inspicirt und bin bis zum versperrten Thürl vorgedrungen. Über das Pfandl auf der Poststraße zurückkehrend, sah ich das neue gegen Räuber, Mörder und sonstige Zudringliche bestimmte Gitter und die neuen Einfahrtsthore auf der Vorderseite des Hauses. Von den Bewohnern war Niemand zu sehen, nur auf dem offenen Fenster des Bubenzimmers standen Gimpel und Kanari. 
Wie ich mich auf das morgige Wiedersehen freue, können Sie wohl denken und indem ich Ihnen eine recht gute, wo möglich ruhige Nacht wünsche und in Gedanken unzählige Stricherln sende, bleibe ich Ihr treu ergebener 
Franz Joseph“ (17) (Anmerkung: Stricherln sind Busserl oder Küsse 17a)

Und mit diesen Stricherln, die Kaiser Franz Joseph gedanklich an Katharina sendete, beende ich nun den 5. Teil.

Wenn man die unehelichen Kinder nun zusammenzählt, käme man auf die Zahl: 8 Eine ungeheure Zahl, die stimmen könnte, wenn es denn beweisbar wäre.

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Friedrich Weissensteiner, Michael und Karl Vocelka, Brigitte Hamann, Katrin Unterreiner, Joseph Caché, Gabriele Praschl-Bichler, Hubert Pointinger, Hugo Portisch, Georg Markus, Friedrich Saathen, Hermann Mailler
Bildrechte: billerantik.at, Wikimedia/Commons, amazon.de, dorotheum.com, Hubert Pointinger, ebay.at/DasPhotoquarium, absw.at, mugi-hfmt-hamburg.de, PressReader Kurier, Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek, wien.gv.at, Melissa Findley 


Literatur Hinweise:

1 – S. 46 – 47, 2 – S. 66
Friedrich Weissensteiner
Ich sehne mich sehr nach dir – Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs
Amalthea, 2. Auflage 2012

3 – S 121
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1816
C.H.Beck, 1. Auflage 2015

3 – S. 25, 13b – S 511/12, 13c S. 512 
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea, 11. Auflage, 1992

4 –  S. 36, 5a S. 92
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916 Mythos und Wahrheit
Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006 (nur noch antiquarisch erhältlich) 

5, 5b – S. 162 – 164, 8 – S. 162, 9 – S. 164, 14 – S. 166
Joseph Cachée, Gabriele Praschl-Bichler
Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!
Amalthea, 1. Auflage 1994

6 – S. 31
Hubert Pointinger
Die Salzprinzessin: Die geheime Geliebte Kaiser Franz Josephs
Ueberreuter, 1. Auflage, 2007

7 – S. 101/2, 11a – S. 137, 11c – S. 140, 11d – S. 140
Hugo Portisch, Georg Markus
Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen
Amalthea, 1. Auflage, 2008

10 – S. 42, 43, 11 – S. 146, 12 – S. 141, 13 – S. 144, 11e – S. 151, 11f – S. 81
Friedrich Saathen
Anna Nahowski und Kaiser Franz Joseph
Hermann Böhlaus, 1. Auflage, 1986

11b – S. 217
Wolfgang Gratzer
Zur „wunderlichen Mystik“ Alban Bergs
Boehler Verlag, 1. Auflage, 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

15 – S. 90
Hermann Mailler
Frau Schratt
Steffel Verlag, 1. Ausgabe, 1947 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13a – S. 87, 16 – S 86, 87
History Geschichtsmagazin, Kurier
Kaiser Franz Joseph I – Zum 100. Todestag
nicht mehr erhältlich

16a – S. 112, 17a – S. 112
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph – Mythos und Wahrheit
Brandstätter Verlag, 1. Ausgabe, 2015 (Neuauflage)

17 – S. 251
Brigitte Hamann
Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt
Ueberreuter Verlag, 1. Ausgabe, 1992 (nur noch antiquarisch erhältlich)

 

 

Eine Tragödie, die traurigen Weltruhm erlangte.

Mayerling, wer kennt sie nicht die Geschichte über den Tod des Kronprinzen und seiner angebliche Geliebten?

Mehrfach wurden die letzten Tage des österreichischen Kronprinzen verfilmt. 1969 drehte man eine Version mit Omar Sharif als Rudolf und Catherine Deneuve als Mary in den Hauptrollen. Als Kaiserin Elisabeth besetzte man die weltberühmte Ava Gardner.

Mayerling

 Foto: @ORF/Kirch Media

Rudolf Prack schlüpfte zuvor, bereits 1956 in diese tragische Rolle.

An seiner Seite spielten Christiane Hörbiger-Wessely und Lil Dagover, die bereits zum 2. Mal die Rolle der österreichischen Kaiserin übernahm. 1931 spielte sie in „Elisabeth von Österreich“ die Titelrolle.

Kronprinz Rudolfs letzte Liebe

Im Bild: Lil Dagover, Rudolf Prack und Christiane Hörbiger. Foto: @orf.at

Max von Thun spielte 2006 in der 2 teiligen Neuverfilmung neben Klaus Maria Brandauer, der dieses Mal den Kaiser verkörperte.

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Sandra Ceccarelli, Max von Thun, Daniela Golpashin, Klaus Maria Brandauer, Francesca von Habsburg, Lothar Michael Proksch, Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, Kronprinz Rudolf Foto: @orf.at

Unzählige Bücher sind zu diesem Thema der österreichischen Geschichte verfasst worden. Von der Kriminalgeschichte bis hin zu Verschwörungstheorien, immer wieder dient die Tragödie von Mayerling als Thema für Neuerscheinungen.

Ebenfalls 2006 feierte das Musical „Rudolf“ Weltpremiere in Budapest.


 

Irgendwann stand fest, dass auch wir dem Jagdschloss einen Besuch abstatten würden. Ähnlich wie die Kaiserin bei ihrem ersten Besuch anlässlich des ersten Todestages, reisten auch wir dieses Mal mit einer ganzen Gruppe an diesen verwunschenen Ort.

Die Geschichte dieses sehr besonderen Tages möchte ich Euch heute erzählen. Dabei werde ich immer wieder historische Daten in meine Gedanken einflechten und bitte Euch, dies nicht als geschichtliche Dokumentation zu sehen, sondern einfach als das was es ist.

Meine Gedanken und Erinnerungen an Rudolf.

KronprinzRudolf_vonOesterreich(Naturaufnahme)

Foto: Wikimedia/Commons

 

Schon während ich früh morgens meine Haare zu flechten begann, ließen mich die Gedanken an Elisabeth und ihr „Bubi“ nicht mehr los.

101 Salutschüsse erklangen als man die Geburt des Thronfolgers feierte.

Der Kaiserin selbst teilte nach langer, schwerer Geburt mit den erlösenden Worten „A Bua, es is a Bua“ eine Hofdame mit, dass endlich nach den beiden Töchtern der langersehnte Thronfolger geboren wurde.

Was musste es wohl für sie bedeutet haben, endlich die Verpflichtungen gegenüber ihrem Mann und ihrem Volk, wie es die Erzherzogin bezeichnete, erfüllt zu haben?

Was in ihr vorging, als sie völlig erschöpft endlich den Buben sah, ist wohl nur für wenige nachzuvollziehen.

War es Erleichterung, Freude über den langersehnten Sohn oder Trauer darüber, ein weiteres Kind an die Schwiegermutter zu verlieren?

Es liegt mir fern das Verhältnis der Beiden zu beurteilen, oder gar eine historische Aufarbeitung über das Drama von Mayerling zu schreiben.

Ich möchte nochmals betonen, es sind lediglich die Gedanken, die ich mir an diesem Tag zu diesem Thema machte.

Rudolf_von_Österreich-Ungarn,_1862

Foto: Wikimedia/Commons,  Mit nur 2 Jahren trug Rudolf zum ersten Mal die Uniform

 

Mit 101 Salutschüssen hat sein Leben begonnen, mit nur einem Pistolenschuss sollte es auf tragische Weise enden.

Heutzutage kennt man Stillpsychosen und Wochenbettdepressionen, aber zur damaligen Zeit?

Wie kann eine kaum 20 jährige Mutter eine wirkliche Bindung zu ihrem Kind aufbauen, wenn man es ihr weg nimmt?

Wenn kurz zuvor ihre erste Tochter gestorben ist?

All das sind Fragen, die ich mir oft schon gestellt habe, manches Mal ist es aber auch einfacher, etwas aus der Ferne zu lieben.

Wenn man Briefe der Kaiserin an ihren Sohn liest, kann man durchaus meinen, sie liebte ihren Sohn.

Mir ist klar, dass viele hier anderer Ansicht sind, aber für mich steht  fest, dass sie ihn geliebt hat. Auf ihre eigene Weise.

Es ist oftmalig belegt, wie sehr der Kronprinz seine Mutter vergötterte, aber auch darauf will ich nicht wirklich eingehen.

Ich flocht Zopf und Zopf und begann meine Haare aufzustecken, während ich die Szene aus dem Musical vor Augen hatte. Der erwachsene Kronprinz betritt das Zimmer der Kaiserin, bittet sie um Hilfe und beginnt dann das Lied „wenn ich dein Spiegel wär….“

(Elisabeth das Musical – Wenn ich dein Spiegel wär, Michael Kunze & Silvester Levay)

Wie ähnlich waren sich die beiden wirklich? War ihr bewusst, wie sehr er gelitten hatte? Oder waren ihre Fluchten zum Teil auch nur die einzige Möglichkeit – die sie sah – um die „Erziehung“ ihres Sohnes nicht mit ansehen zu müssen?

In einigen erhaltenen Briefen nennt sie ihn „mein liebes Bubi“ selbst die Erzherzogin beschreibt den liebevollen Umgang und den guten Einfluss, den die Kaiserin auf die Kinder hatte.

So schreibt z.B. „das interessante Blatt“ 1889 nach dem Tod des Kronprinzen einen Satz des kleinen Rudi – wie die Wiener ihren Kronprinzen liebevoll nannten – der mich immer wieder berührt:

„der Kaiser nennt mich Rudi, die Mutter ruft mich Bubi und die anderen sagen kaiserliche Hoheit“   (1)

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Rudolf mit 5 Jahren Foto: Wikimedia/Commons

Maria Jose kam und begann mein Korsett zu schnüren, während meine Gedanken immer weiter kreisten.

Befreite die Geburt des Thronfolgers Elisabeth von ihren ehelichen Pflichten und ermöglichte ihr nun ihre so langersehnte Freiheit?

Dennoch meinte sie später einmal, wenn Rudolf wieder kommen würde, so würde sie sich ihn als Tochter und nicht als Kronprinzen wünschen. (2)

Hatte sie ihn wirklich im Stich gelassen, oder waren es einfach die Umstände, die es nicht erlaubten, den kleinen Prinzen mit derselben Liebe zu überschütten, wie seine jüngere Schwester?

Manches Mal ist es leichter aufzugeben, als zu kämpfen wenn der Gegner übermächtig ist.

Es ist leicht aus heutiger Sicht darüber zu urteilen, ob Elisabeth eine gute Mutter war oder nicht, aber wer fragt sich, wie es ihr dabei gegangen ist?

Franz Josef war als nicht gerade sehr zärtlicher Liebhaber bekannt, wie also hatte eine völlig überforderte und verängstigende 16-jährige all dies empfunden?

Woher stammte ihre lebenslange Abneigung gegen körperliche Nähe?

Vielleicht spielte ja all das auch eine Rolle bei dem Verhältnis zu Rudolf und Gisela?
Während ich vorm Spiegel stand und zusah wie Maria Jose mich Schicht für Schicht anzog, Haken um Haken meines Trauerkleides schloss, kamen mir immer mehr Details in den Sinn, die ich irgendwann und irgendwo einmal gelesen hatte.


 

Wir fuhren über die Landstraße Richtung Heiligenkreuz, ähnlich wie das Kaiserpaar es genau ein Jahr nach dem Unglück tat und ich erinnerte mich an Marie Valeries Worte, die in ihrem Tagebuch diesen Tag ausführlich beschrieb.

Man nahm an einer Messe, in dem inzwischen umgebauten Jagdschloss teil und besichtigte anschließend dann das Kloster, das der Kaiser gestiftet hatte. (3)

Mit welchen Gefühl muss sie in der Kirche gesessen und auf den Altar, an dessen Stelle zuvor das Bett gestanden hatte in dem man den Toten gefunden hatte, geblickt haben?

Unfähig zu weinen und leichenblass soll sie gewesen sein, die Kaiserin.

Geistig ihr „Bubi“ vor Augen und hadernd mit der eigenen Schuld.

Es war ein eisiger Tag, die Sonne schien und das Schloss in dem Rudolf hoffentlich auch schöne Stunden erlebt hatte, lag immer noch im leichten Nebel. Mitten im Wiener Wald, umgeben vom schönsten Jagdgebiet.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Die Mauern, die einst das Schloss umgaben, schützen nun das Kloster der Karmelitinnen vor der Außenwelt. Friedlich und still sieht es aus, das kleine Schlössl, in das der Prinz seine Gäste zur Jagd lud.

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Foto: Wikimedia/Commons

1886 erwarb Rudolf einige Gebäude in Mayerling und tauschte diese dann mit den Patern von Heiligenkreuz gegen die Gebäude neben der Laurentiuskirche mit dazu gehörigen zwei Häusern. (4)

1887 wurden größere bauliche Veränderungen durchgeführt und das Anwesen zum eigentlichen Jagdschloss mit nun 2 Trakten umgebaut. Der obere Teil bestand aus dem ehemaligen Gasthaus Eipeldauer, das zu Wohnräumen des Kronprinzenpaares umgebaut wurde.

Es gab einen ebenerdigen Dienertrakt und einen eigens nach der kleinen Erzherzogin benannten „Elisabeth Trakt“

 

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skizze Foto: @mayerling.de   1. Gasthaus Gratzer 
2. Villa (sogenanntes Coburg Schlössel) 
3. Pferdestall (von Rudolf erbaut) 
4. Mayerlinghof 
5. Garten (im französischen Stil) mit Teepavillion und Kegelbahn  
6. Jagdschloss 
7. Osttor (Haupteingang zum Schloss) 
8. Dienertrakt 
9. Nordtor 
10. Elisabethentrakt 
11. Laurenzi-Kirche 
12. Südtor (hier wurde Mary hineingeschmuggelt) 
bzw. S Sterbezimmer 
L Loscheks Zimmer 
E Entré-Zimmer 
von hier aus wurde die Tür aufgebrochen

Der Schlosshof bestand aus einem französischen Garten mit Springbrunnen. (5)

Unterhalb des Schlosses befand sich ein zweiter Garten mit einer überdachten Kegelbahn, die auch als Schießstand diente.

Wohnungen für die Hofdame der Prinzessin, die Jäger sowie für die Familie des Prinzen von Coburg befanden sich ebenso im Jagdschloss, wie Gästezimmer und ein Stall für die Pferde. (6))

Am 19. November 1887 wurde das Schloss eingeweiht, als Gäste waren das Kaiserpaar, das Ehepaar Coburg und einige Jagdfreunde von Rudolf geladen.

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Erzherzogin Elisabeth Marie. Foto: Wikimedia/Commons

In den beiden Jahren bis zu seinem Tod fanden hier nur 10 Jagden statt, Kronprinzessin Stefanie war lediglich 2 mal zu Besuch im Wiener Wald und die kleine Erszi einmal, allerdings ohne ihre Eltern!

 

Graf Hoyos war öfters zu Gast beim Kronprinzen, ebenso wie sein Schwager, Prinz Phillip von Coburg, der bei fast allen Jagden anwesend war.

Heute kommen ebenfalls wieder Gäste nach Mayerling, um das Jagdschloss zu besuchen. Gäste, die das Museum besichtigen und vielleicht das ein oder andere Gebet in der Kirche für den Kronprinzen sprechen wollen.

Statt dem Schlosstor empfängt heute ein modernes Besucherzentrum seine Gäste, um denselben das eine oder andere Souvenir zu bieten.

 

Mir selbst war dieses Eingangsgebäude zu modern, es passte nicht in „mein Bild“ von Mayerling.

Der leicht ansteigende Weg vom Besucherzentrum zur Kirche war in ein seltsames Schweigen gehüllt, unterbrochen nur durch das eine oder andere Schluchzen einer meiner Begleitungen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Ich muss gestehen, auch wenn ich schon an vielen Orten war, dieser hier hatte eine ganz besondere Aura wenn man es so nennen möchte.

In keinem anderen der Schlösser war für mich der Tod so greifbar wie hier.

Eine eigenartige Stille umfing dieses Gebäude, auch wenn hin und wieder Stimmen von Besuchern erklangen, so wirkten sie doch irgendwie fern und unwirklich.

Eskortiert von Husaren, die die Türen öffneten betraten wir die Kirche.

Man hatte im Mittelgang zwei Stühle bereitgestellt, auf die wir zuschritten.

Nur das Rascheln meiner Schleppe am Steinboden war zu hören, fast ein wenig gespenstisch wirkte die Szene.

Völlig in schwarz gehüllt, wie sollte es auch anders sein, gingen wir an den Bankreihen vorbei, die sich nach und nach mit unserem Gefolge füllten.

Es wäre mir unpassend erschienen, etwas anderes hier zu tragen als Trauer!

Somit war nicht nur ich, sondern an diesem Tag mein „gesamter Hofstaat“ in tiefer Trauer, um dem österreichischen Kronprinzen die letzte Ehre zu erweisen.

Der Begriff der „Hoftrauer“ ist was die Kleidung betrifft exakt festgelegt. Dazu zählt das Tragen von schwarzen Kleidern, schwarzen Schleiern und schwarzen Schmuck.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Schwestern erschienen, geschützt durch ihre Gitterwand, um den Gottesdienst beizuwohnen und die Glocken begannen zu läuten.

Der Kronprinz, der von klein auf an Jagden teilnahm und dadurch wohl eine der selten Möglichkeiten fand, Zugang und vielleicht auch ein wenig Zuneigung vom Vater zu bekommen, pflegte die Jagd als eines seiner liebsten Vergnügen.

Kaiser Franz Joseph I und Kronprinz Rudolf

Foto: @austriaforum.at

Je besser die Erfolge des kleinen Rudi wurden, umso mehr Lob erntete er dafür vom übermenschlich verehrten Vater!

 

Bereits mit 8 Jahren erlegte er seinen ersten Hirsch und nahm an der Seite des Kaisers an unzähligen Jagden teil.

Bald schon folgten Hochgebirgsjagden im Salzkammergut und der Hochsteiermark.

Sein Jagdprogramm wurde immer dichter, je mehr Einladungen des Hochadels folgten. So verbrachte er laut seinem Tagebuch von 365 Tagen im Jahr 1885 200 Tage im Revier!!!  (8)

Gegen Ende seines Lebens nahm allerdings diese Jagdleidenschaft zunehmend ab. Eine der letzten Jagden an denen er teilnahm, war an der Seite des Kaisers in Mürzsteg!

Österreichisches Staatsarchiv

Rudolf in Jagdkleidung. Foto: @österr. Staatsarchiv

Am 23. Jänner ging Rudolf das letzte Mal auf die Pirsch.


 

Am Samstag dem 26. Jänner teilte Rudolf seinem Leibjäger Püchel mit, dass er am kommenden Dienstag nach Mayerling fahren wolle, um auf Hochwildjagd zu gehen.

Am Sonntagabend fand anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. in der deutschen Botschaft ein großer Empfang statt, bei dem Kaiser Franz Josef, das Kronprinzenpaar und sämtliche Diplomaten erschienen.

Dieser Empfang sollte der letzte öffentliche Auftritt des Kronprinzen werden. (9)

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Stephanie und Rudolf bei ihrer Verlobung. Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Tag arbeitete der Kronprinz wie gewohnt und teilte nach einer Besprechung mit Oberstleutnant Albert Mayer seinem Leibjäger Püchel mit, dass er seine Pläne geändert und nun heute schon hinaus fahren wolle. (10)

Die genauen Umstände, wie Mary Vetsera an diesem Tag in die Hofburg kam und von dort aus mit Hilfe des Kutschers Bratfisch zu dem vereinbarten Treffpunkt gelangte, um in Rudolfs Kutsche Richtung Mayerling zu fahren, möchte ich nicht näher erläutern.

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Marie Alexandrine Freiin von Vetsera. Foto: Wikimedia/Commons

Den am nächsten Morgen eintreffenden Jagdgästen erzählte Rudolf jedoch von Schwierigkeiten bei der Anreise, dass sein Wagen hängen geblieben sei und er sich beim Anschieben scheinbar erkältet habe, wodurch er an der Jagd nicht teilnehmen würde.

Von der Anwesenheit der Baroness ahnten die hohen Gäste wohl zu diesem Zeitpunkt nichts. (11)


 

Über den Tathergang dieser Nacht, die wohl für immer die österreichische Geschichte veränderte, werde ich mich auch nicht weiter äußern, da es zu diesem Thema mehr als genug Lektüre gibt.

Was genau an diesem Morgen des 30. Jänner 1889 geschah bleibt Spekulation, aufkommende Gerüchte, die sich bis heute halten wurden nicht weiter dementiert und trugen zusätzlich zum Mythos Mayerling bei.

Die beiden einzigen Zeugen Loschek und Graf Hoyos widersprachen sich mehrfach in ihren Aussagen.

Während Prinz Coburg zur Bewachung im Schloss zurück blieb, eilte Graf Hoyos nach Wien, um die Todesnachricht zu überbringen.

 

Dabei wurde den Eltern zuerst die Version einer Vergiftung des Kronprinzen durch Mary Vetsera berichtet.

Erst am nächsten Morgen konnte, der nach Mayerling gerufene Dr. Widerhofer die tatsächliche Todesursache dem Kaiser am Nachmittag selbst mitteilen. (12)

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Foto: @41-42 stammtischlaa

 

Während bereits erste Zeitungen durch Sonderausgaben über den Tod des Kronprinzen durch Schlaganfall, einen Jagdunfall bzw. einem Herzanfall berichteten, machte sich eine Hofkommission auf den Weg nach Mayerling. (13)

 

In einen kupfernen Sarg gelegt, wurden die sterblichen Überreste des Kronprinzen mit der Bahn zurück nach Wien gebracht.

Die weibliche Leiche wurde erst am nächsten Tag untersucht.

 

Der Sonderzug des Kronprinzen kam am Südbahnhof an und wurde von dort in die Hofburg gebracht, wo Rudolf gegen 2 Uhr morgens in seinem Schlafzimmer aufgebahrt wurde.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Am Abend des 31. Jänner läuteten die Glocken der Laurentiuskirche, in der Abt Grünbeck eine Trauermesse für den verstorbenen Kronprinzen in Mayerling zelebrierte (14)

Die Anwesenheit der 17 jährigen Mary Vetsera wurde der Öffentlichkeit verschwiegen und man setzte sie still und leise im Beisein von Graf Stockau und Alexander Baltazzi am Ortsfriedhof von Heiligenkreuz bei. (15)

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Grab Mary Vetsera, Friedhof Heiligenkreuz Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Die Messe nahm ihren Lauf und in meinen Gedanken lief dieser Tag weiter. Mit welchen Worten teilte der Graf der Kaiserin den Tod Rudolfs mit, die wiederum zum Kaiser ging, um ihm vom Tod des einzigen Sohnes zu berichten.

Wie nun die Kaiserin diese Tage verbrachte, nachdem man ihr den Tod ihres zweiten Kindes mitteilte beschreibt Marie Valerie in ihrem Tagebuch.

Was sie jedoch empfand, bleibt nur zu erahnen. Gibt es für eine Mutter etwas Schlimmeres als ihr Kind zu Grabe zu tragen?
Im Fall von Elisabeth war es nun das zweite Mal, dass sie in dieser Situation war.

Ob es nun die Tränenausbrüche der Schwestern, oder die stoische Ruhe des gebrochenen Vater war, gelitten haben sie wohl alle. Jeder für sich. Jeder auf seine eigene ihm mögliche Art.

Selbst Stefanie ergoss sich für kurze Zeit in Entschuldigungen und Tränen, wirkte aber kurze Zeit darauf zum Entsetzen der restlichen Familie kalt und distanziert. (16)

Genau ein Jahr nach dem Selbstmord des einzigen Sohnes kniete die Kaiserin an der Stelle, an der nun auch ich mich zum Gebet niederließ.

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Altar Mayerling, Foto: @christine kubec

Während der teilweise lateinischen Messe machten wir uns wohl alle unsere eigenen Gedanken zu diesen schicksalhaften 30 Jänner.

Was treibt einen Menschen dazu, sein eigenes Leben zu beenden?

Wie aussichtslos muss einem die Lage erscheinen in der man sich befindet, um diesen letzten Schritt zu tun?

Ist Selbstmord überhaupt jemals rational erklärbar?

Selbst die hinterlassenen Abschiedbriefe geben keinen wirklichen Anhaltspunkt über das Warum.

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Foto: @planet-vienna.com – Abschiedsbrief an Stephanie

Rudolf wurde zuerst in seinen Gemächern, streng nach Protokoll und später auch in der Hofburgkapelle aufgebahrt, um dem Volk für 2 Tage die Gelegenheit zu geben, sich zu verabschieden. 

Während in Wien nun die kaiserliche Familie den aufgebahrten Kronprinzen ein letztes Mal besuchte, beschreibt Marie Valerie wieder ein für mich berührendes Detail.

Gisela beugte sich über Rudolf, um ihn auf die Lippen zu küssen. Ein Zeichen der tiefen Liebe der beiden Geschwister. (17)

Gisela war es auch, die ihren Vater am 5. Februar zur Trauerfeier in der Kapuzinerkirche und anschließenden Beisetzung in der Kapuzinergruft begleitete, während die Kaiserin, sowie auch die Kronprinzessin, unfähig an diesem teilzunehmen, mit Erzherzogin Marie Valerie in der Josefikapelle  blieb um zu beten. (23)

Begräbnis von Kronprinz Rudolph

Begräbnis von Kronprinz Rudolph
Vor der Kapuzinergruft.
05.02.1889 Foto: @bildarchiv.austria.at

Kann man es ihr verdenken? Der Gedanke hinter dem Sarg des eigenen Sohnes herzugehen, ist vermutlich für jede Mutter unvorstellbar.

Aus Respekt zu den Toten verstummten die Kanonen an diesem Tag, die vor beinahe 30 Jahren die Geburt des Kronprinzen verkündeten, statt dessen läuteten die Glocken des Landes, in dem man tagelange Messen abhielt, um für die Seele des Kronprinzen zu beten.

In der Zeitung „das interessante Blatt“ wurde die Bestattung sehr eindrucksvoll beschrieben.

Auch das von Otto bekannte „Anklopfritual“ an der Kapuzinergruft ist zu Zeiten Rudolf nicht dokumentiert.

Nach Auskunft der Kapuziner Gruft hatte es auch bei Franz Josef nicht stattgefunden. 

Das ganze Land trauerte um den geliebten Kronprinzen der für Liberalität und Fortschritt stand. „Kaiser Rudolf wird der Zeit entgegen gehen“ lautet eine Textzeile aus dem Musical Elisabeth und damit ist vielleicht alles gesagt. (19)


 

Der Pater, vor dem wir immer noch knieten, rief Heilige und Seelige an, um für die Vergebung der Sünden zu bitten.

Fast als wäre man bei einer Totenmesse eines Angehörigen fühlte es sich an, die gedrückte Stimmung breitete sich immer weiter aus und am Ende war ich ehrlich gesagt froh, diesen Ort bald verlassen zu können.

 

Bereits wenige Tage nach dem Unglück stand der Beschluss des Kaisers fest, aus dem Jagdschloss einen Ort zu machen, an dem Tag und Nacht für die Seele des Prinzen gebetet würde.

Er gab den Auftrag zur Errichtung des Klosters.

Die Wahl der Ordensgemeinschaft fiel auf die unbeschuhten Kameliterinnen. Franz Josef selbst legte im Stiftungsbrief des Klosters fest, dass die Schwestern täglich für das Seelenheil des Kronprinzen zu beten haben.  (20)

In den ersten Seiten der Klosterchronik steht geschrieben, die Schwestern wollen Jesus Christus anbeten und ehren, um dadurch die Beleidigungen Gottes gut zu machen und diese zu sühnen, welche hier geschehen sind. (21)

Der Gottesdienst näherte sich seinem Ende und die Schwestern, die hinter der vergitterten Wand ihren Platz eingenommen hatten, verließen die Kirche wieder.

Kleider raschelten, Säbel klirrten und wir erhoben uns immer noch schweigend, um ebenfalls diesen denkwürdigen Ort zu verlassen.

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Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

Franz Josef selbst verließ Mayerling nach seinem ersten Besuch im Kloster am 2. November 1889 mit den Worten „Ich kann Ihnen nicht genug empfehlen, für meinen armen Rudolf zu beten“ (22)

Kaiser Franz Josef war insgesamt 8 Mal in Mayerling zu Besuch bei den Ordensschwestern, vier Mal war Kaiserin Elisabeth an seiner Seite.

Nach der Ermordung der Kaiserin, kam Franz Josef nie wieder in das Jagdschloss im Wiener Wald.

 

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Jagdschloss Mayerling – heute Kloster der Kamelitinnen. Foto: Sternenkaiserin.com – Sisi

 

Ein Jagdschloss wird zum Kloster.

Da die Zellen der Kamelitinnen ganz schlicht und einfach ausgestattet sind, wurden sämtliche Parkettböden, Kamine und Holzlamperien herausgerissen.

Unverändert bis heute blieb das Treppenhaus mit der Eichenholzstiege.

Der sogenannte „Elisabeth Trakt“ sollte zum Quartier für die kaiserliche Familie bei möglichen Besuchen dienen, daher wurde das bereits schadhafte Dach erneuert und die Zimmer mit dem nötigsten eingerichtet.

Im ehemaligen Dienertrakt entstanden die Klosterküche und das Refektorium.

Der Garten wurde vergrößert und mit einer hohen Mauer umgeben.

Der Teepavillion des Prinzen blieb unverändert erhalten und ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Das Schlafzimmer wird zur Kirche!

Das Sterbezimmer und die angrenzenden Räume wurde abgerissen und auf einem Grundriss von 7.3 x 14m eine neugotische Kirche erbaut.

Der Hochaltar wurde auf Wunsch des Kaisers direkt an der Unglücksstelle errichtet.


 

Schweigend verließen wir diesen Ort, der eine oder andere mit Tränen in den Augen, um unseren Tag fortzusetzen. Einen Tag, der alles verändert hatte, der Türen schloss und Neue öffnen sollte.

Nur eines wird bleiben, die Erinnerung an Rudolf…..

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Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (vollständiger Vorname Rudolf Franz Karl Joseph; * 21. August 1858 auf Neues Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war staatsrechtlich Kronprinz des kaiserlichen Österreich (Cisleithanien) und des königlichen Ungarn. Wie alle habsburgischen Prinzen trug er, den Hausgesetzen des Hauses Habsburg-Lothringen entsprechend, den Titel Erzherzog, im Ungarischen: főherceg, und war mit Kaiserliche und Königliche Hoheit anzusprechen. Bild: @planet-vienna.com

 


 

Ich bedanke mich beim Stift Heiligen Kreuz und dem Karmel Mayerling für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme der Bilder.

Mein Dank gilt auch meinen Damen, die mich an diesem Tag begleitet haben, ganz besonders unserer Maria José, die die Aufgaben einer Zofe an diesen Tagen übernommen hat.

Außerdem möchte ich mich auch bei meinem treuen Husar Alois bedanken, der mir stets mit Rat und Tat in militärischen Dingen zur Seite steht!

Mein Dank geht ebenfalls an das Team der Kapuziner Gruft, das mich mit wertvollen Informationen unterstützte!

~Sisi~

 


 

Textrecht: Sisi

Bildrechte:

ORF/Kirch Media, ORF.at, austriaforum.at, österr. Staatsarchiv, 41-42 stammtischlaa, planet-vienna.com, sternenkaiserin.com – Sisi, Christine Kubec, Mayerling.de

Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

Literaturhinweise:

Nummer / Seite:

4 – S48, 5 – S59, 6 – S60, 7- S61, 8 – S62, 9 – S63, 10 – S64, 11 – S65, 12 – S70, 14 – S71. 15 – S72, 20 – S81, 21 – S82, 22 – S83, 23 – S93

Diplomarbeit von Peter Rückl 2002

„Mayerling im Verlauf seiner Geschichte“

(von der Laurentius-Kapelle zum Karmel St Josef)

Eingereicht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Theologie der fachtheologischen Studienrichtung

Betreuer: Univ. Prof DDr Floridus Röhrig CanReg

 

1, 13, Das interessante Blatt, separat – Ausgabe, 2. Februar 1889 – ÖNB 

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth, Marie Valerie von Österreich, Herausgegeben von Martha und Horst Schad, Piper Verlag gmbH München Zürich, 6. Auflage – Juli 2011 

2 – S 168, 

17 – S169, 

23 – S174

Textauszug Elisabeth das Musical – Die Schatten werden länger, Silvester Levay & Michael Kunze: 19

Verlobung Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 4)

Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? Als Sissi (Romy Schneider) ihre Angelroute auswirft und sich der Angelhaken in Kaiser Franz Josephs Rock verfing, sind wohl 1 Million Frauenherzen geschmolzen. Das – gerade der Verlobungsakt – in den Sissi Filmen so gut wie gar nichts mit der Realität zu tun hatte, möchten wir heute hier erzählen.

Es jährt sich jedes Jahr am 18.8. nicht nur der Geburtstag seiner Majestät, sondern auch die Verlobung von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth Herzogin in Bayern. Elisabeth sollte gar nicht Kaiserin werden, vorgesehen war Helene, genannt Néné, Herzogin in Bayern (*4.4.1834, †16.5.1890). Erzherzogin Sophie suchte schon längere Zeit eine geeignete Heiratskandidatin, scheiterte aber an politischen bzw. persönlichen Interessen des Kaisers (dazu mehr in Teil 5). 

Helene Herzogin in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Somit suchte sie in ihren eigenen Reihen und die Wahl fiel auf Néné, welche sehr gebildet und dem Alter entsprechend reif war. Um die Fahrt so unverfänglich wie möglich auszusehen zu lassen, nahm Ludovika ihre 15jährige Tochter Elisabeth mit, welche ihr gerade schwere Sorgen bereitete. Sisi hatte sich unstandesgemäß in Graf Richard Schwarzenberg verliebt, welcher ihr den Kopf gehörig verdreht hatte. Um sich den jungen Mann aus dem Kopf zu schlagen, wurde dieser aus Sisis Umfeld entfernt, kam allerdings schwer krank zurück und verstarb wenig später. Sisi war untröstlich.

Sie schrieb Wehklagen in ihr Tagebuch:

Die Würfel sind gefallen,
Ach, Richard ist nicht mehr!
Die Trauerglocken schallen –
Oh, hab Erbarmen, Herr!
Es steht am kleinen Fenster
Die blondgelockte Maid.
Es rührt selbst die Gespenster
Ihr banges Herzeleid. (1)

Elisabeth, 15jährig Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog Karl Ludwig, 1850 Lithographie Josef Kriehuber, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth verfiel wegen Richard in tiefe Melancholie. Um sie von dieser zu kurieren, nahm Ludovika die kleine Sisi mit auf die Reise, die ihr ganzes Leben und das aller Beteiligten für immer verändern sollte. Weiters hoffte Herzogin Ludovika, dass Erzherzog Karl Ludwig die Wunden heilen könne. Die beiden schrieben sich seit der Begegnung in Innsbruck (1848) Briefe und tauschten kleinere Geschenke aus. Darunter auch 2 Ringe. Sie hoffte inständig, dass eine Verlobung mit Karl Ludwig nicht ausgeschlossen sei. Die Zuneigung der beiden, war im Grunde nicht zu übersehen. Allerdings war Sisi ob dem ständigen „Karl Ludwig – Gerede“ seitens ihrer Mutter genervt und blockte das Thema immer mehr ab. 

Elisabeth Ludovika, Königin von Preußen, Firmpatin Elisabeths Foto: Wikimedia/Comm

Bereits in den ersten Augusttagen weilte Königin Elisabeth von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873) zu Besuch in Schloss Schönbrunn und fuhr am 6.8.1853 nach Bad Ischl. Königin Elisabeth, war sowohl von Herzogin Ludovika, als auch von Erzherzogin Sophie eine Schwester. Gleichzeitig war sie die Patentante von Elisabeth Herzogin in Bayern.

König Leopold II, „der Teufel vom Kongo“ Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Marie Henriette, Bild Franz Xaver Winterhalter, Foto: Wikimedia/Commons

Sophie musste aufgrund ihrer Verpflichtung als Firmpatin bei der Hochzeit von Erzherzogin Marie Henriette (*23.8.1836, †19.9.1902), die am 10.8.1853 per procura Herzog Leopold, welcher später König Leopold II von Belgien (*9.4.1835, †17.12.1909) wurde und als „Teufel vom Kongo“ in die Geschichte einging, anwesend sein (übrigens: die beiden wurden die Eltern von Kronprinzessin Stephanie). Sie folgte am 13.8. nach. Zwischenzeitig hatte sich die halbe Verwandtschaft in Ischl versammelt; auch die Brüder Karl Ludwig und Viktor Ludwig waren bereits vor Ort. Kaiser Franz Joseph folgte am 15.8. nach.

 

Am 16.8.1853 kamen Ludovika, Helene und Elisabeth verspätet in Ischl an. Ludovika litt an schweren Migräneattacken und musste die Reise unterbrechen. Zu allem Unglück des Zuspätkommens, waren die Kammerfrauen, mitsamt dem Gepäck in ein schweres Unwetter geraten und mussten ebenfalls die Reise unterbrechen. Als Ludovika jedenfalls mit ihren Töchtern endlich in Ischl eintraf, war von den Kammerfrauen und dem Gepäck weit und breit nichts zu sehen. Das Unglück nahm seinen Lauf.

 

Hotel Austria, Bad Ischl – heute Museum Foto: Wikimedia/Commons

Da eine Tante kurz zuvor verstorben war, reiste die herzogliche Familie in Trauerkleidung. Lediglich eine Kammerfrau von Erzherzogin Sophie half im Hotel Austria die Kleider einigermaßen zu entstauben und die Frisuren zu richten. Vor allem Néné sollte hergerichtet werden, während Sisi ihre Haare selbst frisierte und sich diese zu einfachen Zöpfen flocht. Sophie schreibt ihrer Zwillingsschwester Marie Königin von Sachsen: „Welche Anmut und Grazie die Kleine in all ihren Bewegungen hatte, desto mehr, da sie sich so gar nicht bewußt war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer … war Sissy reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid.“  (2)

Néné wirkte in ihrem Kleid und der Frisur altbacken und langweilig. Sekunden, die über ihr Leben entscheiden sollten, denn Kaiser Franz Joseph verliebte sich auf den ersten Blick – in Sisi.

Souvenir des Verlobungspaares Foto(montage): W. Hain (Der Kaiser wurde größer gemacht).

Erzherzog Karl Ludwig, der eigentlich mit Sisi verlobt werden sollte, hielt eifersüchtig fest: „In dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, daß man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde.“ (3) 

Elisabeth als Verlobte, Foto: Wikimedia/Commons

Sisi ahnte von dem gar nichts, sie war so verängstigt durch das steife Protokoll dieses Treffens, dass ihr nicht auffiel, dass sich Kaiser Franz Joseph um seine Braut in spe nicht kümmerte und nur mit ihr sprach.

Am 17.8.1853 schwärmte Kaiser Franz Joseph bei seiner Mutter Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Frühstück. Sophie notiert in ihr Tagebuch: „Der Kaiser schwärmte: „Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine aufspringende Mandel, welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren.“ (4)

Sophie versuchte ihren Sohn auf Néné aufmerksam zu machen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Helene ins rechte Licht zu rücken, es war nichts mehr zu ändern. Die anwesende Königin Elisabeth von Sachsen war höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Als Patentante freute sie sich ungemein, dass Elisabeth das Herz von Kaiser Franz Joseph erobert hatte.

Elisabeth als Verlobte, Foto: Wikimedia/Commons

Die Sache sollte am Abend am Ball vor aller Augen seine Wirkung nicht verfehlen. Helene wurde in ein weißes Ballkleid geschnürt, mit Efeukranz auf ihrer Stirn, was etwas zu bieder aussah. Sisi trug ein rosa-weißes Kleid, was wiederum sehr kindlich wirkte. Kaiser Franz Joseph tanzte keinen Tanz, auch nicht mit Sisi. Sophie bat Flügeladjutant Freiherr Hugo von Weckbecker (*1820 – †1903) daraufhin, Elisabeth zum Tanz aufzufordern. Weckbecker flüstert nach dem Tanz Flügeladjutant Maximilian O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.7.1895) zu: „Mir scheint, ich habe jetzt mit unserer künftigen Kaiserin getanzt.“ (5)

Als Kaiser Franz Joseph endlich um den Tanz – den Kotillon – bei Sisi bat, wussten alle im Raum Bescheid. Nach dem Tanz übergab der Kaiser ihr das Bukett. Alle Augen waren auf die kleine Prinzessin gerichtet, die immer noch nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie genierte sich für diese Aufmerksamkeit in Grund und Boden.

Franz Joseph hielt Promenade und bat danach seine Mutter bei Ludovika vorzufühlen, ob Elisabeth „ihn haben wolle“. Er bat allerdings ausdrücklich, dass man Sisi nicht zu der Entscheidung zwingen soll, da das Los mit ihm verheiratet zu sein, kein leichtes werden würde. Sophie tat dies ab und gab Ludovika Bescheid, die wiederum Elisabeth davon in Kenntnis setzte. Elisabeth sei angeblich „entsetzt“ gewesen, dass der Kaiser „sich für ein so unbedeutendes Wesen, wie sie eines sei, interessiere“, (6) um später zuzugeben: „Ich habe den Kaiser so lieb, wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (7)

Ob diese Überlieferungen aus den Tagebüchern echt ist oder auch nur „von Gefühlen der Mütter“, welche sicherlich übermannt waren, stimmen, ist eine bloße Auslegungssache. Man ist versucht, den romantischen Aspekt zu glauben, jedoch ist es überliefert, dass Ludovika mehrmals auf die Situation ihrer Tochter Sisi angesprochen, den Satz: „Einem Kaiser gibt man keinen Korb“, wenig Sinn für Romantik und Liebe einhaucht.

Am 18.8.1853 wurde in Ischl bekannt, dass sich Kaiser Franz Joseph mit Prinzessin Elisabeth verlobt hatte. Der kleine Ort, war außer Rand und Band.

Siriuskogel, Foto: Wikimedia/Commons

Schnell wurde am Siriuskogel ein Feuerwerk aufgebaut, mit den Initialen FJ und E. Am 19.8.1853 erschien das Paar gemeinsam im Hotel, um mit der Familie zu frühstücken, wobei sehr viele Glückwunschbekundungen zu meistern waren. Das Idyll war nur auf Seiten der Mütter und Franz Joseph groß. Sisi war zutiefst verunsichert und ängstlich. Jahre später schreibt sie: „Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (8)

Ludovika notiert: „Es ist so ein ungeheures Glück und doch eine so wichtige und schwere Stellung, daß ich in jeder Beziehung sehr bewegt bin. Sie ist so jung, so unerfahren, ich hoffe aber, man hat Nachsicht mit dieser großen Jugend! … Tante Sophie ist gar so gut und lieb für sie, und welch ein Trost für mich, sie einer so lieben Schwester als zweyte Mutter übergeben zu können.“ (9)

Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes Foto: Peter Füssl

Erinnerungstafel an den Besuch des höchsten verlobten Paares des Landes Foto: Peter Füssl

Um 11.00 Uhr zog die Familie und die Gemeinde in die Pfarrkirche und ein Raunen ging durch die Menschenmenge, als Erzherzogin Sophie bei der Eingangspforte stehen blieb und ihrer Nichte den Vortritt ließ. Als zukünftige Kaiserin Elisabeth, war sie die erste Frau des Landes. Erzherzogin Sophie hatte ab sofort erst nach ihr einzutreten. Sisi war vollkommen überfordert mit dieser Situation und bekam vor Angst kaum ein Wort heraus. Franz Joseph erbat beim Pfarrer, den Segen für seine Braut und sich.

Danach fuhr man nach St. Wolfgang und Hallstatt, wo auch das Dinner eingenommen wurde. An den Besuch in Hallstatt erinnert eine Erinnerungstafel.

Karl Ludwig Graf von Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph war überschäumend vor Glück, als er seiner jungen Braut, beschützend den Militärmantel überhing und ihr in der untergehenden Abendsonne die Landschaft und Berge erklärte. So romantisch dies klingen mag, aber der gesamte Familientross war hinter dem Paar. Tante Elisabeth (Königin von Preußen), Tante Sophie und natürlich Graf Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884), guter Freund des Kaisers und Obersthofmeister.

Am 19.8. wurde das Feuerwerk entzündet, das Brautpaar stand dazu am Balkon vom Hotel Austria in Bad Ischl (heute Museum).

Am 20.8.1853 wurde Herzog Max per Telegramm verständigt, auch beim Papst wurde um die schriftliche Dispens angesucht.

Elisabeth und Kaiser Franz Joseph beim Spaziergang, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

In der Zwischenzeit versuchte Franz Joseph seiner jungen verängstigten und überaus schüchternen Braut, die Angst zu nehmen und versuchte, nur noch ihr vertraute Personen in ihre Nähe zu lassen. So fuhr nicht der Kutscher die Kutsche, sondern Graf Grünne lenkte diese, der ihr in den wenigen Tagen bereits ein vertrauter Freund geworden ist. Dieses Verhältnis änderte sich abrupt auf Madeira, danach sollte sie mit Graf Grünne kein Wort mehr wechseln. Aber ich greife viel zu weit vor.

 

Kaiservilla Foto: sternenkaiserin.com

Am 31.8.1853 wurde in Salzburg „sehr zärtlich“ Abschied genommen. Elisabeth fuhr mit ihrer Familie zurück nach Bayern, Kaiser Franz Joseph fuhr mit seinem Tross zurück ins Schloss Schönbrunn. Erzherzogin Sophie kaufte die Mietvilla, welche sie als E umbauen ließ und fortan als „Kaiservilla“ berühmt werden sollte.

 

 

Wiener Zeitung, 8.9.1853, Foto: anno.onb.ac.at

Am 8.9.1853 wurde die Verlobung offiziell in der Wiener Zeitung bestätigt.

Johann Graf von Mailáth, Foto: oocities.org

Sisi wurde in Possenhofen auf ihre Hochzeit vorbereitet. Sie bekam Sprachkurse in böhmisch, kroatisch und der verhassten Sprache der Schwiegermutter in spe, ungarisch. Außerdem musste Sisi „österreichische Geschichte“ lernen, hierzu wurde ihr Historiker Graf Johann Mailáth (*5.10.1786, †3.1.1855) zur Seite gestellt. Der arme Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nahm sich schließlich am 3.1.1855 in Starhemberg das Leben. Sisi verehrte den alten Professor sehr, auch Ludovika, Néné und Gackel (Bruder Carl Theodor) nahmen an dem Unterricht teil, weil Mailáth die Stunden sehr fantasievoll und voller Leben gestaltete. Auch Jahre später sprach Elisabeth sehr gerne über ihren Professor aus ihren „Brauttagen“.

Wie sehr Graf Mailáth sie prägen sollte, bewies sie später in Wien, als sie den Wiener Hof und die steife Gesellschaft mit dem Ausspruch: „Ich hörte, daß die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“ (11) schockierte.

Sophie schrieb überschwenglich Briefe und ließ jedem an dem Glück ihres Sohnes teilhaben. Sie bat ihren Sohn Sisi auszurichten, dass diese nicht mehr reiten solle, da dies der zukünftigen Mutterschaft schaden könne. Franz Joseph überbrachte die Erziehungsmaßnahmen an seine Mutter wie folgt: „Ich habe, wie Sie es mir rieten, die Schwiegermama gebeten, daß Sisi nicht zu viel reiten möge, doch, glaube ich, wird es wohl schwer durchzusetzen sein, da Sisi es ungern aufgibt. Es schlägt ihr übrigens sehr gut an, denn sie hat seit Ischl noch zugenommen und sieht jetzt nie übel aus. Ihre Zähne sind auch, dank Ihrer Fürsorge, ganz weiß geworden, so daß sie wirklich allerliebst ist.“ (10) 

Das junge Paar, Foto: fuenfseenland.de

Mit den Zähnen hatte Sophie ein Problem. Sisis Zähne waren durch ihren (angeblichen) hohen Süßigkeiten Konsum schlecht beisammen. Sophie selbst hatte Probleme mit ihren Zähnen und legte deswegen sehr viel Wert auf das Putzen. Sie ließ Sisi Eisenpräperate zukommen, die diese einzunehmen hatte. Diese jedoch färbten die Zähne unweigerlich schwarz. 

Sisi litt ein Leben lang unter ihren schlechten Zähnen, weshalb sie den Mund beim sprechen nie ganz aufmachte und niemals lächelte. 

Weiters wurde an Sisi herumgezupft und gezogen: Schneiderinnen, Stickerinnen und Schumacher gingen fast Tag und Nacht im herzoglichen Haus ein und aus. Sisi musste stundenlang Modell stehen, was ihr langweilig und sie deshalb unruhig wurde. Der teure Schmuck der aus Wien eintraf, wurde in die Schublade verstaut, einzig der Papagei von Kaiser Franz Joseph, der ihr nach Bayern geschickt wurde, bereitete ihr Freude.

Sie schrieb traurig in ihr Tagebuch:

Lebet wohl, ihr stillen Räume,
Lebe wohl, du altes Schloß,
Und ihr ersten Liebesträume,
ruht so sanft in Seesschoß.

Lebet wohl, ihr kahlen Bäume,
Und ihr Sträucher, klein und groß,
Treibt ihr wieder frische Keime,
Bin ich weit von diesem Schoß. (12)

Insgesamt drei Mal besuchte Kaiser Franz Joseph seine Braut in Bayern. Die Fahrt war beschwerlich und lang. Es gab noch keine Eisenbahnverbindung Wien – München, so dass er von Wien nach Prag, Dresden, Leipzig, Hof und dann nach München reisen musste. Die Fahrt dauerte mehr als einen Tag.

Bei einem dieser Besuche, überreichte ihm Sisi ihr Verlobungsgeschenk. Stolz und hoch zu Roß, im Hintergrund Schloss Possenhofen, die Tauben am Fensterbrett markieren ihr Zimmer. 60 Jahre sollte es über seinem Bett hängen, bis er es seiner Tochter Erzherzogin Marie Valerie übergab. 

Sisi als 15jährige hoch zu Roß. Das Bild wurde am 27.4.2017 um € 1,54 Mil. versteigert. Foto: dorotheum.com

Beim selben Besuch, brachte Kaiser Franz Joseph mitten im Winter ein Bukett aus weißen Rosen mit – ein ungeheurer Aufwand für die damalige Zeit!

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph Foto: Wikimedia/Commons

Königin Maria Anna von Sachsen, Erzherzogin Sophies Zwillingsschwester. Lithografie von Franz Hanfstaengel, Foto: Wikimedia/Commons

Sisis Liebe zu ihrem Franz blühte auf und er bemühte sich redlich, alles erdenkliche zu Tun, um seine Braut glücklich zu machen. Einzig Ludovika zweifelte immer noch, ob Elisabeth den hohen Ansprüchen genügen wird können. Sie schrieb ihrer Schwester Königin Marie von Sachsen (*27.1.1805, †13.9.1877) : „Wenn ihm nur Sisi in Allem genügt, seine Liebe zu ihr macht mich sehr glücklich, und er scheint sie recht innig zu lieben.“ (13) Man ging gemeinsam ins Theater, dinnierte mit der Familie und unternahm Ausflüge in die nahe Umgebung. 

Sophie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt jedenfalls um die bevorstehende Hochzeit, ließ die Appartements in der Hofburg, Schloss Schönbrunn und Laxenburg einrichten und legte Wert auf Sisis Schmuck und Aussehen. Sie verbrachte Monate damit, die Wohnung des Paares geschmackvoll einzurichten. 

In der Zwischenzeit wurden die Verträge zur Eheschließung unterzeichnet. 

Als die Aussteuer in Wien ankam, spöttelte ganz Wien. Die Geschichte zur Hochzeit, kann hier nachgelesen werden. 

 

~ Marie ~

 


Textrechte: Marie Festetics, Brigitte Hamann, Ingrid Haslinger 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, dorotheum.com, fuenfseenland.de, anno.onb.ac.at, oocities.org, Peter Füssl
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise: 

1 – S 30, 2 – S 31, 3 – 4 – S 32, 5 – S 34, 6 – 7 – S 35, 8 – S 38, 9 – S 37, 11 – S 47, 12 – S 48, 13 – S 52 
Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

10 – S 153 
Ingrid Haslinger 
Erzherzogin Sophie Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 1. Auflage, 2016 


 

 

 

 

 

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an Sie richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – ein Teil von Sisis Hochzeitskleid – besichtigen. Unseren Beitrag finden Sie hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt. Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen. Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr. Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden. Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure Marie

 


Foto: @zeno.org

Wir gedenken heute der Tragödie vom 28.6.1914. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen. Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Wir werden nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.  Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren. Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und seiner 2. Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

 

Stammbaum Erzherzog Karl Ludwig, dessen Frauen und Kinder, Fotos: @Wikimedia/Commons 

Maria Annunziata Isabella Filomena Sabasia von Neapel-Sizilien Foto: @Wikimedia/Commons

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde. In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franz (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862, Foto: @habsburg.net

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde, war er 39 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franz war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand 3 und die kleine Margarethe erst 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Maria Theresa von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Maria war erst 17 Jahre alt, als sie mit dem 39jährigen Witwer Karl Ludwig verheiratet wurde. Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen.

Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie, Foto: @Wikimedia/Commons

Maria wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte 2 weiteren Mädchen (Maria Annunziata *13.7.1876, †8.4.1961 und Elisabeth Amalie Eugenia *7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder. Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte.

EH Maria Annunziata, Stiefschwester Foto: @Wikimedia/Commons

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte. Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

Schloss Artstetten Foto: @Privat

Franz und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf. Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) musste er und Otto über sich ergehen lassen. Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr. Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Badezimmer im Schloss Arstetten Foto: @Privat

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während sein Bruder Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind in vollen Zügen genoss. Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franz(i), der einfach zu ernst für sein Alter war.

Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.) Foto: @Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ. So wurde ein Schwimmteich – Swimmingpool – gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde vergrößert und angelegt und ein Badezimmer wurde eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit. Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

Gedenktafel, Enns Foto: @denkmalprojekt.org

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde. Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte: „Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Kronprinz Rudolf als Jugendlicher Foto: @oesta.gv.at

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden. Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte. Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Sisi intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz Ferdinand unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850, Foto: @comune.modena.it

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

Das Goldene Vlies, Foto: @habsburger.net

Seine Militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war. Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebraucht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

 

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war. Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880 Foto: @Wikimedia/Commons

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt: „Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2) Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf. Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor. Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

SMS „Kaiserin Elisabeth“ Foto: @Wikimedia/Commons

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung. Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan. In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen. Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs. Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit. Ein Teil ist im Schloss Arstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorischesmuseum in Wien.

MS Empress auf China Foto: @Wikimedia/Commons

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank. Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte. 1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Sophie, Gräfin von Chotek Foto: @Wikimedia/Commons

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte. Er lernte Hofdame Sophie, Gräfin von Chotek kennen.

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien. Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief: „Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

Dr. Viktor Eisenmenger Foto: @Wikimedia/Commons

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen. Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen. 1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Graf Leo von Wurmbrand, Foto: @JosefNovak33

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte. Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem „Frauenzimmer“ „das Handwerk legen wollte“ (4). Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte. Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

Erzherzog Otto „der Schöne“ Foto: @Antiquariat Futter

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen. Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag. Von Krankheit gezeichnet, wurde der Aufenthaltsort für Franz Ferdinand nach Ägypten bestimmt. Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen. Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut. Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt starb er schließlich am 19.5.1896 in Wien. Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man einen Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek

Kronprinzessin Stephanie Foto: @Wikimedia/Commons

EH Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester Foto: @Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen. Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung. Um diese zu erlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war. Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt. Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931). Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf. Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Graf Boguslaw von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren. Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896), ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

– Wolfgang Maria Karl Wilhelm Boguslaw Josef (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
– Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
– Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
– Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
– Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
– Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
– Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
– Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)

Erzherzogin Isabella Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt. Um die Kinder deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung. Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten. Sophie wurde an den Hof der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: @Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzogin Isabella glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen. Maria Christina war damals 16 Jahre alt. Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt. In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen. Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam. Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Erzherzogin Maria Christina Foto: @Wikimedia/Common

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte. Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Erzherzogin Isabella mit Hofdame Sophie Gräfin Chotek, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum Foto: @Privat

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger fürs Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden. Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei, eine verarmte Gräfin zu ehelichen. In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, Diener und jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Maria Theresa für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Godfried Marschall, Weihbischof Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut. Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt. Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph: „Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt. Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Prinzessin Ludovika von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie. Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen „in“ und „von“ wurde hier aufgearbeitet. Sisi wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre. Und das war die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen. Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln. Aber ich greife vor.

Hochzeitsfoto Sophie und Franz Ferdinand, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Hochzeit Sophie und Franz Ferdinand Foto: @Wikimedia/Commons

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben. Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe. Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4 (!)  Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“. Maria Theresa, Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und seine Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Ring von Gräfin Sophie, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger begangen hat. Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob. Somit wurde aus Sophie, Gräfin von Chotek, Sophie Fürstin von Hohenberg.

Ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen. Josephine von Hohenzollern Foto: @Wikimedia/Commons

Die Ehe danach war von Glück geprägt. Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

 

Stammbaum Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

Schloss Konopischt Foto: viator.com.de

Schloss Belvedere Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein. Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen. Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

Erzherzog Franz Ferdinand, Fürstin Sophie von Hohenberg, Tochter Sophie, Ernst (sitzend) und Max Foto ca. 1908 @Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah. Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein. Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt. Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte. Zumal er seine Sophie und seine Kinder als Thronerben und Kaiserin anerkannt hätte.

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren und Franz Ferdinand wusste, dass es Zeit war für ein mögliches Ableben an ihn und seine Lieben zu denken. Da er auch nach dem Tod von Sophie, die durch die morganatische Hochzeit nicht in der Kapuzinergruft beerdigt werden durfte, nicht getrennt sein wollte, begründete der die Familiengruft auf Schloss Artstetten. Sein totgeborener Sohn sollte der erste sein, der in der Gruft beerdigt werden sollte. Das seine Eltern nicht allzu lange danach folgen würde, konnte keiner ahnen.

Splitter der ersten Bombe die Fürstin Sophie traf. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf: „Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Mörder Gavrilo Princip Foto: @Wikimedia/Commons

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen. Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen. Das aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

Mit so einer Waffe wurde Fürstin Sophie und Erzherzog Franz Ferdinand erschossen. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Zuerst traf er Fürstin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers. „Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7), soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

Original Wagen, Heeresgeschichtliche Museum Wien, Foto: @Hemmings.com

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8) soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben. Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich. Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebten Kinder gerichtet gewesen. Auch Erzherzog Franz Ferdinand stirbt noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war. Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden. Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Die Ausschiffung der Särge in Triest am 2.7.1914. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Nahaufnahme der Ausschiffung der Särge in Triest, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

 

Begräbnis mit dem Sarg des tot geborenen Sohnes zwischen den Eltern, 4.7.1914 Schloss Artstetten, Gruft. Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

 

 

 

 

 

 

 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt. Auch hier hat sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Arstetten zu begleiten. Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 51 Jahre, Fürstin Sophie von Hohenberg 46 Jahre alt.

 

~ Marie ~

 

 


Wer wissen will, wie es mit den Vollwaisen weiterging, liest hier weiter.

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch dreien Kindern Vater und Mutter.

Wunderschönes Gemälde der Kinder Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt und Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie. Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen. Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert. Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben. Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslang. Max ließ sich in Schloss Artstetten nieder, studierte Rechtswissenschaft und wurde Jurist. Ernst studierte Forstwirtschaft und ließ sich in der Steiermark, Radmer, nieder.

Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst: @Wikimedia/Commons

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

– Erwein Maximilian Franz Peter Paul Hubertus Konrad Maria (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
– Franz von Assisi Friedrich Ernst Leopold Josef Maria (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
– Aloys Karl Josef Maria (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
– Sophie Amalia Theresia Quirinia Henriette Lucretia Magdalena Maria Ignatia (*4.6.1929 – lebend)

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Hochzeit Max und Elisabetha  Foto: @Wikimedia/Commons

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

– Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
– Georg (*25.4.1929 – lebend)
– Albrecht Philipp Leopold Josef Andreas Hubertus Maria (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
– Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
– Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
– Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht. Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde. Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring. Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt. In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

 

Ernst und Marie Therese von Hohenberg Foto: @Wikimedia/Commons

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

– Franz Ferdinand Maximilian Georg Ernst Maria Josef Zacharius Ignaz (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
– Ernst Georg Elemer Albert Josef Antonius Peregrius Rupertus Maria (*1.3.1944 – lebend)

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max. Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht. Er wurde erst 1943 entlassen. 5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen. Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. Ernst durch die Strapazen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

 

~ Marie ~

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: @Privat, @Wikimedia Commons, @zeno.org, @Habsburg.net, @commune.modena.it, @JosefNovak33, @Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017, @Hemmings.com, @Antiquariat Futter 
Textrechte: Marie Festetics, Anita von Hohenberg, Christiane Scholler
Stammbäume: Marie Festetics


Literatur Hinweis:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber


 

Hochzeit Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 3)

Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853, Foto: Wikimedia/Commons

Wir feiern heute den Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, die mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Bad Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde. Mein Beitrag zur Verlobung kann hier nachgelesen werden. 

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt. Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, welche ebenfalls im Beitrag zur Verlobung nachgelesen werden können. Es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehepakt.

Direkt nach der Verlobung erhielt Sisi Heiratsgut im Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Weitere 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) wurde für die Absicherung für die Witwe vereinbart, vorausgesetzt Franz Joseph würde sterben. Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart. Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,34 Mil.) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein. Wie gut sie haushaltete, werden wir ein andermal aufarbeiten. Aber so viel sei erwähnt: Kaiserin Elisabeth richtete sich in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war. Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet. Sisi war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung weder komplett, noch für ein Kaiserhaus edel genug.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt. Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“. Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden (€ 9.380). Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits mit eingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf 60.000 Gulden (€ 804.000) geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Dabei besaß Sisi 4 Ballkleider, 17 Putzkleider, 14 Seidenkleider und 19 Sommerkleider. Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich: Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden (€ 4.020), Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil. Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich (€ 321,60) zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet. Mein Beitrag zum Unterschied „in“ und „von“ Bayern, gibt euch Aufschluss.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den 24.4.1854 angesetzt. Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn. Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth. Wien wurde herausgeputzt.

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns’re holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström‘ auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn

Text: Johann Gabriel Seidl

Am 20.4.1854 bestieg Sisi mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen. Sisi verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Max II und der gesamten Verwandtschaft. Sisi war in Tränen aufgelöst.

Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854,  Foto: Wikimedia/Commons

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz. Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr aufgeregt entgegen. Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten. Schwiegermutter in spe, Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein, als sie davon erfuhr. Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen die Etikette. Auch das Busserl, dass er vor Freude auf die Wange seiner Braut Elisabeth drückte, hätte nicht stattfinden dürfen. Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Bussln“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte seine zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm. Ein Theaterstück „Die Rosen der Elisabeth“ wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt. Die junge Braut war zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft, stand aber alle Huldigungen durch.

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich. Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Ankunft in Nussdorf, Foto: minichen.ungarnportal.org

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab. Die ganze Zeit musste Sisi am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken. Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen Sisi zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Sisi wieder ein Busserl auf die Wangen. Die Menschenschar raste vor Begeisterung.  Nie zuvor und nie wieder danach, wurde eine Braut so derartig huldvoll begrüßt und empfangen.

Und obwohl Sisi sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

„Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a) Diesen Satz soll Sisi gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat. Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird; was sie aber dachte, als sie all den Prunk und Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte, dazu die vielen Menschen die ihr alle die Hand küssen bzw. sie bestaunen wollten, ist leider nicht überliefert. „…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“ – diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk. Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde. Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert: „In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“ Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, kurz Gräfin Esterházy, Lithographie Josef Kriehuber, 1833, Foto: Wikimedia/Commons

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde, Foto: Wikimedia/Commons

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben. Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, † 17.6.1869) zur Seite gestellt. Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Sisi hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt. Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen. Sie behandelte Sisi wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte. Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, † 27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth. Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Prinzessin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt. Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Sisi bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde. Sisi trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Sisi war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein. Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Elisabethbrücke über den damals noch nicht regulierten Wien Fluss. Diese verband Wien „Innere Stadt“ und „Wieden“; Foto ca. 1895 Foto: Nationalbibliothek 

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke (wurde 1898 nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth demoliert) zur Karlskirche. Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft. Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen. Sisi schreibt in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym, Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los. Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt. Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.

 

 

 

Schleppe vom Brautkleid, als einziges komplett erhalten, Wagenburg Schloss Schönbrunn Foto: KHM Wien

Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme, Ausstellung Sisi-Schloss Aichach 2014 Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme, Ausstellung Sisi-Schloss Aichach 2014 Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Bis heute weiß niemand genau, wie das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth aussah. Bei der Hochzeit selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Aber wenn man sich diese Aufzeichnungen ansieht, kann man sich das genaue Ausmaß ungefähr vorstellen: Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert. Auf ihrem Haupte glänzte das nämliche Diadem, welches ihre durchlauchtigste Schwiegermutter, die Erzherzogin Sophie, an ihrem Vermählungstage getragen hatte. Über die Schultern der kaiserlichen Braut wallte ein Spitzenschleier herab und die Brust schmückte ein frischer Rosenstrauß. (2)

 

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher Foto: Wikimedia/Commons

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten. Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann. Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen. Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Sisi vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten. Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getrasche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen. Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als sie zwei ihr bekannte Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so entsetzt, dass sie Sisi streng aufforderte, nur nach Zeremoniell zu handeln. Sisi durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal. Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen Sisi sich für die Hochzeitsnacht herzurichten. Sophie schrieb: „Sie versteckte ihr hübsches, von einer Fülle schönem Haar umflossenes Gesicht in ihrem Kopfpolster, wie ein verschreckter Vogel der sich in seinem Nest versteckt.“ (3) Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von Franz(i) erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste verneinen. Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt. Sisi schämte sich zu Tode. Auch am 2ten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden. Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof. Erst am 3ten Tag konnte die Ehe vollzogen werden. Kaiser Franz Joseph fand sich zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch Sisi zu kommen. Dort berichtete er von dem Vollzug. Sisi aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später.

Elisabeth erzählt folgendes später Marie Festetics: „Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Schloss Laxenburg, Franzenburg Foto: Schloss Laxenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg abgehalten. Doch die verbringt Elisabeth zum größten Teil allein. Franz Joseph musste jeden Morgen zurück,, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Sisi litt unter großem Heimweh. Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und relativ unkonventionell erzogen. Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine anziehen, ausreiten oder gar Spazierengehen. Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen. Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf diese Aufgabe nicht vorbereitet wurde. Bereits im Juni musste Elisabeth bei Reisen nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.

 

 

25. Jahre später
25.4.1879

Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879. Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben. Sie war mittlerweile 41 Jahre alt und schön wie eh und je. Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen. Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin. Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren. Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Mit wem der Kaiser verkehrte und welchen Tratsch es darüber gab, habe ich im Teil 5 erzählt. Mein Beitrag kann hier nachgelesen werden.  Im Hintergrund liefen die Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch.

zeugt von ihrem Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei’n

lässt nichts gutes erahnen. (5)

Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto: Wikimedia/Commons

Selbstportrait Hans Canon Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild. Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885). Sein Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind. Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf und Marie Valerie, sowie Gisela kniend vor ihrem Mann Leopold zu sehen. Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

 

Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach, Foto: myheimat.de

Vespermantel, Maria Taferl, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin war es in Possenhofen aufbewahrt worden. Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde. Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Das Kleid wurde im Zuge einer Ausstellung im Sisi-Schloss Aichach gezeigt. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet. Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde ein Vespermantel gemacht. Mein Beitrag zum Vespermantel kann hier nachgelesen werden. 

Festplatz vor dem Äußeren Burgtor, Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart gestaltete das Fest.

Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879 Foto: Schloss Schönbrunn, habsburg.net

300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen. Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth bestaunen konnte. Und die Wiener taten dies mit Freuden.

Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht. Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24. April 1856 eine Kirche in Auftrag gegeben. Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Unseren Beitrag zum Libényi-Attentat findet ihr hier.

Votivkirche ca. 1900, Foto: bildarchivaustria.at

 

Votivkirche, Innen, Foto: Wikimedia/Commons

Dies alles half aber nichts mehr. Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück. Es sollte niemals eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben. Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen. Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.

 

 

~ Marie ~

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Werner Schima, Presse, Michael Kunze
Bildrechte: Günther Grünstendel Musik für die Synagoge Universitätsbibliothek Augsburg, habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, sternenkaiserin.com, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise:

1 – S 39
Presse Geschichte – Heft
Franz Joseph I Kaiser von Österreich

2 – S 53
Michael Budde
Sisis Hochzeit

1a – S. 35, 3 – S 76, 4 – S 78
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage 1992

5 – S 63
Werner Schima
Sisi – Die ganze Wahrheit


 

Kaiser Franz Joseph – Libényi Attentat (Teil 2)

Kaiser Franz Joseph I, Gemälde nach Eduard Klieber, 1851, Foto: @Dorotheum  Wien

„Sei brav, es ist gern geschehen“ mit diesen Worten verabschiedete sich Ex-Kaiser Ferdinand I. von seinem Neffen und jetzigen Kaiser Franz Joseph und übergab ihm ein mehr oder weniger desolates Reich.
Danach war der Kaiser auf sich allein gestellt. Natürlich hatte er seine Minister und seine Mutter um sich, aber der 18jährige Franz Joseph wurde mit einer Herrschaft betraut, die schwieriger nicht hätte sein können.

Unseren Beitrag zur Kindheit von Kaiser Franz Joseph (Teil 1) können sie hier nachlesen.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.  Danke!

Damit wenden wir uns vom Jahr 1848 ab und gehen weiter ins Jahr 1853.

Am 18.2.1853 fand ein Attentatsversuch statt, der noch Jahre nachhallen und viele neue Wege bereiten sollte.

Wir werden nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben; sondern vielmehr die historischen Ereignisse nach der Tat aufarbeiten. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Kaiser Franz Joseph ging, wie jeden Tag zu Mittag an der Kärntner Bastei spazieren. Einzig sein Flügeladjutant Maximilian Karl Lamoral Graf O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.10.1895) begleitete ihn. Vom Basteiwall aus, wollte der Kaiser den exerzierenden Truppen zusehen, als er plötzlich von hinten, von einem jungen Mann angesprungen wird. Dieser versuchte ihm ein Messer ins Genick zu stechen.

Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard, Lithographie August Prinzhofer 1848, Foto: Wikimedia/Commons

Maximilian Karl Lamoral, Graf O’Donell von Tyrconell 1853, Foto: Wikimedia/Commons

Was dann wirklich geschah, ist heute kaum noch richtig zu rekonstruieren, aber in den vielen Geschichtsbüchern wurde überliefert, dass eine Frau, die von einem Fenster die Szene beobachtet hatte, laut aufgeschrien und sich deshalb Franz Joseph umdrehte. Deshalb verfehlte der Attentäter sein Ziel. Stattdessen erwischte er nur den Uniformkragen. Von der Schnalle auf der Halsbinde glitt die Klinge erneut ab und traf den Kaiser in den Hals. Dabei rief er laut: „Eljen Kossuth“. (Es lebe Kossuth). Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard (*19.9.1802, †20.3.1894) war ein Revolutionär, der 1849 die ungarische Republik ausrief und vom Exil aus die Loslösung Ungarns von Österreich propagierte.

Als der Attentäter nochmals zustechen wollte, zog O’Donell sofort seinen Säbel. O’Donell wurde bei dem folgenden Gerangel an der Hand verletzt, als er den Täter zu Boden werfen wollte und dabei vom Messer getroffen wurde. In dem Augenblick als der Täter am Boden lag, kam der ehemalige Fleischhauer und Privatier Josef Ettenreich vorbei und half O’Donell, in dem er den Täter mit den Fäusten schlug und ihn niederhielt. Kaiser Franz Josef schrie auf: „Schlagen Sie ihn nicht, man soll ihn arretieren.“

Attentatsversuch 18.2.1853 v.l.n.r.: Graf O’Donell, Kaiser Franz Joseph, János Libenyi, Josef Ettenreich Gemälde: J.J.Reiner, 1853 Foto: @Wien Museum Karlsplatz

Der Kaiser, der kaum verletzt schien, aber stark blutete, beruhigte die versammelten Leute mit den Worten: „Beruhigt euch, es ist nichts! Ich trage nur das Schicksal meiner braven Soldaten in Mailand.“ (1)

Der Kaiser spielte auf den Verlust der 12 österreichischen Soldaten beim Aufstand in Mailand an, welcher am 6.2.1853 stattfand.

Mittlerweile konnte der Attentäter abgeführt werden. Es handelte sich dabei um János Libényi, welcher im Dezember 1831 in Csákvár, Ungarn geboren wurde. Über seine Kindheit ist uns leider nichts in die Hände gefallen. In den schwierigen Revolutionsjahren 1848/49 war er Militärschneider für die Aufständischen. Ab 1851 lebte er als Schneider in Wien.

Freiherr Johann Nepomuk Seeburger Foto: @ÖNB

Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu, Lithographie Joseph Kriehuber 1844, Foto: Wikimedia/Commons

Derweil wurde Kaiser Franz Joseph ins Albrechtspalais gebracht, wo er von den eilig herbeigerufenen Ärzten, dem pensionierten Chirurgen von Kaiser Franz II/I Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu (*6.3.1789, †14.9.1866) und der kaiserliche Leibarzt Freiherr Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) die beide die Wunde untersuchten. Da Graf O’Donell leicht hysterisch meinte, die Klinge könnte vergiftet worden sein, saugte Seeburger die Wunde aus. Diese war 2,54 cm lang und klaffte stark auseinander. Sie blutete heftig, war aber nicht allzu tief. Während alle anderen den Schrecken nur sehr schwer verarbeiteten, war Kaiser Franz Joseph putzmunter. Als Erzherzog Ferdinand Maximilian im Albrechtspalais ankam, fand er einen kaltblütig wirkenden Kaiser vor. „Es ist gar nichts … daß nur meine Mutter nichts davon erfährt.“ (2)

 

Tatwaffe vom Attentatsversuch auf Kaiser Franz Joseph, 18.2.1853. Foto: @Privat – Ausstellung 2016, 100 Jahre Kaiser Franz Joseph – Hofmobiliendepot Wien

Bei der Tatwaffe handelte es sich um ein gewöhnliches Küchenmesser, dem Libényi eine doppelte Klinge geschliffen hatte. 14 Tage saß er täglich auf der selben Bank, um den Kaiser bei seinem Spaziergang zu beobachten. Eine Verschwörung und Mittäterschaft mehrerer Personen konnte nie nachgewiesen werden.

Libényi nannte nie wirklich ein Motiv. Angeblich war er wegen der vielen Hinrichtungen in seinem Land in den Revolutionsjahren so aufgebracht gewesen, dass er auf Kaiser Franz Joseph einen unbändigen Hass entwickelt hatte. Er verehrte Kossuth über alle Maße und glaubte, dass dessen Reden die einzig richtigen wären.

1920 ist eine sehr zweifelhafte Version eines Oberpolizeirates und Kriminalschriftstellers aufgetaucht: Angeblich soll Franz Joseph eine Affäre mit Margit Libényi, der Schwester von János gehabt haben. Um die Familienehre wieder herzustellen, wollte er Margit rächen. Dieses Gerücht ließ sich nie aufgreifen.

Vor seinem Tod nannte Libényi seinen Freund Johann Misits, den man nach seinem Tod verständigen sollte.
Am 26.2.1853 wurde er bei der Spinnerin am Kreuz in Favoriten bei Wien (damals noch bei Wien, heute ist Favoriten der 10. Gemeindebezirk) per Strang hingerichtet.

Und weil die Wiener immer gerne Spottverse gedichtet haben, wurde auch eins auf den Tod des Schneiders gedichtet. In der 2ten Zeile merkt man, dass damals Kaiser Franz Joseph beim Volk noch nicht sehr beliebt war. Wobei der genannte Ort eine Mär ist. Im Vers lautet es „Simmeringer Had“ (Simmeringer Heide, 11. Wiener Gemeindebezirk), Libényi jedoch starb bei der Spinnerin am Kreuz, in Favoriten.

Auf der Simmeringer Had‘, hat’s an Schneider verwaht
es g’schicht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht.
Auf der Simmeringer Had‘, hat’s an Schneider verwaht
mit der Nadel samt dem Öhr, samt dem Zwirn und der Scher‘.
Auf der Simmeringer Had‘, hat’s an Schneider verwaht
allen sei es a Lehr, er lebt nimmermehr
Und Leut’ln hurcht’s auf, der Wind hört schon auf,
gang er allerweil so furt, wa ka Schneider mehr durt.

Im übrigen ist das Wiener Mundart ;-). Es zu übersetzen, würde den Wiener Charme zerstören; aber ein paar Worte „übersetze“ ich:
verwaht = veraltet für aufgehängt
g’schicht = geschieht
hurcht’s = aufhorchen

Johann Misits ereilte ein böses Schicksal. Ob er wirklich an der Verschwörung zur Tat beteiligt war, konnte ich leider nicht herausfinden. 18 weitere Schneidergesellen wurden verhaftet. Misits wurde zu 20 Jahren Schanzarbeit (schwere Erdarbeiten mit Spaten) in schwerem Eisen verurteilt.

Während der eine starb und der andere vielleicht für eine Tat verurteilt wurde, die er nicht beging, wurden zwei andere gehuldigt und verehrt und der Dritte vergessen.

Franz Joseph wurde von vielen Seiten zu seiner Tapferkeit belobigt. Viele Glückwünsche trafen in der Wiener Hofburg ein. Papst Pius IX sendete eine Reliquie des heiligen Petrus, die noch heute in der Schatzkammer bewundert werden kann.

Johann Baptist Strauss (Johann Strauss „Sohn“), Lithographie Josef Kriehuber, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

Johann Strauß Sohn komponierte den „Kaiser Franz Joseph I.-Rettungs-Jubelmarsch (Op. 126)“ (3). Nach dem sich der Kaiser von seiner Verletzung erholt hatte (er litt unter Fieber und hatte ein eingeschränktes Sehvermögen) und er erstmals am 12. März 1853 wieder ausfahren konnte, bekam er viele Ovationen von den Menschen, die sich auf den Straßen versammelt hatten. Generell hatte sich die Beliebtheit des Kaisers durch diesen Vorfall erhöht. Nur in Italien und Ungarn ärgerte man sich, dass der Schneider nicht besser getroffen hatte. Eine Schmähschrift: „Lieber Franz I. Luder und Schelm! Es tut mir Leid vernommen zu haben, daß das schöne Attentat gegen Euch am 18. Februar zunichte geworden ist, denn wäre es gelungen, hätte man in Padua große Freude gehabt, weil ein Barbar weniger auf der Welt wäre, der Italien, den Garten Gottes tyrannisiert.“ (4)

Vergessen hingegen wurde der Flügeladjuant Graf O’Donell. Auch wenn ihm Dankschreiben ereilten und er (und Ettenreich) eine Büste am Heldenberg bekam(en), wurde er nicht so gehuldigt wie Josef Ettenreich. O’Donell zog sich daraufhin beleidigt in sein Privatleben zurück.

Josef Christian Ettenreich, Lithographie August Dauthage 1853; ab 23.4.1853 Josef Christian Ritter von Ettenreich, Foto: Wikimedia/Commons

 

Josef Christian Ettenreich (*25.8.1800, †4.2.1875) wurde am 20.2.1853 mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet. Weiters wurde er am 23.4.1853 in den Adelsstand erhoben und hieß ab sofort Josef Ritter von Ettenreich. Am 25.4.1853 bekam er noch die Salvatormedaille der Stadt Wien verliehen.

 

 

 

 

 

Franz Josephs Orden, verliehen an Josef Ettenreich am 20.2.1853, Foto: @Alex.ryazantsev

Salvatormedaille, Vorderseite, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853 Foto: @wien.gv.at/salvatormedaille

Salvatormedaille, Hinterseite, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853 Foto: @wien.gv.at/salvatormedaille

Schatulle zur Salvatormedaille, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853 Foto:@wien.gv.at/salvatormedaille

Gedenktafel am ehemaligen Gasthof „Zum Grauen Adler“ (im Besitz von Ettenreich) – Margaretenstraße 9, 1040 Wien Foto: @viennatouristikguide.at

Zeit seines Lebens war Franz Joseph dem Fleischhauer für sein Einschreiten dankbar. Als Ettenreich schließlich 1875 starb, bekam er im 10. Wiener Gemeindebezirk seine eigene Gasse, die „Ettenreichgasse“.

Mosaiktafel in der Ettenreichgasse Nr. 22, Foto: @Reinmichl

 

Nora Hiltl (1954) Foto: @wien.gv.at/norahiltl

Die Zuneigung ging so weit, dass Ettenreichs Tochter Barbara (*18.1.1830, †7.1.1908) als sie Robert Neumann von Spallart heiratete, der Adelstitel auf den Schwiegersohn übertragen wurde, womit der Name „Ritter Neumann-Ettenreich“ gegründet wurde und einige berühmte Personen hervorbrachte. Enkel Robert wurde „ständiger Berichterstatter des österreichischen Verfassungsgerichtshofes“, Ur-Enkel Robert wurde Physiker und Ur-Ur-Enkelin Nora Hiltl (*21.6.1905, †2.1.1979) war eine berühmte Politikerin.

 

Heinrich Freiherr von Ferstel, Lithographie A. Schubert 1880, Foto: Wikimedia/Commons

Zu guter Letzt und zur Erinnerung an das Überleben von Kaiser Franz Joseph, erwirkte sein Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian, dass eine Kathedrale errichtet werden sollte. Er rief zu einem Spendenaufruf auf, dem 300.000 Bürger folgten. Heinrich Freiherr von Ferstel (*7.7.1828, †14.7.1883) der damals mitten in den Bauarbeiten zum Bank- und Börsengebäude (das heutige Palais Ferstl) steckte, wurde mit den Bauarbeiten zur Votivkirche beauftragt.

Ferstl, der einer der besten Architekten dieser Zeit war, hat uns so wunderbare Bauten wie das zB eben genannte Palais Ferstl (früher das Gebäude zur österreichischen-ungarischen Nationalbank und Wiener Börse), Palais Wertheim, Museum für Angewandte Kunst, Palazzo del Lloyd (Triest) und das Hauptgebäude der Universität Wien hinterlassen. Er starb leider bereits mit 55 Jahren. Sein Mausoleum ist einer kleinen gotischen Kirche nachempfunden. Zu finden ist es am Grinzinger Friedhof.

 

Grundsteinlegung Votivkirche. Kolorierte Lithographie F. Kollarz. 1856 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Am 24.4.1856 wurde unter dem Beisein von Kaiser Franz Joseph, Kardinal Rauscher und 80 Bischöfen und Erzbischöfen der Grundstein gelegt.

 

Bau der Votivkirche; Chorpartie Richtung Theseustempel (Volksgarten); 1860 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Bau der Votivkirche. Halbtürme eingerüstet. Oscar Kramer 1865 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Blick auf die Kirche von erhöhtem Standpunkt aus. Links hinten die Universität in Bau. Wilhelm Burger 1880 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

 

Fertige Votivkirche mit Grundriss 1879

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Orgel 1878 Foto: @Bwag/Commons

Hochaltar Foto: @Bwag/Commons

komplett Ansicht Innen Foto: @Bwag/Commons

 

23 Jahre sollte der Bau dauern. Am 24.4.1879, zum 25. Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth wurde sie eingeweiht.

Der Platz, auf dem die Kirche steht, wurde Maximilianplatz genannt. Zur Erinnerung an den 1869 ermordeten Bruder Kaiser Maximilian von Mexiko.

Ein Attentatsversuch mit großen Folgen für die beteiligten Personen, aber auch für Wien – denn ohne diesem hätte es die Votivkirche nicht gegeben.

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 3. Teil unserer Serie.

 

~ Marie ~

 


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Literatur Hinweis:

1 – S 98, 2 – S 99, 3 – S 103, 4 – S 103
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 2015, 1. Auflage

Kaiser Franz Joseph I.
Presse, Geschichte Magazin