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Hofdame Marie, Gräfin von Festetics

Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute einer der intimsten und engsten Vertrauten von Kaiserin Elisabeth: Hofdame Marie, Gräfin von Festetics.

Antal Festetics Foto: APA/Andreas Friess/ORF

Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna wurde am 20.10.1839 in Tolna, Ungarn geboren. Ihre Eltern waren Sándor Vilibald Teodor Festetics, Graf von Tolna (*14.1.1805, †26.4.1877) und Maria Josefa Walburga Adelheid Baronin von Boxberg (*7.5.1810, †8.2.1892). Sie war das 8te Kind, von insgesamt 10 Kindern.

Das Adelsgeschlecht hatte eine lange Tradition und eine sehr große Geschichte. Leider starb der Zweig von Marie Festetics mit ihrer Nichte Elisabeth 1909 aus. Die Kleine wurde kein Jahr alt. Ein Großneffe von Marie ist der bekannte Wildbiologe und ORF Star Antal Festetics (*12.6.1937).

Maria (genannt Marie) ist die ersten Jahre in Tolna aufgewachsen. Die Familie lebte gerne nach ihrem „Titel“, allerdings hatte sie kaum Ahnung von Geldangelegenheiten, weshalb das Gut in Tolna aufgegeben werden musste. Sie zogen mit den Kindern nach Söjtör. Marie wuchs sehr liebevoll auf und hatte Zeit ihres Lebens ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern. Die Familie wurde von vielen Schicksalsschlägen getroffen. Als Mutter Josefa am 8.2.1892 starb, lebte von ihren 10 Kindern nur noch Marie Festetics, welche durch ihre Verpflichtung bei Hof weder heiraten, noch Kinder bekommen durfte.

Marie bekam Privatunterricht und wurde früh in ungarisch, deutsch, englisch und französisch unterrichtet. Weiters lernte sie Handarbeit, Klavier und Gesang. Sie war außerordentlich wissbegierig, las Zeitungen und Bücher, war an Geschichte interessiert, ging gerne ins Theater, Konzerte und in diverse Ausstellungen in Museen. 

Ferenc Deák, Lithographie Josef Kriehuber 1830, Foto: Wikimedia/Commons

Zu den engsten Freunden der Familie zählten Ferenc Deák (*17.10.1803, †28.1.1876) und später Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (*8.3.1823, †18.2.1890), die sie beide sehr prägten. Sowohl Deák als auch Gyula Andrássy nahmen später eine große und wichtige Rolle im Kaiserhaus, sowie in Kaiserin Elisabeths Leben ein.

Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszua-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Andrássy hatte in Maries Leben einen großen Stellenwert. Er war es, der Marie Kaiserin Elisabeth als Hofdame vorschlug. Schon alleine deswegen, weil er eine Verbündete im Kaiserhaus haben wollte und er von der Loyalität Maries überzeugt war.

Marie übernahm die Stelle von Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*16.5.1836, †13.11.1901), welche am 15.5.1871 Wolfgang Kinsky von Wchnitz und Tettau (*19.7.1836, †14.12.1885) heiratete und somit aus dem Hofdienst ausschied. 

 

 

Erzherzogin Klothilde von Sachsen-Coburg, Foto: Wikimedia/Commons

Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Maria Dorothea Amalie von Österreich (*14.6.1867 Alcsút, †6.4.1934 Alscút) bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde. Amalie war die Tochter von Erzherzogin Marie Adelheid Amalie Clothilde von Sachsen-Coburg (*8.7.1849 Neuilly-sur-Seine, †3.6.1927 Alcsút). Marie wurde Angst und Bang, denn ihr gefiel das sehr ruhige Leben bei ihrer Herrin Erzherzogin Klothilde.

Graf Andrássy jedoch besuchte am 4.7.1871 Marie und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth nicht im Stich zu lassen. Am 21.8.1871 wurde Marie Festetics bei Kaiserin Elisabeth anstellig, bis sie ihren Dienst aufnahm, verging aber noch eine ganze Weile, da sich Kaiserin Elisabeth in Meran aufhielt.

 

 

Gräfin Marie Festetics Foto: Wikimedia/Commons

Am 21.12.1871 wurde sie also schließlich persönlich bei Kaiserin Elisabeth vorstellig. Sie notierte: Die Kaiserin stand in einem blauen Kleid in der Mitte des Zimmers, eine große Dogge neben ihr. Die Kaiserin lächelte, der Hund kam auf mich zu, beschnupperte mich und wedelte er mit dem Schweife. … Sie reichte mir freundlich die Hand und sagte: „Ihnen tut es leid um die Erzherzogin, nicht wahr? Ich weiß, Sie wollten nicht zu mir kommen. Das ist nicht besonders schmeichelhaft für mich, aber natürlich, weil ich höre, daß die Familie Sie sehr lieb gewonnen hat“. …… Danach kam sie auf Andrássy zu sprechen. „Andrássy sagte mir, daß Sie ehrlich und wahrhaft sind. Bitte verhalten Sie sich mir gegenüber auch so. Wenn Sie etwas sagen wollen, tun Sie das direkt. Wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich, niemals jemand anderen. Wenn über mich schlecht geredet wird, das ist eine Gewohnheit im Hause, dann glauben Sie es nicht. Freunden Sie sich vorerst mit niemanden an, Sie können Ida vollkommen vertrauen. Duzen Sie sie aber nicht. Sie ist keine Hofdame und ich will nicht, daß sie mit den Damen intim wird.

Marie Festetics und Ida Ferenczy Foto: Wikimedia/Commons

Vielleicht thun sie es nur aus Neugier, aber mit Ihnen ist es anders. Durch Andrássy kenn ich Ihren Charakter. Am 27. fahren wir ab, ich nehme Sie mit. Bis dahin können Sie bei Ihrer Erzherzogin bleiben.“ (1)

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Tagebuch, dass seit 2014 veröffentlicht ist. Marie Festetics war eine ausgezeichnete Beobachterin und durch ihr Tagebuch bekommt man einen sehr guten Einblick in das Kaiserhaus und in das Leben von Kaiserin Elisabeth. Aber nicht nur die Kaiserin, auch das gesamte Umfeld wird beschrieben. 

Schon bald war Marie von ihrer Majestät begeistert. Sie schrieb am 17.1.1872 in ihr Tagebuch: „Es war ein Hofball. Der Kaiser war auch dort. Er sieht mich recht freundlich an, grüßt mich so flüchtig, und nie habe ich noch ein freundliches Wort von ihm gehört. Sie war so schön, daß ich das Gefühl hatte, eine Fee stünde vor mir. Als ich wieder hinaus kam, fragten mich die Suiten, was die Kaiserin an hätte? Ich wußte es nicht, so sehr hat mich das, was über Ihr war, das Hoheitsvolle, Liebliche, Feenhafte, der Ausdruck der verkörperten Majestät, gefangen genommen.“ (2)

Einzig mit Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919) verstand sie sich überhaupt nicht. Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valerie. So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valerie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schrieb am 2.1.1872: „Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)

Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später wurden Marie und Minny keine „Freundinnen“.

Marie Festetics stellte sich als Glücksfall für Kaiserin Elisabeth heraus. Nicht nur, dass sie mit Marie nur ungarisch sprach, so hatte sie in ihr eine treue Freundin und Begleiterin gefunden. Egal wohin Kaiserin Elisabeth fuhr und wer sie umgab: Marie Festetics und Ida Ferenczy waren stets an ihrer Seite.

Die einzigen Bezugspersonen die Marie blieben waren Ida und Kaiserin Elisabeth. Erzherzogin Sophie hasste alles was mit Ungarn zu tun hatte. Sie schnitt Marie aufs Gröbste, auch deren Hofdamen und der gesamte Anhang wollten mit ihr nichts zu tun haben. Doch auch Kaiserin Elisabeth wachte über ihre beiden Lieblingsdamen. Sie verhinderte aus Eifersucht, dass Gräfin Marie Festetics heiraten konnte. 

Fürst Nikolai Dolgorukow, Foto: Wikimedia/Commons

Schon im Jahr 1871 – noch im Dienste bei Erzherzogin Klothilde – lernte sie 32jährig in Franzensbad den gutaussehenden Flügeladjutanten von Zar Alexander II kennen: Fürst Nikolai Dolgorucky (*1840, †1913). Er machte Gräfin Festetics auffallend den Hof, doch die beiden trennten sich ohne ein weiteres Wort.

Im Zuge der Weltausstellung in Wien und bereits im Dienst am Wiener Hofe, begegnete Marie dem hübschen Russen noch einmal. Sie notierte: „Er hatte die Keckheit, von Franzensbad zu sprechen: „Ah, Madame welch ein Glück, Sie wiederzusehen, noch einmal bei Nacht! Welche Gelegenheit! Ich habe bis jezt noch nicht Ihre Bekanntschaft gemacht. Aber nein! Ich kenne Sie von einer Kur vor einigen Jahren, ich kenne Sie zur Gänze! Ihre Seele, jeden Ausdruck Ihrer Augen, jede Linie Ihres Körpers, ich kenne Ihr Lächeln, den Ausdruck Ihres Mundes, endlich alles, alles von Ihnen! Nicht die geringste Ihrer Bewegungen ist mir entgangen. Sagen sie nicht, daß Sie nicht bemerkt haben. Aber ja! Ich weiß, daß Sie verärgert sind!“ So und noch unglaublicher ging es fort! Kein Wort hatte ich noch gesagt, alle Leute glaubten, wir seien alte Bekannte und wollten nicht heran.“ (3a)

Graf Alexander Carl Stürler, Foto: Wikimedia/Commons

Schließlich lernten sich die beiden bei den Festivitäten zu der Weltausstellung näher kennen und Maries Herz entflammte. Der gemeinsame Freund Alexander Carl Graf Stürler (*9.5.1825, †3.6.1901) erzählte Marie die Lebensgeschichte des armen Fürsten, welcher sich mit einem Oberst duellieren musste, daraufhin seinen Adelstitel verlor und in den Kaukasus geschickt wurde. Dort musste er bis zum Krieg ausharren, diente in jenem und bekam den Georgsorden für besondere Verdienste. Daraufhin wurde er von Zar Alexander II begnadigt, erhielt seinen Titel zurück und wurde sein Flügeladjutant. Weiters wusste Graf Stürler folgendes: „Denken sie gutes über diesen armen Jungen, Gräfin. Er denkt an sie seit Franzensbad und Sie haben ihn sehr berührt. Er liebt Sie seither. Ich werde ihm sagen, daß ich eine Thräne in Ihren Augen gesehen habe.“ Ja, ich hatte eine Thräne im Auge gehabt. (3b) 

Marie erzählte Kaiserin Elisabeth davon, die gar nicht begeistert war: „Sich mit ihm zu amüsieren, erlaube ich, aber nicht lieben, noch weniger ihn zu heiraten! Das dürfen Sie nicht! Es wäre auch nicht schicklich, mich wegen eines fremden Mannes zu verlaßen, ich erlaube es Ihnen ausdrücklich nicht!“ Wie sah sie mich an! „Sie sollten nicht einmal hinhören, wenn er anfängt über so etwas zu reden.“ (3c)

Nikolai wusste das Marie mit sich haderte. Marie notierte das gesagte Wort vom Fürst in ihr Tagebuch: „Für noch weniger würde man nach Sibiren kommen. Darf ich offen sprechen, Madame? Sie bewundern die Kaiserin sehr, ich verstehe, daß Sie bleiben wollen. Sie erscheint wie ein Engel, mit diesem Ausdruck, dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sie lieben Sie sehr, Madame, ich habe es deutlich gesehen. Für einen anderen wäre das ein Glück. so ein schönes Gefühl, das Sie vielleicht gar nicht zu würdigen weiß in dieser Größe, dieser völligen „Selbstverleugnung“. Mir wurde siedenheiß. Hat er recht? „Denken Sie darüber nach, Madame, denken Sie darüber nach, ich beschwöre Sie!“ 

Kurz vor einem Diner traf sie Kaiserin Elisabeth, die sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte. Dabei fiel nur ein einziger Satz, den Kaiserin Elisabeth ihr sagte: „Sie dürfen nicht!“ (3d)

Am 7.6.1873 versuchte es Nikolai noch einmal. Er wagte Gräfin Festetics seine Liebe zu gestehen und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth zu verlassen und mit ihm nach Russland zu gehen. Ihr werde an nichts fehlen, versprach er und er würde sie glücklich machen. Marie haderte schwer mit sich. Am 9.6.1873 reiste Zar Alexander II ab, mit samt Graf Stürler und Fürst Dolgorukow. Zum Entsetzen Maries sahen sich die beiden am Morgen noch einmal: „Sagen sie mir etwas Gutes, Madame! …. Daß Sie sich mir verschließen, bedeutet mir viel Schmerz!“ (3e) Nikolai verbeugte sich, gab Gräfin Festetics einen Handkuss und ließ diese verstört zurück. Sie haderte mich sich, wusste nicht so Recht, ob die Entscheidung rechtens war. Dennoch hatte sie sich für die Kaiserin entschieden. 

Paul Almássy, Foto: von-gans.net

Karoly Kerkápoly, Foto: Wikimedia/Commons

Da Marie eine Schönheit war, blieb Fürst Nikolai nicht der einzige glühende Verehrer. Unter ihnen war auch Graf „Mucky“ Mikos (näheres leider nicht bekannt) und der alternde Politiker Paul Almássy (*1818, †1883). Doch keiner unter ihnen wurde Marie Festetics noch einmal so gefährlich wie Nikolai; mit einer Ausnahme: Karoly Kerkápoly (*13.5.1824, †31.12.1891), Anwalt und Politiker

Bereits im Dezember 1873 lernte sie Karoly kennen. Durch Graf Andrássy lernte sie fast jeden Politiker in Ungarn kennen. Noch immer haderte sie wegen ihrem „schönen Russen“, wie sie ihn in ihrem Tagebuch nannte. 

Am 6.2.1874 notierte sie: „Stefanie Wickenburg erschien, als Brautwerber nochmals für Mucki Mikos, der von Mexiko zurück, behauptet, er kann mich nicht vergeßen! Wenn ich „Sie“ verlaßen könnte, hätte ich doch meinen interessanten Russen geheirathet! Konnte ich mich in den stillen Tagen, meinem Söjtör, zu diesem Opfer nicht entschließen, warum jezt? Wo „Sie“ mich braucht, kaum ein Tag vergeht, wo Sie es nicht sagt? Alles könnt ich aufgeben, nur „Sie“ nicht….“ (3f) 

Am 9.4.1874 gestand Karoly Kerkápoly ihr die Liebe: „Kerkapoly war da, das gibt mir zu denken, denn er sagte mir schlicht und einfach, daß er mich liebt. Ich erschrack darüber so sehr, daß er es merkte. Ich sah, es that ihm weh. Ich las einst ein Buch, da stand so etwas drin: Ein älterer Mann, der in späten Jahren den Traum der Jugend träumt. Wie leid thut er mir! Er sagte mir, als er mich das erste Mal in Szölöske bei Andrássy sah, wußte er, daß sein Schicksal vor ihm stünde. Er bat mich gar, nicht desperate zu sein! Mich begegnet zu haben sei Glück genug für ihn. Es bleibe, wie es ist, er lebe davon! Zu was das, frage ich das Schicksal?? (3g) 

Jahrelang sollte Karoly nicht aufgeben. Doch es endete genauso traurig, wie bei Nikolai, den Marie Zeit ihres Lebens nicht vergessen konnte. Marie blieb im Dienste der Kaiserin. Karoly wurde nach seiner Politikerkarriere ein sehr reicher Weinbauer, blieb aber unverheiratet und kinderlos. 

Immer wieder haderte Marie mit ihrem Schicksal. Sie liebte Kinder über alles, ihre Familie starb mehr und mehr aus. Niemand schien übrig zu bleiben, der den Namen weitergeben konnte. Sie war oft allein und blieb an ihren Gedanken hängen. Doch „wenn Ihr sonnenheller Blick auf mich fällt, kömmt mir vor, es wäre das Schwerste leicht zu tragen.“ (3h)

Marie zog sich, wenn sie nicht gerade gebraucht wurde, zurück und schrieb ihr Tagebuch. Marie Valerie war oft bang, dass dieses Tagebuch in falsche Hände geriet, denn egal über wen, Marie schrieb es auf. Insgesamt 10 Bücher und 2000 Seiten schrieb sie von 1871 – 1884. Danach geht das Tagebuch erst ab 1904 weiter. Ob die Bücher tatsächlich 1884 aufhörten oder absichtlich „vernichtet“ oder bis heute „versteckt“ wurden (werden), ist nicht überliefert. Leider fehlt daher auch die Beobachtung zu Kronprinz Rudolfs Tod. Erst 1906 schrieb Marie einen Eintrag in ihr Tagebuch: „Der Kronprinzen Wundergarten! Wie ein Bouquet auf blauer Fluth gewiegt liegt es in Sonnenlicht. Und Er? In des Lebens voller Blüthe von eigner Hand geknickt, schläft neben seiner gemordeten Mutter seinen ewigen Schlaf.“ (4)

Marie Festetics Foto: @Wikimedia/Commons

Marie Festetics war in ihrem Denken der Zeit weit voraus. Sie schrieb die Tagebücher, um der Nachwelt zu beweisen, wie wunderbar Kaiserin Elisabeth war, wissend, dass der tratschende Wiener Hof kein gutes Haar an ihr lassen würde. Doch bei all ihrer Loyalität und innigen Freundschaft, manchmal kann man auch leise Kritik lesen. Die Kaiserin sei oft schwermütig, in Gedanken versunken, ohne Aufgabe, ohne Lebensinhalt. Die eine Aufgabe, die sie hätte, die wolle sie nicht und was anderes findet sie nicht. Solche Passagen findet man des Öfteren. Marie war also sehr wohl bewusst, dass sich Kaiserin Elisabeth zu Tode langweilte und sich genau deswegen in ihre Wahnvorstellungen flüchtete. Alles was Elisabeth anpackte wurde mit großer Manie betrieben: Reiten, Wandern, Reisen oder die Kindeserziehung von Marie Valerie.

Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály Foto: @Wikimedia/Commons

Egal wohin Elisabeth fuhr, Marie fuhr mit. Meran, Gödöllö, Triest, Paris, Budapest, Sassetot, Irland, England, Korfu und Mittelasien. In den frühen 90er Jahren schaffte Marie die vielen Reisen und stundenlangen Fußmärsche der Kaiserin nicht mehr.

Marie und Ida verblieben deshalb ab 1894 im Innendienst, während Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864, †3.9.1940) mit Kaiserin Elisabeth auf Reisen ging. Zu diesem Zeitpunkt ließ Elisabeth niemand anderen mehr an sich ran, als Marie Valerie und Irma bzw. Marie. Zwischen 1894 und 1898 hatte Kaiserin Elisabeth nur noch 2 Hofdamen. Immer wenn Elisabeth vor Ort war, vertrat Marie Irma, bzw. übernahm deren Aufgaben.

Kaiserin Elisabeth im Milleniumskleid für die 1000 Jahr Feier in Ungarn 1896, Foto: Wikimedia/Commons

Marie vertrat Irma, während ihres Urlaubes und begleitete Kaiserin Elisabeth zu den Milleniumsfeierlichkeiten nach Ungarn, welche im Mai/Juni 1896 stattfanden. Dies war der letzte öffentliche Auftritt von Kaiserin Elisabeth.

Marie und Kaiserin Elisabeth sahen sich zum letzten Mal im Juli 1898 in Bad Ischl. Während sich Elisabeth mit Irma Richtung Bad Nauheim zur Kur und die Schweiz aufmachte, zog sich Marie nach Söjtör zurück. Sie kaufte nach und nach die Ländereien der Festetics zurück.

Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth empfangen den ungarischen Reichsrat 1896. Heliogravure nach Gemälde, mit Originalunterschrift des Künstlers Benczúr Gyula Foto: ÖNB Wien

Der Tod der Kaiserin traf sie sehr schwer. Marie Valerie nahm ihr im November 1898 das Versprechen ab, die Tagebücher testamentarisch zu hinterlassen. Erzherzogin Marie Valerie konnte Marie Festetics nie leiden. Sie machte sie für das oft falsche Handeln ihrer Mutter verantwortlich.

Als die Kaiserin gestorben war, mussten Ida und sie sofort ihre Wiener Wohnungen in der Hofburg räumen. Ihre jahrelangen Hetzer hatten endlich ihren Triumpf. Marie hatte vorgesorgt und sich in der Reisnerstrasse, im 3. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung gekauft. Ida zog in die Nachbarwohnung ein. 

Die Trauer war grenzenlos, doch Marie verfiel weder in Depressionen, noch in Schwermut. Um sich an die Zeiten mit Kaiserin Elisabeth zu erinnern, fuhr sie an jene Orte, an denen sie glücklich war. Sie besuchte auch Ida häufig in Budapest, diese hatte dort ein Kaiserin Elisabeth Museum eröffnet. 

Ab 1906 ist zu lesen, dass sie insgeheim Irma für den Tod Elisabeths verantwortlich machte.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde die bereits 79jährige Gräfin krank. Aber auch privat musste sie herbe Rückschläge einstecken. Sie selbst, die sich jahrelang für ihre Familie aufgeopfert hatte und mit ihrem Geld ihren alten Besitz zurückerlangte, wurde 1920 von ihrem Besitz enteignet. Dieses Land wurde unter den mittellosen Bauern aufgeteilt. Nur einen Bruchteil des gekauften Landes konnte sie ihrem Neffen Karl hinterlassen; als dieser starb und die Witwe das Land ebenfalls 1943 verlor, musste dies Marie zum Glück nicht mehr miterleben.

Marie starb am 16. April 1923 in Sjötör. Mit ihrem Tod starb ihr Zweig der Familie Festetics aus.

 

~ Marie ~

 


Mein Alter Ego „Marie Festetics“

 

Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth und ich  Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Wer diesen Blog oder unsere Facebook-Seite „Sternenkaiserin – Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich“ folgt, wird bemerkt haben, dass ich unter dem Namen „Marie Festetics“ schreibe. Wie es dazu kam, möchte ich hier kurz erzählen:

Mein Name ist Petra Schimbäck und ich bin die Pressevertreterin für Sabine Elisabeth Rossegger als „Kaiserin Elisabeth von Österreich.“

In dieser Funktion wollten wir ein historisches „Alter Ego“ für mich finden und in Marie Festetics habe ich mein Pendant gefunden.

Ihre Loyalität, ihre spitze Zunge, ihre Gabe punktgenau zu analysieren und gut zu beobachten, sind mir wie auf den eigenen Leib geschneidert. Marie hasste Tratsch und Verleumdungen, auch ich bin ein Mensch der Tratsch und Boshaftigkeit verabscheut. Zu dem war sie ungeduldig und auch das kann ich von mir nur allzu gut behaupten.

Da ich nicht als historische Person auftrete, sondern nur schriftlich als Marie in Erscheinung trete, ist auch dieser Bezug hergestellt. Ich schreibe selbst gerne und bin am Blog für alle historischen Geschichten verantwortlich.  Auf der Facebook Seite schreibe ich als Marie Gedichte oder Alltagssituationen die sich so abgespielt haben könnten. Auf unserer historischen Seite „Sternenkaiserin – Kaiserin Elisabeth und ihre Familie“ schreibe ich die Kurzbiografien der wichtigsten Personen rund um Sisi. Wir können nicht allen einen Platz am Blog anbieten. 

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist Diskretion. In diesem Sinne bin ich wohl Marie näher als jeder anderen Hofdame die Kaiserin Elisabeth Nahe standen. In der Jetztzeit ist das für mich natürlich „meine Sternenkaiserin“.

Als letzter kleiner Punkt ist mir mein eigener Name zur Hilfe gekommen. Mein zweiter Taufname lautet „Maria“. Da Marie Festetics, ebenfalls eine geborene Mária war, war es ein Leichtes für mich, mich auf sie einzulassen.

In diesem Sinne
Eure Petra ~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek, Wikimedia/Commons, APA/Andreas Friess/ORF, Charlotte Schwarz, von-gans.net
Es konnten keine Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise:

1 – S 46, 2 – S 49,  3 – S. 48, 3a – S. 159, 3b – S. 162, 3c – 161, 3d – S. 163, 3e – S. 166, 3f – S. 167/8, 3g – S. 168, 3h – S. 170, 4 – S 286

Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014


 

William George „Bay“ Middleton

Cpt. William George „Bay“ Middleton Foto: Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute einem der besten Freunde von Kaiserin Elisabeth.

Cpt. William George „Bay“ Middleton wurde am 16.4.1846 in Glasgow geboren. Seine Eltern waren George Middleton und Mary Margaret Middleton. Über seine Kindheit und generell sein Leben ist wenig bekannt. Er war ein ausgezeichneter Cricket Spieler und Jockey. Seine Reitkünste waren über die Lande hinaus hoch beachtet. Er gewann viele Rennen und widmete fast sein ganzes Leben ausschließlich den Pferden.

Earl of Spencer, Foto: Wikimedia/Commons

Am 2.8.1874 reiste Kaiserin Elisabeth das erste Mal nach England, wo sie John Poyntz 5. Earl of Spencer (*27.10.1835, †13.8.1910) kennenlernte. Dort traf sie mit Bay zusammen, nahm aber keine weitere Notiz von ihm.

Ihr Charme und generell ihre Begleitung waren heiß begehrt. Am meisten von Hector (*21.9.1851, †2.1.1916) und Alexander Baltazzi (*16.5.1850,  †24.11.1914), welche die Brüder von Helene Baltazzi, besser bekannt als Helene Vetsera (Mutter von Mary Vetsera) waren.

 

 

Alexander Baltazzi, Foto: Wikimedia/Commons

Hector Baltazzi, Foto: Wikimedia/Common

Königin Marie von Neapel, Foto: Wikimedia/Commons

Hector und Alexander waren ständige Begleiter von Marie von Neapel, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth, welche im Exil lebte und sich ihre Langeweile mit dem Reiten vertrieb. Die beiden Brüder beteten die junge schöne Königin an und wohin sie auch ging, die Baltazzi Brüder folgten ihr. Marie, Gräfin von Festetics, eine Hofdame von Kaiserin Elisabeth betrachtete dies mit großer Besorgnis. Sie notierte in ihr Tagebuch: „Man muß sehr achtgeben… Die Brüder gehen im Sport auf, reiten famos, drängen sich überall hin, sind gefährlich, weil sie ganz englisch sind, und wegen der Pferde!“ (1) Als Hector und Alexander begannen mit Kaiserin Elisabeth zu reiten, war Königin Marie von Neapel schnell vergessen. 

Diese wiederum betete Bay Middleton an und bat ihn mehrmals ihr Reitbegleiter zu werden. Bay lehnte jedes Mal ab. Er hatte keine Lust, eine arrogante, gelangweilte Frau der Hocharistokratie, die zu dem als lausige Reiterin galt, zu begleiten. Marie gab jedoch nicht auf. Sie wollte unbedingt mit Bay reiten. 

Im März 1876 hatte sich Kaiserin Elisabeth bei ihrem Gemahl Kaiser Franz Joseph erneut durchgesetzt. Sie reiste zum Reiten nach England. Bay wurde dazu bestimmt, ihr Pilot zu sein. Bay weigerte sich beharrlich und zeigte keinerlei Interesse eine hohe Dame zu geleiten. Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm. Einmal eine Person die nicht kuschte, nur weil sie als Kaiserin vor ihm stand.

Karikatur Bay Middleton, 1883, veröff. Vanity Fair 30.6.1883 „Men of the Day“, Zeichner: Théobald Chartran, Foto: Wikimedia/Commons 

Bay war ein kleiner stämmiger, rothaariger, etwas spröde wirkender Mann, der sehr rauhe Manieren hatte und lieber unter seines Gleichen blieb. Er war um 9 Jahre jünger als Kaiserin Elisabeth und dazu noch schwerhörig.

Bay Middleton – das Pferd von dem Bay Middleton wahrscheinlich seinen Spitznamen bekam Foto: Wikimedia/Commons

Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, ist nicht mehr zu eruieren. Entweder durch seine rötlich-braunen Haare, die wie eine „Bay“ (Bucht) „schimmerten“, oder weil ein Pferd, welches „Bay Middleton“ hieß, beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging. Auf alle Fälle nannte ihn jeder in seiner Umgebung „Bay“.

Doch es half kein Zetern und kein Weigern: Bay wurde zum Begleiter von Kaiserin Elisabeth bestimmt. Als sie sich trafen, zeigte sie keinerlei Interesse an dem kleinen Mann und verzog keine Miene. Seine vorgefertigte Meinung über die Kaiserin, ließ ihn allerdings seine ausgezeichneten Marineren nicht vergessen. Im schönsten Reitdress begegnete er Sisi, wenn auch reserviert und zugeknöpft.

Das Eis war gebrochen, als Kaiserin Elisabeth ihre Künste zeigte. Sie trieb ihr Pferd zu Höchstleistungen an und ritt den äußerst anspruchsvollen Parcours von hinten. Das völlig erschöpfte und müde Pferd musste im gestrecktem Galopp über eine Hecke, was in einer Katastrophe endete. Die Kaiserin stürzte, blieb aber unverletzt. Das Pferd überlebte diese Strapaze leider nicht. Es musste noch an Ort und Stelle erschossen werden. Bay Middleton war zutiefst beeindruckt und konnte ab sofort den Blick nicht mehr von der jungmädchenhaft wirkenden Kaiserin abwenden. Ab sofort waren die beiden unzertrennlich. Sehr zum Missfallen ihrer Schwester Marie, die von schwerer Eifersucht geplagt wurde.   

Von Bay ließ sich Kaiserin Elisabeth herumkommandieren. Er half ihr aufs Pferd oder zog sie aus dem Sumpf oder Graben, wenn sie gestürzt war. Er trieb sie zu Höchstleistungen an, keiner der ihr sagte „sie solle aufhören“ oder es „übertreiben“. Elisabeth liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an. Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nie dagewesenes.

Kaiser Franz Joseph in Wien bangte täglich mehr um seine schöne Frau. Die Berichte die ihm zu Ohren kamen, machten ihm viele Sorgen. Elisabeth jedoch beschwichtigte ihn in zahlreichen Briefen, dass alles nicht so schlimm sei und sie überglücklich wäre Bay an ihrer Seite zu Wissen.

Kronprinz Rudolf hoch zu Ross, Ölbild Tadeuz Ajdukiewicz, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth vertraute ihm blind. Bay kaufte ihre Pferde, kümmerte sich um diese und ließ sie zureiten. Bay wurde zu Weihnachten nach Ungarn auf Schloss Gödöllö eingeladen. Ein Umstand, der schwere Probleme mit sich bringen sollte. Die ungarischen Magnaten waren beleidigt, weil ihnen ein schottischer „Barbar“, wie sie ihn nannten, vor die Nase gesetzt wurde und Kaiser Franz Joseph war wieder einmal schwer überfordert. Kronprinz Rudolf war noch weniger angetan, als die ungarischen Freunde. Zwischen Bay und ihm entstand der direkte Kampf um die Gunst der Verehrten. 

Privat weiß man von Bay relativ wenig. Er war mit Charlotte Baird seit 1875 verlobt und verschob solange die Hochzeit, bis sich Charlotte nicht mehr hinhalten ließ. Es wurde zwischen 1874 bis 1882 immer wieder kolportiert, dass Bay und Elisabeth eine Affäre hatten. 

Diese Affärengerüchte nahmen ihren Anfang bei der mehr als nur eifersüchtigen Königin Marie von Neapel. Als Kaiserin Elisabeth 1879 aus politischen Gründen nach Irland reisen musste, anstatt nach England, nahm sie kurzerhand ihren Sohn Rudolf mit. Ein schwerer Fehler wie sich später herausstellen sollte. 

Schloss Summerhill, Irland Foto: Wikimedia/Commons

Zu dieser Zeit war sie Gast von Herzog von Malborough und wohnte im Schloss Summerhill, welches feudal umgebaut werden musste. So bestand Sisi auf eine Hauskapelle, einen eigenen Bahnsteig und einen Telegraphenapparat, um schneller mit ihren Lieben kommunizieren zu können. Weiters wurden neue Möbel angeschafft, ein Turnsaal eingerichtet und ein eigener Eingang gebaut. Die Kosten für diese Umbauten, gingen zu Lasten von Kaiser Franz Joseph, der mit jeder Rechnung – die schlussendlich einige Millionen ausmachte – aufstöhnte. 

Kaiserin Elisabeth hoch zu Pferd Foto: Wikimedia/Commons 

Doch Sisi war in ihrem Element. Neben den Pferden, den teuren Reitkostümen aus Rehleder und der gesamten Ausstattung, gab Elisabeth für ihr „Hobby“ ein immenses Geld aus. Selbst die Grundgrenzen der Bauern waren ihr egal und sie ritt in einem Höllentempo über die Felder und zerstörte dabei die mühsam angebauten Getreidesorten der Bauern. Obwohl Bay sie warnte, ritt er hinter oder neben ihr her. Auch diese Kosten musste von Kaiser Franz Joseph in Wien ersetzt werden. 

Dies alles war dem Kaiser ein Dorn im Auge. Er hätte lieber früher als später der Reiterei einen Riegel vorgeschoben. Noch dazu waren ihm die verliebten Augen von Bay Middleton auf seiner schönen Frau nicht verborgen geblieben. Doch Elisabeth nahm das alles nicht wahr. Sie hatte nur Augen für ihren Sport, ihre Pferde und ihren Spaß. 

Marie, die auch jedes Mal nach Sisis Abreise in England blieb, versuchte weiterhin ihr Glück Bay zu einem Reitabenteuer zu überreden. Doch dies blieb ohne Erfolg. Bay blieb stur und abweisend. Dies brachte Marie so zur Räson, dass sie dem anwesenden Kronprinz Rudolf zu berichten wusste, dass seine angebetete Mutter eine Affäre mit ihrem Reitlehrer hatte. Rudolf, von Eifersucht rasend, hinterfragte diesen Tratsch nicht, sondern nahm ihn als gegeben, so dass es an einem gemeinsamen Abend zu einem Affront kam. 

Kaiserin Elisabeth verließ darauf hin wortlos das Zimmer und sah für den Rest der Zeit weder ihren Sohn, noch ihre Schwester an. Mit Marie wechselte sie Zeit ihres Lebens kein Wort mehr. Das früher so gute Verhältnis zerbrach durch dieses von Marie in die Welt gesetzte Gerücht. 

Mit Kronprinz Rudolf sprach Elisabeth erst wieder, als die beiden wieder zu Hause waren. Ihre Reise und ihr Abenteuer konnte Elisabeth nicht genug genießen, so dass sie frühzeitig Irland verließ. Bay war wie vor den Kopf gestossen. 

Combermere Abbey, Foto: Wikimedia/Commons

In Wien beklagte sich Elisabeth bei ihrem Mann und konnte eine neue Reise, diesmal nach Combermere Abbey, welches ebenso nach ihren Wünschen umgebaut werden musste, durchsetzen. Diesmal bekam Kaiserin Elisabeth sogar eine eigene Treppe in die Küche, damit sie spät nachts ihre Mahlzeit einnehmen konnte. Wieder musste die sündhaft teuren Umbauarbeiten Kaiser Franz Joseph bezahlen. Im Februar 1882 war es soweit. Kaiserin Elisabeth brach mit ihrem Gefolge auf. 

Doch auch diese Reise stand unter keinem guten Stern. Captain Bay Middleton sprang mit den Pferden nicht besonders freundlich um, schlug diese mehr über die Hindernisse, als sie von selbst springen zu lassen und stürzte so schwer, dass er für einige Zeit sogar bewusstlos war. Das Pferd erlitt bei dem Sturz einen Genickbruch. Er wollte Kaiserin Elisabeth anspornen, noch mehr aus sich herauszuholen, denn die gemeinsame Zeit würde bald vorbei sein. 

Charlotte ließ sich nicht mehr hinhalten und die Hochzeit wurde festgesetzt. Kaiserin Elisabeth verließ drauf hin frühzeitig im Februar 1882 Irland und kam nie wieder zurück. All ihre Pferde wurden verkauft, das Gestüt aufgelassen. Und weil Kaiserin Elisabeth unerbittlich in ihrem Tun war, sah sie Bay nie wieder und nahm auch nie wieder Kontakt mit ihm auf. Auch in Wien ließ sie all ihre Pferde verkaufen; mit einem Mal war ihre Reitfreude dahin. Sie setzte sich nie wieder auf ein Pferd, stattdessen fing sie stundenlange Spaziergänge an, die ihre Hofdamen an den Rand der Erschöpfung bringen sollten. 

Am 25.10.1882 heiratete schließlich Bay Charlotte Baird. 1886 kam die gemeinsame Tochter Violet Georgina Middleton zur Welt. Bay war aber auch weiterhin sehr umtriebig und blieb dem Reitsport treu.

Clementine Hozier verh. Churchill Foto: Wikimedia/Commons

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er der Vater von Clementine Hozier (geb. 1.4.1885) war, welche in weiterer Folge Winston Churchill heiratete.

Clementine war die „eheliche“ Tochter von Lady Henrietta Blanche Ogilvy, welche mit Col. Henry Hozier verheiratet war. Dieser war aber zeugungsunfähig. Lady Henrietta war für ihre außerehelichen Abenteuer bekannt. Für die Elternschaft wurde auch Algernon Bertram verantwortlich gemacht, der wiederum der Ehemann der Schwester von Lady Henrietta war. In den Biografien von Clementine geht man aber von Bay Middleton aus.

 

 

 

Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB), Foto: myheritage.co.uk

Grabstelle von Bay Middleton in Haselbech, Northamptonshire (GB) Foto: myheritage.co.uk

Bay starb wie er lebte. Schnell und am Pferd.

Er stürzte am 9.4.1892 – kurz vor seinem 46. Geburtstag – am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. Seine Tochter Violet war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt.

An der Unglücksstelle ist bis heute ein Denkmal zu sehen.

Bay wurde im kompletten Reitkostüm in Haselbech, Northamptonshire begraben.

 

 

~ Marie ~

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
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Literatur Hinweis:

1. S. 120/1
Sigrid Maria Grössing
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer
Ueberreuter Verlag, 1998, 1. Ausgabe – nur noch antiquarisch erhältlich

Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage, 1992

 


 

Hofdame Lily, Gräfin von Hunyady

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Caroline, Gräfin von Hunyady, ca 1860/1, Madeira

Wir gedenken heute einer der liebsten Hofdamen, Freundin und Vertrauten von Kaiserin Elisabeth. Caroline, Gräfin Hunyady von Kéthely, genannt Lily.

Ihr Vater József János Nepomuk Antal Zsigmond Graf Hunyady von Kéthely, genannt Josef Graf von Hunyady ( *13.1.1801, † 9.3.1869) war der erste Obersthofmeister am österreichischen Kaiserhof.

Josef ehelichte am 1.10.1825 Henriette Prinzessin von Liechtenstein, welche die Tochter des österreichischen Feldmarschalls Johann I. Josef von Liechtenstein war.
Am 22.7. 1827 kam Imre Joachim Ferenc Graf Hunyady von Kéthely zur Welt († 8.6.1902). Am 26.12.1836 kam Caroline Hunyady Gräfin von Kéthely in Wien zur Welt.

Lily wurde Hofdame, als Kaiserin Elisabeth auf den österreichischen Kaiserhof kam. Leider gibt es keine Quellen, die das innige Verhältnis der beiden Frauen näher beschreiben könnte. Es wird nur bei Brigitte Hamann „Kaiserin wider Willen“ erwähnt, dass Lily jeder anderen Hofdame vorgezogen wurde, was zu Tratsch und Eifersüchteleien der anderen Hofdamen führte. Es wurde auch ein „Verhältnis“ angedichtet.

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Kaiserin Elisabeth, Helene von Thurn und Taxis, Lily Hunyady und Mathilde Windischgrätz, Foto ca. 1860/1 Madeira

Lily und ihr Bruder Imre, sowie Prinzessin Helene und Mathilde Windischgrätz begleiteten 1860 die Kaiserin auf Madeira, wo man sich teilweise zu Tode langweilte. Außer Leierkasten- und Kartenspiele und ewgi lange Spaziergänge, fand auf Madeira nichts statt. Kaiserin Elisabeth ließ sich extra Papageien, Hunde (aus Großbritannien) und andere Tiere bringen, damit die Langeweile eingedämmt wird.

Ein Foto ging in Wien wie ein Lauffeuer herum. Es zeigt Kaiserin Elisabeth mit der Mandoline, Helene hält einen kleinen Hund, Lily steht im Hintergrund und sieht alle an, Mathilde hält einen Tubus in der Hand. Alle sind mit Matrosenhemden und -hüten gekleidet.

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Imre, Graf von Hunyady

Imre war als erster Ungarischer Lehrer mit auf der Reise, hat sich aber unglücklicherweise während dieses Aufenthaltes in die Kaiserin verliebt, was prompt seinen sofortigen Abzug von Madeira zum Auftrag hatte.

Lily und Imre waren auf alle Fälle der Grundstein für die große Liebe der Kaiserin zu Ungarn.

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Lily und Imre in Madeira 1860/1

Lily beging einen der größten Fehler im Leben einer Hofdame. Sie verliebte sich in Otto Wilhelm, Graf von Walterskirchen (*19.6.1833, † 16.11.1912), welcher als Diplomat arbeitete. Da das Protokoll den sofortigen Ausschluss aus dem Hofdienst vorsah, wurde Lily sofort nach ihrer Hochzeit mit Otto entlassen.

Danach gibt es unterschiedliche Aussagen der Biografen. Bei Gudula Walterskirchen heißt es, dass sich die beiden nie wieder sahen und sich auch sonst Kaiserin Elisabeth nicht mehr um ihre einstige engste Vertraute kümmerte. Otto sei verarmt gewesen, da ihm als Letztgeborener kein eigener Besitz mehr zustand. Das Paar lebte nur von den Einkünften die Otto als Diplomat einnahm. Diese Karriere verlief aber alles andere als steil, er musste oft sehr lange auf seine Botschafterposten warten. Brigitte Hamann jedoch schrieb, dass sich die beiden auch noch nach der Heirat immer wieder trafen, da Lily nun zum österreichischen Adel gehörte, obwohl sie Ungarin war. Angeblich schrieb Kaiserin Elisabeth auch immer noch Briefe an Lily , da aber weder Tagebuchaufzeichnungen von Lily erhalten sind (ob sie jemals eines geführt hat, ist nicht bekannt), noch die Briefe, kann diese Aussage nicht weiterverfolgt werden. Auch über das weitere Leben von Lily als Gräfin von Walterskirchen ist nichts bekannt.

Lily starb am 28.2.1907 in Wien.

~ Marie ~


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
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Literatur Hinweise:

Gudula Walterskirchen
„Der Franzi war ein wenig unartig“ Hofdamen der Habsburger erzählen

Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen