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Josephine von Leuchtenberg – eine halbe Wittelsbacherin erobert Schweden

Foto: Königin Josefina, Gemälde von Fredric Westin,

historische Person:

Wir gedenken Joséphine Maximilienne Eugénie Napoléone Prinzessin de Beauharnais Herzogin von Leuchtenberg. Sie wurde am 14.3.1807 in Mailand geboren.

Eugéne de Beauharnais, später Herzog von Leuchtenberg, Foto: Wikimedia/Commons

Auguste von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Ihr Vater war Eugéne de Beauharnais (*3.9.1781, †21.2.1824). Ihre Mutter Auguste Prinzessin von Bayern (*21.6.1788, †13.5.1851). Auguste war eine Halbschwester von Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) und Erzherzogin Sophie von Österreich (*27.1.1805, †28.5.1872) und somit eine Tante von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph.

Napoléon (*15.8.1769, †5.5.1821) bestand auf den Namen Joséphine, der an seine geliebte Frau und gleichzeitig an Eugénes Mutter erinnern sollte. Die ersten Kindheitsjahre verbrachte sie mit ihren äußerst glücklichen Eltern, die ihre Liebe an die Kinder weitergaben, auf Schloss Monza bei Mailand.

König Maximilian I von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Napoléon Bonaparte, Foto: Wikimedia/Commons

Als ihr Großvater Napoléon 1814 gestürzt wurde, floh die Familie zurück nach München, wo – ebenfalls ihr Großvater – König Maximilian I Joseph von Bayern (*27.5.1756, †13.10.1825) die Eltern zu Herzog und Herzogin von Leuchtenberg machte.

1821 ging Kronprinz Oscar von Schweden (*4.7.1799, †8.7.1859) auf Brautschau. Mehrere Länder wollten besucht werden. In den Niederlanden traf er die äußerst hübsche und charmante Prinzessin Marianne, doch mit ihren 12 Jahren galt sie zu jung um schon zu heiraten.

Joséphine mit 16, Foto: Wikimedia/Commons, Gemälde Joseph Stieler

Als der Prinz nach München kam, traf er auf Joséphine. Ihr Vater weihte sie in die Pläne des Prinzen ein. Oscar war verzückt von der 15jährigen, die nicht nur hübsch, sondern auch gebildet und lebensfroh war. Kurz darauf hielt er um die Hand von Joséphine an, welche ihm gewährt wurde.

Während Oscar abreiste, begann sie schwedisch zu lernen. Sie sprach bereits perfekt französisch, italienisch, deutsch und lateinisch.

Obwohl sie katholisch erzogen worden war, durfte sie ihren Glauben behalten, verpflichtete sich allerdings an allen protestantischen Feiertagen mitzufeiern und sich öffentlich zu zeigen. Später kam es immer wieder zu massiven Problemen wegen ihrer katholischen Glaubensrichtung.

Karl von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Am 22.5.1823 wurde die katholische Hochzeit per procurationem (Abwesenheit des Bräutigams) gefeiert. Kronprinz Oscar wurde von Joséphines Onkel Karl von Bayern (*7.7.1795, †16.8.1875) vertreten. Zwei Tage später verließ die junge Braut ihre Heimat. In Vaxholm stieg ihr Bräutigam aufs Schiff zu und gemeinsam fuhren sie nach Stockholm.

Am 13.6.1823 kam das Paar an und wurde vom Volk frenetisch bejubelt, welches sich an den zahlreichen Stränden versammelt hatten. Am 19.6.1823 wurde schließlich die richtige Hochzeit gefeiert.

König Karl XIV Johann, Foto: Wikimedia/Commons

Im Februar 1826 machte Oscars Vater König Karl XIV Johann (*26.1.1763, †8.3.1844) seinen Sohn zum Vizekönig von Norwegen. Grund war, dass das Kronprinzenpaar auf eine lange Norwegen-Rundfahrt gehen sollte. Doch völlig unerwartet starb am 21.2.1826 Joséphines Vater Eugéne, weshalb die Reise vorerst verschoben wurde. Erst im April wurde das Paar auf die Reise geschickt. Im Oktober kamen sie zurück.

Am 3.5.1826 brachte sie Kronprinz Karl (†18.9.1872) zur Welt. Er wurde später König Karl XV von Schweden und Norwegen.
Gustav folgte am 18.6.1827 (†24.9.1852). Oskar II wurde am 21.1.1829 (†8.12.1907) geboren. Als Karl starb, wurde er zum König Oscar II von Schweden und Norwegen. Prinzessin Eugénie kam am 24.4.1830 (†23.4.1889) zur Welt. Und schließlich der letzte Sohn August, welcher am 24.8.1831 (†4.3.1873) geboren wurde.

König Oscar I von Schweden, Foto: Wikimedia/Commons

Am 8.3.1844 starb ihr Schwiegervater, weshalb ihr Mann zum König wurde. Am 28.9.1844 wurde sie zur Königin gekrönt. Ihr Name lautete nun Königin Josefina von Schweden.

1852 erkrankte Oscar schwer, weshalb eine Kur in Bad Kissingen vorgeschlagen wurde. Als Reisebegleitung kamen ihr Sohn Oscar und die schöne Tochter Eugénie mit. Die Genesung war rasch, weshalb die Familie bald wieder abreisen konnte. Auf der Rückreise besuchte Josefina noch ihre Familie in München.

Wegen des schlechten Wetters mussten sie in Norwegen Halt machen. Da der König aber in Stockholm erwartet wurde, setzte er durch, dass die Rückreise bei heftigem Sturm fortgeführt wurde. Das Schicksal schlug erbarmungslos zu. Als die Familie schließlich in Stockholm ankam, war Prinz Oscar an hohem Fieber erkrankt. Er verstarb kurz darauf 25jährig am 24.9.1852.

Dies prägte Prinzessin Eugénie so schwer, dass sie schwer krank wurde und den restlichen Herbst im Bett verbrachte. Sie sollte sich von dem Verlust ihres geliebten Bruders nie wieder erholen. Obwohl schon die Brautwerbung für sie begonnen hatte (Napoleon III streckte die Hand nach ihr aus), lehnte sie diese ab und blieb unverheiratet. Sie wandte sich der Religion zu und betätigte sich karitativ.

Auch König Oscar machte sich große Vorwürfe und seine Krankheit brach erneut aus. Nochmal konnte er seinem Schicksal entrinnen. Doch 7 Jahre später starb er am 8.7.1859.

Josefina zog sich zurück. 1872 reiste sie zur ihrer todkranken Schwester Amélie (*31.7.1812, †26.1.1873), welche mit Kaiser Pedro I von Brasilien (12.10.1798, †24.9.1834) in dessen zweiter Ehe verheiratet worden war. Pedro hatte seine erste Frau, Erzherzogin Maria Leopoldine (22.1.1797, †11.12.1826) von Österreich erschlagen. Amélie wollte noch ihre Erbübergabe an Josefina machen. Ihre einzige Tochter Maria Amalia (*1.12.1831, †4.2.1853), welche Erzherzog Ferdinand Maximilian (später Kaiser Maximilian von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) heiraten wollte, starb bereits am 4.2.1853 im Alter von 21 Jahren.

Auf der Rückreise von Lissabon, besuchte sie Lourdes und wollte zur Familie in Bayern. Am 18.9.1872 erhielt sie in Hamburg ein Telegramm, welches ihr mitteilte, dass ihr Sohn König Karl XV schwer erkrankt sei. Die Wahrheit wurde ihr verschwiegen. Er starb noch am selben Tag. Einige Monate später musste sie, nicht nur ihre Schwester Amélie zu Grabe tragen, sondern auch ihren Sohn August, welcher am 4.3.1873 an einer Lungenentzündung starb. Josefina war zutiefst gebrochen.

Kaiserin Eugénie, Foto: Wikimedia/Commons, Gemälde Franz X. Winterhalter

Napoleon III, Foto: Wikimedia/Commons, Gemälde Franz X. Winterhalter

Sarkophag Königin Josefina, Foto: Benny Chordt Hansen via findagrave

1875 erhielt sie eine Einladung von Papst Pius IX, mit welchem sie regen Briefkontakt hatte, nach Rom. Sie nahm die strapaziöse Reise auf sich. Nach dem Treffen, wollte sie weiter an den Tegernsee, um ihren Onkel Karl von Bayern zu treffen. Doch wieder meinte es das Schicksal nicht gut mit ihr. Kurz vor Ihrem Einlagen, starb dieser am 16.8.1875 bei einem Reitunfall. In Salzburg angekommen, traf sie Ex-Kaiserin Eugéne von Frankreich (*5.5.1826, †11.7.1920), welche die Witwe von Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) war. Dies alles setzte der alten Königin sehr zu.

Königin Josefina von Schweden starb 69jährig am 7.6.1876 in Stockholm. Sie ruht in der bernadottischen Krypta im Stockholmer Schloss.


Reisebericht – Schweden

Völlig spontan buchte ich voriges Jahr im Frühjahr den Flug nach Stockholm. Bei sonnigem Wetter und 15 Grad landete ich in einer Stadt, von der ich so gut wie nichts wusste. 

Mein erster Weg führte mich natürlich – was sonst? – auf die kleinste aller 14 Inseln, auf die Stockholm erbaut ist: Gamla Stan. 

Dort befindet sich der königliche Palast. Außer, das hier König Carl Gustav und Königin Silvia leben und ich mitgeheult habe, als Kronprinzessin Victoria ihren Daniel ehelichen durfte, wusste ich nichts von Schweden, oder diesem Königshaus. 

Ich kaufte mein Ticket für die königlichen Appartements, welches auch die Schatzkammer und das Kronos-Museum beinhaltet und startete meine Tour. 

Königliches Schloss
Slottsbacken 1,
111 30 Stockholm
Schweden
Für weitere Informationen bitte hier klicken.

Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt. Filmen verboten. Bitte haltet euch an die Regeln! Nur so ist gewährleistet, dass so etwas weiterhin erlaubt bleibt. 

Und erst als ich ein ganz bestimmtes Bild sah, fiel es mir wie Schuppen vor die Augen: Kaiserin Elisabeths Cousine war Königin von Schweden. Die Biografie von Joséphine von Leuchtenberg konntet ihr oben lesen. 

Ein Rundgang durchs königliche Schloss: 

Im königlichen Palast werden heute noch Staatsempfänge abgehalten. König Gustav und Kronprinzessin Victoria arbeiten hier täglich. 

König Oscar II – Studierzimmer 

Ahnengalerie – hier entdeckte ich Joséphine 

Räumlichkeiten von Königin Louisa Ulrike: Audienzzimmer und Dinner-Room 

Sitzungssaal, der heute noch für Staatsempfänge verwendet wird 
Anschließend König Oscars II Schlafzimmer, welches zum Audienzsaal wurde: 

Ihr seht Sofia Magdalenas Ankleidezimmer. Danach folgt der Don Quixote Raum. 

Eine Art Spiegelsaal – die Galerie von König XI ist beeindruckend. Auch dieser Saal fungiert heute noch für Staatsbankette. 

Absolutes Highlight des Schlosses ist „Der weiße Meer-Saal“. Hier werden große Bankette abgehalten. Hier fand auch die wunderschöne Hochzeitstafel von Kronprinzessin Victoria und Daniel statt. 

Anschließend gibt es einen Raum mit allen Orden und militärischen Auszeichnungen (nicht fotografiert). Der „Hall of State“ bildet den Abschluss. Hier hat 2016 König Carl Gustav seinen 70. Geburtstag gefeiert. 

Mit den inneren Räumen sind wir jetzt durch. 


Königlicher Palast von Stockholm der heute noch für repräsentative Zwecke und als Arbeitsplatz für König Gustav und Kronprinzessin Victoria fungiert. 

Natürlich gibt es auch in Stockholm eine königliche Wachablöse. Dieses 45minütige Spektakel muss man gesehen haben! Achtung: kommt zeitig und seid standfest. Es gibt keine Sitzplatzmöglichkeit und die Wachablöse dauert ssseeehhhrrrr lange!! Immer gegen Mittag. Nähere Infos erhaltet ihr im Schloss. 

Video: sternenkaiserin.com – Marie 

Video: sternenkaiserin.com – Marie 


Direkt neben dem königlichen Schloss befindet sich der Dom Storkyrkan. Diese war die Krönungs- und ist die Hochzeitskirche der schwedischen Familie. Die letzte Krönung fand hier 1873 statt. Damals wurde König Oscar II gekrönt. 
Hier heirateten König Carl Gustav und Silvia. Und die wohl schönste aller Monarchenhochzeiten fand hier statt: 2010 – Kronprinzessin Victoria ehelichte ihren geliebten Daniel. Im Mai 2012 wurde Prinzessin Estelle hier getauft. 

Dom Storkyrkan (Nikolaikirche)
Trångsund 1
111 29 Stockholm


Schloss Drottningholm in der Mälarsee 

Hier wohnen König Carl Gustav und Königin Silvia. Nicht unweit wohnen Kronprinzessin Victoria und Daniel. Schloss Drottningholm ist ein Barockschloss. Teile davon können besichtigt werden. 

Die Hinfahrt solltet ihr euch unbedingt mit dem alten Dampfer von 1910 gönnen. Mit diesem dauert die Fahrt zwar 1 Stunde, aber die Schönheit der Schären ist einfach unbeschreiblich. 

Wer das Schloss betritt, wird durch das atemberaubende Stiegenhaus vereinnahmt. Der Rest der Appartements war allerdings etwas enttäuschend und hinkte dem prachtvollen Stiegenhaus oder auch dem königlichen Palast nach. In den letzten beiden Räumen wartet allerdings eine kleine Überraschung auf den Kaiserin Elisabeth-Fan. 

Schloss Drottningholm 
178 02 Drottningholm
Nähere Informationen bitte hier entnehmen. 

Die schönsten Räume aus dem Schloss.

Hier das versprochene Highlight – das gelbe Zimmer, in dem ein Bild von Kaiserin Elisabeth hängt – nochmals zur Erinnerung. Ihre Cousine Joséphine, war Königin von Schweden. Das Zimmer darf nicht betreten werden. Ich habe so gut es ging gezoomt. 

Zum Schluss der Galeriesaal, wo euch alte Bekannte von der Wand lachen. Darunter natürlich auch Kaiser Franz Joseph. 


Wer die Tour geschafft hat, sollte unbedingt das anschließende Kaffeehaus besuchen und die wunderbare Estelle-Torte probieren. Wie der Name schon sagt, wurde sie extra zur Geburt von Prinzessin Estelle kreiert. Ein Traum aus Bisquit, Himbeere und etwas Marzipan. 

Damit ist natürlich noch längst nicht Stockholm erforscht. Es gibt noch vieles zu sehen, wie zB das Vasa-Museum. Aber hier geht es nur um die königliche Familie und deren Stammbaum zu den Wittelsbachern. 

Ich hoffe, ihr hattet ein wenig Spaß beim Rundgang durch die königlichen Schlösser. 

 ~ Marie ~ 


Rechtliche Hinweise: 
Textrechte: Marie 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, findagrave.com, sternenkaiserin.com – Marie 


Der kleine Flirt von Kaiserin Elisabeth – Friedrich Pacher List von Theinburg (Teil 4)

Kaiserin Elisabeth Foto: Ludwig Angerer via Wikimedia/Commons

Es war der 17.2.1874 als Kaiserin Elisabeth gelangweilt in Wien fest saß. Kaiser Franz Joseph war mit Graf Gyula Andrássy (*3.3.1823, †18.2.1890) in St. Petersburg. Obwohl Elisabeth gerade aus Ungarn kam, überlegte sie zurückzukehren. Doch die ewigen Vorwürfe, sie sei zu wenig in Wien, hielten sie davon ab. Außerdem reagierte Ungarn etwas verstört, als der Kaiser von Österreich und König von Ungarn nach Russland fuhr. 

 

Gyula von Andrássy, Foto: Wikimedia/Commons

Allein in der Hofburg, nur umringt von ihren Hofdamen, wurde ihr schnell langweilig. Vor den Toren der Hofburg hörte sie das schallende Lachen verkleideter Menschen, denn der Fasching war in vollem Gange. Die Wiener Redoute, ein damals berühmter Faschingsball, öffnete zu dieser Zeit seine Tore und von allen Seiten strömten Kutschen herbei. Der Adel und die Reichen von Wien und dem Ausland strömten verkleidet und mit guter Laune in den Redoutensaal.

Elisabeth bat ihre Vorleserin und enge Vertraute Ida von Ferenczy (*7.4.1839, †28.6.1928) zu sich. Und so hegten die beiden Damen einen perfiden Plan aus, um nicht nur der Langeweile, sondern auch den Wachen vor den Türen zu entkommen.

Fanny Feifalik (*28.1.1842, †14.7.1911) wurde damit beauftragt, die Kaiserin zu „verkleiden“. Seit Jahren schon vertraute Elisabeth nur Fanny. Obwohl die beiden oft Streitigkeiten hatten, ließ Elisabeth kaum jemand anderen an ihre Haare. Fanny machte sich einen Spaß aus der ganzen Sache und stülpte über die ohnehin schon schwere Haarpracht eine rotblonde Perücke. Dazu wurde ein gelbes Seidenkleid mit überdimensionaler Schleppe gewählt. Diese sollte später noch auf dem Ball für große Aufregung sorgen. Über dem Gesicht trug Elisabeth eine schwarze Maske mit dichtem schwarzen Schleier.

Die Damen waren sich einig: Niemand würde die Kaiserin damit erkennen.

Fanny Feifalik Foto: forum.alexanderpalace.org

Ida von Ferenczy wurde in ein rotes Dominokleid gesteckt. Ihr Gesicht wurde ebenfalls mit einer Maske verborgen. Niemand sollte die Hofdame bzw. Vorleserin Ihrer Majestät erkennen.

Außer den genannten Damen wurde noch Kammerfrau Schmidl in das Geheimnis eingeweiht. Sie kleidete die Damen ein. Sie schwor das Geheimnis zu bewahren.

Elisabeth nahm in der Gestalt des Dominos einen „Decknamen“ an. Ida sollte sich weder mit Majestät, noch mit Elisabeth oder Sisi in der Öffentlichkeit verraten. Sie entschieden sich für den Namen „Gabriele“. In vielen historischen Büchern ist der Name einer weiteren Hofdame Gabriella Pállfy de Erdöd (*17.11.1833, †22.3.1914) auffällig und es wird angenommen, dass diese dafür herhalten musste. Doch Biograph Egon C. Conte Corti schrieb, dass die Kammerfrau Schmiedl Gabriele hieß und sich so der Name ableitete. In vielen historischen Biographien wird der Name „Gabriella“ zitiert. Ich bleibe bei Gabriele von Conte Corti.(*)

Um an den Wachen vorbei zu schleichen, wandte man einen List an. Kammerfrau Schmidl war von ebengleicher hoher Gestalt wie die Kaiserin und so nannte Ida diese beim Vornamen, damit diese glaubten, dass die Kammerfrau und die Vorleserin der Kaiserin „Aus“ gingen. Es muss ein Spaß gewesen sein, wenn man es heute betrachtet.

Im Saal angekommen, nahmen die Damen einen Platz auf der Galerie ein. So konnten sie den Saal überblicken und waren nicht inmitten des Getümmels. Die Blicke streiften umher und so zog ein junger Mann den Blick von Kaiserin Elisabeth an. Sie bat Ida den jungen Mann zu ihr zu bitten. Ida tat wie geheißen und forderte den Mann auf, ihre „Freundin“ die einsam auf der Galerie säße, würde ihn gerne kennen lernen. 

 

Hofdame Gabriella Pállfy de Erdöd, Foto: Wikimedia/Commons

Er stellte sich als Friedrich Pacher List von Theinburg (*1847, †12.5.1934) vor. Er war 26 Jahre alt und von Beruf Beamter. (Anmerkung Marie: Mir liegt ein Bild des jungen Mannes vor, leider darf ich es nicht veröffentlichen.)

Fritz, wie er genannt wurde, kam aus dem Staunen nicht heraus. Die schlanke Gestalt, die Maske und das Kleid verrieten die Kaiserin gleich als „höheren Adel“. In der Biografie von Conte Corti lässt sich lesen, dass er sofort einen Verdacht hegte, als er die „schöne Dame“ sprechen hörte. Man wusste allgemein, dass die Kaiserin kaum hörbar sprach, oft nur flüsterte. Auch dieser gelbe Domino sprach so leise, dass er Mühe hatte dem Gespräch zu folgen, zumal es schnell zum Erliegen kam. Kaiserin Elisabeth war es nicht gewohnt in der Öffentlichkeit zu sprechen und wirkte oft einsilbig. Das bunte Treiben im Saal, war seltsam anzuschauen, wenn man die steife Haltung der beiden Damen bedenkt. Obwohl sich Ida diskret zurückgezogen hatte, blieb sie in der Nähe und beobachtete die Szene genau. 

Schon bald wendete sich das Gespräch und plötzlich wollte Elisabeth wissen, ob er die Kaiserin kenne und was man sich über sie erzähle. Ein Gedanke zuckte wie ein Blitz durch seinen Körper. Er ahnte, dass sie es war, die vor ihm stand, doch beweisen konnte er es nicht. Fritz Pacher erzählte, dass er sie persönlich nicht kennengelernt habe, da sie sehr scheu sei. Er habe sie aber im Prater beim Reiten gesehen. Selbstverständlich nur aus der Ferne. Sie gäbe sich – anstatt mit dem Volk – lieber mit ihren Hunden und Pferden ab. Zumindest erzähle man sich das auf der Straße. Elisabeth hörte interessant zu und lächelte verzückt vor sich hin. Natürlich erwähnte er auch ihre außergewöhnliche Schönheit, von der ganz Wien sprach und ihre hervorragende Figur. Der gelbe Domino soll sich daraufhin amüsiert gerade gerichtet haben. 

Erzherzogin Gisela Foto: Wikimedia/Commons

Als die Kaiserin fragte, für wie alt Fritz sie halte, nannte er keck das echte Alter von Elisabeth. Sie war zum damaligen Zeitpunkt 36 Jahre alt. Sisi war am Höhepunkt ihrer Schönheit, allerdings bereits zu ihrem großen Verdruss Großmutter. Ihre Tochter Erzherzogin Gisela (*12.7.1856, †27.7.1932) hatte am 8.1.1874 ihre Tochter Prinzessin Elisabeth Marie zur Welt gebracht (Anmerkung Marie: nicht zu verwechseln mit Erzsi, welche ebenfalls Elisabeth Marie hieß und die Tochter von Kronprinz Rudolf (*21.8.1858, †30.1.1889) war. Diese wurde allerdings erst am 2.9.1883 geboren).

Daraufhin endete das Gespräch abrupt. Beleidigt nannte Sisi ihn „unhöflich“ und stand auf. Danach soll sie „So, jetzt kannst du abfahren!“ (1) gesagt haben. Fritz antwortete ironisch: „Das ist aber wirklich liebenswürdig, zuerst läßt du mich zu dir heraufkommen, quetschst mich aus und gibst mir dann den Laufpaß. Gut, ich gehe, wenn du genug von mir hast, aber eines glaube ich doch von dir verlangen zu können: einen Händedruck zum Abschied.“ (2) Elisabeth setzte sich darauf hin und gebot Fritz nochmals Platz zu nehmen. Das freche, unkonventionelle Verhalten des jungen Mannes beeindruckte sie sehr.

Miklós_Pál_Esterházy_de_Galántha „Sport Nikki“ Foto: Wikimedia/Commons 

Mit diesem Satz wandelte sich für die beiden der Abend. Elisabeth taute auf und ging nun am Arm von Fritz Pacher von Theinburg durch den gesamten Ballbereich. Sogar die Nebenräume sahen sich die beiden an. Fröhlich wurde über Politik, das Kaiserhaus und sogar über Allerlei (heute würde man small talk dazu sagen) gesprochen. Sisi war nicht wiederzuerkennen. Fritz selbst benahm sich wie ein Gentlemen. Ließ schlüpfrige Witze, machte keine zweideutigen Andeutungen und ließ das Flirten. Später erzählte er Conte Corti, dass er wusste, es würde keinen Sinn machen. Jeder der ihn an diesem Abend mit dem „gelben Domino“ sah, ging erstaunt zur Seite. Zu königlich der Gang des Dominos. Zu schlank, zu hochgewachsen, zu schön die gesamte maskierte Gestalt. Obwohl von Theinburg diese Szenen genoss, so war ihm innerlich unbehaglich. Die adelige Gesellschaft begann sich um das Paar zu platzieren und man tuschelte unentwegt und versuchte die Identität der gelben Dame zu erraten. Nur einer war dabei, der wusste wer sie war. Freund und Sportsmann Nikki Esterházy (Miklós Pál Esterházy de Galántha, genannt Nikki oder auch Sport-Nikki) (*5.12.1839, †7.5.1897) erkannte Elisabeth. Zu oft war er zu Gast auf Schloss Gödöllö und an ihrer Seite, als dass er ihre Stimme, ihren Gang und ihre Art nicht erkennen würde. Doch er schwieg. 

Fritz von Theinburg bat um ein weiteres Rendezvous. Elisabeth, die vorgab, keine feste Adresse zu haben, da sie permanent auf Reisen sei, gab ihm zu verstehen, dass vielleicht ein Treffen in Stuttgart oder München möglich wäre und ob er dorthin eilen würde. Er würde überall hinreisen, gab er an, Hauptsache er könnte „seinen schönen Domino“ wiedersehen. Als er darum bat, dass sie zumindest den Handschuh ausziehen solle, damit er ihre Haut und Hände bestaunen könne, lehnte Elisabeth ab. Das Geheimnis sollte bewahrt werden. 

Mittlerweile war der Ball fortgeschritten. Weit nach Mitternacht und Ida wurde immer nervöser und kam immer öfter zu Elisabeth zurück. Sie hatte sich entfernt, als diese begann im Saal herumzulaufen. Doch Elisabeth ließ sich die Adresse von Fritz geben und versprach alsbaldig zu schreiben. Die Kutsche fuhr vor und die beiden Damen entschwanden in der dunklen Nacht. 

Kaiserin Elisabeth war bang beim Gedanken, dass er ihr folgen würde. Ida ließ den Fiaker noch in die Vorstadt fahren. Berauscht und glückselig saßen die beiden Damen in der Kutsche. 

Angekommen, setzte sich Elisabeth noch an ihren Schreibtisch und dichtete folgende Zeilen: 

Wo sich bunte Masken drängen,
Welch Summen, Toben, Lärmen, Schrei’n,
Wie sie zu tollen Walzerklängen
Den Mücken gleich, sich dreh’n und freu’n.

Doch wir zwei wählten uns das Beste;
Wir sassen in den Wagen ein,
Der ward uns bald zum warmen Neste:
Und Dunkelheit hüllt‘ rings uns ein….“ (3)

Berauscht war auch Fritz von Theinburg, der in seine kleine Wohnung zurückging und nicht schlafen konnte. Täglich ging er in den Prater und versuchte die reitende Kaiserin zu erblicken. Ständig blieb er in der Nähe der Hofburg und hoffte, Sisi in einer Kutsche zu sehen. Und tatsächlich. Die Kutsche fuhr knapp an ihm vorbei. Schlagartig drehte sich Elisabeth um, hob den Vorhang zum hinteren Sichtfenster, erblickte den erstaunten Fritz von Theinburg und ließ ihn wieder fallen. Eine Woche später bekam er Post. Aus München. 

„Lieber Freund!

Sie werden erstaunt sein, meine ersten Zeilen aus München zu erhalten. Ich bin seit wenigen Stunden hier auf der Durchreise und benütze die kurzen Augenblicke meines Aufenthaltes, Ihnen das versprochene Lebenszeichen zu geben. Und wie sehnsüchtig haben Sie es erwartet. Leugnen Sie nicht mit Ihrer ehrlichen deutschen Natur. Aber fürchten Sie nicht, ich fordere keine Erklärungen, ich weiß ja so gut wie Sie, was seit jener Nacht in Ihnen vorgeht. Mit tausend Frauen und Mädchen haben Sie schon gesprochen, sich auch unterhalten geglaubt, aber Ihr Geist traf nie auf die verwandte Seele. Endlich haben Sie im bunten Traum das gefunden, was Sie jahrelang suchten, um es für ewig vielleicht wieder zu verlieren.
Ich bin auf dem Wege nach Englang, die Verwandten meiner Mutter in Geschäftssachen aufzusuchen, ein trockener geistermüdender Aufenthalt steht mir bevor. Ich werde lange zehren müssen an den letztverlebten Stunden. – So lange ich kann, gebe ich die Hoffnung auf Stuttgart nicht auf. Von London aus erhalten Sie wieder Nachricht. Schreiben Sie mir einstweilen

Hauptpost poste restante Wien
unter der Adresse „Gabriele F.L.36“

Meine Cousine, deren blonde Haare so grossen Eindruck auf Sie machten, besorgt mir die Briefe.“ 

In Eile grüsst Sie 
Ihre Freunden G. (4)

Gräfin Marie Festetics, Hofdame Foto: Wikimedia/Commons

Mit der Cousine war natürlich niemand geringerer als Hofdame Gräfin Ida von Ferenczy gemeint.

Fritz Pacher schrieb sofort zurück und nach 2 Tagen erfährt er, dass der Brief abgeholt worden sei. 

Tage, Wochen danach beschäftigte Ida von Ferenczy noch immer das Geschehen am Ball. Kaiser Franz Joseph und Graf Gyula Andrássy kehrten nicht wie vorgesehen am 11.2.1874 von St. Petersburg zurück, sondern erst am 27.2.1874. Und obwohl Hofdame Gräfin Marie von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) ebenfalls eine Intima von Kaiserin Elisabeth war, wusste diese nichts von diesem Abenteuer. Insgeheim freute sich Ida darüber, obwohl sie sich mit Marie von Festetics außerordentlich gut verstand. 

In der Zwischenzeit sammelte Fritz von Theinburg, alles was über die Kaiserin in der Presse erschien. Jeder noch so unbedeutende Schnipsel wurde ausgeschnitten. Er wollte das Geheimnis seiner schönen Begleiterin lüften, doch so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, war es nicht. Elisabeth verwischte gut ihre Spuren. Zu gut. Mittlerweile langten immer wieder Briefe ein. Ein weiterer Brief war mit 23.3.1874 datiert. Ebenfalls aus London. Der nächste war nur mit „April 1874“ datiert, wieder angeblich aus London. 

Doch in den Zeitungen war nirgends zu lesen, dass sich Elisabeth dort aufhalten sollte. War er auf der falschen Spur? Oder lügt diese Gabriele nur wie gedruckt. In den Briefen war zu lesen, dass Gabriele Hunde hasste, im Orient sei und wieder gab es eine neue Adresse für ihn. Diesmal sollten die Briefe an „Leonard Wieland, General Postoffice“ in London gehen. Friedrich Pacher List von Theinburg wurde immer unsicherer. Der sehr hübsche junge Mann glaubte an einen Trugschluss, schrieb aber immer wieder zurück. Dass sich zu dieser Zeit allerdings Königin Marie von Neapel (*4.10.1841,†19.1.1925), eine Schwester von Kaiserin Elisabeth in London aufgehalten hatte, wusste er natürlich nicht. 

Königin Marie von Neapel, Foto: Wikimedia/Commons

Die ersten Briefe vergaß er „nochmals abzuschreiben“, damit er ihn ebenfalls in Händen halten bzw. für die Nachwelt bewahren konnte. Denn, sollte es Kaiserin Elisabeth gewesen sein, wäre dies für ihre Biographen sicherlich interessant. 1874 so weit vorauszudenken, war sicherlich von Vorteil. 

Elisabeth wäre nicht Elisabeth, wenn sie nicht aus allem einen Wahn entwickelt hätte. Und so geschah es auch hier. Ein kleiner unbedeutender Flirt an einem Faschingsdienstag, wurde für die gelangweilte Kaiserin eine Passion. Sie steigerte sich so sehr in diese Geschichte, dass ihre Briefe zwischen Wahn und Wahrheit hin und her hüpften und aus einer kleinen zufälligen Begegnung wieder ein Gedicht machte. Sie hoffte, dass sich ihr „Freund“ Ferdinand Pacher nach ihr verzerrte. Sie lechzte nach Hinweisen in seinen Worten. 

Als Kaiserin Elisabeth mit ihrer Tochter Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868, †6.9.1924) wieder im Prater Ausritt, traf sie auf Fritz, der dort (zufällig?) spazieren ging. Überrascht grüßte er sie und lächelte sie überaus freundschaftlich an. Jahre später erzählte Sisi ihrer Tochter die Episode als Domino und erwähnte dabei diesen Ausritt. Sie war sich ab diesem Zeitpunkt sicher, dass er sie als gelben Domino erkannt hatte. 

 

Doch trotzdem oder gerade deshalb schrieb sie über jenes Treffen ein Gedicht: 

Ich seh dich reiten, ernst und traurig, 
In Winternacht im tiefen Schnee; 
Es bläst der Wind so eisig schaurig, 
Mir ist so schwer zumut, so weh!

Im dunklen Osten, fahl verschwommen, 
Da dämmert jetzt ein blasser Tag, 
Mit Centnerlast das Herz beklommen, 
Trägst heimwärst du die bitt’re Klag! (5) 

Während Elisabeth vor sich hinträumte und meinte, ihren Seelenfreund gefunden zu haben, den sie doch nicht haben durfte, beging Fritz einen folgenschweren Fehler, den er büßen sollte. Er ging auf den letzten Brief „aus London“ mit Argwohn ein. Er forderte „Gabriele“ auf sich zu bekennen und schrieb ihr, dass er glaube, dass sie Elisabeth heiße. Außerdem sei ihm der kleine Flirt ganz Recht gewesen, mittlerweile sei das Spiel aber langweilig und es wäre an der Zeit die Wahrheit zu sagen. 

Erst zu spät fiel ihm auf, dass er damit alles zerstört hatte. Der Flirt wäre von Elisabeth noch jahrelang betrieben worden, wäre Fritz von Theinburg nicht so unklug gewesen und hätte dieses Antwortschreiben verfasst. Er ärgerte sich massiv über sich selbst. Sein Brief wurde nie beantwortet. 

Redoutensaal Hofburg, heute Foto: Hofburg

Monate später hoffte er, auf dem erneuten Faschingsball in der Wiener Redoute seinen Domino wiederzufinden. Und so geschah es 1876, dass ein großgeblumter Domino plötzlich neben ihm stand, sich wie von selbst einhackte und mit ihm spazieren ging. Doch es war ihm bald klar, dass es sich hier nicht um den „gelben Domino“ handelte. Die Unterhaltung verlief aber außergewöhnlich intim, denn dieser „blumige Domino“ wollte die Briefe von „Gabriele“ zurück. Erstaunt über diese Forderung, antwortete er, nur wenn er seine zurück bekäme. Damit war der Abend zu Ende. 

Am 6.3.1876 erhielt er folgenden Brief: 

„Lieber Fritz, 
Obgleich Du denken wirst, dass ich Dich vergessen, so will ich Dich hiemit vom Gegentheil überzeugen, und Dir mitteilen, dass sich Gabriele sehr freute zu hören, dass Du ihrer noch gedenkst, dass ich ihr Deine Grüsse ausgerichtet ist selbstverständlich und lässt auch sie Dich bestens grüssen. Die Arme hat sich vorgestern den Fuss derart verstaucht, dass sie genöthigt ist, das Bett zu hüten, ich hoffe jedoch, dass der Unfall einen günstigen Verlauf nehmen wird. Ich theile Dir dies mit, da ich denke, dass alles was sie betrifft Dich interessieren dürfte; nun zu etwas anderem. Du sagtest mir auf der letzten Redoute, dass falls Gabriele ihre Briefe zurück will, Du geneigt bist, sie ihr zu senden, gegen Austausch der Deinigen. Trotzdem sie durchaus kein Misstrauen in Dich setzt, so wirst Du doch begreifen, dass es für sie eine Beruhigung wäre, wenn sie wieder in Besitz der Briefe käme, willst Du sie also zurücksenden, so kannst sie poste restante, Wieden unter Henriette B.R., wo ich sie dann abholen lassen werde, und Dir auch gleich die Deinen senden, jedenfalls antworte mir umgehend, wie es Dir geht, was Du noch getrieben, als ich Dich am Dienstag verliess, gewiss unzählige Rendez-vous gegeben nicht wahr? 
Nun will ich Dich nicht länger quälen, sondern bloss Dich bestens grüssen als Dein rother Domino 
Henriette B.R. poste restante Wieden.“ (6)

Ida von Ferenczy Foto: Wikimedia/Commons

Doch „Henriette“ hat nicht mit der Verweigerung von Fritz Pacher gerechnet. Sein Antwortschreiben war eher belustigt, als besorgt. Die Briefe sandte er nicht zurück und so wurde der Ton von Henriette entzürnter. Mittlerweile war der „rothe Domino“ zum „Großgeblumten“ Domino geworden und so kam er auf die Idee, dass es sich hierbei um die bekannte Friseurin im Dunstkreis der Kaiserin gewesen sein könnte, die ihm mittlerweile schreibe. Egal wer ihm schrieb, die Damen amüsierten sich köstlich, allerdings ärgerten sie sich auch, denn die Briefe von „Gabriele“ kamen nicht zurück. 

Der Kontakt riss ab und Jahre gingen ins Land. Fritz von Theinburg wurde Fabrikant und reich. Er heiratete Mathilde Clara Schwäger von Hohenbruck und zeugte mit ihr 3 Töchter: Elisabeth, Edith und Mathilde. An einem weinseligen Abend erzählte er seiner Mutter und seiner Frau Clara die Episode und seinen Verdacht. Die Damen lachten ihn aus und vermeinten er habe Halluzinationen gehabt. Alle drei staunten daher nicht schlecht, als nach 11 Jahren ein Brief von „Gabriele“ einlangte. Sie verlangte nach seiner richtigen Adresse und wollte nun – zu seinem großen Erstaunen – eine Photographie von ihm. 

von Theinburg schrieb am 9.6.1885 zurück: 

Lieber gelber Domino!
Ich wüßte nicht, was mich hätte mehr überraschen können als dieses Lebenszeichen von Dir. 
„Aus allen Wolken bin ich gefallen“, wäre zu wenig gesagt, viel zu wenig. Was ist seit diesen elf Jahren alles geschehen? Du prangst wohl noch in alter, stolzer Schönheit – ich bin ein kahlköpfiger, ehrsamer aber glücklicher Ehemann geworden, habe eine Frau, die Dir an Größe und Gestalt ähnelt, und ein herziges kleines Mäderl. Du kannst, wenn Du es für passend findest, ohne Scheu nach diesen langen elf Jahren Deinen Domino ablegen und Klarheit in das räselhafte Abenteuer bringen, das mich von allen jenden, die ich erlebt, am meisten interessiert hat… 
Du siehst, ich bin noch immer das alte „deutsche“, aufrichtige Gemüt mit all den Fehlern von damals. Was mir von Dir kommt, kann nur Gutes sein, also sende immerhin, was Du zu senden hast. Was es auch sei, es wird mich, wie jede Nachricht von Dir, herzlich freuen…“ (7)

Doch Fritz hat nicht mit der lustig gemeinten Antwort gerechnet, die er völlig falsch aufnahmt. Der „rothe Domino“ meldete sich zu Wort und wollte den kahlköpfigen Ehemann Pacher sehen. Fritz schrieb darauf hin entzürnt zurück. Elisabeth erhielt aus den Händen Idas den Brief mit den garstigen Worten „Recht leid tut’s mir, daß Du nach elf Jahren noch immer nötig findest, mit mir Verstecken zu spielen. Eine Demaskierung nach so langer Zeit wäre ein hübscher Spaß und ein gutes Ende zu dem Faschingdienstag 1874 gewesen, eine anoyme Korrespondenz entbehrt nach so langer Zeit des Reizes. Dein erster Faschingsbrief hat mich gefreut, der letzte hat mich geärgert. Mißtrauen sieht der nicht gern, der weiß, daß er es nicht verdient. Leb wohl und nichts für ungut!“ (8) Zuerst ist sie entsetzt über den Ton den er ihr gegenüber anschlägt, dann jedoch besann sie sich, dass er ihr ja so schreibe, als wüsste er nicht, wer sie sei. Sie legte den Brief und das Gedicht, welches sie ihm zur Gegenleistung für ein Foto schicken wollte, zur Seite und schrieb nicht mehr zurück. 

Gräfin Marie von Larisch, Foto: Wikimedia/Commons

Doch sie wäre nicht Elisabeth, wenn sie nicht noch ein Spottgedicht hinten nach geschrieben hätte: 

Ein ganz gemeines Beast; 
Kahl war er auch, dazu noch schiech, 
Gehör nur auf den Mist. 
Von seiner Schmach ist voll, 
Und jedes Echo heult’s
Von Fels zu Fels, im Land Tirol – 
Und Eine ist, die teilt’s! (9)

Die Schmach die Briefe nicht zurückerhalten zu haben und auch den Ton, den er ihr gegenüber anschlug, den verlorenen Flirt, den Traum einer Faschingsdienstagsnacht, beschäftigten Kaiserin Elisabeth bis ins Jahr 1887. Hier verfasste sie das letzte Gedicht für und an Fritz, der wie ein Nebel immer wieder vor ihr her zog: 

Das Lied des gelben Dominos
Long, long ago

Denkst Du der Nacht noch im leuchtenden Saal? 
Lang, lang ist’s her, lang lang ist’s her, 
Wo sich zwei Seelen getroffen einmal, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her
Wo unsre seltsame Freundschaft begann, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her! 
Denkst Du, mein Freund, woh noch manchmal daran? 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Denkst du der Wort, so innig vertraut,
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Die wir getauscht bei der Tanzweisen Laut? 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Ach! nur rasch schwand die Zeit uns dahin; 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Ein Druck der Hand noch, und ich musste flieh’n, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Mein Antlitz enthüllen durft‘ ich dir nicht. 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Doch dafür gab ich der Seele ihr Licht, 
Freund das war mehr, das war mehr! 
Jahre vergingen und zogen vorbei, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Doch sie vereinten nie wieder uns zwei
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Forschend bei Nacht frägt die Sterne mein Blick, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Auskunft noch Antwort gibt keiner zurück, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Bald wähnt ich nahe dich, dann wieder fern. 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Weilst du vielleicht schon auf anderem Stern? 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Lebst du, so gieb mir ein Zeichen bei Tag, 
Lang, lang ist’s her, lang ist’s her!
Dass ich’s kaum hoffen, erwarten vermag, 
So lang ist’s her, so lang ist’s her!
Lass mich warten nicht mehr, 
Warten nicht mehr! (10)

Kaiserin Elisabeth Foto: Wikimedia/Commons

1887 wurde Kaiserin Elisabeth 50 Jahre alt und ihre Schönheit war vergangen. Tiefe Falten durchzogen das einst so schöne Antlitz. Die Kosmetik von damals war noch nicht so weit, ein Gesicht, das wettergegerbt und von Magersucht gezeichnet war, hinter Make up oder Operationen zu verstecken. 

Das Gedicht „Long, long ago“ sandte sie an Fritz aus „Brasilien“. Hätte sie die Post abholen lassen, die noch immer auf ihren alten Adressen auf sie gewartet hätte, wäre sie ebenfalls in den Besitz eines Gedichtes aus der Feder von Fritz gekommen, welches er an die „Schöne Unbekannte von 1874“ verfasst hatte. 

Doch nach einem halben Jahr ging der Brief unbeantwortet zurück.

40 Jahre später wurde Fritz der Beweis zugespielt, dass es sich um Kaiserin Elisabeth handelte. Gräfin Marie Louise Larisch (*24.2.1858, †4.7.1940) war durch den Selbstmord des Kronprinzen bei der Familie Habsburg-Lothringen in Ungnade gefallen. Marie war zuvor die Lieblingsnichte von Elisabeth. Doch der Tod des Sohnes überschattete fortan das Leben der Kaiserin. Marie versuchte sich mit boshaften Memoiren über das Leben der bereits verstorbenen Kaiserin über Wasser zu halten. Zufällig kaufte er das Buch, als er auf eine lange Zugfahrt musste. Darin war in groben Zügen die Geschichte vom gelben Domino erwähnt. Wer Marie die Geschichte erzählte, oder ob sie Henriette war, wird wohl nie wieder geklärt werden. 

Als der Biograph Conte Corti von Ida von Ferenczy die Geschichte hörte und den Namen des „Flirts“ erfuhr, nahm dieser Kontakt zu ihm auf. Fritz Pacher hatte nun den allerletzten Beweis erhalten. Er übergab die Briefe von „Gabriele“ dem Biografen und starb kurz nach dem Interview 87jährig am 12.5.1934. 

 

~Marie ~

 

 


Rechtliche Hinweise: 
Text: Marie 
Bildrechte: Wikimedia/Commons, Ludwig Angerer via Wikimedia/Commons, forum.alexanderpalace.org, Hofburg


Literatur Hinweise:

(*) Egon C. Conte Corti interviewte persönlich Friedrich Pacher List von Theinburg und Ida von Ferenczy – S. 226/7, 
1 – S. 227, 2 – S. 228, 7 – S. 311/2, 8 – 312
Elisabeth von Österreich Tragik einer Unsterblichen
E.C.Conte Corti (nur noch antiquarisch erhältlich)
Wilhelm Heyne Verlag, 15. Auflage, 1996

3 – S. 185, 4 – S. 185/6, 5 – S. 191/2, 6 – S. 193, 9 – S. 199, 10 – S. 200
Kaiserin Elisabeth und ihre Männer 
Sigrid-Maria Größing (nur noch antiquarisch erhältlich) 
Ueberreuter, 1. Auflage, 1998 


 

Der grausame Tod von Herzogin Sophie Charlotte

Vorwort: 

Herzogin Sophie
Foto: Wikimedia/Common

Wo einer ihrer Biografen aufhörte, fange ich an zu erzählen. Ihr Leben ist beinahe so tragisch, wie das von ihrer berühmten Schwester Kaiserin Elisabeth. Ich habe mich eine Zeit lang mit Sophie beschäftigt und muss sagen, dass sie Zeit ihres Lebens eine todunglückliche Frau war. Von König Ludwig verschmäht, musste sie einen ungeliebten Mann auf ihrer Seite ertragen, der sie wie Besitz behandelte. Als sie ausbrechen wollte, steckte man sie in die Psychiatrie, kaum erholte sie sich von diesen Strapazen, starb sie qualvoll im Feuer. 

Als ich ihren Tod beleuchtete, fand ich erschütternde Schicksale. Doch Sophie ging mit Frieden im Gesicht in den Tod. So zumindest wird dies von Augenzeugen berichtet, die dem Feuertod entkommen konnten. 

Um sie von den vielen Sophies zu unterscheiden, hatte man in späterer Zeit damit begonnen, bei der Schwester das Charlotte anzuhängen. Doch sie wurde Zeit ihres Lebens niemals Sophie Charlotte gerufen. Ich bleibe daher – bis auf die Überschrift – ebenfalls bei ihrem Namen „Sophie“. 

Was Sie hier lesen werden, wird drastisch sein. Die Bilder die ich Ihnen zeige, sind einzigartig. Ich habe mich 2018 auf den Weg nach Paris und Dreux gemacht, um den Tod von Herzogin Sophie d’Alençon zu erzählen.

Bitte gehen Sie mit der Geschichte mit Bedacht um. Um die Bilder zu schützen, musste ich ein extra großes Logo anbringen. Bitte haben Sie auch dafür Verständnis.

Ihre Biografie in kurzen Worten vorab:

Herzog Max
Foto: Wikimedia/Commons

Herzogin Ludovika Foto: Wikimedia/Commons

Wir erinnern an Sophie Charlotte Auguste Herzogin in Bayern.

Sie wurde am 22.2.1847 im Herzog Max Palais in München geboren.

Ihr Vater war Herzog Max in Bayern (*4.12.1808, †15.11.1888) . Ihre Mutter war Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892).

Sophie war das neunte Kind des Paares und somit Kaiserin Elisabeths jüngste Schwester und die Cousine von Kaiser Franz Joseph.

Sie wuchs ebenso unbeschwert in München, als auch in Possenhofen auf, wie all ihre Geschwister.

Ludovika legte nicht den größten Wert auf Bildung, eher auf eine gute Verbindung. Sie hatte bereits eine Kaiserin und eine Königin vermittelt. Ihr Bestreben nach „einer guten Partie“ stand weit über dem Glück ihrer Kinder.

Sophie lehnte allerdings einige Brautwerber ab. Unter ihnen soll auch Erzherzog Ludwig Viktor (*15.5.1842, †18.1.1919), der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, gewesen sein, was aber in der Literatur als unwahrscheinlich gilt.

König Ludwig II
Foto: Wikimedia/Commons

offizielles Verlobungsfoto
Foto: Joseph Albert via Wikimedia/Commons

Edgar Hanfstaengel
Foto: Wikimedia/Commons

Da sie eine Freundschaft zu König Ludwig II (*25.8.1845, †13.6.1886), der gleichzeitig ihr Cousin 2. Grades war, unterhielt, verlobten sich die beiden im Jänner 1867.

Während eines Fototermines, „als Verlobte Ludwigs“ verliebte sie sich in den unstandesgemäßen Edgar Hanfstaengel (*15.7.1842, †28.5.1910), welcher der Sohn des Fotografen war.

König Ludwig selbst den Frauen nicht zugetan, erkannte, dass nur eine Freundschaft einer Ehe nicht förderlich wäre und löste kurzerhand die Verlobung im Oktober 1867 wieder auf. Auch deshalb, da Ludwig 2x den Hochzeitstermin verschob und Herzog Max ein Machtwort sprach.

Um die Schmach der gelösten Verlobung nicht lange ertragen zu müssen, suchte Ludovika fieberhaft nach einem neuen Kandidaten. Sie fand ihn im Enkel des letzten französischen Königs und arrangierte ein Treffen am sächsischen Königshof. Ferdinand Philippe Marie Herzog d‘Alençon (*12.7.1844, †29.6.1910) war begeistert von der überaus hübschen Sophie und hielt alsbaldig um ihre Hand an.

 

Ferdinand d’Orléans, duc d’Alençon
Foto: Wikimedia/Commons

Louise Victoire
Foto: Wikimedia/Commons

 

Am 28.9.1868 fand in einem Saal in Possenhofen die Vermählung statt. Sophies Ja-Wort glich einem „Ja, von mir aus.“

Philippe Emanuel
Foto: Wikimedia/Commons

Die Ehe begann von Seiten Sophies mit Gleichgültigkeit. Trotzdem gebar sie zwei Kinder. Tochter Louise Victoire (*19.7.1869, †4.2.1952) kam in England zur Welt, Sohn Philippe Emanuel (*18.1.1872, †1.2.1931) in Meran. Vor allem Louise war ihrer Mutter sehr zugetan. 

Die Familie hatte keinen festen Wohnsitz und so reiste diese durch halb Europa: London, Wien, Paris, Meran, München waren nur einige der Wohnorte.

 

 

 

 

 

Richard von Krafft-Ebing
Foto: Wiimedia/Commons

Während der Zeit in München musste sie sich von einer schweren Krankheit erholen und verliebte sich dabei in ihren Allgemeinmediziner Dr. Franz Glaser. Die Affäre ging soweit, dass sie sich scheiden lassen wollte. Ein absoluter Skandal zu jener Zeit.

Privatsanatorium Maria Grün
Foto: Wikimedia/Commons

Ferdinand war so entsetzt, dass er seinen Schwager Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) (Bruder von Sophie und Elisabeth) um Hilfe bat und seine Frau wegen „sexueller Abartigkeit“ in die Nervenheilanstalt Maria Grün  in Graz einliefern ließ. Dort fiel sie dem weltberühmten und berüchtigten Psychiater Richard von Krafft-Ebing in die Hände. Seine Methoden könnten nicht grausamer gewesen sein. Eiswasser-Behandlungen waren noch die harmlosen Therapien, die er seinen Patientinnen zu Teil werden ließ. 

Während dieser Zeit wandte sich auch ihre Schwester Kaiserin Elisabeth ab. Diese verfasste garstige Gedichte über ihre Schwester.

7 Monate später war Sophies Wille gebrochen. Die Scheidungspläne hatte sie aufgegeben und so durfte sie das Sanatorium verlassen. Abgemagert und seelisch gebrochen traf sie 1888 Kaiserin Elisabeth und ihre Tochter Erzherzogin Marie Valerie wieder, die „vom blühenden Leben Tante Sophies“ schrieb, sowie „von Eintracht“ zwischen Ferdinand und ihrer Tante. Man kann davon ausgehen, dass Erzherzogin Marie Valerie weder eine Ahnung hatte, was Sophie mitmachen musste, noch, dass diese nochmals öffentlich über ihre Ehe gesprochen hätte.

Herzogin Sophie
Foto: jourfixe-muenchen-ev.com

Das Paar ließ sich nun endgültig in Paris nieder. Sophie wandte sie sich ihrer Gläubigkeit zu. Sie trat 1880 sogar einem „Dritten Orden der Dominikanerinnen“ bei und nannte sich dort „Schwester Marie Madeleine.“ Der „Dritte Orden“ war eine Gruppe von Laien, die kein Gelübde abzulegen brauchten und sich die meiste Zeit außerhalb ihres Ordens aufhielten. Aufgabe dieser Orden war es, sich um die Armen der Stadt zu kümmern. Kaiser Franz Joseph blieb wirklich nichts erspart, denn die Schwester seiner Frau, half jetzt den Clochards (Obdachlose) der Stadt oder half „gefallenen Frauen“ (Dirnen mit Kindern oder ledige Frauen mit Kindern). Sophie legte auf den Titel „Herzogin d’Alençon“ kaum noch Wert und wollte mit „Tochter des heiligen Dominikus“ angesprochen werden. 

Am 4.10.1895 machte sie ihr Testament, in welchem sie die Bedingungen ihrer Beerdigung festlegte. Sie wünschte sich ein Begräbnis ohne Schmuck, ohne Musik und ohne Blumen. Sie wollte in ihrem weißen Ordensgewand beerdigt werden. Ihre Haare sollten verbrannt werden. Nur, wenn ihr „vielgeliebter Gatte“ eine Erinnerung für sich wünschte, sollte man ein wenig davon abschneiden. Sollte Ferdinand nach ihr Sterben, wünschte sie, dass „ihr Schutzengel im Leben“ neben ihr bestattet werden möge. Ob sie dies wirklich so meinte oder nur schrieb, da sie wusste, es würde ihr sowieso nichts anderes übrig bleiben, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

Doch der Wunsch, dass ihre Haare verbrannt werden sollen, löst heute noch ein Erschaudern in mir aus. 

Wir nähern uns somit dem tragischen Ende von Herzogin Sophie d‘Alençon am 4.5.1897.
Lesen Sie deshalb nur weiter, wenn Sie nicht schwanger sind und sehr gute Nerven haben. Vielen Dank! 

Theaterkulisse Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Seit Jahren fand in Paris der Bazar de la Charité statt. Da jedoch die Weltausstellung geplant wurde, musste dieser an seinem angestammten Standort im Palais de l’Industrie weichen. Der Platz wurde in der Rue Jean Goujon gefunden. Auf diesem Grundstück baute man ein 80 Meter langes und 30 Meter breites Gebäude aus Holz. Um das Innere besonders schön zu gestalten, wurde eine alte Theaterkulisse, welche Paris im 15. Jahrhundert darstellen sollte, aufgebaut. Diese bestand allerdings aus Pappdeckeln und vielen Leinwänden, welche mit Ölfarben bemalt waren. Ein Unding, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Als Dach diente ein altes Segeltuch, der Boden wurde mit Fichtenholz gebaut. Alles in allem eine Verkettung von brennbaren Stoffen. Das Gebäude verfügte über 5 Ausgänge und 2 große Türen, welche direkt auf die Straße hinausgingen.

 

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Eines der großen Highlights dieses Bazars war eine kleine, mit Wasserstoff gefüllte Montgolfière (Heißluftballon), welche im Raum schwebte. Ein weiteres Großereignis war der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser zeigte die ersten Filmaufnahmen. Eine der größten Errungenschaften dieser Zeit. Noch nie zuvor hat man „bewegte Bilder“ gesehen. Hätten die Brüder gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie ihr Gerät wohl nie dort aufgestellt. Das Unglück brach mit diesem Apparat aus. Am 4.5.1897 nahm das Unglück seinen Lauf. Ein Helfer des Filmvorführers verschüttete beim Befüllen einer Lampe Ether, welches in Kontakt mit der Lampe kam, die noch nicht abgekühlt war. Das Feuer brannte schnell, heiß und breitete sich innerhalb von Sekunden aus:

zeitgenössische Darstellung des Feuers
Foto: Wikimedia/Commons

Herzog Ferdinand d‘Alençon befand sich mit Sophie im Bazar, löste sich aber von ihr, da er an einem Stand einen Bekannten gesehen hatte. Während er sich unterhielt, ging Sophie weiter. Ein Fehler, der ihr das Leben kostete. 

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und das Schreien der Menschen war bis weit nach draußen zu hören. Als Ferdinand realisierte, dass es brannte, wollte er zu Sophie. Doch die Massen, die nach draußen drängten, das Feuer, die Hitze und der beißende Rauch machten ein Zurück unmöglich. Während Ferdinand hinausgedrängt wurde, ging Sophie immer mehr in das Feuer hinein.

Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: Meisterdrucke.at

Gemeinsam mit Valérie Turquet de La Boisserie Vicomtesse Beauchamp (*28.2.1867, †4.5.1897) versuchte Sophie so vielen Frauen und Kindern wie möglich aus dem Feuer zu helfen.

Während draußen die Menschen zum Helfen zum Bazar de la Charité eilten, um Verletzte zu bergen, Frauen und Kinder durch die Türen und Fenster zu zerren und in die Krankenhäuser zu bringen, lief ein aufgeregter Ferdinand auf und ab und hoffte, dass seine Frau aus einer der Türen heraustrat.

Foto: Chapelle Bazar de la Charité

Mittlerweile konnte man den Brand quer durch die ganze Stadt sehen. Als Ferdinand nach Hause ging, welches sich nur wenige Schritte vom Bazar de la Charité befand, ist er schnell dort. Mittlerweile haben sich Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925) (Schwester von Kaiserin Elisabeth und Sophie), Gräfin Mathilde von Trani (*30.9.1843, †18.6.1925) (ebenfalls eine Schwester) bei den d‘Alençon eingefunden. Beide lebten zu dieser Zeit in Paris. Ferdinand war gebrochen, konnte kaum Atmen und war schwer verletzt. Er trug Brandwunden im Gesicht und Kopf, sein Haar und Bart waren versengt. 

Draußen tobte das Feuer und die Bemühungen es einzudämmen. Die Schreie der Opfer gellten durch die einbrechende Nacht.

Ca. 1500 Menschen befanden sich in den Räumlichkeiten des Bazars. Hauptsächlich Frauen und Kinder.

Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Opfer es tatsächlich gab. Die Zahl schwankt zwischen 126 – 140 Personen. Hauptsächliche Opfer waren Frauen und Kinder, zum Teil sehr jung.

Bitte beachten Sie, dass die Kapelle nicht öffentlich zugänglich sind. Mir wurde der Zugang gewährt und alles was jetzt gezeigt wird, ist exklusiv:

Traurige Tafeln mit den Namen und Alter der Opfer in der Chapelle Bazar de la Charité (nicht öffentlich zugänglich!).

Herzogin Sophies Gedenktafel befindet sich links in der Kapelle:

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Am nächsten Tag sind Helfer, Polizei und Rettungshelfer mit Fackeln vor Ort, um die verkohlten Leichen und vielleicht doch noch Überlebende zu bergen. Ich möchte mir weder den Gestank, noch die gespenstische Atmosphäre vorstellen, die geherrscht haben muss. Verkohlte Leichenteile überall. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 

Die Chapelle Bazar de la Charité hat einige Gegenstände gesammelt, die gefunden wurden. Die Puppe ist das traurige Überbleibsel eines verlorenen Kinderlebens.

Während Ferdinand Sophie suchte, kam es zu den ersten polizeilichen Einvernahmen. Diese sind zum Teil wirr und zum Teil völlig wertlos. Man muss sich die Angst, die Panik, dazu das Schreien, die Hitze und den Gestank vorstellen. Der beißende Rauch nahm nicht nur die Sicht, sondern legte sich auch auf die Lunge. Wer sollte hier einen klaren Kopf bewahren, um danach korrekte Aussagen zu tätigen? Eine Aussage jedoch ist herzzerreißend. Ob es sich wirklich so zugetragen hat oder nur eine Legende ist, dürfen Sie selbst wählen. Ich für meinen Teil glaube bis zu einem gewissen Punkt, dass Sophie die Situation wahr genommen hat, um ihren traurigen Leben ein Ende zu setzen.

Mathilde d’Anlau erzählte, dass sie in den Wirren Herzogin Sophie getroffen habe, die mit anderen auf Kopfhöhe einige Bretter aus der Wand gerissen hat, um dort Kinder und deren Mütter in Sicherheit zu bringen. Eine andere Dame berichtete, dass Sophie auf sie gedrückt wurde. Ihr Gesicht sei ängstlich aber völlig ruhig gewesen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich zu retten, in dem sie durch eine der Türen hätte fliehen können. Doch die Augenzeugin berichtet, dass Sophie die Menschenmasse Angst machte und sie zurückwich. Sie sei wieder Richtung Feuer gelaufen. Wieder eine andere Dame berichtete, dass Sophie gemeinsam mit Valerie Kinder in Sicherheit brachte. Madame d’Anlau habe in einem Feuerschein dann nochmals Sophie gesehen, als diese vom Feuer umringt war. Sie sei dabei so friedlich gewesen. Sie griff nach dem Feuer und habe irgendwas gemurmelt, was sich wie „la feu“ (Feuer) anhörte. Danach warf Mathilde mit ihrer Gürtelschnalle ein Fenster ein und konnte sich so retten. Sophie sah sie nie wieder.

Egal wer von dem Feuer berichtete und wie wirr manche Aussagen auch waren. Alle waren sich einig, dass Sophie eine Gotterhabenheit ausstrahlte und so viele Kinder und Frauen rettete, während sie gemeinsam mit Valerie den Tod fand.

Auf der Kupel der Chapelle Bazar de la Charité sind Sophie und Valerie abgebildet, wie sie nach der Hand Marias greifen. „Aufgefahren in den Himmel“

Gedenkschrift
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Gedenkschrift
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Am 8.5.1897 fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in der Notre Dame de Paris statt. Mitglieder der königlichen Familie, Frankreichs Präsident und viele Angehörige nahmen an dem Gedenkgottesdienstes teil. Kaiserin Elisabeth schickte eine Krone aus weißen Lilien und weißen Rosen. Diese ließ sie mit den Farben der bayrischen und österreichischen Fahnen umschlingen. Das berühmteste Opfer dieser Katastrophe war Herzogin Sophie, gefolgt von Victomesse Valerie. Sie hinterließ drei Kleinkinder.

Als die Chapelle Bazar de la Charité errichtet wird, baut man in den hinteren Gängen Gedenkmonumente für die Opfer. Geht man den Gang entlang, wird man stummer Zeuge so sinnlos verlorener Leben.

In der Krypta der Kirche werden bis heute Kerzen angezündet. Auch ich habe eine Kerze angezündet.

Das schönste Gedenkmonument ist aber für mich jenes von Herzogin Sophie d’Alençon. 

(Ich möchte daran erinnern, dass diese Fotos exklusiv sind)

Wir verlassen nun die Chapelle de la Charité und wenden uns der Grabstätte von Sophie zu. Sie ruht neben ihrem Mann Ferdinand in der St. Louis Chapelle in Dreux (öffentlich zugänglich!).

Ihr Begräbnis fand im Stillen statt, jedoch ließ Ferdinand eine Grabplatte gestalten, die an seine wunderschöne Frau mit Haaren darstellen sollte. Nur der Schädel wurde gefunden. Ob die beigelegten Knochen wirklich ihre sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ihr Schädel wurde anhand ihrer Zähne als solcher anerkannt.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Ihre Grabplatte wurde allerdings 2x gestaltet. Die erste Gestaltung (1904) ließ Herzog Ferdinand das Blut in den Adern gefrieren. Nach seiner Meinung war Sophie zu drastisch in ihrer Todesqual dargestellt. Er ließ die Grabplatte entfernen und gab eine neue in Auftrag.

Da die Grabplatte aber viel zu wertvoll war, ließ man sie ins Musee de la Historie in Dreux (öffentlich zugänglich) bringen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Wer die Chapelle St. Louis in Dreux besucht, wird die lieblichere Grabplatte von Sophie sehen. In Dreux erzählt man sich, dass Sophie manchmal zu hören sei und weine, da sie ewig ihren Gatten Ferdinand anzusehen habe. Er selbst hat es so gewählt. Wer sich die Statue ansieht, wird eindeutig die Haare erkennen, die Ferdinand extra herausarbeiten ließ. Ein kleines Vermächtnis dessen, was Sophie partout nicht wollte. Vielleicht hört man sie deshalb weinen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Bevor ich diesen Bericht abschließe, möchte ich euch noch das Grab am Pere Lachaise Friedhof jener Personen zeigen, die nicht mehr identifiziert werden konnten. Es dient gleichzeitig aus als Denkmal. 

 

 

 

 

 

 

 

~ Marie ~

Herzogin Sophie
Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

Nachsatz:
So interessant die Recherchen zu diesem Beitrag waren, so beklemmend waren sie auch. Ich habe 2018 an zwei Tagen vor Ort die Recherchen gemacht. Nachgehallt hat die Geschichte über Monate.

Sterbebild Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, Wikimedia/Commons, Chapelle Bazar de la Charité, Jourfixe-muenchen-ev.com, Meisterdrucke.at, Joseph Albert via Wikimedia/Commons
Videorechte: sternenkaiserin.com – Marie

Je remercie tout particulièrement le personnel de la Chapelle Bazar de la Charité. 


Literatur Hinweis:

L’incendie du Bazar de la Charité
Dominique Paoli (Geschenk des Hauses)

Sisis Geschwister (Bildband)
Bernhard Graf

Sisi und ihre Geschwister
Erika Bestenreiter

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
Martha Schad


 

Königin Marie Antoinette – Von Versailles nach Paris

historische Person:

Wir gedenken Maria Antonia Josepha Johanna Erzherzogin von Österreich, bekannt als Königin Marie Antoinette von Frankreich. Sie wurde am 2.11.1755 in Wien geboren.

Ihr Vater war Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen. Ihre Mutter Maria Theresia Erzherzogin von Österreich. Sie war das 15. Kind der beiden.

Maria Antonia wurde bereits mit 3 Jahren ins Korsett geschnürt, was dem kleinen Mädchen große Atemprobleme verursachte.

Sie galt als quengelig, unruhig, hatte massive Konzentrationsprobleme und fiel dadurch ihren Erziehern und Lehrern unangenehm auf.

König Louis XVI, Foto: Wikimedia/Commons

1769 wurde Maria Antonia aus politischen Gründen mit dem Dauphin Louis Auguste (*23.8.1754, †21.1.1793) verlobt.

Maria Theresia genierte sich in Grund und Boden als sie die Bildungsmängel bemerkte. Maria Antonia bekam eine Schnellbleiche in Sachen Erziehung.

Am 19.4.1770 heiratete Erzherzogin Maria Antonia in der Augustinerkirche mit gerade einmal 14,5 Jahren in procuram ihren Gemahl Dauphin Louis.

Zwei Tage später verließ sie ihre Eltern und Geschwister. Mit ihrem Gefolge kam sie in Straßburg an und wurde von diesem sofort getrennt. Aus Erzherzogin Maria Antonia wurde Marie Antoinette, sie durfte weder ihr Gefolge, noch ihre Kleidung behalten.

Am 16.5.1770 heiratete sie Dauphin Louis in Versailles. Am 30.5.1770 kam es am Place Louis XIV zu einem schweren Unglück. Durch den Knall der Feuerwerkskörper kam es zu einer Massenpanik. Dabei wurden 139 Menschen getötet. Der Place Louis XIV, heute Place de la Concorde, wurde ihr später zum Verhängnis.

Im Mai 1774 bestieg der junge Dauphin seinen Thron. Marie Antoinette wurde damit zur Königin von Frankreich.

Sie galt als unnahbar, war unbeliebt und durch vielfache und niederträchtige Intrigen wurde ihr Ruf schwer beschädigt.

Louis und Marie Antoinette bekamen 4 Kinder. Sie galt als liebenswerte und aufopferungsvolle Mutter. Vor allem ihr kleiner Sohn Louis-Charles teilte eine grausame Geschichte.

Ab 1789 wurde das Leben von Königin Marie Antoinette auf den Kopf gestellt:

Sohn Louis Joseph starb am 4.6.1789 8jährig an Rachitis. Am 5. und 6.10.1789 brach die französische Revolution aus. Marie Antoinette wurde von Versailles in den Tuilerienpalast zwangsumgesiedelt.

Am 20.7.1791 versuchte die königliche Familie zu fliehen, doch in Varennes wurde der König erkannt und verhaftet. Am 10.8.1791 stürmte der aufgebrachte Mob den Tuilerenpalast und zündete diesen an. Die königliche Familie wurde in eine Festung des Templerordens gebracht und bewacht.

Am 1.3.1792 starb ihr Lieblingsbruder Kaiser Leopold II von Österreich. Kaiser Franz I/II folgte nach und obwohl er ihr Neffe war, half er seiner Tante – wie von ihr erwartet – nicht. Königin Marie Antoinette verblieb im Templerorden in Haft.

Am 21.1.1793 wurde ihr Gemahl König Louis XVI nach einem widerlich zur Schau gestellten Prozess enthauptet. Am 1.8.1793 überstellte man Marie Antoinette und ihren kleinen Sohn Louis Charles in die La Conciergerie – einem ehemaligen Palast – der zum Gefängnis und Jusitzpalast umfunktioniert wurde.

Was folgte, war beispiellos an Widerlichkeiten und ekelhaften Verhören: Louis Charles wurde von seiner Mutter getrennt, in Isolation gehalten, malträtiert und solange gefoltert, bis er zugab, dass ihn seine Mutter sexuell missbrauchte. Zu diesem Zeitpunkt war er 8 Jahre alt.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Als man schließlich dieses Geständnis erzwungen hatte, konnte man Königin Marie Antoinette einen Prozess machen, der beispielloser nicht hätte sein können. Sämtliche Anklagepunkte waren falsch. Trotzdem wurde sie von den Geschworenen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Am 16.10.1793 wurde Marie Antoinette um 12.00 Uhr per Guillotine auf dem heutigen Place de la Concorde enthauptet. Ihre Haare waren über Nacht schlohweiß geworden, sie war völlig ruhig und im Reinen mit sich.

Marie Antoinette wurde im Massengrab bei der La Madelaine verscharrt. Mehr als 20 Jahre später wurde sie ausgegraben, an ihrem Strumpfband erkannt und neben ihrem Mann in der St. Denis Basilika begraben.

Info nebenbei:

Königin Marie Antoinette war die Ur-Großtante von Kaiser Franz Joseph.

 


Marie Antoinette Reisebericht – Versailles, Paris und St. Denis Basilika

König Louix IV, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

Chateau Versailles
Adresses: Place d’Armes 78000 Versailles France
Öffnungszeiten Palast: Dienstag bis Sonntag 9.00 Uhr – 18.30 Uhr
Garten: täglich 8.00 Uhr bis 20.30 Uhr
Trianon Paläste: Dienstag bis Sonntag 12.00 Uhr – 18.30 Uhr
Wagenburg: Dienstag bis Sonntag 12.30 – 18.30 Uhr
Preise: unterschiedlich, bitte der Homepage entnehmen: Chateau Versailles
Kommen Sie so zeitig wie möglich!!
Dauer: ganzer Tag 

 

Versailles: Diesen Ort hat König Ludwig II wie keinen Zweiten bewundert.

Den größeren Spiegelsaal hat Herrenchiemsee – um ganze 2 Meter (75 Meter versus 73 Meter in Versailles). Wäre sein Traum in Erfüllung gegangen, wäre Herrenchiemsee größer geworden, als Versailles. Bevor ihr zum Video kommt, hier ein paar kleine Eindrücke vom berühmtesten Saal der Welt:

Wer die Dimensionen von Versailles kennt, kann sich das auf Herrenchiemsee kaum vorstellen; baulich wäre es jedoch möglich gewesen.

So bleibt uns nur die Vorstellung und das Original. Beides ist jedenfalls sehenswert.

Beginnen wir nun also mit der Geschichte von Versailles, welche ich hier ausführlich erzähle:

Video: sternenkaiserin.com

Das beeindruckende Areal von Versailles.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Um sich von den Räumen ein Bild zu machen, habe ich euch einige kurze Videos gedreht.

Die Möbel sind nicht Original. Als die französische Revolution war, wurde das Schloss gestürmt und geplündert. Auch die Nazis haben hier im 2. Weltkrieg brutal ihr Unwesen getrieben. Man hat aber zumindest versucht, aus anderen Schlössern oder durch Nachbau und Rekonstruktion die Räume einzurichten. Deckenmalerei und Gemälde sind (zum Teil) Original oder restauriert.

Leider waren die Marie Antoinette Räume gesperrt – hier einige Impressionen zu den Zimmern, die man nur von der Seite einsehen kann:

 

Und nun wünsche ich euch nun viel Spaß mit dem Rundgang vom wohl berühmtesten Schloss der Welt.

Videos: sternenkaiserin.com – Marie

Saal der Toten – die wunderschöne Galerie ist voll mit Bildern von Schlachten, hauptsächlich von Napoleon Bonaparte.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Bevor wir das innere Areal des Schlosses Versailles verlassen, möchte ich euch noch zwei wunderschöne Besonderheiten zeigen:

Zum einen die „private Kathedrale“, in der auch Marie Antoinette ihren Dauphin Louis XVI heiraten musste. Privat deshalb, weil sie sich innerhalb der Mauern von Versailles befindet, allerdings durch den stetigen Personenandrang von 3000 – 10000 Personen so überdimensional ist, dass sie mit dem Stephansdom mithalten kann.

Zum anderen die „private Oper“. Hier fanden für den inneren Kreis Opernaufführungen statt. Zu besichtigen nur über 2 geöffnete Fenster. Man darf beides nicht betreten.

In der Oper von Versailles finden allerdings noch Aufführungen statt. Solltet ihr an einem Ticket interessiert sein, wendet euch bitte hier her.

 

Lust auf einen Spaziergang durch den Garten?

Nehmt euch Zeit. Und zieht euch bitte bequeme Schuhe an. Ich meine das Ernst. Der Garten ist an Dimension nicht fassbar.

Es gibt einen kleinen Zug der zwischen den beiden Trianons, dem Grande Canale und dem Schloss hin und her fährt. Einen Platz zu ergattern ist gar nicht so leicht; vor allem bei der Rückfahrt. Die Züge fahren nur unregelmäßig, unbedingt an die Fahrpläne halten.

Man kann auch für ein hübsches Sümmchen Geld einen Golfwagen mieten und selbst im Garten herumfahren. Doch die meisten Wege sind für den Wagen gesperrt, weshalb einem dann wieder nur die Seitenwege bleiben. Am meisten sieht man, wenn man in der Mitte zum großen Brunnen runter geht und dann links und rechts in die Gärten wandert. Es gibt oftmals kleine versteckte Labstellen, mit Getränken und Erfrischungen. Nicht gerade billig, aber man kommt nicht darum herum, da man mit eigenen mitgebrachten Sachen nicht ins Schloss darf.

! Kleiner Souvenir Kauftipp : Wenn ihr Souvenirs kaufen möchtet, kauft diese im großen Souvenirshop im Schloss. Doch Achtung: Es gibt keine Schließfächer, weshalb ihr den ganzen Tag die Sachen mittragen müsst. Da ihr auf einem Seitenausgang das Schloss endgültig verlasst, könnt ihr auch nachher nicht mehr einkaufen. Lediglich im Grand Trianon gibt es noch einen kleinen Souvenirshop; hier geht es aber hauptsächlich um Marie Antoinette „Kitsch“ (Seifen, Marmeladen, Geschirrtücher etc.). !

Hier ein Rundumblick vom Schloss Versailles, Neptunbrunnen und die erste Etage vom Garten. Wer von euch den wunderschönen Film „Die Gärtnerin von Versailles“ mit Kate Winslet und dem wunderbaren Alan Rickman (sein letzter Film) kennt, wird allerdings enttäuscht sein. Der Film ist reine Fiktion (dennoch sehenswert).

Videos: sternenkaiserin.com – Marie 

Absolut sehenswert ist das „kleine Schloss Schönbrunn“, wie Marie Antoinette ihr Petit Trianon genannt hat.

Auch dieses wurde brutal geplündert, von den Nazis zerstört und dann wieder liebevoll restauriert und hergerichtet.

Die Möbel stammen größtenteils aus dem Besitz der Königin.

 

Marie Antoinette flüchtete aus Versailles aus mehreren Gründen:

Zum einen frequentierten täglich (!) 10.000 Personen Versailles. 4000 lebten permanent im Schloss, weitere 2700 Menschen rundum.

Versailles war ein „offenes“ Schloss; d.h. man konnte ohne weiteres jederzeit in die Privatgemächer der Königin und des Königs ohne aufgehalten zu werden.

So musste auch Marie Antoinette „öffentlich“ gebären, was ihr zusätzlich – zur ohnehin schweren Geburt – persönlich große Last bereitete. Nach der ersten Geburt unterband König Louis XVI dies aber und Marie Antoinette durfte „privat“ – also unter Aufsicht der Hebamme, Hofdamen, König Louis XVI und einige Staatswürdenträger und Pfarrer – gebären.

Da Marie Antoinette fast nie vor die Tore Versailles durfte, war sie dort mehr oder weniger seit 1770 (Hochzeitsjahr) eingesperrt. Das Petit Trianon diente als Lustschloss der Mätresse von König Louis XV und wurde 1763-1768 gebaut.

Als König Louis XV. starb, schenkte ihr ihr Ehemann das Petit Trianon. Marie Antoinette flüchtete vor der täglichen Menschenmenge, ließ sich einen Privatgarten errichten und sperrte sich mehr oder weniger permanent mit ihren Kindern dort ein.

Wer die Königin sehen wollte, musste zum Petit Trianon.

Nur zu offiziellen Anlässen, wie Bälle, Staatsdinner etc kam sie ins große Schloss. Hier ein Rundgang.

Videos: sternenkaiserin.com – Marie

Das Untergeschoss vom Petit Trianon, wurde leider komplett geplündert. Mit wenigen Mitteln entsteht hier der Eindruck, wie es einmal ausgesehen haben könnte. Das Geschirr ist Original und konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Ich befinde mich nun mehr im Privatgarten von Königin Marie Antoinette.

Hinweis: Mir sind meine französischen Notizen etwas durcheinander geraten: so erwähne ich als Mätresse Madame DuBarry von Louis XVI, in Wirklichkeit war sie die Mätresse von Louis XV und hat vor Marie Antoinette im Petit Trianon gelebt. Bitte um Entschuldigung. Der Rest meiner Erzählung sollte stimmen.

Absolutes Highlight ist das „Dorf der Königin“, welches sich Marie Antoinette bauen ließ, um die Einsamkeit loszuwerden, ließ sie das „bäuerliches Landleben“ nachstellen. Dafür wurden Kühe, Hühner, Schweine etc angeschafft. Die Idylle war natürlich mit dem echten Leben „vor den Toren“ nicht vergleichbar. Die Häuser sind leider nicht öffentlich zugänglich. 

Das Dorf ist über einen kleinen Weg vom Petit Trianon zu finden:

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Wir verlassen nun das Petit Trianon und fahren (oder geht, es ist nicht weit) zum Grand Trianon. Um ehrlich zu sein, hat es mich ziemlich erschreckt. Es ist nicht im besten Zustand.

Gartenansicht Grand Trianon Foto: sternenkaiserin.com – Marie

König Louis XIV kaufte das Dorf Trianon, welches unmittelbar an Versailles angrenzte. Er wollte den Garten erweitern. Er ließ die Menschen umsiedeln (Zwangsräumung) und das Dorf komplett abtragen.

Auf dem abgetragenen Land ließ er zwischen 1687 und 1688 das Grand und Petit Trianon bauen. Das Grand für sich, das Petit für seine Mätresse Madame de Maintenon.

Hauptsächlich um sich von dem Wirbel im Schloss Versailles zu erholen, zum Vergnügen und um den strengen Zeremoniell zu entkommen.

Es galt als Ehre ins Grand Trianon eingeladen zu werden, da man ansonsten wirklich vor verschlossenen Türen stand.

Später richtete sich Napoleon mit seiner Mutter hier ein. Die Möbel stammen großteils aus seiner Zeit.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Leider gab es einen Lesefehler bei zweiten Video, deshalb noch ein paar Bildeindrücke vom Grand Trianon.

Danach solltet ihr den Weg zurück antreten. Ihr werdet nicht nur halbtot sein, sondern die Zeit wird euch auch davon laufen. Sobald ihr das Schloss verlässt, geht über die Straße und seht euch noch die Wagenburg an – Eintrittskarte ist gültig. So viel Prunk ist kaum zu fassen. Solltet ihr die Wagenburg im Schloss Schönbrunn kennen – vergesst diese. Unfassbar. Passend zum Prunk des soeben Gesehenen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Einige der Wagen haben mich so beeindruckt, dass ich sie nochmals einzeln gefilmt habe:

Dieser Traumwagen ist die Hochzeitskutsche von Erzherzogin Marie Louise mit Napoleon Bonaparte. Erzherzogin Marie Louise war die Tochter von Kaiser Franz II/I, die aus Staatsinteressen von Fürst Metternich an Frankreich „verkauft“ wurde. Die Hochzeit fand am 1.4.1810 statt. Sie war somit die Schwester von Erzherzog Franz Karl und die Tante von Kaiser Franz Joseph.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

 

Hier der Prachtvollste von Allen: Die Staatskarosse von König Charles X. Auch Napoleon III verwendete sie bei offiziellen Anlässen. Ich liebe ja den Imperialwagen von der Wagenburg von Schloss Schönbrunn. Aber der Imperialwagen von Versailles schlägt diesen um ein Vielfaches.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Im Team werde ich ja „Leichenfledderer“ genannt. Das kommt daher, weil ich ständig über die Toten jener Zeit recherchiere und mich immer intensiv mit deren Tod und Gräbern auseinandersetze. Demnach brauch ich euch nicht zu sagen, dass ich vom Leichenwagen in der Wiener Wagenburg immer schon fasziniert war. Nichtsdestoweniger weil der Nachbau auf der Bühne beim Elisabeth Musical eine größere Rolle spielt. Als ich aber den Totenwagen von Versailles sah, blieb mir mein Mund offen stehen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

 

Hier noch einmal die für mich schönsten Wägen aus der Wagenburg:


Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Wir verlassen nun Versailles und fahren zurück nach Paris und besuchen das „La Conciergerie“, welches das Gefängnis von Marie Antoinette war.

La Conciergerie
Adresse: 2 Boulevard du Palais, 75001 Paris
Öffnungszeiten: täglich von 9.30 – 18.00 Uhr (außer 1.1., 1.5. und 25.12.)
Eintrittspreis: Erwachsene € 8,50, Kinder: € 6,50 
Kleiner Tipp: Mit kleinen Kindern nicht zu empfehlen – sehr duster und bedrückend
Dauer: 1-3 Stunden

 

Der gothische Eingangsbereich, des ehemaligen Schlosses, ist beeindruckend:

Video: sternenkaiserin.com – Marie

4000 Namen an den Wänden – 2700 davon wurden während der französischen Revolution hingerichtet.

Videos: sternenkaiserin.com – Marie

 

Vom La Conciergerie ging es für Marie Antoinette zur Guillotine. Am heutigen Platz „Place de la Concorde“ wurde sie geköpft.

Hier fanden 139 Personen am 30.5.1770 bei den Hochzeitsfeierlichkeiten von Dauphin Ludwig und Prinzessin Marie Antoinette den Tod. Hier wurden König Ludwig XVI und Königin Marie Antoinette 1793 hingerichtet.

Video: sternenkaiserin.com – Marie


Zum Abschluss des Marie Antoinette Gedenktages zeige ich euch noch ihre Gruft. 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Sie wurde im Massengrab bei der La Madelaine Kirche begraben. 

Mehr als 20 Jahre später wurde sie aus dem Grab geholt und an ihrem Strumpfband, dass immer noch um ihren Oberschenkel war, erkannt. 

Ihre Gebeine wurden in der Gruft in St. Denis Basilika beerdigt. Marie Antoinette wurde nur 38 Jahre alt.

St. Denis Basilika 
Adresse: 1 Rue de la Légion d’Honneur, 93200 Saint-Denis, Frankreich
Öffnungszeiten: Mo – Sa: 10.00 Uhr – 18.15, So: 12.00 Uhr – 18.15 Uhr 
Eintrittspreise: Erwachsene € 7,50, Kinder bis 18 Jahre gratis, Behinderte gratis
Dauer: 2 Std. 

St. Denis Basilika: Mit ihr wurde die Gothik begründet und weltweit nachgebaut. Sie ist Vorbild für Ken Folletts Buch „Die Säulen der Erde“ und sie ist die Grabkapelle der französischen Könige.

Videos: sternenkaiserin.com – Marie

Diese große Habsburgerin, die die Ur-Großtante von Kaiser Franz Joseph war, hat eine bewegende Geschichte hinter sich, die ich euch nun – zumindest das gesamte letzte Kapitel ihres Lebens – erzählt habe.

Was wurde aus den Kindern von Marie Antoinette? Die Geschichte der Tochter erzähle ich euch noch ein anderes Mal.

Die traurige Geschichte ihres Sohnes, Dauphin Louis Charles, welches sich erst am 8.6.2004 schloss, erzähle ich hier.

Achtung: für zartbesaitete Menschen nicht unbedingt zu empfehlen.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

Grab von Marie Antoinette in der Krypta, nicht unweit der Gräber ihrer Kinder.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Text: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, Ahmed Ertrug, Wikimedia/Commons
Videorechte: Marie


 

Kaiserin Elisabeth Ruhe – Kahlenberg

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kennt ihr schon die „Kaiserin Elisabeth Ruhe“ am Kahlenberg?

Nein?

Wer Wien kennt oder erkunden möchte, sollte sich unbedingt für das schöne Platzerl am Kahlenberg Zeit nehmen.

Mit dem Autobus (oder Auto) geht es auf den Kahlenberg und von dort müsst ihr euch rechts hinauf hinter dem alten Restaurant halten. Eine kleine verwitterte Tafel zeigt euch den Weg.

Adresse: Villenweg 30, 1190 Wien
Rund um die Uhr geöffnet
Eintritt frei

Kaiserin Elisabeth kam des Öfteren auf den kleinen Berg, um zu Reiten oder während des Spazierengehens auf einer Bank zu verweilen. Sie liebte die Aussicht auf die Stadt, die heute bombastische Ausmaße angenommen hat.

Ihr solltet unbedingt und mindestens 1/2 Tag einplanen.

Kaiserin Elisabeth wurde idealisierend nach der Statue in Salzburg von Rudolf Bachmann angefertigt.

 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Es ist im Jugendstil Dekor gebaut. Die Steinmetz Arbeiten wurden von Eduard Hauser gefertigt.

 

Enthüllt wurde es am 13.10.1904. 

 

Seit 1906 ist es im Eigentum der Stadt Wien.

 

 

 

 

Und natürlich waren wir mit unserer Sternenkaiserin schon vor Ort.

Video: sternenkaiserin.com – Marie

~ Marie ~


Textrechte: Marie
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José
Videorechte: sternenkaisern.com – Marie


Erzherzog Ludwig Salvator – Mallorca Museumsbericht

Erzherzog Ludwig Salvator, Foto: ÖNB

historische Person:

Wir gedenken heute Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich, Prinz von Toskana. Er wurde am 4.8.1847 in Brandeis geboren.

Leopold II, Foto: Wikimedia/Commons

Maria Antonia Prinzessin Neapel-Sizilien Foto: Wikimedia/Commons

Sein Vater war Leopold II Großherzog von Toskana, Erzherzog von Österreich (*3.10.1797, †29.1.1870) . Seine Mutter Maria Antonia Prinzessin von Neapel-Sizilien (*19.12.1814, †7.11.1898). 

Ludwig war ein Ur-Enkel von Kaiser Leopold II, der wiederum das neunte Kind von Maria Theresia und Kaiser Franz I Stephan war. Er war somit ein Cousin von Kaiser Franz Joseph.

Seine Eltern legten wenig Wert auf höfische Etikette und ließen ihre Kinder liberal erziehen. Ludwig hatte Zeit seines Lebens große Interessen an fremden Sprachen, der Natur und des Meeres.

1860 musste die Familie die Toskana verlassen und richtete sich auf Schloss Brandeis ein.

1867 ging er auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph auf eine ausgedehnte Seereise, um die relativ unbekannten Baleareninseln zu erforschen. Er verliebte sich auf Anhieb in Mallorca und siedelte 3 Jahre später komplett auf die Insel. Bis heute wird er auf Mallorca verehrt. Eine seiner Wohnungen wurde ein Museum, welches öffentlich zugänglich ist.

Er interessierte sich für die Flora und Fauna der Insel und begann Bücher zu schreiben, die bis heute naturwissenschaftlichen Zwecken dienen.

Ludwig zog es vor sich leger zu kleiden, weshalb er bald wie ein „armer“ Einheimischer aussah. Obwohl er reich war, scherten ihn solche Dinge wie Kleidung nicht. Er trug abgewetzte Anzüge, geflickte Sakkos und Hosen. Um Geld zu sparen, band er sich seine Manschetten-Hemden mit Bindfaden zu.

Wie leger Ludwig war, zeigt folgende Geschichte: Ein Bauer blieb mit seinem Karren im Schlamm stecken. Ludwig eilte ihm zu Hilfe. Der Bauer erkannte den berühmten Erzherzog Ludwig nicht und gab ihm nach getaner Arbeit ein Geldstück. Ludwig war Zeit seines Lebens stolz auf sein „erstes selbstverdientes“ Geld.

Er widmete sich intensiv den Studien der Inseln, u.a. auch Menorca und schrieb insgesamt 9 Bücher über die Balearen. Diese sind so umfangreich, dass sie bis heute (!) als Nachschlagewerk und Schulstoff für Kinder verwendet werden.

Der Wiener Hof lehnte den Sonderling ab. Er wurde als Kommunist beschimpft und der bösartige Tratsch kannte kaum eine Grenze. Man rümpfte über ihn die Nase, wo man nur konnte. Nur eine ließ sich vom Spott nicht beirren: Kaiserin Elisabeth.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Miramar“ Richtung Griechenland steuern. Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück.

Ludwig Salvator heiratete nie, hatte aber ein reges Liebesleben, das auch einige uneheliche Kinder zur Folge hatte. Alle Kinder ließ er versorgen.

Catalina Homar, Foto: mallorcamagazin

Seine Dauergeliebte und große Liebe war eine einfache Tischlertochter. Catalina Homar (*1869, †1905) war nicht nur sehr schön, sie war auch sehr klug. Sie lernte unter Ludwigs Führung Lesen und Schreiben und so setzte er sie als Verwalterin seines Weingutes „S‘Estaca“ ein.

Er nahm Catalina auch mit auf seine Reisen und sogar am Wiener Hof führte er sie ein. Sehr zum Missfallen des Wiener Hofes, die Damen der adeligen Gesellschaft waren einer Ohnmacht nahe. 

Als Elisabeth starb, war Ludwigs Trauer groß.

1905 ging er mit Catalina auf eine große Reise. In Jerusalem steckte sie sich mit Lepra an und starb 36jährig. Ludwig verfiel in tiefe Trauer.

Seine Trauer überwand er mit dem Schreiben eines Buches, welches einen Skandal im Kaiserhaus  auslöste. Das Buch „Catalina Homar“. 

In diesem erfuhr Kaiser Franz Joseph, dass seine geliebte Elisabeth mit Catalina mehrfach zusammen traf und an einem Tisch saß. Sie unterhielten sich so gut, dass man hätte meinen können, die beiden kannten sich schon ewig. Er verbot jede weitere Verbreitung.

Der Skandal, dass seine Engels-Sisi mit einer einfachen mallorquinischen Tischlertochter an einem Tisch sitzen musste, war für den verknöcherten Monarchen zu viel.

Obwohl bereits 1000 Stück im Umlauf waren, sind kaum Exemplare erhalten.

Im Laufe von 30 Jahren erwarb Ludwig zwischen den Orten Valldemossa und Delá einen ganzen Küstenstrich, der er der Natur widmete. Kein Baum durfte gefällt, kein Haus erbaut und kein Tier getötet werden.

Er selbst ließ sich in Son Marroig nieder. Im Landhaus S’Estaca, in welchem er mit Catalina lebte, widmete er sich dem

Grabnische, Erzherzog Ludwig Salvator, Kapuzinergruft, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Weinbau und gewann zahlreiche Preise. Heute gehört das Gut Hollywood Schauspieler Michael Douglas.

Ludwig wurde im zunehmenden Alter dick, weshalb er bald aus allen Nähten platzte. Sehr zum Hohn des Wiener Hofes, die ihn noch mehr verspotteten. Selbst Kaiser Franz Joseph stimmte in den Hohn ein, als er vom „dicken Luiggi“ sprach.

Als der erste Weltkrieg (1914) ausbrach, befahl ihn Kaiser Franz Joseph zurück und bat ihn auf Schloss Brandeis zu leben. Mittlerweile litt Ludwig an schwerer Elephantitis und konnte sich kaum noch bewegen.

Ludwig Salvator Erzherzog von Österreich starb 68jährig am 12.10.1915 auf Schloss Brandeis. Sein letzter Wunsch auf Mallorca beerdigt zu werden, wurde ihm – wie auch Kaiserin Elisabeth, die auf Korfu beerdigt werden wollte – verwehrt. Anstatt auf einem Grabhügel von der Sonne umsäumt, ruht er in einer Nische der Kapuzinergruft.


Reisebericht – Mallorca Museumsbesuch 

Wir besichtigen nun das ehemalige „Kartäuserkloster von Valldemossa“ in welchem der Erzherzog 4 Jahre lebte, bevor er in seine Villa umzog. Nehmt euch Zeit, das Museum ist größer, als ihr glaubt.

Adresse: Plaça Cartoixa, S/N, 07170 Valldemossa, Illes Balears, Spanien
Öffnungszeiten: Montag – Samstag von 10.00 Uhr – 16.30 Uhr (bitte erkundigt euch aber noch einmal vor Ort; Zeiten könnten variabel sein).

Eintritt: € 4,00 Erwachsene, € 2,00 Kinder

Hier haben übrigens auch Chopin und seine Lebensgefährtin George Sand (Autorin, welche Amantine Aurore de Francueil hieß) 3 Monate logiert. Wir widmen uns aber nur den Erzherzog Ludwig Salvator Räumen.

Kaiserin Elisabeth besuchte die Insel insgesamt 3x.

1861 war Kaiserin Elisabeth, mit der von Queen Victoria geliehenen Yacht nach Palma de Mallorca gekommen. 

Da sie den Rummel um ihre Person hasste, vermied sie die Öffentlichkeit und besuchte die Hauptstadt „inkognito“. In Palma wurde ihr zu Ehren in der Kathedrale eine Messe gelesen. Sie besuchte die Innenstadt von Palma und das Schloss Bellver. 

In der Llotja de Palma – auch La Lonja de los Mercaderes genannt – („das“ historische Gebäude von Palma), wartete eine große Menschenmenge und eine Musikkapelle auf die hohe Besucherin. 

Doch Kaiserin Elisabeth wollte ihr Ziel Madeira so schnell als möglich erreichen und zog es vor die Lonja nicht mehr zu besuchen.

Im Dezember 1892 – also 3 Jahre nach Kronprinz Rudolfs Tod – besuchte die bereits von Depressionen heimgesuchte Elisabeth ihren (angeheirateten) Cousin, mit dem sie eine große Freundschaft verband.

Ihren 55. Geburtstag (24.12.1892) – also gleichzeitig auch den Weihnachtsabend), verbrachte sie lieber mit Ludwig, als mit ihrer Familie in Wien. Ein Umstand, den Kaiser Franz Joseph gar nicht gut hieß. Besorgt schrieb er seiner ambivalenten Gattin, ob sich „der dicke Luiggi auch ordentlich um sie kümmere“. Da der Dezember 1892 allerdings auf Mallorca stark verregnet war, brach Kaiserin Elisabeth ihren Aufenthalt ab und ließ ihre Yacht „Mariamar“ Richtung Griechenland steuern. 

Im Jänner 1893 kam Kaiserin Elisabeth zurück auf Mallorca, um ihren Cousin zu besuchen. 

Er holte die Kaiserin in der Bucht, in der ihre Yacht ankerte ab. Dabei begleiteten ihn einige Künstler, mit denen er befreundet war.

Foto: Archiv Son Moragues, Kaiserin Elisabeth, 1893 auf Mallorca

Wahrscheinlich auf Geheiß Ludwigs entstand dieser heimliche Schnappschuss, der heute im Archiv verwahrt wird. 

Seine Villa war damals noch nicht so einfach zu erreichen wie heute. Es war ein fast zweistündiger Fußweg der zurückgelegt werden musste. 

In der Villa angekommen, wartete auf Sisi ein überladenes Buffet, dass sie angeblich sehr verächtlich gutiert haben soll. Da Ludwig in seinen späteren Jahren sehr wohlgenährt war, war es für die dürre Kaiserin wohl unangenehm ein solches Mahl vorgesetzt bekommen zu haben. 

Die Finca S’Estaca in Valldemossa ist heute im Privatbesitz von Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones, allerdings – und jetzt schlachtet euer Sparschwein – steht die Villa zum Verkauf: schlappe 28,5 Millionen Euro müsst ihr haben; immerhin startete der Preis bei 55 Millionen und wurde mittlerweile 3x gesenkt. Hier also Einblicke in die Villa S’Estaca, in der auch Kaiserin Elisabeth zwei Mal einkehrte.

~ Marie ~


Textrechte: Marie 
Bildrechte: sternenkaiserin.com – Marie, homeadverts.com, mallorcamagazin, Wikimedia/Commons, ÖNB,


Vielen Dank an die Museumsleitung, welche uns die Dokumentation erlaubt hat.


Kaiserin Elisabeth – als Mutter (Teil 3)

Foto: Golfhotel Kaiserin Elisabeth

Da fast jeder Beitrag von mir mit einem Vergleich zu den Sissi Filmen anfängt, möchte ich auch jetzt meine einleitenden Worte dafür nutzen. Voriges Jahr zu Weihnachten sah ich mir die Trilogie mit ganz anderen Augen an, als bisher. Mit dem Wissen, dass ich mir mühsam erarbeitet habe, wurde mir bewusst, wie viel Klischee und kaum ein Funken Wahrheit diese in die Welt tragen. Noch heute sehen die meisten das Gesicht unserer Kaiserin mit dem von Romy Schneider. Natürlich ist sie entzückend und süß in dem Film, das mag ich gar nicht bestreiten. Aber mittlerweile kann ich Romy verstehen, als sie sagte, dass sie mit dem Sissi Kitsch nichts mehr zu tun haben möchte. In Wahrheit stimmt an den Filmen gar nichts. Mit der Angelszene beginnend, bis hin zu den Namen der ersten Tochter ist nichts richtig. Wenn schon ein Kind in Venedig in die Richtung ihrer Mutter läuft, so hätte dies Gisela sein müssen und nicht Sophie. Aber wenn man der Tochter schon die falschen Namen „Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria“ gibt, so kann man auch vom Rest nicht verlangen, sich an korrekte historische Fakten zu halten. Schade ist nur, dass bis heute die Filme mehr zählen, als die Geschichte unserer Kaiserin per se. Ich versuche nun, dieses Klischee aufzuheben.

Nach der Verlobung (die ihr hier nachlesen könnt) und der aufwändigen Hochzeit (hier zum Nachlesen) war die einzige Pflicht, die Kaiserin Elisabeth hatte, ein Kind zu bekommen.

Die Flitterwochen verbrachte das junge Paar im Schloss und Schlosspark Laxenburg, welches Sisi zwar ans Herz wuchs, sie allerdings auch an Einsamkeit beinahe zu Grunde gehen ließ.

Foto: Wikimedia/Commons Sophie Gräfin von Esterházy

Kaiser Franz Joseph hatte kaum Zeit für seine junge schöne Braut und so musste sie sich mit den ihr völlig fremden Hofdamen begnügen, allen voran die verhasste Erzherzogin Sophie Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, bekannt als „Gräfin Esterházy“ (*5.9.1798, †17.6.1896). Pünktlich um 5.00 Uhr früh verließ der junge Kaiser Laxenburg, fuhr mit der Kutsche zurück nach Wien, entweder in die Hofburg oder nach Schloss Schönbrunn, um an seinem Schreibtisch Staatsgeschäfte zu verrichten und kam erst abends zum Diner, welches um 18.00 Uhr serviert wurde, zurück.

Schlosspark Laxenburg mit der Franzensburg Foto: Schloss Laxenburg

Elisabeth blieb allein. Also allein in ihrem Kummer. Denn vollkommen fremde Personen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das junge, verschüchterte, von Heimweh geplagten Mädchen zu zähmen und die Hofetikette einzudrillen. Von Erzherzogin Sophie beauftragt, wurde jeder Fauxpas, den die junge Kaiserin betrieb, an diese gemeldet.

Kein Reiten ohne Begleitung, kein Spazieren gehen ohne neugierige Blicke ihrer ihr fremden Hofdamen. Sogar am Abend, während des Diners, durfte sie mit ihrem Mann nicht alleine Speisen. Flügeladjutant Hugo von Weckbecker (*1820, †1866) wurde neben Sisi platziert, damit die schüchterne Kaiserin endlich sprechen lerne. Eine Kaiserin habe schließlich die Gäste des Kaisers charmant zu unterhalten. Und auch hier war Sophie von Esterházy stets an Elisabeths Seite. Jeder Fehler wurde sofort korrigiert. Auch coram publico. Ich glaube, es kann sich jeder selbst vorstellen, wie unangenehm dies ist.

Vierzehn Tage nach ihrer Hochzeit, schrieb sie verzweifelt in ihr Tagebuch:

Es kehrt der junge Frühling wieder
Und schmückt den Baum mit frischen Grün
Und lehrt den Vögeln neue Lieder
Und macht die Blumen schöner blüh’n. 

Doch was ist mir die Frühlingwonne
Hier in dem fernen, fremden Land?
Ich sehn‘ mich nach der Heimat Sonne, 
Ich sehn‘ mich nach der Isar Strand. (1)

Auch die ersten Wehklagen über ihre verlorene und einzig wahrhaften Liebe kamen wieder ans Tageslicht. Wir erinnern uns an ihren Jugendfreund Richard, der ihr seitens ihrer Mutter entrissen wurde. Die glücklichen Kindertage könnt ihr hier nachlesen.

Nur einmal konnt ich wahrhaft lieben
Es war das erstemal. 
Nichts konnte meine Wonne trüben
Bis Gott mein Glück mir stahl…

Nur kurz warn diese schönsten Stunden, 
Nur kurz die schönste Zeit. 
Nun ist mein Hoffen all entschwunden, 
Ihn geb ich nicht in Ewigkeit. (2)

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Viel später kehrte sie mit ihrer Hofdame und Vertrauten Marie Gräfin von Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923) zurück und zeigte ihr den Schreibtisch, an dem sie stundenlang Briefe und Gedichte schrieb und sich die Seele aus dem Leib weinte. Marie von Festetics notierte in ihr Tagebuch: „Elisabeth ging von Zimmer zu Zimmer – sagte von jedem, was es war – aber ohne näheren Commentar, bis Sie endlich in einem Eckzimmer stehen blieb, wo ein Schreibtisch zwischen Fenstern stand u. ein Schreibsessel davor; lange stand Sie mäuschentill da – plötzlich sagte Sie: … Hier habe ich viel geweint, Marie. Allein der Gedanke an diese Zeit preßt mein Herz zusammen. Hier war ich nach meiner Hochzeit… Ich fühlte mich so verlassen, so einsam. Der Kaiser konnte tagsüber natürlich nicht hier sein, er ist täglich in der Früh nach Wien gegangen. Um sechs Uhr ist er zum Diner zurückgekehrt. Bis dahin war ich den ganzen Tag allein und hatte Angst vor dem Augenblick, da Erzherzogin Sophie kam. Denn sie kam jeden Tag, um jede Stunde zu spionieren, was ich tue. Ich war ganz à la merci dieser ganz bösartigen Frau. Alles war schlecht was ich tat. Sie urteilte abfällig über jeden, den ich liebte. Alles hat sie herausbekommen, weil sie ständig gespitzelt hat. Das ganze Haus hat sie so gefürchtet, daß alle zitterten. Natürlich haben sie ihr alles mitgeteilt. Die kleinste Sache war eine Staatsaffäre…“ (3)

Erzherzogin Sophie Foto: Wikimedia/Commons

Sisi, welche in Possenhofen immer vor Gesundheit strotzte, wurde labil. Ihre Stimmungsschwankungen waren enorm. Ihr Leiden wurde täglich mehr. Erzherzogin Sophie nahm dieses Leiden als Kränkung auf. Sie selbst, die immer Kaiserin werden wollte, musste zusehen, wie dieses Kind die Stellung die man ihr auftrug als Bürde ansah. Erzherzogin Sophie (*27.1805, †28.5.1872) kümmerte die instabile Lage ihrer Schwiegertochter nicht. Sie sah nur das glückliche Gesicht ihres Sohnes und schrieb Briefe an ihre Schwestern nach Bayern und Sachsen, wo sie vom „glücklichsten Ehepaar aller Zeiten“ schrieb. Auch die Flitterwochen erwähnte sie als „ländliche Idylle“ und „herzerquickender Anblick der beiden glücklichen Kinder“.

Kaiserin Elisabeth sah dies jedoch ganz anders. Auch Erzherzogin Marie Valerie schrieb darüber in ihrem Tagebuch. Doch wenden wir uns nun dem Thema, Elisabeth als Mutter zu.

Nach dem „ländlichen Idyll“ der Flitterwochen, fingen die Pflichten der jungen Kaiserin an. Die erste Reise des Kaiserpaares führte Anfang Juni nach Mähren und Böhmen, wo ihnen ein wohlgesonnenes Volk entgegen winkte. Elisabeth sollte als Erstes böhmisch lernen, doch die Sprache war ihr verhasst, weshalb es außer dem Zählen bis 10 nicht recht voranging. Auch hier reiste das Paar natürlich nicht allein. Neben dem

Graf Carl Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Flügeladjutant, reiste auch das Militär mit, Leibarzt Freiherr Dr. Johann Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) , Graf Karl Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) und natürlich die Obersthofmeisterin und Obersthofmeister Ihrer Majestät, sowie zwei Hofdamen und ein Sekretär. All diese Personen brachten natürlich wiederum ihre Diener, Friseure und Lakaien mit. Auch das Dienstpersonal des Kaiserpaares durfte nicht fehlen. Ein Tross der Unendlichkeit ritt dem Kaiserpaar voraus und hinten nach. Ziemlich befremdlich für eine 16jährige, die gerade einmal ein paar Wochen Kaiserin war.

Elisabeth trat als charmante und liebreizende Kaiserin auf, deren Art mit den „einfachen“ Leuten zu sprechen auffiel. Die Hoffnung stieg bei Hofe, dass aus ihr doch noch einmal eine gute Kaiserin werden möge, die sich dem sozialen Engagement annehmen würde. Auf dieser Reise wurde sichtbar, dass Sisi mit Böhmen und der böhmischen Aristokratie, die immerhin auch in Wien den Ton angab, nichts anfangen konnte. Hauptsächlich waren sie es, die über die einfache herzögliche Abstammung die Nase rümpften und Elisabeth in allen Belangen auslachten. Kein Adel war ihr weniger Wohlgesonnen als der Böhmische. Immerhin waren dies aber die bekanntesten Namen des Landes: Schwarzenberg, Waldstein, Lobkowitz, Kinsky, Khevenhueller, Liechtenstein, Auersperg und einige andere.

Kaiser Ferdinand, Foto: habsburger.net

Kaiserin Maria Anna, Foto: Wikimedia/Commons

Ein kleiner Höhepunkt der Reise sollte der Besuch beim abgedankten Kaiser Ferdinand (*19.4.1793, †29.6.1875) und Kaiserin Maria Anna (*19.9.1803, †4.5.1884) werden, welche nun in Prag lebten. Der kleine, gutmütige Mann, dessen Kopf schief auf seinem Körper hing, stundenlang Domino spielte und mit seinem Neffen Franz Joseph wenig anfangen konnte, freute sich über den Besuch der hübschen Nachfolgerin seiner Frau. Maria Anna war ebenfalls entzückt, hatte aber am Wiener Hof nichts mehr zu melden.

14 Tage sollte die Reise dauern, welche an Strapazen kaum zu überbieten war. Doch zurück in Wien, wurde Elisabeth keine Ruhe gegönnt. Fronleichnam stand vor der Türe, weshalb eine große Prozession geplant war. Elisabeths Einwand noch nicht alt genug für diese Bürde zu sein, wurde abgeschmettert. Obwohl ihr die Verbindung Kirche und Politik völlig fremd war, erwartete man von ihr, dass sie eine große Staatstoilette trug. Kaiserin Maria Anna hatte jahrelang diese Aufgabe mit vollem Glanz und Hingabe absolviert. Sisi fürchtete sich in die Fußstapfen der beliebten Kaiserin zu treten. Doch Kaiser Franz Joseph und seine Mutter Erzherzogin Sophie hatten kein Mitleid mit ihr. Elisabeth galt als die große Hauptattraktion. Mit Schleppkleid und Brilliantendiadem geschmückt, stieg sie in den Hofgalawagen, der mit acht Schimmeln bespannt war. Doch Elisabeths Sorgen waren unbegründet. In frommer, demütiger Haltung überstand sie den Tag gekonnt und meisterlich, als habe sie nie etwas anderes zuvor gemacht.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth, die weiterhin Tanzstunden und Sprachunterricht nahm und immer noch gerne Ausritt, musste dies bald nach der Hochzeit einstellen. Die ersten Zeichen einer Schwangerschaft stellten sich ein, welche Sophie mit Argusaugen beobachtete. Sisi litt unter schweren Schwangerschaftsproblemen: sie erbrach ständig, litt an Schwindelgefühl und Müdigkeit. Die meiste Zeit vom Tag musste sie liegend verbringen. Mutter Ludovika wurde Bang um ihre Tochter, doch traute sie sich nicht nach Wien. Der Dank, dass ihre Schwester die junge Elisabeth als Heiratskandidatin ihres Sohnes anerkannte, war so enorm, dass Ludovika Sophie beinahe devot begegnete.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Herzog Karl Theodor in Bayer, Foto: Wikimedia/Commons

Der Sommer stand bevor und so zog die Familie nach Ischl. Hier kam es zu einem lustigen Vorfall, den ich euch unbedingt erzählen möchte: Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) telegrafierte nach Ischl, um Sisi die Ankunft von Spatz, Gackel und sich selbst anzukündigen. Sie unterschrieb das Telegramm mit Mimi, da dies der Spitzname war, mit dem Sisi ihre Mutter seit ihrer Kindheit ansprach. Mimi gab noch den Zug und die Ankunftszeit in Lambach bekannt, da der Zug dort halten würde. Von dort sollte eine Kutsche für die Familie bereitstehen, um diese zur frisch umgebauten Kaiservilla zu bringen. So der Plan. Doch das Telegramm kam nicht in der Kaiservilla, sondern im Hotel Elisabeth an.

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph Foto: ÖNB

Als Herzogin Ludovika, Schwester Herzogin Mathilde und Bruder Herzog Carl Theodor in Lambach ankamen, stand jedoch keine Kutsche bereit. Helle Aufregung entstand, noch dazu in einer Zeit ohne Telefon. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, oder? Zumindest eine Telefonzelle haben wir älteren Leser schon gekannt. Plötzlich erschien ein Hotelpage des Hotels Elisabeth in Ischl. Er hielt in der Hand 3 Käfige. Diese sollten für die Vögel „Mimi“, „Spatz“ und „Gackel“ sein.

Um hier eine kleine Erklärung abzugeben. Ludovika hatte für alle Kinder Kosenamen. Spatz war Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925), Gackel war Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und Mimi war, wie gesagt, sie selbst. Man mag sich das Gesicht des Pagen gar nicht vorstellen, als er den Irrtum bemerkte. Noch dazu wo er die Mutter und Geschwister Ihrer Majestät vor sich stehen hatte. Natürlich klärte sich der Irrtum als baldigst auf und so wurde die Familie mit der grell lackierten Hotelkutsche zur Kaiservilla gebracht.

Schon während der Schwangerschaft zogen dunkle Wolken über das Mutterglück auf. Erzherzogin Sophie riss alles an sich. Sie bestimmte, wo die Kindskammer eingerichtet wurde. Diese wurde so eng an ihre eigenen Appartements gelegt, so dass es Elisabeth niemals gelingen würde, ohne dem Wissen von Sophie ihr Kind zu besuchen. Auch die Einrichtung suchte Sophie aus.

Kaiserin Elisabeth wurde von Erzherzogin Sophie angeherrscht, sich beim Volk zu zeigen. Später erzählte sie dies ihrer Hofdame, welche die Geschichte in ihr Tagebuch notierte: „Kaum war sie da, schleppte sie mich schon hinunter in den Garten und erklärte, es sei meine Pflicht, meinen Bauch zu produzieren, damit das Volk sehe, daß ich tatsächlich schwanger bin. Es war schrecklich.“ (4) Sobald Sisi allein war, weinte sie sich in den Schlaf. Allein und von niemanden verstanden, durfte sie sich auch keinem in ihrer Umgebung anvertrauen. Es wurde ihr von Sophie verboten, irgendjemand als Freund oder Freundin anzusehen. Einzig Graf Grünne kümmerte sich väterlich um die junge verzweifelte Kaiserin, die das Hofleben immer mehr und mehr verabscheute.

Auch die Aja wurde von Erzherzogin Sophie gewählt. Baronin Welden, kinderlos und Witwe, ohne Kindererfahrung wurde aus politischen Gründen dazu auserkoren, das erste gemeinsame Kind von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph zu erziehen. Die Einwände seiner Frau konnte Franz Joseph weder verstehen, noch hörte er ihr richtig zu. Was Mutter entschied, wird schon gut für alle sein, so sein unumstößliches Motto zu allen Dingen die Sophie entschied. Umso mehr weinte sich Sisi immer mehr und mehr in den Schlaf.

Huldigungsblatt zur Geburt der kleinen Tochter Sophie, Foto: ÖNB

Am 5.3.1855 kam Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha um 3.00 Uhr nachts zur Welt. Die Geburt und warum das kleine Mädchen bereits am 29.5.1857 wieder verstarb, könnt ihr hier nachlesen. Wir sind also vom Sissi-Film Kitsch wirklich weit entfernt. Die (Film)Tochter, die auf die Namen Sophie Anastasia Amalie Elisabeth Franziska Stephanie Karoline Maria getauft wurde, hat nichts gemeinsam mit der kleinen Erzherzogin, welche am 5.3.1855 zur Welt kam. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an falschen Informationen aus den Filmen, die Weltruhm erlangten und leider bis heute als der Inbegriff einer Sis(s)i am Wiener Hof gelten. Auch das zweite „s“ im Namen von Sisi hält sich hartnäckig. Elisabeth hat sich niemals SiSSi genannt. Vielleicht kann ich mit dem Kitsch endlich ein wenig aufräumen.

Die erste Zeit verbrachte Sisi mit der kleinen Sophie in Laxenburg. Kaiser Franz Joseph schrieb beinahe täglich an seine Mutter und kündigte an, dass seine Frau im Juni für 10 Tage das Land verlassen würde, um nach Possenhofen zu fahren. Die kleine Sophie lernte also schon recht früh ihre bayrische Verwandtschaft kennen.

Am 7.8.1855 telegrafierte ein liebevoller Vater an seine Mutter: „Wir sind sehr wohl und die Kleine war besonders heute sehr lustig. Sie jauchzte in einem fort und war sehr damit beschäftigt, ihren Fuß in den Mund zu stecken und daran zu schnullen. Sie scheint viele gymnastische Anlagen zu haben. Ich küsse Ihnen und dem Papa mit Sisi die Hände und bleibe Ihr treuer Sohn Franz.“ (5)

Schon bald machten sich die nächsten Schwangerschaftszeichen bemerkbar. Sobald diese öffentlich wurden, las der Erzbischof von Wien und der Bischof von Linz eine Messe, um eine glückliche Entbindung zu erbitten. Selbstverständlich nicht ganz Uneigennützig um einen Thronfolger zu bitten.

Erzherzogin Gisela, Foto: Dorotheum Wien

Erzherzogin Sophies Gesicht soll starr gewesen sein, als man ihr mitteilte, dass am 5.7.1856 um 6.35 Uhr in Schloss Laxenburg eine kleine Erzherzogin zur Welt kam. Auch bei dieser Geburt war Herzogin Ludovika nicht anwesend. Ebenso erschien sie zur Taufe nicht, obwohl sie offiziell die Taufpatin war. Am 13.7.1856 wurde die kleine Erzherzogin auf die Namen Gisella Ludovika Marie getauft. Gisella wurde später zu Gisela und Ludovika zu Louise, weshalb man heute in sämtlichen Geschichtsbüchern von Erzherzogin Gisela Louise Marie lesen kann. Erzherzogin Sophie wurde als Taufpatin-Stellvertreterin bestimmt. Sie selbst hatte schon Sophie Friedericke getauft.

Elisabeth, nun stärker und selbstbewusster, fing an, um Sophie und Gisela zu kämpfen. Die Enttäuschung ihrer Schwiegermutter, keinen Thronfolger auf die Welt gebracht zu haben, nutzte sie aus, um die Kinderzimmer in die „Radetzky-Räume“ der Hofburg zu verlegen. Sophie tobte, doch diesmal hatte Elisabeth Schützenhilfe durch Franz Joseph. Er stellte sich nicht nur vor Sisi, so nannte er sie auch eine hingebungsvolle Mutter. Sophie drohte mit Auszug, was Franz Joseph verstimmte. Er schrieb einen Bettelbrief an seine Mutter: „Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Burg ziehen würden. Ich hoffe noch immer, daß sich alles sehr gut machen wird; die Kinder bekommen eine viel bessere Wohnung, in der sie auch künftig bleiben können, und Alles wird zufrieden sein.“ (6)

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

1856 unternahm das Kaiserpaar eine 4monatige Reise nach Italien. Kaiser Franz Joseph wollte Lombardo-Venetien wieder mehr an das österreichische Reich binden. Obwohl Erzherzogin Sophie massive Einwände hatte, nahm Kaiserin Elisabeth die kleine Sophie mit auf die Reise. Baby Gisela verblieb bei ihrer Großmutter in Wien. Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie getrennt. Sophie mit Gisela in Wien, Franz Joseph, Elisabeth und Sophie Friedericke in Venedig. Als Weihnachtsgeschenk wurde Sisi mit einem Portrait von Gisela überrascht. Elisabeth wurde auf dieser Reise zum ersten Mal ernsthaft krank. Ihre Lungen machten ihr große Probleme. Sie hustete unentwegt, was Kaiser Franz Joseph schwere Sorgen bereitete. Er kündigte bei seiner Mutter die Rückkehr für den 12.3.1857 an. Erzherzogin Sophie Friedericke wurde bereits am 2.3.1857 mit ihrer Kinderfrau Anna Kathrein auf die Reise geschickt. Franz Joseph schrieb in einem Brief an seine Mutter, dass er hoffte, dass die Kleine ihr die Hände küssen möge und sie artig sei.

Wenige Monate später kam es in Ungarn zu einem folgenschweren Schicksal, von dem sich Elisabeth – vor allem als Mutter – nie wieder erholen sollte. Aus Trotz setzte sie sich gegen ihre Schwiegermutter durch und nahm beide Kinder mit auf die Ungarnreise. Nicht nur, dass Erzherzogin Sophie Ungarn aus tiefstem Herzen hasste (das Libenyi-Attentat hatte sie nie vergessen; hier nachzulesen), so riet sie dem Kaiserpaar, die Kinder in Wien zu lassen. Das Unheil nahm seinen Lauf. Kaiserin Elisabeth verfiel das erste Mal in ihrem Leben in tiefe Trauer.

Im Dezember 1857 wurde erneut an Kaiserin Elisabeth eine Schwangerschaft festgestellt. Zur unendlichen Trauer, mischte sich freudige Erwartung, welche Sisi mit ihren üblichen Schwangerschaftsleiden quittierte. Sie erbrach ständig, war müde und bettlägrig. Die Abnabelung zu ihrer Tochter Gisela begann. Immer öfter war Sisi unpässlich, wollte das kleine Mädchen nicht sehen und machte sich selbst die größten Vorwürfe, ihre Tochter Sophie umgebracht zu haben.

Kaiser Max und Kaiserin Carlota, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Als am 27.7.1858 auch noch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian, genannt Max (*6.7.1832, †19.6.1867), die schöne belgische Prinzessin Charlotte (*7.6.1840, †19.1.1927) heiratete und diese ab sofort ihr vorgezogen wurde, verfiel Sisi noch mehr in Depressionen. Charlotte kam aus einem unfassbar reichen Haus, war gebildet und schön. Erzherzogin Sophie und ihre gesamte Anhängerschaft ließen keine Möglichkeit aus, um Charlotte zu loben, zu huldigen oder zu bezirzen. Der labilen, schüchternen und unbeliebten Kaiserin muss das bis ins Mark erschüttert haben. Noch mehr als jemals zuvor, zog sie sich zurück. Leider auch vor ihrer Tochter. Mittlerweile vergingen Wochen bis sie Gisela wieder an sich ran ließ oder nach dem kleinen Töchterchen fragte.

Am 21.8.1858 setzten gegen 22.00 Uhr die letzten Wehen ein. Beide Mädchen waren leichte Geburten, kaum eine Wehe war zu spüren und schon waren die Kinder auf der Welt. So war es im August nicht. Erzherzogin Sophie und Gräfin Esterházy knieten am Boden und beteten, während sich Elisabeth die Seele aus dem Leib schrie. Um 22.15 Uhr war es endlich soweit. Der Thronfolger wurde geboren.

Völlig erschöpft fragte die Kaiserin ihren am Bett sitzenden Mann ob es ein Bub sei. Dieser erwiderte, dass die Hebamme Gruber es noch nicht so genau wisse. In Wirklichkeit wollte Kaiser Franz Joseph seine Frau schonen. Die Geburt hatte sie stark geschwächt. Man wollte ihr jede Aufregung ersparen. Vor lauter Enttäuschung, dass sie keine Antwort bekam, glaubte sie, wieder „nur“ ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Doch Franz Joseph verneinte dies mit dem Satz „Nun, und wenn es ein Knabe wäre?“ (7)