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Ein Leben für die Schönheit

In diesem Betrag möchte ich Euch die verschiedenen Modestile im Leben von Kaiserin Elisabeth etwas näher bringen.

Wir beginnen mit der Kindheit der  Kaiserin, die  bestimmt war durch die Mode des Biedermeiers, man verzichtete teilweise auf das Korsett, oder zumindest auf eine übermäßig feste Schnürung .


1837 – 1850 Die Kindheit einer Kaiserin, oder die Mode der Mode der Schwiegermutter 😉

Was trug also eine kleine Prinzessin im Alter von 3 Jahren?

Im Grunde genommen waren die Mädchen wie auch in den folgenden Zeiten kleine Ebenbilder ihrer Mütter, mit einem Unterschied.

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Charlotte von Belgien im Alter von 3 Jahren – Foto Wikimedia/Commons

Die weiten Röcke der Kleider waren kurz, so dass die mit Rüschen und Spitzen verzierten Beinkleider sichtbar waren und zumindest ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erlaubten.

Die Buben trugen lange Hosen und darüber ein kurzes Kleid. Wer es sich leisten konnte, kleidete seinen Sohn mit einem Matrosenanzug, der uns das gesamte restliche 19. Jahrhundert als beliebtestes Kleidungsstück für Knaben begleiten wird.

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Foto: Wikimedia/Commons

 

Die Damenmode veränderte sich etwa ab der Mitte der 30er Jahre wesentlich und zeichnete sich durch eine Silhouette aus, die vor allem ein kegelförmiger, weiter Rock ausmachte.

Der wiederum wurde durch eine Vielzahl von Unterröcken in eine immer breitere Form gebracht.

Ab etwa 1835 wurde wieder eine deutliche Taillenbetonung sichtbar, denn auch die Biedermeier-Mode änderte sich innerhalb ihrer Epoche.

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Foto: Wikimedia/Commons

Durch das Korsett rückte die Taille wieder optisch an ihren Platz und wurde so  im Vergleich zur Zeit des vergangenen Empire-Stils, in der sie gar nicht zu sehen gewesen war, wieder sichtbar.

Reifröcke und Korsetts waren ab sofort wieder Kleidungsteile, die in keinem Fall fehlen durften, um die Weite der Röcke zu erreichen und außerdem eine schlanke Taille zu vermitteln.

Das absolute Highlight dieser Zeit waren jedoch die ausgefallenen Ärmeln.

Man nannte sie nicht nur Ballon- bzw. Schinkenärmel oder sogar Hammelkeulenärmel, sie sahen auch tatsächlich so aus. Um diese aufgebauschte Form zu erreichen, musste man diese Ärmel mit Rosshaar- und/oder Fischbeinstäbchen verstärken. Über diesen Unterbau drapierte man  dann den Stoff, der in Falten gelegt wurde. Einen ähnlichen Faltenwurf hatte das Kleid dann auch am Dekolleté.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die verwendeten Stoffe waren gemustert. Man bevorzugte Karos, Streifen und auch diverse Blumenmuster.

Einfarbige, glänzende Stoffe waren für die Abendgarderobe bestimmt. Dafür wurden dann hauptsächlich Seidenstoffe oder andere edle Materialien verarbeitet.

Was aber besonders charakteristisch für diese Mode war die Schute.

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Foto: Wikimedia/Commons

Ein Hut der unter der Kinnpartie mit Bändern gebunden wurde, so dass eine Schleife entstand. Die Krempe das Gesicht. Es gab die Schute aus geflochtenem Stroh oder aus Stoff. Die Hüte aus Stoff hatten einen Unterbau aus Drahtgestell, über das der Stoff gespannt wurde. Je nach Jahreszeit wurden die Hüte sogar wattiert oder mit einem wärmenden Polster ausgestattet.  Solche Hüte wurden aufwendig mit Blumen und Federn, mit Früchten und Tüll verziert.


Die Herrenmode der kommenden Jahrzehnte sollte sich nicht wesentlich verändern, man spielte mit Accessoires und auch ein wenig mit den Farben, der Grundstock blieb jedoch unverändert und bestand aus Frack und Gehrock.

Anders als bei den Damen trugen die Herren zu dieser Zeit kein Korsett, sondern behalfen sich mit einem Schnürgürtel, der einen ähnlichen Effekt hatte.

Die Krägen der Hemden nannte man nicht umsonst „Vatermörder“ denn sie waren so eng um den Hals geschlossen, dass jeder Mann froh war, ihn abends ablegen zu können.

Seit etwa 1815 trug der Herr sogenannte Pantalons, also lange Hosen.

Um perfekt gekleidet zu sein brauchte Mann noch einen Zylinder, einen Stock und Handschuhe die im besten Fall aus Leder waren.

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Foto: Wikimedia/Commons


1850 – 1860 – das Jahrzehnt in dem aus einer kleinen bayrischen Prinzessin eine österreichische Kaiserin wurde.

Die Kleider der Damen wurden aufwendiger und prächtiger als je zuvor, die Krinoline – vom franz „Crin“ (Rosshaar) abgeleitet – trat ihren Siegeszug an und sollte für 2 Jahrzehnte das Leben der Damen zur Qual machen.

Das Korsett war Pflicht, die Wespentaille ein Muss, das schnüren an sich war alleine unmöglich und konnte sich schon mal über mehrere Stunden hinziehen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Es waren edle Stoffe gefragt. Aufwändige Schnitte wurden aus Brokat oder Atlas, aus Samt oder Seide, Taft und Moiré gefertigt.

Unmengen Stoff waren nötig, um die weiten Rockteile besonders üppig aussehen zu lassen. Im gesamten Viktorianischen Zeitalter, benannt nach der Regierungszeit der britischen Königin Viktoria (1819-1901) von 1831 bis 1901, versuchten die Damen der feinen Gesellschaft sich auf diese Art und Weise zu übertrumpfen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Ist auch heute noch so, findet ihr nicht?

Abends trug man Schulterfrei, tagsüber hauptsächlich hochgeschlossen.

Schirm, Fächer und Hut rundeten das Aussehen ab und waren untrennbar miteinander verbunden.


Im Gegensatz zu den Damen bevorzugten die Herren eher Zweckmäßigkeit an ihrer Kleidung.

Die Stoffe waren zwar edel, es wurden hauptsächlich dunkle Materialien gewählt.  Man trug schwarze, braune, graue und auch dunkelblaue Farbtöne.

Die Sakkos, die dem Frack begannen den Rang abzulaufen, waren aus Wollstoffen und feinen Tuchen. Der Gehrock, auch als Cutaway oder kurz Cut genannt, hatte im vorderen Bereich abgeschnittene Schoßteile.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Hose war häufig in einer anderen Farbe als der Gehrock oder das Sakko. Hier waren Streifen besonders beliebt.

Die Weste, Krawatten und Bindetücher fielen nicht mehr auf und waren nun in dezenten Farben gehalten.

Verbreitet war bereits das Vorhemd, das unter der Weste wie ein Hemd aussah.

Anstelle von Vorhemd war allerdings der Begriff „Chemisette“ geläufig. Das französische Wort „Chemise“ steht für Hemd. In abgewandelter Form  nannte man das Vorhemd, deshalb Chemisette.

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Foto: Wikimedia/Commons


Wir befinden uns in den Jahren 1860 – 1870, der Zeit des Höhepunktes der Schönheit von Elisabeth

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Foto: Wikimedia/Commons

Modisch betrachtet nennt man dieses Jahrzehnt auch das 2. Rokkoko.

Drei Namen prägten dieses Jahrzehnt wie niemand anderes.

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Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth von Österreich und

Charles Frederick Worth

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Foto: Wikimedia/Commons

Die edlen Materialien,die Worth verwendete – Tüll, Spitze, Pailletten, Samt, Seide, Brokat u. a. – machten die Kleider so teuer, dass selbst die Damen von hohem Rang den neuesten Trends nur folgen konnten, in dem sie vorhandene Kleider wieder ändern ließen, anstatt stets neue zu bestellen. Kein andere verstand es, Kleider mit solch perfektem Sitz zu kreieren.

Alle Kleider waren Einzelanfertigungen, nie gab es ein Modell zweimal!

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Ungarisches Krönungskleid Foto: Sascha Rieger

Gegen Ende der 60er Jahre beschäftige Worth mehr als 1200 Näherinnen und erschuf unvergessliche Kreationen, ich sage nur Sternenkleid 😉

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Foto: Wikimedia/Commons

Es war das Jahrzehnt der Krinoline, die 1865 ihren Höhepunkt erreichte.

Durch Rosshaar und Stahlbänder erreichte man enorme Umfänge, wodurch man natürlich dementsprechende Mengen an Stoff und Aufputz benötigte.

1867 kam man langsam von diesen extremen Umfängen ab, 1869 wurde die Krinoline fast vollständig durch die Tournüre ersetzt.

Während die Röcke im Prinzip immer gleich waren, variierten die Oberteile je nach Anlass und Tageszeit. Ein Ausschnitt, der die Schultern zeigte, war ebenso möglich wie ein kleines spitzes Dekolleté oder eine hochgeschlossene Variante.

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Foto: Wikimedia/Commons

Auch die Ärmelschnitte ließen zahlreiche Varianten zu. Am Unterarm waren sie meist anliegend. Es gab Kleider, die durch einen halben Ärmel auffielen und es gab Kleider, die lange Ärmelschleppen hatten, besonders in Russland beliebt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Je nach Wetter und Anlass wurden über diese riesigen Krinolinenkleider halblange Mäntel getragen. Mit Hut und Fächer war eine Dame letztendlich perfekt gekleidet.

Dass es selbstverständlich war ein Korsett zu tragen muss ich vermutlich nicht erwähnen? 😉


Der Herr der Zeit trug im Alltag zum Anfang des Jahrzehnts noch den traditionellen Frack, stets mit einer Weste, die entweder durch Schottenkaros oder anderes abstechendes, buntgefärbtes Material auffielen, darunter trug man ein schlichtes helles Hemd, das mit einem Halsschmuck versehen war, der ein gebundenes Tuch als Vorläufer der Krawatte war.

 Außerdem kam ein Kragen zum Anknöpfen auf. Die Hosen waren bodenlang und gerade geschnitten.

Es gehörte zum guten Ton Zylinder zu tragen und schon war Mann perfekt gekleidet.

Eine absolute Neuheit in der Männerwelt war der Herrenanzug, der zu Beginn des Jahrzehnts in Mode kam und bei dem alle Teile (Rock, Weste und Hose) dieselbe Farbe haben mussten und dessen Teile sich auch in den Materialien glichen.

Ein „must have“ war der Stock, der oftmals über aufwendig verzierte Griffe verfügte.

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Foto: Wikimedia/Commons


Was trug man zwischen 1870 und 1880

Die Krinoline, war fast vollständig aus der Damenbekleidung verschwunden. In der Modegeschichte ist die Rede von der Ersten Turnüre.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Zweite Turnüre kam erst im 1880er Jahrzehnt auf und war dann längst nicht mehr so pompös gestaltet. Aber zunächst war noch die Erste Turnüre modisch aktuell und zwar bis etwa 1875. Dieses halbkreisförmige Gestell, das zumeist aus Stahl- und/oder Fischbeinstäbchen gefertigt war und dessen Polsterungen aus Rosshaar bestanden, wurde über das Gesäß gelegt und befestigt, so dass der Rock, der darüber getragen wurde, eine gewaltige hintere Auswuchtung erhielt. Vorne war das Kleid eng anliegend und der Blick automatisch auf das riesige Hinterteil gelenkt.

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Foto: Wikimedia/Commons

Das eng  geschnürte Korsett, das zwingend zur Grundausstattung jeder Frau gehörte, drückte die Brust nach oben und sorgte so in den spitzen oder viereckigen Ausschnitten für ein gut gefülltes Dekolleté. 😉

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Foto: Wikimedia/Commons

Eine Besonderheit dieses Jahrzehnts sind die Falten und Raffungen am Unterleib, die bald wieder aus der Modewelt verschwanden, da sie den Anschein einer möglichen Schwangerschaft erwecken konnten. Ein Zustand, der zu dieser Zeit jedoch nicht öffentlich zur Schau getragen wurde.

Ein wichtiges Accessoire auch dieser Zeit war der Fächer.

Die spitzenbesetzten Sonnenschirme mussten unbedingt zu den Farben der Kleider passen. Handschuhe und Schleier waren ebenso angesagt.

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Foto: Wikimedia/Commons

 Die hauptsächlich hochgesteckten Frisuren waren mit einem Hütchen geschmückt, an dem schulterlange Bänder zur Verzierung angebracht waren. Das Hütchen wurde entweder ein wenig keck seitlich getragen oder auf dem Hinterkopf platziert, konnte aber auch gerade vorn auf dem Kopf getragen werden. In jedem Fall hielten es zwei Bänder, die am Hals vorn zu einer Schleife gebunden waren.

Tagsüber  im Freien waren die Kleider hochgeschlossen geknöpft und endeten am Hals mit einem kleinen Kragen.

Für die Abendgarderobe gab es zu jener Zeit bereits die Haute Couture, die ein Engländer ins Leben gerufen hatte – Charles Frederich Worth (1826-1895).


Das modische Vorbild der Herren lag in England.

Der Frack verschwand allmählich aus der alltäglichen Garderobe der Herren,  der Gehrock (Cutaway) hatte sich als zweckmäßiger erwiesen.

Bei festlichen Anlässen fand der Frack jedoch weiterhin Verwendung.

Die Farben waren gedeckt, mit bunten Krawatten setzte man jedoch farbige Akzente und so entstanden bereits die ersten Läden für Herren Accessoires, die diese „Binder“ herstellten.

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Foto: Wikimedia/Commons


1880 – 1890

Die zweite Tournüre

Eine große Gesäßauflage, die Tournure (frz.), wurde fixer  Teil der Damenunterbekleidung

Ein Gestell aus Fischbeinstäbchen oder auch aus formte den Rock und verlieh ihm eine Gesäßaufbauschung.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Kleider waren am Oberteil und nun auch im Rockteil relativ eng anliegend, wobei der Rock meist noch mit Querfalten versehen war, die nach hinten ausliefen und in einer Schleppe endeten. Zu dieser Zeit war das Korsett zwar Pflicht, hatte aber keine besondere Formung der Taille zur Aufgabe, sondern diente eher dazu, die Haltung zu korrigieren und unerwünschte Pölsterchen verschwinden zu lassen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Betonung einer sehr schlanken Figur war in den beiden ersten Jahren des Jahrzehnts jedoch durchaus erwünscht.  In diesen beiden Jahren wurden die Kleider den Damen, nicht nur unserer Kaiserin, wortwörtlich auf den Körper genäht.

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Foto: Wikimedia/Commons

Das Atmen war schwer, das Essen unmöglich, wenn die Damen in dieser Garderobe erschienen. Die Kleider waren schmerzhaft eng und erschwerten auch das Gehen, dabei war das plaudernde Herumstehen immer noch leichter als das Sitzen.

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Foto: Wikimedia/Commons

Kann ich nur bestätigen 😉 längeres sitzen wird zur Qual!

Diese Art von Mode war schon mehrfach in der Vergangenheit aufgetaucht und hatte für den einen oder anderen Witz gesorgt.  In diesem Jahrzehnt waren sie jedoch fast ausschließlich den vermögenden Frauen vorbehalten, die sich dadurch deutlich sichtbar von den normalen Bevölkerungsschichten abgrenzten. Die Betonung des weiblichen Hinterteils blieb mehr oder weniger bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Der übliche Aufputz verschwand und man setzte neue Stoffkombinationen ein, bei denen gelegte Falten und Raffungen mit Volants Hauptbestandteil waren.

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Foto: Wikimedia/Commons

Tuchstoffe wurden mit Samt zusammen getragen oder auch mit Seide. Das Oberteil lag eng am Körper und war hochgeschlossen. Geschlossen wurde das Oberteil mit einer langen Knopfleiste, deren Knöpfe meist aus besonders edlem Material bestanden. Diese Knöpfe und die Spitzen am Kragen waren die einzige Zierde an der Damenbluse. Die langen, selten auch halblangen Ärmel, lagen eng an.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die Hüte, die die Damen trugen und die unbedingt zur vollständigen Kleidung gehörten, änderten ihr Aussehen schneller als die Bekleidung selbst. Trug man erst noch Hüte mit aufgeschlagenen Krempen, so wichen diese bald Modellen mit Federn und Bändern.Ältere Damen trugen gedeckte Farben und die Jugend bevorzugte hellere, auffälligere Farben.

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Foto: Wikimedia/Commons

Am Land hielt man sich keineswegs an die vorgegebenen Trends sondern trug weiterhin zeitlose Trachten für den Alltag und auch für die Arbeit. Diese waren in dezenten Farben gehalten. Die Trachten an Sonn- und Feiertagen waren dagegen meist besonders farbig und mit viel Zierrat versehen.


Die Herren waren bereits gut gekleidet, wenn sie ein frisch gebügeltes Hemd trugen, einen Frack oder einen Gehrock. Das Ensemble wurde, wie auch bei den Damen stets mit einem Hut komplettiert.

Herren, die finanziell nicht dem gehobenen Stand angehörten, trugen mitunter anstatt eines Hemdes nur ein Vorhemd. Das war ein steifes Wäscheteil, das unter der stets geschlossenen Weste den Eindruck eines Hemdes suggerierte.

Wir kennen es heute noch beim Frack ;).Durch diese Erfindung konnte man sich das aufwendige waschen eines Hemdes ersparen, ein Vorhemd wurde nach Gebrauch entsorgt und kam so den Junggesellen meist sehr zu Gute.

Neben dem Frack zählte der Cut (Gehrock oder Cutaway) zum fixen Bestandteil der Männermode und hatte vorn abgerundete Schöße.

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Foto: Wikimedia/Commons

Die ersten Smokings, die sogenannten Raucheranzüge, kamen in Mode.

Etwas mehr Auswahl gab es bei den Mänteln: Der Ulster war stets doppelreihig, der Chesterfield hatte eine verdeckte Knopfleiste und der taillierte Paletot, der dem der Damen vom Schnitt her ähnlich.

Die wichtigsten Farben waren Schwarz, Braun, Dunkel- oder Hellgrau und Blau.


Wir sind am Ende des Lebens unserer Kaiserin angelangt und befinden uns nun modisch in den 1890er.

Verglichen mit der Biedermeierzeit und dem folgenden zweiten Rokoko, war die Mode im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts weit weniger aufwändig in der Fertigung und im Materialaufwand.

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Foto: Wikimedia/Commons

Nur eines hatte sich nicht verändert – immer noch war das Korsett wichtiger Bestandteil der Damenmode um die Figur dem jeweiligen Schönheitsideal anzupassen.

In den 1890er Jahren formte man  mittels  Korsett vorwiegende eine gerade Front, es gibt kaum Einsätze für die Brust. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich diese modische Silhouette jedoch, bis zum Ende des Jahrhunderts setzte  sich die Sans-Ventre-Linie (ohne Bauch), die sogenannte S-Form, durch.

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Foto: Wikimedia/Commons

Immer stärker werdende Versuche von  Ärzten, Künstlern oder  Frauenrechtlerinnen die Frau aus dem Korsett zu befreien scheiterden. Wer schön sein wollte, der musste auch weiterhin.

Wesentlich stärker veränderten sich die Röcke der Damen, die an der Hüfte anliegend und  später ab Höhe der Knie immer mehr an Weite zunahmen. Stützdende Unterröcke oder gar Reifkonstruktionen verschwanden zur Gänze. Die glatt fallende Rockschnitte oder auch die glockig geschnittenen Röcke waren auf den ersten Blick an Taille und Hüfte leicht anliegend.  Der weibliche Körper wurde immer mehr in die Form einer „Sanduhr“ gezwungen. Tatsächlich gab man dieser trichterförmigen Silhouette diesen Namen, der die Sans-Ventre-Linie sehr passend beschrieb.

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Foto: Wikimedia/Commons

Sogar eine kleine Schleppe war noch am hinteren Rockteil sichtbar. Die Vorderpartie hatte Bodenlänge, erst am Ende des Jahrzehnts war es denkbar, dass ein wenig von den Schuhen oder Stiefeletten sichtbar wurde.

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Foto: Wikimedia/Commons

Zu Beginn dieses Jahrzehnts  lagen die Ärmel der Blusen und Kleideroberteile relativ  eng an wurden aber mit jedem Jahr auffälliger und breiter. Die Manschetten lagen eng am Handgelenk, teilweise reichten sie über den ganzen Unterarm.

Keulenärmel, Schinkenärmel und sogar Elefantenärmel waren als Begriffe für diese Formen durchaus gebräuchlich. Allmählich wurden die Oberärmel sogar noch üppiger. Sie erreichten eine ballonartige Form. In der Mitte des Jahrzehnts hatten sie ihr größtes Ballonausmaß erreicht. In den letzten zwei bis drei Jahren vor 1900 kehrte man wieder zu zierlicheren Puffärmeln zurück.

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Foto: Wikimedia/Commons

Bei allen Veränderungen, die hauptsächlich die Ärmelsilhouette betrafen, änderte sich eines nicht – der Hut. Eine Dame war erst vollständig bekleidet, wenn sie einen Hut trug. Der gehörte ebenso dazu wie der Sonnen- oder Regenschirm. Auch der war ein unverzichtbares Accessoire, auf das eine Frau bei der ansonsten großen Vielfalt von Farben und Materialien nicht verzichtete.

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Foto: Wikimedia/Commons


Nicht nur die Mode der Damen änderte sich im Lauf der Zeit, sondern auch die der Männer

Zu den langen Hosen, die meistens gestreift waren, trug Mann nun ein Sakko, das den Frack im Alltag abgelöste, wobei Hose und Sakko nicht zwangsläufig dieselbe Farbe hatten.

Auch Gehröcke wurden gerne getragen. Die obligatorische Weste, die zur Männermode gehörte, war meist einfarbig. Mit niedereren, nicht mehr einengenden Kragenformen wurde auch die Herrenmode bequemer. Es gab Umlegekragen, Kragen zum Anknöpfen, die Manschetten wichen und die Hemdärmel schauten aus dem Sakkoärmel heraus.

Anfangs nur als Bekleidung für den Herrensalon gedacht, in dem geraucht wurde, setzte sich der Smoking, der Raucheranzug, auch in der Kleidung innerhalb der Gesellschaft durch.

Neben dem Zylinder trug man die Melone – ein runder, schwarzer, steifer Hut, als typische Kopfbedeckung. Zur schlichten und einfarbigen Bekleidung wählte man farbige Krawatten oder ein leicht übereinandergeschlagenen Halstuches, das Plastron.

Die Mode der Männer hatte den englischen Stil zum Vorbild, während die Damenmode ihre Richtlinien aus Paris bekam.

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Foto: Wikimedia/Commons


 

Ich hoffe mein kleiner Ausflug in die Mode vergangener Zeiten hat Euch ein wenig gefallen und ihr wisst nun, was man wann, wie und wo trug? 😉

*Sisi*


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… was ein Fächer alles verspricht…

Das ein Fächer weit mehr kann als einer Dame an schwülen Sommertagen etwas Kühlung zu verschaffen, werde ich Euch hiermit versuchen näher zu bringen.

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Foto: @feitzi

Denn die sagenumwobene Fächersprache ist wohl die zauberhafteste Möglichkeit zu flirten. Mit ihr kann jedes Gefühl verstärkt ausgedrückt oder auch nur angedeutet werden.

Ein Fächer gehörte, sowie Hut und Schirm, zur Grundausstattung jeder anständigen Dame des 19. Jahrhunderts.

In Paris und London gab es eigene Fächerakademien, um den jungen Damen diese besondere Art der Konversation zu lernen.

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Fächermuseum London, Foto: @sternenkaiserin.com

Der Sinn dieser so einzigartigen Sprache war, wie könnte es anders sein, die Liebe!

Es war eine unauffällige, aber auch elegante Art, dem Herren der Wahl, Dinge mitzuteilen die nicht für fremde Ohren gedacht waren.


 

Ein paar dieser „eindeutigen“ Gesten werde ich Euch nun vorstellen und wer weiß, vielleicht könnt ihr ja die eine oder andere am nächsten Ball anwenden.

Vorausgesetzt natürlich, der Herr versteht diese Zeichen!

Hält man den Fächer mit der linken Hand vor das Gesicht bedeutet das: Ich sehne mich nach Gesellschaft

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Hält man ihn mit der rechten Hand vors Gesicht bedeutet es: Folgen Sie mir!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Zieht man ihn leicht über die Stirn: Wir werden beobachtet!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Streicht man sich mit dem Fächer über die Wange: Ich liebe Sie!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Den geschlossenen Fächer durch die Hand ziehen: Ich hasse Sie!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Streift man damit leicht über die Augen: Es tut mir Leid! Verzeihen Sie mir!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Tippt man mit dem geschlossenen Ende an die Lippen: Küssen Sie mich!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Der Fantasie waren scheinbar keine Grenzen gesetzt, so gab es angeblich noch einige weitere Zeichen. 

  • Mit der rechten Hand flattern lassen: Ich liebe einen anderen!
  • Langsam fächeln: Ich bin verheiratet.
  • Schnell fächeln: Ich bin verlobt.
  • Zeigt man den Fächer geschlossen: Lieben Sie mich?
  • Tippt man mit den Fingern an eine bestimmte Anzahl der Stäbchen so ist das eine Zeitangabe für die Verabredung.

 

Man kann sich vorstellen, dass sich aus dieser Art der Konversation oftmals auch interessante Missverständnisse ergaben, dennoch war es eine gängige Methode, geheime Liebschaften zu koordinieren.

Wobei meine Vermutung eher in die Richtung geht, dass man sich ganz eigene, geheime Zeichen vereinbarte, denn welchen Sinn hätte eine Geheimsprache, wenn alle anderen Gäste bei Tisch oder auf einem Ball diese nonverbale Konversation ebenso deuten konnten?

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Der Fächer diente mit Sicherheit als eine Art Spielzeug, ein Hilfsmittel der Koketterie, denn welcher Gentleman würde sich nicht bücken, um der Dame den „zufällig“ fallen gelassen Fächer wieder aufzuheben, um so einen Blick in die Augen der Angebeteten zu erhaschen oder gar ihre Hand für einen Moment zu berühren?

Mit Sicherheit aber war der Fächer ein beliebtes Mittel, ungeliebten Blicken zu entgehen!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

So trug etwa Kaiserin Elisabeth in späteren Jahren stets Schirm und Fächer bei sich, um den immer mehr werdenden Paparazzis zu entkommen oder sich vor den, wie sie es nannte „Gaffern“ zu schützen.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

 

Sieht man sich ein wenig die Geschichte des Fächers an, so findet man bereits Wandmalereien der alten Ägypter, an denen sie sich von Sklaven kühlende Luft zu wedeln ließen.

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Bild aus „die Kunst Ägyptens/Walter Wolf“ -Aufn. EME 150

Die ersten Handfächer findet man in Europa auf Gemälden des 16. Jahrhunderts.

Der Fächer galt als Statussymbol der Damenwelt. Daher wurden sie aufwendig bemalt und die Stäbe kunstvoll geschnitzt oder sogar vergoldet.

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

In vielen Museen kann man heute noch diese Kunstwerke bewundern und die vielen Arten bestaunen. In London gibt es das weltweit einzige Fächermuseum, dass sich ausschließlich diesem Kleinod der Weiblichkeit widmet. 

https://www.thefanmuseum.org.uk/

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

Fächer wurden aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt. Die Stäben waren aus Holz, Elfenbein, Schildpatt oder Horn. Das sogenannte „Blatt“ war mitunter aus Schwanenhaut, oder Pergament, später auch aus bemalter Seide oder Spitze.

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

Die Feinheit eines solchen Fächers war Zeichen der Weiblichkeit, ein Sinnbild für Eleganz und Grazie.

Das der Fächer allerdings nicht nur der holden Weiblichkeit zuzuordenen war, zeigt der „eiserne Fächer“ der Samurai, der als versteckte Waffe diente. James Bond lässt grüßen 😉

Heute hat der Fächer in Europa weitgehend seine Bedeutung verloren, und wird hauptsächlich nur noch aus Asien für Dekorationszwecke oder für Kostüme verschiedenster Art importiert. Eine europäische Ausnahme stellt Spanien dar, wo man sie heute noch als Souvenir bzw für die Flamencotänzer herstellt.

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Flamencotänzerin; Foto: @Christian Henking

In Asien allerdings gehören Fächer nach wie vor zum alltäglichen Erscheinungsbild und werden dort von beiden Geschlechtern verwendet. 

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Fächermacher mit Beistellmöbeln und Truhen, Korean Folk Village, Suwon @Foto:Roman & Daniela Jost

Zum Schluss möchte ich Euch noch einen kleinen Tipp mitgeben: Für alle die im Sommer in überhitzen Theaterräumen sitzen, oder am Heimweg in Bus und Straßenbahn schwitzen, ein Fächer findet in jeder Handtasche Platz, und ihr werdet wirklich überrascht sein wie angenehm es ist einen solchen zu verwenden.

*Sisi*

 


Rechtliche Hinweise:
Textrecht: Sisi, Fächermuseum London
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Sisis Hochzeitskleid – Der Vespermantel – Capa pluvial Traje nupcial de Sissi

Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach, Foto: myheimat.de

Bis heute ist nicht wirklich bekannt, wie das gesamte Brautkleid von Kaiserin Elisabeth aussah. Meinen Beitrag zur Hochzeit findet ihr hier.

Laut Prager Tagblatt vom 27.4.1879 trug Kaiserin Elisabeth das Kleid noch einmal zu ihrem 25. Hochzeitstag. Für diese Festlichkeit, wurde ihr Hochzeitskleid, das bis dato in Possenhofen aufbewahrt wurde, nach Prag gebracht und dort nach den Wünschen der Kaiserin umgeändert.

Die erste Aufzeichnung als Inventarium in der Basilika Maria Taferl ist von 1890. Demnach wurde das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth gestiftet.

Das Kleid selbst wurde zerlegt und der Silberfaden herausgetrennt. 1895 wurde der daraus entstehende Vespermantel der Öffentlichkeit präsentiert.

Heute befindet sich der Mantel noch immer in der Schatzkammer von Maria Taferl, allerdings kann er nur zeitweilig besichtigt werden.

Mir wurde die Ehre zu Teil und ich freue mich euch exklusiv mein Video und Fotos vom Vespermantel in Maria Taferl zu zeigen.

Ich bedanke mich nochmals ganz herzlich bei der Silberkammer von Maria Taferl.

 

A dìa de hoy no se sabe a ciencia cierta como fue realmente el traje de novia de la emperatriz Isabel. El texto sobre la boda se encuentra en este link.

Segun el el diario Prager Tagblatt en su ediciòn del 24.04.1879, la emperatriz llevò el mismo vestido para la celebraciòn de sus bodas de plata. Para esta ocasiòn se llevò el vestido nupcial a Praga (hasta ese momento se habia guardado en Possenhoffen) y allì fue modificado siguiendo los deseos de la emperatriz.

El vestido aparece como donaciòn por primera vez en el inventario de la basilica Maria Taferl en 1890. Fue desmontado y con sus hilos de plata se confeccionò una capa pluvial que fue presentada en 1895.

Hoy en dìa esta capa se encuentra aùn en la sala del tesoro de la basilica de Maria Taferl, aunque muy rara vez puede ser visitada.

Yo tuve el gran honor de poder verlo y me alegra muchisimo poder presentaros en exclusiva los videos y fotos que hice.

Desde aqui, de nuevo mi mas sincero agradecimiento a la sala del tesoro de Maria Taferl.

Otras piezas del vestido nupcial fueron enviadas a la iglesia de San Matias en Budapest, donde se usaron los hilos de oro para confeccionar una casulla que fue usada en 1867 para la coronaciòn de Francisco Josè e Isabel como reyes de Hungria y que se encuentra expuesta en este iglesia desde entonces.

 

 

 

 

 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

 

Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Weitere Teile wurden in die Matthiaskirche nach Budapest gebracht, wo der Goldfaden für ein Messgewand verwendet wurde. Dieser Mantel wurde bereits 1867 zur Krönung von König Franz Joseph und Königin Elisabeth getragen.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José 

 

~ Marie ~

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
Bildrechte: myheimat.de, sternenkaiserin.com
Videorechte: sternenkaiserin.com


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Unterwäsche einer Kaiserin

Wenn ihr nicht wisst, wie man eine Wespentaille von 50 cm bekommt, dann werde ich Euch das jetzt ein wenig erklären.

Die Definition für das Korsett lautet: „als Korsett bezeichnet man ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, dass eng am Körper anliegt, und diesen den jeweiligen Modelinien entsprechend formt“

Zu allen Zeiten versuchte man den weiblichen Körper der Mode anzupassen, anstatt wie es in vielen Fällen bestimmt gesünder gewesen wäre, die Mode an den Körper der Frau anzupassen.

Entstanden ist das Korsett vermutlich am Anfang des 16. Jahrhunderts, auf einigen Gemälden aus dieser Zeit, kann man bereits eine „unnatürliche“ Körperform erkennen. Ein konischer Oberkörper und die flach gedrückte Brust waren typische Modemerkmale dieser Zeit.

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(Queen Eliszabeth I. *7. September 1533 in Greenwich; † 24. März 1603 in Richmond)


Bis zur französischen Revolution blieb diese Form annähernd gleich, wobei man damals nicht von einem Korsett sprach, sondern von einer „Schnürbrust“ oder „steifen Mieder“.

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Der Unterschied zu späteren Modellen liegt hauptsächlich darin, dass man bei der sogenannten Schnürbrust jedes Mal die Kordel zur Gänze entfernen musste.


Die einzige Ausnahme war die Zeit des Biedermeier. Wer es sich körperlich leisten konnte, verzichtete darauf, ab ca 1840 war es jedoch unschicklich sich ohne Korsett sehen zu lassen.

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Gegen Ende des 19. Jhd. wurden auch Federstahlbänder, Stahlspiralen oder Hornstäbe dazu verwendet den Körper in Form zu zwingen.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erwies sich Fischbein, das aus den Barten des Wales gewonnen wurde, als ideales Versteifungsmaterial. Dieses sehr steife und zugleich biegsame Material trug nicht unwesentlich dazu bei, dass diese großen Meeressäuger gejagt wurden.

1828 wurden die metallenen Schnürösen erfunden, ein Jahr später war der Planchet Verschluss bestehend aus Haken und Ösen geboren. Durch diesen Metallverschluss wurde es erst möglich das Korsett vorne zu öffnen oder zu schließen, ohne dabei jedes Mal an der Rückseite die Schnürung vollständig zu entfernen.

 

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Das Korsett veränderte ein weiteres Mal seine Form und wurde nun mehr und mehr zur Sanduhrform, heute noch bekannt als Wespentaille. Eine möglichst schmale Taille war das Ziel!

Ab 1870 wurden die Korsetts etwas länger und formten so auch den Bauch und die Hüfte.

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Welche Auswirkungen diese Art der Mode auf den weiblichen Körper hatte, kann man noch anhand von erhaltenen anatomischen Zeichnungen erahnen.

Der Brustkorb verformte sich, Organe verschoben sich nach oben und unten. Besonders wenn bereits während der Wachstumsphase mit dem Tragen eines Korsetts begonnen wurde!

Die Folgen waren Deformierungen im Brust und Bauchbereich, Kurzatmigkeit weil die Bewegung vom Brustkorb bei der Ein- und Ausatmung stark beeinträchtigt wurde und Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule durch Verlust der Rückenmuskulatur, da das angelegte Korsett ja eine Haltefunktion übernahm, die ohne nicht mehr gegeben war. Der eine ohne andere Ohnmachtsanfall war sicher dem Tragen des Korsetts geschuldet.


 

Ethel Granger

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Cathie Jung, Foto: @Cathie Jung

Auch heute noch gibt es einige wenige Damen die
sich diesem extremen Modediktat längst vergangener Zeiten unterwerfen. Ethel Granger besaß die wohl schmälste dokumentierte Taille. 13 Zoll oder 33 cm
Umfang
!

Zum Vergleich: Die Taille von Kaiserin Elisabeth betrug 50 cm!

Den zweifelhaften Weltrekord an einer lebenden Frau, hält die Amerikanerin Cathie Jung, die sich zu besonderen Anlässen auf 38 cm Umfang schnürt.

 

 


 

Nun war das Korsett aber nur der formgebende Teil der Unterbekleidung und längst nicht das Einzige was eine Dame „darunter“ trug.

Als unterste Schicht trug man eine Chemise, eine Art Unterhemd, als Schutz für das Korsett, dieses „Unterkleid“  wurde oft auch als Nachtgewand verwendet. Man trug es Tag und Nacht, am nächsten Morgen legte man ein Neues an.

Natürlich immer abhängig von Stand und finanziellen Mitteln, so war es durchaus nicht ungewöhnlich das diese Wäschestücke 2 bis 3 Tage oder manchmal auch länger getragen wurden. Gefertigt wurde dieses Wäschestück meist aus feinem Leinen, oftmals mit Biesen und Spitzen verziert. Am Halsausschnitt wurde ein Zugband einzogen, um die Passform zu optimieren.

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@neheleniapatterns.com

Die Unterhosen der damaligen Zeit waren, wohl auch auf Grund der Reifröcke im Schritt offen, um den Damen den Gang zur Toilette zu erleichtern.

Auch heute noch, erweist es sich als vorteilhaft auf ein solches „offenes Beinkleid“ zu setzen, wenn man Korsett und Krinoline trägt. Ihr könnt mir glauben, eine „moderne Unterhose“ unter ein geschnürtes Korsett zu stopfen und das unter einer Vielzahl von Unterröcken, dazu noch Krinoline und Kleid in einem viel zu kleinen WC, ist beinahe unmöglich!

Da die Beine des guten Stücks recht weit geschnitten sind, überlappt der Stoff derart, dass es weder kalt wird, noch in irgendeiner Weise unangenehm zu tragen ist.

Auch hierbei wurden oftmals Biesen als Verzierung an den Beinabschlüssen angebracht, Spitzen waren Geschmackssache und mit Sicherheit auch eine Geldfrage. Die Hose wurde am Rücken durch ein Zugband verschlossen.

Die Chemise und das Beinkleid zählt man aus dem einfachen Grund zur „Wäsche“ da diese im Gegensatz zum Korsett gewaschen werden konnten.


 

Was nun aber noch fehlt ist die Krinoline oder auch Reifrock genannt.

Im Biedermeier trugen die Damen mehrere Stoffunterröcke übereinander. Man begann Rosshaar in diese Röcke einzunähen, daraus entstand dann die Krinoline. Ca 1850 begann man diese Rosshaarkrinolinen durch Federstahl zu ersetzen. Der Saumumfang der Röcke stieg auf bis zu unglaubliche 8 Meter an.

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@neheleniapatterns.com

Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch das sein musste. Sogar damals gab es schon Karikaturen und Photographien in den Zeitungen, die sich über diese Art der Extreme lustig machten.

 

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Der Hauptunterschied zwischen modernen Reifröcken wie man sie heutzutage unter Brautkleidern trägt, ist die Gestaltung der Form. Heutzutage haben die gängigen Unterröcke eine sogenannte „A“ Form, während die Krinolinen des 19. Jhd. kuppelförmig waren.

Zu Beginn waren sie gleichmäßig rund, ab ca. 1860 wurden sie jedoch mehr und mehr elliptisch.

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@neheleniapatterns.com


 

Nun muss man nur noch wissen in welcher Reihenfolge „Frau“ sich anzieht, bzw anziehen lässt.

Zuerst die Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, sollte man keine Zofe dabei haben die einem anschließend die Schuhe bindet, sollte man sie tunlichst vorher anziehen, denn unter all den Schichten ist es nicht so einfach wieder an die Schuhe zu kommen.

Über die Unterwäsche legt man das Korsett an, je nachdem wie fest man es schnüren möchte, empfiehlt es sich, dies auf mehrere Etappen zu tun, nur so nebenbei erwähnt, dass Schnüren der Kaiserin dauerte oft bis zu 3 Stunden!

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man nach einem gewissen Zeitraum das Korsett durchaus noch enger schnüren könnte, da sich der Körper scheinbar daran gewöhnt.

Hat man dann den gewünschten Taillenumfang erreicht, kommt die Krinoline. Darüber mehrere Unterröcke aus steifen Material um ein Abzeichnen der Metallstäbe durch das Kleid zu verhindern, letztendlich das eigentliche Kleid!

Oft werde ich gefragt: „Tut es weh ein Korsett zu tragen?“

Die Frage kann nicht so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden?  Ich kann Euch nur sagen, wenn das Korsett auf Maß gefertigt ist und es gut sitzt, ist es nicht wirklich unangenehm. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie fest man geschnürt wurde.

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, irgendwann – auch wenn man seine Kleider noch so gerne trägt – ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man froh ist sie endlich wieder ausziehen zu dürfen.

Grundsätzlich und mit ein wenig Übung kann man sich in dieser Kleidung völlig normal bewegen, ob man nun durch eine Tür geht, den Fahrstuhl benutzt, in eine Kutsche oder ein Taxi steigt, möglich ist alles. Der Komfort blieb damals wie heute auf der Strecke.

„Schönheit muss leiden“ hat hier sicherlich so manches Mal seine Berechtigung, allerdings verliert meiner Meinung nach das schönstes historische Kleid seine Wirkung und Originalität wenn das „Darunter“ nicht korrekt ist.

Eines könnt ihr mir glauben, auch wenn so wie bei mir manches Mal über 100 Meter Stoff darüber sind, man erkennt den Unterschied 😉

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Foto: @Privat

 

Für alle Damen, die im Damensattel reiten kann ich nur empfehlen, sich ein etwas kürzer geschnittenes Reitkorsett fertigen zu lassen, ansonsten könnte es unangenehm werden 😉

Somit hoffe ich, ein wenig Klarheit ins „Darunter“ gebracht zu haben, und wünsch Euch viel Spaß beim Selbstversuch 😉

 

*Sisi*

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: @neheleniapatterns.com, @Privat, @Cathie Jung
Es konnten keine Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at
Textrechte: Sisi


 

 

Das Sternenkleid – Ein Traum von einem Kleid

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Kaiserin Elisabeth im berühmten Sternenkleid, gemalt von Franz Xaver Winterhalter, Foto: @habsburg.net

Wenn man an Kaiserin Elisabeth von Österreich denkt, dann werden die meisten von Euch sie mit dem berühmten Sternenkleid in Verbindung bringen.

Was ist nun aber die Geschichte dieses so besonderen Kleides?

Ein Kleid, das zum Symbol für die schöne Kaiserin wurde.

Sisi sammelte im sogenannten Schönheitsalbum Bilder von schönen Damen. Dies konnten Tänzerinnen, Schauspielerinnen, aber auch „Halbwelt“-Damen sein. Ihr wurde ein Bild von Contessa Virgina di Castiglione zugesandt, wo besagte Dame das Sternenkleid und Sternendiamanten im Haar trug. Sisi war so derartig angetan von dieser Dame, dass sie fortan ihren Stil kopierte.
2 Jahre später ließ sie sich vom Pariser Couturier Charles Worth, in abgeänderter Form (Farbe, Stoff) das Kleid anfertigen. Voila – das weiße Tüllkleid hatte seine Geburtsstunde.

Virginia Oldoini, Countess Verasis of Castiglione (1837-1899). Ca. 1861-1867.

Contessa Virginia di Castiglione im Sternenkleid und Diamantsternen im Haar Foto: @Wikimedia/Commons

Auch die Sterne ließ sie vom Hofjuwelier Köchert anfertigen, jedoch in etwas edlerer und geschmackvollerer Form, als die Mätresse von Napoleon III. Contessa Virgina di Castiglione, war auch die erste Dame, die sich ihre langen Haare zu dicken Zöpfen flechten und um den Kopf wickeln ließ.

Kaiserin Elisabeth war zu diesem Zeitpunkt in ihrer Schönheit noch nicht formvollendet. Ihr Stil war noch nicht geboren und ihre Schönheit noch nicht am Höhepunkt. Erst dieses Kleid und diese Frisur, sollte sie zu dem machen, was sie bis heute ist: „Eine schöne unerreichbare Fee aus dem Märchenland.“

Als am 11.2.1865 ihr Bruder Carl Theodor von Bayern seine geliebte Braut Sophie von Sachsen in Dresden ehelichte, war der abendliche Ball der Zeitpunkt das Kleid und die Sterne zu tragen. Was die meisten von Euch vermutlich nicht wissen, Schwester Helene „Néné“, trug am Abend exakt dasselbe Kleid. Es war aber Sisi, die Aufsehen erregte. Das Kleid wurde wie folgt beschrieben: „Ein weißes, mit Sternen besticktes Kleid, Diamantsterne im Haar und an der Brust ein Camelienbouquet.“  Sisi war zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt und Mutter von 3 Kindern.

Erzherzog Ludwig Viktor hielt in seinem Brief nach Wien folgendes fest: „Sisi sei blendend schön, auch waren die Leute wie verrückt hier. Ich habe noch nie so einen Effekt machen sehen. Helene ein sehr schlechter Abklatsch von der Kaiserin, auch Sternenkleid.“ (1)

Und Königin Marie von Sachsen, schrieb an eine Freundin: „Von der Begeisterung, welche die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Kaiserin erregte, kannst Du Dir keine Vorstellung machen; noch nie sah ich meine ruhigen Sachsen in solcher Aufregung! Man dachte, sprach, hörte nur ihr Lob.“ (2)

Man fragt sich, wie sich wohl die Braut fühlte, wenn die schönste Frau der damaligen Welt, in solch einem prachtvollen Kleid erschien?

Aber das überlasse ich Eurer Fantasie.

Wie die meisten vermutlich wissen, gibt es von der Kaiserin nur wenige Bilder, und noch weniger, bei denen sie tatsächlich Model stand. Diese Ehre wurde allerdings, dem wohl größten Meister seiner Zeit zu Teil. Franz Xaver Winterhalter. Durch Protektion König Louis Philippes stieg Winterhalter zum gefragtesten Porträtmaler in Frankreich auf. Als französischer Hofmaler malte er Bildnisse der gesamten königlichen Familie und der führenden Mitglieder des Hofes. 1852 folgte er dem Ruf von Königin Isabella nach Spanien. Nach der Thronbesteigung Napoléons III. ging er zurück nach Paris. Zu seinen Kunden gehörten auch das belgische Königshaus und die kaiserlichen Höfe in Sankt Petersburg und Wien.

Elisabeth ließ sich von F.X.Winterhalter 1865  im Sternenkleid malen, und machte dieses Kleid somit unsterblich. Ein Kleid, dass wohl für sie nichts weiter als eines unter vielen war. Dieses Gemälde könnt ihr immer noch in der Wiener Hofburg bewundern. Von Winterhalter gibt es noch 2 weitere Bilder, die in die Geschichte eingehen sollten. „Sisi mit offenen Haar.“ Diese Bilder waren für die damalige Zeit sehr intim. Eines davon wurde zu Kaiser Franz Josefs Lieblingsbild. Es stand Zeit seines Lebens vor seinem Schreibtisch (und dort steht es heute noch).

Sisi Stern Foto: @koechert.com

Die Haarsterne, die vermutlich ebenso berühmt sind wie das Kleid selbst sind, waren ein Geschenk des Kaisers. Von den Juwelieren Köchert und Pioté ließ sich Kaiserin Elisabeth ein Set von 27 Haarsternen aus Diamanten herstellen. Einige der Sterne verschenkte die Kaiserin später an Hofdamen, die anderen wurden in der Familie vererbt. Die Tochter von Kronprinz Rudolf, Erzherzogin Elisabeth, trug beispielsweise die Sterne zu ihrer Hochzeit 1902.

 

 

 


 

Von der Geschichte des echten Sternenkleides, möchte ich jetzt zu der Geschichte meines Kleides kommen.

Wobei, eigentlich müsste ich wohl sagen, meiner Kleider!

Der erste Versuch war relativ einfach, ein Kleid aus Sternentüll, nett ja, aber nicht annähernd so wie es sein sollte.
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Das Problem war der Stoff. Woher bekommt man einen Stoff mit gestickten oder gewebten Sternen, der dem Original so nahe wie möglich kommen würde?

Das zweite Kleid war zwar näher am Original, aber immer noch zu „mickrig“

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Nach langem Suchen und überlegen begann ich dann den Schnitt von Grund auf zu ändern.

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Verdoppelte die Stoffmenge, verlängerte die Schleppe, stickte ich 500 Sterne mit der Hand auf und hatte ein Kleid, das zwar von Form und Umfang ans Original ran kam, aber es war immer noch nicht so wie ich es wollte.

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Ein weiteres Mal erneuerte ich das Oberteil komplett, tauschte die Ärmel, und verdoppelte ein letztes Mal die Tüll Menge um das perfekte Kleid zu erhalten. Inzwischen war ich bei weit mehr als 100m Stoff, und einem Gewicht von über  17 kg

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@Foto  Bertl Jost. Hier könnt ihr sehr gut die aufgestickten Sterne erkennen

Nun hatte ich das Kleid, und 27 Haarsterne, fehlte nur noch das richtige Bild.

Was jetzt noch fehlte war ein F.X. Winterhalter, der dieses Kleid ins rechte Licht rücken könnte, und der würdige Rahmen, um es zu tragen, denn das ich mit diesem Kleid nicht eben mal durch die Stadt spazieren würde, sollte jedem klar sein.

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@Foto Bertl Jost

 

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@Foto Bertl Jost, 500 Sterne zufällig verteilt, oder doch nach System aufgenäht?

Das Fotoshooting im Südbahnhotel am Semmering stand an, und mir war klar, dass es nur einen gibt, der das perfekte Bild von diesem Kleid machen konnte. Der Münchner Fotograf Bertl Jost mit seiner Frau Ingrid!

An dieser Stelle, ein herzliches Danke an die Beiden!

Im großen Speisesaal des alten Südbahnhotels entstand dieses, für mich einmalige Bild.

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Und ein bisschen träume ich davon, dieses Kleid, mein Kleid, auf einem Ball tragen zu dürfen ….

* Sisi *

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Bertl Jost, Privat, Hofburg Wien, Juwelier Köchert
Textrechte: Sisi, Marie Festetics (historischer Teil), Brigitte Hamann – Kaiserin wider Willen, Dr. Martina Winkelhofer – Sisi


Literaturhinweise:

Zitate: 1 – S 198, 2 – S 199
Brigitte Hamann:
Kaiserin wider Willen , Amalthea, 1992, 11. Auflage

Dr. Martina Winkelhofer
Sisi


 

Kaisertage in Mödling

Im August letzten Jahres erhielten der Kaiser und ich eine Einladung der Stadt Mödling und  der MÖDLINGER TRADITIONS-MOBILISTEN zur Regimentsweihnachtsfeier zu kommen. Im September wurde kurzerhand aus der Weihnachtsfeier ein Hofball, und aus der nachmittäglichen Kutschenfahrt ein 3 Tages Programm und eine Einladung für meinen gesamten Hofstaat.

  • Laxenburg
  • Mayerling
  • Heiligenkreuz
  • der Husarentempel

Wer mich kennt, kennt auch meine Vorliebe für oftmaligen Kleiderwechsel und somit stand ich vor der Herausforderung eine gesamte Winterkollektion in 2 Monaten zu 16195555_1275893612470934_184215218456329533_nentwerfen und zu nähen. Eigentlich bin ich es gewohnt mich mit Hitze, oder Regen herum zu schlagen, denn die meisten Veranstaltungen an denen ich teilnehme sind im Sommer, mit Minus Temperaturen, Eis und Schneegestöber hatte ich noch keinerlei Erfahrung.

Nun aber brauchte ich Kleider für 3 Tage, die Winterfest waren. Und wie auch heute, hatte man natürlich auch damals nicht nur ein Kleid an.

Es fehlte also hinten und vorne. Angefangen von warmer historischer Unterwäsche, Schnürschuhen mit Wollfutter, Handschuhen, Muffs, Cape`s, passenden Hüte war mehr oder weniger nichts da, dass ich hätte im Winter tragen können.

Wie viel Arbeit es war, diese Ausstattung in knappen 2 Monaten zu fertigen, könnt ihr Euch selber vorstellen. Meine Kleider sind, wir ihr wisst, selbst genäht und meist findet man nur „hin und wieder“ eine Vorlage dazu. Ich nähe grundsätzlich aber immer nur die Kleider der Kaiserin oder von Romy Schneider aus den Sissi-Filmen.


 

Wir reisten am 8. Dezember aus allen Himmelsrichtungen an. Der erste Tag begann, dass wir erstmals damit beschäftigt waren die Autos zu entladen. Nachdem wir alles so gut es ging verstaut hatten, und wer schon einmal 9 historische Kleider samt Zubehör in einem Hotelzimmer hatte, weiß wovon ich rede, machten wir uns fertig für unseren ersten Ausflug.

Donnerstag

Schloss Laxenburg

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Es wurde uns von der Stadt Laxenburg gestattet Fotoaufnahmen im alten Schloss zu machen, wir gingen in die Kaiserloge des ehemaligen Theaters, und spazierten durch den Park.

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Der Besuch in der Kaiserloge kam so unerwartet, dass wir natürlich keine Abendkleidung dabei hatten. Den Ausblick von dort oben, haben wir dennoch genossen. Und wer ganz still war, konnte vielleicht sogar ein paar leise Geigenklänge aus längst vergangenen Zeiten hören…

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Das Schloss selbst ist völlig leer, man kann allerdings immer noch die wunderschönen Parkettböden, die Stuckdecken und die alten Öfen bewundern.

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Das Wetter war anfangs besser als erwartet, und so beschloss ich kurzerhand durch den Schlosspark zu laufen. Wie üblich, keuchte der Hofstaat hinterher.

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Ihr könnt Euch denken, dass man dafür warm angezogen sein muss. So  trug ich ein Kleid aus schwerem grünen Samt, dazu ein Fuchspelzcape samt passenden Muff mit einem Gesamtgewicht von ca 15 kg!

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Na, erkennt Ihr dieses Kleid?

Romy Schneider trug es, als sie Graf Andrássy empfing.

 

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Der Kaiser kam uns auf halben Weg, im Park mit seinem Gefolge entgegen, und so setzten wir das letzte Stück gemeinsam fort.

16195666_1275893899137572_935301695687491031_nAm frühen Abend besuchten wir den Adventmarkt am Schlosshof und wurden von der Bevölkerung freudig begrüßt. Der Bürgermeister der Stadt lud uns zum gemeinsamen Abendessen ein und wir verbrachten einen lustigen ersten Abend im Laxenburgerhof.


Freitag

Husarentempel

Am Freitag bekamen wir durch Genehmigung der Stadt Mödling, die Möglichkeit zum Husarentempel zu fahren.

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Wer es vielleicht nicht weiß, Kronprinz Rudolf hielt sich dort häufig auf und versuchte ein Jahr zuvor dort einen Selbstmordversuch mit Mizzi Kasper, der zum Glück scheiterte. Mizzi wohnte zu dieser Zeit in Mödling.

Von der kleinen Anhöhe aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt.

Das Programm für diesen Tag war eine Kranzniederlegung an der Krypta.16142362_1275894879137474_5006810581010441498_n

16142880_1275894689137493_5877600126444224590_nSomit war klar, ein dunkles Kleid zu wählen. Ein dunkelgraues Kleid mit einfacher Schleppe, ein silbernes Pelzcape und der Mode entsprechend passendem Muff. Ein Kleid das aus der Zeit nach Rudolfs Tod stammte, denn für mich wird dieser Ort, den die Kaiserin nach dem Tod ihres Sohnes häufig aufsuchte, für immer mit ihm verbunden bleiben.

Nun möchte ich folgendes dazu sagen, auch wenn ich privat niemals echten Pelz tragen würde, so wäre es einfach historisch unpassend Kunstpelz zu verwenden. Auf Grund dessen fragte ich die liebe Verwandtschaft, stöberte auf Flohmärkten und fand dann wirklich 3 uralte Pelzmäntel.

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Als erstes einmal fragte ich mich, kann man sowas waschen? Nicht wirklich, also hing das ganze Zeug erstmals tagelang ihm Freien um den Duft der Mottenkugeln loszuwerden. Nebelige Herbsttage eignen sich übrigens hervorragend dafür. Danach zerlegte ich die guten Stücke mit Schere und Skalpell um daraus die passenden Schnittteile zu bekommen. Soweit so gut, aber wie näht man so etwas? Das werde ich Euch einmal extra erklären, da gibts ein paar gute Tricks, und schon wurde aus 50 Jahre alten Jacken, die sonst irgendwann im Müll gelandet wären, wärmende Kleidung der Kaiserin.

 


 

Am Abend erwartete uns der Bürgermeister von Mödling, Hans Hinter mit seiner reizenden Karin zum Abendessen.

Was trug man nun am Abend? Dem Anlass entsprechend natürlich kein Ballkleid, und doch wäre ein gewöhnliches Tageskleid zu schlicht gewesen. Und schon sind wir beim nächsten Kleid:

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Ein Dinnerkleid aus blaugrauer Seide mit Samt und Spitze besetzt, ein passendes Jäckchen und da ich nun wieder in die Zeit der Krinolinen wechselte, die ja meine persönliche Lieblingsmode ist, brauchte ich dazu ein langes Samtcape.

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Wie immer wenn die bayrische Verwandtschaft versammelt ist, wurde auch daraus ein lustiger Abend mit Mamili und meiner Néné, die extra aus München samt meinem Lieblingsschwager anreiste, um für den großen Ball am Samstag an meiner Seite zu sein.

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Nach einem langen und doch recht kalten Tag, fielen wir alle halbtot in die Betten.


SAMSTAG

Mayerling, Heiligenkreuz, Dragonerritt & Hofball

Der Samstag begann früh, Haare flechten, Schminken und anziehen, all das dauert meist so an die 2 1/2 Stunden. Von drei Kutschen abgeholt, starteten wir eine Fahrt durch die Altstadt, und nahmen an einer weiteren Messe in der Stadtpfarrkirche teil.

Da ich davon ausging, dass es in der offenen Kutsche noch kälter sein würde, entschied ich mich für einen schwarzen, pelzbesetzten Samtmantel und darunter ein Kleid aus schwarzem Samt. Das Gewicht davon überlasse ich Eurer Fantasie.

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Bis wir wieder zurück im Zimmer waren, war die Zeit so knapp, dass ich ohne die Hilfe meiner beiden guten Seelen Tami und Angela niemals rechtzeitig ins Trauerkleid gekommen wäre.


 

Kaum umgezogen saßen wir auch schon in den Bussen, die uns zum Friedhof von Heiligenkreuz brachten. Mit Erlaubnis des Stifts Heiligenkreuz machten wir auch am Grab von Mary Vetsera ein paar Bilder.

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Wir hielten eine kurze Andacht und zündeten eine Kerze an, so wie es Kaiserin Elisabeth nach dem Vorfall in Mayerling tat.


 

Im Leben der Kaiserin gab es viele Schicksalsschläge, einer davon, von dem sie sich wohl nie wieder erholte, war der Tod ihres Sohnes, deswegen entschied ich mich, nach Absprache mit meinem Hofstaat, dass wir alle in Hoftrauer in Mayerling erscheinen sollten.

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Das bedeutet, dass die gesamte Kleidung bis hin zum Schmuck tiefschwarz zu sein hat.

Ein Tournürenkleid mit langer, schwarzer Schleppe aus Duiponseide und Samt. Dazu passend ein Samtcape mit einem originalem Hut von 1890, einem ebenso alten Trauerschleier und einem schwarzen Pelzmuff aus demselben Jahr.

Da die Nonnen des heutigen Kloster ein Schweigegelübde abgelegt haben, wurden wir von einer älteren Dame empfangen und bekamen die Erlaubnis den ehemaligen Teepavillion des Kronprinzen zu besuchen. Wir gingen  über einen kleinen Weg aufwärts zur jetzigen Kapelle.

Die Schwestern die uns anlässlich meines Besuches zu einer Andacht einluden, erschienen hinter dem Gitter und ein Priester des Stift Heiligenkreuz zelebrierte die wohl einzigartigste Messe meines Lebens.

An der Seite des Kaisers kniete ich direkt vor dem Altar und lauschte Gedankenversunken der Andacht.

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Es folgte eine Besichtigung der jetzigen Ausstellung im Karmel Mayerling, die Ehrwürdige Mutter Priorin Regina verabschiedete uns persönlich und schon hieß es schnell, schnell wieder zurück, denn der nächste Programmpunkt stand bereits an.


 

Zurück im Zimmer hieß es raus aus dem Trauerkleid und rein in eines das wieder kutschentauglich war, obwohl die Stimmung ein wenig befangen war, auf Grund der Eindrücke, waren wir in absoluter Rekordzeit umgezogen, um wieder in die Kutsche zu steigen und am Adventritt der Dragoner teilzunehmen.

An diesem Kleid ist das besondere die typische Verziehrung der Ärmel, sowie die Posamentrie der Verschnürung, als Zeichen der Verbundenheit der Kaiserin zu ihren Ungarn! Denn wie schon am Vormittag wurden die Kutschen wieder von Husaren eskortiert.

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Und dann war es weit, zurück ins Zimmer, raus aus dem Winterkleid und fertig machen für den Ball.

Habt ihr je ein Korsett getragen? Dann könnt ihr (nicht) erahnen, wie es ist, es solches ohne Unterbrechung von morgens bis nach Mitternacht zu tragen.

Eines der vielen Dinge, die mich mit der Kaiserin verbinden, ist der Anspruch auf Perfektion, so kam meine liebe Ida wieder einmal zum Einsatz um nachzuschnüren und die gewünschte Taille zu erreichen.

Die Haare mussten von einer Frisur die unter einen Hut passte, neu geflochten und zur Ballfrisur gesteckt werden.

Ich stand mitten im Raum um geschnürt, geschminkt und frisiert zu werden, um dann zum Höhepunkt der letzten Tage zu kommen.

 

DEM BALLKLEID

 

Ein vielleicht für Euch unbekanntes Kleid, doch für mich war es eine Hommage an die Ungarn.

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Dieses Kleid war im Original ein Geschenk von Erzherzogin Sophie, angelehnt an die ungarische Volkstracht, erschien Kaiserin Elisabeth damit beim ersten Empfang der ungarischen Delegation.

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In einem Kleid aus dunkelblauem Samt und altrosa Seide, Tüllspitze, Perlen und der für Ungarn typisch bestickten Schürze erschien ich am Ball.

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Die anwesenden Husaren, die eigens aus Sopron angereist waren huldigten ihrer Königin, und der Herr Schwager unterhielt die anwesenden Damen.

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Nach einer durchtanzten Nacht und fast 20 Stunden „im Geschirr“ wie Elisabeth es nannte, war ich wahrlich am Ende.

 

Abschließend bleibt nur noch eines, wie mein „Gemahl“ sagen würde:

„Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut“

 

*Sisi*


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: Sisi, Christine Kupec
Textrechte: Sisi
Fotos mit ausdrücklicher Genehmigung und großem Dank an Stift Heiligenkreuz und Karmel Mayerling.