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Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Herzogin Sophie von Hohenberg

Ein kleines persönliches Vorwort:

Bevor wir uns Franz Ferdinand und seiner Sophie widmen, möchte ich ein persönliches Wort an Sie richten: Schloss Artstetten begleitet mich schon mein halbes Leben. 1983 wurde es als Museum eröffnet und ich glaube, seit dieser Zeit kenne ich es. Ich habe mich nie viel um Franz Ferdinands Geschichte gekümmert. Mir ging es immer um das Gebäude und die schöne Umgebung. Gerade Maria Taferl ist mir im Laufe meiner Kindheit sehr ans Herz gewachsen. Kürzlich durfte ich dort den wunderschönen Vespermantel – ein Teil von Sisis Hochzeitskleid – besichtigen. Unseren Beitrag finden Sie hier.

Meine Recherchen über Kaiserin Elisabeth, ihr Leben, ihre Begleiter, ihre Familie sind sehr umfangreich und da ich keine Historikerin bin, sind meine Mittel auch begrenzt. Vor allem die korrekten Daten verlangen mir oft alles ab. Trotzdem versuche ich den Personen rund um, und auch Kaiserin Elisabeth selbst, ein Leben einzuhauchen. Als mich meine Recherchen wieder ins Schloss Artstetten führten, lernte ich einen Franz Ferdinand kennen, der mir bislang fremd geblieben ist. Zum ersten Mal, nahm ich die Person, den Menschen, den Vater wahr. Ja, mir wurde sogar bewusst, dass nicht nur Franz Ferdinand sein Leben verlor, sondern auch seine Frau, und 3 Kinder zu Vollwaisen wurden. Dieses Bewusstsein wurde noch verstärkt durch das Buch seiner Urenkelin Fürstin Anita von Hohenberg.

In diesem Sinne habe ich mir diesen Beitrag nicht leicht gemacht und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Menschen hinter dieser Tragödie zu zeigen. Franz Ferdinand und Sophie sind mir ans Herz gewachsen.

Eure Marie

 


Foto: @zeno.org

Wir gedenken heute der Tragödie vom 28.6.1914. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Fürstin Sophie von Hohenberg wurden in Sarajevo erschossen. Dieses Attentat löste den 1. Weltkrieg aus, der genau einen Monat (28.7.1914) später durch die Kriegserklärung Österreichs-Ungarn an Serbien beginnen sollte.

Wir werden nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.  Danke!

Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este wurde am 18.12.1863 in Graz geboren. Er war der erste Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (*30.7.1833, †19.5.1896) und seiner 2. Ehefrau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (*24.3.1843, †4.5.1871). Erzherzog Karl Ludwig war der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Er war somit der Neffe von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.

 

Stammbaum Erzherzog Karl Ludwig, dessen Frauen und Kinder, Fotos: @Wikimedia/Commons 

Maria Annunziata Isabella Filomena Sabasia von Neapel-Sizilien Foto: @Wikimedia/Commons

Seine Mutter ließ ihre Kinder nicht an sich heran, da sie an Lungentuberkulose erkrankt war und glaubte, dass sie ihre Kinder anstecken würde, wenn sie diese berühren würde. In seinen ersten Lebensjahren erfuhren weder Franz (er wurde erst zu „Franz Ferdinand“ als er Thronfolger wurde), noch seine Geschwister Liebkosungen seitens der Mutter.

Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich, Lithographie Josef Kriehuber 1862, Foto: @habsburg.net

Als Karl Ludwig am 4.5.1871 erneut Witwer wurde, war er 39 Jahre alt und stand mit 4 kleinen Kindern alleine da. Franz war 8 Jahre alt, Otto 6, Ferdinand 3 und die kleine Margarethe erst 1 Jahr alt, als sie zu Halbwaisen wurden.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Karl Ludwigs Aufgabe war es nun, eine geeignete Frau an seiner Seite zu finden, die ihm helfen konnte, die Kinderschar aufzuziehen.

In Infantin Maria Theresa von Braganza (*24.8.1855, †12.4.1944) wurde sie gefunden. Maria war erst 17 Jahre alt, als sie mit dem 39jährigen Witwer Karl Ludwig verheiratet wurde. Diese Ehe sollte sich aber für alle als Glücksfall herausstellen.

Marie Therese mit ihren zwei Stiefkindern Ferdinand Karl und Margarete Sophie, Foto: @Wikimedia/Commons

Maria wurde den Kleinen nicht nur eine gute und liebevolle Mutter, sondern sie schenkte 2 weiteren Mädchen (Maria Annunziata *13.7.1876, †8.4.1961 und Elisabeth Amalie Eugenia *7.7.1878, †13.3.1960) ihr Leben und bevorzugte keines der Kinder. Sie behandelte alle gleich und wurde eine Ehefrau, wie es sich so mancher Habsburger wahrscheinlich gewünscht hätte.

EH Maria Annunziata, Stiefschwester Foto: @Wikimedia/Commons

Karl Ludwig war dankbar und ein liebevoller und aufopfernder Ehemann, der trotz allem seine Pflichten als Erzherzog des Hauses Habsburg nicht versäumte. Er war Statthalter von Tirol, Lemberg und Gallizien. Er förderte das Gewerbe und Wissenschaft, sowie die Kunst. In dieser Funktion war er häufig unterwegs und vertrat seinen Bruder bei Ausstellungseröffnungen und öffentliche Auftritte. Trotzdem nahm er sich immer wieder Zeit für die Kinder, nahm am Unterricht teil oder war einfach für seine Kinder da.

Schloss Artstetten Foto: @Privat

Franz und seine Geschwister wuchsen sehr liebevoll, aber streng auf. Der Tagesplan war straff. Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Zeichnen, Musik, Turnen, Englisch, Latein, Französisch, Tschechisch, Ungarisch und „Terrain-Aufnahme“ (eine Art von Geometer Unterricht) musste er und Otto über sich ergehen lassen. Das zerrte an den Nerven, denn der Tagesplan begann um 7.00 Uhr (manchmal 7.30 Uhr) und endete um 20.00 Uhr. Kurze Essenspausen inbegriffen. Dieser Unterricht wurde von Montag bis Samstag angeordnet.

Badezimmer im Schloss Arstetten Foto: @Privat

Franz mochte die Lernerei überhaupt nicht. Er war ein eher verschlossenes, zurückhaltendes Kind, während sein Bruder Otto damals schon der Rabauke war, der oft Streiche spielte und einfach sein Leben als Kind in vollen Zügen genoss. Durch diese Streiche, war er aber leider auch etwas beliebter als Franz(i), der einfach zu ernst für sein Alter war.

Franz, Otto, Ferdinand (v.l.n.r.) Foto: @Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten

Die Kinder wuchsen in den Sommermonaten auf Schloss Artstetten auf, das Vater Karl Ludwig großzügig umbauen ließ. So wurde ein Schwimmteich – Swimmingpool – gebaut (der gleichzeitig als Löschteich diente), der Garten wurde vergrößert und angelegt und ein Badezimmer wurde eingebaut. Eine kleine Sensation für die damalige Zeit. Auch in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax wurden die Sommer verbracht.

Gedenktafel, Enns Foto: @denkmalprojekt.org

Dort lernte Franzi auch das Jagen, was zu einer lebenslangen Passion wurde. Bereits mit 9 Jahren konnte er erste Jagderfolge verbuchen, wozu ihm sein Cousin Kronprinz Rudolf auch gratulierte: „Dein lieber Brief freute mich sehr, und Papa hat mich beauftragt, Dir vielmals für deine guten Wünsche zum Namenstage zu danken. Ich gratuliere Dir vielmals zu Deinem ersten Wild, ich kann mir denken, wie es dich gefreut hat. … Ich bleibe Dein Dich liebender Rudolf.“ (1)

Kronprinz Rudolf als Jugendlicher Foto: @oesta.gv.at

Rudolf war für Franz wie ein großer Bruder. Die Beziehung von den beiden kann als äußerst innig betrachtet werden. Franz traf es hart, als sich sein Cousin in Mayerling das Leben nahm und sich dadurch auch sein ruhiges Leben schlagartig ändern sollte. Auch zu seiner Tante Sisi, Kaiserin Elisabeth war das Verhältnis äußerst entspannt und liebevoll. Sisi intervenierte später öfter bei Kaiser Franz Joseph, als sich Franz Ferdinand unstandesgemäß verliebte. Aber ich greife vor.

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este, Portrait von Luigi Manzani zw. 1845-1850, Foto: @comune.modena.it

Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich-Este (*1.6.1819 Modena, †20.11.1875 Wien) starb am 20.11.1875 in Wien und vererbte Franz Ferdinand unter der Bedingung seinen Namen „Este“ weiterzuführen, sein gesamtes Vermögen. Franz Ferdinand nannte sich ab sofort Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Ab April 1878 begann für Franz der Ernst des Lebens, denn er trat in den Militärdienst ein. Bereits mit 15 Jahren wurde ihm von Onkel Franz Joseph der Orden des „Goldenen Vlies“ verliehen, den er mit Stolz trug.

Das Goldene Vlies, Foto: @habsburger.net

Seine Militärische Ausbildung brachte den mittlerweile 20jährigen Franz nach Enns. Damals und heute eine Kleinstadt, jedoch insofern bedeutend, da sie die erste Stadt Österreichs war. Mit Enns wurde Österreich also begründet und damals wie heute, ist hier die Offiziersausbildung des Landes untergebraucht. Franz gefiel der ruhige Ort gar nicht und er fand immer wieder Ausreden um nach Wien fahren zu können. Er liebte Hofbälle und ging gerne ins Theater.

 

Kaiser Franz Joseph kamen natürlich die Verfehlungen seines Neffen zu Ohren. Dafür sorgte schon Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf von Österreich-Teschen (*3.8.1917, †18.2.1895), der für die Ausbildung des Neffen zuständig war. Onkel Albrecht war ein äußerst strenger Mann, der nur für das Militär bestimmt war. Mit ihm hatte Franz, der nichts anderes wollte als ein bisschen „Freiheit“, seine liebe Not.

Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen „die graue Eminenz“ genannt; ca. 1880 Foto: @Wikimedia/Commons

Als Franz auch noch um längeren Urlaub bat, weil er eine Weltreise plante, wurde er von Kronprinz Rudolf gewarnt: „Lieber Franzi! Ich halte es für meine Pflicht, Dich als Freund aufmerksam zu machen, dass sich hier eine Agitation in hohen militärischen Kreisen leider der von Allerhöchsten, geltend macht, sich gegen deine zu vielen Urlaube und Dein zu häufiges nach Wien kommen, richten.  … ich kann Dir nur raten, vorsichtig zu sein. Der Kaiser ist ziemlich ungehalten.“ (2) Franz fügte sich und nahm seine Pflichten wieder auf. Er wurde Rittmeister, Major, Oberstleutnant, Oberst und am 28.10.1892 schließlich Generalmajor. Er war 29 Jahre alt und seit 3 Jahren der Thronfolger von Österreich-Ungarn.

SMS „Kaiserin Elisabeth“ Foto: @Wikimedia/Commons

Am 15.12.1892 ging der Wunsch einer Weltreise dann doch noch in Erfüllung. Mit dem Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ fuhr Franz Ferdinand mit einer ordentlichen Besatzung von Triest, über den Suezkanal nach Ceylon und Bombay, danach zu Fuß bis zum Himalaya, weiter nach Kalkutta, Singapur, Sunda-Inseln, Java, Australien, Neukaledonien, Solomon-Inseln, Borneo, zurück nach Singapur, Hongkong weiter nach Japan. In Yokohama wechselte er von der „Kaiserin Elisabeth“ auf den Dampfer „Empress of China“, um Kanada, Nordamerika und schließlich die Vereinigten Staaten (Chicago, New York) zu erreichen. Von dort ging es zurück nach Le Havre, Paris, Stuttgart und schließlich nach Wien. Er war insgesamt 10 Monate unterwegs. Franz Ferdinand entwickelte eine Leidenschaft für Sammeln verschiedener Gegenstände und brachte allerlei Urlaubssouvenirs von seiner Reise mit. Ein Teil ist im Schloss Arstetten ausgestellt, ein Teil im Schloss Konopischt in Tschechien und der Großteil im Naturhistorischesmuseum in Wien.

MS Empress auf China Foto: @Wikimedia/Commons

Kurz nach der Reise ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er wurde schwer krank. Seine Mutter hatte ihm die Lungentuberkulose vererbt, die ihn mit voller Wucht treffen sollte. 1893 und 1894 nahm die Krankheit sein Leben noch nicht voll in Besitz, allerdings schränkte sie ihn gehörig ein.

Sophie, Gräfin von Chotek Foto: @Wikimedia/Commons

Vermutlich war es 1894 auf einer Soiree in Prag, die sein weiteres Leben bestimmen sollte. Er lernte Hofdame Sophie, Gräfin von Chotek kennen.

Ab 1895 schien die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine Heilung aussichtslos schien. Endlich informierte man auch Kaiser Franz Joseph vom schlechten Zustand seines Neffen. Er schrieb ihm einen rührenden Brief: „Lieber Franz! Dein Brief vom 30. Juli, für welchen ich innigst danke, hat mich recht schmerzlich berührt. Ich wusste gar nicht, dass Du schon längere Zeit erkrankt seiest und erst durch Franz, der dich auf der Eisenbahn begegnet hatte, erfuhr ich Deinen leidenden Zustand. Ich muss Dich dringend aufmerksam machen, dass es Deine heiligste Pflicht ist, jetzt nur für Deine Gesundheit zu leben. … Du musst baldmöglichst an einen stillen Gebirgsort ziehen, dort ganz ruhig bleiben. … Ich hoffe, dass Du auch ein wenig mir zulieb geduldig und ausdauernd sein wirst, wenn es auch recht langweilig sein wird. In treuer Freundschaft Dein Dich innigst liebender Onkel Franz Joseph.“ (3)

Dr. Viktor Eisenmenger Foto: @Wikimedia/Commons

Seinen gesamten Krankheitsverlauf hier zu beschreiben, würde unsere Möglichkeit sprengen, jedoch musste er monatelang auf vieles Verzichten und wurde von Ort zu Ort geschickt, um ihm Ruhe zu vergönnen. Franz Ferdinand war aber so gar nicht der Geist fürs Bett liegen und Ruhe geben. Er war stets unruhig und dachte, das Leben würde an ihm vorüberziehen. 1895 wurde ihm der Arzt Dr. Viktor Eisenmenger (*29.1.1864, †11.12.1932) an die Seite gestellt, der seinen Patienten mit großer Besorgnis bewachte.

Graf Leo von Wurmbrand, Foto: @JosefNovak33

Sein einziger Trost waren die Briefe die ihm sein treuer Diener Janaczek immer wieder brachte. Sein bester Freund und Wegbegleiter Kammerherr Leo Graf von Wurmbrand (*12.9.1840, † unbekannt) verscherzte es sich mit Franz Ferdinand, in dem er dem „Frauenzimmer“ „das Handwerk legen wollte“ (4). Sophie von Chotek schrieb dem Thronfolger so rührende Briefe, dass er sich endlich seinem Arzt beugte und gesund werden wollte. Auch seine innig geliebte Mutter heiterte ihn immer wieder mit Briefen auf.

Erzherzog Otto „der Schöne“ Foto: @Antiquariat Futter

Während seiner Abwesenheit in der Thronfolge, musste sein Bruder Otto die Repräsentationspflichten erfüllen. Otto, dem dies zutiefst zuwider war, hoffte auf baldige Rückkehr seines Bruders. Franz Ferdinand hingegen fühlte sich zurückgesetzt und glaubte, dass Otto ihn verdrängen wollte.

1896 ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag. Von Krankheit gezeichnet, wurde der Aufenthaltsort für Franz Ferdinand nach Ägypten bestimmt. Seine Eltern und seine Stiefschwestern fuhren deshalb nach Kairo, um den Kranken endlich zu besuchen. Diese Abwechslung tat dem – auch mittlerweile psychisch – angeschlagenen Erzherzog gut. Sein Vater Karl Ludwig, ein zutiefst religiöser Mann, trank aus religiöser Überzeugung aus dem Jordan und zog sich dabei allerhand Vergiftungen zu. Schwer erkrankt starb er schließlich am 19.5.1896 in Wien. Die Begräbnisfeierlichkeiten des Bruders von Kaiser Franz Joseph waren für den schwer erkrankten Thronfolger eine Strapaze, allerdings liest man einen Namen in der Liste der Trauergäste: Sophie von Chotek

Kronprinzessin Stephanie Foto: @Wikimedia/Commons

EH Elisabeth Amalie Eugenia, Stiefschwester Foto: @Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand erbte nicht nur ein Vermögen, auch war jetzt die offizielle Thronfolge nicht mehr abzuweisen. Ab Juni 1896 ging es Franz Ferdinand besser, allerdings dauerte es noch bis ins Jahr 1897 bis zur vollständigen Genesung. Um diese zu erlangen, führte sein Weg auch nach Cap Martin, wo sich gerade seine Tante Sisi aufhielt und auch Kaiser Franz Joseph vor Ort war. Im Mai 1897 galt Franz Ferdinand als geheilt. Nun hieß es, seiner Stellung gerecht zu werden.

Er war mittlerweile 33,5 Jahre alt, unverheiratet und hat noch immer nicht für Stammhalter gesorgt. Die einzige Frau die Franz Ferdinand liebte, war Hofdame bei Erzherzogin Isabella Hedwig Franziska Natalia Prinzessin von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931). Wenn es nach Kaiser Franz Joseph gegangen wäre, hätte Franz Ferdinand Kronprinzessin Stephanie geheiratet, Witwe von Kronprinz Rudolf. Da die beiden in aller Freundschaft verbunden waren, war eine Hochzeit für beide definitiv keine Option. Zudem hielt Franz Ferdinand an Sophie fest.

Graf Boguslaw von Chotek Foto: Wikimedia/Commons

Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin wurde am 1.3.1868 in Stuttgart geboren. Ihr Vater war Boguslaw Graf Chotek von Chotkow (*4.7.1829, †11.10.1896), ihre Mutter war Wilhelmine Gräfin Kinsky zu Wichinitz und Tettau (*19.7.1838, †5.3.1886).

Sie war das 5. Kind von insgesamt 8 Geschwistern.

– Wolfgang Maria Karl Wilhelm Boguslaw Josef (*15.8.1860 Berlin, †10.12.1926 Linz)
– Zdenka Marie (*10.12.1861 Berlin, †15.3.1946 Salzburg)
– Maria Pia (*11.7.1863 Berlin, †21.6.1935 Jilové)
– Karolina Olga Alzbita (*19.11.1865 Berlin, †29.11.1919 Perglas)
– Sophie Maria Josephine Albina (*1.3.1868 Stuttgart, †28.6.1914 Sarajevo)
– Oktavia Maria Josefina Karolina (*5.5.1873 Brüssel, †13.6.1946 Bad Waldsee)
– Maria Antonia (*12.5.1874 Kostelec,†13.6.1930 Hohenthurm)
– Marie Henriette (*9.7.1880 Kostelec, †19.3.1964 Gutenberg a.d. Raabklamm)

Erzherzogin Isabella Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie stammte aus einem alten böhmischen Uradel, hochangesehen am Wiener Hof, doch leider verarmt. Um die Kinder deren Mutter früh verstarb, durchzubringen, wurde an einigem gespart, jedoch nicht an der Ausbildung. Da dem Graf Chotek hauptsächlich nur Mädchen geboren wurden, mussten früh Beschäftigungen für die Mädchen gefunden werden. Ehefrau, Hofdame oder Nonne waren die „Berufe“ die Mädchen aus gutem Hause annehmen konnten. Sophie wurde an den Hof der als sehr schwierig bekannten Erzherzogin Isabella, die mit Erzherzog Friedrich verheiratet war, empfohlen.

Erzherzog Friedrich Foto: @Wikimedia/Commons

Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war gerngesehener Gast im Hause von Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich (*4.6.1856, †30.12.1936). Erzherzogin Isabella glaubte deshalb lange, dass die häufigen Besuche mit ihrer Tochter Erzherzogin Maria Christina Isabelle Natalie (*17.11.1879, †6.8.1962) zusammenhingen. Maria Christina war damals 16 Jahre alt. Erzherzog Franz Ferdinand immerhin 34 Jahre alt. In Wirklichkeit war es Sophie, die den Erzherzog ständig bewog die Familie zu besuchen. Die Schmach bei Isabella war überaus groß, als der wahre Grund herauskam. Die Legende besagt, dass es eine vergessene Taschenuhr (beim Tennisspiel liegen gelassen) des Erzherzog war, die die Liebe verriet. Das Bildnis im Inneren zeigte Sophie von Chotek. Der Skandal war perfekt.

Erzherzogin Maria Christina Foto: @Wikimedia/Common

Isabella war außer sich. Zumal sie gehofft hatte, dass Verehrer Herr Rosenberg aus Prag für Sophie eine gute Partie werden könnte. Isabella entließ Sophie sofort und fuhr nach Wien um Kaiser Franz Joseph von der unstandesgemäßen Liebschaft zu berichten. Der Zorn muss auf beiden Seiten groß gewesen sein.

Erzherzogin Isabella mit Hofdame Sophie Gräfin Chotek, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum Foto: @Privat

Aber anstatt seinem geprüften Neffen die Ehe zu ermöglichen und endlich Thronfolger fürs Land zu bekommen, warf Kaiser Franz Joseph weitere Steine in den Weg der zwei Liebenden. Er zwang Franz Ferdinand um ein Jahr Bedenkzeit, in dem sich der Thronfolger fragen sollte, ob es wirklich notwendig sei, eine verarmte Gräfin zu ehelichen. In der Zwischenzeit wurden ihm alle möglichen heiratswilligen und standesgemäße Damen vorgestellt. Franz Ferdinand blieb eisern.

In der Zwischenzeit intervenierten Kaiserin Elisabeth, Diener und jetziger Kammerdiener Franz Janaczek und seine geliebte Mutter Maria Theresa für Franz Ferdinand. Ohne ans Ziel zu kommen. Kaiser Franz Joseph blieb stur.

Godfried Marschall, Weihbischof Foto: @Wikimedia/Commons

Sophie hingegen ging es in dem Jahr nicht sehr gut. Da man wusste, dass sie religiös war, wurde ihr Dr. Godfried Marschall auf den Hals gehetzt. Der fragwürdige Pfarrer, der hochtrabende Karrierepläne für sich in Anspruch stellte und vom Fürsterzbischof träumte, drohte Sophie so massiv, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah und ins Kloster ging.

Franz Ferdinand erfuhr durch Zufall von dieser Peinlichkeit und schäumte bei einer Privataudienz vor dem Kaiser Franz Joseph: „Meine Braut hat die Zeit der Buße – so muss ich die Monate nennen – in einem Kloster verbracht und jetzt habe ich sie erlöst. Sie gehört wieder der Welt an und sie wird zu mir gehören… Wie hat man uns gequält! Wie hat man meine Braut gefoltert! Zu ihrer Frömmigkeit nahmen Sie die letzte Zuflucht. Bei ihrem Glauben und ihrer Christlichen Demut packten Sie die Sache an. Und es wäre beinahe geglückt, schon hatte ich die Absage in Händen, den mit Tränen geschriebenen Verzicht auf mich. Da fuhr ich wie ein Donnerwetter drein und befreit sei aus der Atmosphäre, in der sie lebte … Denn das war wider die Abrede gehandelt. Ich sollte mich ein Jahr prüfen, ob ich nicht etwa aus Leidenschaft etwas unternehmen wolle, was ich zeitlebens bereut hätte. Ich prüfte mich. Aber man hat sie zum Abfall von mir verleiten wollen, hat ihr Herz bedrängt und ihr Gewissen. Das war wider die Abrede!“ (5)

Wer jetzt glaubt, dass dies den Kaiser milde gestimmt hätte, irrt. Im Grunde vermag man diese Sturheit gar nicht verstehen. Denn wenn man es ganz genau betrachten möchte, hat auch Kaiser Franz Joseph „unstandesgemäß“ geheiratet. Prinzessin Ludovika von Bayern, war die Schwester von Erzherzogin Sophie. Ludovika wurde aber mit dem wenig standesgemäßen Herzog Max in Bayern verheiratet, einem dem Landadel angehörigen Herzog. Der Unterschied zwischen „in“ und „von“ wurde hier aufgearbeitet. Sisi wäre niemals die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph geworden, wären nicht Ludovika und Sophie Schwestern gewesen.

Doch Franz Ferdinand wäre nicht Franz Ferdinand, wenn er nicht noch den letzten Ausweg gegangen wäre. Und das war die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Sophie musste auf Titel und Ehre verzichten, die Kinder würden niemals als Thronfolger anerkannt werden und mussten den Nachnamen ihrer Mutter annehmen. Franz Ferdinand unterzeichnete den Renuntiationsakt am 28.6.1900 in der Hofburg. Es vermag Schicksal gewesen sein, denn dieses Datum, exakt 14 Jahre später, sollte ihrer beider Tod besiegeln. Aber ich greife vor.

Hochzeitsfoto Sophie und Franz Ferdinand, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Hochzeit Sophie und Franz Ferdinand Foto: @Wikimedia/Commons

Am 1.7.1900 fand in der Schlosskapelle in Reichstadt (damals Böhmen, heute Tschechien) die Hochzeit im engsten Familienkreis statt.

Kaiser Franz Joseph warf dem Brautpaar auch jetzt noch einen Stein zwischen die Beine, als er die strikte Parole ausrief, der Hochzeit tunlichst fern zu bleiben. Dem Affront kam ein kleiner Zufall zu Hilfe. Fürstin Josephine von Hohenzollern (*21.10.1813, †19.6.1900) war verstorben. 4 (!)  Tage später wurde eine 12tägige Hoftrauer angeordnet. So hatte der Wiener Hof die Ausrede nicht teilnehmen „zu dürfen“. Maria Theresa, Witwe von Erzherzog Karl Ludwig und seine Stiefschwestern hielten sich jedoch nicht an dieses Verbot. Von Sophies Seite waren ihre Geschwister mit Ehepartnern anwesend.

Ring von Gräfin Sophie, Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Was folgte war die glücklichste Hochzeit die jemals ein Habsburger begangen hat. Zumindest ein Telegramm traf ein, in dem der Kaiser Sophie von Chotek in den erblichen Fürstenstand mit dem Namen „Hohenberg“ erhob. Somit wurde aus Sophie, Gräfin von Chotek, Sophie Fürstin von Hohenberg.

Ihr Tod wurde als Ausrede für die Hoftrauer genommen. Josephine von Hohenzollern Foto: @Wikimedia/Commons

Die Ehe danach war von Glück geprägt. Sophie war Franz Ferdinand eine gleichwertige Partnerin, die ihm nicht nur 4 Kinder gebar, sondern ihn auch in all seinem Tun befürwortete.

 

Stammbaum Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

Schloss Konopischt Foto: viator.com.de

Schloss Belvedere Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

In der Zwischenzeit richtete sich Franz Ferdinand auf Schloss Konopischt und im Schloss Belvedere häuslich ein. Schloss Belvedere sollte sein Wohnsitz werden und von dort aus wollte er die Regierungsgeschäfte übernehmen. Sohn Max wurde den beiden sogar auf Schloss Belvedere geboren. Er ist der Einzige der dort je das Licht der Welt erblickte.

Erzherzog Franz Ferdinand, Fürstin Sophie von Hohenberg, Tochter Sophie, Ernst (sitzend) und Max Foto ca. 1908 @Wikimedia/Commons

Franz Ferdinand war ein äußerst liebevoller Vater, der gerne mit den Kindern spielte, oder auch nur stundenlang im Zimmer verweilte und den Kindern beim Spielen oder Schlafen zusah. Er frühstückte sogar im Kinderzimmer, um seinen Sprösslingen nah zu sein. Wenn man sich seine Fotos ansieht, diesen strengen Blick, den Militärhaarschnitt und dann die liebevollen Aufnahmen im Schloss mit seinen Kindern und seiner Frau betrachtet, kommt man nachhaltig ins Grübeln, ob er wirklich so unbeliebt war, wie man ihn gerne darstellt. Ich glaube inzwischen, dass Franz Ferdinand, als Kaiser Franz II ein bisschen Liebe ins Kaiserhaus gebracht hätte. Zumal er seine Sophie und seine Kinder als Thronerben und Kaiserin anerkannt hätte.

1908 wurden den beiden ein toter Sohn geboren und Franz Ferdinand wusste, dass es Zeit war für ein mögliches Ableben an ihn und seine Lieben zu denken. Da er auch nach dem Tod von Sophie, die durch die morganatische Hochzeit nicht in der Kapuzinergruft beerdigt werden durfte, nicht getrennt sein wollte, begründete der die Familiengruft auf Schloss Artstetten. Sein totgeborener Sohn sollte der erste sein, der in der Gruft beerdigt werden sollte. Das seine Eltern nicht allzu lange danach folgen würde, konnte keiner ahnen.

Splitter der ersten Bombe die Fürstin Sophie traf. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

1914 sollte das Schicksal für alle brutal zuschlagen.

Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg waren in Sarajevo zu einem Staatsbesuch. Am Morgen des 28. Juni 1914 gab Erzherzog Franz Ferdinand noch ein Telegramm an seine Kinder auf: „Befinden von mir und Mami sehr gut. Wetter warm und schön. Wir hatten gestern großes Diner und heute vormittag den großen Empfang in Sarajevo. Nachmittags wieder großes Diner und dann Abreise. Umarme euch innigst. Dienstag. Papi.“ (6)

Ich vermag mir den Schock gar nicht vorstellen, der eingetreten ist, als das Telegramm ankam und ein paar Stunden später die Nachricht vom Tod der Eltern.

Mörder Gavrilo Princip Foto: @Wikimedia/Commons

Das Attentat selbst ist eine Verkettung verschiedener Umstände, die nach Betrachtung des Ablaufes so gar nicht hätte stattfinden dürfen. Jedoch schrieben wir das Jahr 1914 und Sicherheit war noch nicht oberstes Prinzip bei derartigen Staatsbesuchen. Das aber der ganze Ablauf nicht gestoppt wurde, als das erste Attentat fehlschlug, obwohl ein Offizier und dessen Chauffeur verletzt wurden, verschlägt mir beim Lesen heute immer noch die Sprache.

Mit so einer Waffe wurde Fürstin Sophie und Erzherzog Franz Ferdinand erschossen. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Fakt ist, dass am 28.6.1914 Gavrilo Princip (*25.7.1894, †28.4.1918) mit einer FN Bronwing 9mm, Modell 1910 ca. 2 Meter vor dem Wagen, der kurz halten musste, direkt auf das Paar zielte. Zuerst traf er Fürstin Sophie von Hohenberg in die Bauchschlagader, mit dem 2ten Schuss in die Halsschlagader des Thronfolgers. „Um Gottes Willen, was ist dir geschehen?“ (7), soll Sophie ihren Mann noch gefragt haben, da er aus seiner Wunde stark blutete. Unmittelbar danach sinkt sie nach vorne und starb noch direkt im Wagen.

Original Wagen, Heeresgeschichtliche Museum Wien, Foto: @Hemmings.com

„Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder“, (8) soll angeblich Franz Ferdinand gerufen haben. Ob dies mit einer so stark blutenden Wunde direkt in der Halsschlagader möglich ist, bleibt fraglich. Schön ist es allemal, denn seine letzten Worte, wären an seine geliebten Kinder gerichtet gewesen. Auch Erzherzog Franz Ferdinand stirbt noch im Wagen, einem von Gräf & Stift gebautes Cabriolet, welches äußerst elegant war. Das Auto steht im Original im Heeresgeschichtlichen Museum Wien und kann besichtigt werden. Eine originalgetreue Kopie des Fahrzeugs steht direkt vorm Eingang ins Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten.

Die beiden Leichen wurden in den Konak gebracht. Um 11.00 Uhr konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Sogleich ertönten die Totenglocken.

Die Ausschiffung der Särge in Triest am 2.7.1914. Schloss Artstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

Nahaufnahme der Ausschiffung der Särge in Triest, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

 

Begräbnis mit dem Sarg des tot geborenen Sohnes zwischen den Eltern, 4.7.1914 Schloss Artstetten, Gruft. Franz Ferdinand Museum, Foto: @Privat

 

 

 

 

 

 

 

Am 4.7.1914 fand auf Schloss Arstetten das Begräbnis statt. Auch hier hat sich Kaiser Franz Joseph nicht dazu herablassen können, seinem Neffen ein Staatsbegräbnis angedeihen zu lassen. Der Adel wurde davon abgehalten, die Särge von Wien nach Arstetten zu begleiten. Ein Hoftrauerzug wurde seitens Kaiser Franz Josef untersagt. Die Presse sprach vom „Begräbnis III. Klasse“, da es nicht nur klein gehalten, sondern auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Es fand im engsten Familienkreis in der Pfarrkirche direkt auf Schloss Artstetten statt.

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Erzherzog Franz Ferdinand wurde 51 Jahre, Fürstin Sophie von Hohenberg 46 Jahre alt.

 

~ Marie ~

 

 


Wer wissen will, wie es mit den Vollwaisen weiterging, liest hier weiter.

Wie schon erwähnt, wurde dem Volk nicht nur der Thronfolger genommen, sondern auch dreien Kindern Vater und Mutter.

Wunderschönes Gemälde der Kinder Sophie, Ernst (mit Hut) und Max, Schloss Arstetten, Franz Ferdinand Museum, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Sophie (24.7.) 1901 geboren, war 13 Jahre alt, Maximilian (29.9.) 1902 geboren, 12 Jahre alt und Ernst (27.5.) 1904 geboren, 10 Jahre alt. Die geliebten und wohlbehüteten Kinder waren von einem Tag auf den anderen Vollwaisen und standen ohne Schutz ihrer Eltern da.

Kaiser Franz Joseph zeigte auch hier kein Herz. Er empfing die Kinder nach dem Tod seines Neffen ein einziges Mal.

Vormund wurde Onkel Jaroslaw, mit vollem Titel Fürst Jaroslaw von Thun und Hohenstein. Er kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern regelte auch den gesamten Nachlass von Franz Ferdinand und Sophie. Er förderte die Kinder weiter und ließ ihnen eine gute Ausbildung angedeihen. Vor allem Max und Ernst wurden schulisch gefördert und durften ins Schottengymnasium gehen. Sophie wurde früh verheiratet, auf ihre Schulbildung legte der Onkel nicht so viel Wert. Die Kinder wuchsen zum Teil auf Schloss Konopischt auf und durften somit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Nach dem Ende der Monarchie verloren die Kinder ihre Besitzungen und wurden aus Böhmen vertrieben. Jahrelange Prozesse ihren Besitz wieder zurückzuerlangen (Schloss Konopischt) misslang. Max ließ sich in Schloss Artstetten nieder, studierte Rechtswissenschaft und wurde Jurist. Ernst studierte Forstwirtschaft und ließ sich in der Steiermark, Radmer, nieder.

Hochzeit Sophie mit Vormund Jaroslaw Thun und ihren Brüdern Max und Ernst: @Wikimedia/Commons

Sophie wurde am 8.9.1920 mit Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (*1.11.1893 Prag, †29.12.1973 Graz) verheiratet. Sie bekamen 4 Kinder.

– Erwein Maximilian Franz Peter Paul Hubertus Konrad Maria (*29.6.1921, †11.9.1949 in sowjetischer Gefangenschaft)
– Franz von Assisi Friedrich Ernst Leopold Josef Maria (*2.2.1923 Wien, †23.2.1945 Gefallen an der Ostfront)
– Aloys Karl Josef Maria (*12.8.1925 Wien, †22.4.2003 Salzburg)
– Sophie Amalia Theresia Quirinia Henriette Lucretia Magdalena Maria Ignatia (*4.6.1929 – lebend)

1945 verlor sie ihr gesamtes Eigentum und wurde mit ihrer Familie vertrieben. Zuerst fand sie in Eisenerz (Steiermark) ihr neues zu Hause, später in Salzburg. Sie starb am 27.10.1990 mit 89 Jahren.

Hochzeit Max und Elisabetha  Foto: @Wikimedia/Commons

Max heiratete am 16.11.1926 Elisabetha Bona Gräfin von Waldburg zu Waldegg und Waldsee (*10.8.1904, †13.3.1993) und bekam mit ihr 6 Kinder.

– Franz Ferdinand (*13.9.1927 Artstetten, *16.8.1977 Ried i.d.Riedmark)
– Georg (*25.4.1929 – lebend)
– Albrecht Philipp Leopold Josef Andreas Hubertus Maria (*4.2.1931 Artstetten – lebend)
– Johannes (*3.5.1933 Artstetten, †11.10.2003 Salzburg)
– Peter (*26.3.1936 Arstetten – lebend)
– Gerhard (*23.12.1941 Wien – lebend)

Max wurde von der Gestapo von Schloss Artstetten enteignet und wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, mit dem so genannten „Prominententransport“ nach Dachau gebracht. Nur seiner Frau, Gräfin Elisabetha hatte Max es zu verdanken, dass er im Herbst wieder entlassen wurde. Sie führte ein beherztes Gespräch mit Hermann Göring. Nach dem Ende des Regimes bekam die Familie 1949 das Schloss wieder zurück. Er wurde Bürgermeister von Artstetten und verblieb 5 Jahre im Amt. In dieser Zeit nahm er wieder Kontakt zu Otto von Habsburg auf und begann diese Freundschaft wieder zu festigen. Max starb am 8.1.1962 im Alter von 60 Jahren in Wien.

Auf Sohn Franz Ferdinand geht Tochter Anita von Hohenberg (*1958) zurück; sie leitet heute die Geschäfte von Schloss Artstetten und hat 1983 das Museum gegründet. Seit 2015 ist der Garten für die Öffentlichkeit begehbar.

 

Ernst und Marie Therese von Hohenberg Foto: @Wikimedia/Commons

Ernst heiratete am 25.5.1936 Maria Therese Wood (*9.5.1910 Wien, †28.11.1985 Radmer) und bekam mit ihr 2 Kinder.

– Franz Ferdinand Maximilian Georg Ernst Maria Josef Zacharius Ignaz (*14.3.1937 Wien, †8.8.1978 Radmer)
– Ernst Georg Elemer Albert Josef Antonius Peregrius Rupertus Maria (*1.3.1944 – lebend)

Ernst hatte nicht so viel Glück wie Max. Er wurde von Dachau, nach Flossenbürg und Oranienburg gebracht. Er wurde erst 1943 entlassen. 5 Jahre KZ hatten tiefe Spuren an ihm hinterlassen. Er zog wieder in die Steiermark und fing an sich politisch zu betätigen und reiste mit Bundeskanzler Leopold Figl auch durch die sowjetische Zone. Ernst durch die Strapazen sehr geschwächt starb bereits 50jährig am 5.3.1954 in Graz.

 

~ Marie ~

Gruft heute, Schloss Arstetten, Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

 


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Textrechte: Marie Festetics, Anita von Hohenberg, Christiane Scholler
Stammbäume: Marie Festetics


Literatur Hinweis:

1 – S. 41, 2 – S. 52, 3 – S. 74, 4 – S. 76, 5 – S. 105, 6 – S 15, 7, 8 – S. 22
Anita Hohenberg, Christiane Scholler
Willkommen im Schloss Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
1. Auflage 2011, Schloss Artstetten Herausgeber


 

Kaiser Franz Joseph – Sein letzter Weg (KFJ 7. und letzter Teil)

 

Foto: SHB

Nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth war aus Kaiser Franz Joseph ein zunehmend alter, einsamer Mann geworden. Sein Sohn tot, seine Töchter in Bayern und Niederösterreich verheiratet, seine Enkelkinder weit weg. Von Haus aus kaum privaten Kontakt zu Personen, die es „ehrlich“ mit ihm meinten, wurde es immer ruhiger um ihn. Katharina Schratt hatte nach dem Tod ihrer Befürworterin einen schweren Stand am Wiener Hof. Sie wurde von den meisten gehasst. Auch lehnte Erzherzogin Marie Valerie jeglichen Kontakt zur „gnädigen Frau“ ab. Die Schratt ging auf Reisen und ließ ihren einstigen Vertrauten zurück.

Foto: Prinz Rudolph Liechtenstein Wikimedia/Commons

Einzig sein Obersthofmeister, Prinz Rudolf Liechtenstein (*18.4.1838, †15.8.1908), der seine Arbeit eher aus privater Natur liebte, weil er Kaiser Franz Joseph mochte, nicht aber die zeremoniellen Angelegenheiten, kümmerte sich um die Versöhnung der beiden. Und so vermittelte er zwischen Erzherzogin Marie Valerie, Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt und besuchte diese sogar in der Hietzinger Villa, um den „Guglhupf-Plausch“, – wie die Besuche genannt wurden, – zu forcieren. Mit Erfolg.

Erzherzogin Marie Valerie gab nach und Katharina Schratt durfte wieder zu ihrem Vater. Doch so unbeschwert wie einst wurde die Beziehung nicht mehr. Der Tod von seiner Engels-Sisi hatte nicht nur den Schleier über Kaiser Franz Joseph gelegt, sondern auch die Bande zwischen Katharina Schratt und ihm bröckeln lassen.

 

 

 

Als am 21.10.1911 die Hochzeitsglocken für Erzherzog Karl Franz Joseph (*17.8.1887, †1.4.1922) und Prinzessin Zita Maria delle Grazie Adelgonde Micaela Raffaela Gabrielle Giuseppina Antonia Luisa Agnese (*9.5.1892, †14.3.1989) im Schloss Schwarzau (heute ein Frauengefängnis) läuteten, ahnte niemand von den zahlreichen Ehrengästen, dass sich das Ruder in der Thronfolge noch einmal drehte. Kaiser Franz Joseph, zu diesem Zeitpunkt bereits 81 Jahre alt, reiste zur Hochzeit ins schöne Niederösterreich an.

Kaiser Franz Joseph war mit der Wahl der Braut seines Großneffen mehr als nur einverstanden. Nachdem ihn sein Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, mit der Hochzeit der unstandesgemäßen Gräfin Chotek, nunmehr Fürstin Sophie von Hohenberg, mehr als nur enttäuscht hatte, hoffte der alternde Kaiser auf die Kinder von Erzherzog Karl Franz Joseph.
Als am 28.6.1914 Erzherzog Franz Ferdinand und seine geliebte Frau Sophie in Sarajewo ermordet wurden, bricht für den knapp 84jährigen Kaiser die Welt zusammen. Am 23.7.1914 unterschrieb er in Bad Ischl sein berühmtes Manifest:

An Meine Völker!

Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren.
Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen.
Die Umtriebe eines haßerfüllten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen.
Mit rasch vergessendem Undank hat das Königreich Serbien, das von den ersten Anfängen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestützt und gefördert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Österreich-Ungarn betreten.
Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Hercegovina Meine Herrscherrechte auf diese Länder erstreckte, hat diese Meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche zügelloser Leidenschaft und erbittertsten Hasses hervorgerufen. Meine Regierung hat damals von dem schönen Vorrechte des Stärkeren Gebrauch gemacht und in äußerster Nachsicht und Milde von Serbien nur die Herabsetzung seines Heeres auf den Friedensstand und das Versprechen verlangt, in Hinkunft die Bahn des Friedens und der Freundschaft zu gehen.
Von demselben Geiste der Mäßigung geleitet, hat sich Meine Regierung, als Serbien vor zwei Jahren im Kampfe mit dem türkischen Reiche begriffen war, auf die Wahrung der wichtigsten Lebensbedingungen der Monarchie beschränkt. Dieser Haltung hatte Serbien in erster Linie die Erreichung des Kriegszweckes zu verdanken.
Die Hoffnung, daß das serbische Königreich die Langmut und Friedensliebe Meiner Regierung würdigen und sein Wort einlösen werde, hat sich nicht erfüllt.
Immer höher lodert der Haß gegen Mich und Mein Haus empor, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Österreich-Ungarns gewaltsam loszureißen.
Ein verbrecherisches Treiben greift über die Grenze, um im Südosten der Monarchie die Grundlagen staatlicher Ordnung zu untergraben, das Volk, dem Ich in landesväterlicher Liebe Meine volle Fürsorge zuwende, in seiner Treue zum Herrscherhaus und zum Vaterlande wankend zu machen, die heranwachsende Jugend irrezuleiten und zu frevelhaften Taten des Wahnwitzes und des Hochverrates aufzureizen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen Mich und Meine Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden.
Diesem unerträglichen Treiben muß Einhalt geboten, den unaufhörlichen Herausforderungen Serbiens ein Ende bereitet werden, soll die Ehre und Würde Meiner Monarchie unverletzt erhalten und ihre staatliche, wirtschaftliche und militärische Entwicklung vor beständigen Erschütterungen bewahrt bleiben.
Vergebens hat Meine Regierung noch einen letzten Versuch unternommen, dieses Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen, Serbien durch eine ernste Mahnung zur Umkehr zu bewegen.
Serbien hat die maßvollen und gerechten Forderungen Meiner Regierung zurückgewiesen und es abgelehnt, jenen Pflichten nachzukommen, deren Erfüllung im Leben der Völker und Staaten die natürliche und notwendige Grundlage des Friedens bildet.
So muß Ich denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerläßlichen Bürgschaften zu schaffen, die Meinen Staaten die Ruhe im Inneren und den dauernden Frieden nach außen sichern sollen.
In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewußt.
Ich habe alles geprüft und erwogen.
Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg, den die Pflicht Mir weist.
Ich vertraue auf Meine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Treue um Meinen Thron geschart haben und für die Ehre, Größe und Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern immer bereit waren.
Ich vertraue auf Österreich-Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht.
Und Ich vertraue auf den Allmächtigen, daß Er Meinen Waffen den Sieg verleihen werde.
Franz Joseph m. p.
Stürgkh m. p.

Am 28.7.1918 begann der 1. Weltkrieg.

Es sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Mir geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Kaiser Franz Joseph zog 1914 nun endgültig komplett nach Schloss Schönbrunn. Seine Privatappartements wurden dem Alter entsprechend angepasst. Er ersparte sich somit längere Kutschen- oder Autofahrten und konnte bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Gärten von Schönbrunn wandeln. Und obwohl er nun schon weit über 80 Jahre alt war, änderte sich sein 17stündiger Arbeitstag in den Kriegswirren nicht wesentlich. Nur die Diners mit den Damen und Herren der Gesellschaft lehnte er mittlerweile ab.

Foto: Wikimedia Commons
Eugen Ketterl, Bleistiftzeichnung Theodor Zasche

Im Tagebuch seines Dieners Eugen Ketterl (*1859, †1929) lässt sich zum vorletzten Tag im Leben des Kaisers folgendes lesen: „Eines Tages fand eine große Hungerdemonstration statt. Auf den Märkten war nicht mehr zu bekommen, auch Mehl und Kartoffeln waren ausgegangen, es kam zu riesigen Krawallen, Lebensmittelgeschäfte wurden demoliert, die Volksmenge rottete sich in Favoriten, ein Arbeiterbezirk von Wien, zusammen und ging nach Schönbrunn. Aus dem lärmenden Getöse konnte man nur die Rufe „Brot“ und „Hunger“ unterscheiden, die Schönbrunner Schloßwache wurde verständigt, die eiserne Gittertür verschlossen.
Der Kammertürsteher rief mich zu sich und zeigte mir vom Fenster aus die aufgeregte, herandrängende Menge.
„Wie könnte ich nur Seine Majestät verständigen?“ dachte ich mir. „Hinein zu ihm kann ich momentan nicht. Wenn er nur läuten würde!“
Und richtig – der Kaiser läutete.
„Geben Sie mir einen leichten Rock!“ befahl mir der Monarch.
„Wie bringe ich ihn dazu, daß er mich fragt?“ grübelte ich nach. Ich positionierte mich mit dem gewünschten Rock in die Nähe des Fensters, so daß der hohe Fürst nicht nur aufstehen, sondern auch in die Nähe des Fensters treten mußte. Als ich ihm nun in den Rock half, sah ich absichtlich und recht auffällig interessiert zum Fenster hinaus. Der Kaiser folgte meinem Blick, sah die Tore geschlossen und die aufgeregte Volksmenge.
„Was geht da vor?“ fragte er.
„Erlauben Euer Majestät, daß ich die Wahrheit sage?“
Der Kaiser nickte erregt.
„Das Volk demonstriert, weil Hungersnot ist. Die Kinder werden von den Lehrern nach Hause geschickt oder fallen vor Entkräftung ohnmächtig in den Schulen um. Selbst die Kinder der Herzogin von Hohenberg leiden, wie wir alle, furchtbar unter dem Lebensmittelmangel. Es gibt keine Milch mehr, kein Mehl, keine Kartoffeln, keinen Kohlen! Wissen Euer Majestät auch, warum Höchstderselbe nicht mehr durch die Mariahilferstraße fahrendürfen? Man sagte Euer Majestät, weil dort Pflasterarbeiten vorgenommen würden. Das ist aber nicht wahr. Man will nicht, daß Euer Majestät sehen, wie endlose Züge von Menschen in doppelten Kolonnen stundenlang vor den Lebensmittelgeschäften stehen, um ein klein wenig Nahrungsmittel zu erhalten. Der Hunger herrscht in Wien!“
Der Kaiser blickte mich an.
„Ich danke Ihnen!“, sagte er mit bewegter Stimme, ließ sich sofort den Flügeladjutanten rufen und befahl, an sämtlichen maßgebenden Stellen zu telephonieren, daß mit diesem „unerhörten Zustand“ sofort Schluß zu machen sei. Die Leute, die die Lebensmittel zurückhielten, seien zu strengster Verantwortung zu ziehen.

Rot vor Zorn schrie der Kaiser und schloß mit den Worten: „Und das muß ich erst von meinem Kammerdiener erfahren!“

Foto: Wikimedia/Commons
Fürst Nikolaj Nikolajewitsch

Ministerpräsident Ernest Karl Koerber (*6.11.1850, †5.3.1919) berichtete dem Monarchen über das herrschende Elend und erklärte, daß es nicht mehr so weiterginge. Die Menschen würden immer aufrührerischer gesinnt.
„Wenn dem so ist“, erklärte der Kaiser – ich hörte es im Nebenzimmer – , „so wird ohne Rücksicht auf meinen Bundesgenossen der Friede geschlossen.“ (1)

Obwohl er sich 1913 nach einem Besuch von Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch (*18.11.1856,†6.1.1929), den er bei Regen und Kälte im offenen Wagen zum Bahnhof begleitete, verkühlte und sich eine schwere Grippe zuzog, arbeitete Kaiser Franz Joseph unermüdlich weiter. Sein dadurch entstehender Husten wurde chronisch und schwächte ihn. Ketterl schrieb, dass er Seine Majestät niemals krank sah und dieser weder krank sein wollte, noch krank sein konnte. Sein Reich, seine Untertanen und sein unermüdlicher Fleiß standen ihm dabei im Weg. Schwäche konnte und wollte er sich nicht erlauben. Kaiser Franz Joseph stand um 4.00 Uhr Früh auf und ging um 21.00 Uhr zu Bett. Dazwischen lag ein schwerer Arbeitstag vor ihm.
Im November 1916 bekam Kaiser Franz Joseph wieder einen stärkeren Husten, der sich – nach der Diagnose von Dr. Joseph Kerzl – zu einer Lungenentzündung ausgebreitet hatte. Er wurde immer schwächer und man beobachtete den Kaiser genau. Nachdem er sich auch noch beim Aufstehen in die Decke verwickelte und hinfiel, bohrte das Personal Löcher in die Wände, um den Kaiser zu beobachten. Stürze oder sonstige Probleme konnten damit schneller erkannt werden.
Trotz Lungenentzündung und starker Einschränkung schonte sich Franz Joseph nicht. Sein Reich, die Kriegswirren und die extremen Anspannungen der letzten Jahre hatten den alternden Kaiser müde gemacht. Oftmals sank er völlig erschöpft auf seine Arme und legte den Kopf auf diese, um am Schreibtisch ein kleines Nickerchen zu machen. Seine Minister und Adjutanten beobachteten ihn dabei über einen Spiegel, der so aufgestellt wurde, damit man sah, ob Kaiser Franz Joseph schlief oder arbeitete. Wenn er schlief, durfte er nicht gestört werden. Niemand durfte mehr länger als 5 Minuten zu ihm. Der Husten wurde stärker, die Schwächeanfälle häufiger.

 

Der letzte Tag – 21.11.1916:

Foto: Wikimedia/Commons
Gräfin Elisabeth „Ella“ Franziska Waldburg zu Zeil

Foto: ÖNB
Erzherzogin Marie Valerie

Erzherzogin Marie Valerie (*22.4.1868, †6.9.1924) und Gräfin Elisabeth Franziska „Ella“ Waldburg zu Zeil (*27.1.1892, †29.1.1930) erschienen um 8.30 Uhr morgens, um den Vater und Großvater zu fragen, wie es ihm ginge, und als sie eine zufrieden stellende Antwort bekamen, gingen die beiden gegen 9.00 Uhr morgens wieder. Erzherzogin Marie Valerie erbat um nochmaliges Kommen, um am Abend „Gute Nacht“ sagen zu dürfen. Kaiser Franz Joseph gestattete dies seiner Tochter.

Danach erschienen Generaloberst Graf Eduard von Paar (*5.12.1837, †1.2.1919) und Generaloberst Freiherr Alfred von Bolfras (*16.4.1838, †19.12.1922) zu Vorträgen.

Nach dem Abgang der Herren, bekam Kaiser Franz Joseph von seinem Burgpfarrer den päpstlichen Segen, den der Heilige Vater geschickt hatte. Der Burgpfarrer nahm ihm die Beichte ab, überreichte ihm die heilige Kommunion und ging voller Freude wieder, dass sich Kaiser Franz Joseph über den Heiligen Segen gefreut hatte.
Um 11.30 Uhr besuchte ihn das Thronfolgerpaar und jammerte, dass er keine Zeit zum Krank sein habe. Außerdem wurde die politische Lage in Rumänien besprochen.
Um 13.00 Uhr verschlimmerte sich jedoch der Zustand von Kaiser Franz Joseph, so dass er seinen Kabinettsdirektor Freiherr Franz von Schießl (*19.3.1944, †10.3.1932) und Sektionschef Dr. von Daruvary abwies.

 

Foto: Wikimedia/Commons Eduard Paar

Bis 16.00 Uhr schlief Kaiser Franz Joseph in seinem Ohrensessel. Danach stand er auf, ging zu seinem Schreibtisch und unterschrieb das letzte Dokument seines Lebens.

Um 16.30 Uhr speiste er eine Kleinigkeit. Um 17.30 Uhr kam Erzherzogin Marie Valerie, die sich um ihren Vater sehr große Sorgen machte. Sie fand ihn in einem verheerenden Zustand. Er war schwach und konnte kaum atmen. Sein Gesicht fahl und blaß. Er erzählte noch, dass er bereits die Beichte und den Segen des Papstes durch den Burgpfarrer bekommen hatte. Marie Valerie verließ ihren Vater schweren Herzens. Sie wird geahnt haben, dass es zu Ende ging.

Danach ließ er sich zum Betschemel bringen und betete darauf, längs sitzend. Ketterl bat Seine Majestät schließlich, sich niederzulegen.
„Ich bin mit meiner Arbeit nicht fertig geworden, morgen um 1/2 4 Uhr wecken Sie mich wie gewöhnlich.“
Seine Majestät schien bald gut zu schlafen, erwachte aber später und verlangte Tee zu trinken. Niemand vermochte es, ihm eine Tasse Tee einzuflößen. Ich nahm die Tasse zur Hand, hob den Polster, auf dem das Haupt des Sterbenden ruhte und es glückte mir, ihm ein paar Tropfen einzuflößen.
Der Kaiser lächelte müde: „Warum geht’s denn jetzt?“, meinte er mit leiser Stimme.

Foto: Wikimedia/Commons Dr. Joseph Kerzl

„Nicht lange danach wurde der Atem des Kaisers kurz und Professor Ortner sah sich veranlaßt, eine die Herztätigkeit anregende Injektion zu geben, von welcher der Kaiser nichts mehr merkte; gleichzeitig wurde der Burgpfarrer gerufen. Nach ½ 9 Uhr wurde er in das Schlafgemach eingelassen und spendete dem Kaiser die letzte Ölung. Bei dieser heiligen Handlung waren das Thronfolgerpaar, Erzherzogin Maria Josepha (Anmerkung: Mutter von Erzherzog Karl), Erzherzogin Maria Theresia, Erzherzog Franz Salvator und Erzherzogin Marie Valerie, der erste Obersthofmeister Fürst Montenuovo, der Generaladjutant Generaloberst Graf Paar, die in Schönbrunn anwesenden Flügeladjutanten und das Kammerpersonal Seiner Majestät zugegen. Ihre k.u.k. Hoheit Erzherzogin Marie Valerie kniete zu den Häupten des Kaisers und drückte ihm das Sterbekreuz in die Hand. Seine Majestät empfing noch das vollkommenen Ablaß in articulo mortis. Nicht lange darauf hörte der Kaiser auf zu atmen, ruhig war er hinübergeschlummert. Es war 9 Uhr 5 Minuten. Der Leibarzt seiner Majestät Dr. Ritter v. Kerzl und Professor Dr. Ortner stellten das Ableben fest.
Der Burgpfarrer betete das Responsorium „Subvenite Sancti“, verrichtete die kirchlichen Gebete für den erlauchten Dahingeschiedenen und besprengte ihn mit Weihwasser. Hierauf beteten alle Anwesenden gemeinsam für das Seelenheil des im Herrn Entschlafenen.“
Das war das Ende.
Die Macht des Kaisers von Österreich war gebrochen. Ein Stärkerer, der Tod, hatte ihn bezwungen… Für ihn war der Krieg beendet und er war zum Frieden der ewigen Ruhe eingegangen. (2)

Foto: Wikimedia/Commons Erzherzogin Maria Theresia von Braganza

Obwohl laut Eugen Ketterl seine letzten Worte „Warum geht’s denn jetzt?“ gewesen waren, sind die Worte: „Ich bin mit meiner Arbeit nicht fertig geworden, morgen um 1/2 4 Uhr wecken Sie mich wie gewöhnlich“ (2), in die Geschichte eingegangen. Sie zeigen den vor Fleiß und Eifer strotzenden Kaiser, der sich auch durch eine Lungenentzündung nicht davon abhalten ließ, sein untergehendes Reich zu regieren.
Foto: Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Am 21.11.1916 entschlief nun der 86jährige Kaiser Franz Joseph um 21.05 Uhr sanft und friedlich in seinem Bett. Um ihn herum seine Lieben. Nur Erzherzogin Gisela musste aus München anreisen, sie konnte sich von ihrem lebenden Vater nicht mehr verabschieden. Katharina Schratt wurde vom Thronfolger und nunmehrigen Kaiser Karl verständigt und per Arm zum Bett des Toten geleitet. Kaiser Franz Joseph hatte einen Besuch am Bett abgelehnt, da er sich vor ihr genierte und ihr nicht den alten, kranken Mann zeigen wollte, zu dem er geworden war. Mit dem Tod des Kaisers wurde aus Erzherzog Karl Franz Joseph Kaiser Karl und er wurde ab sofort auch so angesprochen.

Um 22.30 Uhr wurden die Garden vor Schloss Schönbrunn vom Ableben des Kaisers informiert, die wiederum das Volk vor den Toren verständigten.

Am 22.11.1916 druckte die Wiener Zeitung als Erste die Verkündigung vom Tod des Kaisers. Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch Österreich-Ungarn und in die Kriegsgebiete.

Foto: Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Ketterl kleidete Kaiser Franz Joseph zum letzten Mal an: Er legte ihm eine Feldmarschalluniform, das Goldene Vlies und die Kriegsmedaille, das Offiziersverdienstkreuz und die zwei Jubiläumsmedaillen zur Erinnerung an die 50. und 60jährige Regierungszeit an. Weiters wurde dem Leichnam sein Ehering und sein Siegelring, die er niemals ablegte, gelassen. Um den Siegelring wurde allerdings zuvor noch heftig gestritten. Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzogin Gisela stritten sich um diesen Ring, nahmen ihn dem Toten ab, steckten ihn allerdings wieder auf seinen Finger. Da die beiden sich nicht einigen konnten, wer ihn behalten sollte, entschlossen sie sich, dem Vater den Ring mit ins Grab zu geben.

Foto: Wikimedia/Commons Prof. Dr. Norbert Ortner

Die erste Totenwache übernahmen Eugen Ketterl und Erzherzogin Maria Theresia (*24.8.1855, †12.2.1944), Witwe von Erzherzog Karl Ludwig, die Kaiser Franz Joseph über alle Maßen schätzte. Über den Tag der Aufbahrung kam sie mehrmals am Tag vorbei und schenkte dem Toten frische Alpenblumen, die sie aus dem Garten von Schönbrunn mitbrachte. Es waren des Kaisers Lieblingsblumen.

Am 23.11.1916 wurden Leibarzt Dr. Joseph Kerzl (*28.8.1841, †22./23.6.1919) und Professor Dr. Norbert Ortner (*10.8.1865, †1.3.1935) damit beauftragt, die Einbalsamierung durchzuführen. Im Protokoll ist folgendes zu lesen: „Die beiden großen Halsschlagadern werden freigelegt, in dieselben werden Kanülen eingebunden und sodann mit Formalin in concentriertem Zustand in den Kopf einerseits, in den Rumpf anderseits eingespritzt in der Menge von 5 Liter. Schließlich werden die gesetzten Halswunden vernäht.“ (3)

Foto: Wikimedia/Commons Obersthofmeister Alfred Monetnuovo

Die Begräbnisfeierlichkeiten waren ein einziger Staatsakt. Eigentlich hätte sich der letzte Obersthofmeister Seiner Majestät um das Zeremoniell kümmern sollen. Doch es gab keine wirklichen Überlieferungen dazu. Der letzte Kaiser, der beerdigt wurde, war Kaiser Franz I/II. Das Zeremoniell wurde mündlich überliefert und es gab keine lebende Person mehr, die sich an dieses Begräbnis erinnern hätte können. Mit Mühe fand Obersthofmeister Alfred Fürst von Montenuovo (*16.9.1854, †6.9.1927) heraus, wie das Begräbnis abzuwickeln sein könnte, als Kaiser Karl darauf bestand, dass er mit Kaiserin Zita und dem 5jährigen Kronprinz Otto hinter dem Sarg herzugehen wünsche. Außerdem musste sich der neue Obersthofmeister Seiner Majestät Kaiser Karl um die Zeremonie kümmern, weshalb Fürst Montenuovo sich um die internen Angelegenheiten kümmerte.

Während der Vorbereitungen zu den großen Feierlichkeiten wurden auch die testamentarischen Angelegenheiten geregelt. Kaiser Franz Joseph hinterließ ein Testament, welches er am 6.2.1901 aufsetzte. Zwei weitere Kodizille aus den Jahren 1913 und 1916 wurden hinzugefügt. Am 22.11.1916 wurde dieses im Beisein des Obersthofmarschalls, des Außenministers, des Obersthofmeisters Montenuovo und einiger Beamter geöffnet und verlesen. Sein gesamtes Privatvermögen wurde zu gleichen Teilen an die Töchter Erzherzogin Marie Valerie und Erzherzogin Gisela aufgeteilt. Ebenso erging eine größere Summe an seine geliebte Enkeltochter Erzherzogin Elisabeth Marie „Erzsi“, der Tochter des unglücklichen Sohnes Kronprinz Rudolf. Erzherzogin Marie Valerie erbte zudem die Villa in Bad Ischl, Erzherzog Franz Salvator, sein Schwiegersohn und somit Ehemann von Erzherzogin Marie Valerie erbte das Jagdhaus Offensee, samt dem dazugehörigen Grundbesitz. Erzherzogin Gisela erbte die Gries-Villa.

Da Kaiser Franz Joseph sein Testament von 1901 nicht mehr änderte, gingen die Kriegswitwen, -waisen und -opfer leer aus.

Gisela und Marie Valerie sollten dafür sorgen, dass der Rest der Familie mit Andenken und kleineren Summen begütet werden sollten; auch die Dienerschaft sollte mit Andenken beschenkt werden. Wer das gesamte Testament lesen möchte, kann das hier tun.

Am 27.11.1916 um 22.00 Uhr wurde der Leichnam in den Leichenwagen gebracht. Dieser wurde von Rappen gezogen und feierlich von Schloss Schönbrunn in die Hofburg überführt. 50 Personen des Hofes begleiteten den Wagen, nicht aber die Familie. Danach wurde Kaiser Franz Joseph auf das Totenbett – „bed of state“ – gelegt und aufgebahrt.

Foto: Bildarchiv ÖNB
Aufbahrung Kaiser Franz Joseph

Das Herz war von den Ärzten ebenfalls entnommen und entgegen der alten Tradtion, nach welcher die Herzen der verstorbenen Habsburger in der Loretokapelle der Kapuziner bestattet wurden, in die Katakomben des St. Stephansdoms gebracht worden. Den Kaiser umsäumten die Funeralkronen seiner Länder, viele Orden und Kerzen, und auf ihm wurde eine Decke aus Goldstoff drapiert, auf welche die Kinder der Familie Blumen ablegten. 25.000 Menschen sollen ihrem alten Monarchen die letzte Ehre erwiesen haben.

Laut mehrfacher Überlieferung dürfte bei der Einbalsamierung ein neues Paraffin-Verfahren angewendet worden sein. Das Gesicht von Kaiser Franz Joseph änderte sich dadurch fast stündlich und soll zum Schluss keinesfalls mehr wie der bekannte Monarch ausgesehen haben.
Da sich Österreich-Ungarn mitten im Krieg befand, waren wenige Staatsmänner an den Begräbnisfeierlichkeiten interessiert.

‚Foto: Deutsches Bundesarchiv
Kaiser Wilhelm II

Kaiser Wilhelm (*27.1.1859, †4.6.1941) zu dem Zeitpunkt selbst krank, kam am 28.11.1916 und legte einen großen Kranz mit weißen Orchideen vor dem aufgebahrten Kaiser Franz Joseph ab.

Am 30.11.1916 wurde das Begräbnis in Wien feierlich begangen. Außer der Familie, der Dienerschaft, den Offizieren und Staatswürdenträgern, waren noch folgende Personen anwesend: König Ludwig III, Ehefrau Erzherzogin Maria Theresia, König Friedrich August III, Familienmitglieder der Familien Hohenzollern-Sigmaringen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Weimar, Baden, Dänemark, Sachsen-Coburg, sowie Bündnispartner Zar Ferdinand I. und Kronprinz Mehmed VI. Vahideddin mit Ehefrau Emine Nazikeda, ebenso sandten die neutralen Länder Schweden und Spanien Familienmitglieder zum Begräbnis.

 

Foto: khm
Gala-Leichenwagen

Der prächtige Gala-Leichenwagen wurde von acht Rappen gezogen. Jedes Fenster, jeder Straßenzug war gesäumt von Menschen, die dem letzten großen Monarchen ihr Geleit geben wollten. 10.000 Mann sorgten für die Sicherheit, sperrten Straßen ab und regelten den Verkehr. Der Leichnam im einfachen Sarg wurde aus der Hofburg getragen, auf den Wagen gehoben, um an einem strahlenden warmen Spätherbsttag zum Stephansdom gefahren zu werden. Vor dem Trauerzug fuhren die höchsten Würdenträger, dahinter die Wagen der kaiserlichen Familie. Der Trauerzug ging von der Hofburg über des Kaisers große Meisterleistung, die „Ringstraße“, wo noch extra einmal eine Huldigung auf ihn wartete, über die Kärntner Straße zum Stephansdom, wo um 15.00 Uhr die feierliche Einsegnung stattfand. Danach wurde der Trauerwagen wieder auf die Kärntner Straße und über den Neuen Markt geführt, um schließlich um 15.30 Uhr vor den Toren der Kapuzinergruft anzuhalten.

 

Nach dem Festgottesdienst folgten Kaiser Karl, Kaiserin Zita und der in weiß gekleidete, blondgelockte Kronprinz Otto dem Trauerzug zu Fuß. Kronprinz Otto sollte die Hoffnung des Kaiserreichs darstellen. Sein Bild hat sich bis heute in das Gedächtnis der Menschen gebrannt. Noch heute ist dieses Bild des kleinen Buben, der ein ganzes Reich auf den Schultern trug, Sinnbild der untergehenden Habsburg-Monarchie.

Foto: habsburger.net
Kaiser Karl, Kaiserin Zita, Kronprinz Otto

Als Kaiser Franz Joseph vor der Kapuzinergruft ankam, war es Obersthofmeister Montenuovo, der bei Pater Guardian um Einlass bat. Die Anklopfzeremonie wird insgesamt 3x wiederholt. 2x werden alle Titel des Toten aufgesagt. Doch diese Titel helfen vor Gott, dem Allmächtigen, niemanden. Erst als Obersthofmeister Montenuovo den Satz „Franz Joseph, ein armer Sünder, dessen Sünden so zahlreich sind wie die Sterne des Himmels, bittet um Einlass“, wurde das Tor geöffnet. Er wurde zwischen seiner geliebten Engels-Sisi und seinem Sohn Kronprinz Rudolf zur ewigen Ruhe gebettet.

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

 

Der ewige Kaiser – der ewige Mythos

 

Foto: Wikimedia/Commons Filmprogramm Sissi 1955

Foto: ÖW/Wiesenhofer

Wie schon bei Kaiserin Elisabeth erlebte der Kaiser nach seinem Tod eine Heldenverehrung. Im ganzen Land wurden Denkmäler gebaut, um dem großen Monarchen zu huldigen.

Nach dem Krieg erfuhr die Monarchie eine Renaissance. Sein Bildnis wurde zwar abgenommen, doch in jeder Schublade verwahrt, bis es wieder modern wurde, den Kaiser an den Wänden hängen zu haben. Spätestens mit den Sissi-Filmen mit Karlheinz Böhm und Romy Schneider haben wir den Kult rund um das Kaiserhaus wieder zurück.

Auch Kaiser Franz Josephs Konterfei wurde auf allem, was sich verkaufen lässt, abgebildet: Tassen, Puzzles, Magnete, Schnapsflaschen, Postkarten, Büsten, Uhren usw. werden in die ganze Welt verkauft. Mindestens zwei Bücher erscheinen pro Jahr mit dem Konterfei des Monarchen. Auch heute noch lässt sich mit dem alten, greisen, weisen und einsamen Menschen Kaiser Franz Joseph Geld verdienen.

Nur eines haben ihm seine Frau und sein Sohn voraus – ein Musical. In beiden kommt er zwar vor, allerdings gibt es noch kein eigenes Stück. Anscheinend war sein Leben dann doch zu langweilig für die Bühne.

Und auch wenn Sisi ihm den Bekanntheitsgrad abläuft, so ist es Kaiser Franz Joseph, der dieses Mythos geschaffen hat. Ohne seinerambivalente und schöne Ehefrau wäre das Kaiserhaus zwischenzeitig in Vergessenheit geraten.

 

Der Kaiser ist tot, lang lebe der Kaiser!

Foto: sternenkaiserin.com – Marie

~ Marie ~


Rechtliche Hinweise:
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Literarische Hinweise:
1 – S. 169/70, 2 – S 175
Eugen Ketterl
Wie ich Kammerdiener Seiner Majestät wurde (nur noch antiquarisch erhältlich)
Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

3 – S 365
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I: Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1916
Verlag C.H.Beck, 2015, 1. Auflage

 


 

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth – eine ambivalente Ehe (KFJ Teil 6)

Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Im vorletzten Teil meiner Reihe über das Leben von Kaiser Franz Joseph wenden wir uns dem Ehepaar zu. Was wurde uns in den Sissi-Filmen mit Karlheinz Böhm und Romy Schneider als Kaiser Franz Joseph und Sissi nicht alles vorgegaukelt. Dass es nichts mit der Realität zu hatte, werde ich hier aufzeigen.

Schloss Laxenburg, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Schon bald nach der strapaziösen Hochzeit (meinen Beitrag findet ihr hier) den Flitterwochen, die Sisi zumeist, nur in Gesellschaft ihr völlig fremder Hofdamen in Schloss Laxenburg verbringen musste, ging es auf Repräsentationsfahrt durchs halbe Land. Vor allem Böhmen und Mähren standen auf dem Plan. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Sisi schwanger.

Die erste Zeit lebten Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph im Schloss Laxenburg. Ein bis drei Mal die Woche besuchten Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl die Schwangere. Sophie machte sich große Sorgen, da sie selbst elf Fehlgeburten ertragen musste.

Erzherzogin Sophie Friederike, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und am 5.3.1855 wurde die kleine Prinzessin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha († 29.5.1857) geboren. Es ist nicht korrekt, dass sich Erzherzogin Sophie in die Namensgebung einmischte. Es war damals Brauch, den Namen der Großmutter zu wählen. In diesem Fall wurde Sophie als Namenspatin auserkoren. Zumindest behauptet dies die Sophie-Biografin Ingrid Haslinger. Brigitte Hamann schrieb wiederum, dass Sisi sich dem Regiment der Schwiegermutter widerstandlos zu fügen hatte. Das Kind erhielt den Namen Sophie, die Großmutter wurde Patin.

Auffällig war, dass Herzogin Ludovika bei der Erstgeburt nicht dabei war. „Die Mutter der Kaiserin verweilt auf ihrem Landsitze, worüber man sehr erstaunt ist. Sie soll keine Einladung erhalten haben Jedes Ding hat seine Ursache…“ (1)

Kaiser Franz Joseph war überglücklich seine schöne starke Tochter in Händen zu halten. Sisi war erschöpft, aber überglücklich.

Die traurige Geschichte zu Prinzessin Sophie könnt ihr hier nachlesen.

Die ersten Jahre der Ehe können als glücklich angesehen werden. Franz Joseph machte aus seiner Verliebtheit keinen Hehl. Auch Elisabeth dürfte ihrem jungen feschen Mann sehr zugetan gewesen sein.

Erzherzogin Gisel(l)a im Alter von 4 Jahren, Foto: Dorotheum Wien

Was die Kindererziehung betrifft, gehen abermals die Biografen Haslinger und Hamann weit auseinander. Obwohl auch Hamann den Zwist relativiert, scheibt Haslinger von Eitel Wonne seitens Sophie. Fakt ist: der Konflikt, nach dem Erzherzogin Gisella Louise Marie (*12.7.1856, †27.6.1932) geboren wurde, verschlechterte sich seitens Kaiserin Elisabeth zusehends. Herzogin Ludovika (*30.8.1808, †25.1.1892) wurde Taufpatin, reiste aber selbst zur Taufe des Kindes nicht an. Es hieße, sie wolle Erzherzogin Sophie nicht im Wege stehen.

Gisella, die sich später selbst immer nur Gisela schrieb, wurde ebenso wie die kleine Sophie sofort in die Privaträume von Erzherzogin Sophie verlegt, wo sich Kinderfrau Karoline Freifrau von Welden (*13.4.1812, †6.8.1892) aufhielt. Diese war für die Erziehung zuständig. Sie wurde von Erzherzogin Gisela und später von Kronprinz Rudolf sehr geliebt. Ihr liebevoller Spitzname „Wowo“ blieb ihr für den Rest ihres Lebens.

Ingrid Haslinger schreibt in ihrer Sophie-Biografie, dass Kaiserin Elisabeth selbst ihrer Mutter gegenüber gestanden hätte, nichts mit Kleinkindern anfangen zu können. Dem widerspricht sich wiederum Brigitte Hamann, die darüber philosophiert, wie sehr Elisabeth es genossen hätte, als Marie Valérie zur Welt kam.  Wir richten daher den Blick auf die gemeinsame Reise 1856 nach Kärnten und in die Steiermark.

Kaiser Franz Joseph Statue, Kaiser Franz Joseph Höhe, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Gedenktafel unter dem KFJ Denkmal, Großglockner, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiserin Elisabethruhe, Großglockner, Foto: geo.de

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth erlebten eine Zeit, die vom strengen höfischen Zeremoniell komplett abgewandt war. In Lederhose, mit Gamsbarthut und im knappen Lodenkostüm mit derben Bergschuhen machten sich die beiden auf, das Hochgebirge zu erkunden. Auch der Großglockner wurde bestiegen. Als Elisabeth nach drei Stunden Bergmarsch eine Pause machte (sie war noch geschwächt durch die Geburt von Gisela), wurde die Wallnerhütte einfach in „Elisabethruhe“ umbenannt. Kaiser Franz Joseph stieg derweil mit einem Bergführer auf den Hohen Sattel zum Pasterzengletscher, welcher heute „Franz-Joseph-Höhe“ heißt.

Als die beiden zurückkamen, war die Ehe gestärkt und Franz Joseph lehnte sich erstmals (und letztmals) gegen seine Mutter auf.

Er ließ nach der Ankunft die Kinderzimmer in die Radetzky-Räume verlegen; allerdings ohne dass seine Mutter Sophie dies wusste. Diese befand sich zu dieser Zeit in Bad Ischl. Als sie zurückkam und die Veränderung sah, reagierte sie mehr als nur erbost. Ein Schreiben von Kaiser Franz Joseph an seine Mutter zeugt von dieser Auflehnung: „Ich bitte Sie jedoch inständigst, Sisi nachsichtig zu behandeln, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, – sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter!, Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen mit fast gemeinschaftlichem Vorzimmer zu sehen… Übrigens fällt es Sisi gar nicht ein, Ihnen die Kinder entziehen zu wollen… Sehr betrübt hat mich alles, was Sie, liebe Mama, an diese einfache Maßregel knüpfen. Nie würde ich es zugeben, daß Sie Ihre jetzige Wohnung verlassen oder gar, was ich nicht gelesen haben will, ganz aus der Hofburg ziehen würden.“ (2)

Wir können also davon ausgehen, dass es hier zu massiven Problemen kam. Sophie drohte mit Auszug, Elisabeth triumphierte. Sie wurde generell immer stärker. Ihre zurückhaltende Art, ihre Ängste und ihre Weinattacken wurden immer weniger. Sie bemerkte wohl immer mehr, dass sie mit dem Titel „Kaiserin“ Macht hatte, die man ihr so leicht nicht mehr wegnehmen konnte.

Dr. Johann Nepomuk Seeburger, Foto: Wikimedia/Commons

Dr. Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) stellte zu seinem Entsetzen fest, dass Kaiserin Elisabeth sich auf den Auslandsreisen 1856/7 nach Mailand und Venedig nicht schonte. Auch im strömenden Regen stand sie ihrem Mann bei, während er die endlosen Paraden abnahm. Kaiser Franz Joseph, der sehr frostig empfangen wurde und mit einigen Attentatsversuchen zu kämpfen hatte, merkte, dass alle Augen auf seine schöne Frau gerichtet waren. In Staatskleidung stand sie fest hinter ihm. Ihre Lunge machte nicht mehr lange mit. Dr. Seeburger warnte die junge Kaiserin, die nicht hören wollte. Bei Kaiser Franz Joseph blitzte er vollkommen ab. „Ein Pantoffelheld sei er“, beklagte er sich.

Der Hass, der Unmut und das Risiko, dass Kaiser Franz Joseph in Italien entgegenschlug bzw. dem man sich aussetzte, waren der jungen Frau völlig fremd. In Bad Ischl jubelten die Menschenmengen, in Wien huldigte man dem Kaiserpaar, in Kärnten und der Steiermark führten sie beinahe inkognito gemeinsame Bergtouren aus. Was ihr in Wien verhasst war, wurde ihr in Italien recht: Präsentieren, schön sein und im Grunde genommen, wenig Meinung zu haben. Kaiser Franz Joseph verfiel seiner Frau immer mehr. Dass sie absichtlich die Kinder in die Gefahrenzone brachte, bemerkte niemand, außer Erzherzogin Sophie. Der Konflikt ab 1856 war unausweichlich immer mehr zum Problem geworden.

Erzherzog Franz Karl, Foto: austria-forum.org

Als Tochter Sophie starb, war die Trauer groß. Sisi brach zusammen, Franz Joseph überstand die Krise nur mit Disziplin und innerer Härte. Erst sehr viele Jahre später, sollte Erzherzogin Marie Valerie ihren Vater um Baby Sophie trauern sehen: 20. – 22.9.1898 „Mit Papas Gutheissung wird Mamas Toilettenzimmer in der Villa Hermes mit all den gewohnten Sachen hergerichtet… Erinnerungen tauchen auf – längst vergangenes Weh – auch an das baby, das ihr vor mehr als 40 Jahren vorausgegangen, nach denen Papa jetzt fragt, die er aufbewahrt wissen und doch nicht sehen will. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich ihn vom „baby“ sprechen hörte…“ (3)

Kronprinz Rudolf als Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Am 23.8.1858 kam nun endlich der große Stammhalter, Kronprinz Erzherzog Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt (†30.1.1889). Erzherzog Franz Karl wurde sein Taufpate. Mit der Geburt von Rudolf änderte sich schlagartig Elisabeths Laune. Kaiserin Elisabeth wurde auch jetzt wieder nicht von Erzherzogin Sophie gestattet, das Kind selbst zu stillen. Rudolf wurde in die Arme der bäuerlichen Amme Marianka gelegt. Sisi wurde schwer krank. Sie bekam Fieber und litt unter Milchandrang. Als sich ihr Zustand bis zum Winter nicht gelegt hatte, wurde Herzogin Ludovika gerufen.

Kaiser Franz Joseph musste sich seinen Staatsgeschäften hingeben und hatte für die Rekonvaleszenz seiner Frau wenig über. Der Krieg mit Italien 1859 brach aus. Nach dem Graf Grünne und seine Generäle an einigen Schlachten maßlos scheiterten, reiste Kaiser Franz Joseph selbst an die Front. Kaiserin Elisabeth brach beinahe zusammen, als sie von dem Vorhaben erfuhr. Sie begleitete mit den Kindern ihren Mann bis nach Mürzzuschlag. Dort übernahm Generaladjutant Karl Ludwig Graf von Grünne (*25.8.1808, †15.6.1884) Kaiser Franz Joseph. Elisabeth heulte ohne Unterlass. Sie bettelte Graf

Graf Karl Ludwig Grünne, Foto: Wikimedia/Commons

Grünne, dem sie zu diesem Zeitpunkt noch vertraute, um Folgendes an: „Sie denken gewiß immerwährend an Ihr Versprechen und geben recht acht auf den Kaiser; das ist mein einziger Trost in dieser schrecklichen Zeit, daß Sie es immer und bei jeder Gelegenheit tun werden. Wenn ich nicht diese Überzeugung hätte, müßte ich mich ja zu Tode ängstigen. Aber was an Ihnen liegt, werden Sie gewiß auch Thun, um den Kaiser zu bewegen, bald zurückzukommen und Ihn bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, daß Er ja auch in Wien so nothwendig ist. Wenn Sie wüßten, wie ich mich gräme, hätten Sie gewiß Mitleid mit Mir.“ (4)

Hier beginnen nun die erhaltenen und veröffentlichten Briefe von Kaiser Franz Joseph an seine Elisabeth. Diese begannen am 31.5.1859 und endeten am 10.9.1898 (jenen Brief, den Kaiserin Elisabeth nie mehr lesen sollte).

„Verona, 31.5.1859, Meine liebste Engels Sisi, Die ersten Augenblicke nach dem Aufstehen benütze ich, um Dir diese wenigen Zeilen zu schreiben und Dir wieder zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie ich mich nach Dir und den lieben Kindern sehne. Wenn es Dir nur recht gut geht und du Dich so fleißig schonest, wie Du es mir versprochen hast. ……. Es regnet hier alle Tage. Gestern bei meiner Ankunft hat es so gegossen, wie bei unserem nassen Spazierritte. Ich umarme und küsse Dich von ganzem Herzen, mein einziger Engel. Dein treuer Franz – Lasse, bitte, Mama von diesem Briefe wissen, was sie interessirn kann.“ (5)

Erzherzogin Sophie, Foto: Wikimedia/Commons

Wochenlang schrieb Kaiser Franz Joseph aus dem Kriegsgebiet. Teilweise erzählt er von Divisionen, die gerade eingetroffen waren, von Mätressen diverser Generäle, Herzöge oder sonstigen Adeligen, der Sehnsucht nach seiner Engels Sisi und den Kindern. Da die Briefe von Kaiserin Elisabeth (angeblich) nicht erhalten sind, kann man an den Antworten, die Kaiser Franz Joseph verfasste, nur erahnen, was Sisi zurückschrieb.

Handschrift von Kaiser Franz Joseph, Foto: Nationalbibliothek

„Verona den 4. Juni 1859 Mein, lieber einziger Engel! Tausend Dank für Deine lieben Briefe vom 31. und 1., die ich gestern und heute erhielt und für das Billet der lieben Gisela. Auch für die Zusendung des Blattes über Land und Meer und des Vergißmeinnichtes danke ich Dir innigst. Wenn ich nur auch über Dich und Deine theure Gesundheit beruhigt sein könnte. Ich beschwöre Dich, mein Engel, schone Dich und gräme Dich nicht zu sehr, denn mir geht es ganz gut, ich gebe Acht auf mich und ich werde nicht vergessen, was ich Dir versprochen habe und was ich Dir, den Kindern und der Monarchie schuldig bin. Schreibe mir doch auch, was Du machst und wie Du und die Kinder den Tag zubringst. Das interessiert mich sehr. Ich lasse auch der Mama vielmals für Ihren Brief vom 31. danken und um Verzeihung bitten, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe zu antworten. Vergesse nicht, dies in Schönbrunn auszurichten. ……  Nun muß ich schliessen, um Schlafen zu gehen. Ich habe gegründete Hoffnung, daß ich Dir bald gute Nachricht telegraphiren kann Küsse unsere lieben Kinder von mir, vertraue auf unseren lieben Herr Gott im Himmel und sei guten Muthes. Dem Papa und der Mama küsse die Hände. In dem ich Dich in Gedanken umarme und küsse, bleibe ich ewig Dein treuer Franz – Theile der Mama die in diesem Briefe enthaltenen Nachrichten mit.“ (6)

Auch hier werden wieder Divisionen und Namen von Personen genannt, die zum Ort des Geschehens kamen.

Der Krieg war unaufhörlich und so zogen sich die Wochen dahin. Als Verwundete in Wien eintrafen, erbarmte sich Kaiserin Elisabeth und öffnete die Pforten von Schloss Laxenburg, um ein Lazarett einzurichten.

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Knochenkapelle Ossario di Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Kaiser Franz Joseph schrieb: „Verona den 3. Juli 1859 Meine innigstgeliebe, arme Sisi  …… Von hier schaffen wir jetzt so viele Blessierte und Kranke weg, als möglich. Wenn nur für sie gut gesorgt wird und uns hierher recht viel Charpie, Bandagen und Wäsche geschickt wird. Dein Wein ist angekommen. Daß Du ein Spital in Laxenburg etablirst, ist herrlich. Für beides nehme meinen innigsten Dank. Du bist mein guter Engel und hilfst mir sehr viel .… Dein treuer Franz“ (7)

Er schrieb Briefe über Briefe, in denen von einer Krankheit Giselas zu lesen ist, die Sorge um Sisi, die gesundheitlich angeschlagen war und um das Lazarett in Laxenburg, das sich bald auf alle Gebäude erstrecken sollte.

Kaiser Franz Joseph, zu dem Zeitpunkt der Schlacht von Solferino 29 Jahre alt, scheiterte auf der ganzen Linie. Obwohl er sich seit seiner Kindheit mit dem Militär auseinandersetzte, war er als Führer der Armee zu unerfahren. Zehntausende Tote hatte der Krieg zur Folge, ein Gemetzel der besonderen Abscheulichkeit wurde geboten. Jean-Henri Dunant (*8.5.1828, †30.10.1910) wurde Zeuge der brutalen Schlacht und gründete darauf hin das Rote Kreuz. Es war des Kaisers größte Niederlage. Der Schlachtenruf „Löwen von Eseln geführt“, machte die Runde. Die Untertanen hungerten bis zum Tod, das Land schien dem Untergang geweiht. Eine Revolution stand kurz bevor, man wollte anstatt Kaiser Franz Joseph den jungen, liberalen Erzherzog Ferdinand Maximilian (*6.7.1832, †19.6.1867)  auf dem Thron sehen. Franz Joseph, der immer ein schwieriges Verhältnis zu Max hatte, sah seine Felle davonschwimmen. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) gab Kaiser Franz Joseph die Hauptschuld an der Niederlage.

Henri Dunant Denkmal, Solferino, Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

Henri Dunant, Foto: roteskreuz.at

Solferino sollte aber auch im Privatleben der Untergang des jungvermählten Paares werden. Elisabeth sah das Ausmaß des Krieges mit voller Wucht. Die Kranken und Verwundeten, die den Weg nach Wien gefunden hatten, fanden kaum noch Aufnahme. Die Spitäler waren heillos überfordert, weshalb Kirchen, Klöster, Schlösser und Palais aller Art geöffnet wurden, um die Verwundeten aufzunehmen. Viele Tote musste Kaiserin Elisabeth sehen, Verletzungen behandeln, mit denen sie bis dahin nicht ansatzweise in Berührung kam und das Geschrei der Soldaten ertragen. Ein Umstand, den die junge Kaiserin sehr mitnahm. All das legte sie in den Briefen an ihren Mann zwar nicht offen, aber sie klagte offen ihre Schwiegermutter an, die ihren Mann animierte, für die Monarchie das Richtige zu tun. Elisabeth fing an, die liberalen Tageszeitungen zu lesen und war schnell der Überzeugung, dass die „reine Monarchie“ nichts mehr mit dem zu tun hatte, was die Bevölkerung wollte und brauchte. Der Anfang vom Ende?

Elisabeth wollte sich in die Politik einmischen. Sie schrieb an ihren Mann, dass er doch den Frieden anstreben solle. Das Volk wollte einen Schuldigen und fand diesen in Graf Grünne. Sie bat den Kaiser diesen zu entlassen. Kaiser Franz Joseph reagierte erzürnt „von einer Änderung sei nie die Rede gewesen und ich denke gar nicht daran. Überhaupt bitte ich Dich nicht zu glauben, was in den Zeitungen steht, die so viel dummes und falsches Zeug schreiben.“ (8) Stattdessen sollte Sisi lieber essen und schlafen, viel weniger Reiten und sich um die häuslichen Dinge, wie die Kinder, kümmern. Auch in „Anstalten“ solle sie sich zeigen, es würde die Leute in Wien aufrichten. Die Vorwürfe an die mittlerweile 21jährige Kaiserin klangen hart.

Kaiser Franz Joseph musste sich aber bald eingestehen, dass der Frieden unausweichlich war. Napoleon III (*20.4.1808, †9.1.1873) drängte ihn zur Aufgabe. In der Villafranco wurde die Lombardei von Österreich abgekoppelt.

Herzogin Ludovika, Foto: Wikimedia/Commons

Nur Elisabeth sah die Entwicklung in der Bevölkerung mit Argwohn. Erzherzog Franz Karl lehnte eine Bestürzung der Untertanen ab, da er noch gegrüßt wurde, Herzogin Ludovika empfand die Stimmung gegen ihren Schwiegersohn als empörend, verleumderisch, verlogen und unaussprechlich ungerecht. Erzherzogin Sophie sah ihren Sohn natürlich immer noch in der „Alleinherrschaft des Gottes Gnadentum“. Je mehr Kaiserin Elisabeth liberal wurde, desto mehr rotteten sich die Habsburger gegen sie zusammen. Eine liberale Kaiserin, die ihren Mann politisch hinterfragte, wollte man nicht am erzkonservativem Wiener Hof. Sisi wurde trübsinniger, sah nur noch schwarz und ließ sich auch von den Briefen ihres Mannes nicht mehr beruhigen. Sie glaubte, dass Sophie all ihre Mächte zusammenraffte, um ihr und Kaiser Franz Joseph zu schaden.

Was genau der eigentliche Grund für die Flucht von Kaiserin Elisabeth im Jahr 1860 war, wird wohl nie mehr aufgeklärt werden können (zumindest solange nicht, bis ihr gesamter Nachlass veröffentlicht wird).

Obwohl das Habsburger Reich und auch einige andere europäische Staaten im höchster Bedrängnis waren, begann Kaiserin Elisabeth so genannte „Waisenbälle“ zu organisieren. Im Frühjahr feierte sie insgesamt sechs solcher Bälle. Dabei wurden die Damen und Herren der höchsten adeligen Gesellschaft geladen; allerdings durften die Damen ihre Mütter nicht mitnehmen. Die Mädchen waren alle im Alter von Kaiserin Elisabeth oder jünger. Ein Fauxpas, wenn man bedenkt, dass eine Frau niemals ohne Begleitung das Haus verlassen durfte und wenn, dann nur in der Begleitung ihrer Mutter und/oder einer Gouvernante oder gar nicht. Elisabeth setzte sich durch, die Damen erschienen ohne Geleit. Der einzige Hintergrund dieser Bälle war: Erzherzogin Sophie wurde damit ebenfalls der Zutritt verweigert. Elisabeth sträubte sich immer mehr, mit Sophie Zeit zu verbringen.

Herzogin Sophie Charlotte von Alecon, Schwester von Kaiserin Elisabeth Foto: Wikimedia/Commons

Der nächste Bruch war, dass Kaiser Franz Joseph mit Liäsonen außerhalb der Ehe begann. Im Adel jener Zeit war es üblich, den Frauen fremdzugehen. Die Männer nahmen sich heraus, was zu nehmen war. Die Frau hatte klaglos darüber zu sein. Drehte eine Frau den Spieß um, wurde daraus eine öffentliche Schlammschlacht, die immer negativ für die Frau von Welt ausging (siehe Louise von Sachsen-Coburg (*18.2.1858, †1.3.1924) (Schwester von Kronprinzessin Stephanie) oder Sophie Charlotte von Aleçon (*23.2.1847, †4.5.1897) (Kaiserin Elisabeths Schwester), die beide in der Irrenanstalt landeten. 

Prinzessin Louise von Sachsen-Coburg, Schwester von Kronprinzessin Stephanie, Foto: Wikimedia/Commons

Doch Elisabeth war naiv genug zu glauben, dass sie ihrem Mann genügen würde, nannte er sie doch Tag und Nacht seine „Engels Sisi“. Es war keine Zweckehe, die hier eingegangen wurde. Kaiser Franz Joseph hatte Elisabeth Herzogin in Bayern bewusst gewählt. Er hatte sich in sie verliebt. Ob sich die fünfzehnjährige Sisi in den Kaiser verliebt hatte, darüber kann man spekulieren. Wir alle haben mit Fünfzehn geliebt aber war es die Liebe fürs Leben? Bei den meisten wohl eher nicht.

Bahnhof Linz der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, Foto: Wikimedia/Commons

Als Kaiser Franz Joseph mit seinen zahlreichen Affären begann (Teil 5 meiner Serie findet ihr hier), stürzte die letzte Barriere für Elisabeth ein. Bereits im Juli 1860 folgte der nächste Eklat. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth stritten so massiv, dass Sisi mit Gisela nach Possenhofen fuhr. Die Reise war eine Flucht. Dabei war es ihr völlig egal, dass sie die Eröffnungsfeierlichkeiten für die neue „Kaiserin-Elisabeth-Westbahn“ (heute Weststrecke) durcheinander brachte. Sie fuhr mit der Bahn von Wien nach München.

Herzogin Mathilde in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, fuhr sie am 18.8.1860 mit ihrem Bruder Herzog Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) und ihrer Schwester Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) zurück nach Salzburg. Kaiser Franz Joseph kam ihr in Salzburg mit Erzherzogin Sophie entgegen. Die Mitnahme ihres Lieblingsbruders und von Mathilde kann man als Zeichen der Unsicherheit vor ihrem Ehemann und vor allem vor Sophie werten.

Herzog Karl Theodor in Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph fiel aus allen Wolken, als ihm seine Frau im Spätherbst eröffnete, dass sie nach Madeira wollte. Sie fühlte sich seit Wochen krank, fieberte und hustete. Im Kaiserreich war es aber üblich, die Wintermonate in Arco oder in Meran zu verbringen. Elisabeth setzte sich wieder einmal durch.

Während sich der Kaiser von Laxenburg aus (das Paar wohnte immer noch im Schloss Laxenburg) wieder mehr seiner Mutter zuwandte, kümmerte sich Sisi um ihre Sommergarderobe. Dies heizte wilde Spekulationen an: wäre es einer Todkranken nicht egal, welches Kleid sie anhabe? Auch, dass sie die junge Witwe Mathilde Prinzessin von Windischgrätz (*5.12.1835, †1907) zu ihrer Hofdame machte, verwunderte den Hof. Gräfin Esterházy wurde dazu bestimmt, bei den Kindern in Wien zu bleiben. Hofdame Windischgrätz, eine junge Witwe, deren Mann in Solferino fiel, musste sich ebenso von ihrem Kleinkind verabschieden. Ein Umstand, der noch merkwürdiger war, als sowieso schon die ganze Reise an sich.

Prinzessin Mathilde von Windischgrätz, Foto: Wikimedia/Commons

Die Nachricht, dass die junge Kaiserin für längere Zeit Wien verlassen musste, da sie Lungenkrank sei, bestürzte ganz Europa. Queen Victoria (*24.5.1819, †22.1.1901) stellte ihre Privatjacht zur Verfügung, da es im Kaiserreich keine geeignete Jacht gab. Auch hier setzte Elisabeth ihren Willen durch. Sie nahm zwar die Jacht, lehnte aber die Einladung ins britische Königshaus kategorisch ab. Sie möge inkognito reisen, lautete die lapidare Absage.

Biograph Conte Corti bringt die Sache auf den wesentlichen Punkt: „Der Deckmantel der Krankheit wird das alles abschwächen, und sie ist ja auch wirklich krank, ihr geistiger Zustand nimmt auch den Körper hart mit. Und was sonst eine kleine Anämie, ein unbedeutender Husten wäre, wird unter solchen Verhältnissen fast wirklich eine Krankheit.“ (9) Veröffentlicht hatte er diese Sätze nie. Brigitte Hamann fand diese, als sie in seinem Manuskript recherchierte. Corti galt als kaisertreu und strich die Bosheit sofort wieder heraus. Auch jene über Erzherzogin Sophie, die ebenfalls Hamann übernahm: „Sie aber weiß genau Bescheid und ist bloß empört über die pflichtvergessene Elisabeth, die wie sie meint, nur eine Krankheit vorspiegelt, um dem Winter zu entfliehen und ihren merkwürdigen Lebensgewohnheiten ungenierter nachleben zu können.“ (10)

Foto: genee.org

Im November fuhr Elisabeth los. Leider sind die Briefe in jener Zeit von Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth nicht erhalten. Fünf Monate sollte der Aufenthalt nur dauern. Sechs Monate später kam sie zurück. Kaiser Franz Joseph fuhr nach Triest, um seine Elisabeth entgegenzunehmen. Die Menschen jubelten ihr zu. Man fuhr nach Schloss Laxenburg, wo das Paar hoffte, seinen geregelten Tagesablauf wieder aufnehmen zu können. Als Elisabeth zum ersten Cercle nach Wien zurückmusste, wurde sie wieder von heftigen Hustenanfällen geplagt. Sie suchte die Einsamkeit und wollte niemanden zu sich lassen.

Vier Tage später war klar, dass Elisabeth wieder ins Ausland musste. Diesmal nach Korfu. Elisabeth dachte, sie müsse sterben und verabschiedete sich theatralisch von ihrer Tante, die gleichzeitig ihre Schwiegermutter war. Sophie notierte: „Traurige Trennung von unserer armen Sisi, vielleicht fürs Leben. Sie weinte und war extrem bewegt und bat mich um Verzeihung für den Fall, daß sie für mich nicht so gewesen ist, wie sie es hätte sein sollen. Ich kann meinen Schmerz, den ich empfand, nicht ausdrücken, er zerriß mir mein Herz. Der Kinderfrau Leopoldine Nischer (Anmerkung: *1813, †1883) empfahl Sisi beim Abschied die Kinder an mit den Worten: „es wäre ja das einzige, was dem Kaiser bliebe!“ (11)

Erzherzog Ferdinand Maximilian, Foto: Wikimedia/Commons

Als Elisabeth von Laxenburg abfuhr, hätte man meinen können, ein Leichenwagen zöge vorbei. So betrübt und theatralisch war die Stimmung. Kaiser Franz Joseph begleitete sie selbstverständlich nach Triest, wo auch ihr Lieblingsschwager Erzherzog Ferdinand Maximilian auf sie wartete. Mit einer Gefolgschaft von dreiundreissig Personen stieg Kaiserin Elisabeth auf das Schiff. Doch schon auf der Überfahrt änderte sich schlagartig ihr Gemüt. Sie aß, lachte und war übermütig. In Wien verbreitete sich indes das Gerücht, die junge Kaiserin sei verstorben.

Im Juli beging Kaiser Franz Joseph einen folgenschweren Fehler.

Gräfin Marie Festetics, Hofdame, Foto: Wikimedia/Commons

Er übersandte als Botschafter Graf von Grünne. Der Inhalt des Gesprächs ist leider bis heute nicht überliefert. Es eskalierte allerdings derartig, dass Elisabeth nie wieder ein Wort mit Graf Grünne sprach. Einige Szenen aus dem Gespräch erzählte sie wohl später ihrer Hofdame und engen Vertrauten, Marie Gräfin Festetics (*20.10.1839, †17.4.1923). Von Betrug sei die Rede gewesen, von Maßregelungen in Richtung des Kaiserhauses und von Ratschlägen, die bei der jungen Kaiserin falsch ankamen. Gräfin Festetics schrieb am 12.4.1872 in Ofen in ihr Tagebuch: „Jetzt entsanken die Zügel seinem eisernen Griffe, er ist Oberstallmeister Seiner Majestät (Anmerkung: Graf von Grünne wurde nach dem verlorenen Italien Krieg vom Flügeladjutant zum Oberstallmeister „degradiert), ist noch wichtig genug. Eng verbündet mit Erzherzogin Sophie, ist er unter der Maske der größten Gutmütigkeit ein Feind der Kaiserin und dabei doch unter Ihrem „Charme“. Wie, warum, das weiß ich alles nicht. Ich kenne ja das Getriebe und Gewebe nicht, sage nur, was ich sehe und aus einzelnen Worten erhöre.“ (12)

Auch hier sind die Briefe zwischen dem Ehepaar nicht erhalten. Den ersten Brief, den ich finden konnte, war an seine Mutter Erzherzogin Sophie.

Helene und Max von Thurn und Taxis mit Kindern, Foto: Wikimedia/Commons

Wien, den 2. September 1861 Liebe Mama, erst heute komme ich dazu, Ihnen für Ihren lieben Brief vom 22.v.M. zu danken. …… Von Sisi habe ich Gottlob recht befriedigende Nachrichten. Sie hat sich über Helenes Ankunft sehr gefreut, ist recht heiter, fährt zu Wagen und zu Schiff und ißt über Andringen ihrer Schwester jetzt viel mehr Fleisch und trinkt mittags und abends Bier. Infolge der kühlen Witterung, die nach einem starken Gewitter auf in Korfu eingetreten ist, hat sie leider wieder mehr gehustet, allein der Arzt legt der Sache keine Bedeutung bei. Die lieben Kinder, die ich vorigen Mittwoch das letztemal besuchte, sind immer sehr wohl und heiter. Die Gesellschaft des Max Taxis (Anmerkung: Maximilian Thurn und Taxis (*28.9.1831, †26.6.1867), Helenes Ehemann), der seinen Aufenthalt, meinem Wunsche entsprechend, noch verlängert hat, ist mir sehr angenehm und erheiternd. … Ihr treuer Sohn Franz. (13)

In weiteren Briefen erzählte Franz Joseph, dass er die Kinder in Reichenau an der Rax besucht hätte und sich nach Sisi sehne, der es besser gehen soll. Außerdem ging er jagen und empfing allerlei Gäste.

Des Weiteren machte er sich auf den Weg nach Korfu, um seine „schwer erkrankte“ Frau zu besuchen. Er schrieb am 16.10.1861 folgenden Brief an seine Mutter: „Liebe Mama, nach einer herrlichen und vom ruhigen Wetter begünstigten Seereise bin ich glücklich in diesem irdischen Paradiese angekommen und habe Gottlob über meine Erwartung Erfreuliches gefunden. Sisi ist wirklich viel besser, besonders kräftiger und sieht sehr gut aus. Sie ist stärker geworden, ist wohl noch ein wenig aufgedunsen im Gesicht, hat aber meistens gute Farben; sie hustet sehr wenig und ohne Brustschmerz, und die Nerven sind viel ruhiger. Sie befolgt ein vortreffliches Regime, ißt dreimal des Tages viel Fleisch und trinkt Bier; Obst ißt sie gar nicht mehr. Auch geht sie viel zu Fuß, so wie das Wetter es erlaubt. Ich habe Sisi so wohl gefunden, daß ich mich entschlossen habe, sie für den Winter nach Venedig gehen zu lassen, so sie doch näher und innerhalb der Monarchie ist, wo ich sie leichter und öfter besuchen und wo sie auch die Kinder sehen kann, nach denen sie sich natürlich sehr sehnt. Sie ist in Venedig auch viel mehr vor der rauhen Luft geschützt und findet mehr Ansprache und geselligen Umgang und hofft auch, daß Charlotte sie manchmal besuchen wird. Wie glücklich ich über die Möglichkeit bin, Sisi näher zu haben, können Sie sich wohl denken, liebe Mama. ….. Sisi küßt Ihnen und dem lieben Papa die Hände, und indem ich ein Gleiches tue, bleibe ich Ihr treuer Sohn Franz. (14)

Karoline Freifrau von Welden „Wowo“, die Kinderfrau von Erzherzogin Gisel(l)a und Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Der Umstand, dass seine Frau nun nach Venedig „durfte“, wurde baldigst durchgeführt. Doch die Kinder durften nicht auf Dauer nach Venedig. Erzherzogin Sophie hielt ihrem Sohn vor, dass Wasser sei schlecht für deren Gesundheit. Deshalb ließ Franz Joseph seiner Frau und den Kindern täglich frisches Wasser von Wien schicken. Voraussetzung der Besuche der Kinder war, dass Gräfin Esterházy diese nach Italien begleiten durfte. So hatte Sophie täglich Berichte über die Kinder und über ihre Schwiegertochter erhalten. Es kam wie es kommen musste. Sophie mischte wieder einmal kräftig über die ohnehin schon verachtete Gräfin Sophie Esterházy-Liechtenstein (*5.9.1798, †17.6.1869) mit.

Elisabeth hatte nun endlich ihren Kampfgeist wieder zurück. Sie setzte bei ihrem Gatten Kaiser Franz Joseph durch, dass dieser die verhasste Obersthofmeisterin und Spionin von Erzherzogin Sophie entließ. Ihrer Mutter Ludovika wurde die eigene Tochter immer peinlicher. Diese beklagte sich lautstark über den Umgang mit der armen Sophie Esterházy.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Eliabeth in der Gondola, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth in der Gondola (Nahaufnahme), Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Kaiser Franz Joseph besuchte seine geliebte Engels Sisi zweimal in Venedig. Beim zweiten Mal nahm er den dreijährigen Kronprinz Rudolf mit. Doch auch hier kümmerte er sich weniger um seine „kranke“ Gemahlin, sondern um Paradenabnahmen und Truppeninspektionen. Das Verhältnis der Eheleute war mittlerweile auf ein eisiges Schweigen abgeflaut. Zu lange war Elisabeth nicht mehr in Wien, zu wenig Verständnis hatte der Kaiser für seine Frau.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Vielleicht dämmerte es ihm bereits, dass sie mit ihren „vorgehaltenen“ Krankheiten nur ihren Willen durchsetzen wollte. Die Kaiserappartements in Venedig sind heute übrigens im Museum Correr öffentlich zugänglich. Und wer diese sieht, wird schnell wissen, warum sich Kaiserin Elisabeth sieben weitere Monate mit dem „Gesundwerden“ Zeit ließ.

Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Erst im Mai 1862 traf Kaiserin Elisabeth in Reichenau an der Rax ein. Ohne Wien einen Besuch abzustatten, fuhr sie mit Dr. Heinrich Fischer (*1814, †1874), ihrem Leibarzt, nach Bad Kissingen. Der Hohn und Spott hätte nicht größer sein können. Kaiserin Elisabeth wurde verspottet, weil sie angeblich ihre schönsten Zähne in Kissingen verlor, Kaiser Franz Joseph wurde durch die Presse gejagt, weil er auf Geheiß seiner Frau den Backenbart abrasiert hatte, weil ihr dieser nicht gefiele. Tägliche Meldungen was Kaiserin Elisabeth trüge, inkl. Farbe des Sonnenschirms, wurden in den Zeitungen veröffentlicht. Daneben allerdings auch die Meldungen der Bankrotte, Selbstmorde und Arbeitslosigkeiten im Land. Die Kluft zwischen Adel und Volk, reich und arm, wurde immer größer.

Bad Kissingen, Foto: Wikimedia/Commons

Bereits im Juli erschienen die ersten positiven Zeitungsmeldungen: Der Kaiserin ginge es besser. Die ganze Familie besuchte Sisi in Kissingen. Nach Bad Kissingen verschanzte sie sich im Schloss Possenhofen und nahm vergnügt ihr Leben wieder auf. Sie war mit ihren Geschwistern zusammen, fast alle waren zu Besuch bei ihrer Mutter. Herzog Max (*4.12.1808, †15.11.1888) befahl Sisi, wieder nach Hause zu kehren. Doch Elisabeth weigerte sich, nach Bad Ischl zu fahren, da sich die Kaiserfamilie im Sommer immer dort aufhalten würde.

Graf Franz Folliot de Crenneville, Foto: Wikimedia/Commons

Graf Franz Folliot de Crenneville (*22.3.1815, †22.6.1888), Generaladjutant Seiner Majestät , war nach Possenhofen gekommen, um Elisabeth nach Ischl abzuholen. Als sie sich weiterhin strikt weigerte, notierte er in sein Tagebuch: „Oh die Weiber, die Weiber!!!! mit und ohne Krone, in Seide oder percale gekleidet haben Capricen und wenige sind ausgenommen.“ (15)

Am 11.8.1862 schrieb Franz Joseph an seine Mutter in Ischl: „Liebe Mama…… Von Sisi habe ich immer gute Nachrichten, so daß ich hoffe, daß sie recht bald wird zurückommen können. Sie war über Ludwigs (Anmerkung: Erzherzog Karl Ludwig (30.7.1833, †19.5.1896), Bruder von Kaiser Franz Joseph) in Possenhofen sehr erfreut. … Ihr treuer Sohn Franz“ (16)

Kurz vor dem Geburtstag Seiner Majestät fuhr Kaiserin Elisabeth nach Wien. Sie verließ im November 1860 die Hauptstadt und kehrte (circa) am 16.8.1862 erst wieder zurück. Fast zwei Jahre lang war sie unterwegs gewesen, um „Gesund“ zu werden. In der Zeit fehlte sie ihren Kindern und ihrem Land.

Erzherzog Karl Ludwig, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph freute sich so derartig auf seine Frau, dass er ihr bis Freilassing entgegenfuhr, wo er sie feierlich übernahm. Die Lokomotiven wurden festlich geschmückt und an den Bahnhöfen waren bayrische und schwarzgelbe Fahnen gehisst. Am Bahnhof Hütteldorf sang ein Männergesangsverein, in Schönbrunn warteten die Trompeter „Jäger-Hornisten“ auf sie. Der Empfang glich der einer Braut.

Doch der Schein trog. Anstatt ihre Verwandtschaft in Schönbrunn freudig zu begrüßen, wirkte sie steif, tonlos und täuschte eine schwere Migräneattacke vor. Sie zog sich in ihre Appartements zurück und war für niemanden zu sprechen.

Sisi-Schloss in Reichenau an der Rax (ehemals Rudolfsvilla), Foto: sisi-schloss.at

Im Brief vom 25.8.1862 an seine Mutter, ist von all dem nicht die Rede. Entweder wollte Franz Joseph seine Mutter nicht beunruhigen, oder er verschloss wirklich die Augen vor der Tatsache. „Liebe Mama, …., denn neben den Geschäften mußte ich doch auch oft mit Sisi ausgehen, die sehr viel Bewegung macht, was ihrer Gesundheit sehr zuträglich ist. Dann nahmen die Eisenbahnfahrten nach Reichenau und wieder herein und eine Fahrt ins Lager auch viel Zeit in Anspruch. Wie glücklich ich bin, Sisi wieder bei mir zu haben und dadurch endlich nach langen Entbehren ein „zu Hause“ zu besitzen, brauche ich nicht erst zu sagen. Sisi ist Gottlob recht wohl, sieht verhältnismäßig gut aus, hat immer gute Farben, guten Appetit und macht sehr viel Bewegung, ohne Ermüdung zu fühlen. Nur die volle Gelenkigkeit in den Füßen ist noch nicht ganz hergestellt, aber auch dieses bessert sich von zu Tag. Ich bin sehr froh, daß sie jetzt in Reichenau noch die gute Gebirgsluft genießen kann, denn hier ist es noch nicht frisch genug und bei Sonnenschein zu heiß und drückend. Besonders die Tage, die wir gleich nach Sisis Ankunft mit den Kindern hier zubrachten, waren sehr heiß und es blies dabei ein sehr angreifender Scirocco. ….Wir sind am 18. früh mit Gackel (Anmerkung: Herzog Karl Theodor, Bruder von Kaiserin Elisabeth) nach Reichenau, um meinen Geburtstag dort zu feiern. In der folgenden Nacht verließ uns Gackel, um nach München zurückzukehren. Rudolphs Geburtstag wurde sehr feierlich begangen; am Vorabende eine Menge Bergfeuer und Musik. Am Morgen Musik, 101 Pöllerschüsse, Aufzug der Bergleute, Jäger, Holzknechte …… Der Empfang, den Sisi hier fand, war wirklich sehr herzlich und wohltuend.“ (17)

Doch die Kluft des Fernbleibens hatte tiefe Wunden hinterlassen. Elisabeth hatte sich entfremdet. Sie konnte Zeit ihres Lebens mit Gisela und Rudolf kein herzliches Verhältnis mehr aufbauen. Kaiser Franz Joseph betete seine Frau noch immer an und würde das noch im Greisenalter tun, verstand sie allerdings nicht mehr, bzw. hatte sie in Wirklichkeit nie verstanden.

Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, Foto: Wikimedia/Commons

Die Briefe von Kaiser Franz Joseph an seinen „Geliebten Engel“, wie er jetzt schrieb, beginnen wieder 1866. Sie weilte in Ungarn und war zu dieser Zeit bereits in Gesellschaft von Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka (*3.3.1823, †18.2.1890). Kaiserin Elisabeth weilte Monate in Ungarn und schrieb unzählige Briefe. Einmal weckte man den Kaiser um 1.30 Uhr morgens, da ein Brief Ihrer Majestät eingelangt sei. Obwohl er sich freute, diesen erhalten zu haben, wollte er ab sofort nicht mehr geweckt werden. Der Eilbrief hatte also Banalitäten zum Inhalt. Ansonsten wurden die Briefe fordernder und immer konkreter nach einem Wiedersehen, dem sich Elisabeth wohl verweigerte. Sogar die Sehnsucht der Kinder dürfte sie kalt gelassen haben. Sie kam nicht zurück. Ab dem 18.7.1866 kann man die Schlußformel „Männchen“, „Mäneken“ und „Kleiner“ lesen, Letzteres wurde immer öfter und ab dann regelmäßig mit „Kl“ abgekürzt.

Wenn Kaiserin Elisabeth zurück kam, waren es immer nur wenige Tage. Am 4.8.1866 schrieb Kaiser Franz Joseph: „Schönbrunn, den 4.8.1866, ½ 6 Uhr Früh, Mein lieber Engel, Jetzt bin ich wieder mit meinem vielen Kummer allein und sehne mich nach Dir. Komme bald, wieder, mich zu besuchen, das heißt wenn es Deine Kräfte und Deine Gesundheit erlauben, denn, wenn Du auch recht bös und sekant warst, so habe ich Dich doch so unendlich lieb, daß ich ohne Dich nicht sein kann. Schone Dich nur recht und gebe beim Reiten acht, denn ich ängstige mich sehr…. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Dich innigst liebender Kleiner“ (18)

Die Briefe mit ähnlichem Inhalt – mal kommt sie, um nach kurzer Zeit wieder zu gehen – ziehen sich bis 1867 hin. Manchmal setzt sie sich gegen Erzherzogin Sophie durch und nimmt die Kinder für eine Weile nach Ungarn mit.

Krönungszeremonie, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiser Franz Joseph, Foto: billerantik.de

Kaiserin Elisabeth im Krönungskleid, Foto: austria-forum.org

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der ungarische Ausgleich wurde am 8.7.1867 mit einer pompösen Krönungsfeierlichkeit gefeiert. Zehn Monate später sollte die letzte Kaisertochter geboren werden: Erzherzogin Marie Valérie (*22.4.1868, †6.9.1924). Der Wiener Hof ätzte, dass es Graf Andrássys Kind sei, was Elisabeth zu Ohren kam. Sollte es eine Möglichkeit der Versöhnung gegeben haben, hatte diese Kaiser Franz Joseph verspielt. Er stand ihr auch hier nicht bei und nahm das Getratsche nicht ernst. Elisabeth jedoch nahm sich dies sehr zu Herzen.

Doch gerade Marie Valérie, die in Wien „Die Einzige“ genannt wurde, war ihrem Vater äußerlich ähnlicher als alle anderen Kinder. Die Kindstaufe fand in der Ofener Burg unter großem Prunk statt. Als Taufpaten fungierten die Schwestern von Elisabeth: Gräfin Mathilde von Trani und Königin Marie von Neapel (*4.10.1841, †19.1.1925).

Stammbaum: Marie Festetics, Fotos: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Marie Valérie, Kleinkind, Foto: Nationalbibliothek

Valérie wurde von ihrer Mutter abgöttisch geliebt, aber auch, wie heute ähnlich den Helikoptermüttern, kategorisch vor Allem abgeschirmt. In späten Jahren beklagte sie sich, dass sie ihren Vater im Grunde gar nicht kannte. Ein Familienleben, lernte sie erst mit ihrem Mann Franz Salvator kennen. In dieses band sie dann ihren alternden Vater, der ab 1898 Witwer war, massiv mit ein.
Das Kind der Beiden war wohl ein Aufflackern alter Gefühle und Liebe und die Glückseligkeit, dass Elisabeth in Ungarn den Ausgleich erzielt hatte. Seit 1866 versuchte sie ihren Mann davon zu überzeugen, dass dies die einzige Möglichkeit war.

Danach blieb der Kaiser wieder die meiste Zeit allein. Elisabeth blieb in Ungarn und zog ihre Tochter mit Hilfe des (unbeliebten) englischen Kindermädchens Mary „Minny“ Throckmorton auf (*1832, †11.12.1919) auf. Ab 1874 Jahren reiste Kaiserin Elisabeth öfter nach Irland und England, wo sie nicht nur die Habsburg-Monarchie brüskierte, sondern auch Queen Victoria. 1879 überwarf sie sich mit ihrer Schwester Königin Marie von Neapel und sprach nie wieder ein Wort mit ihr. Zu Kronprinz Rudolf hatte Elisabeth sowieso ein schwer angespanntes Verhältnis; als sich dieser Maries Gerüchten um eine Affäre mit Bay Middleton (*16.4.1846, †9.4.1892) (den Bericht könnt ihr hier nachlesen) anschloss, überwarf sie sich eine zeitlang auch mit ihrem Sohn.

Wer indes glaubt, dass Kaiser Franz Joseph Tag und Nacht allein in Wien in Schloss Schönbrunn oder Hofburg vor sich hin tristeste, irrt. Er fuhr genauso in der Weltgeschichte herum, wie Kaiserin Elisabeth selbst. An Bord des Donaudampfschiffes „Sophie“ fuhr er nach Bazias um von dort nach Constantinople zu gelangen. Er wohnte im Palais Impérial de Bechiktach. Von dort schrieb er Unmengen an Briefen und erhielt wiederum Telegramme von Kaiserin Elisabeth. Im November 1869 weilte er in Athen und passierte mit dem Schiff „Greiff“ Rhodos und Zypern, um nach Jerusalem zu fahren, wo er am 11.11.1869 ankam. Er schrieb seitenweise Reiseberichte, von einem Sektionschef Hofmann, der nicht reiten könne und prompt vom Pferd fiel und sich den Arm brach usw. Von Jerusalem ging es nach Cairo und nach Alexandria.

Am 30.11.1869 schrieb Kaiser Franz Joseph an seine Sisi: „Am Greif, Hafen von Corfu den 30. Novbr., 2 Uhr Nachtmittag ….. In 2 Stunden geht hier der Lloyd Schnelldampfer durch und so expedire ich mit demselben den Kurier, der Dir diesen Brief noch einigen Stunden vor meinem Eintreffen in Triest überbringen kann. Ich kann nicht vor der Nacht vom 2. zum 3. oder am 3. in der Früh dort eintreffen und so bitte ich Dich recht schön, lieber Engel, mich so lange es geht, im Bett zu erwarten, denn das ist doch das schönste Wiedersehen nach so langer Zeit. Etwas trauriges hat dieses Wiedersehen bei dem Gedanken, daß es für so kurze Zeit ist und ich dann wieder so lang ohne Dich, allein bleiben muß. Es wird eine recht harte Zeit in Wien werden! In der Hoffnung Dich baldigst wirklich umarmen und küssen zu können, bleibe ich Dein, Dich innigst liebender Kl“ (19)

Erzherzog Franz Karl, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf vor dem Sarg von Erzherzogin Sophie, Hofkapelle 1872, Foto: austria-forum.org

Am 28.5.1872 starb Erzherzogin Sophie. Kaiserin Elisabeth weilte zu dieser Zeit gerade in Wien und eilte zwischen Hofburg und Schloss Schönbrunn, wo Valérie krank darnieder lag, hin und her. Ausgerechnet, als sie sich gerade vom Krankenbett der Schwiegermutter erhob, um nach Schönbrunn zu eilen, erhielt sie nach ihrer Ankunft ein Telegramm. Marie Festetics überreichte ihr dies. Mit Windeseile jagte sie in der Kutsche zurück zur Hofburg: „Die Kaiserin war furchtbar aufgeregt und ich hatte eine Todesangst, die Erzherzogin könnte sterben und wie die Menschen sind, hätten sie noch gesagt, die Kaiserin hätte es zu Fleiß gethan.“ (20)

Leider ist aus dieser Zeit aus den Briefen nichts zu erfahren, da diese von 1869 – 1874 nicht erhalten (oder veröffentlicht) sind. 1874 begann die Reise nach St. Petersburg, wo er ebenso viel berichtete, wie zuvor: über Bälle, den schönen Damen, den Zar usw.

Schlafgemach (Bett nicht Original!) in den Kaiserappartements, Museo Correr, Venedig, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

1875 befand sich Franz Joseph auf dem Weg nach Venedig. Von dort schrieb er: „Venedig, den 6. April 1875, ½ 8 Uhr Früh …. Ich wohne in Deinen Zimmern, schlafe in unserem ersten Schlafzimmer und schreibe jetzt in Deinem späteren blauen Schlafzimmer. Der Empfang hier war außerordentlich schön, selbst herzlich und Alles ist vortrefflich arrangirt. Der König ist unendlich freundlich, die Kronprinzessin charmant, hübsch, sehr aimable, ganz unglaublich élègant, hat besonders hübsche Füsse …. Dich mit den Kindern umarmend, Dein Kl (21)

Auguste von Bayern, Foto: Wikimedia/Commons

Danach fuhr er von Pola nach Sebenico und Pago und dann weiter nach Spalato, wo er Sisi den berühmten Honig schicken ließ. Im Gegenzug bedankte er sich für den übersandten Zwieback. Er schrieb auch mehrmals über Gisela, die gerade schwanger war und die Nachricht der Niederkunft nicht abwarten könne. (Anmerkung: 2te Enkelin Auguste kam am 28.4.1875 zur Welt; †25.6.1964). Von Spalato ging es nach Metkovic, Ragusa und Cattaro. Danach enden die Briefe leider wieder und es geht erst 1886 weiter.

Doch so einsam, wie man Kaiser Franz Joseph immer gerne sieht, war er nicht. Seine Affären wurden intensiver und fanden immer mehr in unmittelbarer Nähe statt. Er quartierte zuerst seine Geliebte Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931), später dann sogar Katharina Schratt in der Nähe von Schönbrunn ein. Näheres zu seinen Affären erläutere ich hier.

Dr. Hermann Widerhofer, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt, Foto: habsburger.net

1885 führte Kaiserin Elisabeth dem Kaiser Katharina Schratt zu. Mittlerweile tat ihr ihr Mann sogar schon leid. Für sie war die Ehe zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren beendet.

Den ersten Brief den man nach 1875 findet, ist vom 30.6.1886 datiert: „Schönbrunn den 30.Juni 1886, 4 Uhr Früh Édes, szerettet lelkem (Anmerkung: Meine süße, geliebte Seele) …. Gott lob tretet Ihr also Morgen endlich die Rückreise in die Heimath an und dieser Brief wird Dich bereits in Gastein erwarten. Wie ich mich auf das Wiedersehen freue, kannst Du Dir denken. Bitte vergesse nur nicht dafür zu sorgen, daß ich Sonntag eine Messe bekomme, wo möglich nicht vor 9 Uhr. Gestern war Wiederhofer (Anmerkung: Dr. Hermann Widerhofer (*24.3.1832, †28.7.1901), Kinderarzt bei Kronprinz Rudolf und Leibarzt von Erzherzogin Marie Valerie) (Anmerkung: Kaiser Franz Joseph schrieb ihn mit „ie“; korrekt ist aber nur „i“) um mir wegen Mondel (Anmerkung: Generaladjutant Friedrich Freiherr von Mondel (*22.9.1821, †18.12.1886; zu dieser Zeit bereits schwer krank) zu berichten und bei dieser Gelegenheit sagte er mir, daß Du Dich während der Kur vor Allem vor Verkühlungen in Acht nehmen mußt und keine zu anstrengenden Fußmärsche machen sollst, auch ja die Bäder nicht übertreiben …… Dich von ganzem Herzen umarmend, Dein Kl“ (22)

Friedrich Freiherr von Mondel, Foto: oldthing.de

Leider enden die Briefe wieder mit dem 6.11.1889, wo sich Kaiser Franz Joseph in Gödöllö befand, Kaiserin Elisabeth aber auf Korfu weilte. Zu Rudolfs Tod findet man auch hier nichts. Der erste Brief ist wieder vom 24.9.1890 datiert. Erzherzogin Marie Valerie ist mit ihrem Erzherzog Franz Salvator (*21.8.1866, †20.4.1939) verheiratet und wohnte in Schloss Lichtenegg in Wels, Oberösterreich. Und so erzählte er immer weiter, wen er traf, wo er sich gerade befand (sogar Schloss Possenhofen besuchte er) und was er gerade tat. Als Nachsatz nach seiner Abschiedsklausel, kann man öfters „Die Freundin küßt deine Hände“ lesen (z.B. Brief vom 23.4.1891). Mit Freundin ist natürlich Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) gemeint.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth auf Cap Martin, 1894 Foto: Nationalbibliothek

Danach gehen die Briefe ohne gröbere Unterbrechung bis 1898 weiter. 1895 weilte Kaiserin Elisabeth in Cap Martin, er fragte, ob Sisi wüsste, wann Gackel mitsamt der Familie an die Riviera käme usw. Die Briefe aus 1895 sind, soweit ich das herauslesen kann, vollständig erhalten. Es wird viel über Marie Valerie, Gisela, Leopold, die Kinder der beiden und deren Befindlichkeiten gesprochen; übers Zahnen der Kleinen, über Essprobleme der kleinen Ella usw. Das alles aufzuzählen würde noch mehr Seiten füllen. Er bedankte sich sogar einmal, als Sisi ihm „mit dem weißen Schirme gewunken habe.“

Es wird über gemeinsame Bekannte getratscht, welches Paar wann geheiratet habe und wer mit wem eine Liaison unterhält. Telegramme über plötzlich Verstorbene erreichen den Kaiser und gegenseitig wird Beileid bekundet. Die Briefe der letzten Jahre lesen sich wie eine Brieffreundschaft zweier Unbekannter. Wenig Persönliches und noch weniger Gefühlvolles, bis auf die übliche Abschiedsklausel „Dich in Liebe und Sehnsucht umarmend, Dein Kl“.

Kaiser Franz Joseph, mit seinen Enkeln, den Kindern der Erzherzogin Marie Valerie, Franz Karl, Hubert Salvator und Elisabeth, Foto: Nationalbibliothek

Auch die Briefe 1896/7 beinhalten Selbiges wie 1898. Kronprinz Rudolf kommt nicht einmal mehr vor. Hie und da fällt der Name Stephanie, Franz Ferdinand wird bereits öfter erwähnt. Am Anfang des Jahres 1898 befindet sich Kaiserin Elisabeth in Frankreich, genau gesagt in Marseille, um dann nach Nizza weiterzufahren. Kaiser Franz Joseph befand sich zwischenzeitlich in Eisenerz. Auch hier dürften die Briefe vollständig sein. Er berichtet über Marie Valerie, die sich höchster Gesundheit erfreue und bestens aussehe, philosophiert über Theaterstücke, wie müde er manchmal sei und über allerlei Familienmitglieder. Am 24.8.1898 war Kaiser Franz Joseph in Ischl und erwartete voller Ungeduld die Ankunft seiner Frau, welche für kurze Zeit blieb, um am 27.8.1898 wieder nach Nauheim abzufahren.

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl mit Familie Familie Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth, Rudolf und Gisela, Erzherzog Maximilian mit Erzherzogin Charlotte, Erzherzog Karl Ludwig, Erzherzog Ludwig Viktor). Fotografie von Ludwig Angerer, 1860, Foto: Wikimedia/Commons

In vierundvierzig Ehejahren ließ sich Kaiserin Elisabeth nicht ein einziges Mal mit ihrem Mann und den Kindern ablichten. Es existiert eine einzige Fotoaufnahme, auf der Kaiserin Elisabeth mit den Söhnen von Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl zu sehen ist. Ansonsten lehnte sie solche Fotos kategorisch ab. Sämtliche Lithografien oder gemalte Bilder sind der reinen Phantasie der Lithografen oder Maler entsprungen. Kaiser Franz Joseph hingegen posierte mehrmals mit seinen Kindern; vor allem aber als Opa mit seinen Enkeln.

gesamte Familie, 1888, gezeichnet, Foto: billerantik.de

Sisi erscheint als Engel Kaiser Franz Joseph, Foto: Wikimedia/Commons

Den allerletzten Brief, den Kaiser Franz Joseph an Kaiserin Elisabeth schrieb, sollte diese niemals mehr erhalten. Ich schreibe ihn hier komplett für euch ab.

Anmerkungen gibt es vorab von mir:
Gräfin Sztáray = letzte Hofdame von Kaiserin Elisabeth – Irma Gräfin von Sztáray (*10.7.1863, †3.9.1940)
Graf Welsersheimb = Rudolf Graf Welser von Welsersheimb  (*1.3.1842, †25.10.1926)
Rudi Liechtenstein = Rudolf von und zu Liechtenstein, Obersthofmeister (*18.4.1838 – †15.10.1908)
voiture = Auto (?)
Isten veled szeretet agylaom = Adieu, schöner süßer Engel

Schönbrunn den 10. Septbr. 1898 

Édes szeretett lelkem, 

Da ich Heute in Schönbrunn bleibe und daher meine freie Zeit habe, so will ich doch noch einige Zeilen an Dich richten, um dir beiligenden Brief Valéries, den ich Gestern erhielt zu senden und Dir für Deinen, an sie gerichteten Brief vom 4., der ja auch für mich bestimmt war, innigst zu danken. Gleichzeitig schickt mir Valérie ein kurzes Schreiben der Gräfin Sztáray, auch vom 4., welches, obwohl eigentlich nur ein Namenstag Gratulations Brief, doch auch günstiges über Dein Befinden enthält. Sehr erfreut hat mich die bessere Stimmung, die Deinen Brief durchweht und Deine Zufriedenheit mit dem Wetter, der Luft und Deiner Wohnung sammt Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf Berge und See gewähren muß. Daß Du dennoch eine Art Heimweh nach unserer lieben Villa Hermes gefühlt hast, hat mich gerührt. Gestern Nachmittag war ich wieder dort und ging in der Nähe der Villa spazieren. Der Abend war herbstlich, aber sehr schön, der ganze gestrige Tag wolkenlos; auch Heute ist es schön und kühl, aber der Barometer fallt, was mich für die Tátra fürchten laßt. Gestern hörte ich einen Hirsch zweimal melden. Wie Nando Gestern aus Gödöllö telegraphirte, melden dort die Hirsche wegen großer Trockenheit noch nicht und es gelang ihm in der ganzen Zeit, wegen wechselndem Winde, erst einen schwachen 10 Ender am Ansitze zu erlegen, der einzige Schuß den er bis jetzt machte. Von der Freundin erhielt ich Gestern ein Telegramm von Ferleiten 6 Uhr 10 M. Nachmittag. Sie war dort vom Glocknerhause angekommen und wollte noch Gestern nach Zell am See fahren, wo sie gewiß spät eingetroffen sein wird. Warum sie ihre Gebirgstour so gehetzt und mit so starken Tagesleistungen gemacht hat, ist mir nicht klar. 

Ich bin Gestern um 8 Uhr in die Stadt gefahren, wo ich bis 1/2 3 Uhr geblieben bin und Thun, FZM. Graf Welsersheimb und Rudi Liechtenstein gesprochen habe. Um 3 Uhr habe ich hier allein gespeist und Abends erfreute ich mich an der guten Milch aus deiner Meierei. Heute bleibe ich hier und um 1/2 9 Uhr Abends reise ich 
voiture, voiture siehe Oben 
vom Staatsbahnhofe ab. 
Isten veled szeretet agylaom. Dich vom ganzen Herzen umarmend, 
Dein 
Kl (23)

Als am 10.9.1898 Kaiserin Elisabeth starb (den Bericht findet ihr hier) rief er aus: „Niemand weiß, was diese Frau mir gewesen ist!“ (24)

~ Marie ~

Original-Kuverts von Kaiserin Elisabeth an Kaiser Franz Joseph, Kuverts teilweise mit geprägtem Schriftzug „Elisabeth“ und Kaiserkrone bzw. Siegel mit Siegellack, Absender teilweise aus Ischl, Meran, Combermere Abbey, Whitchurch, Shropshire,; das Relief aus Gips stammt von einem Sterbemonument, das nie verwirklicht wurde (R. Weigl 1902), Foto: Dorotheum Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: sternenkaiserin.com – Maria José, sternenkaiserin.com – Marie, Dorotheum Wien, geo.de, austria-forum.org, Nationalbibliothek, roteskreuz.at, sisi-schloss.at, billerantik.de, habsburger.net


Stammbaum: Gestaltung Marie Festetics, Bilder Wikimedia/Commons


Literarische Hinweise:

1 – S. 157, 2 – S 158/9
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

3 – S 313/4
Martha Schad
Marie Valérie von Österreich – Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth
Piper Verlag, 7. Auflage 2013

4 – S. 124/5, 8 – S 130, 9 – S 142, 10 S. 142/3, 11 – S. 150/1, 15 – S 164, 20 – 294
Brigitte Hamann
Elisabeth – Kaiserin wider Willen
Piper Verlag, 8. Auflage, 2017

5 – S. 9/10, 6 – S 13/14, 7 – S 31/2, 18 – S 55/6, 19 – S. 148/9, 21 – 158, 22 – 185,
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band I (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

13 – S 304, 14 – S 308/9, 16 – S 311/2, 17 – S. 313/4
Dr. Franz Schnürer
Briefe Kaiser Franz Josephs an seine Mutter (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Universitätsdruckerei München, 1930

12 – S 60
Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics – Kaiserin Elisabeths intimste Freundin
Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014

24 – 458
Georg Nostitz-Rieneck
Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859 – 1898, Band II (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Herold 1966, 1. Auflage

24 – S. 40
Eugen Ketterl
Der Alte Kaiser wie nur Einer ihn sah
Fritz Molden Verlag, 1980, 1. Auflage

Ahnengalerie von Maria Theresia zu Kaiser Franz Josef und Kaiser Karl I.

Die Stammlinie der Familie Habsburg wie wir sie heute kennen, geht noch auf Maria Theresia zurück. Sie war die Mutter aller Habsburger, die bis in die heutige Generation noch reicht.

Um euch einen genauen Überblick zu geben, mit welchem Sohn es anfing und wie verzweigt die Familie auch heute noch ist, habe ich mir die Mühe gemacht und habe alle Familienmitglieder eingefügt, die bis zu Kaiser Karl I und Kaiserin Zita geboren wurden.

Jedes Paar ist mit seinen Kindern vertreten. Natürlich sind bis heute Nachfahren geboren worden; aber 1918 war die Monarchie zu Ende und von daher, habe ich von Kaiser Karl I und Kaiserin Zita all ihre Nachkommen eingefügt (einfach als Gesamtbild), obwohl die letzten beiden Töchter nicht mehr in der Monarchie geboren wurden.

Ich habe mir erlaubt auch die Nachkommen von Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Chotek hinzufügen; auch wenn sie nicht erbberechtigt waren, so sind die Nachkommen und Nachfahren von Maria Theresia.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem außergewöhnlichen Stammbaum.

~ Marie ~

Stammbaum: sternenkaiserin.com – Marie

 

 


Rechtliche Hinweise: 

Bildrechte: Wikimedia/Commons, Österreichische Nationalbibliothek, habsburger.net, Bildarchiv, rodovid.org, geneall.org
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics 

 

Kaiser Franz Joseph und die Frauen (Teil 5)

 

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: billerantik.at

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Wer verehrt ihn nicht? In den Sissi-Filmen mit Romy Schneider ein herzensguter liebenswürdiger Mensch, der seine Frau verehrt und mit der Situation rund um Sissi und Erzherzogin Sophie überfordert ist. Sein Schauspiel hat zum Bild des realen Kaisers Franz Joseph viel beigetragen.

Leider ist auch hier vieles verklärt und die Sissi-Geschichte im Film ist so ganz anders, als die harte brutale Realität. Eine Realität, der ich hier auf die Sprünge helfen möchte. Ich zeige in meinem 5. Teil das Bild eines so ganz anderen Kaisers. Ein Kaiser, der ständig fremd ging und mehr oder weniger zahllose uneheliche Kinder gezeugt haben soll.

Zuerst aber noch ein kleines Vorwort von mir: Es gibt in der Literatur zahlreiche Gerüchte, die nicht belegt sind. Auch von Buchautoren. Ich habe mich für diesen Artikel in die gesamte Literatur – auch in die unbelegte – eingelesen. Es bleibt immer dem Leser selbst vorbehalten, was er glauben will oder mag. In diesem Sinne, beginnen wir nun von vorne:

Königin Elisabeth von Preußen, Foto: Wikimedia/Commons

Schon im zarten Alter von 14 Jahren verschaute sich Erzherzog Franz Joseph sehr unstandesgemäß in eine Hofdame seiner Tante Königin Elisabeth Ludovika, genannt „Elise“, von Preußen (*13.11.1801, †14.12.1873).

Bertha von Marwitz (*30.7.1817, †5.4.1879) hatte es dem jungen „Franzi“ angetan. Sophie schreibt besorgt in ihr Tagebuch: „Franzi ist in zarter Art und Weise mit Fräulein von Marwitz beschäftigt. Es ist das erste Mal, daß solch ein Gefühl in ihm erwacht. Ich kann den Eindruck nicht genügend beschreiben, den mir das gemacht hat. Dieser Bub, den ich noch für ein Kind hielt, geht plötzlich, ohne daß ich es merke, zu den Neigungen und den Gefühlen eines jungen Mannes über. Das ließ mich eine vage Unruhe wie eine peinliche Sensation empfinden und es scheint mir, als gehöre er mir nicht mehr so wie früher.“ (1)

1847 verliebte er sich in eine Hofdame von Großfürstin Helene Pawlowna, gebürtige Prinzessin Friederike Charlotte Marie von Württemberg (**9.1.1807, †9.11873). Leider blieb die Hofdame und Gesellschafterin in der Biographie von Karl und Michaela Vocelka unbenannt. Allerdings findet sich ein Tagebucheintrag seines Erziehers darin. Erzherzog Franz Joseph habe die Großfürstin, deren Tochter und besagte Hofdame alleine bei einem Mahl begleitet und habe den Erzieher ungebührlich lange warten lassen. Lächerlich wenn man es genau bedenkt, aber wahrscheinlich ein riesiger Skandal für den Erzieher, sonst hätte er es nicht erwähnt. 

Kaiser Franz Joseph war kein unbescholtenes Blatt mehr, als er seine Sisi das erste Mal näher betrachtete und sich entschied sie zu heiraten.

Rund um die Erzherzöge gab es „hygienische Damen“, welche extra ausgesucht wurden, um den jungen Männern die „Liebe zu lehren“. Graf Grünne übernahm die Auswahl für Franz Joseph, selbstverständlich nicht ohne Erzherzogin Sophie miteinzubeziehen. Hygienische Damen waren am Wiener Hof sehr angesehen. Diese Damen waren zwar (meist) nicht aus dem Adel, aber gesunde Witwen, mit einer animalischen Konstitution, die den Herren die Dinge beibrachten, die sie wissen sollten, um mit einer Ehefrau die erhofften Thronfolger zu zeugen. Bei Franz Joseph war es eine reife, üppige Dame aus Krems.

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen Foto: Wikimedia/Commons

Eine brisante Äffäre hatte Kaiser Franz Joseph wohl 1848 mit Elisabeth Gräfin von Ugarte (*14.5.1822, †26.8.1896) welche bereits verheiratet war. Franz Joseph zu dem Zeitpunkt 18 Jahre alt, verliebt sich während einem Faschingsball in jene Gräfin. Der Hof tuschelte enorm, als Franz Joseph ihr auf den folgenden Hofbällen sämtliche Tänze schenkte und sogar zweimal den Kotillon mit ihr tanzte. Sie berichtet einer Freundin: „…..da ich jedes Mal mit unserem deliziösen Kaiser tanze. Schon zweimal tanzten wir den Kotillon zusammen, was, wie Du Dir denken kannst, großes Aufsehen erregte und ma petite vanité doch etwas schmeichelte.  Ich bin, so wie alle, entzückt von unserem allerliebsten Monarchen, der alles, was man sich Gutes, Edles denken kann, in sich vereinigt.“ (2)

Hofdame Sophie Scharnhorst notierte: „Der Kaiser tanzte mit Ausnahme der Polka und Mazurka alles, engagierte seine Damen selbst mit der ihm angeborenen Courtoisie und machte jedesmal eine Glücklich. Zu diesen gehörte unsere kleine Ugarte, die er zur Kotillon-Tänzerin wählte. Sie strahlte vor Entzücken und ihr Gemahl war um sie beschäftigt wie die Henne mit den Kücheln.“ (3)

Als Franz Joseph besagte Gräfin auch noch „allein“ in die Hofburg einlud, war Erzherzogin Sophie einer Herzattacke nahe. Sie zitierte die junge, um 8 Jahre ältere Gräfin zu sich und legte ihr nahe Wien für immer zu verlassen. Gräfin Ugarte ist seitdem auch in der weiteren Literatur nirgends mehr zu finden.

In Olmütz, während der Revolution (1848), soll angeblich eine junge Dame der Grund gewesen sein, warum sich Franz Joseph immer gerne an diese Zeit im Exil zurückerinnerte. Näheres konnte ich auch mit besten Absichten nicht herausfinden.

Sophie hatte ab 1852 ernste Absichten ihren jungen Sohn, Kaiser von Österreich, standesgemäß und mit der besten Partie die sie finden konnte, zu verehelichen. Gefühle waren ihr dabei egal.

Prinzessin Anna von Preußen, Winterhalter 1858, Foto: Wikimedia/Commons

Sie ließ Kaiser Franz Joseph unter dem Aspekt „einer politischen Reise“ zu Tante Elise nach Berlin fahren. Wie bereits erwähnt, war Elisabeth eine Schwester von Erzherzogin Sophie und Herzogin Ludovika; somit die Tante von Kaiser Franz Joseph und der noch kleinen Sisi. Sie wurde mit Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen (*15.10.1795, †2.1.1861) verheiratet; die Ehe blieb kinderlos. Kaiser Franz Joseph verliebte sich dort in die Nichte von König Friedrich, Prinzessin Marie Anna Friedericke von Preußen (*17.5.1836, †12.6.1918), welche aber bereits mit Prinz Friedrich Wilhelm (*26.11.1820, †14.10.1884) verlobt war.

Prinz Wilhelm I, Foto: Wikimedia/Commons

So sehr sich Elise bemühte, den König und die preußische Regierung zu einem Bündnis mit Österreich durch Heirat, umzustimmen, sie scheiterte kläglich. Sophie schrieb ihrer Schwester einen herzzerreißenden Brief: „… ob es keine Hoffnung gibt, daß diese traurige Heirat, die man dieser reizenden Anna auferlegt und keinerlei Aussicht auf Glück für sie übrigläßt, vermeiden könnte. … das Glück, das sich wie ein flüchtiger Traum gezeigt hat und sein junges Herz – hélas – viel stärker und viel tiefer beeindruckt hat, als ich es zunächst glaubte….Du kennst ihn genug, daß man seinem Geschmack nicht so leicht entsprechen kann und ihm nicht die nächste beste genügt, daß er das Wesen lieben können muß, die seine Gefährtin werden soll …. Allen diesen Bedingungen scheint Eure liebe Kleine zu entsprechen….“ (3a) 

Es half alles nichts, Elise brachte die Hochzeitspläne im Haus nicht durch. Prinz Wilhelm, späterer Kaiser Wilhelm I (*22.3.1797, †9.3.1888) meinte zur Absage sogar: „Wir Preußen beglückwünschen uns, daß Österreich seine Unterwerfung in unserer Hauptstadt bezeugt hat, ohne daß wir nur einen Fußbreit politischen Boden preisgegebenen haben.“ (4)

Erzherzogin Elisabeth, Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzog Karl Ferdinand, Foto: Wikimedia/Commons

Wirklich ernste Absichten hatte Kaiser Franz Joseph 1854 das erste Mal mit Erzherzogin Elisabeth Franziska Maria von Österreich-Este (*17.1.1831, †14.2.1903), der ungarischen Linie der Familie Habsburg. Doch Erzherzogin Sophie passte diese Verbindung überhaupt nicht, da sie mit den Ungarn nichts mehr zu tun haben wollte. Elisabeths (Halb) Bruder Erzherzog Stephan Franz Viktor von Österreich (*14.9.1817, †19.2.1867), Palatin von Ungarn, hatte sich während der 48er Revolution auf die Seite der Ungarn gestellt und wurde deshalb aus der Monarchie verbannt. Um Elisabeth und Franz Joseph nicht noch weiter auf dumme Gedanken zu bringen, verheiratete sie die junge Witwe kurzer Hand mit Erzherzog Karl Ferdinand von Österreich (*29.7.1818, †20.11.1874).

Was Sophie zu jener Zeit nicht ahnen konnte, aber mir im nachhinein ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert, ist die Tatsache, dass die Ehe mit Karl sehr glücklich wurde. Das Paar bekam 6 Kinder, u.a. jenen Erzherzog (Friedrich Maria) Albrecht (*4.6.1856, †30.12.1936), der später einmal Erzherzog Franz Ferdinand unverhofft zu seinem Glück verhelfen sollte. Erzherzog Albrecht heiratete Prinzessin Isabella Hedwig Franziska Natalia von Croy-Dülmen (*27.2.1856, †5.9.1931) die jene Hofdame beschäftigte, die als Sophie Gräfin von Chotek oder später Fürstin Sophie von Hohenberg in die Weltgeschichte eingehen sollte. Die Geschichte zu Erzherzog Franz Ferdinand und Fürstin Sophie von Hohenberg können Sie hier nachlesen. Aber ich schweife ab…

Erzherzog Stephan, Foto: Wikimedia/Commons

Wilde Spekulationen gibt es bis heute auch rund um das Libényi-Attentat (mein Beitrag kann hier nachgelesen werden). Angeblich hat Kaiser Franz Joseph in seinen jungen Jahren die Nähe der „Tänzerin“ Margit Libényi gesucht, weshalb es überhaupt zum Attentat(sversuch) kam. Margit Libényi soll die Schwester von Janos Libényi gewesen sein. Jenen Schneidergesellen, der den Attentatsversuch unternommen hat. Also ein Racheakt.

Die abstruse Geschichte, möchte ich euch im gesamten wiedergeben: „Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuches ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardars-Einlage dar. Der Kaiser ließ Erkundigungen über das Mädchen einholen und erfuhr, daß es eine Nichte des Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hieß und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stammte. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben.

Zu jener Zeit hatte einer der Brüder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog (Ferdinand) Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, das Libretto zu einer Oper verfaßt, deren Aufführung der Kaiser aber zu verhindern wußte. Angeblich hätte nun Erzherzog Max Kontakt zu dieser Tänzerin aufgenommen, ihr eine glanzvolle Tanzrolle in der Oper zugesagt für den Fall, daß es ihr gelänge den Kaiser umzustimmen. Es kam dann tatsächlich zur Aufführung des Werkes, die Künstlerin erntete mit ihrer Darstellung großen Beifall und wurde am Tag nach der Premiere zum Mitglied des kaiserlichen Balletts ernannt. Sie nahm einen Künstlernamen an und tanzte fortan unter dem Pseudonym Mizzi Langer.

Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel Aufruhr unter der Bevölkerung verursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der „Entehrte“ den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen.

Der weitere Verlauf ist bekannt: …

Beim folgenden Polizei-Verhör soll Libényi den wahren Grund des Attentats zugegeben haben.

Der Kaiser trennte sich in der Folge von der Tänzerin, nachdem er sie und ihre Mutter großzügig abgefunden hatte. Er bestand sogar darauf, den Attentäter zu begnadigen, was die Mitglieder der Regierung mit der Drohung ihres sofortigen Rücktritts verhinderten. Libényi wurde am Morgen des 26. Februar 1853 bei der Spinnerin hinter dem Galgen in der Erde verscharrt. (5)

Foto: amazon.de

Leider nennt die Autorin Gabriele Praschl-Bichler keinerlei Quellen, so dass dieser Text wirklich nicht ernst genommen werden kann.

Gisi Gruber, eine Romanautorin aus den 50er Jahren hat sich dem Thema mit einem Liebesroman angenommen. Vermag man den obigen kitschigen Text zu lesen, möchte man nun wirklich nicht mehr wissen, was Gisi Gruber aus dieser erfundenen Geschichte gemacht hat. Wer es trotzdem wagen möchte: das Buch ist antiquarisch noch erhältlich. 

Ubald Tartaruga (Edmund Otto Ehrenfreund), Foto: wien.gv.at

1922 (also 69 (!) Jahre danach) kam erstmals die These der Liebschaft mit Margit Libényi bzw. Mizzi Langer durch den ungarischen Autor Gyula Kemény auf den Tisch. Auch Oberpolizeirat und Kriminalschriftsteller Ubald Tartaruga (mit bürgerlichem Namen Edmund Otto Ehrenfreund) (*12.2.1875, †21.11.1941), wollte an kein politisches Attentat glauben. Sämtliche namhafte Historiker sind sich jedoch einig, dass dies Hirngespinste waren, die sich ein paar Leute „ausgedacht“ haben; dennoch geistert der Name Mizzi Langer immer noch durch die Literatur.

Paul Freiherr Gautsch von Frankenthum, Foto: Wikimedia/Commons

Der erste uneheliche Sohn von Kaiser Franz Joseph soll Paul Gautsch Freiherr von Frankenthum (*26.2.1851, †20.4.1918) gewesen sein, welcher nach dem Jusstudium ins Unterrichtsministerium wechselte und 1879 Unterrichtsminister wurde. Diesen Posten behielt er ungewöhnlich lange, nämlich bis 1893. Zusätzlich wurde er von Kaiser Franz Joseph zum Direktor und Kurator der Theresianischen Akadamie ernannt. 1895 ernannte ihn der Kaiser zum Herrenhausmitglied. 1895 – 1897 wurde er nochmal Unterrichtsminister. 1899 – 1904 wurde er Präsident des Obersten Rechnungshofes. Gautsch galt als „besonderer“ Vertrauensmann für Kaiser Franz Joseph. (5a)

Wer die Mutter dieses Freiherren gewesen sein soll, das bleibt uns Autorin Gabriele Praschl-Bichler leider (wieder einmal) schuldig. 

Helene Baltazzi, verh. Vetsera, Foto: Wikimedia/Commons

Auch mit Helene Baltazzi, besser bekannt als Helene Vetsera (*1847, †1.2.1925) soll Franz Joseph ein Techtelmechtel gehabt haben. Dies behauptet zumindest Autorin Gabriele Praschl-Bichler. Der Kaiser war 20 Jahre alt und seit 2 Jahren Kaiser. Nach dem Ende des Techtelmechtels, soll Helene eine Abfertigung von 3 Millionen Kronen erhalten haben. (5b)

Sehr großzügig für einen so sparsamen Menschen wie Kaiser Franz Joseph es war. Noch dazu als junger Kaiser, wo er auf die Gunst seines Onkels Ferdinand (*19.4.1793) angewiesen war; denn auch wenn dieser kein Kaiser mehr war, das ganze Geld und das gesamte Vermögen verwaltete dieser bis zu seinem Tod. Erst dann beerbte ihn Kaiser Franz Joseph in allen Belangen. Und Ferdinand starb erst im Jahre (29.6.) 1875. Ob also Erzherzogin Sophie bereit gewesen ist, einer Gespielin von ihrem Sohn so viel Geld auszuzahlen, ist mehr als fraglich. Naja, bilden Sie sich bitte ihr eigenes Urteil.

Nichtsdestotrotz wäre es insofern makaber gewesen, weil Helene auch mit dem blutjungen Kronprinz Rudolf „verkehrte“. Dieser nahm sich später mit der Tochter von Helene, Mary Vetsera (*19.3.1871, †30.1.1889) das Leben. Die Stilblüte, dass Kronprinz Rudolf sich absichtlich mit Mary das Leben nahm, weil sie seine Tochter gewesen sein soll, nimmt hier wieder ganz neue Ausmaße an. Aber ganz ehrlich: Glauben Sie das wirklich? 

Nach den ganzen Affären und Liebschaften, war es nun also an der Zeit zu heiraten und Sophie suchte fieberhaft nach einer neuen und geeigneten Kanditatin, die sie in Dresden zu finden glaubte.

Prinzessin Sidonie von Sachsen, Foto: Wikimedia/Commons

Prinzessin Maria Sidonie Ludovica (*16.8.1834, †1.3.1862) war die Auserwählte. Sie hatte Pech mit ihren Verehrern, die beinahe alle aus falscher Zugehörigkeit der Religion oder politischen Machtspielen, abgelehnt wurden. Auch Kaiser Franz Joseph wollte Sidonie nicht zur Frau. Der banale Grund: sie gefiele ihm nicht. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr.  Sidonie starb 27jährig unverheiratet an Typhus.

Sophie sah sich schlussendlich in ihrer eigenen Verwandtschaft nach jungen heiratsfähigen Prinzessinnen um. Das Ergebnis ist bekannt. Die beiden großen Berichte können hier  (Verlobung) und hier (Hochzeit) nachgelesen werden.

Die Ehe zwischen den beiden nehme ich in meinem 6. Beitrag über Kaiser Franz Joseph unter die Lupe, weshalb wir dieses Kapitel nun überspringen.

Kaiserin Elisabeth, Foto: dorotheum.com

Was genau der Auslöser 1859 für die sehr überstürzte Abfahrt von Kaiserin Elisabeth nach Madeira war, ist bis heute ungeklärt. Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um diesen plötzlichen Aufbruch. Die einen Biografen schreiben, es sei eine Lungenkrankheit gewesen – was aber nicht erklären würde, warum Elisabeth auf der Überfahrt schon ziemlich munter wirkte -, die anderen behaupten, die Krankheit hätte etwas mit einer Geschlechtskrankheit zu tun gehabt, da Kaiser Franz Joseph weiterhin fremdging und keine Rücksicht auf seine zartbesaitete junge Frau nahm. Auch mit ihr selbst soll er nicht zimperlich umgesprungen sein.

Was auch immer der Grund war, ab diesem Zeitpunkt wurde Elisabeth „erwachsen“ und entzog sich ihrem Mann immer mehr, so dass immer neue „Bekanntschaften“ seinen Weg kreuzten.

1863 traf er zum ersten Mal, auf Theresia „Reserl“ Pointinger (*8.4.1846 – 1928).  Was folgte, war eine fast 10jährige Liaison, aus der angeblich 4 Kinder entstammen sollen.

Theresia Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

Kaiser Franz Joseph weilte in Mondsee mit seinem Freund Otto Fürst von Wrede (*8.1.1797, †10.10.1871), um zu jagen. Der elterliche Hof auf dem Theresia lebte, war seit langem schon ein beliebter Gutshof für adelige Gäste. So war es nicht verwunderlich, dass er 1863 am Grauwitzgut auf die damals noch 17jährige aufmerksam wurde. Das eng geschnürte Mieder, ließ im Dirndl mehr erahnen, als der 17jährigen wahrscheinlich Recht gewesen wäre. Er war zu diesem Zeitpunkt ein Mann von 30 Jahren. Doch erst im Juli 1869 kam es zur schicksalhaften Begegnung. Reserl hatte sich bereits als 17jährige unsterblich in den Kaiser verliebt und träumte nachts sehnsüchtig von ihm. Als er dann tatsächlich im Juli 1869 auf der einsamen Eisenauer-Alm (im Sommer arbeitete sie auf der elterlichen Alm als Sennerin) erschien, erkannte sie ihn zunächst nicht. Als sie sich von dem Schock erholte, bat sie ihn in die spärlich eingerichtete Hütte. Der Jägersmann, der tatsächlich Kaiser Franz Joseph war, setzte sich artig neben sie und legte seine Hand in ihre: „Wie in Trance legt Reserl ihre zierliche Hand in die Hand des Kaisers, und als sie kurz darauf die warmen Lippen Franz Josephs auf ihrer Haut und ihren geöffneten Lippen spürt, ist ihre Leidenschaft, die sie jahrelang nur für ihn zurückgehalten hat, voll entbrannt.“ (6)

Ein zärtlicher und gefühlsbetonter Liebhaber soll er gewesen sein, der Franzl. Meint zumindest Theresia Pointinger, bzw. ihr Biograph Hubert Pointinger; denn Aufzeichnungen von Theresia gibt es keine. Das ganze ist eine Nacherzählung, einer Nacherzählung, einer Nacherzählung. Anna Nahowski sah das ganz anders. Aber ich greife etwas vor.

4 Kinder sollen der Affäre entsprungen sein:

Anton Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

 

Franziska Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

Matthias Pointinger, Foto: Hubert Pointinger

Wilhelmine Buchwald, Foto: Hubert Pointinger

Anton Pointinger geb. 6.4.1870
Franziska Pointinger, geb. 1871
Matthias Pointinger, geb. 5.12.1872
Wilhelmine Buchwald, geb. 28.5.1877 (sie wurde Theresia als „eheliches“ Kind mit Wilhelm Buchwald geboren. Wilhelmine soll aber als Kuckuckskind dem Ehemann untergeschoben worden sein. Der tatsächliche Vater soll Kaiser Franz Joseph gewesen sein).

 

 

Hubert Pointinger Foto: Hubert Pointinger

Hubert Pointinger (*25.4.1961), der Verfasser von „Die Salzprinzessin“ ist der Ur-Enkel von Matthias Pointinger, der als einziger dieser Kinder überhaupt eine Familie gründete. Georg Markus und Hugo Portisch, zwei anerkannte Schriftsteller und Historiker haben Hubert Pointinger vorgeschlagen, eine DNA Analyse machen zu lassen. Georg Hohenberg, der Urgroßneffe von Erzherzog Franz Ferdinand, aus der Linie von Maximilian Hohenberg – die Geschichte zu dieser außergewöhnlichen Familie kann hier nachgelesen werden, hat sich für diese zur Verfügung gestellt. Dr. Christa Nussbaumer, „Allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige der forensischen Molekularbiologie“ stellte fest, dass Georg Hohenberg und Hubert Pointinger nicht verwandt sind. Ob also die 3 anderen Kinder von Kaiser Franz Joseph sind, ist sehr fraglich. Was generell an dieser Geschichte wahr ist, ebenso. Herr Pointinger jedoch hält eisern an seiner Version fest und betitelt sich selbst als Ur-Ur-Enkel des Kaisers. (7)

Im Jahr 1878 – Kaiser Franz Joseph hatte schon längst die Beziehung zu Anna Nahowski (ab 1875) aufgenommen -, endet die (angebliche) Affäre endgültig.

Dass Kaiser Franz Joseph aber auch seinen jeweiligen Geliebten nicht treu war, beweist die nachfolgende Geschichte. Währenddessen sein (angebliches) Gspusi mit Reserl noch im vollem Gange war, hatte  er noch zwei weitere Liebschaften in Wien.

Katharina Abel, Foto: DasPhotoquarium/ebay

1870/1 soll es Katharina Abel gewesen sein, die dem Kaiser im Ballett ins Auge stach. Autorin Praschl-Bichler berichtet, Abel sei dem Kaiser noch vor der Hochzeit begegnet und habe ihm vom Liebeskummer mit Gräfin Ugarte geheilt. (8)

Dies kann ich einwandfrei widerlegen. Katharina Abel (*22.2.1856, †6.3.1904) wurde erst lange nach der Affäre mit Gräfin Ugarte geboren. Sie wurde ab 1868 am Kärntnertortheater engagiert und war ab 1871 Mitglied der Hofoper. Von 1880 – 1892 war sie unter Direktor Carl Teile eine der beliebtesten Tänzerinnen. Mit den „Gaben“ des Kaisers konnte sie sich angeblich ein Haus auf der Wieden leisten. Da es zu Katharina kaum Literatur gibt, allerdings so ziemlich alle Biografen ihren Namen zumindest erwähnen, könnte an dieser Affäre etwas dran gewesen sein. Wie lange sie dauerte konnte mir leider keine noch so genaue Recherche offerieren.

Ebenso im Jahr 1870 war es Rosa Moskowitz die Franz Josephs Herz erreichte. Sie war Weißnäherin in der Wiener Hofburg. 3 Jahre soll die Affäre gedauert haben, als sie sich „plötzlich“ ins Privatleben zurückzog.

Hier geht die Literatur auseinander: während Katrin Unterreiner schreibt, dass Rosa später Andreas Graf Zichy heiratete, schreibt Praschl-Bichler, dass Rosa eine uneheliche Tochter namens Bobarle Margarete Braun bekam. (14) Diese habe später einen Graf Andreas Zichy geehelicht. Nach erfolgter Trennung, zog sie nach Paris und erhielt bis zum Jahr 1918 eine Rente von der österreichischen Botschaft. Danach ehelichte sie einen Amerikaner namens Miles. Miles war US-Repräsentant der Internationalen Handelskammer in Basel. Nach dessen Tod heiratet sie einen Herrn Rogers. (9) Leider führen sowohl Gabriele Praschl-Bichler, als auch Katrin Unterreiner keine Literaturverzeichnisse. Auch in der weiterführenden Literatur zu Kaiser Franz Joseph wird außer der Name von einer Rosa Moskowitz nichts weiter erwähnt. Schade, eigentlich…

Anna Nahowski, Foto: Wikimedia/Commons

Viel detaillierter  und aufschlussreicher ist da die Beziehung zu Anna Nahowski (*1860, †23.3.1931) die durch ein (mittlerweile veröffentlichtes) Tagebuch ihre Beziehung notiert hatte. Anna soll das einzige Kind, das jemals „öffentlich als geheime Tochter von Kaiser Franz Joseph anerkannt worden ist“, geboren haben: Helene Nahowksi, verheiratete Berg. Aber beginnen wir von vorne:

Es war der 8.5.1875, als um 6.00 Uhr morgens Anna, damals gerade einmal 15 Jahre alt und mit einem „Haderlump“ verheiratet, im Park vom Schloss Schönbrunn ein stattlicher „Offizier“ begegnete, der ihr auffallend auf die Oberweite starrte und sie musterte. Selbst beim Auseinandergehen, drehte sich der hübsche Offizier um: Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mann in mittleren Jahren – 45. Ihr Dienstmädchen Lini teilte Anna mit, dass es sich nicht um einen „Offizier“ per se, sondern um den Kaiser persönlich handelte. Sie errötete und da sie in ihrer Ehe unglücklich war, suchte sie ab sofort täglich beim frühen Spaziergang den Kaiser – und fand ihn auch.

Am 24.6.1875 notiert sie in ihr Tagebuch: „Ich saß auf einer Steinbank mit Lini im Wald, der Kaiser kam des Weges u. setzte sich auf die nächste Bank. Nach einigen Minuten stand Er auf u. kam auf mich zu. Mein Herz schlug hörbar. Er blieb vor mir stehen, salutierte u. sagte: „Sie gehen aber fleißig spazieren.“ Ich stand von der Bank auf während Röthe mein Gesicht überflog. Ja Majestät, es ist so schön, sagte ich in meiner Verwirrung. „Sie wohnen gewiß am Land, hier in der Nähe?“ frug Er weiter.
Nein, in Wien, sagte ich. „Was? so weit frug Er, da müssen Sie ja schrecklich früh aufstehen? Um 4 das bin ich schon gewöhnt, ich gehe immer sehr früh spazieren. Wo wohnen Sie? frage Er. Am Neubau, meine Antwort. Sie werden alle Tage hier sein? Ja täglich wenn es schön ist. Er nickte mit dem Kopf, salutierte u. ging. Nun hab ich seine blauen Augen genug gesehen u. sie gefallen mir! Wie dumm ich doch bin, sollte ich in Ihm verliebt sein, nein, es eben der Kaiser der mir gefällt. Es schmeichelt mir, daß ich Ihm gefalle.“ (10)

Am 26.6.1875 kam es zum ersten Kuss. Kitschiger hätte es nicht sein können: im Regen. Auch die darauffolgenden Tage kam Anna nach Schloss Schönbrunn um mit dem 45jährigen Kaiser „zu knutschen“. Wie ein Wahnsinniger soll er gewesen sein; oft durchnässt, da es schüttete, und immer allein. Die Begegnungen wurden immer intensiver, sogar das Kleid machte er ihr einmal auf, um sie „näher betrachten zu können“ und reagierte beleidigt, weil Anna nicht weitergehen wollte. Inmitten der Abgeschiedenheit des Tiroler Parks, ihr Dienstmädchen bewachte derweil die Wege. Anna quälten die Gewissensbisse, dennoch war sie verliebt. 3 Jahre dauerte es, bis es zum ersten Akt kam.

Es flossen die ersten Gelder, sie ordnet ihre Verhältnisse und im Jahre 1879 zieht sie in die Nähe von Schloss Schönbrunn, damit der Kaiser sie nun täglich besuchen konnte. Sie solle kein Mieder anhaben, wenn er komme und am besten „bereit im Bett liegen“, so die Aufforderung. Anna haderte im Tagebuch mit sich selbst, macht aber dann doch alles so, wie „Er“ es will. Sie lässt sich von ihrem ersten Ehemann scheiden und heiratet Franz Nahowski.

Alban und Helene Berg, Foto: absw.at

Anna bekommt 4 Kinder. Tochter Carola ist mit Sicherheit von ihrem ersten Ehemann. Jedoch die 3 anderen Kinder Anna, Helene und Franz Joseph sind von großem Interesse. Tochter Anna  dürfte tatsächlich eine „richtige“ Nahowski gewesen sein; allerdings waren auch hier Gerüchte im Umlauf. Anna selbst schreibt aber, dass „sie dasselbe Gesicht wie der Nahowski“ hat. (11f)

Beginnen wir bei Sohn Franz Joseph. Er kommt am 10.12.1889 zur Welt. Seit dem Tod von Kronprinz Rudolf (†30.1.1889) hat Kaiser Franz Joseph Anna nicht mehr besucht. Er hatte längst die Beziehung mit Katharina Schratt aufgenommen und diese gegen Anna eingetauscht.

Anna Nahowski (stehend) mit ihren „Kaiserkindern“: Helene (sitzend) und Franz Joseph (sitzend, dahinter), Foto: PressReader, Kurier

Auch wenn sich einige Biografen sicher sind, dass Franz Joseph – benannt nach seinem Vater (allerdings hieß auch Annas Ehemann Franz) (11) -, nicht von Kaiser Franz Joseph abstammen konnte, so dachte es dieser Zeit seines Lebens selbst. Franz Joseph war ein sehr begabter Maler, aber leider schon von jeher von labiler Gesundheit. Schon früh musste er immer wieder in psychiatrische Einrichtungen.
Zum 100. Geburtstag (18.8.1930) von Kaiser Franz Joseph schnitt er sich in der Kapuzinergruft mit einem Rasiermesser den kleinen Finger ab. Er deponierte diesen „als Sühne“ auf den Sarkophag des Kaisers.
Er kam mit der Diagnose Schizophrenie in die Irrenanstalt Steinhof, welche er für sehr lange Zeit nicht mehr verließ. Nach seiner Entlassung zog er sich in das steirische Landhaus von Helene Berg zurück, wo er schließlich 1942 in ihren Armen starb. Behalten wir Franz Joseph trotzdem noch im Gedächtnis. Ich komme noch einmal auf ihn zurück.

Helene Berg, Foto: mugi.hfmt-hamburg.de

Wenden wir uns also jetzt der „Tochter“ zu. Helene Berg wurde am 29.7.1885 in Wien geboren. 1906 lernte sie Alban Berg (*9.2.1885, †24.12.1935), einen berühmten Komponisten, kennen. Helene und Alban heirateten schließlich 1911. Sie galt als die Tochter von Kaiser Franz Joseph, obwohl sie offiziell als Tochter von Franz Nahowski geboren wurde. Anna hatte Zeit ihres Lebens niemals öffentlich über ihre Affäre gesprochen; auch das Tagebuch war fest verschlossen und wurde erst nach dem Tod von Helene (†30.8.1976) geöffnet. Und obwohl Anna keinen Ton über die Vaterschaft darin verlauten ließ, gilt Helene bis heute als die einzige wahre uneheliche und in der Gesellschaft anerkannte Tochter von Kaiser Franz Joseph. Sowohl Anna, als auch Helene und später Alban haben die Gerüchte niemals dementiert oder gar zerstreut.

Hans Lebert, Foto: Bildarchiv ÖNB

Über Tochter Anna (*20.1.1883, †?), konnte ich leider nichts weiter in Erfahrung bringen. Nur, dass sie einen Herrn Lebert geheiratet und einen Sohn namens Johann, genannt Hans geboren hatte. Hans Lebert (*9.1.1919, †20.3.1993), ein bekannter Schriftsteller, ist im Buch von Hugo Portisch und Georg Markus zu finden. Dort liest man von 2 Kindern von Kaiser Franz Joseph und Anna Nahowski. „Eine DNA-Analyse“ wie im Fall Pointinger war hier nicht nötig. Die Indizien und Beweise sprechen für sich.“ (11a) Eine Anna Lebert findet sich auch in der Biografie von Alban Berg wieder, welche an seinem Sterbetag bei ihm war. (11b)

Hans Lebert erzählt, dass der Neffe von Alban Berg, Erich Alban Berg ein Tonband besaß. Auf diesem ist vom 18.2.1973 die Stimme von Helene Berg zu hören. Sie erzählt: „Dem Franzl hat er eine Uhr geschickt, der Kaiser, da war in Email das Jugendbild vom Kaiser drauf, das lange, schmale Gesicht, wie es auch der Franzl g’habt hat…“ (11c)
Mit „Franzl“ ist hier Sohn Franz Joseph gemeint, also Helene’s Bruder. Also jener Bruder, der sich später den Finger abschnitt und ins Irrenhaus gebracht wurde. Sehr merkwürdig, finden Sie nicht?

Weiter heißt es: „Später, da waren wir schon erwachsen, sind wir die Maxingstraße hinaufgegangen nach Haus, die Mama in der Mitte, und da ist der Kaiser mit dem Tschako an uns vorbeigefahren – und den hat’s gerissen. Da ist er die ganze Zeit bis zur Gloriettegasse, wo er eingebogen ist, verkehrt gesessen und hat uns nachgeschaut.“ (11d)

Diese – von Helene Berg persönlich beschriebene Szene – findet sich auch in der Biografie von Anna Nahowski wieder: „Es war im Jahr 1902 und ich komme mit meinen Kindern Anna u. Helene v. der Stadt u. gehe die Maxingstr. hinauf nachhause. Ein wunderbarar Trapp den ich nur zu gut kannte, lies mich nach rückwärts schauen. Der Kaiser im offenen Wagen allein kam uns nach. Sah mich u. die Kinder freundlich an, u. setzte sich sofort in eine andere Stellung, um den Kopf nach rückwärts gedreht nach uns zu sehen bis Er in der Gloriettegasse einbog.“ (11e)

Ich möchte daran erinnern, dass das Tonband von Helene Berg mit ihrem Neffen Erich im Jahre 1973 aufgenommen wurde. Das Buch über die Affäre von Anna Nahowksi und Kaiser Franz Joseph wurde von Friedrich Saathen im Jahr 1986 veröffentlicht. Dieses beinhaltet – bis auf ein Vorwort – nur Originalzitate aus dem Tagebuch. Es ist hier also gut möglich, dass Helene, dieselbe Szene sehr lebendig vor Augen hatte, als sie über diese mit ihrem Neffen sprach. Immerhin war sie zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Jahre alt.

So romantisch wie die Geschichte zwischen der 15jährigen Anna und dem 45jährigen Kaiser Franz Joseph begann, so nüchtern und abrupt endete sie. Kaiserin Elisabeth wusste Zeit ihres Lebens nichts von Anna. Kaiser Franz Joseph achtete stets penibel darauf, wenn Kaiserin Elisabeth anwesend war, dass kein Treffen zwischen ihm und Anna stattfand. Wenn sie sich „zufällig“ im Park begegneten, wandte er stets gelangweilt den Blick ab.

Fridrich Freiherr von Mayr, Generaldirector der Ah. Privat und Familien Fonde bittet um einen gütigen Besuch in seinem Bureau/Hofburg Schweitzerhof/zu einer amtlichen Besprechung. (12) So lautete die nüchterne Visitenkarte die Anna von ihrem Dienstmädchen erhielt. Als Anna Freiherr von Mayr tags darauf aufsucht, wird ihr ein Schriftstück zum Unterzeichnen vorgelegt. Vorher darf sie noch jede x-beliebige Summe nennen, die sie möchte. Die Affäre wurde lapidar beendet. Anna Nahowski wählte klug: 200.000 fl  – damit hatte sie ausgesorgt. 

Das Schreiben, welches sie unterzeichnete lautete: Ich bestätige hiermit daß ich am heutigen Tag 200.000 fl als Geschenk von Seiner Majestät den Kaiser erhalten habe. Ferner schwöre ich, daß ich über die Begegnung mit Seiner Majestät jederzeit schweigen werde. Anna Nahowski Wien, 14.5.1889 (13)

14 Jahre einfach gestrichen aus Franz Josephs Leben. 

Dass zu diesem Zeitpunkt Katharina Schratt bereits in Kaiser Franz Josephs Leben getreten war, wusste Anna. Es kränkte sie sehr, zumal Kaiser Franz Joseph an den Fenstern von ihr vorbei musste, um zum Haus von Katharina zu kommen. Anna ist sogar mehr als wütend, als Katharina die Frechheit besitzt, bei den Nahowskis nachzufragen, ob sie das Haus verkaufen würden.

Bis zu seinem Lebensende hoffte Anna auf ein Zeichen oder eine Erklärung. Sie bekam sie nie. Anna kam weder über die Affäre, noch über seinen Tod hinweg. Zeit ihres Lebens liebte sie ihn bedingungslos, was ihre Ehe zur Hölle werden ließ. Franz Nahowski trank im Überfluss und misshandelte seine Frau schwer. Anna leidet und liebt trotzdem. Auch als „Er“ (sie schreibt immer „der Kaiser“ oder „Er“ in ihr Tagebuch) längst tot ist. Anna überlebte Kaiser Franz Joseph um 15 Jahre. Sie liegt am selben Friedhof wie Katharina Schratt. Eine Fügung des Schicksals, dass sogar im Tode ihre Erzfeindin in ihrer Nähe ist. 

Katharina Schratt, Foto: Wikimedia/Commons

Katharina Schratt (*11.9.1853, †17.4.1940) ist die letzte (zumindest von der die Nachwelt weiß) und die bekannteste Affäre von Kaiser Franz Joseph.

Bis heute halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass er diese sogar heimlich geheiratet habe. Im History Magazin vom Kurier kann man folgendes dazu lesen: „Viel Staub wirbelte die Frage auf, ob der Kaiser „die gnädige Frau“, wie sie genannt wurde, miteinander verheiratet waren, zumal das Erzbischöfliche Ordinariat im März 1938 das „Trauungsbuch für Gewissensehen“ (=Geheimehen) vernichtete. Weil die Kirche damals Indiskretionen durch die eben einmarschierenden Nazis befürchten musste, gibt es keinen schriftlichen Beweis für die vielfach vermutete Eheschließung. Sehr wohl aber Aussagen durchaus glaubwürdiger Zeugen, denen die Eintragung vor der Vernichtung des Buches zu Augen kam. Einer, der das bestätigte, war der bekannte Politologe Norbert Leser. Und für den profunden Habsburg-Kenner Adam Wandruszka gab es „aufgrund der Fakten keinen Zweifel, dass Franz Joseph und Katharina Schratt verheiratet waren“. (13a)

Jeder darf glauben und behaupten was er möchte. Ich werde das nicht weiter kommentieren.

Zar Alexander III, Foto: Wikimedia/Commons

Die Schratt, wie sie im Wiener Volksmund genannt wurde, begegnete Kaiser Franz Joseph zum ersten Mal auf einem Ball. Als Burgschauspielerin und prominentestes Mitglied des Hofburgtheaters war sie zu allen großen Festen Wiens eingeladen. Der „Ball der Industriellen“ war 1885 also eine Art Pflichtveranstaltung für beide. Kaiserin Elisabeth sah Katharina Schratt bei einem Souper mit dem russischen Zaren Alexander III (*26.2.1845, †20.10.1894), da die anwesenden Künstler nach der Theatervorstellung zu diesem geladen wurden. Dabei fiel Kaiserin Elisabeth auf, dass Katharina Schratt ähnliche Interessen hatte, wie ihr Ehemann. Da sie annahm, dass ihr Ehemann einsam sei und auch um sich selbst zu befreien, förderte sie ab sofort die Beziehung mit dieser. Kaiser Franz Joseph war zu diesem Zeitpunkt bereits 55 Jahre alt, die Schratt 32.

Kaiserin Elisabeth konnte sich jedoch in ihren Gedichten mit Spott und Hohn nicht zurückhalten. Sie nannte die Schratt „dicklich“ und spottete in ihren Versen über den verliebten Oberon (Gestalt aus dem Sommernachtstraum, Shakespeare).

Dein dicker Engel kommt ja schon
Im Sommer mit den Rosen. 

Fantasiegestalt „Oberon“ nach Shakespeare, Foto und Illustration: Melissa Findley

Gedulde Dich, mein Oberon! 
Und mach nicht solche Chosen! 

Sie bringt sich mit ihr Butterfaß, 
Und läßt sich Butter bereiten, 
Sie macht mit Cognac die Haare naß
Und lernt am End noch reiten. 

Sie schnürt den Bauch sich ins Korsett, 
Daß alle Fugen krachen. 
Hält sich gerade wie ein Brett
Und „äfft“ noch andre Sachen. 

Im Häuschen der Geranien, 
Wo alles so fein und glatt, 
Dünkt sie sich gleich Titanien, 
Die arme dicke Schratt. (13b)

Dieses Gedicht hat Gräfin Marie Larisch-Wallersee (*24.2.1858, †4.7.1940) überliefert und dürfte – laut Brigitte Hamann – echt sein. Kaiserin Elisabeth hat dieses Spottgedicht allerdings nicht in ihr Gedichtbuch aufgenommen. Ein anderes allerdings schon:

Was Ob’ron treibt, das kümmert nicht Titanien, 
Ihr Grundsatz ist: Einander nicht genieren. 
Frist einer Disteln gerne und Kastanien, 
Sie selber will sie ihm offrieren (13c)

Katharina Schratt stellte sich jedoch als Glücksfall für den Kaiser heraus. Bald schon wurden tägliche Spaziergänge vereinbart und sie folgte ihm auch nach Ischl und an den Wolfgangsee. In Ischl wurde eine Villa gekauft, die ca. einen 20minütigen Fußmarsch erforderte; aber beide nahmen diesen gerne in Kauf.

Der alternde Kaiser blühte auf. Er war – wahrscheinlich – das erste Mal in seinem Leben glücklich. Auch wenn die Schratt weitere Affären nebenbei unterhielt, so war sie ihm stets eine loyale Freundin. Kaiser Franz Joseph dürfte von den Affären geahnt haben, denn in den ca. 900 Briefen die erhalten sind, reagiert er manchmal ziemlich eifersüchtig.

Aus heutiger Sicht konnten der Schratt 3 Affären nachgewiesen werden:
Graf Johann (Hans) Wilczek (*7.12.1837, †27.1.1922)
König Ferdinand I von Bulgarien (*26.2.1861, †10.9.1948)
und ihr junger Schauspielkollege Viktor Kutschera (*2.5.1863, †20.1.1933)

Hans Graf Wilczek, Foto: Wikimedia/Commons

König Ferdinand I von Bulgarien, Foto: Wikimedia/Commons

Allerdings kühlte sich das Verhältnis nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth merklich ab und 1900/1 gab es gar keinen Kontakt, da sie mit dem Kaiser stritt. Doch ohne Katharina konnte Kaiser Franz Joseph auch nicht mehr und so fingen die beiden wieder an, sich unzählige Briefe zu schreiben bzw. stundenlang spazieren zu gehen.

„Unter all den Menschen, die sich nach den strengen höflichen Vorschriften bewegten und in vollendeten diplomatischen Formen irgendwelche schwer erkennbaren Ziele verfolgten, unter all den Menschen, vor denen man mehr oder minder auf der Hut sein mußte, auch wenn sie offizielle Berater waren, begegnete dem Kaiser ein Mensch, der so redete, wie ihm der Schnabel gewachsen war, der nichts von ihm wollte, dem gegenüber man sich selbst auch ungezwungen geben durfte, ohne etwas zu vergeben. Welche Labsal für den Vereinsamten! Und dieser Mensch hatte die wunderbare Gabe, fesselnd zu plaudern und den Kaiser mit vielem vertraut zu machen, das ihm auf seiner einsamen Höhe unbekannt geblieben war.“ (15)

Viktor Kutschera, Foto: Wikimedia/Commons

Bis heute ist ungeklärt, ob die beiden nun auch eine leidenschaftliche Beziehung gehabt haben, oder ob das Ganze rein platonisch war. Nun, ich persönlich denke, dass hier mehr im Spiel war. Denn wer diese Geschichte gelesen hat, wird merken, dass Franz Joseph ein sehr umtriebiger Mann gewesen ist. Und mit Verlaub: Auch mit 55 Jahren ist ein Mann noch kein altes Eisen.

Beweisen lässt es sich heute natürlich nicht mehr, jedoch gibt es zahlreiche Hinweise aus den Briefen. 

„Unendlich glücklich macht mich die Mittheilung, daß Eure Majestät von mir träumten – wie gerne möchte ich in Wirklichkeit während der Nacht am Bette Eurer Majestät sitzen. Gedankenküsse auf Hand und Mund.“ Kaiser Franz Joseph schreibt zurück: „…, daß Sie mir im Bette Audienz erteilen, wie Sie es mir halb und halb versprochen haben.“ (16)

Katrin Unterreiner schreibt: „Katharina Schratt wurde zwar nicht im Testament Franz Josephs bedacht. Kürzlich entdeckte Verfügungen des Kaisers, wonach Katharina Schratt 2,5 Millionen Kronen – umgerechnet ca. 11 Millionen Euro – zusätzlich zu ihrer kostbaren Schmucksammlung und einem Ringstraßenpalais erhielt, sprechen jedoch eine deutliche Sprache – und sind bei einer reinen Freundschaft kaum vorstellbar. (16a)

Auch ein „Beweis“ sind die Zeilen über die „stille Woche“, wie sie Kaiser Franz Joseph nennt. Die „stille Woche“ ist in diesem Fall die Menstruation die natürlich die junge Schratt noch hatte. Katharina lag in diesem Fall die ganze Woche in ihrem Bett. Schlecht dürfte es ihr dabei nicht gegangen sein, denn in einem Negligé empfing sie sehr wohl den Kaiser. Franz Joseph schreibt darüber, dass diese Stunden sehr gemütlich und vertraulich waren. 

Die Briefe von der Schratt sind nicht vollständig erhalten, jedoch die Briefe an die Schratt. Wer sich mit ihnen beschäftigt, wird bemerken, dass sie nach und nach offener werden. Schreibt Kaiser Franz Joseph zu Beginn noch „Meine gnädige Frau“, wird dies zu „Meine liebe gnädige Frau“ und dann zu „Meine liebe Freundin“. Er ist immer per Sie und unterschreibt immer mit „Ihr treu ergebener Franz Joseph“.

Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt, Foto: Wikimedia/Commons

Kaiserin Elisabeth gegenüber erwähnt Kaiser Franz Joseph die Schratt in fast jedem Brief. Sie wird „die gute Freundin“ genannt und in einem dieser bittet Kaiser Franz Joseph Sisi keinen Kurvorschlag an Katharina zu machen, da sie (Sisi) sowieso schon so mitgenommen aussehe und „die gute Freundin“ sich dazu verleiten ließe, trotzdem mitzumachen. An Katharina wendet er sich mit der Bitte, die Kaiserin nicht genau zu betrachten, da sie verherrend aussehe und er fordert sie auf, das Thema Gesundheit nicht anzuschneiden.

Aus diesen Zeilen entnimmt man, dass Franz Joseph von seiner „Engels-Sisi“ nicht los kam und Katharina dies auch unverblümt mitteilte. Die Schratt eiferte Kaiserin Elisabeth in allem nach: Figur, Frisur, Kleidung – sie konnte sie nicht einmal ansatzweise erreichen.

Wer sich eingehend mit den Briefen von Franz Joseph an Katharina Schratt beschäftigen möchte, kann dies im Buch von Brigitte Hamann machen. Ich picke mir einen heraus, den ich einfach entzückend finde, weil es im Prinzip um Nichtigkeiten geht, aber viel über den privaten Kaiser aussagt:

„Ischl, den 16. Juli 1891.
Heute, theuereste Freundin, wirklich nur ein paar Zeilen, um Ihnen für Ihren lieben, guten Brief vom 13. innigst zu danken, den ich Vorgestern hier erhielt und zu melden, daß ich, wenn Sie erlauben, Morgen um 9 Uhr Früh hoch, oder vielmehr niedrig zu Roß, denn es ist nur ein Ponny, vor der Felicitas, Einlaß bittend, erscheinen werde. Ich hoffe, daß die Stunde keine zu frühe ist, da ich denke, daß die lieben Jünglinge Ihnen leider nicht lange Zeit zum Ausschlafen lassen werden. Gestern Früh habe ich bereits den neuen Übergang über die Ischl von rückwärts inspicirt und bin bis zum versperrten Thürl vorgedrungen. Über das Pfandl auf der Poststraße zurückkehrend, sah ich das neue gegen Räuber, Mörder und sonstige Zudringliche bestimmte Gitter und die neuen Einfahrtsthore auf der Vorderseite des Hauses. Von den Bewohnern war Niemand zu sehen, nur auf dem offenen Fenster des Bubenzimmers standen Gimpel und Kanari. 
Wie ich mich auf das morgige Wiedersehen freue, können Sie wohl denken und indem ich Ihnen eine recht gute, wo möglich ruhige Nacht wünsche und in Gedanken unzählige Stricherln sende, bleibe ich Ihr treu ergebener 
Franz Joseph“ (17) (Anmerkung: Stricherln sind Busserl oder Küsse 17a)

Und mit diesen Stricherln, die Kaiser Franz Joseph gedanklich an Katharina sendete, beende ich nun den 5. Teil.

Wenn man die unehelichen Kinder nun zusammenzählt, käme man auf die Zahl: 8 Eine ungeheure Zahl, die stimmen könnte, wenn es denn beweisbar wäre.

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Friedrich Weissensteiner, Michael und Karl Vocelka, Brigitte Hamann, Katrin Unterreiner, Joseph Caché, Gabriele Praschl-Bichler, Hubert Pointinger, Hugo Portisch, Georg Markus, Friedrich Saathen, Hermann Mailler
Bildrechte: billerantik.at, Wikimedia/Commons, amazon.de, dorotheum.com, Hubert Pointinger, ebay.at/DasPhotoquarium, absw.at, mugi-hfmt-hamburg.de, PressReader Kurier, Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek, wien.gv.at, Melissa Findley 


Literatur Hinweise:

1 – S. 46 – 47, 2 – S. 66
Friedrich Weissensteiner
Ich sehne mich sehr nach dir – Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs
Amalthea, 2. Auflage 2012

3 – S 121
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I – Kaiser von Österreich und König von Ungarn 1830 – 1816
C.H.Beck, 1. Auflage 2015

3 – S. 25, 13b – S 511/12, 13c S. 512 
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea, 11. Auflage, 1992

4 –  S. 36, 5a S. 92
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph 1830 – 1916 Mythos und Wahrheit
Christian Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2006 (nur noch antiquarisch erhältlich) 

5, 5b – S. 162 – 164, 8 – S. 162, 9 – S. 164, 14 – S. 166
Joseph Cachée, Gabriele Praschl-Bichler
Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!
Amalthea, 1. Auflage 1994

6 – S. 31
Hubert Pointinger
Die Salzprinzessin: Die geheime Geliebte Kaiser Franz Josephs
Ueberreuter, 1. Auflage, 2007

7 – S. 101/2, 11a – S. 137, 11c – S. 140, 11d – S. 140
Hugo Portisch, Georg Markus
Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen
Amalthea, 1. Auflage, 2008

10 – S. 42, 43, 11 – S. 146, 12 – S. 141, 13 – S. 144, 11e – S. 151, 11f – S. 81
Friedrich Saathen
Anna Nahowski und Kaiser Franz Joseph
Hermann Böhlaus, 1. Auflage, 1986

11b – S. 217
Wolfgang Gratzer
Zur „wunderlichen Mystik“ Alban Bergs
Boehler Verlag, 1. Auflage, 1998 (nur noch antiquarisch erhältlich)

15 – S. 90
Hermann Mailler
Frau Schratt
Steffel Verlag, 1. Ausgabe, 1947 (nur noch antiquarisch erhältlich)

13a – S. 87, 16 – S 86, 87
History Geschichtsmagazin, Kurier
Kaiser Franz Joseph I – Zum 100. Todestag
nicht mehr erhältlich

16a – S. 112, 17a – S. 112
Katrin Unterreiner
Kaiser Franz Joseph – Mythos und Wahrheit
Brandstätter Verlag, 1. Ausgabe, 2015 (Neuauflage)

17 – S. 251
Brigitte Hamann
Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt
Ueberreuter Verlag, 1. Ausgabe, 1992 (nur noch antiquarisch erhältlich)

 

 

Hochzeit Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 3)

Verlobungsbild Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, 1853, Foto: Wikimedia/Commons

Wir feiern heute den Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern, die mit dieser Hochzeit zum Hochadel avancierte und Kaiserin von Österreich wurde.

Die kleine Elisabeth verzauberte Kaiser Franz Joseph im August 1853 in Bad Ischl so sehr, dass nach 3 Tagen am 18.8.1853 bereits die Verlobung gefeiert wurde. Mein Beitrag zur Verlobung kann hier nachgelesen werden. 

Seit dem wurde die Hochzeit auf Hochtouren geplant. Die junge Braut wurde nicht lange gefragt. Unglückliche Gedichte schrieb sie in ihr Tagebuch, welche ebenfalls im Beitrag zur Verlobung nachgelesen werden können. Es half alles nichts. Anfang März 1854 unterschrieb ihr Vater Herzog Max den Ehepakt.

Direkt nach der Verlobung erhielt Sisi Heiratsgut im Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Weitere 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) wurde für die Absicherung für die Witwe vereinbart, vorausgesetzt Franz Joseph würde sterben. Als Morgengabe wurden 12.000 Dukaten vereinbart. Kaiser Franz Joseph verpflichtete sich weiters seiner Gattin jährlich eine Apanage von 100.000 Gulden (etwa € 1,34 Mil.) zu bezahlen. Elisabeth sollte also nicht „arm“ in der Ehe sein. Wie gut sie haushaltete, werden wir ein andermal aufarbeiten. Aber so viel sei erwähnt: Kaiserin Elisabeth richtete sich in der Schweiz ein Konto ein, so dass sie fernab vom Wiener Hof sehr gut Leben konnte. Sie war zeitweilig sogar reicher als ihr Ehemann.

Weiters wurde Wäsche und Schmuck als Ausstattung vereinbart, wobei diese sehr ärmlich war. Ludovika hatte mit der Hochzeit mit Helene gerechnet. Sisi war bei der Verlobung erst 15 Jahre alt und ihre Ausstattung weder komplett, noch für ein Kaiserhaus edel genug.

Die 25 Koffer die vor der Braut in Wien eintrafen, waren daher dem Gespött ausgesetzt. Elisabeth galt als „keine gute Partie“, noch bevor sie Wien erreichte. Ihre Silberausstattung galt als „bescheiden“. Die Silberausstattung, die damals als ein „Muss“ galt, hatte einen Gesamtwert von ca. 700 Gulden (€ 9.380). Handspiegel, Waschkanne und Silberteller bereits mit eingerechnet.

Einzig der Schmuck hatte einen höheren Wert, dieser wurde ihr jedoch im Laufe der Verlobungszeit von Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Sophie geschenkt. Der Wert des Schmuckes wurde auf 60.000 Gulden (€ 804.000) geschätzt.

Die Kleider hatten einen Wert von 50.000 Gulden (€ 670.000). Dabei besaß Sisi 4 Ballkleider, 17 Putzkleider, 14 Seidenkleider und 19 Sommerkleider. Das Wertvollste – ein blauer Samtmantel mit Zobelbesatz, sowie Zobelmuff – war natürlich wieder ein Geschenk von Franz Joseph.

Zum Vergleich: Ein Arbeitslohn für Männer betrug jährlich 300 Gulden (€ 4.020), Frauen nur die Hälfte, Kinder nur ein Bruchteil. Ein Leutnant hatte 24 Gulden monatlich (€ 321,60) zu erwarten, Soldaten dementsprechend weniger, Offiziere demnach mehr.

Zwar waren diese Beträge für jeden Bürgerlichen immer noch horrend und nicht zu erreichen, aber reiche Kaufleute konnten ihre Töchter weitaus besser ausstatten.

Der „vulgäre“ Landadel von den Herzogs „in“ Bayern wurde von jeher als „nicht standesgemäß“ betrachtet. Mein Beitrag zum Unterschied „in“ und „von“ Bayern, gibt euch Aufschluss.

Das Datum der Hochzeit wurde auf den 24.4.1854 angesetzt. Obwohl Ludovika um eine Hochzeit in München kämpfte, verlor sie auch diesen Punkt gegen ihren zukünftigen Schwiegersohn. Er ließ nicht mit sich Handeln. Die Hochzeit sollte in Wien, in der Augustinerkirche, stattfinden.

In Wien wurde derweil alles für dieses Großereignis vorbereitet. Obwohl die Gefahr eines Krimkrieges bevorstand und kaum abgewendet werden konnte, setzte man große Hoffnungen auf die Hochzeit mit Elisabeth. Wien wurde herausgeputzt.

Auch eine zusätzliche Strophe für die Kaiserhymne wurde geschrieben:

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns’re holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen
Ström‘ auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Joseph, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Musik: Joseph Haydn

Text: Johann Gabriel Seidl

Am 20.4.1854 bestieg Sisi mit ihrer Mutter Ludovika eine Kutsche um eine 3tägige Reise anzutreten. Gefolgt von ihrem Vater und den Geschwistern. Zuvor wurde noch groß Abschied in München genommen. Sisi verabschiedete sich von dem gesamten Personal, ihrem Stief-Onkel Ex-König Ludwig I. (der 1848 wegen dem Lola Montez-Skandal abdanken musste), dem regierenden König Max II und der gesamten Verwandtschaft. Sisi war in Tränen aufgelöst.

Schiff „Austria“ bei der Ankunft in Linz 21.4.1854,  Foto: Wikimedia/Commons

Am 21.4.1854 bestieg sie das Dampfschiff „Austria“ und fuhr von Straubing Richtung Linz. Franz Joseph entschied sich spontan seine Braut in Linz zu begrüßen und fuhr ihr aufgeregt entgegen. Das war nicht nur gegen das Protokoll, sondern auch eine ziemliche Überraschung für die Linzer, die mit der Ankunft des Kaisers so gar nicht gerechnet hatten. Schwiegermutter in spe, Erzherzogin Sophie, muss einer Ohnmacht nahe gewesen sein, als sie davon erfuhr. Kaiser Franz Joseph verstieß damit gegen die Etikette. Auch das Busserl, dass er vor Freude auf die Wange seiner Braut Elisabeth drückte, hätte nicht stattfinden dürfen. Es geziemte sich nicht in der Öffentlichkeit zu „Bussln“ – schon gar nicht für einen Kaiser. 

Linz begrüßte seine zukünftige Kaiserin mit gebührlichem Programm. Ein Theaterstück „Die Rosen der Elisabeth“ wurde aufgeführt, danach ein Chorgesang und ein Fackelzug durch die Stadt. Die junge Braut war zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft, stand aber alle Huldigungen durch.

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabethzimmer, Landhaus Linz, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Elisabeth übernachtete mit ihrer Gefolgschaft im Landhaus Linz. Ihr Zimmer ist heute noch erhalten, allerdings ist das Gebäude selbst ein Regierungsgebäude; es ist öffentlich nicht zugänglich. Ich durfte jedoch den Meetingsaal mit den Original erhaltenen Möbeln und Tapeten besuchen. 

Gegen 4.30 Uhr verließ der Kaiser Linz, um seine Elisabeth am Abend in Wien erneut zu begrüßen.

Ankunft in Nussdorf, Foto: minichen.ungarnportal.org

Der Raddampfer „Franz Joseph“ nahm am 22.4. erneut die Brautgesellschaft auf und fuhr pünktlich um 8.00 Uhr morgens ab. Die ganze Zeit musste Sisi am Schiff stehen, um mit einem Spitzentaschentuch den tausenden Leuten, die die Straßen und Ufer säumten, zu winken. Wie sehr das an den Nerven der 16jährigen Sisi zerren musste, kann man sich kaum vorstellen. Verschüchtert und voller Angst fuhr sie dem Ungewissen entgegen.

Unter Glockengeläut (alle Glocken in Wien läuteten) und Kanonendonner legte das Schiff in Nußdorf an und Franz Joseph gab Sisi wieder ein Busserl auf die Wangen. Die Menschenschar raste vor Begeisterung.  Nie zuvor und nie wieder danach, wurde eine Braut so derartig huldvoll begrüßt und empfangen.

Und obwohl Sisi sicherlich Ruhe gebraucht hätte, nahm man auf die erschöpfte Braut keine Rücksicht. Der Marathon ging weiter. Der Wagenzug mit dem Brautgefolge, Bräutigam und Eltern zogen von Nußdorf nach Schloss Schönbrunn wo ein großes Dinner statt fand.

„Ich habe den Kaiser schon lieb. Wenn er bloß kein Kaiser wäre.“ (1a) Diesen Satz soll Sisi gesagt haben, bevor sie sich mit dem Kaiser verlobt hat. Sie hat geahnt, was auf sie zukommen wird; was sie aber dachte, als sie all den Prunk und Protz in Schloss Schönbrunn mit seinen 1400 Zimmern erblickte, dazu die vielen Menschen die ihr alle die Hand küssen bzw. sie bestaunen wollten, ist leider nicht überliefert. „…man begafft mich wie ein seltenes Tier…“ – diese Textzeile aus dem Musical Elisabeth ist wohl noch harmlos ausgedrückt. 

Mit großer Feierlichkeit überreichte Franz Joseph sein Brautgeschenk. Eine Diamantenkrone, die extra für 100.000 Gulden (€ 1,34 Mil.) überarbeitet wurde. Hierzu ist im Musical Elisabeth eine Textzeile überliefert: „In der Schatzkammer fiel die Krone zu Boden…“ Dies galt als schlechtes Omen und wurde für eine schlechte Ehe vorausgesehen. Danach wurden alle anderen Geschenke überreicht. Ex-Kaiser Ferdinand überreichte ihr ebenfalls ein Diamantendiadem.

Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha, kurz Gräfin Esterházy, Lithographie Josef Kriehuber, 1833, Foto: Wikimedia/Commons

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. Gräfin von Bellegarde, Foto: Wikimedia/Commons

Zu all dem wurden ihr noch ihr völlig fremde Personen zugeteilt. Alle Damen, die sie bis jetzt betreuten, wurden ihres Dienstes enthoben. Statt dessen wurde ihr als Obersthofmeisterin Sophie Maria Josepha Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gräfin Esterházy von Galántha (*5.9.1798, † 17.6.1869) zur Seite gestellt. Gräfin Esterházy war Hofdame bei Erzherzogin Sophie und eine ihrer engsten Vertrauten. Sisi hat Gräfin Esterházy vom ersten Anblick an abgelehnt. Zu Recht, denn die Gräfin hatte nichts besseres zu tun, als jede kleine Verfehlung die sich die junge Kaiserin erlaubte an Erzherzogin Sophie weiterzuerzählen. Sie behandelte Sisi wie ein unmündiges kleines Kind und erzählte ihr weiters den gesamten Tratsch vom Hof, der die Kaiserin nicht im geringsten interessierte. Weiters wurde ihr Obersthofmeister Fürst Lobkowitz zur Seite gestellt.

Pauline Marie Gräfin von Königsegg zu Aulendorf, geb. von Bellegarde (Gräfin Bellegarde) (*2.4.1830, † 27.5.1912) und Gräfin Lamberg vervollständigten das direkte Personal von Elisabeth. Zusätzlich zogen ein Sekretär, eine Kammerfrau, ein Kammerthürhüter, vier Leiblakeien, ein Hausknecht und ein Kammerweib mit Elisabeth in die Hofburg bzw. Schloss Schönbrunn. Das dies die kleine Prinzessin aus Bayern einschüchterte wird jedem verständlich sein.

Am 23.4. wurde der Hochzeitsmarathon fortgesetzt. Vom heutigen Theresianum (damals „Favorita“ und von Franz Joseph kaum noch benützt) wurde das strenge Zeremoniell gestartet, wo Sisi bereits seit einigen Stunden für dieses Ereignis hergerichtet wurde. Sisi trug ein rosa Putzkleid mit Schleppe, welches mit Rosengirlanden geschmückt war. Das neue Diamantendiadem wurde ihr auf den Kopf gesetzt. Sisi war überaus verängstigt und schluchzte leise vor sich hin. Aber auch Ludovika schüchterte diese enorme Zeremonie ein. Die von 8 Lipizzanern gezogene Prachtkutsche, wurde mit Leibgardisten in Paradeuniform begleitet. Weiters folgten dem Tross 6spännige Kutschen mit den Geheimen Räten, Palastdamen und der Familie. Neben den Wägen gingen die Diener.

Elisabethbrücke über den damals noch nicht regulierten Wien Fluss. Diese verband Wien „Innere Stadt“ und „Wieden“; Foto ca. 1895 Foto: Nationalbibliothek 

Der Zug führte über die neue Elisabethbrücke (wurde 1898 nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth demoliert) zur Karlskirche. Als der Zug vor der Kirche ankam erklangen wieder alle Glocken, um den Einzug der Braut zu würdigen. Die Straßen waren voll von Schaulustigen, die sich alle einen Blick auf die baldige Kaiserin erhofften.

Als sie endlich bei der Hofburg ankam, war sie zu Tode erschöpft. Beim Ausstieg aus der Kutsche, passierte ihr deswegen ein kleiner Fauxpas. Sie blieb mit der Diamantenkrone an der Türfassung der Kutsche hängen und strauchelte daher beim Aussteigen. Der Wiener Hof hatte gleich wieder zu lachen und zu tratschen, da dieses Missgeschick natürlich ausgerechnet vor allen Augen passierte.

Im Amalienhof (Trakt der Hofburg) angekommen, durfte sich die junge Braut endlich ausruhen. Sisi schreibt in ihr Tagebuch:

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker –
Und Freiheit! Du, mir abgewandt. (1)

„Eine Vorstellung wie die Hochzeitszeremonie aussah“, Neue Illustrierte Zeitung, 1879 zum 25. Hochzeitstag veröffentlicht, Holzstich, Anonym, Foto: Wikimedia/Commons

Am nächsten Morgen gingen die Hochzeitsvorbereitungen erneut los. Die Hochzeit war für 19.00 Uhr am Abend angesetzt. Jede Braut kennt die Vorbereitungen die an diesem Tag auf sie warten. Eine 16jährige Braut und noch dazu die zukünftige Kaiserin, musste noch strengere Vorbereitungen über sich ergehen lassen.

 

 

 

Schleppe vom Brautkleid, als einziges komplett erhalten, Wagenburg Schloss Schönbrunn Foto: KHM Wien

Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme, Ausstellung Sisi-Schloss Aichach 2014 Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Haar-Brautschmuck: Blütenkranz aus Goldgespinst und 2 Steckkämme, Ausstellung Sisi-Schloss Aichach 2014 Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Bis heute weiß niemand genau, wie das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth aussah. Bei der Hochzeit selbst waren nur die engsten Familienangehörigen, der Hofstaat und die Kardinäle anwesend. Deswegen existieren keine genauen Aufzeichnungen wie Elisabeth am Tag ihrer Hochzeit aussah.

Aber wenn man sich diese Aufzeichnungen ansieht, kann man sich das genaue Ausmaß ungefähr vorstellen: Ihre königliche Hoheit trug ein Schleppenkleid und einen Mantel von Moire antique, prachtvoll mit Gold und Silber gestickt und reich mit Myrthen verziert. Auf ihrem Haupte glänzte das nämliche Diadem, welches ihre durchlauchtigste Schwiegermutter, die Erzherzogin Sophie, an ihrem Vermählungstage getragen hatte. Über die Schultern der kaiserlichen Braut wallte ein Spitzenschleier herab und die Brust schmückte ein frischer Rosenstrauß. (2)

 

Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher Foto: Wikimedia/Commons

Die Kirche wurde mit 15.000 Kerzen erleuchtet und die junge Braut betrat die Augustinerkirche, wo 70 Kardinäle, Bischöfe und Prälaten auf sie warteten. Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher (*6.10.1797, † 24.11.1875) nahm die Trauung vor.

Auch Wien erstrahlte im schönsten Licht. Kerzen, Gasflammen und elektrische Glühlampen wurden angezündet.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Danach zog der Hochzeitszug zurück in die Hofburg, wo wieder das steife Zeremoniell begann. Nun in Form der Huldigungen und Glückwünsche die auf die ermüdete und erschöpfte Braut zukamen. Gräfin Esterházy stellte die „Palast- und appartementmäßigen Damen“ und Oberhofmeister Lobkowitz die „Kavaliere des Hofstaates“ vor. Die Damen durften nun zum Handkuss vorgelassen werden.

Sisi vollkommen übermüdet, verwirrt und verweint reagierte natürlich falsch und wartete, dass die Damen das Wort an sie richteten. Man kann sich lebhaft vorstellen, was das wiederum für ein Getuschel und Getrasche war, als die Kaiserin nicht selbst das Wort an die Damen richtete. Das Hofprotokoll sah vor, dass man die Kaiserin nicht ansprechen durfte. Nur die Kaiserin selbst durfte das Gespräch beginnen. Die nächste Peinlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Als sie zwei ihr bekannte Cousinen sah, zog sie ihre Hand zum Handkuss zurück und umarmte die beiden. Ihre Obersthofmeistern war so entsetzt, dass sie Sisi streng aufforderte, nur nach Zeremoniell zu handeln. Sisi durfte nur noch die Hand für den Handkuss reichen. Vor lauter Scham brach sie in Tränen aus und verließ den Saal. Die peinliche Szene konnte der ganze Wiener Hof beobachten, man mag sich dies auch in der heutigen Zeit gar nicht ausmalen. Der Skandal war perfekt, auf Monate hin, war für Hohn und Spott gesorgt.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Nach 23.00 Uhr waren endlich alle Feierlichkeiten abgeschlossen und die „Bettlägeszene“ wurde vorbereitet.

Ludovika und Sophie begleiteten Elisabeth in ihr Schlafzimmer und halfen Sisi sich für die Hochzeitsnacht herzurichten. Sophie schrieb: „Sie versteckte ihr hübsches, von einer Fülle schönem Haar umflossenes Gesicht in ihrem Kopfpolster, wie ein verschreckter Vogel der sich in seinem Nest versteckt.“ (3) Die Ehe wurde nicht vollzogen.

Augustinerkirche 2017 Foto: sternenkaiserin.com – Marie 

Am nächsten Tag tauchte Sophie beim gemeinsamen Frühstück auf und ließ sich von Franz(i) erzählen, wie die Hochzeitsnacht gelaufen sei. Franz Joseph musste verneinen. Auch die Kammerzofen und Lakaien wussten bereits, dass es keinen Vollzug gab. Das verräterische Bettzeug wurde entfernt und neu bespannt. Sisi schämte sich zu Tode. Auch am 2ten Tag konnte kein Erfolg vermeldet werden. Mittlerweile tuschelte schon der gesamte Hof. Erst am 3ten Tag konnte die Ehe vollzogen werden. Kaiser Franz Joseph fand sich zum Frühstück bei seiner Mutter ein und bat auch Sisi zu kommen. Dort berichtete er von dem Vollzug. Sisi aber blieb noch eine Weile im Bett, weil sie sich schämte. Sie folgte erst später.

Elisabeth erzählt folgendes später Marie Festetics: „Der Kaiser war so gewohnt, zu folgen, daß er sich auch darin ergab. Aber mir war das gräßlich. Ihm zu lieb ging auch ich.“ (4)

Bis zum 30.4.1854 zogen sich die Hochzeitsfestlichkeiten. Es fand noch ein Hofball, Theateraufführungen, ein Staatsdinner mit 160 geladenen Gästen uvm. mehr statt.

Schloss Laxenburg, Franzenburg Foto: Schloss Laxenburg

Die Flitterwochen wurden in Schloss Laxenburg abgehalten. Doch die verbringt Elisabeth zum größten Teil allein. Franz Joseph musste jeden Morgen zurück,, um die Staatsgeschäfte zu erledigen. Sisi litt unter großem Heimweh. Hinzu kam das strenge Protokoll. Als bayrische Herzogin wurde sie frei und relativ unkonventionell erzogen. Ab sofort durfte sie sich nicht mehr alleine anziehen, ausreiten oder gar Spazierengehen. Sogar ihre Mahlzeiten musste sie in „fremder“ Gesellschaft einnehmen. Elisabeth musste das Protokoll einhalten und die dafür vorhergesehen Personen mitnehmen. Eine Qual, wenn man bedenkt, dass Elisabeth auf diese Aufgabe nicht vorbereitet wurde. Bereits im Juni musste Elisabeth bei Reisen nach Böhmen und Mähren ihren Kaiserinnenpflichten nachgehen.

 

 

25. Jahre später
25.4.1879

Diamantenbesticktes Kleid zum 25. Hochzeitstag, 24.4.1879. Kaiserin Elisabeth war 41 Jahre alt

Kaiserin Elisabeth lebte bereits lange ihr eigenes Leben. Sie war mittlerweile 41 Jahre alt und schön wie eh und je. Kaiser Franz Joseph lebte immer noch das steife Leben eines Monarchen, der nicht anders konnte, als seine Pflicht zu erfüllen. Er verehrte seine „Engels Sisi“ und hoffte immer noch, dass sie ein Leben zusammen führen könnten. Die Wiener hofften auch immer noch, eine Kaiserin zu bekommen, die endlich ihre Pflichten wahrnahm und ihrer Stellung ein Tun einhauchte.

Kaiserin Elisabeth nahm das Fest mit eisiger Kälte und einer demonstrativer Teilnahmslosigkeit hin. Die Ehe galt im inneren Kreis längst als zerrüttet. Elisabeth wollte nicht einmal mehr den äußeren Schein wahren. Die zahlreichen Affären ihres Mannes, die noch während der glücklichen ersten Jahre begannen und sie damals noch zu Tränen rührten , tangierten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Mit wem der Kaiser verkehrte und welchen Tratsch es darüber gab, habe ich im Teil 5 erzählt. Mein Beitrag kann hier nachgelesen werden.  Im Hintergrund liefen die Vorbereitungen für ihren Irland Aufenthalt auf Hochtouren.

Ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth, dass sie für „ihre Zukunftsseelen“ hinterließ, zeigen sehr genau, wie sie über ihre Ehe dachte:

Nur staune nicht, wenn beim Verrichten
Nach altem Patriarchenbrauch
Der legitimen Ehepflichten
Dich streift ein eisigkalter Hauch.

zeugt von ihrem Hass auf ihre Ehe und alles was damit verbunden war.

Auch das Gedicht

Für mich keine Liebe
Für mich keinen Wein,
Die eine macht übel,
der andere macht spei’n

lässt nichts gutes erahnen. (5)

Ausschnitt des Altarbildes von Hans Canon; 25.4.1879, Zu erkennen: Madonna mit dem Jesuskind, link hl. Franz von Assisi, rechts hl. Elisabeth Josefskapelle Wien Foto: Wikimedia/Commons

Selbstportrait Hans Canon Foto: Wikimedia/Commons

Erzherzogin Gisela, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Marie Valerie schenkten den Eltern ein Altarbild. Ein Tryptichon, welches von Rubin inspiriert wurde. Der Maler war niemand geringerer als Hans Canon (*15.3.1829, †12.9.1885). Sein Bild zeigt die heilige Elisabeth, den heiligen Franz von Aissisi (beide die jeweiligen Namenspatronen) und die heilige Madonna mit dem Jesuskind. Links und rechts des Bildes sind jeweils Kronprinz Rudolf und Marie Valerie, sowie Gisela kniend vor ihrem Mann Leopold zu sehen. Das Bild wurde in der Josefskapelle in der Hofburg aufgestellt und kann heute besichtigt werden.

 

Silberhochzeitskleid Kaiserin Elisabeth, Ausstellung 2016, Sisi Schloss Aichach, Foto: myheimat.de

Vespermantel, Maria Taferl, Foto: sternenkaiserin.com – Marie

Das Kleid selbst trägt seine eigene Geschichte. Laut Prager Tagesblatt vom 27.4.1879 ist es das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth, welches sie am 25.4.1854 getragen hat. Bis dahin war es in Possenhofen aufbewahrt worden. Das Kleid wurde nach Prag gebracht, wo es aufwändig und nach den Wünschen der Kaiserin umgearbeitet wurde. Es war Diamantenbestickt mit Gold- und Silberfäden versehen. Das Kleid wurde im Zuge einer Ausstellung im Sisi-Schloss Aichach gezeigt. Danach wurde das Kleid der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl gespendet. Aus den Nähten der Bestickung des Hochzeitskleides, wurde ein Vespermantel gemacht. Mein Beitrag zum Vespermantel kann hier nachgelesen werden. 

Festplatz vor dem Äußeren Burgtor, Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Die fast fertiggestellte Ringstraße sollte Kulisse für das Prunkfest sein. Otto Wagner persönlich gestaltete das Kaiserfestzelt vor dem Äußeren Burgtor. Hans Markart gestaltete das Fest.

Festzug zum 25. Hochzeitstag, Xylografie 1879 Foto: Schloss Schönbrunn, habsburg.net

300.000 Menschen säumten die Wiener Ringstraße, 120 Festbühnen und das gesamte Kaiserreich war auf den Beinen. Eines der seltenen Anlässe, wo man Kaiserin Elisabeth bestaunen konnte. Und die Wiener taten dies mit Freuden.

Ebenfalls an diesem Tag wurde die Votivkirche eingeweiht. Zum Dank, dass Kaiser Franz Joseph das Attentatsversuch durch János Libényi überlebt hatte, wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian am 24. April 1856 eine Kirche in Auftrag gegeben. Nach 23 Jahren Bauzeit war sie endlich fertig und konnte eingeweiht werden. Unseren Beitrag zum Libényi-Attentat findet ihr hier.

Votivkirche ca. 1900, Foto: bildarchivaustria.at

 

Votivkirche, Innen, Foto: Wikimedia/Commons

Dies alles half aber nichts mehr. Kaiserin Elisabeth floh sofort nach diesem Festakt und kehrte immer nur für kurze Zeit nach Wien zurück. Es sollte niemals eine Verbundenheit mit dieser Stadt geben. Der Wiener Hof, sein Hohn und Spott, den die junge Braut zu spüren bekam, sollten sie auch noch im Alter verfolgen. Sie hasste regelrecht die Wiener Gesellschaft und alles was damit verbunden war.

 

 

~ Marie ~

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Werner Schima, Presse, Michael Kunze
Bildrechte: Günther Grünstendel Musik für die Synagoge Universitätsbibliothek Augsburg, habsburg.net, Österreichische Nationalbibliothek, sternenkaiserin.com, Kunsthistorisches Museum Wien, Wikimedia/Commons
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise:

1 – S 39
Presse Geschichte – Heft
Franz Joseph I Kaiser von Österreich

2 – S 53
Michael Budde
Sisis Hochzeit

1a – S. 35, 3 – S 76, 4 – S 78
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen
Amalthea Verlag, 11. Auflage 1992

5 – S 63
Werner Schima
Sisi – Die ganze Wahrheit


 

Kaiser Franz Joseph – Libényi Attentat (Teil 2)

Kaiser Franz Joseph I, Gemälde nach Eduard Klieber, 1851, Foto: @Dorotheum  Wien

„Sei brav, es ist gern geschehen“ mit diesen Worten verabschiedete sich Ex-Kaiser Ferdinand I. von seinem Neffen und jetzigen Kaiser Franz Joseph und übergab ihm ein mehr oder weniger desolates Reich.
Danach war der Kaiser auf sich allein gestellt. Natürlich hatte er seine Minister und seine Mutter um sich, aber der 18jährige Franz Joseph wurde mit einer Herrschaft betraut, die schwieriger nicht hätte sein können.

Unseren Beitrag zur Kindheit von Kaiser Franz Joseph (Teil 1) können sie hier nachlesen.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen.  Danke!

Damit wenden wir uns vom Jahr 1848 ab und gehen weiter ins Jahr 1853.

Am 18.2.1853 fand ein Attentatsversuch statt, der noch Jahre nachhallen und viele neue Wege bereiten sollte.

Wir werden nicht den Versuch unternehmen und die politische Situation dieser Tat hervorzuheben; sondern vielmehr die historischen Ereignisse nach der Tat aufarbeiten. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Kaiser Franz Joseph ging, wie jeden Tag zu Mittag an der Kärntner Bastei spazieren. Einzig sein Flügeladjutant Maximilian Karl Lamoral Graf O’Donell von Tyrconell (*29.10.1812, †14.10.1895) begleitete ihn. Vom Basteiwall aus, wollte der Kaiser den exerzierenden Truppen zusehen, als er plötzlich von hinten, von einem jungen Mann angesprungen wird. Dieser versuchte ihm ein Messer ins Genick zu stechen.

Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard, Lithographie August Prinzhofer 1848, Foto: Wikimedia/Commons

Maximilian Karl Lamoral, Graf O’Donell von Tyrconell 1853, Foto: Wikimedia/Commons

Was dann wirklich geschah, ist heute kaum noch richtig zu rekonstruieren, aber in den vielen Geschichtsbüchern wurde überliefert, dass eine Frau, die von einem Fenster die Szene beobachtet hatte, laut aufgeschrien und sich deshalb Franz Joseph umdrehte. Deshalb verfehlte der Attentäter sein Ziel. Stattdessen erwischte er nur den Uniformkragen. Von der Schnalle auf der Halsbinde glitt die Klinge erneut ab und traf den Kaiser in den Hals. Dabei rief er laut: „Eljen Kossuth“. (Es lebe Kossuth). Lajos Kossuth de Kossuth et Udvard (*19.9.1802, †20.3.1894) war ein Revolutionär, der 1849 die ungarische Republik ausrief und vom Exil aus die Loslösung Ungarns von Österreich propagierte.

Als der Attentäter nochmals zustechen wollte, zog O’Donell sofort seinen Säbel. O’Donell wurde bei dem folgenden Gerangel an der Hand verletzt, als er den Täter zu Boden werfen wollte und dabei vom Messer getroffen wurde. In dem Augenblick als der Täter am Boden lag, kam der ehemalige Fleischhauer und Privatier Josef Ettenreich vorbei und half O’Donell, in dem er den Täter mit den Fäusten schlug und ihn niederhielt. Kaiser Franz Josef schrie auf: „Schlagen Sie ihn nicht, man soll ihn arretieren.“

Attentatsversuch 18.2.1853 v.l.n.r.: Graf O’Donell, Kaiser Franz Joseph, János Libenyi, Josef Ettenreich Gemälde: J.J.Reiner, 1853 Foto: @Wien Museum Karlsplatz

Der Kaiser, der kaum verletzt schien, aber stark blutete, beruhigte die versammelten Leute mit den Worten: „Beruhigt euch, es ist nichts! Ich trage nur das Schicksal meiner braven Soldaten in Mailand.“ (1)

Der Kaiser spielte auf den Verlust der 12 österreichischen Soldaten beim Aufstand in Mailand an, welcher am 6.2.1853 stattfand.

Mittlerweile konnte der Attentäter abgeführt werden. Es handelte sich dabei um János Libényi, welcher im Dezember 1831 in Csákvár, Ungarn geboren wurde. Über seine Kindheit ist uns leider nichts in die Hände gefallen. In den schwierigen Revolutionsjahren 1848/49 war er Militärschneider für die Aufständischen. Ab 1851 lebte er als Schneider in Wien.

Freiherr Johann Nepomuk Seeburger Foto: @ÖNB

Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu, Lithographie Joseph Kriehuber 1844, Foto: Wikimedia/Commons

Derweil wurde Kaiser Franz Joseph ins Albrechtspalais gebracht, wo er von den eilig herbeigerufenen Ärzten, dem pensionierten Chirurgen von Kaiser Franz II/I Freiherr Joseph Wattmann von Maëlcamp-Beaulieu (*6.3.1789, †14.9.1866) und der kaiserliche Leibarzt Freiherr Johann Nepomuk Seeburger (*29.4.1800, †7.5.1870) die beide die Wunde untersuchten. Da Graf O’Donell leicht hysterisch meinte, die Klinge könnte vergiftet worden sein, saugte Seeburger die Wunde aus. Diese war 2,54 cm lang und klaffte stark auseinander. Sie blutete heftig, war aber nicht allzu tief. Während alle anderen den Schrecken nur sehr schwer verarbeiteten, war Kaiser Franz Joseph putzmunter. Als Erzherzog Ferdinand Maximilian im Albrechtspalais ankam, fand er einen kaltblütig wirkenden Kaiser vor. „Es ist gar nichts … daß nur meine Mutter nichts davon erfährt.“ (2)

 

Tatwaffe vom Attentatsversuch auf Kaiser Franz Joseph, 18.2.1853. Foto: @Privat – Ausstellung 2016, 100 Jahre Kaiser Franz Joseph – Hofmobiliendepot Wien

Bei der Tatwaffe handelte es sich um ein gewöhnliches Küchenmesser, dem Libényi eine doppelte Klinge geschliffen hatte. 14 Tage saß er täglich auf der selben Bank, um den Kaiser bei seinem Spaziergang zu beobachten. Eine Verschwörung und Mittäterschaft mehrerer Personen konnte nie nachgewiesen werden.

Libényi nannte nie wirklich ein Motiv. Angeblich war er wegen der vielen Hinrichtungen in seinem Land in den Revolutionsjahren so aufgebracht gewesen, dass er auf Kaiser Franz Joseph einen unbändigen Hass entwickelt hatte. Er verehrte Kossuth über alle Maße und glaubte, dass dessen Reden die einzig richtigen wären.

1920 ist eine sehr zweifelhafte Version eines Oberpolizeirates und Kriminalschriftstellers aufgetaucht: Angeblich soll Franz Joseph eine Affäre mit Margit Libényi, der Schwester von János gehabt haben. Um die Familienehre wieder herzustellen, wollte er Margit rächen. Dieses Gerücht ließ sich nie aufgreifen.

Vor seinem Tod nannte Libényi seinen Freund Johann Misits, den man nach seinem Tod verständigen sollte.
Am 26.2.1853 wurde er bei der Spinnerin am Kreuz in Favoriten bei Wien (damals noch bei Wien, heute ist Favoriten der 10. Gemeindebezirk) per Strang hingerichtet.

Und weil die Wiener immer gerne Spottverse gedichtet haben, wurde auch eins auf den Tod des Schneiders gedichtet. In der 2ten Zeile merkt man, dass damals Kaiser Franz Joseph beim Volk noch nicht sehr beliebt war. Wobei der genannte Ort eine Mär ist. Im Vers lautet es „Simmeringer Had“ (Simmeringer Heide, 11. Wiener Gemeindebezirk), Libényi jedoch starb bei der Spinnerin am Kreuz, in Favoriten.

Auf der Simmeringer Had‘, hat’s an Schneider verwaht
es g’schicht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht.
Auf der Simmeringer Had‘, hat’s an Schneider verwaht
mit der Nadel samt dem Öhr, samt dem Zwirn und der Scher‘.
Auf der Simmeringer Had‘, hat’s an Schneider verwaht
allen sei es a Lehr, er lebt nimmermehr
Und Leut’ln hurcht’s auf, der Wind hört schon auf,
gang er allerweil so furt, wa ka Schneider mehr durt.

Im übrigen ist das Wiener Mundart ;-). Es zu übersetzen, würde den Wiener Charme zerstören; aber ein paar Worte „übersetze“ ich:
verwaht = veraltet für aufgehängt
g’schicht = geschieht
hurcht’s = aufhorchen

Johann Misits ereilte ein böses Schicksal. Ob er wirklich an der Verschwörung zur Tat beteiligt war, konnte ich leider nicht herausfinden. 18 weitere Schneidergesellen wurden verhaftet. Misits wurde zu 20 Jahren Schanzarbeit (schwere Erdarbeiten mit Spaten) in schwerem Eisen verurteilt.

Während der eine starb und der andere vielleicht für eine Tat verurteilt wurde, die er nicht beging, wurden zwei andere gehuldigt und verehrt und der Dritte vergessen.

Franz Joseph wurde von vielen Seiten zu seiner Tapferkeit belobigt. Viele Glückwünsche trafen in der Wiener Hofburg ein. Papst Pius IX sendete eine Reliquie des heiligen Petrus, die noch heute in der Schatzkammer bewundert werden kann.

Johann Baptist Strauss (Johann Strauss „Sohn“), Lithographie Josef Kriehuber, 1853 Foto: Wikimedia/Commons

Johann Strauß Sohn komponierte den „Kaiser Franz Joseph I.-Rettungs-Jubelmarsch (Op. 126)“ (3). Nach dem sich der Kaiser von seiner Verletzung erholt hatte (er litt unter Fieber und hatte ein eingeschränktes Sehvermögen) und er erstmals am 12. März 1853 wieder ausfahren konnte, bekam er viele Ovationen von den Menschen, die sich auf den Straßen versammelt hatten. Generell hatte sich die Beliebtheit des Kaisers durch diesen Vorfall erhöht. Nur in Italien und Ungarn ärgerte man sich, dass der Schneider nicht besser getroffen hatte. Eine Schmähschrift: „Lieber Franz I. Luder und Schelm! Es tut mir Leid vernommen zu haben, daß das schöne Attentat gegen Euch am 18. Februar zunichte geworden ist, denn wäre es gelungen, hätte man in Padua große Freude gehabt, weil ein Barbar weniger auf der Welt wäre, der Italien, den Garten Gottes tyrannisiert.“ (4)

Vergessen hingegen wurde der Flügeladjuant Graf O’Donell. Auch wenn ihm Dankschreiben ereilten und er (und Ettenreich) eine Büste am Heldenberg bekam(en), wurde er nicht so gehuldigt wie Josef Ettenreich. O’Donell zog sich daraufhin beleidigt in sein Privatleben zurück.

Josef Christian Ettenreich, Lithographie August Dauthage 1853; ab 23.4.1853 Josef Christian Ritter von Ettenreich, Foto: Wikimedia/Commons

 

Josef Christian Ettenreich (*25.8.1800, †4.2.1875) wurde am 20.2.1853 mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet. Weiters wurde er am 23.4.1853 in den Adelsstand erhoben und hieß ab sofort Josef Ritter von Ettenreich. Am 25.4.1853 bekam er noch die Salvatormedaille der Stadt Wien verliehen.

 

 

 

 

 

Franz Josephs Orden, verliehen an Josef Ettenreich am 20.2.1853, Foto: @Alex.ryazantsev

Salvatormedaille, Vorderseite, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853 Foto: @wien.gv.at/salvatormedaille

Salvatormedaille, Hinterseite, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853 Foto: @wien.gv.at/salvatormedaille

Schatulle zur Salvatormedaille, verliehen an Josef Ettenreich am 25.4.1853 Foto:@wien.gv.at/salvatormedaille

Gedenktafel am ehemaligen Gasthof „Zum Grauen Adler“ (im Besitz von Ettenreich) – Margaretenstraße 9, 1040 Wien Foto: @viennatouristikguide.at

Zeit seines Lebens war Franz Joseph dem Fleischhauer für sein Einschreiten dankbar. Als Ettenreich schließlich 1875 starb, bekam er im 10. Wiener Gemeindebezirk seine eigene Gasse, die „Ettenreichgasse“.

Mosaiktafel in der Ettenreichgasse Nr. 22, Foto: @Reinmichl

 

Nora Hiltl (1954) Foto: @wien.gv.at/norahiltl

Die Zuneigung ging so weit, dass Ettenreichs Tochter Barbara (*18.1.1830, †7.1.1908) als sie Robert Neumann von Spallart heiratete, der Adelstitel auf den Schwiegersohn übertragen wurde, womit der Name „Ritter Neumann-Ettenreich“ gegründet wurde und einige berühmte Personen hervorbrachte. Enkel Robert wurde „ständiger Berichterstatter des österreichischen Verfassungsgerichtshofes“, Ur-Enkel Robert wurde Physiker und Ur-Ur-Enkelin Nora Hiltl (*21.6.1905, †2.1.1979) war eine berühmte Politikerin.

 

Heinrich Freiherr von Ferstel, Lithographie A. Schubert 1880, Foto: Wikimedia/Commons

Zu guter Letzt und zur Erinnerung an das Überleben von Kaiser Franz Joseph, erwirkte sein Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian, dass eine Kathedrale errichtet werden sollte. Er rief zu einem Spendenaufruf auf, dem 300.000 Bürger folgten. Heinrich Freiherr von Ferstel (*7.7.1828, †14.7.1883) der damals mitten in den Bauarbeiten zum Bank- und Börsengebäude (das heutige Palais Ferstl) steckte, wurde mit den Bauarbeiten zur Votivkirche beauftragt.

Ferstl, der einer der besten Architekten dieser Zeit war, hat uns so wunderbare Bauten wie das zB eben genannte Palais Ferstl (früher das Gebäude zur österreichischen-ungarischen Nationalbank und Wiener Börse), Palais Wertheim, Museum für Angewandte Kunst, Palazzo del Lloyd (Triest) und das Hauptgebäude der Universität Wien hinterlassen. Er starb leider bereits mit 55 Jahren. Sein Mausoleum ist einer kleinen gotischen Kirche nachempfunden. Zu finden ist es am Grinzinger Friedhof.

 

Grundsteinlegung Votivkirche. Kolorierte Lithographie F. Kollarz. 1856 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Am 24.4.1856 wurde unter dem Beisein von Kaiser Franz Joseph, Kardinal Rauscher und 80 Bischöfen und Erzbischöfen der Grundstein gelegt.

 

Bau der Votivkirche; Chorpartie Richtung Theseustempel (Volksgarten); 1860 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Bau der Votivkirche. Halbtürme eingerüstet. Oscar Kramer 1865 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Blick auf die Kirche von erhöhtem Standpunkt aus. Links hinten die Universität in Bau. Wilhelm Burger 1880 Foto: @ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

 

Fertige Votivkirche mit Grundriss 1879

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Orgel 1878 Foto: @Bwag/Commons

Hochaltar Foto: @Bwag/Commons

komplett Ansicht Innen Foto: @Bwag/Commons

 

23 Jahre sollte der Bau dauern. Am 24.4.1879, zum 25. Hochzeitstag von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth wurde sie eingeweiht.

Der Platz, auf dem die Kirche steht, wurde Maximilianplatz genannt. Zur Erinnerung an den 1869 ermordeten Bruder Kaiser Maximilian von Mexiko.

Ein Attentatsversuch mit großen Folgen für die beteiligten Personen, aber auch für Wien – denn ohne diesem hätte es die Votivkirche nicht gegeben.

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 3. Teil unserer Serie.

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Michaela und Karl Vocelka
Bildrechte: mapio.com, viennatouristguide.at, wien.gv.at, Bwag/Commons, ÖNB, Reinmichl, Alex.ryazantsev, Privat
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweis:

1 – S 98, 2 – S 99, 3 – S 103, 4 – S 103
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 2015, 1. Auflage

Kaiser Franz Joseph I.
Presse, Geschichte Magazin


 

Kaiser Franz Joseph I. – Die Kindheit bis zum Thron (Teil 1)

Bevor wir uns – wie in den vorangegangenen Beiträgen – Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph ansehen, beginnen wir mit der Kindheit von Kaiser Franz Joseph I.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass wir die politischen Probleme und Schachzüge, ob gut oder schlecht, nicht aufarbeiten werden. Uns geht es einzig darum, die Personen und deren Charakter bzw. Leben zu beschreiben. Wer an der Politik der Habsburger interessiert ist, wendet sich bitte an die zahlreich erschienenen Publikationen. Danke!

Erzherzog Franz Joseph Karl wurde unter höllischen Schmerzen, die 2 Tage und Nächte andauern sollten, als erstes Kind einer überglücklichen Erzherzogin Sophie und dem Erzherzog Franz Karl am 18.8.1830 in Schloss Schönbrunn geboren. Seine Mutter war bereits unter Druck geraten, da sie mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Das Kaiserreich stand nach 6 Jahren Ehe zwischen Sophie und Franz Karl immer noch ohne Thronfolger da.

Unsere Beiträge von Erherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl können hier nachgelesen werden.

Stammbaum Kaiser Franz Joseph

Baronin Luise Sturmfeder, Aja von Erzherzog Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Pia. Bei Erzherzog Ludwig Viktor half sie nur noch „miterziehen“

Schon während der Schwangerschaft wurde als Aja (Vorsteherin der Kindskammer) Baronin Louise Sturmfeder (*3.10.1789, † 10.9.1866) bestellt. Sie wohnte auch der schweren Geburt von Franz Joseph bei. Baronin Louise, die von den Kindern nur „Aja“ genannt wurde, wurde sehr geliebt und verehrt.

Louise war eine erzkatholische, stark nach Prinzipien vorgehende Frau, die den kleinen Erzherzog stark prägen sollte. Sophie stillte Franzi, wie er genannt wurde, zunächst selbst. Das war in hochherrschaftlichen Häusern eher ungewöhnlich und nicht die Regel. Auch jeder noch so kleine Fortschritt wurde in Bayern Königin Karoline, der Mutter von Sophie berichtet. Allerdings achtete Sophie stets auf den richtigen Umgangston bei der Aja. Louise nannte Franz Joseph öfters „Mein Prinz“ was der überaus strengen Mutter nicht passte. Man solle ihn „Erzherzog“ nennen. Von Anfang an wurde der Weg vorgegeben: Nach Ferdinands Tod sollte Franz Joseph Kaiser werden.

Die Erziehung war sehr streng. Franz Joseph hatte wenig Chance sich zu entwickeln, wurde eher geführt und vorgeführt. Kontakt zu anderen Kindern war ihm verboten. Dazu schreibt Baronin Sturmfeder: „Auf dem Spaziergang begegneten wir der Gräfin Tige mit ihren Kindern. Die Kinder umringten sofort den kleinen Erzherzog und nahmen ihn bei den Händen und führten ihn. Ich hatte keine Ahnung, daß dies nicht ganz konvenabel sei… Plötzlich aber begegneten wir dem Herrn Erzherzog und der Frau Erzherzogin und an dem Tone, mit welchem mich die Frau Erzherzogin frug: Mit wem geht denn da der Kleine?, erkannte ich sofort, daß ich einen Verstoß gegen die Etikette begangen habe…“(1)

Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Joseph; Joseph Karl Stieler, etwa 1831

Franzi wurde abgeschottet und durfte mit anderen Kindern nicht spielen. Er wurde deshalb intern „Gottheiterl“ genannt, was leider auch später Franz Joseph noch große Probleme bereiten würde. Aber dazu in einem der nächsten Berichte.

Sowohl Sophie als auch die Aja führten penibel Tagebuch über jeden Fortschritt, weshalb die Kindheit von Kaiser Franz Joseph sehr genau detailiert ist. Auch nach Franz Joseph hatte Sophie wieder eine Fehlgeburt, weshalb sie sich noch mehr an Franzi klammerte. Sogar offizielle Besuche vergaß sie oder hatte kaum ein Ohr für diese. Sie spielte mit Franzi und vergaß dabei alles um sich herum. Desto unverständlicher ihr späteres Vorgehen bei Sisi, als sie versuchte diese von ihren Kindern fernzuhalten.

Franzi selbst wurde herumgereicht und -gezeigt, so dass Aja oft Angst und Bang wurde. Dazu notiert sie in ihr Tagebuch: „Ich finde, daß mein kleiner Erzherzog anfängt schlimm zu werden. Was soll ich dagegen machen, bei einem Kinde von fünf Monaten?“ (2)

1832 kam Ferdinand Maximilian auf die Welt und Aja hatte alle Hände voll zu tun. Erklärtes Lieblingskind von Louise war Franzi. Bei Sophie sah die Welt durch Max plötzlich anders aus. Max wurde ihr Lieblingskind, was sich auch bei dessen Erziehung niederschlug. Franz Joseph wurde teilweise dressiert. Max hatte große Freiheiten sich selbst zu entfalten und durfte Streiche spielen. Der Zwist den die beiden Brüder auch in späteren Jahren auszutragen hatten, wurde sicherlich im Kindesalter forciert. Während Max seine Freiheit genoss, hatte Franzi Drill zu erwarten. Und dieser setzte früh ein.

Franzi galt anfänglich als jähzornig und Sophie wusste sich kaum zu helfen. Sie notiert: „Ich hatte gerade eine Szene mit Franzi, der – in einem Anfall von Zorn – mir einen Schlag versetzte, den ich ihm zurückgab… indem ich ihm auf die Hand klopfte. Dem folgten Schreie, Weinen und Schluchzen und es dauerte lange, bis er sich entschloss, mir die Hand zu küssen und um Verzeihung zu bitten; jetzt speist er – aber das Gewitter pocht ständig im Stillen; er ist manchmal sehr heftig der kleine Herr, und man wagt nicht, ihm das durchgehen zu lassen.“ (3)

Franz Joseph als 3jähriger im weißen Hemd mit Bärenfellmütze, Tornister, Gewehr und Spielzeugsoldaten vor dem Schreibtisch seines Großvaters Kaisers Franz II/I Foto: @Schloss Schönbrunn

1833 kam der 3te Sohn Karl Ludwig zur Welt, der auch von Louise übernommen wurde. Karl Ludwigs Erziehung war noch lockerer als die von Max, was dazu führte, dass Ludwig kein guter Schüler wurde. Max und Ludwig werden zu einem späteren Zeitpunkt beschrieben werden. 1835 kam die einzige Schwester von Franz Joseph auf die Welt. Unser Beitrag zu Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia finden Sie hier. 1840 wurde ein weiterer Bruder geboren, allerdings als Totgeburt. 1842 kam der letzte Bruder zur Welt. Der etwas absonderliche Ludwig Viktor. Auch er wird zu einem späteren Zeitpunkt seinen Beitrag bekommen. Franzi war zu dem Zeitpunkt mittlerweile 12 Jahre alt. Aber zurück zum kleinen Franz Joseph.

Da Franzi sehr isoliert wurde, schaute er oft den Offizieren vor seinem Fenster beim Exerzieren zu. Im Alter von (angeblich) knapp 2 Jahren konnte er die Uniformen der Regimenter auseinanderkennen. Mit 3 Jahren kannte er alle Abzeichen und Farben der Regimenter. Das Militär sollte Zeit seines Lebens seine Passion bleiben. 1835 bekam er zu Weihnachten eine Kürassieruniform. Weiters spielte er mit Zinnsoldaten und anderem militärischen Spielzeug. Als Geschenke zu diversen Anlässen bekam er Uniformen, Miniaturwiedergabe der Burgwache und eine Waffe.

Im Alter von 4 Jahren musste oder durfte Franz Joseph am ersten Familiendinner teilnehmen und durfte zwischen Kaiser und Kaiserin (Großeltern) sitzen. Seine Mutter gab ihm Instruktionen was er während des Dinners essen dürfe und zu sprechen habe.

Kaiser Franz II./I., 1832, Ölgemälde, Friedrich von Amerling, Bild: @habsburg.net, Schloss Schönbrunn

Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein Foto: @Heeresgeschichtliche Museum Wien

Als Franz Joseph 5 Jahre alt war, starb sein Großvater Kaiser Franz II/I (*12.2.1765, † 2.3.1835). Kaiser Ferdinand I. (der Gütige) erbte den Thron. Kaiser Ferdinand I, Onkel von Franzi galt als Schwachsinnig und hatte sehr häufig epileptische Anfälle. Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (*15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien) sollte von nun an den kleinen Franzi prägen.

1836 wurde ein einschneidendes Jahr für Franz Joseph. Er musste sich auf Geheiß von Fürst Metternich und seiner Mutter Sophie von seiner geliebten Aja trennen. Dieser Prozess hat tiefe Narben in dem kleinen Kinderherz hinterlassen. Sein Erzieher wurde Heinrich Franz Graf von Bombelles (*26.6.1789 in Versailles, † 31.3.1850 in Savenstein). Ihm zur Seite gestellt wurde Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg (*16.11.1794 in Görz, † 26.7.1880 in Görz).

Bombelles und Coronini lagen ab dem Zeitpunkt oft im Streit miteinander. Der Schwerpunkt der Erziehung lag auf Pflichtgefühl, Religiosität, Sprachen, Zeichnen (er zeichnete überaus gut), Musik (mochte er weniger), Leibeserziehung, Offiziersausbildung und Politik. Genau sah das so aus:

Johann Baptist Alexius Graf Coronini von Cronberg, Lithographie von Josef Kriehuber 1853

Sprachen: Deutsch, Französisch (die damalige Amtssprache), Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Latein und Altgriechisch.

Als Leibeserziehung verstand man: Schwimmen, Reiten, Fechten, Turnen und Tanzen (er galt Zeit seines Lebens als famoser Tänzer und war bei den Damen als Tanzpartner äußerst begehrt).

Heinrich Franz Graf von Bombelles, Lithographie von Josef Kriehuber 1851

In Politik wurde Franzi von Metternich persönlich gelehrt. Er sollte das weltfremde Denken des alten Fürsten übernehmen. Metternich versuchte Franz Joseph politisch zu beeinflussen, prahlte aber mit seinen eigenen Taten so derartig, dass ein Wirken bei dem jungen Erzherzog fehl schlug.
Coronini galt als liberal, steif und unnahbar. Bombelles galt als erzkonservativ und ultrareligiös. Beide Lehrer gerieten oftmals in Streit. Sophie hatte die Angewohnheit bei den Unterrichtsstunden anwesend zu sein und notierte penibel jede Note, jedes Vergehen der Kinder (auch Max und Ludwig nahmen an diesem Unterricht teil).

Der Tag von Franz Joseph fing um 7.00 Uhr morgens an und dauerte bis um 20.00 Uhr abends. Der Unterricht fand in 30 Minuten, 60 Minuten oder 90 Minuten Einheiten statt. Zu Mittag wurde ein 2stündiger Spaziergang eingeplant, sowie 1 Stunde Mittagessen und 1 Stunde Ruhezeit. Die Leibeserziehung fand vor dem Abendessen- um 19.00 Uhr – statt.

Erzherzog Franz Joseph, 1838 Foto: @Österreichische Nationalbibliothek

Im Sommer wurden die Stunden im Freien angepasst, je Älter die Buben wurden, desto mehr Lehrpensum musste erfüllt werden. Das da nicht viel Raum für freie Entfaltung blieb, wird jedem klar sein. Franz Joseph wurde gedrillt. Sein Umgang mit dieser Erziehung zeigte in späteren Jahren seine Wirkung. Er tat sich mit dem Small Talk schwer, konnte keine Unterhaltung führen und hatte Zeit seines Lebens große Probleme Gefühle oder zwischenmenschliche Emotionen zu zeigen. Er zeigte in allem ständig Contenance und ließ keinerlei Regung zu. Empathie für Menschen oder Situationen zu zeigen fiel ihm schwer.

Sein Lieblingsfach war die Militärische Ausbildung wo er Manöver üben lernte. Als Franz Joseph 13 Jahre alt wurde, wurde er zum Obersten des Dragonerregiments Nr. 3 ernannt. Er notierte in sein Tagebuch: „Es freute mich besonders, daß ich ein Cavallerieregiment bekommen hatte und unter der Cavallerie ein Dragonerregiment, da mir die deutsche Cavallerieoffizier-Uniform immer besonders gefallen hatte.“ (4)

Der junge Erzherzog war ein gelehriger Schüler, der sich kaum Kritik zu äußern traute. Er notierte 1843 in sein Tagebuch: „Die statistischen Lectionen des Herrn Fränzel unterhalten und intereßieren mich, die griechischen von Abbé Kis finde ich langweilig und unintereßant, mir thut es auch leid, diese Sprache lernen zu müssen, da man meistens sagt, es sey unnötig.“ (5)

Erzherzog Franz Joseph I. Lithografie, Foto: @Schloss Schönbrunn

Im letzten Ausbildungsjahr 1847/48 bekam Franz Joseph noch eine juristische Ausbildung. Metternich wählte dafür einen extrem konservativen erzkatholischen Juristen aus, den Sophie aber ablehnte. Statt dessen übernahm Johann Baptist Freiherr von Pilgram (*24.6.1780, † 30.5.1861) diese Aufgabe. Politik allerdings wurde weiterhin von Metternich persönlich instruiert.

Franz Joseph klagte des Öfteren auf Grund des hohen und strengen Tagespensums unter Kopfschmerzen, Übelkeit und zeitweilig unter Erbrechen. All das wurde ignoriert und der junge Erzherzog und seine Brüder wurden weiter diszipliniert.

Auf einen der wenigen Freunde die Erzherzog Franz Joseph besaß, muss man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückkommen, aber der Name Eduard Graf Taaffe sollte hier nicht ungenannt bleiben.

Als letzten Schliff vor der Entlassung ins „Leben“ beging Franz Joseph in Begleitung seiner Brüder und Erzieher mehrere Bildungsreisen innerhalb und außerhalb der Monarchie. Auch hier wurde ein straffer Zeit- und Reiseplan eingehalten. Man passierte viele Orte, Städte und traf allerhand Bürger und das gemeine Volk. Auf einer dieser Bildungsreisen traf Franz Joseph Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky. Auch nach Mariazell führte ihn sein Weg. Franz Joseph war nun also bereit seinen späteren „Beruf“ auszuüben.

Als er 1848 von dieser letzten Reise heim kam, fand ein einschneidendes Erlebnis statt. Die Bürger Wiens hatten das strenge Regime von Metternich satt. Die Arbeiter vegetierten unter schrecklichen Bedingungen vor sich hin, es herrschte Not in allem. Die Bauern hatten immer noch mit der Grundherrschaft zu kämpfen und mussten fast alles an diese abgeben. Zu dem wurden die Bürger bespitzelt, die Handwerker fürchteten einen Abstieg ins Proletariat, weil die Industrialisierung einsetzte. Die Lebensmittel wurden verteuert, was bereits 1847 zu Hungerrevolten führte. Immer mehr befürchtete man eine 2te Revolution, wie sie in Paris 1830 stattfand. Im März 1848 kam es dann tatsächlich zu einem ersten Handgemenge und zu den ersten Todesopfern, da Erzherzog Albrecht in die Menge schießen ließ.

Metternich floh mit seiner Frau aus Wien nach Feldsberg und suchte fieberhaft nach einem Exil. Kaiser Ferdinand samt Familie und Erzherzogin Sophie samt Familie sind nach Innsbruck geflohen. Im April kam sie kurz zurück, da sie Ostern im Prater verbringen wollte, da sie dort Ostereier verstecken ließ. Die herrschende Ruhe war allerdings trügerisch. Schon im Mai kam es zu den nächsten Unruhen und Sophie ließ ihre Diamanten einpacken und begann wichtige Dokumente zu verbrennen. Sie floh erneut und nahm mit schwerem Herzen Abschied von Wien.

Im August kam die Familie von Innsbruck zurück und hoffte auf Beendigung der aufständigen Wiener und Ungarn.

Am 24.7.1848 wurde von Hans Kudlich der Antrag auf Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses gestellt. Es folgten lange und zähe Verhandlungen, denen jedoch stattgegeben wurde und am 7.9.1848 in Kraft traten. Obwohl in Europa mittlerweile eine Konterrevolution erstarkte, galt Wien und Ungarn weiterhin als aufständisch. Am 28.9.1848 wurde Franz Philipp Graf Lamberg in Pest ermordet. Kriegsminister Latour befehligte deshalb den Abmarsch der Truppen nach Ungarn. Am 6.10.1848 wurde Theodor Graf Baillet de Latour aus dem Zeughaus gezerrt, ausgezogen und auf der Laterne „Am Hof“ gelyncht und öffentlich zur Schau gestellt. Auf Grund der Nähe zur Hofburg und des Mordes an einem Adeligen floh Kaiser Ferdinand I. und seine gesamte Familie erneut. Diesmal führte der Weg nach Olmütz.

Schon seit 1847 haben Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl auf eine Abdankung Kaiser Ferdinands I. hingearbeitet. Angeblich gab es eine Vereinbarung, die besagte, dass Franz Joseph I. an seinem 18. Geburtstag 1848 den Thron übernehmen sollte.

Kaiser Franz Joseph, 1848, Foto: @billerantik

Am 6. Oktober 1848 wurde der Machtwechsel in einem größeren Kreis diskutiert; mit dabei viele regierende Minister die später eine prägende Rolle für Kaiser Franz Joseph I. einnehmen sollten.

Franz Joseph selbst resigierte auf den Machtwechsel mit Übelkeit und musste sich mehrmals übergeben. Obwohl in der Rangfolge eigentlich sein Vater auf Kaiser Ferdinand I. folgen sollte, wirkte Sophie solange auf ihren Mann ein, bis dieser nachgab und den Weg seinem Sohn freimachte.

Am 2. Dezember 1848 war es soweit. Kaiser Franz Joseph I folgte auf den Thron. Zuvor musste Kaiser Ferdinand I. seine Abdankung vorlesen, was er mit leiser zögerlicher Stimme tat. Kaiser Ferdinand I. notierte in sein Tagebuch: „Die Funktion endete damit, daß der neue Kaiser von seinem alten Kaiser und Herrn, nämlich vor mir kniend um den Segen bat, welchen ich auch unter Auflegung der Hände auf seinen Kopf und Bezeichnung mit dem heiligen Kreuz gab, ich ihn dann umarmte und er mir die Hand küsste. Und auch meine liebe Frau umarmte und küßte unseren neuen Herrn, dann entfernten wir uns in unsere Zimmer…“ (6)

Die Zeremonie fand heimlich im engsten Vertrautenkreis in Olmütz statt. Franz Joseph I. sollte der Erste und Einzige Kaiser mit einem Doppelnamen werden. Sein gesamter Titel lautete:
Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Hungarn und Böhmen, König der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illirien; König von Jerusalem etc., Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; Gefürsteter Graf von Habsburg von Tirol, von Kyburg, Görz und Gradiska; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Nieder-Lausitz und in Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark. (7)

Wie es mit Kaiser Franz Joseph I weiterging, lesen Sie im 2. Teil unserer Serie über

Kaiser Franz Joseph I.

Gemälde nach Eduard Klieber, 1851 Foto: @Dorotheum  Wien

 

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger, Michaela und Karl Vocelka
Bildrechte: Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH, Österreichische Nationalbibliothek, Heeresgeschichtliche Museum Wien, billerantik, Dorotheum Wien
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at
Stammbaum: Marie Festetics


Literarische Hinweise:

1 – S. 64, 2 – S. 63, 3 – S. 65,
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs
Residenz Verlag, 2016, 1. Auflage

4 – S. 37, 5 – S. 39, 6 – Seite 69/70, 7 – S. 75
Michaela und Karl Vocelka
Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn
C.H.Beck Verlag, 1. Auflage


 

Erzherzog Franz Karl

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Erzherzog Franz Karl; Lithographie 1850 Josef Kriehuber Fotos: @Wikimedia/Commons

„Na Bravo“. (Vilma Degischer/Erzherzogin Sophie)
„Jetzt hast das aber Du gsagt.“ (Erich Nikowitz/Erzherzog Franz Karl)
Das wohl beliebteste Filmzitat der Sissi-Filme.

Wer kennt ihn nicht? Erich Nikowitz als Erzherzog Franz Karl in den Sissi Filmen mit Romy Schneider. Mittlerweile haben wir ja auch schon kurz Magda Schneider und Gustav Knuth in den Rollen der Filme verglichen, jetzt kommt der Vater, Erzherzog Franz Karl, zu Wort.

Niemand von den Filmfiguren ist so derartig unwahr dargestellt worden, wie Erzherzog Franz Karl. Erich Nikowitz hat diesen schrulligen alten Herren, der schlecht hört um seiner herrschsüchtigen Ehefrau zu entkommen, so liebenswert dargestellt, dass man leicht peinlich berührt ist, wenn man merkt, dass Erzherzog Franz Karl einen relativ bedeutungslosen Eindruck hinterlassen hat.

 

 

Stammbaum von Erzherzog Franz Karl, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

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Erzherzog Franz Karl in jungen Jahren, 1836, Lithographie Josef Kriehuber, Fotos: @Wikimedia/Commons

Franz Karl wurde am 7.11.1802 als 3ter Sohn von Kaiser Franz Joseph Karl und Prinzessin Maria Theresia Karolina Guiseppina von Neapel und beider Sizilien geboren.

Leider schlug in dieser Linie, die Habsburgerische Heiratspolitik brutal zu. Der Erstgeborene Sohn Ferdinand I. Karl Leopold Joseph Franz Marcellin war geistig äußerst schwach und ging in die Geschichte als Kaiser Ferdinand I. „der Gütige“ ein. Einige seiner Schwestern überlebten das Kindheitsalter nicht. Auch der 4te Sohn starb mit 4 Jahren.

Leider ist über Franz Karl aus seiner Kindheit nichts bekannt, aber da Franz Karl geistesschwach war, konnte er der normalerweise sehr strengen Erziehung der Habsburger nicht so folgen, wie man es sich wohl gewünscht hätte. Ferdinand war dazu noch schwer epileptisch und von geistig noch schwächerem Verstand.

Franz Karl liebte die Natur und ging gern auf die Jagd. Aber vor allem das Theater hatte es ihm angetan. Als er heiratsfähig wurde, wurde Herzogin Sophie Friedericke von Bayern auserkoren, in die er sich angeblich augenblicklich verliebte.

Sophie war ein hübsches junges Mädchen und ihre Familie sehr bedeutend. In ihren Briefen und Tagebuchaufzeichnungen finden sich immer positive Worte zu ihrem Mann und auch wenn sie von den geistigen Schwächen ihres Mannes wusste, stimmte sie der Hochzeit zu.

Am 4. November 1827 fand die Hochzeit mit der schönen bayrischen Prinzessin statt und Franz Karl war in Hochstimmung.

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Stammbaum von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

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Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie mit ihren Kindern: Erzherzog Franz Josef, Erzherzog Ferdinand Max, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia, 1836 Bild: @donaumonarchie.com

In weiterer Folge wurde Franz Karl Vater von 4 Kindern, die überlebt haben. Seine Frau Erzherzogin Sophie erlitt aber leider sehr viele Fehlgeburten, welches unter ihrem eigenen Beitrag erörtert wurde.

Franz Karl selbst blieb als Vater wenig bis gar nicht vorhanden. Er hatte keinerlei Interesse an seinen Kindern und die Kinder nicht an ihm. Wenn er auftauchte, dann war es Respekt, dass die Kinder ihrem Vater entgegenbrachten, aber eine innige Verbundenheit oder tiefe Liebe konnte nie aufgebaut werden.

Er wurde von den vielen Beobachtern, Wegbegleitern oder engen Vertrauten des Hofes nicht unbedingt positiv angesehen.

Lulu Gräfin Thürheim schrieb über ihn: „Es sei schwer zu erraten, womit eigentlich Franz Karl die Anhänglichkeit seiner Frau verdient hätte.“ (1)

Zar Nikolaus I. ging noch härter mit dem Erzherzog ins Gericht, nach dem er ihn 1835 traf: „Dieser junge Mann erweckt den Eindruck, als sei er in seiner Entwicklung stehen geblieben. Dürfte ich ihn als Achtzehnjährigen betrachten, dann hegte ich große Hoffnungen für seine Zukunft, aber es ist zum Verzweifeln, daß er die Dreißig schon passiert hat.“ (2)

11 Jahre später fällt Graf Coronini ein ähnliches Urteil: „Ein en pauvre sire, und miserablen Wichten bei all seier passiven Herzensgüte, wird Gift sein für diese Kinder.“ (3)

Erzherzog Franz Karl liebte den Müßiggang und das Theater. Zweiteres so sehr, dass er schon am Nachmittag Vorstellungen besuchte bzw. sich sogar Vorstellungen mehrmals ansah. Er unterstützte die schönen Künste auch finanziell. Auch lange Spaziergänge im Prater waren seine Tagesbeschäftigung. Oftmals fuhr er allein nach Ischl um zu Jagen und zu Kuren.

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Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl Fotos: @Wikimedia/Commons

Zeit seines Lebens verehrte er seine Frau zutiefst und war ihr in Liebe verbunden. Am Hof allerdings wurde oft getrascht und bösartige Kommentare zum „rauhen“ Ton von Sophie abgegeben. So nach dem Motto: Früher herrschte sein Vater Kaiser Franz ihn an und jetzt seine Frau.

Als Kaiser Ferdinand I. wegen seiner epileptischen Anfälle und immer schwächer werdenden Gesundheit am 2. Dez. 1848 abdankte (er starb allerdings 82jährig in Prag am 29.7.1875), war es Erzherzogin Sophie die ihren Mann Erzherzog Franz Karl bat, die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Da Franz Karl nie wirklich politisches Interesse zeigte, aber etwas bessere geistige Fähigkeiten, wie Ferdinand I. besaß, aber dennoch nicht genug, war dieser Schachzug von Erzherzogin Sophie ihr größter politischer Triumpf. Zwar wurde sie selbst nicht Kaiserin, aber zumindest ihr gemeinsamer Sohn Franzi, besser bekannt als Kaiser Franz Joseph.

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Erzherzog Franz Karl im Alter, kolorierter Holzstich, Bild: @AntiquariatPflugmacher

 

 

Das weitere Leben von Erzherzog Franz Karl verlief genauso wie vorher. Ruhig und ohne politischen Eindruck hinterlassen zu haben. Er starb 6 Jahre nach Erzherzogin Sophie am 8. März 1878.

~ Marie ~

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Stammbaum: Marie Festetics
Bildrechte: donaumonarchie, Heeresgeschichtliche Mueum Wien, habsburg.net, Antiquariat Pflugmacher
Textrechte: Marie Festetics, Ingrid Haslinger


Literaturhinweis:
Zitate 1 S – 33, 2-3 – S 34
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biografie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Muter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe


 

Träume und Gedichte – Mai

Es fällt ein Stern herunter
Aus seiner funkelnden Höh‘!
Das ist der Stern der Liebe,
Den ich dort fallen seh.

Es fallen vom Apfelbaume
Der Blüten und Blätter viel!
Es kommen die neckenden Lüfte
Und treiben damit ihr Spiel.

Es singt der Schwan im Weiher,
Und rudert auf und ab,
Und immer leiser singend,
Taucht er ins Flutengrab.

Es ist so still und dunkel!
Verweht ist Blatt und Blüt‘,
Der Stern ist knisternd zerstoben,
Verklungen das Schwanenlied

🌟Sisi🌟

Heinrich Heine

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Laudon 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Nur ich, die schier wie Verfluchte,
Ich, Feenkönigin,
Ich finde nie das Gesuchte,
Nie den verwandten Sinn.

Umsont verschied’ner Malen
Stieg ich vom Lilienthron;
Es währte mein Gefallen
Nie lang am Erdensohn.

🌟Sisi🌟

Elisabeth von Österreich

Vielen Dank für die Einladung an
Trauttmansdorff – Die Gärten / I Giardini / The Gardens❤️

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Kam er oder kam er nicht?
Sicher wird er meiner warten,
Lief von links die Katze auch
Übern Weg mir schon im Garten.
Zwar die Mutter fest und steif
Glaubt, das muß stets Unglück bringen,
Aber alte Leute sind
Wunderlich in solchen Dingen.

Kätzchen schlich ins Grüne nur,
Einen Vogel sich zu fangen.
Ach, mir ist der schönste schon
Längst und leicht ins Netz gegangen.
Wo sich aus dem Park ins Feld
Stehlen die umbuschten Wege,
Lief er eines Sonntags früh
Ahnungslos mir ins Gehege.
Dorthin hat er heute auch
Mich zum Rendezvous geladen.

Komm ich auch ein wenig spät,
Etwas Warten kann nicht schaden.
Allzupünktlich jetzt schon sein,
Kann den Herrn mir leicht verwöhnen.
Schmollt er, wird ein Küßch nicht schaden.
Allzupünktlich jetzt schon sein,
Kann den Herrn mir leicht verwöhnen.
Schmollt er, wird ein Küßchen schnell
Den verliebten Schelm verwöhnen.

🌟Sisi🌟

Gustav Falke

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Fuschl Resort & SPA💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Im Walde wohnt mein Leid,
ich darf es niemand klagen,
zum Walde muß ich’s tragen,
zur tiefsten Einsamkeit.

Kommt je in künftiger Zeit,
ein Mensch zu jenen Gründen,
im Walde kann er finden
mein scheues Herzeleid.

Sieht er im Walde weit,
recht einsam und verschwiegen,
die tiefsten Schatten liegen,
das ist mein finstres Leid.

🌟Sisi🌟

Ludwig Uhland

Vielen Dank für die Einladung an
@hotel adria meran

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Etwas in mir ist anders,
etwas in mir erwacht;
ich halt‘ die Regeln nicht ein, die mir ein and’rer macht.
Ich habe mich entschieden:
ich träum‘ nicht länger, ich leb‘.
Ich schließe meine Augen,
ich lass‘ los und schweb‘.
Und fühl‘ mich frei, so frei und schwerelos.
Nur mir noch treu und frei und schwerelos.

Mir setzt man keine Grenzen,
ich halt‘ mich nicht daran.
Auch wenn nicht alles geht;
ich will selbst sehen, was ich kann.
Zu lang‘ wollt‘ ich geliebt sein, darum spielte ich ihr Spiel.
Ist das der Preis für Liebe, kostet sie zuviel!
Jetzt bin ich frei, so frei und schwerelos.
Aus und vorbei, ich bin frei und schwerelos
und niemand fängt mich ein.

🌟Sisi🌟

Wicked – Frei und schwerelos
Stephen Schwartz

Vielen Dank für die Einladung an
Schlosspark Laxenburg 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


❤️❤️ Danke an unser Minnerl ❤️❤️

Vor genau einem Jahr hat unser Minnerl ihren „Dienst“ angetreten und ist seither ein unverzichtbarer Teil der Sternenkaiserin.

Auch diesem Weg möchte ich Dir meine Liebe DANKE sagen! 
Ich freue mich auf viele weitere Abenteuer mit Dir!

🌟Deine Sisi🌟

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Eckartsau 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Unsre Seelen bleiben freilich,
In platonischer Empfindung,
Fest vereinigt, unzerstörbar
Ist die geistige Verbindung.

Ja sogar im Trennungsfalle
Fänden sie doch leicht sich wieder;
Denn die Seelen haben Flügel,
Schnelles Schmetterlingsgefieder;

Und dabei sind sie unsterblich,
Und die Ewigkeit ist lange;
Und wer Zeit hat und wer suchet
Findet, was er auch verlange.

🌟Sisi🌟

Heinrich Heine

Vielen Dank für die Einladung an
Schlosspark Laxenburg💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Singen die Vöglein im grünen Wald,
Klingen die Bächlein bergunter,
Lockt es den Alten mit Lustgewalt,
Klopfet das Herz ihm so munter:
Denket der Wonnen verschiedener Lenze,
Denket der Kränze und denket der Tänze,
Fallen auch Tränen herunter.

Singet und klinget! Das Heute ist mein.
Heut‘ will ich singen und klingen
Lustig mit spielenden Kindern feldein,
Fröhlich mit fröhlichen Dingen,
Will mir bekränzen die Locken, die greisen:
Bald muß ich hinnen und wandern und reisen,
Wo mir die Vögel nicht singen.

~ Marie ~

Ernst Moritz Arndt

💜lichen Dank an das wunderschöne Schlosspark Laxenburg für die Einladung 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


O wonnigliche Reiselust,
an dich gedenk ich früh und spat!
Der Sommer naht, der Sommer naht,
Mai, Juni, Juli und August,
da quillt empor,
da schwillt empor
das Herz in jeder Brust.

Ein Tor, wer immer stille steht,
drum Lebewohl und reisen wir!
Ich lobe mir, ich lobe mir
die Liebe, die auf Reisen geht!
Drum säume nicht und träume nicht,
wer meinen Wink versteht.

🌟Sisi🌟

August von Platen-Hallermünde

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Fuschl Resort & SPA 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Dich, Gott, loben wir,
dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater,
huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle,
dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim,
mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig
der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde
von deiner hohen Herrlichkeit.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund
die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden,
den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben,
die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes
in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir,
kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn,
komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit
zähle uns deinen Heiligen zu.
Rette dein Volk, o Herr,
und segne dein Erbe;
und führe sie
und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen,
ja, in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr,
an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.
Erbarme dich unser, o Herr,
erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn,
wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr,
habe ich meine Hoffnung gesetzt.
In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.

🌟Sisi🌟

Vielen Dank für die Einladung an
Schlosspark Laxenburg 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Zum Reigen herbei
Im fröhlichen Mai!
Mit Blüten und Zweigen
Bekränzt euch zum Reigen!
Im fröhlichen Mai
Zum Reigen herbei!

Zum Reigen herbei!
Mit Jubelgeschrei
Die Vögel sich schwingen,
Sie rufen und singen
Mit Jubelgeschrei:
Zum Reigen herbei!

🌟Sisi🌟

Hoffmann von Fallersleben

Vielen Dank für die Einladung an Schloss Eckartsau

 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


„Jetzt komm schon, Marie. Verbotene Räume sind zum inspizieren da. Die Erzherzogin und ihre Spitzel weilen in Bad Ischl, was soll schon passieren?“

„Majestät, ganz wohl ist mir bei der Sache nicht. Aber neugierig bin ich auch…. “

~ Marie ~ 

💜lichen Dank dem wunderschönen Wasserschloss Laudon für die Einladung 💜 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Gern bin ich allein an des Meeres Strand,
Wenn der Sturmwind heult und die See geht hohl,
Wenn die Wogen mit Macht rollen zu Land,
O wie wird mir so kühn und so wonnig und wohl!

Die segelnde Möwe, sie ruft ihren Gruß
Hoch oben aus jagenden Wolken herab;
Die schäumende Woge, sie leckt meinen Fuß,
Als wüßten sie beide, wie gern ich sie hab‘.

Und der Sturm, der lustig das Haar mir zaust,
Und die Möw‘ und die Wolke, die droben zieht,
Und das Meer, das da vor mir brandet und braust,
Sie lehren mich alle manch herrliches Lied.

Doch des Lebens erbärmlicher Sorgendrang,
O wie sinkt er zurück, wie vergess‘ ich ihn,
Wenn die Wogenmusik und der Sturmgesang
Durch das hoch aufschauernde Herz mir ziehn!

~ Marie ~

Hermann Ludwig Allmers

 Dank dem wundervollen Schloss Ruegersfür die Einladung 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


„Sind die Kleider endlich gepackt Marie?
Du weisst doch, Graf Pilati erwartet uns morgen auf der Burg Hardegg!

Ich bin schon gespannt, ob wir dort auch eine so schöne Rüstung sehen werden!“

🌟Sisi🌟

Vielen Dank für die Einladung an
Gartenschloss Herberstein 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Gedanken sind wie Regentropfen: Manche verflüchtigen sich, bevor sie überhaupt die Erde berühren – aus anderen werden mitreißende Bäche und Flüsse.

~ Marie ~

Natunika

💜lichen Dank dem wundervollen Gartenschloss Herberstein für die Einladung 💜 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Wenn der Mensch je eine große Eroberung gemacht hat,
so ist es die, dass er sich das Pferd
zum Freund gewonnen hat!

🌟Sisi🌟

Unbekannt

Vielen Dank für die Einladung an
Spanische Hofreitschule

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Meine liebe Mutter du,
ich will dir Blumen schenken.
Was ich dir sagen will dazu,
das kannst du dir schon denken.

Ich wünsch dir Glück und Fröhlichkeit,
die Sonne soll dir lachen!
So gut ich kann und allezeit
will ich dir Freude machen.

Denn Muttertage, das ist wahr,
die sind an allen Tagen.
Ich habe dich lieb das ganze Jahr,
das wollte ich dir sagen.

🌟Sisi🌟

Ursula Wölfel

Vielen Dank für die Einladung an
Südbahnhotel Semmering 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Der Flieder am Tor
dringt rötlich hervor,
das himmlische Blau
erduftet im Tau.
Noch blendets vom Blühn,
schon rieselt es grün
und flimmert und bebt,
von Licht überschwebt.
O seliger Mai
und morgen vorbei:
ein trunkener Zug,
ein blitzender Flug!

🌟Sisi🌟

Richard von Schaukal

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Eckartsau💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Liebe Sisi!
Liebe Maria José!
Liebe Ida!
Liebe Sternenkaiserin-Freunde!

Was soll ich sagen? Was soll ich sagen, wenn mich etwas so großes sprachlos macht? Wie soll man etwas in Worte fassen, was so unerreichbar schien?

10 Tsd. Follower auf Instagram.

Ich lasse das einmal so stehen.

Und doch. Nein, gerade deswegen:
ein Rückblick

27.12.2016
Nach einer katastrophalen Ballnacht, einer üblen Nachrede auf Facebook und Bösartigkeiten verbohrter Menschen, wollte Sisi aufhören. Eine Katastrophe! Ich überredete sie: „Erfinde dich neu. Geh gestärkt aus der Affäre heraus. Reiche mir die Hand. Ich helfe dir. Träumen wir gemeinsam.“

Sie reichte mir ihre Hand und aus einer Ischler Touristenattraktion wurde die „Sternenkaiserin“.

Erfinde dich neu….

Ich trat in den Hintergrund und arbeitete auf Hochtouren: Webseite, Insta, Facebook.

Die ersten Anrufe wurden getätigt. Das erste richtig große Shooting ist bis heute Sisis Herzensshooting: Kaiserin Elisabeths Hofsalonwagen im TMW – Technisches Museum Wien.

Komm gestärkt zurück….

Und wie gestärkt sie plötzlich war. Es folgte der Besuch bei Gräfin Alix im Schloss Artstetten. Die Ur-Enkelin von Erzherzog Franz Ferdinand: „Wie die Tante…“

Geh den Weg mit mir…

Und wir gingen: ins Schloss Wallsee, welches bis heute im Privatbesitz von Margaretha von Habsburg-Lothringen ist. Die Ur-Enkelin von Erzherzogin Marie Valérie. Ins Renaissanceschloss Greillenstein zur Gräfin Elisabeth Kuefstein, geb. Prinzessin Elisabeth von Bayern; ebenfalls eine Ur-Enkelin von Erzherzogin Marie Valérie.

Und wir gingen und gingen…

Sie kniete am Betstuhl von Erzherzog Franz Ferdinand im Schloss Eckartsau, stand im Reitkleid in der Spanische Hofreitschule, besuchte die Rudolfsvilla in Reichenau an der Rax (heute Sisi Schloss) und aß kandierte Veilchen in der Backstube vom K. u K. Hofzuckerbäcker DEMEL.

Und wir gehen und gehen…ohne jemals stehen zu bleiben

Manche Menschen zeigten uns zu Beginn den Vogel. Niemand glaubte an mich oder uns. Wir verabschiedeten sie alle.

Manche begleiteten uns ein Stück, danach trennten sich wieder unsere Wege.

Und aus so mancher flüchtigen Begegnung wurden Freunde, Wegbegleiter und -bereiter.

Und bei manchen wäre es besser gewesen, ihnen niemals begegnet zu sein.

So viele kamen und gingen. Und doch hing an so mancher Person unser Herz und deshalb kamen sie zurück.

Fehler passierten. Manchmal verirrten wir uns. Manchmal waren wir verloren und haben doch wieder zueinander gefunden.

Träume groß…

Wir träumen noch immer!

Wir träumen für euch. Wir träumen für uns.

Danke ist nicht genug. Und trotzdem ist es das einzige Wort, dass es zu sagen gilt.

Liebe Maria José. Danke! Danke für dein Sein, dein Laufen, dein Lachen, dein Singen, dein Tanzen. Wir lieben dich. Auch und gerade weil…na, du weißt ja selbst 💜.

Liebe Ida. Danke! Danke für dein Sein, deine ruhige besonnene Art. Deine Art uns manchmal den Kopf wieder zurechtzurücken. Wir schätzen dich sehr 💜.

Liebe Sisi! Reich mir die Hand, träumen wir gemeinsam. Ich liebe dich für alles was du bist. Wer du bist. Wie du bist 💜.

Liebe Sternenkaiserin-Freunde! Danke! Danke für eure Treue, eure Träume, eure Kommentare, eure Kritik und euer Lob. Ohne euch wären wir nichts!

Danke an alle Geschäftspartner, ohne eurem JA!, wären wir nicht wo wir sind. Danke für euer Vertrauen!

Träume groß…

Eure Petra (~ Marie ~)

💜lichen Dank an das wunderschöne Schloss Eckartsau für die Einladung 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Geheimnisvolle zauberhafte Momente,
wenn sich Himmel und Erde umarmen,
wenn sich die Dunkelheit und das Licht küssen,
wenn sich Feuer und Wasser im Tanz wiegen,
wenn Unmögliches plötzlich möglich wird…

🌟Sisi🌟

– Anke Junginger –

Vielen Dank für die Einladung an
Gartenschloss Herberstein💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Wann das Veilchen blüht und der Kuckuck singt
Und die Nachtigall flötet im Busch,
Wann die Jugend munter zum Reigen springt
Und es rauscht durch die Blätter husch! husch!
Dann führet zum Baume, zum Quell
Die Gesellin der frohe Gesell,
Dann paart sich die Liebe im Busch.

Sei willkommen, Frühling, du süßer Gast!
Sei willkommen, du fröhlicher Mai!
Der die Freude bringt und die Sorge haßt.
Noch sind Leben und Jubel uns frei.
Auf! liebliches Mädchen, zum Tanz!
Weil dir blühet der liebliche Kranz
Der Jugend, ein fröhlicher Mai.

Wann der Winter schneit und das Alter friert,
Dann du wünschest und weinest umsonst;
Wer die Blume pflückt, die den Frühling ziert,
Der verstehet die glücklichste Kunst.
Süß Liebchen, wir kommen zur Stell‘ –
Wie dir glänzen die Äugelein hell!
Frau Luna, ihr Sternlein mit Gunst.

~ Marie ~

Ernst Moritz Arndt

💜lichen Dank dem wundervollen Schloß Schönbrunn für die Einladung 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Kinder brauchen Liebe.
Kinder brauchen Halt.
Kinder ohne Liebe
lernen die Gewalt.

Kinder wollen leben,
träumend noch bereit,
euch ihr Herz zu geben,
aber habt ihr Zeit?

Kinder wollen spielen.
Zeigt das „Ja“ und „Nein“.
Laßt sie Nähe fühlen,
laßt sie glücklich sein.

Kinder brauchen Liebe,
wollen fröhlich sein.
Fällt euch bei der Liebe
nicht die Liebe ein?

🌟Sisi🌟

Geert-Ulrich Mutzenbecher

Vielen Dank für die Einladung an
Wasserschloss Totzenbach💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


„Marie, ich möchte morgen unbedingt ins schöne Neuberg an der Mürz. Ich möchte Reiten und meine Ruhe. Bitte veranlasse das.“

„Majestät, ich hoffe nur, dass das es in Neuberg nicht zu kalt zum Reiten ist.“

~ Marie ~ 

💜lichen Dank dem wunderschönen Gartenschloss Herberstein für die Einladung 💜 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Nach diesen trüben Tagen
Wie ist so hell das Feld!
Zerrissne Wolken tragen
die Trauer aus der Welt.

Und Keim und Knospe mühet
Sich an das Licht hervor,
Und manche Blume blühet
Zum Himmel still empor.

Ja auch so gar die Eichen
Und Reben werden grün!
O Herz, das sei dein Zeichen!
Herz, werde froh und kühn!

🌟Sisi🌟

Hoffmann von Fallersleben

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Fuschl Resort & SPA💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Now I’ve heard there was a secret chord
That David played, and it pleased the Lord
But you don’t really care for music, do you?
It goes like this the fourth, the fifth
The minor fall, the major lift
The baffled king composing Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah
Hallelujah, Hallelujah

Your faith was strong but you needed proof
You saw her bathing on the roof
Her beauty and the moonlight overthrew you
She tied you to a kitchen chair
She broke your throne, and she cut your hair
And from your lips she drew the Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah
Hallelujah, Hallelujah

You say I took the name in vain
I don’t even know the name
But if I did, well really, what’s it to you?
There’s a blaze of light in every word
It doesn’t matter which you heard
The holy or the broken Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah
Hallelujah, Hallelujah

I did my best, it wasn’t much
I couldn’t feel, so I tried to touch
I’ve told the truth, I didn’t come to fool you
And even though it all went wrong
I’ll stand before the Lord of Song
With nothing on my tongue but Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah
Hallelujah, Hallelujah

~ Marie ~

Song: Hallelujah
Writer: Leonard Cohen

💜lichen Dank dem wundervollen Schlosspark Laxenburg für die Einladung 💜 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Das Fest ist jetzt zu Ende.
Unsere Spieler, wie ich euch sagte, waren Geister
Und sind aufgelöst in Luft, in dünne Luft.
Wie dieses Scheines lockrer Bau
So werden die wolkenhohen Türme, die Paläste,
Die hehren Tempel, selbst der große Ball.
Ja, was nur Teil hat, untergehn,
Und, wie dieses leere Schaugepräng erblaßt,
Spurlos verschwinden.
Wir sind solcher Stoff wie der zum Träumen,
Unser kleines Leben umfaßt ein Schlaf,-
Ich bin gereizt, Herr
Habt Geduld mit mir. Mein alter Kopf ist schwindlicht.
Seid wegen meiner Schwäche nicht besorgt.

~ Marie ~

William Shakespeare

💜lichen Dank dem wundervollen Schloss Ruegersfür die Einladung 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Endet schon des Tages Leben
und sein ganzes Glück?
Töne und Gestalten schweben
in sich selbst zurück.

Zwischen Wachen, zwischen Träumen
trinkt die Seele schon,
zugeweht aus andern Räumen,
leisen Harfenton.

Breite nun, du sternenschöne,
atemstille Nacht,
deine Schleier und versöhne
wo ein Leiden wacht.

🌟Sisi🌟

Johann Georg Fischer

Vielen Dank für die Einladung an
Palais Schönburg ❤️

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Ja! Mein Glück – es will beglücken –
alles Glück will ja beglücken!
Wollt ihr meine Rosen pflücken?

Müßt euch bücken und verstecken
zwischen Fels und Dornenhecken,
oft die Fingerchen euch lecken!

Denn mein Glück – es liebt das Necken!
Denn mein Glück – es liebt die Tücken! –
Wollt ihr meine Rosen pflücken?

🌟Sisi🌟

Friedrich Nietzsche

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Eckartsau💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


„Marie, jetzt komm schon. Sei nicht so ein Wetterfrosch. Egal ob es regnet oder nicht, ich möchte jetzt Spazierengehen. Zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf.“

„Aber Majestät. Es ist wirklich sehr kalt und nass draußen.“

~ Marie ~ 

💜lichen Dank dem wundervollen Schloss Esterházyfür die Einladung 💜 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Eine Möve bin ich von keinem Land,
Meine Heimat nenne ich keinen Strand,
Mich bindet nicht Ort und nicht Stelle;
Ich fliege von Welle zu Welle.

🌟Sisi🌟

Elisabeth von Österreich: Das poetische Tagebuch – Kapitel 10
@ Spiegel.de

Vielen Dank für die Einladung an
Schlosspark Laxenburg💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


„Aber Papperlapapp Marie, immer die Ausreden, warum du nicht in den Garten möchtest. Es regnet, es ist kalt, es schneit oder es geht ein Sturm. Los, jetzt, gehen wir hinaus.“

„Majestät, es regnet aber wirklich und ich mache mir Sorgen um Ihre Lunge.“

~ Marie ~ 

💜lichen Dank dem wundervollen Palais Schönburgfür die Einladung 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
„Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!“

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
„Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!“

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
„Der Frühling, der Frühling!“ – da wußt‘ ich genug!

🌟Sisi🌟

Heinrich Seidel

Vielen Dank für die Einladung an
Schlosspark Laxenburg 💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Allabendlich treibt’s mich hinaus,
Ich muss die Sonne seh’n
Die glückliche, beneidete,
Im Meere untergeh’n.

»Nicht ist’s dein Gold, nicht ist’s dein Schein,
Um den mein Sinn sich kränkt,
Wohl aber, dass die hehre See
Dich jede Nacht umfängt.

Und während du ihr Flutenherz
Erwärmst mit deiner Glut,
Steh‘ ich im Finstern hier und frier
Vor Eifersucht und Wut!«

🌟Sisi🌟

Elisabeth von Österreich: Das poetische Tagebuch – Kapitel 9
Guttenberg.spiegel.de 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Der Reiz der Rose
Liegt nicht lediglich
In Ihrem Duft
Und Ihrem Antlitz
Sondern darin,
Daß derjenige,
Der Ihre Schönheit und
Ihren Wohlgeruch genießen will,
Auch Ihre Dornen
Lieben muß.

🌟Sisi🌟

Daniel Lipp

Vielen Dank für die Einladung an Palais Schönburg 

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Auf Christi Himmelfahrt allein
Ich meine Nachfahrt gründe
Und allen Zweifel, Angst und Pein
Hiermit stets überwinde.
Denn weil das Haupt im Himmel ist,
Wird seine Glieder Jesus Christ
Zur rechten Zeit nachholen.

Weil Er gezogen himmelan
Und große Gab empfangen,
Mein Herz auch nur im Himmel kann,
Sonst nirgends, Ruh erlangen;
Denn wo mein Schatz gekommen hin,
Da ist hinfort mein Herz und Sinn,
Nach Ihm mich stets verlanget.

Ach Herr, laß diese Gnade mich
Von deiner Auffahrt spüren,
Daß mit dem wahren Glauben ich
Mag meine Nachfahrt zieren
Und dann einmal, wann Dir’s gefällt,
Mit Freuden scheiden aus der Welt.
Herr, höre doch mein Flehen!

~ Marie ~

Josua Wegelein

💜lichen Dank dem wunderschönenRenaissanceschloss Greillenstein für die Einladung

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


In die Berge sehnst du dich,
An das Meer, –
Und der Berg des Himmels
Mit seinen steilblauen Wänden:
Ragt er nicht ewig
Vor dir auf?

In die Berge sehnst du dich,
An das Meer, –
Und das Meer des Himmels
Mit seinem tiefblauen Spiegel:
Wogt es nicht ewig
Vor dir hin?

Wie ein Knabe
Träumst du von Bergen,
Träumst du von Meeren…
So wirf den Nacken doch zurück
Und habe mehr denn Berg und Meer –
Hab‘ – Ewigkeit!

🌟Sisi🌟

Christian Morgenstern

Vielen Dank für die Einladung an
Schloss Fuschl Resort & SPA💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Marie, bitte schreibe deiner Schwester in meinem Namen, ich bedanke mich sehr herzlich für den Veilchenduft. Ihr Porträt ist außergewöhnlich gut gelungen.“

„Majestät, das hat Julia sehr gerne gemacht. Ich freue mich, das Majestät den Duft als angenehm empfinden. Das Porträt wird ihr bald ausgehändigt.“

~ Marie ~ 

💜lichen Dank dem wundervollen Gartenschloss Herberstein für die Einladung 💜

Das Porträt zeigt tatsächlich die Schwester von Marie Gräfin von Festetics, Júlia Gräfin von Herberstein, geb. Festetics de Tolna (8.9.1835 – 5.2.1898)

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


„Schau Marie, sind sie nicht hübsch die neuen Veilchengläser? Da lassen wir doch gleich der Mama und dem Ludwig welche schicken“

🌟Sisi🌟

Vielen Dank für die Einladung an
K. u K. Hofzuckerbäcker DEMEL💜

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie


Verhaucht sein stärkstes Düften
Hat rings der bunte Flor,
Und leiser in den Lüften
Erschallt der Vögel Chor.
Des Frühlings reichstes Prangen
Fast ist es schon verblüht –
Die zeitig aufgegangen,
Die Rosen sind verblüht.
Doch leuchtend will entfalten
Von hehren Pfingstgewalten
Gleich einer späten Liebe,
Die lang in sich geruht,
Bricht sie mit mächtgem Triebe
Jetzt aus in Purpurglut.

🌟Sisi🌟

Ferdinand von Saar

Vielen Dank für die Einladung an
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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


„Nirgends bin ich so frei, wie beim Reiten. Während der Kaiser seinen langweiligen Ministern zuhört, werden wir Neubergs Pfade erkunden. Komm, Marie. Ist eine gute Gelegenheit für Irland zu trainieren.“

„Majestät, Mr. Bay wird sich freuen zu hören, dass Sie üben, aber soll nicht doch lieber Ida mitkommen?“

~ Marie ~

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Foto: sternenkaiserin.com – Marie