Elizabeth Rosanna Gilbert oder auch Lola Montez

Foto: Wikimedia/Commons, Lola Montez, Schönheitengalerie, Joseph Stieler 1847

Wir gedenken heute des Todestages von Elizabeth Rosanna Gilbert, bekannt als Lola Montez. Sie wurde am 17.2.1821 in Grange (Irland) geboren.

Ihr Vater war Edward Gilbert. Ihre Mutter Eliza Oliver.

Ihr Vater war ein schottischer Offizier, ihre Mutter eine irische Landadelige. 1822 übersiedelte die Familie nach Kalkutta, wo der Vater kurz nach der Ankunft an Cholera starb. Ihre Mutter musste die Familie allein durchbringen, ehelichte aber relativ bald nach dem Tod des Ehemannes wieder. Ab ca. 1826/7 zog die Familie wieder nach Schottland, wo Eliza, wie sie genannt wurde, das Höhere Mädcheninternat besuchte.

Um einer aufgezwungenen standesgemäßen Ehe zu entgehen, ließ sie sich vom englischen Offizier Thomas Jane nach Irland entführen. 1838 ehelichte sie Thomas und ging mit ihm wieder nach Kalkutta. 1839 trennte sich das Paar allerdings wieder.

1842 kehrte Eliza von Kalkutta zurück und zog nach London. Dort begann sie einen spanischen Sprachkurs und lernte spanische Tänze. Auf einer Spanien-Reise vervollständigte sich ihr Plan, sich fortan als Spanierin auszugeben. 1843 kehrte sie als „Maria de los Dolores Porrys y Montez“ nach London zurück. Sie gab an aus Sevilla zu sein. Doch nach ihrem Debüt als Tänzerin wurde sie enttarnt und somit floh sie aus England.

Als nunmehrige Lola Montez reiste sie durch Europa und mischte die noble Gesellschaft auf. Sie hatte zahlreiche Affären und in jedem Land hinterließ sie einen Skandal und gebrochene Herzen nach dem anderen.

Sie tanzte u.a. vor Fürst Heinrich LXXII, König Friedrich Wilhelm IV (verheiratet mit Elisabeth von Bayern, (Paten)Tante von Sisi und Kaiser Franz Joseph), Zar Nikolaus I usw. Franz Liszt und die beiden Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere und Jüngere (Vater und unehelicher Sohn) gehörten zu ihren Verehrern. Aus allen Ländern wurde sie schließlich wegen Skandalen ausgewiesen.

Eines der früheren größten Skandale löste sie in Paris aus. Ihr Gebliebter Alexandre Duarier, ein Redakteur der französischen Zeitung „La Press“, starb 30jährig 1845 bei einem Duell.

Nach dem „Mord“ an ihrem Geliebten tauchte sie in die Pariser Halbwelt unter und floh schließlich 1846 nach München. Sie bewarb sich am Münchner Hoftheater. Da ihr aber ihr Ruf vorauseilte, verweigerte ihr der Intendant ein Engagement. Sie suchte daraufhin um eine Audienz bei König Ludwig I an. Dieser empfing sie am 7.10.1846. Was danach geschah, war eines der größten Skandale im bayrischen Königshaus: Ludwig verfiel der Schönheit

Bereits am 10.10.1846 gab sie ihr Debüt am Münchner Hof- und Nationaltheater.

König Ludwig I., Foto: Wikimedia/Commons

Die 25jährige Schönheit begann mit dem bereits alternden 60jährigen König eine leidenschaftliche Liaison. Schon bald wohnte sie in der Theresienstraße. 1847 ließ sie König Ludwig I porträtieren. Ihr Bild ist heute in der Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg zu sehen.

König Ludwig war seiner Frau Königin Therese zwar in Liebe zugetan, langweilte sich aber maßlos. Da kam ihm das „spanische“ Energiebündel Lola natürlich gerade Recht. Und obwohl er seine Frau finanziell sehr kurz hielt, gab er Unmengen für Lola aus. Er kaufte ihr eine Villa und bedachte sie 1 Monat und 10 Tage nach dem Kennenlernen im Testament. Sie solle nach seinem Ableben 100.000 Gulden bekommen, vorausgesetzt sie sei unverheiratet und/oder keine Witwe.

Bis zum Ende des Verhältnisses (1850) gab Ludwig für Lola 158.084 Gulden aus. Ich habe es umgerechnet und in heutiger Währung sind das € 2.759.278,76! Klingt für uns heute schon viel. Auf die damalige Zeit gesehen, müssten wir Euro 27 Mio rechnen, um die Relation zu begreifen.

Das Verhältnis zwischen Lola und Ludwig wurde von der Münchner Bevölkerung mit Argwohn betrachtet. Als er sie am 25.8.1847 (Ludwigs Geburtstag) auch noch zur „Marie Gräfin von Landsfeld“ machte, kam es zu ersten Tumulten.

Lola, nunmehr Gräfin Landsfeld, gründete eine eigene Studentenverbindung, wodurch es zu heftigen Unruhen kam. König Ludwig ließ die Universität aus Protest sperren. Danach befahl er, dass die Studenten München zu verlassen hätten, was zu noch mehr Unruhen führte. Am nächsten Tag wurde die Universität wieder geöffnet. Um dies zu erreichen, musste Lola am 11.2.1848 die Stadt verlassen. Sie wurde somit verbannt.

Am 16.3.1848 kam Lola wieder heimlich zurück, was erneut heftige Unruhen auslöste. Ludwig musste zähneknirschend Lola auf die Fahndungsliste setzen. Lola floh endgültig. König Ludwig musste abdanken. Das Paar sah sich nie wieder.

Nach dem Skandal um König Ludwig ließ sie sich in der Schweiz nieder. Sie erhoffte sich ein Wiedersehen mit ihrem Geliebten, was zahlreiche Briefe belegen. Sie lernte den Hochstapler Auguste Papon kennen, der sich als „Marquis de Sard“ ausgab. Dieser versuchte den abgedankten König zu erpressen. Als dieser von einer erneuten Affäre von Lola erfuhr und die Briefe immer öfter „Geldangelegenheiten“ enthielt, flaute das Verhältnis ab.

1849 kehrte sie nach London zurück, wo sie im Covent Garden zum Drama „Lola Montez ou la Comtesse pour une heure“ auftreten sollte. Doch der Auftritt wurde abgesagt.

Als sie den britischen Offizier George Trafford Heald ehelichte, brach Ex-König Ludwig endgültig den Kontakt ab. Da sie aber noch immer mit Thomas James verheiratet war, wurde sie wegen Bigamie angezeigt. Sie floh erneut aus England, nahm aber George mit. Am Mittelmeer hatte das illegitime Ehepaar einen heftigen Streit was wiederum zur Trennung führte.

Lola ging erneut nach Paris, wo sie einige Auftritte hatte. Dort veröffentlichte sie auch in einer Tageszeitung ihre Biografie. 1851 ging sie nach New York, wo sie in einer Revue „Lola Montez in Bavaria“ als sie selbst auftrat. Von 1851-53 tourte sie mit diesem Stück an der Ostküste. Im Mai 1853 blieb sie in San Francisco, wo sie Patrick Hull ehelichte, welcher kurz nach der Eheschließung starb. Im August desselben Jahres, ließ sie sich in der Goldgräberstadt Grass Valley (Kalifornien) nieder.

Foto: Matthew Fatale via findagrave.com, Eliza Gilbert (Lola Montez), Green-Wood-Cementary, Brooklyn

Foto: Lorenzo Brieba via findagrave.com, Rückseite des Grabsteins von Eliza Gilbert (Lola Montez), Green Wood Cementery, Brooklyn

1855 ging sie erneut auf Tournee, welche sie nach Australien führte. 1857 zog sie endgültig nach New York. Lola schrieb nunmehr Schönheitsratgeber und kümmerte sich rührend um „Gefallene Mädchen“. Gefallene Mädchen waren Mädchen aus (sehr) gutem Haus, welche ihre Jungfräulichkeit – ohne verheiratet zu sein – verloren hatten. Durch diese Arbeit lernte sie Charles Chauncey Burr kennen, der sie zum christlichen Glauben bekehrte.

Ab 1860 zeigten sich erste Krankheitsprobleme. Ein Schlaganfall und ähnliche Symptome machten ihr das Leben schwer. Im Sommer verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Zu Weihnachten zog sie sich eine Grippe zu, die sich schnell zu einer Lungenentzündung ausbreitete.

Eliza Gilbert (Lola Montez) starb exakt 1 Monat vor ihrem 40. Geburtstag, am 17.1.1861 in New York. Sie ruht am Green-Wood-Cementery in Brooklyn.

~ Marie ~


Text: Marie
Bildrechte: Matthew Fatale via findagrave.com, Lorenzo Brieba via findagrave.com, Wikimedia/Commons 


Literatur Hinweise: 

Reinhold Rauh
Lola Montez Die königliche Mätresse (nur noch antiquarisch erhältlich) 

Sonja Still
Joseph Stieler: Der königlich-bayrische Hofmaler (Maler der Schönheitengalerie)

Rudolf Reiser 
Ludwig I und seine 30 Mätressen (nur noch antiquarisch erhältlich) 

 

 

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