… was ein Fächer alles verspricht…

Das ein Fächer weit mehr kann als einer Dame an schwülen Sommertagen etwas Kühlung zu verschaffen, werde ich Euch hiermit versuchen näher zu bringen.

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Foto: @feitzi

Denn die sagenumwobene Fächersprache ist wohl die zauberhafteste Möglichkeit zu flirten. Mit ihr kann jedes Gefühl verstärkt ausgedrückt oder auch nur angedeutet werden.

Ein Fächer gehörte, sowie Hut und Schirm, zur Grundausstattung jeder anständigen Dame des 19. Jahrhunderts.

In Paris und London gab es eigene Fächerakademien, um den jungen Damen diese besondere Art der Konversation zu lernen.

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Fächermuseum London, Foto: @sternenkaiserin.com

Der Sinn dieser so einzigartigen Sprache war, wie könnte es anders sein, die Liebe!

Es war eine unauffällige, aber auch elegante Art, dem Herren der Wahl, Dinge mitzuteilen die nicht für fremde Ohren gedacht waren.


 

Ein paar dieser „eindeutigen“ Gesten werde ich Euch nun vorstellen und wer weiß, vielleicht könnt ihr ja die eine oder andere am nächsten Ball anwenden.

Vorausgesetzt natürlich, der Herr versteht diese Zeichen!

Hält man den Fächer mit der linken Hand vor das Gesicht bedeutet das: Ich sehne mich nach Gesellschaft

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Hält man ihn mit der rechten Hand vors Gesicht bedeutet es: Folgen Sie mir!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Zieht man ihn leicht über die Stirn: Wir werden beobachtet!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Streicht man sich mit dem Fächer über die Wange: Ich liebe Sie!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Den geschlossenen Fächer durch die Hand ziehen: Ich hasse Sie!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Streift man damit leicht über die Augen: Es tut mir Leid! Verzeihen Sie mir!

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Foto: Prinz Barbara Fotografie mit Herz


 

Tippt man mit dem geschlossenen Ende an die Lippen: Küssen Sie mich!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017


 

Der Fantasie waren scheinbar keine Grenzen gesetzt, so gab es angeblich noch einige weitere Zeichen. 

  • Mit der rechten Hand flattern lassen: Ich liebe einen anderen!
  • Langsam fächeln: Ich bin verheiratet.
  • Schnell fächeln: Ich bin verlobt.
  • Zeigt man den Fächer geschlossen: Lieben Sie mich?
  • Tippt man mit den Fingern an eine bestimmte Anzahl der Stäbchen so ist das eine Zeitangabe für die Verabredung.

 

Man kann sich vorstellen, dass sich aus dieser Art der Konversation oftmals auch interessante Missverständnisse ergaben, dennoch war es eine gängige Methode, geheime Liebschaften zu koordinieren.

Wobei meine Vermutung eher in die Richtung geht, dass man sich ganz eigene, geheime Zeichen vereinbarte, denn welchen Sinn hätte eine Geheimsprache, wenn alle anderen Gäste bei Tisch oder auf einem Ball diese nonverbale Konversation ebenso deuten konnten?

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Der Fächer diente mit Sicherheit als eine Art Spielzeug, ein Hilfsmittel der Koketterie, denn welcher Gentleman würde sich nicht bücken, um der Dame den „zufällig“ fallen gelassen Fächer wieder aufzuheben, um so einen Blick in die Augen der Angebeteten zu erhaschen oder gar ihre Hand für einen Moment zu berühren?

Mit Sicherheit aber war der Fächer ein beliebtes Mittel, ungeliebten Blicken zu entgehen!

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

So trug etwa Kaiserin Elisabeth in späteren Jahren stets Schirm und Fächer bei sich, um den immer mehr werdenden Paparazzis zu entkommen oder sich vor den, wie sie es nannte „Gaffern“ zu schützen.

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Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

 

Sieht man sich ein wenig die Geschichte des Fächers an, so findet man bereits Wandmalereien der alten Ägypter, an denen sie sich von Sklaven kühlende Luft zu wedeln ließen.

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Bild aus „die Kunst Ägyptens/Walter Wolf“ -Aufn. EME 150

Die ersten Handfächer findet man in Europa auf Gemälden des 16. Jahrhunderts.

Der Fächer galt als Statussymbol der Damenwelt. Daher wurden sie aufwendig bemalt und die Stäbe kunstvoll geschnitzt oder sogar vergoldet.

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

In vielen Museen kann man heute noch diese Kunstwerke bewundern und die vielen Arten bestaunen. In London gibt es das weltweit einzige Fächermuseum, dass sich ausschließlich diesem Kleinod der Weiblichkeit widmet. 

https://www.thefanmuseum.org.uk/

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

Fächer wurden aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt. Die Stäben waren aus Holz, Elfenbein, Schildpatt oder Horn. Das sogenannte „Blatt“ war mitunter aus Schwanenhaut, oder Pergament, später auch aus bemalter Seide oder Spitze.

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Fächermuseum London, Foto @sternenkaiserin.com

Die Feinheit eines solchen Fächers war Zeichen der Weiblichkeit, ein Sinnbild für Eleganz und Grazie.

Das der Fächer allerdings nicht nur der holden Weiblichkeit zuzuordenen war, zeigt der „eiserne Fächer“ der Samurai, der als versteckte Waffe diente. James Bond lässt grüßen 😉

Heute hat der Fächer in Europa weitgehend seine Bedeutung verloren, und wird hauptsächlich nur noch aus Asien für Dekorationszwecke oder für Kostüme verschiedenster Art importiert. Eine europäische Ausnahme stellt Spanien dar, wo man sie heute noch als Souvenir bzw für die Flamencotänzer herstellt.

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Flamencotänzerin; Foto: @Christian Henking

In Asien allerdings gehören Fächer nach wie vor zum alltäglichen Erscheinungsbild und werden dort von beiden Geschlechtern verwendet. 

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Fächermacher mit Beistellmöbeln und Truhen, Korean Folk Village, Suwon @Foto:Roman & Daniela Jost

Zum Schluss möchte ich Euch noch einen kleinen Tipp mitgeben: Für alle die im Sommer in überhitzen Theaterräumen sitzen, oder am Heimweg in Bus und Straßenbahn schwitzen, ein Fächer findet in jeder Handtasche Platz, und ihr werdet wirklich überrascht sein wie angenehm es ist einen solchen zu verwenden.

*Sisi*

 


Rechtliche Hinweise:
Textrecht: Sisi, Fächermuseum London
Bildrechte: Charlotte Schwarz; Feitzi; sternenkaiserin.com; Prinz Barbara; Roman & Daniela Jost; Christian Henking, Walter Wolf
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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