Lebe deinen Traum… Hofsalonwagen Technisches Museum Wien

Als ich im Damensattel, begleitet von 8 Husaren die Wiese der Kaiservilla in Bad Ischl hoch in Richtung Jainzen galoppierte, dachte ich es gäbe nichts, dass das noch toppen könnte.

Der Spruch „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ passt vielleicht auf niemanden besser, als auf mich.

Ich wandelte alleine durch die Gärten von Trauttmansdorff, fuhr mit der Kutsche durch die Hauptallee in Schönbrunn und genoss den Sonnenuntergang in Laxenburg.

In den letzten Jahren hatte ich unzählige unvergessliche Erlebnisse dieser Art.

Aber eines schien so unerreichbar, dass es selbst in meiner Vorstellung immer nur ein Traum blieb:

Der Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth

 

18222412_1762579664052513_1558087769823754431_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Seit meiner Kindheit faszinierten mich nicht nur Kutschen und alles was dazu gehört, sondern auch Dampflokomotiven.

Vermutlich stammt daher auch meine Liebe zum Kaiserzug, der kleinen Eisenbahn, die jedes Jahr nach Ischl dampft, um so eine illustre Gesellschaft zur Sommerfrische in des Kaisers geliebtes Ischl zu bringen.

18301285_1762579800719166_5392047606689858660_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Der Salonwagen der Kaiserin Elisabeth ist als Nachbau im Sisi Museum in der Hofburg zu finden.

Das Original jedoch steht liebevoll behütet im Technischen Museum in Wien!

Mit dem Ausbau der Eisenbahnstrecken in der Donaumonarchie benötigte man nun auch spezielle Wagen für die Oberschicht, allen voran das Kaiserhaus.

Der erste Hofsalonwagen Österreichs verkehrte auf der 1845 eröffneten Teilstrecke von Ölmütz nach Prag. Der Wagen des Kaisers hob sich von den anderen durch prunkvolle, goldene Verzierungen und Applikationen wie der Kaiserkrone und dem Wappen deutlich von den anderen ab.

Die Kosten für diesen Wagen betrugen 30.000 Gulden, das wären heute in etwa 417.550 €

Auch andere Eisenbahngesellschaften, so wie die Kaiserin Elisabeth Bahn und die Kaiser Ferdinand Nordbahn setzten eigene Hofwägen ein.  Für den Kaiser gab es sogar einen eigenen Hofjagdwagen. 

Bei kürzeren Fahrten wurden die Wagen aus dem Bestand der jeweiligen Gesellschaften zu Hofzügen zusammen gestellt.

Bei größeren Hofreisen wurden die Garnituren mehrerer Eisenbahngesellschaften zusammen gefügt. Später gab es eigene Hofzüge wie der, der Kaiserin Elisabeth.

Die übliche Zusammenstellung war: ein Suite-Wagen, ein Beiwagen, in der Mitte der Salonwagen und der Schlafwagen der Kaiserin, dahinter ein Beiwagen 2. Klasse und ein Gepäckwagen. Für Hofreisen galten eigene Vorschriften und Dienstordnungen.

So hatte der Hofwagen immer Vorrang, die Fahrpläne waren auf größtmögliche Sicherheit, Komfort und Pünktlichkeit ausgerichtet. Ersatzlokomotiven wurden bereit gestellt, die Strecken zuvor zu Fuß kontrolliert und an unübersichtilchen Stellen wurden Bahnwächter postiert.

Im Oktober 1870 reiste Kaiserin Elisabeth nach Meran, um dort den Winter zu verbringen.

Der Hofstaat umfasste 102 Personen, darunter waren eigene Beamte des Telegrafenamtes um eine Verbindung zum Hof herzustellen, ein Hoftafelgestalter und ein Zuckerbäcker aus der Hofküche.

Neben eigenem Mobiliar wurden auch 27 Pferde mitgenommen.

1872 erfolgte der Auftrag zum Bau eines beheizbaren Hofsalonwagen für die Kaiserin.

Zwei 4rädrige Wagen, bestehend aus Salonwagen und Schlafwagen wurden erbaut, und hatten ihr von sämtlichen Gesellschaften zur Verfügung gestellt zu werden.

Der äußere Anstrich wurde in grüner Farbe mit goldenen Ornamenten gestaltet.

Auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Majestät wurde die Innenausstattung aus schwerem grünem Seidenrips gefertigt. Das Holz hatte matt geschliffen zu sein und nur sparsame Schnitzereien zu enthalten.

1873 wurden die Hofsalonwägen ihrer Majestät von der Firma Ringhoffer in Prag gebaut und gingen 1874 in Betrieb.

 

Der Salonwagen:

18198251_1762579384052541_4697572965767278555_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Er besteht aus zwei Teilen, ein zweifenstriges Coupes für die Suiten, (Hofdamen) mit Diwan und einem Tisch.

Ein vierfenstriger Salon für die Kaiserin mit Schreibtisch, zwei Fauteuiles, einem ausziehbaren Schlaffauteuiles sowie einem großen Wandspiegel.

18222424_1762579244052555_8092422531417520397_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Einem Toilettenraum mit Wasserklosett, und einem kleinem nur durch einen Vorhang getrennten Abteil mit einem Polstersessel für die Kammerfrau.

Über zwei außen hängende Öfen wurde der Wagen über eigene Lüftungsgitter im Boden mittels Briketts beheizt.

Der Schlafwagen:

18222673_1762579307385882_1179503433035313646_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Ein Schlaf-Salon mit Bett, mobilen Tisch, Spiegel, Fauteuil und Stockerl.

18198462_1762579237385889_1415753545828867722_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Ein Boudoir mit Toilettetisch mit silberem Waschbecken und einem Wandspiegel davor ein Sessel und an der Fensterwand ein großer Diwan.

18199085_1762579484052531_4840262207821751222_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Ein kleines Abteil für die Kammerfrau mit einem Polstersessel, sowie eine Toilette.

Beide Wägen waren mit Ölbeleuchtung ausgestattet und verfügten über zusätzliche verglaste Kerzenhalter.

 

Nach dem Tod der Kaiserin wurden die Wagen außer Dienst gestellt und man dachte über deren Verkauf nach.

1905 wurde der Schlafwagen dem Eisenbahnmuseum übergeben und der Salonwagen sollte im Hofzug des Kaisers weitergeführt werden. Dies unterblieb jedoch und auch der Salonwagen der Kaiserin wurde dem Museum übergeben und blieb somit für die Nachwelt erhalten.

Ein Vermerk des Obersthofmeisters lautet: „bleibt zur Disposition des Obersthofmeisters – aus Pietät ohne Verwendung“

Am 15. September 1898 trat die Kaiserin ihre letzte Reise an. Ihr Leichnam wurde mit der Eisenbahn nach Wien gebracht, und dem Hof dafür ein Betrag von 1448,85 Gulden in Rechnung gestellt. (ca. € 12.177,77)


 

Wie kommt nun Sisi in den Wagon?

Die einzigartigen Bilder unserer verehrten Charlie Schwarz, sowie das Verhandlungsgeschick meiner Marie ermöglichten dieses absolut einzigartige und magische Erlebnis.

Wir erhielten als bisher Einzige die Erlaubnis IM Wagon Bilder zu machen.

Ein passendes Kleid musste her, abgestimmt mit dem Baujahr des Wagons und der Farbe des technischen Museums wählten wir die blaue Tournüre aus Moireseide.

Nachdem wir vom „Museumshündchen“ freudig begrüsst wurden, führte man uns zum Wagon, wo schon eine Restauratorin wartete.

Nur in Socken und Überschuhen durfte ich dann über eine Leiter die Treppen des Wagons hochklettern und den kaiserlichen Teppich betreten.

18275121_1762579714052508_13224711567295647_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Charlie musste draußen bleiben, durfte jedoch durch die eigens für uns geöffneten Fenster fotografieren.

Es war, als würde der Wagon gleich losrollen, als wäre er gestern erst abgestellt worden, und seither nur darauf warten, wieder auf Reisen zu gehen, verbannt in einen Dornröschenschlaf, um irgendwann wieder daraus erlöst zu werden.

18268554_1762579410719205_5006497116234761946_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Ich schritt über den Teppich, der so weich war, als würde man auf Watte laufen und stand vor dem Spiegel.

Ihrem Spiegel! Eine Melodie aus dem Musical schlich sich in meine Gedanken und wurde so zum Ohrwurm des Tages. „wenn ich dein Spiegel wär…“

18275245_1762579217385891_2689887552143866352_n

 

Das Ganze war ein so einzigartiges Erlebnis, dass ich es kaum beschreiben kann. Ich stand an einem Ort, den nur sehr wenige Menschen betreten durften, wochenlang hatte ich diesem Tag entgegen gefiebert und nun war es soweit.

Ich stand tatsächlich im Zug! Dem Zug! 

18301531_1762579444052535_6587187010779424470_n

Foto: Charlotte Schwarz/Fotografin 2017

Der Wagon, der sonst nur einmal im Jahr geöffnet wird, um Mottenfallen zu kontrollieren und zu tauschen, war für einen Moment lang wieder lebendig. Die Lampen erhellten den Innenraum, das Kleid raschelte über den Teppich, eine sich lösende Haarnadel  die vor dem Spiegel gerichtet wurde.

Die Wassergläser aus geschliffenem Kristall, die darauf warteten von Marie befüllt zu werden glitzerten im Lichter des Scheinwerfers und die bestickte Bettdecke in rosa und violett,  wartete nur darauf aufgeschlagen zu werden und erstrahlte in fast leuchtenden Farben.

Alles das war wie in einem Traum!

In meinem Traum!

Ein Traum, der alle Anwesenden in seinen Bann zog. Marie verstummte für ein paar Augenblicke, selbst Charlie stand ehrfürchtig hinter ihrer Kamera. Der Termin, der zu Beginn auf eine Stunde angesetzt war, wurde von der verantwortlichen Dame um das doppelte verlängert.

Museumsbesucher blieben stehen und sahen mit Respektabstand, fast ehrfürchtig zu.

Hiermit möchte ich mich bei den beiden Menschen aus ganzen Herzen bedanken, die es ermöglicht haben, diesen Traum zu leben! Danke Euch zwei!!! 

Mein Dank gilt natürlich auch dem Technischen Museum Wien ohne dessen Zustimmung das niemals möglich gewesen wäre!

 


Rechtliche Hinweise:

Bildrechte: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017
Textrechte: Sisi


Literatur Hinweis:

Daten und Zahlen aus dem Buch: Der Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth, Technisches Museum Wien

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s