Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

 

Foto: Wikimedia/Commons

Die einzige wahre Pflicht von Kaiserin Elisabeth war es, so rasch als möglich Nachwuchs zu bekommen. Vorzugsweise Buben, damit die Thronfolge gesichert sein konnte.

Nach den strapaziösen Hochzeitsfeierlichkeiten (der Bericht kann hier nachgelesen werden), den Flittterwochen und der Reise nach Böhmen und Mähren, stellte Sophie alsbaldigst die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft bei ihrer noch sehr jungen Schwiegertochter fest.

Sie schrieb eilig an ihren abwesenden Sohn: „Auch glaube ich, dass Elisabeth sich nicht zu sehr mit ihren Papageien abgeben sollte, da zumal in den ersten Monaten man sich so leicht an den Tieren verschaut, die Kinder Ähnlichkeit mit ihnen erhalten. Sie sollte lieber sich im Spiegel und Dich anschauen. Dieses Verschauen lass ich mir gefallen.“ (1)

Sophie setzte sich durch, die Papageien mussten die Räumlichkeiten verlassen. Elisabeth war aufs äußerste betrübt. Sophie nahm darauf wenig Rücksicht und hielt die junge Frau an, sich in der Öffentlichkeit mit dem Bauch zu zeigen. Das Volk solle die stolze schwangere Kaiserin sehen. Elisabeth wollte fliehen und weinte viel.

Selbst die Geburt ist seitens Sophie dokumentiert. Sie schrieb in ihr Tagebuch: „Sisi hielt die Hand meines Sohnes zwischen den ihren und küßte sie einmal mit ihrer lebhaften und respektvollen Zärtlichkeit; das war so rührend und machte ihn weinen; er küßte sie ohne Unterlaß, tröstete sie und klagte mit ihr und schaute mich bei jeder Wehe an, um zu sehen, ob ich damit zufrieden war. ….. Endlich nach einigen guten und langen Wehen kam der Kopf und gleich danach war das Kind geboren.“ (2)

Obwohl Ludovika zur Geburt „eingeladen“ wurde, ließ sie den Vortritt ihrer verehrten Schwester.

Am 5.3.1855 um 3.00 Uhr nachts kam schließlich die kleine Prinzessin zur Welt. Ihr Name ist nicht wie so oft, ein Alleingang von Erzherzogin Sophie, sondern ein durchaus übliches Handeln bei den kaiserlichen und königlichen Familien. So wurde immer der Name der Großmutter weitergegeben, erst im weiteren Verlauf die eigentlichen „neuen“ Namen.

Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Sophie und die kleine Gisela. Foto: Wikimedia/Commons

Doch auch gleich nach der Geburt gab es wieder Streit. Sophie wollte sich um die kleine Erzherzogin selbst kümmern. Sie bestand darauf, dass das Kinderzimmer in ihren Wohntrakt verlegt wurde. Elisabeth musste sich anmelden, um ihre Tochter besuchen zu dürfen.

Eigenartig ist, dass Sophie Elisabeth verbat ihren Säugling zu stillen, immerhin stillte sie selbst ihren Franzi. Etwas, dass zu dieser Zeit im Hochadel kaum jemand tat.

Foto: Wikimedia/Commons

Elisabeth wurde quasi das Kind entrissen, was eine große Bestürzung bei ihr auslöste. Sie beschwerte sich lautstark bei Franz Joseph. Es half aber leider nichts. Die kleine Prinzessin verblieb in der Obhut ihrer Großmutter, die diese wie einen Kelch herumreichte und allen Besuchern des Schlosses zeigte. Permanent war um das kleine Mädchen irgendwer herum. Es ist verwunderlich, denn als Franz Joseph noch „Franzi“ war, wurde er von Sophie richtiggehend abgeschottet und teilweise sogar versperrt.

Nach der Geburt von Gisela, stellte sich Elisabeth quer. Sie verlangte die Kinder umgehend zurück. Sie sollten in die Radetzky-Räume verlegt werden.

In einem langen Brief erklärte Franz Joseph seiner Mutter die Gründe. Im Prinzip ging es Elisabeth nur um die Wintermonate. Im Sommer verbrachte man die Zeit in Laxenburg, während Sophie in Schönbrunn war. Franz Joseph setzte sich gegen seine Mutter durch. Sophie und Gisela zogen in die gewünschten Räume.

Sophie galt als glückliches, lebhaftes Mädchen, das gerne gluckste und ihre Zehen in den Mund steckte, wie Kaiser Franz Joseph amüsiert an seine Mutter schrieb. Als sie zu Laufen begann, erkundigte sie gerne das Schloss. 

1857 beging Kaiserin Elisabeth einen fatalen Fehler, den sie Zeit ihres Lebens bereuen sollte. Sie entschied sich bei der geplanten Ungarnreise die Kinder mitzunehmen. Erzherzogin Sophie zeterte, Kaiserin Elisabeth setzte sich jedoch durch.

Am 4. Mai 1857 fuhr die kaiserliche Familie nach Ofen, wo vor allem Elisabeth huldvoll empfangen wurde. Die Menschen lagen ihr zu Füßen. Sie spürte sofort eine Verbundenheit mit diesen überaus freundlichen Menschen. Sie verliebte sich augenblicklich in Land und Leute.

Doch der Schein trügte. Gisela bekam Fieber und Durchfall. Sophie erkrankte ebenso. Dr. Seeburger diagnostizierte „Zahnen“ und tat die Beschwerden ab; er befand Elisabeth als „hysterisch“. Wie fatal diese Fehlentscheidung war, stellte sich bald heraus.

Es ist nicht überliefert ob Sophie an der Ruhr oder an Typhus litt, jedoch erkrankte sie so schwer, dass sie nichts mehr behalten konnte. Ihr Körper magerte ab, sie wand sich vor Schmerzen und Erschöpfung.

Am 29.5.1857 verlor die kleine Sophie den Kampf und starb in den Armen ihrer gramgebeugten Mutter. Sie wurde nur 2 Jahre alt. Kaiserin Elisabeth 

Dieses Bild hing über dem Bett von Kaiserin Elisabeth. Es zeigt im Bild die kleine Erzherzogin Sophie, im Arm hält Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf, daneben stehend Erzherzogin Gisela. Foto: fuenfseenland.de

Elisabeth überwand den Tod der kleinen Sophie nie. Wie sehr sich Kaiser Franz Joseph mit der Kleinen verbunden fühlt, zeigt erst der Tod von Kaiserin Elisabeth. Diesen Schmerz hielt Marie Valerie in ihrem Tagebuch fest.

Erzherzogin Sophie machte Elisabeth schwere Vorwürfe. Es wird mit ein Grund gewesen sein, warum sie den Kampf gegen Sophie in der Erziehung von Gisela und Rudolf abgab. Die Kinder übersiedelten wieder zu Erzherzogin Sophie. Zu Gisela und Rudolf hatte Elisabeth Zeit ihres Lebens ein sehr angespanntes und distanziertes Verhältnis.

Foto: sternenkaiserin.com – Maria José

 

Erzherzogin Sophie Friedericke wurde in der Kapuzinergruft beerdigt. Bei der letzten Renovierung wurden die sterblichen Überreste von  Sophie, gemeinsam mit anderen Kindern, in einem Mauerabteil begraben. Eine gemeinsame Grabplatte  erinnert an die toten Kinder. Wer genau liest, wird auch den Namen von Maria Anna entdecken. Sie war die Schwester von Kaiser Franz Joseph. Der Beitrag zu ihr, kann hier nachgelesen werden. 

Am 31.5.1894 besuchte Kaiser Franz Joseph die Plitvicer Seen in Kroatien. Er genehmigte durch seine Unterschrift, dass entlang der Seen ein Weg nach dem Namen seiner Tochter Maria Dorothea benannt werden darf. Noch heute heißt der Weg schlicht „Dorothea Weg“.

 

~ Marie ~

 

 


Textrechte: Marie Festetics, Anna Ehrlich, Christa Bauer und Martha Schad
Bildrechte: fuenfseenland.de, Wikimedia/Commons, sternenkaiserin.com 
Es konnten keine Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweis:

1 – S. 233
Anna Ehrlich, Christa Bauer
Erzherzogin Sophie Die starke Frau am Wiener Hof
Amalthea Verlag, 1. Ausgabe, 2016

2 – S 19
Martha Schad
Kaiserin Elisabeth und ihrer Töchter
Piper Verlag, Ausgabe 1999, TB Ausgabe


 

2 Kommentare zu “Erzherzogin Sophie Friedericke Dorothea Maria Josepha von Österreich

  1. Pingback: Erzherzogin Maria Anna Karolina Pia von Österreich | Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich

  2. Pingback: Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth – eine ambivalente Ehe (KFJ Teil 6) | Sternenkaiserin - Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s