Hofdame Marie, Gräfin von Festetics

Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna Foto: @Wikimedia/Commons

Wir gedenken heute einer der intimsten und engsten Vertrauten Kaiserin Elisabeth: Hofdame Marie, Gräfin von Festetics.

Geboren wurde Mária Theresia Festetics, Gräfin von Tolna am 20. Oktober 1839 in Tolna, Ungarn. Ihre Eltern waren Sándor Vilibald Teodor Festetics, Graf von Tolna (*14.1.1805, †26.4.1877) und Maria Josefa Walburga Adelheid Baronin von Boxberg (*7.5.1810, †8.2.1892). Sie war das 8te Kind, von insgesamt 10.
Das Adelsgeschlecht hatte eine lange Tradition und eine sehr große Geschichte. Leider starb der Zweig von Marie Festetics mit ihrer Nichte Elisabeth 1909 aus. Die Kleine wurde kein Jahr alt. Ein Großneffe von Marie war Antal Festetics (*12.6.1937), der bekannte Zoologe.

Maria (genannt Marie) ist die ersten Jahre in Tolna aufgewachsen. Die Familie lebte gerne nach ihrem „Titel“, allerdings hatte sie kaum Ahnung von Geldangelegenheiten, weshalb das Gut in Tolna aufgegeben werden musste. Sie zogen mit den Kindern nach Söjtör. Marie wuchs sehr liebevoll auf und hatte Zeit ihres Lebens ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern. Die Familie wurde von vielen Schicksalsschlägen getroffen, als Josefa starb, lebte von ihren 10 Kindern nur noch Marie Festetics, welche durch ihre Verpflichtung bei Hof weder heiraten durfte, noch Kinder bekommen konnte.

Marie bekam Privatunterricht und wurde früh in ungarisch, deutsch, englisch und französisch unterrichtet. Weiters lernte sie Handarbeit, Klavier und Gesang. Sie war außerordentlich wissbegierig, las Zeitungen und Bücher, war an Geschichte interessiert und an Theater, Konzerte und ging gerne in Ausstellungen.

Ferenc Deák, Lithographie Josef Kriehuber 1830, Foto: @Wikimedia/Commons

Zu den engsten Freunden der Familie zählten Ferenc Deák (*17.10.1803, †28.1.1876) (Politiker) und später Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka (Graf Gyula Andrássy) (*8.3.1823, †18.2.1890), die sie beide sehr prägten. Sowohl Deák als auch Gyula Andrássy nahmen eine große und wichtige Rolle im Kaiserhaus sowie in Kaiserin Elisabeths Leben ein.

Julius „Gyula“ Graf Andrássy von Csik-Szent-Király und Kraszua-Horka, Foto: @Wikimedia/Commons

Graf Andrássy nahm in Maries Leben einen großen Stellenwert ein, war er es doch, der Marie Kaiserin Elisabeth als Hofdame vorschlug. Schon alleine deswegen, weil er eine Verbündete im Kaiserhaus haben wollte und er von der Loyalität Maries überzeugt war.

Marie übernahm die Stelle von Maria Helene Sophie von Thurn und Taxis (*16.5.1836, †13.11.1901), welche am 15.5.1871 Wolfgang Kinsky von Wchnitz und Tettau (*19.7.1836, †14.12.1885) heiratete.

EH Klothilde von Österreich, Foto: @Wikimedia/Commons

Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Maria Dorothea Amalie von Österreich (*14.6.1867 Alcsút, †6.4.1934 Alscút)bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde. Amalie war die Tochter von Erzherzogin Marie Adelheid Amalie Clothilde von Sachsen-Coburg (*8.7.1849 Neuilly-sur-Seine, †3.6.1927 Alcsút). Marie wurde Angst und Bang, denn ihr gefiel das sehr ruhige Leben bei ihrer Herrin Erzherzogin Klothilde.

Graf Andrássy jedoch besuchte am 4.7.1871 Marie und bat sie eindringlich Kaiserin Elisabeth nicht im Stich zu lassen. Am 21.8.1871 wurde Marie Festetics bei Kaiserin Elisabeth anstellig, bis sie ihren Dienst aufnahm, verging aber noch eine ganze Weile, da sich Kaiserin Elisabeth in Meran aufhielt.

Gräfin Marie Festetics Foto: @Wikimedia/Commons

Am 21. Dezember 1871 wurde sie bei Kaiserin Elisabeth vorstellig. Sie notiert: Die Kaiserin stand in einem blauen Kleid in der Mitte des Zimmers, eine große Dogge neben ihr. Die Kaiserin lächelte, der Hund kam auf mich zu, beschnupperte mich und wedelte er mit dem Schweife. … Sie reichte mir freundlich die Hand und sagte: „Ihnen tut es leid um die Erzherzogin, nicht wahr? Ich weiß, Sie wollten nicht zu mir kommen. Das ist nicht besonders schmeichelhaft für mich, aber natürlich, weil ich höre, daß die Familie Sie sehr lieb gewonnen hat“. …… Danach kam sie auf Andrássy zu sprechen. „Andrássy sagte mir, daß Sie ehrlich und wahrhaft sind. Bitte verhalten Sie sich mir gegenüber auch so. Wenn Sie etwas sagen wollen, tun Sie das direkt. Wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich, niemals jemand anderen. Wenn über mich schlecht geredet wird, das ist eine Gewohnheit im Hause, dann glauben Sie es nicht. Freunden Sie sich vorerst mit niemanden an, Sie können Ida vollkommen vertrauen. Duzen Sie sie aber nicht. Sie ist keine Hofdame und ich will nicht, daß sie mit den Damen intim wird.

Marie Festetics und Ida Ferenczy Foto: @Wikimedia/Commons

Vielleicht thun sie es nur aus Neugier, aber mit Ihnen ist es anders. Durch Andrássy kenn ich Ihren Charakter. Am 27. fahren wir ab, ich nehme Sie mit. Bis dahin können Sie bei Ihrer Erzherzogin bleiben.“ (1)

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Tagebuch, dass seit 2014 veröffentlicht ist. Marie Festetics war eine ausgezeichnete Beobachterin und man hat durch ihr Tagebuch einen sehr guten Einblick in das Kaiserhaus und wie Kaiserin Elisabeth tatsächlich wirkte. Auch das gesamte Umfeld wird beschrieben.

Schon bald war Marie von ihrer Majestät begeistert. Sie schreibt am 17.1.1872 in ihr Tagebuch: „Es war ein Hofball. Der Kaiser war auch dort. Er sieht mich recht freundlich an, grüßt mich so flüchtig, und nie habe ich noch ein freundliches Wort von ihm gehört. Sie war so schön, daß ich das Gefühl hatte, eine Fee stünde vor mir. Als ich wieder hinaus kam, fragten mich die Suiten, was die Kaiserin an hätte? Ich wußte es nicht, so sehr hat mich das, was über Ihr war, das Hoheitsvolle, Liebliche, Feenhafte, der Ausdruck der verkörperten Majestät, gefangen genommen.“ (2)

Einzig mit Mary Throckmorton, genannt Minny (*1832, †11.12.1919) verstand sie sich überhaupt nicht. Minny war eine gefürchtete Intrigantin und gleichzeitig das Kindermädchen von Marie Valerie. So sehr Elisabeth Klatsch und Tratsch hasste, so sehr hielt sie aber an Minny fest. Marie Valerie wurde von ihr verzogen und verwöhnt, so dass sie bei der Kaiserin gut dastand. Marie war das ein Gräuel. Sie schreibt am 2.1.1872: „Gräßlich allein bin ich! Throckmorton und ich passen nicht zusammen. Die weiß gar nichts zu reden als fort von dem, was alles geschehen und nicht geschehen sollte und die Lily und die Helene und die Ludwiga gesagt und erzählt! Ich bin den Tratsch gar nicht gewöhnt. … Ich will auch nichts voraus wissen, nicht voreingenommen sein, es bleibt doch von jedem Geschichterl etwas kleben!“ (3)

Dies war gleich in der Anfangsphase von Marie im Dienste der Kaiserin. Aber auch später werden Marie und Minny keine „Freundinnen“.

Marie Festetics stellte sich als Glücksfall für Kaiserin Elisabeth heraus. Nicht nur, dass sie mit Marie nur ungarisch sprach, so hatte sie in ihr eine treue Freundin und Begleiterin gefunden. Egal wohin Kaiserin Elisabeth fuhr und wer sie umgab: Marie Festetics und Ida Ferenczy waren stets an ihrer Seite.

Die einzigen Bezugspersonen die ihr blieben waren Ida und Kaiserin Elisabeth. Erzherzogin Sophie hasste alles was mit Ungarn zu tun hatte. Sie schnitt Marie aufs Gröbste, auch deren Hofdamen und der gesamte Anhang wollte mit ihr nichts zu tun haben. Marie zog sich, wenn sie nicht gerade gebraucht wurde, zurück und schrieb ihr Tagebuch. Marie Valerie war oft bang, dass dieses Tagebuch in falsche Hände geriet, denn egal über wen, Marie schrieb es auf. Insgesamt 10 Bücher und 2000 Seiten schrieb sie von 1871 – 1884. Danach geht das Tagebuch erst ab 1904 weiter.
Ob die Bücher tatsächlich 1884 aufgehört haben oder absichtlich „vernichtet“ oder bis heute „versteckt“ wurden (werden), ist nicht überliefert. Leider fehlt daher auch die Beobachtung zu Kronprinz Rudolfs Tod. Erst 1906 schreibt Marie einen Eintrag in ihr Tagebuch: „Der Kronprinzen Wundergarten! Wie ein Bouquet auf blauer Fluth gewiegt liegt es in Sonnenlicht. Und Er? In des Lebens voller Blüthe von eigner Hand geknickt, schläft neben seiner gemordeten Mutter seinen ewigen Schlaf.“ (4)

Marie Festetics Foto: @Wikimedia/Commons

Marie Festetics war in ihrem Denken der Zeit weit voraus. Sie schrieb die Tagebücher, um der Nachwelt zu beweisen, wie wunderbar Kaiserin Elisabeth war, wissend das der tratschende Wiener Hof kein gutes Haar an ihr lassen würde. Doch bei all ihrer Loyalität und innigen Freundschaft, manchmal kann man auch leise Kritik lesen. Die Kaiserin sei oft schwermütig, in Gedanken versunken, ohne Aufgabe, ohne Lebensinhalt. Die eine Aufgabe, die sie hätte, die wolle sie nicht und was anderes findet sie nicht. Solche Passagen findet man des Öfteren. Marie war also sehr wohl bewusst, dass sich Kaiserin Elisabeth zu Tode langweilte und sich genau deswegen in ihre Wahnvorstellungen flüchtete. Alles was Elisabeth anpackte wurde mit großer Manie betrieben: Reiten, Wandern, Reisen sowie die Kindeserziehung von Marie Valerie.

Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály Foto: @Wikimedia/Commons

Egal wohin Elisabeth fuhr, Marie fuhr mit. Meran, Gödöllö, Triest, Paris, Budapest, Sassetot, Irland, England, Korfu und Mittelasien. In den frühen 90er Jahren schaffte Marie die vielen Reisen und stundenlangen Fussmärsche der Kaiserin nicht mehr.

Marie und Ida verblieben deshalb ab 1894 im Innendienst, während Irma, Gräfin Szátary von Sztára und Nagy-Mihály (*10.7.1864, †3.9.1940) mit Kaiserin Elisabeth auf Reisen ging. Zu diesem Zeitpunkt ließ Elisabeth niemand anderen mehr an sich ran, als Marie Valerie und Irma bzw. Marie. Zwischen 1894 und 1898 hatte Kaiserin Elisabeth nur noch 2 Hofdamen. Immer wenn Elisabeth vor Ort war, vertrat Marie Irma, bzw. übernahm deren Aufgaben.

Marie vertrat Irma, während ihres Urlaubes und begleitete Kaiserin Elisabeth zu den Milleniumsfeierlichkeiten nach Ungarn. Im Mai/Juni 1896 fanden die Feierlichkeiten zu „1000 Jahre Ungarn“ statt. Kaiserin Elisabeth trat letztmalig in der Öffentlichkeit auf.

Marie und Kaiserin Elisabeth sahen sich zum letzten Mal im Juli 1898 in Bad Ischl. Während sich Elisabeth mit Irma Richtung Bad Nauheim zur Kur und die Schweiz aufmachte, zog sich Marie nach Söjtör, Ungarn zurück. Sie kaufte nach und nach die Ländereien der Festetics zurück.

Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth empfangen den ungarischen Reichsrat 1896. Heliogravure nach Gemälde, mit Originalunterschrift des Künstlers Benczúr Gyula Foto: @ÖNB Wien

Der Tod der Kaiserin traf sie sehr schwer. Sie fuhr immer wieder zu den Orten zurück wo sie mit Kaiserin Elisabeth war, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Als die Kaiserin gestorben war, mussten Ida und sie sofort ihre Wiener Wohnungen in der Hofburg räumen. Ihre jahrelangen Hetzer hatten endlich ihren Triumpf. Marie hatte vorgesorgt und sich in der Reisnerstrasse, im 3. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung gekauft. Ida zog in die Nachbarwohnung.

Die Trauer war so grenzenlos, doch Marie verfiel weder in Depressionen, noch in Schwermut. Um sich an die Zeiten mit Kaiserin Elisabeth zu erinnern, fuhr sie an jene Orte, an denen sie glücklich war. Sie besuchte auch Ida häufig in Budapest, die dort ein Kaiserin Elisabeth Museum eröffnete.

Ab 1906 ist zu lesen, dass sie insgeheim Irma für den Tod Elisabeths verantwortlich machte.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde die bereits 79jährige Gräfin krank. Aber auch privat musste sie herbe Rückschläge einstecken. Sie selbst, die sich jahrelang für ihre Familie aufgeopfert hatte und mit ihrem Geld ihren alten Besitz zurückerlangte, wurde 1920 von ihrem Besitz enteignet. Dieses Land wurde unter den mittellosen Bauern aufgeteilt. Nur einen Bruchteil des gekauften Landes konnte sie ihrem Neffen Karl hinterlassen; als dieser starb und die Witwe das Land ebenfalls 1943 verlor, musste dies Marie nicht mehr miterleben.

Marie starb am 16. April 1923 in Budapest. Mit ihrem Tod starb ihr Zweig der Familie Festetics aus.

 

~ Marie ~

 


Mein Alter Ego „Marie Festetics“

 

Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth und ich  Foto: Charlotte Schwarz|Fotogräfin 2017

Wer diesen Blog oder unsere Facebook-Seite „Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich“ folgt, wird bemerkt haben, dass ich unter dem Namen „Marie Festetics“ schreibe. Wie es dazu kam, möchte ich hier kurz erzählen:

Mein Name ist Petra Schimbäck und ich bin die Pressevertreterin für Sabine Elisabeth Rossegger als „Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich.“
In dieser Funktion wollten wir ein historisches „Alter Ego“ für mich finden und in Marie Festetics habe ich mein Pendant gefunden.

Ihre Loyalität, ihre spitze Zunge, ihre Gabe punktgenau zu analysieren und gut zu beobachten, sind mir wie auf den eigenen Leib geschneidert. Marie hasste Tratsch und Verleumdungen, auch ich bin ein Mensch der Tratsch und Boshaftigkeit verabscheut. Zu dem war sie ungeduldig und auch das kann ich von mir nur allzu gut behaupten.

Da ich nicht als historische Person auftrete, sondern nur schriftlich als Marie in Erscheinung trete, ist auch dieser Bezug hergestellt. Ich schreibe selbst gerne und bin am Blog für alle historischen Geschichten verantwortlich.  Auf der Facebook Seite schreibe ich als Marie Gedichte oder Alltagssituationen die sich so abgespielt haben könnten.

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist Diskretion und in diesem Sinne bin ich wohl Marie näher als jeder anderen, der Kaiserin Elisabeth Nahe stand. In der Jetztzeit ist das für mich natürlich Sabine Elisabeth, die in die Rolle der Kaiserin Elisabeth schlüpft.
Als letzter kleiner Punkt ist mein eigener Name. Mein zweiter Taufname lautet „Maria“. Da Marie Festetics, eine geborene Mária war, war es ein Leichtes mich auf sie einzulassen.

In diesem Sinne
Eure Petra ~ Marie

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics, Gudula Walterskirchen und Beatrix Meyer
Bildrechte: Österreichische Nationalbibliothek, Wikimedia/Commons
Es konnten keine Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweise:

1 – S 46, 2 – S 49,  3 – S. 48, 4 – S 286

Gudula Walterskirchen, Beatrix Meyer
Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics

Residenz Verlag, 3. Auflage, 2014


 

3 Kommentare zu “Hofdame Marie, Gräfin von Festetics

  1. Liebe Petra-„Marie Festetics“,

    zuallererst möchte ich Ihnen für Ihren wirklich toll und anspruchsvoll gestalteten Internetauftritt gratulieren. Normalerweise gebe ich kein Kommentar zu Sisi-Fanseiten ab, aber Ihre wirklich gründlichen Recherchen verdienen meinerseits als Mitherausgeberin der Festetics-Tagebücher etwas Aufmerksamkeit und hoffentlich nehmen Sie mir nicht übel, wenn ich einige kritische Anmerkungen dazu äußere:
    – Sie schreiben, dass Marie Festetics anstelle von Lily Hunyady als Hofdame bestellt worden wäre. Tatsächlich heiratete Lily Hunyady am 10. Oktober 1871 in Ischl – in Anwesenheit der Kaiserin – Otto von Walterskirchen. Sie wurde jedoch durch Ludwiga Schaffgotsch ersetzt, die bereits im Herbst 1871 mit der Kaiserin nach Meran reiste. Marie Festetics ersetzte Helene Taxis, die ebenfalls geheiratet hatte – das schrieb die Gräfin auch in ihr Tagebuch.
    – Sie schreiben weiterhin: „Die erste Aufzeichnung die man über die Bestellung zur Hofdame am Wiener Hof zu Kaiserin Elisabeth findet, ist vom 3.7.1871. An diesem Tag erfuhr Marie, dass Kaiserin Elisabeth Prinzessin Amalie bat, Marie freizugeben, da sie eine neue Hofdame brauchen würde.“ Marie Festetics war nicht bei Prinzessin Amalie Hofdame, sondern bei Erzherzogin Klothilde und Elisabeth bat diese um ihre Hofdame Marie Festetics. Prinzessin Amalie war die Tochter von Erzherzogin Klothilde.
    – „Nicht nur Lily schied aus, auch Helene, die bislang bei ihrer Schwester als Hofdame angestellt war, wollte heiraten.“ – Elisabeths Schwester Helene von Wittelsbach, verheiratete Thurn und Taxis, gab bereits 1858 ihrem Mann das Ja-Wort und wurde 1867 Witwe. Sie heiratete nicht noch einmal und war mit der Erziehung ihrer Kinder beschäftigt. Die Hofdame Prinzessin Helene Thurn und Taxis heiratete am 15. Mai 1871 den Grafen Wolfgang Kinsky.
    – „Bis in den Dezember dauerte es, bis sie sich einen Ruck gab und endlich der Aufforderung nachkam.“ – Marie Festetics musste sich keinen Ruck geben, sie nahm die Anstellung bereits im Sommer 1871 an, die Urkunde von ihrer Ernennung erhielt sie im Spätsommer, datiert auf den 21. August 1871 (befindet sich heute im Ungarischen Staatsarchiv). Erzherzogin Klothilde wollte Marie nicht gehen lassen, was Elisabeth zu Ohren kam und daraufhin wollte die Kaiserin sie bei der Erzherzogin lassen. Eigentlich wurde alles über Marie Festetics‘ Kopf entschieden, sie schrieb in ihr Tagebuch, dass sie sich wie eine Sklavin fühle, die man nach belieben hin her schieben kann: Einmal gehen, dann bleiben, dann wieder doch gehen. Elisabeth verbrachte den Herbst und den Winter 1871/1872 in Meran und von dort aus korrespondierte sie über die Ernennung einer neuen Hofdame. Das war auch der Grund, warum Marie erst im Dezember 1871 ihren Dienst bei der Kaiserin antreten konnte.
    – Marie Festetics schied 1894 nicht aus dem Dienst, sie nahm lediglich nicht mehr an den langen Reisen der Kaiserin teil – genauso wenig wie Ida Ferenczy. Dennoch: Dienst versah sie immer dann, wenn Elisabeth sich auf dem Gebiet der Monarchie aufhielt. Eine Entlassung wäre ja auch nicht möglich gewesen, schließlich konnte man von niemandem verlangen, dass eine Hofdame ununterbrochen Dienst hat. Zwischen 1894 und 1898 hatte Elisabeth insgesamt zwei Hofdamen: Irma Sztáray und Marie Festetics. Damit Irma auf Urlaub gehen konnte, musste Marie Festetics auch Dienst versehen. Sie begleitete Elisabeth beispielsweise während der Milleniumsfeierlichkeiten, zu der die Kaiserin direkt von einer längeren Reise in Begleitung von Irma Sztáray zurückkehrte (s. „Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth“ von Irma Sztáray). Anfang Mai 1896 in Budapest angekommen übernahm Gräfin Festetics den Dienst. Das letzte Mal sah Marie Festetics im Juli 1898 in Ischl die Kaiserin, von dort aus reiste die Hofdame nach Söjtör und die Kaiserin nach Bad Nauheim zur Kur und anschließend in die Schweiz, in der sie bekanntlich ermordet wurde. Marie Festetics gehörte zu der Delegation, die die tote Elisabeth von Genf nach Wien begleitete.
    – „Marie hatte vorgesorgt und sich in Söjtör eine Wohnung gekauft.“ Es war nicht nötig, sich eine Wohnung in Söjtör zu kaufen. Die Familie Festetics besaß seit Mitte der 1840-er Jahre ein Schloss im Dorf. Dort verbrachte die Hofdame ihren jährlichen Urlaub und kehrte endgültig nach dem Tod der Kaiserin auch dorthin zurück. Dennoch: Nachdem man sie Ende 1898 ziemlich unrühmlich aus der Hofburg in Wien geworfen hatte – zusammen mit Ida Ferenczy – kaufte sie sich in der Reisnerstraße in Wien eine Wohnung (3. Bezirk), in die Nachbarwohnung zog Ida Ferenczy ein.
    – „Die Trauer war so grenzenlos, dass sie in schwere Wehmut verfiel.“ Marie Festetics hatte einen zu starken Charakter, um auf Dauer in eine schwere Wehmut zu verfallen. Sie war eine starke Persönlichkeit und wusste nur zu gut, dass man durch Jammern eventuell seine Seelenqualen lindern kann, aber die Probleme lösen sich so nicht. Sie war eine recht energische Dame mit großer Willenskraft, so dass sie sich immer wieder aufrichtete. Wie hätte sie denn anders die ganzen Schicksalsschläge überwinden können? Ich vermute, dass dieser Charakterzug der Grund war, warum Elisabeth die Gräfin in ihrer Umgebung so lange behalten hatte: Sie war eine zuverlässige Stütze, die der Kaiserin Bodenhaftung gab. Die Hofdame überredete sie in Krisenzeiten, doch etwas zu essen, eine Pause bei den anstrengenden Wanderungen einzulegen usw.
    – „Als der 1. Weltkrieg ausbrach und sie den Untergang des Kaiserreichs mit ansehen musste, wurde sie krank.“ – Tja, zu diesem Zeitpunkt war die Gräfin bereits 79 Jahre alt. Das durfte auch der Grund für ihre gesundheitlichen Probleme gewesen sein. In dem Sterberegister von Söjtör wurde als Todesursache „Altersschwäche“ eingetragen. Sie verstarb am 16. April 1923 (und nicht am 17.) in Söjtör (und nicht in Budapest).

    Mfg
    Beatrix Meyer

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    • Liebe Frau Meyer!

      Ich fühle mich sehr geehrt und bedanke mich sehr herzlich, dass Sie mir geschrieben haben. Ihr Lob ehrt mich sehr.

      Ich danke Ihnen weiters, dass Sie Ihre Anmerkungen dazu geschrieben haben. Ich kann nur so lernen, wenn man mir Zusammenhänge erklärt. Vielen Dank für Ihre Mühe.

      Ich werde mich gleich nach meinem Urlaub dran machen und die Verbesserungen vornehmen.

      Was Helene betrifft, so muss ich sagen, dass es von mir schlampig geschrieben wurde. Das sie zu diesem Zeitpunkt bereits Witwe war, ist mir bekannt.
      Alllerdings ist mir in Ihrer Anmerkung nicht klar, wen Graf Kinsky ehelichte.

      Das Marie Lily ersetze habe ich aus Brigitte Hamanns Buch. Die benannte Hofdame ist mir leider bisher nicht bekannt.

      Ich habe leider überall den 17. April als Sterbedatum verzeichnet, danke Ihnen daher besonders, dass Sie mir dies berichtigen.

      Darf ich Sie irgendwo per Email erreichen?

      Mit freundlichen Grüßen
      Petra „Marie“

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      • Liebe Petra „Marie“,

        es gab zwei Personen mit dem Namen Helene Thurn und Taxis, eine war die Schwester der Kaiserin, also war Helene Thurn und Taxis ihr Ehename, sie war – wie ihre Schwester Sisi – eine geborene Wittelsbacherin. Diese Helene (Elisabeths Schwester) heiratete den Erbprinzen des Hauses Thurn und Taxis, Maximilian Thurn und Taxis. Die andere Helene Thurn und Taxis, die in den 1860-er Jahren Elisabeths Hofdame war, war eine geborene Thurn und Taxis (übrigens die Tochter von Hannibal Thurn und Taxis, der wiederum eine Weile Obersthofmeister der Kaiserin war – das war wahrscheinlich auch der Grund für Helenes Ernennung zur Hofdame), durch Heirat wurde sie Kinsky.
        Brigitte Haman schrieb ein großartiges Buch, recherchierte umfangreich. Mit ihren Methoden (Quelle vor Ort ansehen, dann sich Notizen machen und nicht alles wortwörtlich abschreiben, um Zeit zu sparen) aber mussten ihr Fehler unterlaufen. Die Festetics-Tagebücher haben einen Umfang von ca. 2000 Seiten, da alles aufzuschreiben und sich zu merken ist auch beinahe unmöglich, wenn man ein Buch innerhalb einer vernünftigen Zeit fertig schreiben will. Sie müssen auch bedenken, dass Frau Dr. Hamann ein Buch über Kaiserin Elisabeth schrieb und nicht über deren Hofdamen, das hatte Folgen auf ihre Nachforschungen: Ihr war wichtig, über Elisabeth viel zu erfahren, über die anderen Personen sammelte die Historikerin nur so viel Informationen, die für ihr Buch notwendig waren. Ob Liliy Hunyady durch Marie Festetics oder Ludwiga Schaffgotsch abgelöst wurde, spielte deshalb für Frau Hamann keine wichtige Rolle, zumal beide Hofdamen, Marie und Ludwiga, mit nur zwei Monaten Unterschied ihren Dienst bei der Kaiserin anfingen.
        Über die Hofdame Ludwiga Schaffgotsch gibt es bisher nur sehr wenig Informationen, obwohl sie sechs Jahre in Elisabeths Dienst stand. Ihre Erforschung erfordert einen hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand sowie gute Sprachkenntnisse in Deutsch, Tschechisch, Slowakisch und Polnisch – und vielleicht auch in Ungarisch (das weiß ich noch nicht genau). Tatsächlich erwähnt Brigitte Hamann diese Hofdame nicht, aber in Cortis Biografie finden Sie hinweise (Kapitel 8 und 9 – Nutzen Sie das Personenregister). In dem Festetics-Tagebuch finden Sie auch mehrere Stellen (auch hier rate ich Ihnen, aufgrund des Personenregisters nach der Hofdame zu suchen). Leider kommt Ludwiga Schaffgotsch sehr schlecht weg bei Gräfin Festetics. Ganz genau weiß ich noch nicht, warum sie nicht miteinander auskamen, aber ich bin darüber, dies zu erforschen. Ludwigas Tratsch- und Vergnügungssucht war aber sicherlich nur einer der Gründe.
        Als Inhaberin (oder Mitinhaberin) dieser Webseite haben Sie sicherlich Zugriff auf die von mir angegebenen E-Mail-Adresse. Diese können Sie verwenden. Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, wenn ich meine Adresse in ein zu veröffentlichendes Kommentar nicht eintrage.

        Mit freundlichen Grüßen

        Beatrix Meyer

        Gefällt mir

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