William George „Bay“ Middleton

Cpt. William George „Bay“ Middleton

Wir gedenken heute einem der besten Freunde von Kaiserin Elisabeth.

Cpt. William George „Bay“ Middleton wurde am 16.4.1846 in Glasgow geboren. Seine Eltern waren George Middleton und Mary Margaret Middleton. Über seine Kindheit und generell sein Leben ist wenig bekannt. Er war ein ausgezeichneter Cricket Spieler und Jockey. Seine Reitkünste waren über die Lande hinaus beachtet, er gewann viele Rennen und widmete fast sein ganzes Leben ausschließlich den Pferden.

Am 2.8.1874 reiste Kaiserin Elisabeth das erste Mal nach Irland, wo sie Earl of Spencer kennenlernte. Dort traf sie mit Bay zusammen, nahm aber keine weitere Notiz von ihm. Im März 1876 reiste sie erneut nach Irland, wo sie Reiten wollte. Bay wurde dazu bestimmt, ihr Pilot zu sein. Bay weigerte sich beharrlich und zeigte keinerlei Interesse eine hohe Dame zu geleiten. Kaiserin Elisabeth kam die Art wie Bay über sie sprach zu Ohren und hatte von Anfang an größten Respekt vor ihm. Einmal eine Person die nicht kuschte, nur weil sie als Kaiserin vor ihm stand.

Karikatur Bay Middleton, 1883, veröff. Vanity Fair 30.6.1883 „Men of the Day“, Zeichner: Théobald Chartran

Bay war ein kleiner stämmiger, rothaariger, etwas spröde wirkender Mann, der sehr rauhe Manieren hatte und lieber unter seines Gleichen blieb. Er war um 9 Jahre jünger als Kaiserin Elisabeth und dazu noch schwerhörig.

Wie genau er zu seinem Spitznamen kam, ist nicht mehr zu eruieren. Entweder durch seine rötlich-braunen Haare, die wie eine „Bay“ (Bucht) „schimmerten“, oder weil ein Pferd, welches „Bay Middleton“ hieß, beim Epsom Derby 1836 als Sieger hervorging. Auf alle Fälle nannte ihn jeder in seiner Umgebung „Bay“.

Von Bay jedenfalls ließ sich Kaiserin Elisabeth herumkommandieren, er half ihr aufs Pferd oder zog sie aus dem Sumpf oder Graben, wenn sie gestürzt war. Er trieb sie zu Höchstleistungen, keiner der ihr sagte „sie solle aufhören“ oder es „übertreiben“. Elisabeth liebte diese Herausforderungen und nahm sie täglich aufs Neue an. Nur durch Bays Hilfe wurde sie zur besten Reiterin der Welt. Für eine Dame ihres Standes etwas einzigartiges, bisher nicht dagewesenes.

Kaiser Franz Joseph in Wien bangte täglich mehr um seine schöne Frau. Die Berichte die ihm zu Ohren kamen, machten ihm viele Sorgen. Elisabeth jedoch beschwichtigte in zahlreichen Briefen, dass alles nicht so schlimm und sie überglücklich sei Bay an ihrer Seite zu Wissen.

Elisabeth vertraute ihm blind. Bay kaufte ihre Pferde, kümmerte sich um diese und ließ sie zureiten. Bay wurde zu Weihnachten nach Ungarn auf Schloss Gödöllö eingeladen. Fernab vom Wiener Hof und ihren Kindern feierten sie und ihre Freunde, samt Hofdamen Weihnachten. Als Einzige war natürlich Marie Valerie stets an ihrer Seite.

Privat weiß man von Bay relativ wenig. Er war mit Charlotte Baird seit 1875 verlobt und verschob immer wieder die Hochzeit, bis sich Charlotte nicht mehr hinhalten ließ. Es wurde zwischen 1874 bis 1882 immer wieder kolportiert, dass Bay und Elisabeth eine Affäre hatten. Beweisen ließen sich diese Gerüchte nie. Was allerdings überliefert ist, ist, dass Bay ein glühender Verehrer von Elisabeth wurde.

Als sich Charlotte nicht mehr hinhalten ließ und die Hochzeit festgesetzt wurde, verließ Kaiserin Elisabeth die – öfter als dem Wiener Hof lieb war – in Irland weilte, England und Irland im Februar 1882 und kam nie wieder zurück. All ihre Pferde wurden verkauft, das Gestüt aufgelassen. Sie hat nie wieder mit Bay Kontakt aufgenommen, sie haben sich nie wieder gesehen. Kaiserin Elisabeth ließ auch ihre Pferde in Wien verkaufen, sie hörte mit einem Schlag zu Reiten auf und fing an stundenlange Spaziergänge und Wanderungen auf sich zu nehmen.

Am 25.10.1882 heiratete schließlich Bay Charlotte Baird. 1886 kam die gemeinsame Tochter Violet Georgina Middleton zur Welt. Bay war aber auch weiterhin sehr umtriebig und blieb dem Reitsport treu.

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er der Vater von Clementine Hozier (geb. 1.4.1885) war, welche in weiterer Folge Winston Churchill heiratete.
Clementine war die „eheliche“ Tochter von Lady Henrietta Blanche Ogilvy, welche mit Col. Henry Hozier verheiratet war. Dieser war aber zeugungsunfähig. Lady Henrietta war für ihre außerehelichen Abenteuer bekannt. Für die Elternschaft wurde auch Algernon Bertram verantwortlich gemacht, der wiederum der Ehemann der Schwester von Lady Henrietta war. In den Biografien von Clementine geht man aber von Bay Middleton aus.

Gedenkstein Bay Middleton, Unglücksstelle Edgehill in Kineton, Victoria (GB), Foto: @myheritage.co.uk

Grabstelle von Bay Middleton in Haselbech, Northamptonshire (GB) Foto: @myheritage.co.uk

Bay starb wie er lebte. Schnell und am Pferd. Er stürzte am 9.4.1892 am Edgehill in Kineton am „Parlamentarischen Hindernis“ so schwer, dass er sich das Genick brach. An der Unglücksstelle ist bis heute ein Denkmal zu sehen. Bay wurde im kompletten Reitkostüm in Haselbech, Northamptonshire begraben.

 

 

~ Marie ~

 

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
Bildrechte: Bildrechte: http://www.myheritage.co.uk.
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literatur Hinweis:

Brigitte Hamann
Elisabeth: Kaiserin wider Willen


 

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