Himmel, „von“ oder „in“ Bayern, wo war eigentlich der Unterschied?

Das werden sich sehr viele Leute fragen.

Wer sich mit Kaiserin Elisabeth beschäftigt, wird immer wieder die Bezeichnung „in“ Bayern und „von“ Bayern lesen. Und in den meisten Büchern ist das nicht ausreichend – oder es wird nur mit einem Nebensatz abgetan – erklärt.

Ich versuche Ihnen, diesen Unterschied zu erläutern. Um es nicht all zu kompliziert mit Jahreszahlen und Daten und Fakten und Namen zu machen, erwähne ich nur die Personen mit den wichtigsten Daten.

Begonnen hat alles mit Pfalzgraf Johann Karl von Birkenfeld-Gelnhausen, geb. 1638 in Bischweiler, welcher im Jahr 1685 Sophie Amalie von Pfalz-Zweibrücken ehelichte. Nach deren Tod im Jahr 1695, schloss Johann Karl die morganatische Ehe (das bedeutete, dass die Ehefrau nicht standesgemäß war; es wurde immer darauf geachtet, dass die Ehe standesgemäß verlief, um die Erbfolge zu sichern. Für weitere Infos, hilft dieser Link: Wikipedia) mit Esther-Maria von Witzleben.

Mit seinem Bruder Christian schloss er darauf hin einen Vertrag, um die Erbfolge zu bestimmen. Johann versuchte allerdings seine Ehefrau als Reichsgräfin zu erheben und den Vertrag mit Bruder Christian für nichtig erklären zu lassen, welches aber durch Johanns frühen Tod (1704) scheiterte. Johann und Esther bekamen 5 Kinder. Esther klagte beim Reichshofrat und wollte die Anerkennung die ihr und ihren Kindern zustand erreichen. 1715 wurde darauf hin die Erblinie „in“ Bayern gegründet.

Aus dem 2. Sohn dieser Ehe, ging Johann von Pfalz-Gelnhausen (1698) hervor, der im Jahr 1743 Sophie Charlotte von Salm-Daum heiratete. Das Paar hatte 8 Kinder. Das 4te Kind, Wilhelm (1752) heiratete Maria Anna Pfalzgräfin von Birkenfeld-Zweibrücken. Das Paar hatte 4 Kinder. Das 3te Kind, Pius, war der Vater von Herzog Max in Bayern, der wiederum Sisis Vater war.

Soviel zur Erbfolge und wer wann wo abstammte.

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König Ludwig I. von Bayern (Schwager von Herzog Max in Bayern, Stiefbruder von Herzogin Ludovika in Bayern, die allerdings eine geborene königliche Hohzeit war), 1826 Öl von Joseph Karl Stieler

Die Linie „in“ Bayern, auch Links genealogische Linie genannt, hatte kein Recht auf die Thronfolge und wurde nicht mit königlicher Hoheit angesprochen. Lediglich „Hoheit“ oder „Herzog“ war der Titel dieser Linie.
Jahrelang wurde die Linie „in“ Bayern von dem verwandten Adel „von“ Bayern als minder betrachtet.

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Herzog Max in Bayern, ca. 1850

Erst König Ludwig I. von Bayern änderte das in Herzog Max Leben. Sie erinnern sich an Ludwig I.? Er fand kurze Erwähnung bei der Biografie von Herzog Max (unser Beitrag zu Herzog Max), Zeit seines Lebens kein großer Freund der Linie „in“ Bayern, allerdings ein guter und gerngesehener Gast in Possenhofen. Man mag sich den Ausdruck des Neides nicht verkneifen, denn Max lebte sicherlich das freiere und ungezwungenere Leben, als Ludwig I. es je konnte. Natürlich, sein Skandal um Lola Montez, kostete ihn seinen Thron, denn Max wurde wegen seiner zahlreichen außerehelichen Kindern und Gspusis nie belangt. Dass deshalb Ludwig I. trotzdem oder gerade deswegen Herzog Max, nach der Thronübernahme zum Oberstinhabers des 3. Cheveaulegers-Regiments machte, zeigte, dass er dem Herzog Max ein bisschen Hofleben einimpfen wollte. Doch auch hier zeigte Max wieder einmal seinen außergewöhnlichen Humor. Er ließ Sonntag Mittag das Regiment zur Inspektion vor dem Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße aufmarschieren. Dadurch fühlten sich die Anrainer und Kirchenväter dieser Straße sehr gestört. Als die Beschwerden beim König eintrafen, wollte Max seinen Dienst quittieren, doch das ließ dieser nicht zu.

Und so verlieh er dem Schwager – König Ludwig I. war der Stiefbruder von Ludovika (unser Beitrag zu Herzogin Ludovika in Bayern) – 1845 den Titel „königliche Hoheit“ und erhob den Adelstand für die Herzöge und alle Nachkommen „in“ Bayern.

Leider kam dies für Sisi zu spät. Aufgrund ihrer „minderen“ Herkunft, wurde sie Zeit ihres Lebens am Wiener Hof verspottet. Doch dies ist eine ganz andere Geschichte…

~ Marie ~

 


Rechtliche Hinweise:
Textrechte: Marie Festetics
Bildrechte: Es konnten keine Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


 

2 Kommentare zu “Himmel, „von“ oder „in“ Bayern, wo war eigentlich der Unterschied?

  1. Pingback: Hochzeit Kaiser Franz Joseph und Herzogin Elisabeth in Bayern (Teil 3) | Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich

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