Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern

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Herzogin Ludovika in jungen Jahren, 1828 Öl auf Leinwand, Joseph Karl Stieler, Foto: @Wikimedia/Commons

Wer die „Sissi“ Filme kennt, wird natürlich auch Herzogin Ludovika, dargestellt von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider) verehren. Die gütige liebende Mutter, die ihrer Tochter Sissi versucht beizustehen, als sich der Kaiser für die „Lisl von Possenhofen“ entscheidet.

In vielerlei Hinsicht haben die Filme sogar Recht. Ludovika war eine liebende Mutter, allerdings auch hier gibt es zur Darstellung von Magda Schneider relativ wenig Bezug zur realen Person Ludovika Wilhelmine, die aber in die Geschichte nur als Herzogin Ludovika eingehen sollte.

Ihr Vater König Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, bekannt als König Max(imilian) I. Joseph (*27.5.1756, †13.10.1825) ehelichte am 30.9.1785 Prinzessin Auguste Wilhelmine (*14.4.1765, †30.3.1796). Mit ihr bekam er 5 Kinder.

Durch politische Unruhen durchs Land getrieben und geschwächt durch die Geburten, starb Auguste Wilhelmine schließlich in Rohrbach 31jährig am 30.3.1796 an Lungentuberkulose.

Max der Verzweiflung nahe, da er nicht nur mit 4 Kindern alleine dastand, sondern auch um seine geliebte Frau trauerte, lernte im Exil in Ansbach Prinzessin Karoline von Baden (*13.7.1776, †13.11.1841) kennen und lieben.

 

Stammbaum von König Maximilian I und Prinzessin Auguste Wilhelmine, Fotos: @Wikimedia/Commons

 

König Max Joseph I, Foto: @Wikimedia/Commons

Max war bereits 41 Jahre alt, als er die junge Prinzessin kennenlernte. Er bat deren Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt (*20.6.1754, †21.7.1832) in einem rührenden Brief und die Hand der Tochter. Karoline war anfangs nicht sehr begeistert, stimmte einer Hochzeit – wohl weil die Mutter sie überredet hatte – zu. Sie war erst 21 Jahre alt, als sie am 9.3.1797 die Ehe mit Max einging. Karoline und Max bekamen 8 Kinder, wovon 2 Zwillingspärchen waren. Die Ehe galt als ausgesprochen glücklich und liebenswert. 

Ludovikas Halbgeschwister wurden zum Teil sehr berühmte Menschen; u.a. wurde der Erstgeborene (Halb)Bruder Ludwig I. von Bayern, König von Bayern, der mit der unleidlichen Affäre mit Lola Montez in die Annalen der Geschichtsbücher einging. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Stammbaum von Herzogin Ludovika, Fotos: @Wikimedia/Commons

Königin Karoline Foto: @Wikimedia/Commons

Luise (Ludovika), Sophie und Maria Anna, Bild nach Joseph Karl Stieler, 1812, Foto: @Wikimedia/Commons 

Ludovika wurde am 30.8.1808 auf Schloss Nymphenburg geboren. Ihre älteren Geschwister waren die Zwillinge Elisabeth und Amalie Auguste und die Zwillinge Maria Anna und Sophie Friedericke. Auch hier werden die Geschwister Berühmtheiten; allerdings ist Sophie Friederike sicherlich die Berühmteste. Sie wurde Erzherzogin Sophie – die Mutter von Kaiser Franz Joseph. Nach Ludovika erblickte nur noch Nesthäkchen Maximiliane Josepha (*21.7.1810, †4.2.1821) das Licht der Welt. Die beiden Brüder überleben das Kindheitsalter leider nicht. Der erste Sohn stirbt gleich bei der Geburt, Maximilian stirbt mit 3 Jahren.

 

 

Schloss Nymphenburg in München, Foto: samot/shutterstock.com

Ludovika wuchs in Schloss Nymphenburg sehr liebevoll auf. Ihre Eltern waren fürsorglich, die sich gut um die Kinderschar kümmerte. Ein seltenes Familienidyll in jener Zeit – vor allem für Königshäuser.

Königin Karoline wurde Zeit ihres Lebens von ihren Kindern sehr verehrt und geliebt. Wie sehr die Eltern vergöttert wurden, bezeugen Liebesbriefe der Kinder an die Eltern, die in Wien am Wiener Kongress (1814/15) ihre Pflicht taten. 8 Monate waren sie von zu Hause weg. Die 9jährige Sophie schrieb verzweifelt: „Es ist derzeit ein wenig zu heftig, schon seit zwei Monaten habe ich nicht die Freude gehabt, Sie zu sehen und zu umarmen. Das trifft mich so sehr, dass ich heiße Tränen vergießen könnte. Sagen Sie den Kaisern und Königen aber, dass sie sich ein wenig beeilen, ihre Angelegenheiten zu Ende zu bringen, um den armen Waisenmädchen ihre Eltern zurückzugeben, die ihren kleinen Herzen so teuer sind.“ (1)

Die Kinder hatten lustige Kosenamen für sich – vor allem Sophie wurde damit reich beschenkt: Fefe, Pipi, Pifi, Bibi, Fifi, Soph oder Sinpilfer, Ludovika wurde zu „Louise“ und Nesthäkchen Maximiliane Josepha wurde von allen nur „Ni“ gerufen. 

Die Innschrift des Grabreliefs von Prinzessin Maximiliane Josepha Caroline von Bayern: „Innigst geliebt und heftigst beweint“ Foto: @Wikimedia/Commons

Die kleine Ni war generell der erklärte Liebling der Familie, aber am meisten von ihrer Mutter. Während Max seine Kinder Sophie und Anna Maria am meisten liebte. Ni war Zeit ihres Lebens immer kränklich gewesen. Als sie aber am 4.2.1821 im 11ten Lebensjahr an Schleimfieber verstarb, brach für die Familie eine Welt zusammen. Karoline trauerte lange und tief. Auch die Kinderschar musste diesen Verlust erst verarbeiten. Sophie nagte Zeit ihres Lebens am Verlust ihrer Schwester. Wie tief der Schock über den viel zu frühen Tod gewesen sein muss, zeigt das Grabrelief der kleinen Ni.

Trotz allem mussten Ludovika und ihre Geschwister schon sehr früh (ab dem 4. Lebensjahr) am Hofleben teilnehmen; sie mussten das Hofzeremoniell lernen, ins Theater gehen und Pflichten des höfischen Lebens erlernen.

Sie wurde in Französisch (Hofsprache), Deutsch, Literatur, Geschichte und Geographie unterrichtet. Die Kinder durften im Schlossgarten toben und auch allerlei Streiche oder Unsinn machen. Die Liebe zur Freiheit und Ungezwungenheit war es, welche Ludovika auch ihren Kindern weitergeben sollte. Aber ich greife vor.

König Michael I. von Portugal „Dom Miguel“, Foto: @geneall.net

Ludovika verliebte sich in Miguel Maria do Patrocínio João Carlos Francisco de Assis Xavier de Paula Pedro de Alcântara António Rafael Gabriel Joaquim José Gonzaga Evaristo de Bragança e Bourbon, kurz Dom Miguel (*26.10.1802, †14.11.1866), der aber von ihren Eltern abgelehnt wurde. Den Schmerz über dieses Verbot, vergaß sie nie.

St. Quirinus, Tegernsee Foto: @Christian Sepp

Ludovika wurde gegen ihren Willen mit dem sehr lebhaften Herzog Max in Bayern verlobt. Angeblich war er Prinzessin Maximiliane Josepha versprochen, als diese aber starb, rückte Ludovika nach. Ob dies der Wahrheit entspricht, ist sehr schwer zu glauben. Viel glaubwürdiger ist die Tatsache, dass „eine“ Königstochter geheiratet werden sollte, welche war dabei wohl eher nebensächlich. Wie auch immer. Auf alle Fälle gab es kein Wehklagen und kein Zetern: am 9.9.1828 wurde in der Schlosskapelle St. Quirinus der Bund der Ehe geschlossen.

Herzog Max in Bayern, vom Volk „Zithermaxl“ genannt. Foto: @Wikimedia/Commons

Der unglückliche Spruch, den Ludovika am Tag ihrer Hochzeit ausgestoßen haben soll: „Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende“, der auf Wikipedia zu lesen ist, ist wohl der reinen Erfindung der gekränkten und verstoßenen Gräfin Marie Larisch zu verdanken; die hat sich in ihren beiden Büchern nach der Verbannung (wegen Kronprinz Rudolfs Tod) an ihrer Familie bitter gerächt hat. Das sie dabei ihre Großmutter in Verruf brachte, dürfte Gräfin Larisch billigend in Kauf genommen haben. Ich greife aber wieder einmal viel zu weit vor. 

Tatsache war allerdings, dass Ludovika todunglücklich war. Sie fand ihren Mann nicht einmal sympathisch. Für Max wiederum war Ludovika hausbacken und langweilig. Trotzdem bekam das Paar 10 Kinder, wovon 8 Kinder das Erwachsenen Alter erlebten.

 

 

Stammbaum Herzog Max und Herzogin Ludovika, Fotos: @Wikimedia/Commons

Herzog Max und Herzogin Ludovika, 50. Hochzeitstag Foto: @Wikimedia/Commons

Die Ehe verlief Zeit ihres Lebens unglücklich, das Paar sah sich kaum. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit versöhnte sich das Ehepaar. Marie von Redwitz (*9.12.1856, †11.4.1933), Hofdame der Tochter von Carl Theodor, Herzogin Amalie in Bayern (*24.12.1865, †26.5.1912), schreibt dazu in ihrer Hofchronik 1888: „Einmal nur erwähnte die alte Hoheit, die ihn besuchte, sie finde ihn nicht gut aussehend, und daß er auch am Tage bei geschlossenen Läden bei Licht säße, mache ihr einen traurigen Eindruck. Er behauptete, in seinen Zimmern (den Hochparterreräumen des Palais) würde es doch nie recht hell. Die Hofdamen haben den „alten Herrn“, wie er meist genannt wurde, seit zehn Jahren nicht gesehen, selbst die Dienerschaft, die nicht speziell in seinen Diensten stand, kannte ihn nicht. Er verließ das Haus und seine Zimmer nie mehr.“ (2)

Die erste Zeit reiste das Paar viel und zog schließlich in das bombastische Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße in München. 1834 kaufte Herzog Max schließlich das Sommerschloss Possenhofen, von allen nur liebevoll Possi genannt und gab damit den Kindern und Ludovika ein zu Hause, das diese sehr liebten.

Schloss Possenhofen, heute, Eigentumswohnungen, Betreten verboten, Foto: sternenkaiserin.com

Possi und Ludovika wurden zum Lebensmittelpunkt der Kinder. Herzogin Ludovika hielt nichts vom strengen Hofzeremoniell und ließ die Kinder zu Hause von Hauslehrern unterrichten.

Schloss Possenhofen, Aquarell Franz Xaver Nachtmann, 1839, Foto: @Wikimedia/Commons

Wichtigste Stütze als Freund und Erzieher der Kinder ist ihr dabei Baron Carl von Wulffen, den sie später zu ihrem Obersthofmeister macht.

Der Unterricht wurde auch oft in die Natur verlegt, denn der große Garten, der See und die umliegenden Wälder luden zum Toben, Reiten und Schwimmen ein. Auch wenn es sich nicht ziemte, aber die Kinder lernten alle Schwimmen. Vor allem Kaiserin Elisabeth sollte dies ihr Leben lang beibehalten.

Herzog Max-Palais, München Foto: @Wikimedia/Commons

Ludovika liebte lange Spaziergänge, den Wald, die Tiere und so ging sie mit den Kindern stundenlang spazieren und brachte ihnen die Natur näher. Sie sprach mit den Kindern hauptsächlich deutsch, was auch nicht dem strengen Hofzeremionell entgegenkam, da man dort französisch sprach. Und so lernten die Kinder bayrischen Dialekt.

Possi wurde für die Kinder der Inbegriff von Freiheit, von Liebe und von Heimat. Alle Kinder kamen immer gerne nach Possenhofen zurück und hatten Zeit ihres Lebens schweres Heimweh. Keiner von den Kindern konnte die Freiheit so derartig bewahren, wie sie es als Kinder genossen haben.

Ludovika selbst ging in ihrer Aufgabe als Mutter voll auf. Sie legte Wert darauf, die Kinder selbst zu erziehen und beschäftigte sich viel mit ihnen. Auch zu ihren zahlreichen Enkelkinder hatte „Großmama“ ein äußerst gutes Verhältnis. Marie von Redwitz schreibt folgendes in ihr Tagebuch, als sie 1888 die alte Dame kennenlernt: „Ich war erstaunt über die Erscheinung, und die einst schöne und große Frau kam mir mit der gebeugten Gestalt ihrer einundachtzig Jahre um den verwelkten Zügen wie ein Spitalweibchen vor. Das noch dicke melierte Haar war um den Kopf gelegt, und da sie keine Haarnadeln ertrug, mit einem schwarzen Filetnetz gehalten. Das grüne schlafrockartige Kleid hatte auffallendes gelbes Muster. Sie sprach mich liebenswürdig an, mit schwachem Lächeln auf den Lippen und den gesenkten Augen der getrübten Sehkraft.“ (3)

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Herzogin Ludovika Foto: @Wikimedia/Commons

Um Ludovika jedoch näher kennenzulernen, müsste man sich mit ihren Briefen beschäftigen. Sie schrieb an alle ihre Lieben und hielt auch bis ins hohe Alter mit allen Schwestern und Brüdern engen Kontakt. Als ihre Augen immer schlechter wurden, ließ sie ihre jüngste Tochter Sophie Charlotte ihre Korrespondenz erledigen. 

Auch wenn die alte Patriarchin ihre Sprösslinge gut im Griff hatte, so war sie Zeit ihres Lebens mit der Lebensweise ihrer Kindern „etwas“ überfordert.

Als Sophie Charlotte im heiratsfähigen Alter war, war ihre ältere Schwester Elisabeth bereits seit Jahren Kaiserin von Österreich. Ludovika hielt engen Kontakt mit Erzherzogin Sophie, die ihre Schwester und gleichzeitig die Mutter von Kaiser Franz Joseph war. 

Und genau hier unterscheidet sich auch wieder die Filmvorlage Ludovika von Magda Schneider zur realen Herzogin. Es war nicht Ludovikas Aufgabe zwischen Elisabeth und Erzherzogin Sophie zu vermitteln. Im Gegenteil. Immer wieder schrieb Ludovika traurige Briefe nach Wien, um sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen:„…wenn man nur erkennte, was Du Alles thust, wie gut Du es mit anderen meinst! Gott, gebe, daß es noch einmal anders wird.“ (4)

Damit kritisierte sie Elisabeths ablehnende Haltung gegenüber Erzherzogin Sophie. Ludovika zeigte sich deren ganzes Leben dankbar, dass sie die junge unerfahrene Elisabeth in Obhut genommen hatte.

Herzogin Sophie Charlotte Foto: @Wikimedia/Commons

Als – um auf Sophie Charlotte (*22.2.1847, †4.5.1897) zurückzukommen – nun die jüngste, schöne Tochter zu verheiraten war, wurde noch einmal der Wiener Hof zur Brautschau herangenommen. Erzherzog Ludwig Viktor (*15.5.1842, †18.1.1919) der jüngste Bruder von Kaiser Franz Joseph, sollte der Ehemann werden. Doch Sophie Charlotte lehnte entrüstet ab.

Erzherzog Ludwig Viktor Foto: @Wikimedia/Commons

Und wieder schrieb Ludovika an Sophie: …“es hat mir viele Thränen gekostet, ein solcher Schwiegersohn wäre ein Glück für mich gewesen. Aber Gott meine es mit Dir, Du viel geprüfte Schwester, gut, wenn nicht auch noch die kapriziöse Sophie in die Wiener Hofburg einzöge. Vielleicht hätte Sophie, trotz ihrer gewiß guten Eigenschaften, Deiner Erwartung nicht in Allem entsprochen, und der liebe Gott führt Dir eine verzüglichere zu, die Dich und Deinen guten Ludwig recht glücklich macht, wie Ihr beide es verdient.! Gott gebe Dir einen heiteren, ruhigen, friedlichen Lebensabend und reichen Ersatz für so viele stille Opfer, die Dein armes Herz hat bringen müssen…. und Deinem Ludwig eine schöne Zukunft.“ (5)

Sophie Charlottes Leben verlief sehr tragisch. Sie ging als „Kurzzeitverlobte“ von König Ludwig I von Bayern (25.8.1845, †13.6.1886) in die Geschichte ein. Ludwig und Sophie waren vom 22.1.1867 bis zum 7.10.1867 verlobt. Danach ehelichte sie am 28.9.1868 relativ gleichgültig Herzog Ferdinand von Alençon (12.7.1844, †29.6.1910), mit dem sie 2 Kinder bekam.

Extrem schwer verkraftete sie den Tod der geliebten Schwiegertochter Sophie von Sachsen (*15.3.1845), welche kurz nach der großen Verlobungsfeier von Ludwig und Sophie Charlotte kaum 22jährig am 9.3.1867 verstarb. Der Verlust traf Ludovika und ihren Lieblingssohn Gackel – Carl Theodor – mit voller Wucht. Noch dazu, weil die kleine Amalie, gerade einmal im 2ten Lebensjahr war. Den Bericht über Sophie von Sachsen könnt ihr hier nachlesen. 

Herzog Carl Theodor mit Maria José, Foto: @Wikimedia/Commons

Erst am 29.4.1874 heiratete Carl Theodor erneut. Um sich doch noch mit dem portugiesischen Haus zu vereinen (Miguel war allerdings bereits seit 1866 verstorben), verheiratete sie ihren Sohn Carl Theodor (*9.8.1839, †30.11.1909) in 2ter Ehe mit Miguels Tochter Maria Josepha (Maria José) von Portugal (*19.3.1857, †11.3.1943). 

Herzogin Marie Sophie Foto: @Wikimedia/Commons

Herzogin Mathilde Foto: @Wikimedia/Commons

Die beiden anderen Töchter Marie Sophie (*4.10.1841, †19.1.25) und Mathilde (*30.9.1843, †18.6.1925) verheiratete sie unglücklich. Um kurz einen Einblick zu gewähren:
Marie Sophie wurde nach Neapel verheiratet, wo ein kleinwüchsiger König auf sie wartete, das Unglück nahm seinen Lauf. Marie Sophie gebar ein uneheliches Kind, von dem man bis heute nicht weiß, wo es nach der Geburt verblieben ist. Und Mathilde wurde mit einem schweren Alkoholiker verheiratet, der sich schließlich 50jährig in Paris das Leben nahm. 

Wie man sieht, besaß Ludovika in der Wahl der Ehemänner kein gutes Händchen. Sie war sehr ehrgeizig auf Titel und Krone und so war ihr der Titel Königin von Neapel (Marie) wichtiger, als das Glück der Tochter. Immerhin hätte schon Sophie Charlotte Königin von Bayern werden sollen. 

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Hezogin Ludovika mit Spitz Lupa, ca. 1890 Foto: @Wikimedia/Commons

Herzogin Ludovika in Mitten ihrer Lieben (v.l.n.r.) Sophie Charlotte, Mathilde (stehend), Carl Theodor und Max Emanuel Foto: @Wikimedia/Commons

Eine weitere Liebe von Ludovika waren ihre Hunde. Sie liebte Spitze über alles, vor allem weiße. Und die durften im Haus alles, sogar bei Tisch sitzen, was bei so manchem Gast großen Ekel erregte, denn die Flöhe der Hunde sprangen auf den Tellern herum, die zwar sofort ausgetauscht, dennoch die Hunde nicht vom Tisch entfernt wurden.

Während der großen Trauer um Sophie von Sachsen, kam auch Erzherzogin Sophie nach Possenhofen. Der Tod ihres geliebten Sohnes Ferdinand Maximilian (Kaiser Max von Mexiko) (*6.7.1832, †19.6.1867) traf die alte Frau sehr. 

Und so war Ludovika immer der Ruhepol der Familie. Wer Schutz, Trost oder Heimweh hatte, war jederzeit bei Ludovika willkommen.

Sophie von Sachsen Foto: @Wikipedia/Commons

Auch Kaiserin Elisabeth weilte sehr gerne bei ihrer Mutter in Possi, belegte aber das gesamte „Kaiserin Elisabeth Hotel“ in Feldafing, da ihre Gefolgschaft für das kleine Schloss zu groß war. Kaiserin Elisabeth war zufällig in Feldafing anwesend, als am 13.6.1886 König Ludwig vis á vis im Starnberger See ums Leben kam.

Zum 80. Geburtstag der alten Dame kamen alle Kinder und Enkelkinder von fern und nah, um den großen Ehrentag mit ihr zu feiern. Nur Herzog Max erscheint zum Geburtstag nicht. Der alte Herr hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Gesundheitszustand ließ keine Reise nach Possenhofen zu. 

Kaiserin Elisabeth schrieb ein rührendes Gedicht für ihre Mutter zum 80. Geburtstag, welches allerdings erst weit nach dem Ableben aller beteiligten Personen an die Öffentlichkeit kam:

Ich bitte Gott, Er möge gnädig senden
Dir manchen Sommer noch, wie du ihn liebst, 
Wo Frische dir die Sonnenstrahlen spenden
Und Stunden du im Buchenhain verbliebst. 
Nachts aber soll der Mond sein Antlitz wenden
Dir zu, wie Du entzückt mir jüngst beschriebst. 
Wem die Natur so lieblich weiss zu blühen, 
Vor dem wird lange noch das Alter fliehen! (6)

Herzogin Ludovika Foto: @Wikimedia/Commons

Am 24.1.1892 erkrankte Ludovika jedoch schwer. Eine Lungenentzündung schwächte die alte Dame, sie war mittlerweile knapp 84 Jahre alt, so sehr, dass sie am 25.1. das Bett nicht mehr verlassen konnte. Sofort wurde die gesamte Familie benachrichtigt.

Sophie Charlotte ist die erste bei ihr, da sie gerade in München weilte, Erzherzog Ludwig Viktor und sogar der Sohn von Miguel, Miguel II. von Bragança, Albert Thurn und Thaxis (Enkelsohn/Helene), Carl Theodor, Maria Josè und alle anderen eilten herbei.

Nur Kaiserin Elisabeth ließ sich entschuldigen: Marie Valérie kränkelte und war hochschwanger. Die Kaiserin halb hysterisch vor Angst um die Tochter, fuhr deswegen nicht nach München.

Marie von Redwitz schreibt: „Der Morgen des 25. verlief ruhig, die Kranke stand sogar auf, weil es ihr schrecklich war, im Bette zu sein, das ihr immer wie ein Sarg vorkam. Alle Töchter wurden telegraphisch berufen und kamen, bis auf die Kaiserin, die Erzhogin Valérie in diesem Moment nicht verlassen konnte.
Herzog Carl geht es sehr nahe, erregt und ängstlich war er mit der Herzogin beständig bei der Leidenen. Die Ärzte gingen ein und aus.
Nach aufgehobener Tafel blieben wir alle in den Nebenräumen, schauten auch selbst wieder zur Kranken hinein, die schlummernd und ruhig atmend dalag, und der man die letzte Ölung erteilt. Wie sehr hat sie sich vor dem Tode gefürchtet, und wie unbemerkt ist er ihr genaht. Um vier Uhr morgens hat sie den letzten Atemzug getan, und sie lag nun wie eine Schlummernde auf der Chaiselongue friedlich und unverändert. Ihre immer noch dichten Flechten hingen herab, und man ließ sie im Schlafrock, in dem sie gestorben.“ (7) 

Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern starb am 26.1.1892 im Herzog Max-Palais. Sie wurde in der Familiengruft im Kloster Tegernsee bestattet.

 

~ Marie ~

 


Danksagung:
Ich möchte dem Historiker Christian Sepp danken, der mir mit Rat und Tat und vielen Hinweisen durchgeholfen hat. Seine Biografie über Herzogin Ludovika wird im Frühjahr 2018 im August Dreesbach Verlag erscheinen. 


Rechtliche Hinweise:
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics, Brigitte Hamann, Christian Sepp, Marie von Redwitz 
Bildrechte: @Wikimedia/Commons, @geneall.net, samot/shutterstock.com, Christian Sepp, Sternenkaiserin 
Es konnten keine weiteren Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at


Literaturhinweis:

Generelles Nachschlagewerk in Sachen „Wittelsbach“
Christian Sepp

Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
August Dreesbach Verlag, 2014, 1. Auflage

1 – S 35
Ingrid Haslinger
Erzherzogin Sophie – Eine Biographie nach den persönlichen Aufzeichnungen der Mutter Kaiser Franz Josephs, Residenz Verlag, 2016, 1. Ausgabe

2 – S 21, 3 – S 13/14, 7 – S 136 
Marie von Redwitz
Hofchronik 1888 – 1921 (Nur noch antiquarisch erhältlich)
Kulturpolitik, München 1924

4 – S 133, 5 – S 416, 6 – S 432
Brigitte Hamann
Elisabeth Kaiserin wider Willen,
Amalthea, 1992, 11. Ausgabe


 

2 Kommentare zu “Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern

  1. Pingback: Himmel, von oder in Bayern, wo war eigentlich der Unterschied? | Elisabeth R. alias Kaiserin Elisabeth von Österreich

  2. Pingback: Erzherzogin Sophie | Elisabeth R. als Kaiserin Elisabeth von Österreich

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