Herzog Max Joseph in Bayern

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Herzog Max mit Zither, im Hintergrund Sisi-Schloss, Aichach, Foto: @Wikimedia/Commons

Bis heute ist der Mythos Herzog Max in Bayern lebendig. Nicht allein deshalb, weil Gustav Knuth ihn so prachtvoll in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider, dargestellt hat.

Doch so prachtvoll und liebevoll, wie er in den Filmen dargestellt wurde, war natürlich der reale Max nicht.

In weiterer Folge, werden wir alle Personen von Kaiserin Elisabeth vorstellen und wir hoffen, dass Ihnen die Geschichten rund um die Familie Spaß bereiten werden. Wir versuchen alle Personen so real wie möglich darzustellen.

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Stammbaum der Eltern mit Sohn Max Foto: @Wikimedia/Commons

Max Joseph in Bayern wurde am 4. Dezember 1808 in Bamberg geboren. Seine Mutter war Amalie Luise von Arenberg, sein Vater Herzog Pius August in Bayern. Seine Eltern waren ein sehr unglückliches Paar. Pius neigte zu cholerischen Anfällen und fing sehr gerne Schlägereien an (ob er Frau und Kind geschlagen hat, ist nicht bekannt). Um seine Erziehung kümmerte sich deshalb sein liberal denkender Großvater Wilhelm in Bayern. Seine Mutter übergab ihn deshalb ganz in dessen Obhut und konnte ihren Sohn erst nach fast 3 Jahren 1820 besuchen. Nach dem 2ten Besuch, 1823 starb Amalie Luise in Bayern. Pius zog sich daraufhin komplett privat zurück.

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Herzog Max Palais, München Foto: @Wikimedia/Commons

Max erbte im Jahr 1824 ein beträchtliches Vermögen, da sein Großvater starb. So ließ er sich 1828 das berühmte Palais Herzog Max in der Ludwigstraße in München bauen. Eine Residenz, wie sie bis dahin kaum einer je gesehen hat. Leo von Klenzes setzte den Prachtbau um; es galt bis zu seinem Abriss 1937 als das schönste Palais Münchens und war bis über die Grenzen hinaus bekannt. Das Palais wurde 1833 noch um eine kleine Zirkusarena erweitert. Diese Zirkusarena wurde der Grundstein für Kaiserin Elisabeths Reitleidenschaft, aber ich hole zu weit nach vorne aus.

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Herzog Max, ca. 1850, Unbekannt Foto: @Wikimedia/Commons

Max war ein freiheitsdenkender Mensch. Alle höfischen Konventionen und Zwänge gingen ihm auf die Nerven. Der regierende König Ludwig I. von Bayern (Stiefbruder seiner Ehefrau) sah dieses freie Denken und Leben ohne Konventionen nicht gern, konnte aber nichts dagegen tun.

Am 9.9.1828 fand die arrangierte Hochzeit mit Maria Ludovika Wilhelmine Prinzessin von Bayern statt. Maria Ludovika wurde von allen immer nur Luise genannt ging als Herzogin Ludovika in die Geschichte ein. Eigentlich war Max der jüngeren Schwester Maximiliane Josepha Karoline Prinzessin von Bayern versprochen, doch diese verstarb 11jährig an Thyphus. So rückte Ludovika nach. (Die unglückliche Ehe beleuchte ich näher unter der Biografie zu Ludovika.) Ludovika und Max bekamen 10 Kinder.

Stammbaum Herzog Max und Herzogin Ludovika in Bayern Fotos: @Wikimedia/Commons

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Herzog Max, Unbekannt Foto: @Wikimedia/Commons

Max war ein geübter Zither Spieler. Die Zither galt als „Lumpeninstrument“ und erst Max war es, der dieses Musikinstrument in die höfischen Kreise einführte. Deshalb wurde er von allen „Zither-Maxl“ genannt. Seine freie Denkweise war beim Volk sehr beliebt. Er galt als Volksnah und gab viel auf bürgerliche Volksstücke und Kartenspiel. Zu seinen besten Freunden zählten oft normale Bürger, wie Kaufleute, Postmeister oder Wirtsleute. Max schrieb Horrorgeschichten, las viel Literatur und dichtete boshafte Gedichte auf die Gesellschaft. Er liebte das Reiten, das Theater und generell alles was mit Vergnügen zu tun hatte. An seine väterlichen Pflichten dachte er dabei sehr wenig, bis gar nicht. Einzig seine Tochter Sisi stand ihm am Nächsten. Wie ähnlich sie ihm war, sollte der Wiener Hof, in den Elisabeth als Kaiserin einheiraten sollte, bald erfahren. Gerade im Alter entwickelte Sisi fast eine manische Passion, die sehr ihrem Vater ähnelte. Doch auch hier greife ich wieder vor. Max jedenfalls genoss sein Leben in vollen Zügen und am liebsten war es ihm, wenn seine Frau und Kinder in Possenhofen weilten.

Natürlich war Gustav Knuth in den Filmen der liebende Vater, der Patriarch der Familie, der es schätzte wenn alle seine Schäfchen glücklich waren.

Ganz so real war dies natürlich nicht. Herzog Max konnte ein ziemlicher Despot sein. Seine Wutausbrüche waren berüchtigt. War ihm der Trubel zu viel oder merkte er, dass er nicht im Mittelpunkt war, schrie er herum und sei es nur, weil ihn ein Hühnerauge drückte.
Seine Kinderschar ging ihm (meist) auf die Nerven und wirklich viel unternahm er mit ihnen nicht. Mit den Mädchen allerdings unternahm er lange Bergtouren, denn es war ihm wichtig, dass die Mädchen „ordentlich Gehen lernten.“ Mit den Söhnen ging er richtig Bergsteigen und das über Stunden und Tage.

Herzog Max führte auch sehr viele außerehelichen Liebschaften und so entstanden zahlreiche Kinder außerhalb der Ehe. Von 2 Töchtern weiß man, ebenso wie von Max Kolb, der 1829 geboren wurde. Letzterer könnte aber auch ev. ein Sohn von König Maximilian II von Bayern gewesen sein, wird aber eher Herzog Max zugewiesen. Max Kolb wurde ein berühmter Gartenarchitekt und seine Tochter Annette Kolb war eine deutsche Schriftstellerin († 1967).

Als seine Tochter Königin Marie von Neapel ein uneheliches Kind gebar, war es Max, der seine Frau Ludovika zur Räson brachte, in dem er sagte, dass dies in den besten Familien vorkäme. Aber ich greife vor.

Schloss Possenhofen heute, Eigentumswohnungen, Betreten verboten Foto: @sternenkaiserin.com

1834 erwarb er für die große Familie den Landsitz in Possenhofen, wo Ludovika und die Kinder die meiste Zeit des Jahres verbrachten. Nur in den Wintermonaten musste die Familie nach München ins Herzog Max Palais, da das Sommerschloss über keine ausreichenden Öfen verfügte. Das Schloss wurde in der Familie liebevoll „Possi“ genannt.

Schloss Possenhofen ist heute ein für öffentliche Zutritte versperrtes Schloss, in dem Eigentumswohnungen errichtet wurden. Das Schloss kann daher nur von Außen besichtigt werden und ist weiträumig eingezäunt.

Sisi Schloss, Aichach, heute, Foto: @sternenkaiserin.com

1838 erwarb Max das Wasserschloss Unterwittelsbach, das berühmte Sisi-Schloss. Dieses ist Teil der Sisi-Straße, welches durch jährliche Ausstellungen besichtigt werden kann.

Zum Besitz gehörte auch das Kloster Banz und das Kloster Tegernsee, wo Herzog Max und Herzogin Ludovika begraben sind.

Die längste und berühmteste Reise die Max mit kleinem Gefolge unternahm, war sicherlich die Reise ins „Heilige Land“, das heutige Israel. Die Route führte ihn von München, Venedig, Korfu, Patras, Athen, Alexandria und Kairo, schließlich nach Jerusalem. Nach 8 Monaten kam er zurück. Als Mitbringsel hatte er 4 schwarze Sklaven mit dabei, die er am Sklavenmarkt freikaufte. Da die Münchner Gesellschaft bis dahin noch keine schwarzen Bürger gesehen hatte, waren diese Menschen eine Sensation. Die Männer verblieben Zeit ihres Lebens im Dienste der Familie.

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Herzog Max und Herzogin Ludovika, anlässlich der goldenen Hochzeit, Foto: @Wikimedia/Commons

Das alles hatte zur Folge, dass Max und Ludovika sich nie wirklich annäherten. Erst im Alter und bei der goldenen Hochzeit (50 Jahre Ehe) söhnten sich die beiden aus. Trotzdem blieben ihm die Kinder und die zahlreichen Enkelkinder fremd.

Max starb nach zwei Schlaganfällen am 15. November 1888.Der Tod des Patriarchen wurde sehr unterschiedlich aufgenommen. Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf, sowie alle Kinder und Enkel nahmen an der Bestattung teil. Nur eine fehlte: Kaiserin Elisabeth. Sie weilte auf Korfu und sagte „aus gesundheitlichen Gründen“ ab.

 

 

~ Marie ~

 

 

 


Rechtliche Hinweise:
Bildrechte: sternenkaiserin, Wikimedia/Commons
Es konnten keine Urheberrechte zu den Bildern festgestellt werden. Sollten wir gegen ein Urheberrecht verstoßen haben, bitten wir um Kontaktaufnahme: sternenkaiserin[at]gmx.at
Stammbaum: Marie Festetics
Textrechte: Marie Festetics


Literaturhinweise:
Alfons Schweiggert
Herzog Max in Bayern: Sisis wilder Vater

Christian Sepp
Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester


Reiseinformationen:
Sisi Straße – Sisi Schloss
Sisi-Straße – Reiseroute


 

 

Ein Kommentar zu “Herzog Max Joseph in Bayern

  1. Pingback: Himmel, von oder in Bayern, wo war eigentlich der Unterschied? | Elisabeth R. alias Kaiserin Elisabeth von Österreich

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